Ausgabe 
13.12.1939
 
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Nr. 292 Zweites Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Mittwoch, 15. Dezember 1959

Kinderbücher unter dem Weihnachtsbaum.

Der Wolf und die sieben junaen etn-; 2mc\ ber unvergänglichsten Sinter" und Hausmarchen der Gebrüder Grimm erlcbeini keben al- neueste- Bändchen der liebevoll au-qe statteten Marchen-Reche des Verlages Rütten S- Loemng ,n Potsdam. - (335) - Eugen Rüm" ba m ®arc*)en mit reizenden, ganz der Endlichen Vorstellung-wett entnommenen farbigen Bildern geschmückt. Fr. W. Lanäe

~ 0 r b 4 olIy : Wolkenkinder °°Mit

»farbigen Tafeln. 1,90 RM. Verlag Josef Müller

J.3- 3« farbenprächtigen Bildern und Mchten kindertumlichen Versen erzählt Nora Scholly von Morgenwolken, Regen-, Sturm- oder Schneewolken Wenn die Kleinen fragen, woher d>« Wolken kommen, wohin sie segeln last sie mit den Wolkenkindern im Wolkenschiss^ über Land und Meer |egeln!

Ida Bohatta-Morpurgo: Eis­ma n n le i n. 10 farbige Bilder. Preis 120 NM Serldg Sofaf Müller, München 13. Ein gar winter­liches Blldwerkchen. lind doch wird einem warm ums wenn man die drolligen weißvermum­melten Kerlchen sieht, wie sie spitznäsig und rot- ?a.tfl9 sich tummeln, bis die gan-ze Herrlichkeit beim übermütigen Punschtrinken ein trauriges Ende nimmt. Eine reizende beschwingte kleine Märchen­welt.

A Schudawa: T a n n e n b ä u m ch e n. Mit 9 farbigen Vollbildern von Nora Schollv Preis 1,20 RM. Verlag Josef Müller, München 13 (281). Ein Buchlein aus dem deutschen Walde marchenfrisch und farbenfroh, zart in Bild und Text, geeignet bei Müttern und Kindern weih­nachtliche Freude zu wecken.

Elisabeth Dreisbach: Sperlings Kinder m der Fremde. Eine lustige Kinder- zeschichte. Mit vielen Bildern. In' Ganzleinen ge­bunden 3 RM. Herold-Verlag, Stuttgart W. (299) Drei kleine Geschwister machen eine Reise zu Verwandten. Das eine Kind verlebt auf einem großen Bauernhof frohe Wochen, während die bei­den übrigen in einer Kleinstadt die seltsamsten Ueberroichungen erleben.

Karl Rode mann: Marinka geht auf W a n d e r s ch a f t. Lustige Abenteuer einer Katze. Mit vielen Bildern. In Ganzleinen gebunden mit farbigem Schutzumschlag 3 RM. Herold-Verlag, Stuttgart W. (298) Marinka stammt aus einem berühmten Katzengeschlecht. Eines Tages packt sie der Drang nach Freiheit und sie reißt ihrer Besitzerin aus. Köstlich weiß der Verfasser von Marinkas Abenteuern zu berichten. Aber wir lesen auch von prächtig heiteren Szenen in diesem schönen Katzenbuche.

Paszthory, Dora von: Der Ratten­fänger von Hameln. Mit farbigen Bildern von Eva von Paszthory. Halbleinen 3,20 RM. K. Thienemanns Verlag, Stuttgart. (311) Ein herzerfreuendes Buch vom Rattenfänger für unsere Kleinsten, sobald sie selbst etwas lesen oder sich von der Mutter oder im Kindergarten vorlesen lassen. Viele.luftige Bilder in bunten Farben begleiten die Reime in so glücklicher Weise, daß sich die Kinder in die alte Volkssage ganz hineinleben.

Hollriede, Hagdis: Taps und Tu- del und ihre Trabant en. Erzählung für Kin­der. Mit Bildern von Marianne Schneegans. Halb­leinen 2,40 RM. K. Thlenemanns Verlag. Stutt­gart. (310) Dies Geschichtenbuch enthält keine Märchen, sondern das ganze bunte Leben einer fro-hen Kinderschar. Auch Marianne Schneegans wurde von dem strahlenden Leben in diesen Ge­schichten erfüllt und hat so mit Liebe Bilder dazu gemalt, die durch das ganze Buch wie ein froher Reigen ziehen.

Eva Vatke: Sieben Ferientage im Haus Sonnenschein. Eine Erzählung aus dem täglichen Kinderleben. Mit vielen Bildern. In Ganzleinen gebunden 3 RM. Herold-Verlag, Stutt­

gart W. (305) Die Verfasserin erzählt lustig, wie fünf Kinder imHaus Sonnenschein" mit ihrem Besuch, einem munteren Großstadtmädel, eine Ianze Ferienwoche lang ihre Tage verbringen. Die Verfasserin bringt in Form dieser Erzählung viele gute Vorschläge zu allen möglichen Spielen und allerlei nützlichen Beschäftigungen.

Annemarie Koffler: Das Mädel Peter und sein bester Freun d", Globus- Verlag GmbH., Berlin. Preis 2,80 RM. (343) Warmherzig und natürlich werden hier die Ferien­erlebnisse eines frischen Förstermädels erzählt, das nach langer Krankheit in Garmisch den Winter­sport in vollen Zügen genießen darf. Aber auch die Sommerferien auf dem Lande sind voll lustiger Streiche und Abenteuer. Ein hübsches Buch für un­ser junges Volk.

Volk m a nn-Leander, Richard von: Träumerei en an französischen Kami­nen. Mit 7 farbigen Bildern von Eva v. Paszthory. Leinwand 4,20 RM. K. Thienemanns Verlag, Stutt­gart. (312) Dieses Buch bringt allen jungen und jung gebliebenen Herzen das Glück jener lieb­lich versponnenen Erzählungen, die Volkmann-Lean- der bei der Belagerung von Paris Anno 1870 an

den Kaminen der französischen Quartiere für seine Kinder daheim aufschrieb, die Märchen vom un­baren Königreich, vom Wunschring, von der Traum­buche und wie die wundersamen Geschichten alle heißen. Dazu hat Eva v. Paszchory mit anmutiger Erfindungsgabe und mit künstlerischem Feingefühl durchaus märchenhafte Bilder gemalt.

Josephine Siebe: Maxels sieben Reisen in die weite Welt. Eine lustige Ge­schichte für Kinder. Mit vielen Bildern von Ernst Kutzer. In Ganzleinen gebunden 3 RM. Herold- Verlag, Stuttgart W. (306) Josephine Siebes kindliche und phantasievolle Erzählerweise zeigt sich auch wieder in dieser Geschichte, in welcher es nur so von Heiterkeit und lustigen Einfällen sprudelt. Hauptperson darin ist der kleine Maxel, der zu sei­nem Geburtstag einen Ziegenbock erhält. Dos größte Ereignis des Tages ist allerdings der aus Afrika heimgekehrte Dnfel Erich. Seine bunten Er­zählungen haben es dem kleinen Buben gewaltig angetan. Siebenmal begibt sich nun unser Maxel voller Stolz und Mut auf seine große Weltreise, aber siebenmal endet sie schon sehr bald und es liest sich köstlich, was unser kleiner Weltreisender da­bei alles erlebt.

Siir größere Buben und Mädel.

Robinson Crusoe. Neuausgabe von H. Menten (Text) und R. Busoni (Bilder). Mit 73 Bil­dern. In Seinen gebunden 4,80 RM. Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart. (326) Robinson Crusoe ist eine der unsterblichen Gestalten der Welt­literatur. Mit immer neuer Begeisterung wendet jede Jugend sich ihm zu. Denn hier findet sie die Urform des Abenteuers: ein Mensch, ganz auf sich gestellt, meistert sein Schicksal. In Text und Bild haben H. Menten und R. Busoni dieses Schicksal neu erzählt. Veraltetes und spätere Zutaten wur­den ausgeschieden; dafür ist die bisher ost vernach­lässigte Umwelt Robinsons, Klima, Tier- und Pflan- zenwelt seiner Insel in die lebendige Darstellung mit einbewgeN. Doch geht nie der Sinn verloren für das Abenteuerliche und Fremdartige.

Fritz Steuben: Tecumsehs Tod. Eine Erzählung vom Kampf eines roten Mannes für sein Volk. Mit Karten und Silbern, In Seinen gebunden 6,80 RM. Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart. (321) Der Schlußband von Fritz Steudens geschichtlichen Indianer-Erzählungen ist ein großartiges Gemälde vom Endkampf der roten Rasse um Freiheit und Recht und vom Kampfe eines Mannes für sein Volk. Steuden hat mit diesem Werk die Gattung des Jndianerbuchs auf eine andere Ebene gehoben, lieber der Spannung und Abenteuerlichkeit steht in seinen Erzählungen die geschichtliche und psychologische Wahrheit, vom Kampf der Indianer um Beben, Freiheit und Recht.

Heinz Waterdoer: Käpt'n Fre- verts Insel. Mit vielen Bildern. In Seinen ge­bunden 4,80 RM. Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart. (322) Irgendwo in der Südsee liegt weltabgeschieden die Insel Owa-Ontvng. Wa- terboer erzählt, wie in den ersten Jahren nach dem Kriege Käpt'n Frevert und der Farmer Jaspers wieder eine deutsche Kolonie zu gründen versuchen. Es ist ein gefährliches Unternehmen, das sie in Gegensatz zu den englischen Interessen bringt, und bei dem Klaus-Peter, Jaspers' Sohn, mancherlei Abenteuer besteht, Sand und Beute kennenlernt und den Wert echter Freundschaft erfährt.

Oskar G. Foerster: Der Ueberfall am Minnesota. Kampf und Schicksal der ersten deutschen Ansiedler von Reu-Ulm im Staate Minne­sota. Mit vielen Bildren. In Ganzleinen gebunden mit farbigem Schutzumschlag 3,60 RM. Herold-Verlag, Stuttgart W. (303) Von dem Schicksal einer

Auswandererschar in der Prärie, ihrem zähen Fleiß und ihrem treuen Feschalten an deutscher Sitte und Art berichtet dieses Buch Prachtvolle kernhafte deutsche Männer sind die Neu-Ulmer, die auch dann nicht den Mut verlieren, als plötzlich im August 1862 jener letzte große Ausstand der Sioux und Chippeways ausbricht, der das friedliche Minne­sotatal in ein Meer von Feuer und Blut verwan­delt. Wie die Neu-Ulmer durch ihre Tapferkeit und Opferbereitschaft den ganzen Staat Minnesota retten, wird auf Grund historischer Quellen packend geschildert.

Durch di e weite Welt. Ein Buch für jeden Jungen. 17. Band. 350 Seiten Großformat mit rund 400 Bildern. In Seinen gebunden 5,60 RM. Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart. (325) Auch dieser 17. Band wird Liebe zur Hei­mat und Kenntnisse von fremden Ländern in den jungen Lesern vertiefen, die Welt der Technik und des Sports und der stillen Besinnung dem rechten Jungenherzen öffnen, Ratgeber für den Bastler, Wegweiser in der Astronomie, Führer durch die Erdkunde und Helfer bei Hunderten von lustigen Spielen und ernsten Beschäftigungen sein. Etwas Besonderes ist die große bunte Schautafel, die in einem Maßstab, der auch alle Einzelheiten deutlich erkennen läßt, das PanzerschiffDeutschland" zeigt. Ein großartiges Geschenkbuch für die Jugend, das ihr Beschäftigung und Unterhaltung für Wochen und Monate gibt.

Karl Max Dörner: Heiner steuert auf sein Ziel. Eine Erzählung von Sport und Kameradschaft. In Ganzleinen gebunden 3 RM. Herold-Verlag, Stuttgart W. (302) Der Schlosserlehrling Heinrich Reinhardt ist die Haupt­gestalt dieses spannenden Buches. Ein prachtvoller Kerl, frisch und lebendig, tatfroh und einsatzbereit, ein Junge, der mit klaren Augen froh in die Welt schaut und mutig die ihm frühe vom Leben gestell­ten Aufgaben zu lösen versucht.

Alfons von Czibulka: Kampf in den Bergen. Heldentaten unserer Soldaten an der Alpenftont. Geleitwort von Karl Ritter von Halt. Mit vielen Bildern. In Ganzleinen gebunden 3,60 RM. Herold-Verlag, Stuttgart W. (304) In atemberaubender Schilderung erzählt hier der bekannte Verfasser, zugleich ein Mitkämpfer jenes Hochgebirgskrieges, von diesem Ringen Mann gegen Mann um die Eisgipfel der Ortler- und Adamello-

Stunde der Veränderung.

Don Katrin Franke.

Der Junge, auf den Saffian die ganze Nacht ge­wartet, kam nicht. Gegen Mittag wurde die Dörte geboren.

Als Saffian ins Zimmer trat, suchte Clementine in seinem Gesicht. Der Mann empfand es wie die Bitte, ihr zu verzeihen.

Bist du mir böse?" fragte Clementine. Sie war erschöpft. Zwölf Stunden hatte die Dörte für ihre Reise ins Leben gebraucht.

Nicht wahr, ich kann nichts dafür?"

Nein", sagte Saffian,bu kannst wirklich nichts dafür."

Sie schloß bie Augen. Saffian dachte, nun würde die Frau schlafen. Da sagte sie plötzlich:Du hast sie dir noch gar nicht richtig angesehen!

Ich dachte schon, du würdest schlafen", sagte er. Es war wie die Sitte an Clementine, sich endlich etwas Ruhe zu gönnen.

Sie lächelte.

Wie kannst du denken, daß ich jetzt schlafe?"

Saftian beugte sich über Dörte. Er hatte noch utemais ein Kind so kurze Zeit nach der Geburt zesehen. Er wußte nicht, daß das winzige Gesicht iriele kleine Runzeln hat; und daß die Haut gerötet ift Saffian konnte denken, daß das nur bei feiner Dörte so war. Er konnte sich im Augenblick nicht Dqrftellen, daß aus Dörte, wie sie jetzt war, ein Kind vie andere auch werden würde.

Bastian war bestürzt.

Du sagst ja gar nichts?" fragte Clementine leise.

Was soll ich schon sagen? Die kleinen Hände, nicht wahr, die meinst bu doch, Clementine?"

Ist bas alles, was bu weißt? fragte ihr Schwei­fen.

Saffian sucht nach mehr, das er ihr sagen konnte. Clementine", sagte er,bu hast bas vielleicht noch fiar nicht gesehen: benfe dir, sie hat schon Haare! 5iichttge Haare, Clementine. Nicht wahr, das ist tncht bei allen Kindern so?"

Doch", sagte Clementine,bie meisten Kinder toben gleich Haare."

Dunkle Haare", sagte Bastian.Die hat sie von mir."

Die gehen wieder aus", sagte Clementine.Sie kmn dann blonde Haare bekommen, wie ich."

Aber die Augen sind von mir!" behauptete taffian.

Das kann man nicht sagen", meinte Clementine. Oie meisten Kinder haben bei ber Geburt blaue fingen, spater ändert sich bie Farbe."

Daß Clementine an Dörte nichts dulden wollte,

was von Bastian sein sollte, ärgerte ihn. Er sagte ihr bas auch, indem er schwieg.

Lächelnd duldete Clementine seinen Trotz eine Weile.

Dummer", sagte sie dann,wenn ich mir etwas wünsche, dann doch nur das, daß die Dörte einmal ganz du wird. Es wäre nicht einmal schlimm, wenn sie auch ein wenig von deiner Dickköpfigkeit mitbe­kommen hätte. Das wäre dann doch nur von dir.."

Die Clementine, wie sie jetzt war, kannte er nicht. Sie hatten sich oft, halb in Scherz freilich, über den Besitz irgendeines nichttgen Gegenstandes strei­ten können. Nun war plötzlich, in dieser Stunde erst. Neues in Clementine gewachsen. Dörte hatte bas Neue mitgebracht und der Mutter für die Schmer­zen geschenkt, die sie ihr hatte bereiten müssen, da­mit die Dörte ihr Kind hat werden können.

Jetzt mußt du aber schlafen!" sagte Bastian.

Ja", sagte sie leise, und schlief wirklich.

In ihrem Gesicht lag ein Lächeln. Das kleine, gute Lächeln war es, das Bastian von oer eigenen Mutter wußte.

Bellende Hübner.

Don K. Waoaerl.

Die Wallfahrer lagern eine Weile vor ber Kirch­mauer, um sich zu sammeln und zu verschnaufen. Es sind fremde Leute, ihr Dorf liegt fünf Gehstun- ben weit im jenseitigen Tal, das ist schon außer­halb ber Welt. Darum haben sie auch ganz andere Bräuche, bie Männer tragen grüngemufterte Strümpfe und die Frauen stecken das Halstuch nur lose in bas Meder, nicht so schön gefältelt wie im hiesigen Dorf. Und am merkwürdigsten ist, daß sie an jedes zweite Wort einen Seufzer anhängen, Gott weiß, warum sie bas tun, vielleicht gefüllt es ihnen so, ihr Geblöke. Man sagt, biefe Leute hätten überhaupt etwas Abseitiges in ihrer ganzen Art. Einmal seien sie am Vorabend der Wallfahrt zwei Stunden weif ins Tal hereingelaufen und wie- ber heimgekehrt, nur, damit sie am andern Tag nicht so weit zu gehen hätten.

Sie erzählen fteilich ihrerseits wieder die Ge­schichte von den bellenden Hühnern, als habe man hier zu Lande vor Zeiten versucht, dem Federvieh das Bellen beizubringen, damit der Geier nicht so oft über die Küchlein käme. Die Hühner gaben sich auch Mühe und lernten brav, aber als sie es rich- fig konnten, liefen sie in blindem Schrecken vor sich selber davon und stoben in alle Winde. Daran ist natürlich kein wahres Wort, das wäre ja auch des Teufels, benft euch bloß, ein bellendes Huhn?

Wie dem auch sein mag, sie sind ein ftöhliches

Volk, die Nachbarn, der Dorfplatz quillt über von Lärm und buntem Gedränge. Pater Johannes hätt ihnen die Predigt in der Kirche, aber für den An­fang fruchtet es nicht viel, wenn er von Buße und Einkehr spricht. Die Leute stehen unter der Tür und hören eine Weile zu, ja, es ist wahr, man sollte die ganze Welt verachten, alle ihre Freuden, und nur an den Himmel denken. In Sack und Asche sollte man gehen, nicht in Seide, ihr Weiber, son­dern mit dem Strick um den Hals, wie ber heilige Bischof von Mailand zur Zeit der schwarzen Pest. Denn das Leben währt nur kurz mit seinen Pla­gen, und wer verdammt ist, brennt in Ewigkeit das sind goldene Worte!

Der ift nicht übel, sagen die Leute, euer Pater! Da kannst du hören, was du bist: ein Gefäß des Unrates!

Aber Gott ist langmütig, er wird noch eine Weile zufehen und nicht gleich Pech und Schwefel schicken, bas beb en ft der Pater vielleicht zu wenig. Es bleibt noch Zett für einen Krug Bier in der Schenke und für ein Gespräch über den Zaun. So, dann seid ihr also zufrieden mit dem Futter? Wir auch, mir mühen nächste Woche. Aber das Korn steht hier schöner, drüben war Hagel.

Hagel, sagt der-Mann im Garten, ja, das tft schlimm. Da kannst du nichts dagegen tun, mein Freund, wenn dir die Schloßen kommen. Im vori­gen Jahr, sagt er, und das ist eine lange Geschichte von einem fürchterlichen Unwetter und von acht Schafen, denen der Blitz die Wolle abschor wie ich dir sage, rein herunter bis auf die Haut!

Die kleinen Mädchen bekommen ihr Naschwerk bei Agathe im Laden, da werden auch Spitzen be­sehen und Stoffe befühlt, es ist alles sündhaft teuer, und am Ende geht es doch nicht ohne ein Stück Schürzenzeug. Dann aber auch noch eine Rolle Tabak für den Mann, um des Friedens willen.

Draußen auf dem Kirchplatz haben die Buben ihr Wesen, da führt David das Wort. Er glüht gerade Kohlen im Rauchfaß an.

Bei uns ist das von Silber, sagt einer aus der Reihe, wir haben ein silbernes Rauchfaß mit vier Ketten. Ach? Ein silbernes, ein einziges? Soll ich dir etwas zeigen, bu Grinbkopf? Unsere Rauchfässer ber Reihe nach, die golbenen unb bie mit Edelsteinen, ober die Kelche unb die Meßkännchen und bie Mon­stranzen unb bas ganze Gewölbe voll unter deinen Füßen?

Zeig es boch!

6a, dir, so einem Gewächs! Da muß der Bischof kommen, verstehst du, unb selbst der muß den Ver­staub zusammennehmen. Ein ganzer Tag geht hin, und da ist er nicht einmal mit den kleineren Leuch­tern fertig.

Zählt er sie?.

gruppe, um die Felstürme, Scharten unb Wand­fluchten der Dolomiten, von Kaiserschützen und Kaiserjägern, von den Salzburaer Rainern, von Standschützen und reichsdeutschen bayerischen Jägern.

Dorothea Moore: Nabias großes Abenteuer. Deutsch von Theresia Happak-Mezler. Mit 2 Bilbern. In Leinen 3,40 RM. Verlag Josef Müller, München 13. (327) Ein ganz prosaischer Tintenfleck auf bem Kleid ber 15jährigen Nabia ist ber Anfang zu einer märchenhaften Wendung ihres Lebens. Mit steigender Spannung wird jede junge Leserin die Reise nach Rußland, Nadias Kühnheit im Hause des Fürsten Igor, ihre Geschicklichkeit und Tapferkeit beim Au stund sch asten ber Fluchtmöglich­keiten verfolgen. Den Höhepunkt bilbet die Schrek- kensnachricht in der Petersburger Menokoff- Festung und die Flucht ber verkleibeten Helfer mit ihrem Schützling. Die letzten Fährnisse lassen kaum noch Hoffnung auf Rettung, unb boch endet dann alles glücklichwie im Märchen".

Lore Sporhan-Krempel: Das Erbe im Blut. Die Geschichte zweier Mädel. Mit vielen Bildern. In Ganzleinen gebunden 3,50 RM. Herold-Verlag, Stuttgart W. (300) Die- ses Buch will vor allem zeigen, wie durch Ahnen- funbe. unb Beschäftigung mit ber Sippenforschung Zwei junge Menschenkinder sich selbst und bas (Erb­gut, welches sie in sich tragen, kennenlernen. Dina, bie eine Reihe bäuerlicher Vorfahren hat, will Gärt­nerin werden. Mechthild wendet sich dem Studium zu. Wie Dina der Stimme ihres Blutes folgt, um sich schließlich auch bie Anerkennung ihres Vaters zu erringen, und wie Mechthild durch ihren Spürsinn zwei dunkle Menschenschicksale entwirrt, bas wird spannend erzählt.

Martha Granow-Houben: Rose­marie, der jüngste Lehrbub. Mit vielen Bildern. In Ganzleinen gebunden 4 RM. Herold- Verlag, Stuttgart W. (301) Ein Buch, das von starkem Pflichtbewußtsein und tatkräftigem Ziv- packen eines jungen Mädchens handelt, von ber Verbundenheit mit dem schon seit Generationen in der Familie befindlichen Grund und Boden sowie von der Liebe zum Gärtnerberuf des Vaters, den schon die Vorfahren hier ausübten.

j Carola Babick: Kinde r schaffen fürs Heim. Heft 8 derKleinen Beschäftigungs- bücher". Herausgegeben von Lili Droescher. Kart. 1,50 RM. Mit 34 Abb. und 7 Tafeln. Verlag B. G. Teubner in Leipzig. (369) Wie groß ist die Freude des Kindes, wenn es das Gefühl hat, etwas wirklich Notwendiges geschaffen zu haben. Um das zu erreichen, braucht es aber eine richtige Anleitung. Da ist das vorliegende Buch mit seinen klaren An­weisungen und den schönen Tafelbildern ein guter vielseitiger Helfer. In 5 Abschnitten: Zeichnen und Malen, Kleben und Basteln, Bastwickeln, Hand­arbeiten (Nähen, Sticken, Häkeln), Holzarbeiten (aus Kisten und Leisten) enthält es neben rein praktischen Dingen für den Haushalt solche, die gleichzeitig die Wohnlichkeit vnd Gemütlichkeit för­dern. Alles ist mit einfachen Mitteln für wenig Geld auszuführen.

Auerbachs Deutscher Kinderkalen­der 19 4 0. 58. Jahrgang, herausgegeben von Albert Sixtus, Verlag L. Fernau, Leipzig C 1. (352) Preis in Ganzleinen 1,80 RM. Auch der neue Jahrgang dieses seit langem bei unserer Jugend bekannten und geschätzten Kalenders zeigt wieder Vielseitigkeit und Geschmack in Ausbau und Auswahl. Für jedes Alter findet sich hier etwas geeignetes. Neben Märchen, ernsten und heiteren Erzählungen ist für viel Kurzweil gesorgt. Hübsche Zeichnungen und Photographien illustrieren die 'Bei­träge.

Hund und Katze 1940. Ein Kalender von Knorr & Hirth, München. Mit 55 Tierbildern. Preis 1,95 RM. (289) Jede Woche grüßt ein neues Hunde- ober Katzenbild von der Wand. Man kann sich kaum vorstellen, wieviel Treuherzigkeit, Ernst und Humor aus diesen Tierbildern sprechen. Eine so liebevolle und fröhliche Stimmung strahlt der Kalender aus, daß jedem das Herz aufgeht!

Ja, jedes Jahr. Sie gehören unserer Sieben Frau, Einmal wurde einer von den Leuchtern gestohlen, er verschwand einfach, und was geschah?

Nun, was?

Die Jungfrau stieg selbst aus der Nische und ging drei Nächte lang mit dem andern Licht durch das Dorf, um den Dieb zu suchen, und in der dritten Nacht fand sie ihn. Sie tat ihm gar kein Leid an, nein, die Mutter Gottes trat nur in feine Kammer, während er schlief und zündete das Licht auf dem gestohlenen Leuchter an. Dann ging sie wieder, stand in der Nische und wartete. Aber von Stund an brannte das Licht immerfort, der Dieb wachte davon auf und erschrak. Er blies es an, das half nicht. Er goß Wasser darauf, es brannte nur noch heller, und so stark, daß die Leute vor seinem Haus züsammenliefen. Was ist das für ein Licht? sagten sie. Was für ein Leuchter, es ist doch nicht der gestohlene? Zuletzt mußte der Dieb feine Schande bekennen, er mußte mit dem brennenden Licht durch das ganze Dorf zur Kirche gehen, ja, und dann hatte die Mutter Gottes ihren Leuchter wieder.

Und der Dieb? Was geschah mit dem?

Weiß ich nicht, sagt David überdrüssig. Frag ihm Wenn er jo alt ist, wie du dumm bist, du Knirps, dann lebt er noch.

Wererfand" das Verbandpückcken?

Wenn heute der Frontsoldat dem verwundeten Kameraden beispringt und ihm mit Hilfe seines Verbandpäckchens die erste Hilfe angedeihen läßt, dann ist das für ihn eine Selbstverständlichkeit. Aber auch die Einrichtung, daß jeder Soldat das notwendigste Verbandmaterial bei sich zu führen hat, mußte erst einmalerfunden" werden. Diese Idee verdanken wir, wie die Süddeutsche Apothekerzeitung ausführt, dem Feldarzt Wenzel Krimmer aus dem mährischen Datschitz, der als Freiwilliger bei den Lützowschen Jägern diente. Krimmer, damals noch Medizinstudent, hatte sich in verschiedenen Gefechten als Feldscher sehr ver­dient gemacht. Krimmer sah bald, wie schlecht es im Feldsanitätswesen bestellt war und sorgte zu­nächst einmal für die Anschaffung von eigenen Feld­wagen für Sanitätszwecke. Er gab sich damit aber noch nicht zufrieden, sondern ordnete bei seinem Bataillon an, daß jeder Mann zwei Wundbinden, ein Tuch und eine HandvollCharpie" im Futter des Tschakos mit sich führen müsse. Das spätere Verbandpäckchen war damit aus der Taufe gehoben, und in Zukunft brauchte kein Verwundeter mehr aus dem Felde zu warten, bis man ihn zum Ver­bandplatz trug. Diese praktische Einrichtung sand bald in der ganzen preußischen Armee und spater in allen Heeren der Welt Nachahmung.