Ausgabe 
13.7.1939
 
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das Schicksal der Nation so entscheidende Bauvor­haben die P f l i ch t a r b e i t einzuführen und aus vielen Betrieben Arbeiter herauszuziehen. Die Zu­rückbleibenden aber, die nun durch Mehrleistung den Ausfall der zur Arbeit am Westwall einberufenen Gefolgschaftsmitglieder ausgleichen mußten, auch sie haben dazu beigetraaen, daß die Grenzen Groß­deutschlands im Westen nun gesichert sind. Und wenn auch der vertraute Postomnibus hier und da nicht mehr so häufig verkehrte oder durch ein Fahr­zeug eines privaten Unternehmens ersetzt wurde, weil viele Autobusse der Reichspost zum Westen für den Transport der Arbeiter abgegeben waren, wenn auf manchen Strecken Einschränkungen des Eisenbahnverkehrs nötig waren, um die Transporte für den Westausbau zu sichern, wenn Privatauf­träge zugunsten der Fertigstellung des für den Westwall benötigten Materials Berzögerungen er­litten jeder sah die Notwendigkeit ein. Ging es doch um die Sicherung des Reiches nach dem Willen des Führers. Und hatte nicht die Bevölkerung des Grenzlandes infolge der vielen Einquartierungen, durch den starken Straßenverkehr im Ausbaugebiet und durch die Abgaben von Land für den Bau der Befestigungswerke im besonderen Maße Opfer zu bringen? Ueberall zeigte sich vor­bildlicher nationalsozialistischer Ge­meinschaftssinn in freudigem Einsatz für Volk und Reich. So kann jeder deutsche Volks­genosse, der mittelbar oder unmittelbar am großen Werke mitgeschafft hat, stolz sein, auf seinem Posten seine Pflicht zum Wohle der Volksgemeinschaft ge­tan zu haben.

Ungeheuer war der Einsatz an Material und Arbeitskraft für die Ende Mai vorigen Jahres begonnene Errichtung dieser das Reich gegen jeden Angriff im Westen schützenden Be- festiaungszone. Ein Drittel aller in der deutscken Bauindustrie und im Baugewerbe vorhandenen Be­tonmaschinen war für den Ausbau des Westwalls herangezogen. In ihnen wurden insgesamt rund 6 Millionen Tonnen Zement verarbeitet. Das ist über ein Drittel der gesamten deut­schen Zementproduktion. Der Bedarf an Holz betrug rund 695000 Kubikmeter. Für die Panzerfertigung wurden die Werke der deutschen Schwerindustrie erheblich erweitert. Von der deut­schen Reichsbahn wurde sofort nach Beginn des Ausbaus der Antransport der benötigten Baustoffe in großem Umfange ausgenommen. Die anfängliche Höchstleistung von 6000 täglich nach dem Westen beförderten Waggons mit Baustoffen wurde nach kur­zer Zeit auf weit üb er 8000 Waggons täg- I i ch gesteigert. Außerdem waren die Binnenschiff­fahrt und das Kraftverkehrswesen sowie Feld- und Förderbahnen im weitesten Umfange für die Be­wältigung der Transporte eingesetzt. Die Zahl der für Baustofftransporte im Westen aus dem ganzen Reich zusammengezogenen Lastkraftwagen be­trug weit über 15 000. Als Ergänzung zur Eisen­bahn und zum Schiffsverkehr hat der Lastkraft­wagen auch hier die besten Dienste geleistet und war als Transportmittel zur Baustelle selbst un­entbehrlich.

Nach Anlieferung der für die Betonbauten erfor­derlichen Baustoffe nahm der Umfang der Trans­porte nicht etwa ab. Denn nun mußten die Maschi­nen und Geräte für die Innenausstattung der Westwallbauten, die Waffen-, Munitions- und Verpflegungsreserven, die in den Werken einge­lagert sind, die Anlagen für den Gasschutz, die sani­täre Versorgung, kurz alles das, was der Besatzung auch im Großkampf ein Durchhalten auf lange Zeit ermöglicht, herangeschafft und eingelagert werden. Für die Herstellung der in mehreren breiten Strei­fen hintereinander verlaufenden Jnsanteriehinder- nisse wurden nahezu rund 3 Millionen Rollen Draht angeliefert. Unter Einsatz von aus ganz Deutschland zusammengezogenen Groß­baggergeräten wurden viele Kilometer unüberschreit- bare Kampfwagengräben geschaffen, teils künstlich, teils durch Verbreiterung und Vertiefung natürlicher Hindernisse. In anderen Abschnitten wieder wird durch Steilhänge sowie durch oft in mehreren Li­nien hintereinander verlausenden Höckerhindernisse jeder Kampfwagenangriff aufgehalten.

Dieser riesige Ausbau erforderte gewaltigen Einsatz von Arbeitskräften. Nachdem am 28. Mai 1938 vom Führer der Befehl zum Bau ge­geben war, stieg die Zahl der beschäftigten Arbeiter von Woche zu Woche. Bei der Organisation Todt allein waren beschäftigt: Am 20. Juli 35 000 Mann, am 27. Juli 45 000 Mann, am 3. August 77 000 Mann, am 10. August 93 000 Mann, am 17. August 121000 Mann, am 24. August 145 000 Mann, am 31. August 170 000 Mann, am 7. September 191 000 Mann, am 14. September 213 000 Mann, am 21. September 241 000 Mann, am 28. September 278 000 Mann, am 6. Oktober 342 000 Mann. Dazu kamen rund 90 000 Arbeiter in den Bereichen der Fest-Pi-Stabe sowie 100 000 Mann Reichsarbeits- dienst.

Während diese Arbeiter für die Herstellung der reinen Betonbauten eingesetzt waren, deren Bau vielfache Vorbereitungen erforderte, und wie aus den oben angegebenen Arbeiterzahlen ersichtlich ist, erst nach und nach anlief, wurden auf Befehl des Führers sofort nach Einleitung des Ausbaus zahl­reiche Infanteriedivisionen und Pio­nierbataillone im Westen zusammen­gezogen. Im Rahmen größerer Geländeübungen unter kriegsmäßigen Voraussetzungen wurden durch den Einsatz dieser Divisionen die bereits vorliegen­den Erkundungen überprüft und ergänzt. Die Truppe war jedoch nicht nur hierdurch an der Vorbereitung des ständigen Ausbaues beteiligt, son­dern in erheblichem Umfange auch für den Ausbau selbst eingesetzt. Neben der Herstellung von Hindernissen aller Art und Sperren wurde der Bau der Nachrichtenverbindungen, der Wegebau und die Tarnung fertiggestellter Anlagen zu einem gro­ßen Teil durch die eingesetzte Truppe ausgeführt. Die Truppenteile waren immer nur eine gewisse Zeitlang eingesetzt und wurden dann durch andere Einheiten ausgetauscht. Durch diesen Einsatz wurde ein doppelter Zweck erreicht: für die Truppe eine Schulung im Einsatz und in der Herstellung von Befestigungsanlagen unter kriegsmäßigen Voraus­setzungen, für den Westwall eine erhebliche Beschleu­nigung seines Ausbaus und gleichzeitig eine be­trächtliche Verstärkung feiner Verteidigungsfähigkeit. Die Truppe hat sich diesem unerwarteten Einsatz in jeder Beziehung gewachsen gezeigt, sie löste ihre Aufgabe in vorbildlicher Weise und bewies auch hier ihre vorzügliche Ausbildung.

Die Unterbringung aller am Ausbau des Westwalls Beteiligten in den Ortschaften, vor allem im dünner besiedelten Bergland der Eifel, machte anfänglich Schwierigkeiten. Durch Errichtung von über 200 großen Arbeiterlagern konnte jedoch bald Abhilfe geschaffen werden. Die einge­setzten Reichsarbeitsdienstabteilungen waren aus­nahmslos in eigenen Lagern untergebracht. Um Zeitverluste für An- und Abmarsch zur Arbeits­stelle zu sparen und die Kräfte zu schonen, waren

weit über 5000 Kraftomnibusse bereit- gestellt, die täglich rund 186 000 Arbeiter von den weiter abseits von ihren Arbeitsstellen ge­legenen Quartieren zu den Baustellen beförderten. Hierzu hatte die Deutsche Reichspost rund 68 v. H. ihres Bestandes an Kraftomni­bussen nach dem Westen abgegeben. Neben den oben angegebenen Arbeiterzahlen können selbstver­ständlich diejenigen Arbeitskräfte, die in den ver­schiedensten Industrien ausschließlich mit Ferti­gungsarbeiten für den Westwall beschäftigt waren, zahlenmäßig ebensowenig angegeben werden, wie der Arbeitereinsatz für die Heranschaffung der Bau­materialien und des Armierungsgerates.

Der W e st w a l l steht. Als Bollwerk von Stahl und Beton verläuft seine bis zu 50 Kilometer tiefe Befestigungszone von der Ebene des Niederrheins durch die Eifel.und das Saargebiet bis zum Rhein und am Oberrhein entlang bis zur Schweizer Grenze. Die zunächst vom Führer vorgesehenen 1 7 000 Betonwerke, die dann durch seinen ergänzenden Befehl für den weiteren Ausbau auf über 22 000 erhöht worden sind, umfassen zahllose schwere P a n z e r w e r k e , und sind mit allem ausgestattet, was die kampfgeschulte Be­satzung braucht, um jeden auch mit den stärksten Mitteln und größtem Einsatz durchgeführten An­griff erfolgreich abwehren zu können. Für Siche­rung der Nachrichtenverbindungen, die eine erfolgreiche Führung auch im schwersten Kampf ermöglichen, ist ebenso Vorsorge getroffen wie für Abwehr jeder G a s g e f a h r. In den tief in der Erde unter starken, gegen jeden Beschuß sicheren Betondecke liegenden Ruheräume finden die abgelösten Teile der Besätzung, dem Kampflärm entzogen, wirkliche Ruhe und dank der vorbild­

lichen sanitären Einrichtungen schnelle Erholung von den zermürbenden Einflüssen eines modernen Großkampfes. Außer Munition sind naturgemäß auch Verpflegung und Wasser­versorgung im reichsten Maße für eine lange Kampfdauer gesichert.

Ausgabe der Festungspionierdienststellen wird es sein, ständig an der Verbesserung des Westwalls zu arbeiten und dafür zu sorgen, daß die jetzt vorhan­dene Ueberlegenheit des Ausbaus gegenüber jedem Angriff auch für die Zukunft allezeit erhalten bleibt. Stahl und Beton find an sich tote Dinge. Träger der Abwehrkraft ist die stets einsatzbereite und ständig wachsame Pesatzung. Ihren Geist kenn­zeichnete die eingangs bereits erwähnte Meldung des Oberbefehlshabers der Heeresgruppe 2 an den Führer. Gewiß hat dieses ungeheure Werk auch große Kosten verursacht. Aber schon dadurch, daß der Westwall bereits im ersten Ausbau im September des vergangenen Jahres dem Führer die Möglichkeit gab, unter Vermeidung eines Krieg rs wertvolles deutsches Land mit 3,5 Millionen deutscher Einwohner ins Reich heimzu holen, haben sich diese Aufwendungen um ein Vielfaches bezahlt gemacht. Und wer will daran zweifeln, daß eine einzige Kriegs­wache, ganz abgesehen von den Verlusten an Men­schenleben, weit, mehr an Kosten verursacht hätte? Der schönste Dank für alle, die an dieser Sicherung des Reiches im Westen mitgearbeitet haben, waren d i e Worte des Führers in seinem nach Ab­schluß seiner Besichtigungsreise erlassenen Tages­befehl:Die Besichtigung des Westwalls hat mich von seiner Unbezwingbarkeit über­zeug t".

Deutschlands erstes musisches Gymnasium.

Reichsminister 2Rufl spricht bei -er Eröffnung in Frankfurt.

Lpd. Frankfurt a. M.,< 12. Juli. Im Kaiser­saal des Römers fand die Eröffnung des ersten Mu­sischen Gymnasiums durch den Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung Rust in Anwesenheit zahlreicher Vertreter der Partei, des Staates und der Wehrmacht sowie des Kultur- und Musiklebens statt. Als Vertreter des Gauleiters Reichsstatthalters Sprenger dankte Ministerialrat Ringsh aufen dem Minister, daß das Musische Gymnasium die erste Schule dieser Art in Frankfurt errichtet wurde. Auch Oberbürgermeister Staatsrat Dr. Krebs sprach dem Minister seinen Dank aus für die Förderung der Universität, des Städelschen Kunstinstituts und der Musikhochschule und überreichte ihm die Silberne Goethe-Pla­kette.

Reichsminister R u ft dankte für die hohe Auszeich­nung und entwickelte die Grundgedanken, die für die Errichtung dieses ersten Musischen Gymnasiums rich­tunggebend gewesen sind. In unserer Zeit sei keine Feierstunde denkbar, die nicht wesentlich mit den Mitteln der Musik gestaltet würde. Die Künst­ler, die uns diesen Genuß vermittelten, hätten sich in der Vergangenheit diesebrotlose Kunst der Mu­sik" auf eigenes Risiko zu eigen machen müssen. Ihnen werde nun ein neuer Weg z u ihrem Beruf erschlossen. Das Musische Gymnasium sei keine technische Kombination, indem etwa dem Gym­nasium alten Stils einfach vermehrter Unterricht hinzugefügt wurde. Die heutige nationalsozialistische Schule entfalte nicht nur die intellektuellen Fähig­keiten, sondern gehe vom Leben aus, ergreife die Seele und forme den Charakter. Sie stehe so dem hellenischen Gymnasium näher als das

Aus dem Reich.

Vereinheiilichung im Behördenaufbau.

Behörden der Länder zugleich Behörden des Reiches.

Durch einGesetz über die Vereinheitlichung im Behördenaufbau" werden die Behörden der Länder zugleich Behörden des Rei­ches. Die in ihnen tätigen Beamten werden u n - mittelbare Reichsbeamte. Wenn auch die zuständige Reichszentrale schon bisher in der Lage war, Beamtenversetzungen von Land zu Land, von Land zum Reich und vom Reich zum Land vorzunehmen, so war diese Ver­setzungsmöglichkeit doch durch haushaltsrechtliche .Bestimmungen erschwert. Diese Erschwerung ist nunmehr beseitigt. Unterhaltsträger sämtlicher Lan­desbehörden, die nunmehr zugleich Reichsbehörden sind, bleiben die Länder. Die Organisation der Län­der und die Stellung ihrer obersten Organe wird nicht berührt. Doch ist für alle Beamten außer den Gemeindebeamten und Beamten der sonstigen Kör­perschaften Dienstherr nicht nur das Land, sondern nur noch das Reich. Die dienst­aufsichtlichen Befugnisse werden auch weiterhin von den obersten Landesbehörden als oberste Dienst- bchörden wahrgenommen.

Don Bedeutung ist für die zukünftige Entwicklung im öffentlichen Verwaltungsaufbau die Bestimmung, daß neue Aufgaben des Reiches und der Länder, die in der Mittel- und Unter- stufe durch die staatliche Verwaltung wahrgenommen weroen sollen, den Behörden der allgemeinen Verwaltung zu über­tragen sind, sofern die neuen Aufgaben nicht wegen ihrer Wesensverwandtschaft in den Aufgabenkreis bereits bestehender Sonderverwaltungs- b e Hörden fallen. Selbständige Behörden für neue Äerwaltungsaufgaben dürfen nur bürd) Führererla'ß oder durch Gesetz eingerichtet werden. Damit wird einem Nebenein­ander von Verwaltungsstellen vorgebeugt und dem wichtigen Grundsatz derEinheit der Ver­waltung" weitgehend Rechnung getragen. Schließlich ermöglicht das Gesetz die Schasfung brauchbarer Verwaltungsräume für bestimmte Sachgebiete.

Das neue Reichsbahnqesetz.

Berlin, 12. Juli. (DRB.) Im Reichsgesetzblatt wird das neue Reichsbahngesetz verkündet. Auf Grund der Erklärung des Führers in der Reichs­tagssitzung vom 30. Januar 1937 war durch das Gesetz vom 10. Februar 1937 die Reichsbahn in die unmittelbare Verwaltung des Reiches zurückgeführt. Das neue Reichsbahngesetz re­gelt namentlich audj die finanziellen Be-

humanistische Gymnasium von einst, das keine echte Brücke von Hellas in unsere Zeit gebildet habe.

Der Minister setzte sich bann mit dem geistigen Inhalt der hellenischen Welt auseinander und kam zu dem Ergebnis, daß im Zeitalter der Renaissance der hellenische Geist sich im Abendland deshalb sich nicht durchsetzen konnte, weil die reine Diesseits- Auffassung des Hellenismus auf eine Jen- seits-Religion gefloßen fei, die vom Ger­manentum Besitz ergriffen hatte. Der Hellenismus kenne keine geheimnisvollen Ienseitsgesetze, um so mehr aber die ungeschriebenen Gesetze der Natur und seiner Rasse. So wurde das alte humanistische Gymnasium des christlichen Abendlandes nicht zu einer Erziehungsstätte des Hellenismus, sondern zu einer Lehrstätte von den Erscheinungen griechischen Lebens. Erst die Zeit Adolf Hitlers, die in der kör­perlichen Erziehung des Menschen den gottgewoll­ten Ausdruck unseres inneren Wesens erblicke, ver­mochte die Bilder hellenischer Kunst als heimische Gäste bei sich aufzunehmen. So erleben wir jetzt die germanische Renaissance, in der das Leben wieder zur Einheit wird. Das erfordere aöer auch für die Schulen neue Formen, wie sich auch neue Prinzipien des Unterrichts und der Schulorganisation ergäben. Viel­leicht sei es unser besonderes Schicksal, das uns i n der Musik unser Letztes und unsere besondere Art aussprechen läßt. Der Minister trat der Mei­nung entgegen, als ob das künstlerische Genie sich aus sich selber entfalte. Auch das Ge­nie bedürfe des Lebens in der Gemeinschaft. Die Begabten-Erfassung müsse so früh wie möglich ein» setzen. In diesem Sinne gesehen sei das neue Musische Gymnasium eine reine deutsche Neuschöpfung und nationalsozialistische Bildungseinrichtung.

Ziehungen zwischen Reichsbahn und Reich. Die Reichsbahn leistet alljährlich an die aU» gemeine Reichskasse eine Abgabe, die sich nach der Höhe der Verkehrseinnahmen richtet, bei Verkehrs­einnahmen von 4,6 Milliarden RM. im Jahr 3 v. H. Sind die Verkehrseinnahmen in einem Geschäfts­jahr höher ober niedriger als 4,6 Milliarden RM., so erhöht ober ermäßigt sich die Abgabe um 10 v. H. des von 4,6 Milliarden RM. abweichenden Betra- ges; sie beläuft sich aber mindestens auf 100 Millionen Reichsmark. Zu dieser Abgabe kommt noch die von der Reichsbahn zu entrichtende Beförderungssteuer hinzu, die in den Fahr­preisen und Frachten der Eisenbahn mit enthalten ist und die z. B. im Jahre 1938 287 Millionen RM. erreicht hat.

Die bewährte Einrichtung des Beirates, der den Reichsverkehrsminister in wichtigen Fragen der Reichsbahn zu beraten hat, bleibt erhalten; die Zahl der Mitglieder, bisher 18, beträgt künftig 14. Be­sonders betont ist, daß die Reichsbahn keine Ge­werbebetrieb, sondern daß die Erftillung ihrer Aufgaben öffentlicher Dienst ist. Daraus hellt ohne weiteres, daß die Dienststellen der Reichs­bahn Behörden und daß die Reichsbahnbeamten unmittelbare Neichsbeamte sind, für die das Deutsche Beamtengesetz gilt.

Kreuzungen von Eisenbahnen und Straßen.

Beseitigung von Unfallgefahren.

Die ständig steigende Entwicklung der Verkehrs­dichte und Verkehrsgeschwindigkeit auf Eisenbahnen und Straßen erforderte durchgreifende Maßnahmen zu einer modernen Ausgestaltung der vorhandenen Kreuzungen. Zur Erreichung dieses Zieles mußte vor allem die Möglichkeit geschaffen werden, die Veränderung bestehender Kreuzungen, notfalls gegen den Willen eines oder beider Beteiligten zu erzwingen. Ein soeben erlassenes Gesetz sieht hin­sichtlich der Herstellung neuer Kreuzungen zwischen Eisenbahnen und Straßen grundsätzliche Schienenfreiheit vor. Das Gesetz gibt jedoch die Möglichkeit, den Grundsatz der Schienenfreiheit je nach der Verkehrsbedeutung einzudämmen. Um Härten zu vermeiden bei bestehenden Kreuzungen kann zur Verbesserung des Eisenbahn- oder Stra­ßenverkehrs angeordnet werden, daß die beteiligten Eisenbahnunternehmer und Träger der Stratzen- baulast höhengleiche Kreuzungen durch schienenfreie Kreuzungen ändern, an höhengleichen Kreuzungen bis zu ihrer schienen­freien Umgestaltung Eisenbahn- oder Straßenan­lagen ändern oder ergänzen, höhengleiche Kreuzun­gen durch Wegeverlegungen beseitigen oder sonstige bauliche Maßnahmen treffen. Bei der Aendcrung höhengleicher Kreuzungen ohne schienenfreie Um­gestaltung ist besonders an die Ausgestaltung des

Soziale Politik.

Wenn der nationalsozialistische Staat auf der einen Seite von allen Volksgenossen die beste L e i st u n g und den h ö ch st e n Einsatz fordert, so ist er auf der anderen Seite entschlossen, die Leistung sowohl wie den Einsatz nicht nur zum Wohl der Volksgemeinschaft, sondern auch zum Wohl des einzelnen anzuerkennen. Es hat Härten gegeben wie z. B. bei der Verpflich­tung von Arbeitskräften für staats- politifche Aufgaben, insofern der Verpflich­tete an seinem neuen Arbeitsplatz geringer entlohnt wurde, als dies an seinem alten Arbeitsplatz der Fall war. Schon bei der Einführung dieser Maß­nahme hatte der Beauftragte für den Vierjahres­plan, Feldmarschall Göring, die Anordnung getrof­fen, daß in solchen Fällen eine Ausgleich- zulage gezahlt werde. Diese Anordnung hat nun­mehr eine zeitlich unbegrenzte Wirksamkeit erhalten, so daß künftig in jedem Fall die Zulage ge­zahlt werden muß. Erst dann, wenn die Verpflich­tung aufgehoben wird, hört diese Zulage auf. Dar­über hinaus ist die Einrichtung eines besonderen Härteausgleichs geschaffen worden, der dann einzugreifen hat, wenn durch den Wegfall der Zu­lage besondere wirtschaflliche Nachteile entstanden find.

Der nationalsozialistische Staat hebt damit die staatspolitisch wichtigen Ausgaben ausdrücklich her­vor, denn diese sind es, die mit allen Mitteln ge­fördert werden müssen. Im Sinne dieser Ausgaben sind aewisse Härten nicht zu vermeiden, denn es läßt sich z. B. nicht umgehen, daß Volksgenossen von einer Arbeitsstelle auf eine andere Arbeitsstelle um» geleitet werden, ohne daß der einzelne Volksgenosse dies beantragt hat. Die persönlichen Rechte und Freiheiten des Volksgenossen finden ihre Grenzen an den Interessen des Staates und der Volksge­meinschaft. Der einzelne kann nur leben, wenn ein starker Staat vorhanden ist, der Lebensrecht und Lebensraum gewährleistet. Wohin das Gegenteil führen muß, das Uebergewicht liberalistisch-demo- kratischer Freiheiten des Einzelnen, haben wir ein- drucksooll in der Systemzeit erlebt, wo der einzelne zwar das Recht und die Freiheit hatte, sich seinen Arbeitsplatz zu suchen wo er wollte, aber diesen Ar­beitsplatz in der Regel nicht finden konnte.

Es ist ohne weiteres klar, daß eine staatlich ge­leitete Wirtschaft auch die Sorge dafür zu tragen hat, daß die der Wirtschaft/ gestellte Gesamtausgabe gelöst werden muß. Diese Gesamtaufgabe besteht vor allem darin, die Güter und Dienste sicherzu­stellen, die zu gegebener Zeit staatspolitisch wichtig sind. Das kann heute der Steinkohlenberg­bau sein, weil die Steinkohle heute nicht mehr Brennstoff allein, sondern ein ungemein wichtiger industrieller Rohstoff ist, der für sehr unterschied­liche Zwecke gebraucht wird. Stellen wir uns ein­mal vor, daß die staatlich geleitete Wirtschaft eine bestimmte Steinkohlenmenge gebraucht, so versteht es sich von selbst, daß der Staat im Interesse der Volksgemeinschaft nichts unterlassen darf, was die Förderung dieser Steinkohlenmenge sichert. Das kann Veranlassung sein, den Arbeitsplatz­wechsel einzuschränken, wie das durch die Verordnung des Reichsarbeitsministers vom 11. Juli 1939 geschehen ist. Darin liegt keine soziale Härte, denn abgesehen davon, daß die schwere Arbeit des Bergmannes ihrer Natur nach schon immer örtlich gebunden war, hat ein Arbeitsplatzwechsel gerade im Kohlenbergbau manche Nachteile, die mit der Betriebssicherheit Zusammenhängen. Die Tatsache, daß die Nachfrage nad) Arbeitskräften allgemein ist, bringt es mit sich, daß das Angebot sich da stei­gert, wo ein höherer Lohn oder andere soziale Por­teile in Aussicht stehen. Aber wir können die ge­waltigen Aufgaben, die im Rahmen des Dierjah- resplans zu leisten sind, zu keiner Zeit und an keiner Stelle als Aufgaben zweiten oder dritten Ranges bewerten lassen. Wo der Einsatz von Ar­beitskräften aus staatspolitischen Gründen vor sich gehen muß, sorgt die Anordnung des Beauftragten dafür, daß kein Verpflichteter wirt­schaftlich schlechter g e st e 111 wird.

Der nationalsozialistische Staat will ein Staat der Arbeit und der Leistung sein. Daß er dies wirklich ist, hat er seit der Machtergreifung be­wiesen, denn es hat auf allen Gebieten des öffent­lichen und wirtschaftlichen Lebens ein freuoig aufge­nommener Wettkampf um die beste Sei­ft ung eingesetzt. Dieser Wettkampf mit seinem Lei­stungsergebnis ist nicht ein Vorgang an sich, er bil­det vielmehr d ie Grundlage für den sozialen Ausleseprozeß. Wer in seinem Fach besonders Tüch­tiges leistet, ganz einerlei um welche Disziplin es sich handelt, wird den Weg nach vorwärts frei fin­den. Der nationalsozialistische Staat hat bisher schon ein System für die Auslese ausgeprobt, das nunmehr über das Großdeutsche Reich hinweg zur Anwendung kommen soll. Das Förderungs­werk für die Begabten, das von Dr. Robert Ley und dem Reichsjugendführer Baldur von Schi­rach unter der Schirmherrschaft des Generalfeld­marschalls Göring organisiert ist, ist eine soziale Tat, die nur ein Staat wagen kann, für den das Wohl der Volksgemeinschaft und damit des einzel­nen die höchste Aufgabe ist Ey.

der Überschneidung des Straßen- und Eisenbahn­verkehrs dienenden Kernstücks, bei der Ergän­zung solcher Kreuzungen an die Errichtung von Straßenverkehrszeichen (Baken) oder von Warnlichtanlagen und Schranken ge-> dacht.

Die Befugnis zur Anordnung aller dieser Aende- tun gen steht dem Reichsverkehrsminister im Ein­vernehmen mit dem Generalinspektor für das deut-, sche Straßenwesen zu. Das Gesetz legt die Kosten zu gleichen Teilen auf beide Beteiligte, ohne Rücksicht darauf, wer im Einzelfall den Anlaß zu der Ver­änderung gegeben hat und welcher Verkehrsweg zuerst hergestellt worden ist.

Eine Reichsstelle gegen die Alkohol- nnd Tabakgefahren.

Berlin, 12. Juli. (DNB.) Reichsgesundheits- führer Staatsrat Dr. Conti hat zur Vereinheit­lichung und Erweiterung der Arbeit gegen die Al­kohol- und Tabakgefahren eine Anordnung er­lassen, in der es beißt:3m Einvernehmen mit dem Reichsminister des Innern wird die ^Reichs- ftelle gegen d i e Alkohol» und Tabak­gefahren" in Berlin-Dahlem errichtet, die die Aufgaben derReichsarbeitsge- meinfcbaft für R a u f ch g i f t b e k ä rn p- fung" sowie der ihr angeschlossenenReichsfach­gemeinschaft zur Bekämpfung des Alkoholismus" und des unter der BezeichnungReichsstelle gegen den Alkoholmißbrauch" 'bekanntenDeutschen Vereins gegen den Alkoholismus" übernimmt. Die Leitung übernehme ick) selbst. Zu meinem Stellvertreter als Leiter der Reichsstelle