eigene« Interesse e« erforbert hatte. In Balkan- (ragen .engagierte, ebenso ein unüberfteigb«« tzm-erms für ein enges Bündnis mit Rubland war, nachdem dieses nach dem unglücklichen Aus. x>ng des ru„,w-|apani,chen Krieges wieder sein Sesicht nach Westen gewandt hatte, wie Elsa^ Lothringen trennend zwischen Deutschland unN Frankreich stand. England hat nach dem Versands der Bundnisverhandlungen mit Deutschland -iei b°wubt und rüeksichtslos seine Mein,ii,gsöerschieden. heilen erst mit Frankreich und sodann auch m"t Rußland bereinigt. Die leichtsertige und in halt' losen Theorien befangene Politik Bülows und cho. st-'u; hat nach Brandenburgs wohlabgewogenem urteil die Grundlagen für die Mächtekonstellatinn
der sich Deu^chland im Weltkriegs
t kVC o?DkltlL^l5marid5' einzig und allein auf die Verhinderung einer übermächtigen Koalition gegen Deutschland abgestellt gewesen war auf die Bedingungen ihrer eigenen Zeit umzustellen waren seine Nachfolger nicht fähig.^JhnenfÄ & Phantasie und Schmiegsamkeit des großen Kan,, lcrs- Ak verloren sich in kleinlicher Prestigepolittk und strebten nach Augenblickserfolgen, wo es ae- golten batte, durch eine weitschauende und arofc- Ziigige Politik Deutschlands Machtstellung zu sichern Die verhängnisvolle Bindung an die nicht mehr lebensfähige habsburgische Monarchie brachte uns die Feindschaft Rußlands ein und die Isolierung unter den Weltmächten führte uns in die Abhängig, teit oon Wien wo man schließlich rücksichtslos den deutschen Bundesgenossen für Habsburgs Balkan- intereffen einspannte.
Erich Brandenburg hat den Ablauf dieser verwickelten Vorgänge, Deren Erkenntnis für die Beurteilung der deutschen Politik vor dem Weltkrieg von größter Bedeutung sind, mit kristallener Klar- heit und dabei in ungemein fesselnder Schilderung dargelegt. Trotz genauer Behandlung der Details bleibt die große Linie stets gewahrt, so daß auch der Laie niemals den Zusammenhang verlieren wird. Wer das heutige Weltgeschehen in seinen po- Mischen Voraussetzungen begreifen will, wird zu Brandenburgs Werk greifen und In ihm einen immer sachlichen und zuverlässigen, dabei aber ungeheuer lebendigen und fesselnden Führer haben.
Dr. Fr. W. Lange.
Kriegsverhältniffe werden steuerlich berücksichiigi Der Krieg hat in den Verhältnissen vieler Privat- perfonen und Unternehmer zu Veränderungen ge- >ührt, durch die in vielen Fällen die steuerliche Seistungs kraft der Betroffenen erheblich deinträchtigt wird. Der Reichsfinanzminister bat angeordnet, daß die Finanzämter auf diese Der- Änderungen Rücksicht nehmen müssen. Wenn euch der Finanzbedarf des Reiches während des Krieges besonders groß fei und die Finanzämter deshalb für die pünktliche und gewissenhafte Erfül- lung aller Steuerpflichtigen besorgt jein müßten, so vürden sich doch in manchen Fällen unbillige Härten ergeben, wenn auf solche kriegsbedingten Veränderungen nicht genügend Rückiidft genommen vürde. Jeder Finanzbeamte wird dafür verantwort- Ich gemacht, daß unbillige Härten vermieden derben und daß nicht kleinlich oder büro- lratisch verfahren wird. Unter allen Umständen fordert der Minister besondere Höflichkeit und be- Anderes Entgegenkommen den Frauen gegenüber, deren Männer im Felde stehen. Es ist alles ir Klärung der steuerlichen Verhältnisse und Tat- 'stände zu tun, von den Steuerpflichtigen soll aber ibei nicht mehr Arbeit verlangt werden, als im- ? dingt erforderlich ist.
Der Minister weist daraus hin, daß ein ©teuer- Rer durch die Wehrnraä-tszugehörigkeit von nkMchen Erfüllung feiner SteuerpfUchten keineswegs befreit ist. Sobald aber unbillige Här- 'n vorsiegen, müssen die Finanzämter me 23er- iiberungen berücksichtigen. Besonderes Entgegen- mmen ist dabei geboten, wenn ein Soldat oder wundeter beantragt, ihm den Kriegszu- g zur Einkommen st euer zu erlassen er wenn die Ehefrau oder ein unversorgtes Kind ne3 Kriegsgefangen, Internierten oder im «egen- n Krieg Gefallenen einen solchen Antrag <llt. Auch in den Verhältnissen von Privatpersonen tob Unternehmern, die nicht der Wehrmacht an gehren, können kriegsbedingte Veränderungen vor- mnnen, die zu unbilligen Härten führen, so z. B.
dann, wenn ein Betrieb durch die Frei- machuna von Gebieten betroffen ist, wenn Betriebe stillgelegt oder eingeschränkt werden mußten, wenn Warenvorräte beschlagnahmt worden sind, Kraftwagen stilliegen oder infolge kriegsbedmgter Verteilungsmaßnahmen Umsatz und Einkünfte erheblich zurückgegangen sind, schließlich rvrV 1 r 9J? e u t f d) e n in den eingegliederten ^itgebieten. Ein allgemeiner Hinweis auf schled)- teres Geschäft wegen des Krieges genügt jedoch Mcht zur Begründung einer unbilligen Härte. Alle steuerpflichtigen, auch die Angehörigen der Wehr- inacht, müssen die vorgeschriebenen Vorauszah« lungen leisten. Anträgen auf Herabsetzung der Borauszahlungen soll jedoch in begründeten Fällen emfprodxn werden. Es soll kein Verspä- vm11 9 5 * *LU °9 erhoben werden, wenn ein BZehrmachtangehöriaer seine ©teuererflärung Der- Ipatet ab gibt, es soll Nachsicht bewilligt werden, !^nn er eine Rechtsmittelfrist versäumt, cs sollen Mahngebühren und Säumniszuschläge nicht erhoben werden. Voraussetzung ist immer, daß keine Bös- Willigkeit vorliegt. Betriebsprüfungen find besonders bei kleinen Betrieben zurückzustellen, wenn wegen der Einberufung die erforderlichen .Auskünfte nicht gegeben werden können.
Kurzarbeiterunierstühung im Kriege.
Manchen Betrieben ist es heute nicht immer möglich, alle Betriebsangehörigen voll zu beschäftigen. Dieser verkürzten Arbeitszeit entspricht natür- ich auch ein verkürzter Lohn. Um aber die Arbei- durch die Kümung ihres Verdienstes nicht in Not geraten zu lassen, greift der Staat ein und gewahrt dem Kurzarbeiter eine Unterstützung. Diesel
richtet sich nach der Kürzung von Arbeit und Lohn. Sie darf nicht höher sein als die Arbeitslosenunterstützung, die der Kurzarbeiter erhalten würde, wenn er voll arbeitslos wäre. Sie macht 5 0 v. H. des Unterschiedes zwischen dem wirklich erhaltenen Arbeitsentgelt und dem Lohn aus, der bei ungekürzter Arbeitszeit von 80 Arbeitsstunden in der Doppelwoche gezahlt worden wäre. Dor dem Krieg betrug Diese Ausgleichszahlung nur 40 o. H., letzt 50 v. H. Die Unterstützung ist ohne Rücksicht darauf, in welche Lohnklasse der Arbeiter oder Angestellte bei Dollarbeitslosigkeit gehören würde, genau festgelegt, und der Kurzarbeiter ohne Angehörige erhält als Höchstsatz 9 RM. wöck-ent- lich und für jeden Angehörigen 3 RM. zusätzlich als Höchstsatz. Die Summe, die für jeden Angehörigen, der dauernd und voll oder überwiegend unterhalten werden muß, gezahlt wird, entsvricht 10 v. H. des Unterschiedes, bis das volle Arbeitsentgelt für 80 Arbeitsstunden in der Doppelwoche erreicht ist. Für Monatslohnenrpfänger gilt eine entsprechende Sonderregelung.
Voraussetzung für den Erhalt der Kurzarbeiter- Unterstützung ist die dauernde und nicht nur geringfügige Tätigkeit in einem Betriebe, das Fehlen einer Nebeneinnahmequelle in der Freizeit und das Fehlen einer zumutbaren Arbeitsgelegenheit, die vom Arbeitsamt zugewiesen werden kann. Eine Bedürf- tigkeitsprüfung wie bei anderen staatlichen Hilfeleistungen erfolgt nicht. Trotz Kurzarbeit braucht sich daher kein deutscher Arbeiter, keine Familie unverhältnismäßig hoher Einschränkungen zu unterziehen, denn der Staat ermöglicht durch seine Unterstützung das Durchhalten auf einer etwas beschränkteren Lebensgrundlage, bis es wieder möglich sein wird, den Kurzarbeiter voll zu beschäftigen und ihm fein früheres Arbeitsentgelt voll auszuzahlen.
eihnachtseinkäusen.
Strafkammer Gießen.
Der K. H. in Gießen hatte sich wegen Sittich» keitsvevbrechen, begangen an einer Person unter 16 Jahren, die seiner Fürsorge unierftanb, zu verantworten. Der Anklagevertreter beantragte eine Zuchthausstrafe von einem Jahr und sechs Mono- ten und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von zwei Jahren. Der Angeklagte wurde unter Zubilligung mildernder Umstände zu einer Gefängnis st rase von einem Jahr und zwei Monaten, abzüglich ein Monat Untersuchungshaft, verurteilt.
Die Verhandlung gegen Robert Otto in Bad- Nauheim wegen Sittlichkettsvevbrechen, die bereits am 5. und 8. Dezember stattgefunden hatte, über die wir bereits berichteten, wurde heute fortgesetzt. Nach Vernehmung weiterer Zeugen und eines Sachverständigen beantragte der Anklagevertreter eint Zuchthausstrafe von drei Jahren und Aberkennung der bürgcrlidjcn Ehrenrechte auf die Dauer von drei Jahren. Der Angeklagte wurde zu einer Zuchthausstrafe von drei Jahren unter Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren verurteilt.
tleberfahren unö getötet.
= Butzbach, 12. Dezember. Gestern nachmittag ereignete sich hier ein Unfall, der leider ein Menschenleben kostete. Der siebenjährige Erwin Lemp aus dem benachbarten O st h e i m , der aus dem Hause der Brauerei TMdyior lief, geriet wcchl aus Unachtsamkeit vor einen rückwärts tn die Hofeinfahrt eindiegenden Lastkraftwagen der Brauerei. Er stieß mit dem Kopfe gegen das Schlußkennzeichen des Magens und kam gleichzeitig unter di e Hinterräder. Dabei erlitt er der- art schwere Verletzungen, daß er Daran alsbald verstarb.
Gießener Schlachtviehmarlt.
Auf dem gestrigen Schlachtvieh markt (Schlacht* viehvertellunasrnarkt) in der Diehversteiaeriings- Halle Rhein-Main in Gießen kosteten Ochsen 44,5 bis 45,5, Bullen 34 bis 43,5, Kühe 18 dis 43,5, Färsen 33 bis 44. Kälber 25 bis 65, Schafe 20 bis 45 Rpf. je % Kilogramm.. Für Schweine wurden je Kilogramm Lebendgewicht folgende Preise bezahlt: Klasse a (150 kg und mehr) 1,10, bl (135 bis 149,5 kg) 1,10, b2 (120 bis 134,5 kg) 1,10, o (100 bis 119,5 kg) 1,08, d (unter 100 kg) 1,02, e—f (unter 80 kg) 0,98, gl (fette Specksauen) 1,10, 1 (Altschneider) 1,10, g2 (andere Sauen) 1,02, h (Eber) 1,02 RM. — Marktverlauf: Regelmäßig, alles ausvevkauft.
Jranffurfer Schlachtvlehmarkt.
Frankfurt a. M., 13. Dez. Es war etwa folgende Marktlage: Es kosteten: Kälber 30 bis 65 RM., Hämmel 30 bis 50, Schafe 20 bis 42, Schweine 50 bis 56. Marktverlauf: Alles zugeteilt.
Rundfunkprogramm
Donnerslag, 14. Dezember.
6 Uchn Landvolk, merk' auf! 6.10: Morgengymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7 bis 7.15: Nachrichten. 8: Ävrnnasttk. 8.20 bis 9.30: Gefälligkeilssendung: Unterhaltungskonzert. Es spielt das große Orchester des Reichssenders Frankfurt. 9.10: Was wir Frauen beute willen müssen? 9.30: Schulfunk (Mittel- und Oberstufe). Wir senden für die Landschule: „Der Mensch — der Freund der Tiere." Hörfolge. 10: Frohe Welsen. 11: Musik am Vormittag. Es spielt das kleine Orchester des Reichosenders Saarbrücken. 11.50: Stadt und Land — Hand in Hand. 12: Mit- taaskonzert. 12.30 bis 12.40: Nachrichten. 14: Nachrichten. 14.15: Dem Opernfreund. 15.55: Bücher für unsere Soldaten. 16: Nachmittagskonzert. 17 vis 17.10: Nachrichten. 18: Ruf ins Land: Berichte vom Landesernahrungsamt. 18.25: Heitere Weisen. Es spielt das kleine Orchester des Reichssenders Berlin. 18.30: Aus dem Zeitgeschehen. 20: Nachrichten.
Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum- schein. Verantwortlich für Politik, Feuilleton und dis Bilder: Dr. Fr. W. Lange: für Stadt Gießen, Provinz und Wirtschaft: Ernst Blumschein: für Sport: Heinrich Ludwig Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. Druck und Verlag: Brühlsch« Unioersttätsdruckerei, R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis 2,05 RM. einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 5 vom 1. Dezember 1939 gültig.
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Unser Bild zeigt Frau Göring mit der kleinen Edda in einem Spielwarengeschäft in Berlin beim Einkauf von Weihnachtsgeschenken für die Hinterbliebenen Kinder von Gefallenen. Zur selben Zeit verbreitet die feindliche Hetzprovaganda in ihren Schmierblättern und über den Rundfunk die schamlose Lüge, die Gattin des Feldmarschalls befände sich „aus Sicherheitsgründen" in einer Klinik in der Schweiz, wo sie der Entbindung von einem Kinde entgegensehe. Man sieht, wie die feindliche Lügen- Propaganda and) nicht einmal vor dem Privatleben unserer führenden Männer Haltmacht. (Scherl-M.)
CARL DUNCKER VERLAG • BERLIN
A Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Ms Brehm geendet hatte, fragte Luise: „Hast Hi den Text da?"
„3a." Der Spielleiter reicht ihr das Blatt.
Luise erhob sich. „Spiele doch dieses Lied bitte Uch einmal. Könnt ... das erste Lied ..."
Ohre dunkle Stimme setzte ein. Zögernd noch, pchend, dann sich erhebeno. Ein Klagen war in der Stimme, ein leises Weinen... tief ergreifend ...
Meder Schweigen.
Konni Brehm saß unbeweglich. Seine Hände h$en noch auf den Tasten. Er wartete ...
Lulle atmete tief. Dann beugte sie sich zu Brehm W legte ihre Arme um seinen Hals und ihre Singe an die seine. Es war eine Gebärde reinster Kameradschaft ... ein künstlerisches Verstehen ... Jit Tränen strömten über ihr schönes, blasses Ge- W-. Sie sagte: „Ich danke dir, Konni ..."
Er hielt ihre Hand und fragte: „Und ... Ne ...?" Sie nickte: ,^ch komme. Ich spiele fc'e Rolle."
Sie saßen wieder zusammen. Luise sagte: „Ich Dill noch Jäckel besuchen, und dann wollen wir
Berlin zurück."
„Das ist ein Unsinn, Luise", hatte Konni einzu- to-ben. „Jetzt wirst du dich erst ein paar Tage frühen, fern von Berlin. Fahr zum Semmering Qiniuf oder wohin du sonst willst ..
€ie schüttelte den Kopf. „Nein. Ich muß doch fit Matthias Heitfeld sprechen. Ich kann erst ar- vtilm, wenn ich das getan habe."
Konni Brehm stand auf. Ihm war ein Gedanke
-kommen. „Entschuldigt mal ..."
Sr rief den Maskenbildner an: „Verzeihen Sie, •iib?r Jäckel, daß man Sie nicht einmal am Sonn» taz in Ruhe läßt. Aber Luise Domtat ist hier!"
»Hier in Wien ...?"
•3a. Wir fitzen hier tn meiner Wohnung, Luise
und mein Bruder Beppo. Sie wird wieder spielen. In meinem nächsten Film. Eben hat sie nigefagt."
„Sie spielt wieder?" wunderte sich Balthasar Jäckel. ,Lat denn der Matthias Heitfeld die Geschichte mit dem Buben in Ordnung gebracht?"
„Herrgottsakra, Jäckel! Was ist denn nun das wieder?'^ fragte Brehm. Aber er ging gar nicht weiter auf die Frag« ein. „Sie wurde in Berlin fristlos entlassen. Von dem Doktor Heitfeld. Der Alte war verreist. Mit dem will sich Luise noch aus-- einandersetzen. Sie war ganz durcheinander. Da brachte Beppo sie kurzerhand her."
„Fristlos entlassen. Weshalb denn das?" fragte Jäckel.
„Telephonisch kann man das nicht alles sagen, Jäckel."
„Kann ich Frau Domkat bei Ihnen sprechen, Brehm?" fragte der Maskenbildner. „Ich muß sie sprechen!"
„Darum wollte ich Sie eben bitten", sagte Brehm. „Sie soll die Geschichte mit dem alten Heitfeld in Ordnung bringen. Aver jetzt soll sie erst mal aus- spannen. Und wenn ich mit dem Produktionsleiter in der nächsten Zeit wegfahre, möchte ich Luise am liebsten mitnehmen. Damit eine Übergangszeit da ist zwischen Berlin und der Arbeit hier. Sie müssen ihr zureden, Jäckel!"
*
Ob nun bei Konni Brehm eine zwanglose Zusammenkunft von Freunden stattfand oder eine straffe Besprechung ... immer zog der Regisseur die Anwesenden in seinen Dann. Es schien gan, natür- lich, daß man alles andere, den Tag draußen und seine Geschäfte, vergaß.
Es war auch an diesem Abend so.
Jäckel hatte Luise zuerst allein gesprochen. Er war ein stiller, vorsichtiger Zuhörer geblieben. Er konnte uno wollte nichts von jenem Gespräch sagen, das er mit Matthias Heitfeld geführt hatte ... jenem Telephongespräch Wien—Orb. Er konnte auch nicht wissen, welcher Entscheidung die Ereignisse in Berlin zutrieben. Er konnte Luise nur raten, sich mit Matthias Heitfeld in Verbindung zu setzen. Das wollte sie ja auch tun. „Tun Sie es sofort, Luise! Und sagen Sie Matthias Heitfeld die reine Wahrheit ... unverhüll! die reine Wahrheit."
Luise zeigte ein hartes, verschlossenes Gesicht.
Jäckel mußte eine andere Frage stellen. Er mußte
wissen, was Luise badjte. „Und Ihr Ziel ... der Kampf um das Kind? Er war doch der Grund, weshalb Sie diese Jahre in Berlin überhaupt begannen!"
„Sie glauben jetzt, ich habe dieses Ziel vergessen..." Luise antwortete nicht gleich auf die Frage. Sie holte weiter aus: „Id; habe mich bei meiner Arbeit in der Parfümerie Heitfeld glücklich gefühlt. Aber jetzt, seit heute, weiß ich, daß ich auch hier glücklich sein kann ..."
Der alte Man schüttelte den Kopf und sagte: „Seien Sie mir nicht böse, Frau Domkat ... aber ich verstehe Sie nicht. Es ist auch keine Antwort auf meine Frage!"
„Natürlich verstehen Sie mich nicht." Luise lehnte den rotbraunen Kopf zurück und nickte dem Maskenbildner zu. „Sie denken, ich sei ein sehr zwiespältiges Wesen ... heute so und morgen so ... Vor ein paar Tagen gab ich alles verloren. Was bann in mir vorging, als Beppo Brehm kam und mich aufrüttelte, kann ich jetzt nid)t alles sagen. Aber das wußte ich ... alles, was ich verlor, ver- -lor ich auch mit durch eigene Schuld. Und wenn nicht öurri) Schuld, so doch burd) Lässigkeit und Unaufrichtigkeit. Darüber verlor ich Das Vertrauen und die Liebe eines Menschen, noch ehe ich diesen Menschen ... noch ehe er mich ganz gewonnen hatte ..."
Sie seufzte schwer. „Ich schäme mich, Jäckel, aber das neue Leid hat mich das alte um das Kind vergessen lassen. Ich schäme mich meiner eigenen Schwäche. Und ihr werdet mir nun erst Zeit lassen müssen..."
Jäckel strich über die Hand der jungen Frau: „Es wird noch alles gut werden, Luise Domkat!"
Er vertraute auf Matthias Heitfeld.
Sie gingen zu den Brüdern zurück.
Jäckel war über den Film schon unterrichtet. Man hatte seinem Atelier bereits die Maskenbildung übertragen. Er kannte also das Drehbuch.
Brehm las Luise Stellen ihrer Rolle vor. Sie hörte zu, sie nahm das Buch zu sich herüber. Die Worte, die man ihr da gab, hatten eine wunderbare Sprache. Und Luise sprach nun diese Sätze, diese leidenschaftlichen Anklagen ... sie sprach damit eigene Aengste, eigene Anklagen aus ... Erwartungen und Sehnsucht. Und fühlte, aus dieser
tiefer, schwingenden und in allem Schmerz doch so innigen Stimme sprach die Wahrheit selbst.
Der Morgen graute, als sie auseinandergingen.
Ein paar Tage später flogen Luise und Beppo Brehm nad) Berlin zurück. Konni und Jäckel fuhren mit hinaus zum Flughafen 2öien-Aspern. Konni hielt Luises Hand, er sagte beschwörend: „Und du wirst nicht wieder untreu werden, Luise?"
Sie gab den Druck zurück: „Jd> komme wieder, ftonnir
Jäckel sagte nur mahnend: „Und haben Sie Vertrauen zu Matthias Heitfeld, Frau Domkat!"
Die „Libelle" hob |id) in die Luft.
Konni Brehm winkte: „Glück ab!"
*
Waldemar Heitfeld befand sich in einer schrecklichen Stimmung. Aerger, Zweifel und Sehnsucht waren verschmolzen. Wie hing alles zusammen? Hatte Luise Moravitzky ober gar den Zabuks selbst die Geheimrezepte versprochen? Wie weit war sie in bas Komplott verstrickt?
Er stellte sich blefe Fraaen in vielen Formen. Er kam immer wieder barauf zurück. Er sah Luise vor sid), wie sie bei seiner Anklage erzitterte ... und zuletzt still den Kopf neigte und aus dem Zimmer ging ... >
Nichts wollte gelingen. Nichts half ihm. Die Gedanken hielten ihn unerbittlich gefangen.
Er war nun von dieser Frau getrennt. Jede Verbindung war abgebrochen. Und wenn Matthias Heitfeld noch immer nach einer Klärung suchte und vielleicht auch eine Aussprache mit der Frau haben würde ... die Irennungsmauer blieb bestehen.
An einem Tage war Doktor Maing nicht an seinem Arbeitsplatz im Laboratorium erschienen.
Es kam auch kein Anruf, der feine Abwesenheit erklärte.
Um die Mittagsstunde wußte man, was geschehen war.
Doktor Mainz hatte sich im Arbeitszimmer seiner stillen Junggesettenwodnung erschosien. Es wurde einwandfrei Selbsttnord festgestellt.
Man sand keine Erklärung für die Tat, fand keine hinterlassenen Briefe.
Und dennoch hatte Doktor Mainz eine Erklärung abgegeben. In einem Schreiben an Luise Domkat, (Fortsetzung folgt.)


