Wandern und Reisen - Bäder und Sommerfrischen
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Wanderfahrten
SPITZENLEISTUNG
OPEL
Dom Gepäck und vom Kelter
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5)ut
die
Seitentälchen des wo wir jetzt auf nachgehen. Etwas
Winnen, den gewährt, ab- wo wir nach
der aus den
Zauber des Lahntals
Don Konrad Haumann.
Ja, das bin ich. Und wenn du sowieso den bekommen hast —
Du bist ein guter Junge, Leiv, wir lassen Novelle stiegen!
Meinst du das wirklich?
Ja, das meine ich. Du solltest dich wcgt^ 500 Kronen totquälen? Ich mache mir nichts dem Geld — wenn ich nur dich habe — und Hut, haha.
Und den Hut ...
Lieber das Reisen.
Von Heinrich Wolfgang Seidel.
Weshalb die Menschen auf Reisen gehen, Yt, wenn wir die Zweckmäßigkeitsgründe des Kranken, des Geschäftsmannes oder des Forschers ausscheiden, gar nicht so einfach zu sagen. Immerhin kann , uns der Ausdruck Erholungsreise auf. die rechte Spur bringen. Wir wünschen uns zu erholen, vermutlich von uns selbst. Der Reisewille verrät freilich zunächst nur einen Ueberdruß an den äußeren Umständen unseres Lebens: da aber die äußeren Umstände uns dann mißfallen, wenn wir ihnen nicht gewachsen find, so sind wir in Wahrheit unserer selbst überdrüssig: wir möchten auf diese Weise dem eigenen Ich entrinnen. Das ist natürlich unmöglich, oder wäre «s, wenn wir nur ein einziges
!>es Bild.
Nun folgen geschichtereiche Lahnftädte im Reigen uf! An der Äarmündung baut sich das malerische Diez mit seinem oieltürmigen, mauersteiligen Schloß über bunten Flußhütten an der Lahnbrücke uf. Prächtig ragen der vieltürmige gotische St.° Georgs-Dom und die Burg über „Limburg, der idlen Stadt" mit dem bunten Geschachte! mittelalterlichen Fachwerks: Gassen, die so eng, daß die Kölner für ihre Fuhrmannswagen einst besonders ilir Limburg Maß nehmen mußten, um nicht stecken m bleiben. Vom Heiligen auf der geschwungnen Zahnbrücke zeigt sich traumhaft das alte Stadtbild -iit Dom und Burg. — Dann Burg Runkel mit sinen von den Kroaten abqesengten gotischen Turm- iimpsen. Und auf der Schadecker Höhe wächst der nunkeler Rote: ein feines Tröpfchen! Weiterhin nehen sich Weilburgs cholpergäßchen zum verwunschenen Barockschloß hinauf mit dem gestutzten Dark; Ubbelohde hat es als Märchenschloß in seine Jilder gezaubert!
Berühmte Sprudel entsteigen der Lahnerde: yn tzachinqen, in Selters, in Biskirchen. Und wieder
steigt ein vieltürmiges Schloß über einem altertümlichen Markt am Lahnhorizont auf: Braunfels. Dann glitzern sielberne Schieferdächer um einen Dom auf: Wetzlar, wo um das schlichte Mauerhäuschen der Lotte Buff Erinnerungen an Werthers Leiden heraufbeschworen werden. Es ist am schönsten, wenn, wie zur Zeit des Rechtspraktikanten Goethe am weiland Reichskammergericht der Duft des Flieders durch das Städtchen streicht. Marburg lockt noch zum Besuch. Schwälmer Trachten
Obwohl heute die verschiedensten Organisationen, KdF. und Reisegesellschaften aller Art dem Fenen- reisenden alle technischen Bedingtheiten des Reisens abnehmen, gibt es immer noch eine große Zahl vo-n Menschen, die gern allein oder doch nur in kleiner und kleinster Gruppe reisen. Sie haben die größere Freiheit, zu tun und zu lassen, was sie wollen, sie können unterwegs ihren Reiseplan gndern, können rasten oder weiterziehen wie es ihnen beliebt. Aber diese Vorzüge werden oft durch kleine Unbeov.emlichkeiten, wie sie das Reisen mit sich bringt — Zugversäumnis, Quartiersuche u. ä. — gestört. Man muß, um wirklich Genuß und Erholung von seiner Reise zu haben, von vorneherein mit solchen kleinen Störungen rechnen und entschlossen sein, sich nicht an ihnen zu ärgern.
Bei einer Reise, die uns von Ort zu Ort, an die Stätten besonderer Natur- oder Kunstschätze führen soll, ist die Frage des Gepäcks besonders wichtig. Wenige, handliche Gepäckstücke find Voraussetzung. Man kann sich ohne Träger behelfen und ist auch nicht auf die Bereitwilligkeit der Mitreisenden beim Ein- und Aussteigen angewiesen. Es empfiehlt sich, in einem kleinen Handkoffer das ganze Nachtzeug unterzubringen — man kann damit ohne Beschwer auf die Quartiersuche gehen, während der größere am Bahnhof bleibt. Um Gepäck zu sparen, und doch nichts zu entbehren, ist es gut, sich an Orte, die man bestimmt berührt, Pakete mit Wäsche usw. entweder postlagernd oder ins Quartier zu schicken. Packmaterial bemesse man so reichlich, daß man die getragenen Sachen wieder nach Hause schicken kann.
Frauen wählen für die Reise ein Kleid aus einem nicht knitternden Stoff, das sich mit verschiedenen, Blusen, einer Jacke und einem leichten Nachmittagsmantel für die Reise in der Eisenbahn und die Besichtigung der Stadt jeweils passend abwandeln läßt. Der beweglich Reisende vereinfache seine Bedürfnisse
Buhbach — hausen — Bodenrod — Blaibach — Ziegenberg.
tttier? Wiener
Zeichen weist dorthin, steht ein interessanter Baum, seiner eigenartigen Form wegen die Harfenfichte genannt. Durch schöne Waldung gelangen mir nach unserem Endziel Ziegenberg mit seinem, malerisch über dem Tale gelegenen, durch Goethe bekannten Schlosse. Von hier benutzen wir das Postauto nach Butzbach. Wanderzeit 4% Stunden.
Gießen — Großen-Vuseck — Beuern — Climbach — Allendors.
Vom Rheintal her öffnet sich zwischen Nieder- s Md Oberlahnstein ein sanftes grünes Geschiebe ; malerischer Bergzüge: Das romantische Lahntal! l.urg Lahneck und Allerheiligen bilden den Eingang . I eses Tales voll Wanderglück und Ueberraschungen. livischen Taunus und Westerwald zieht die Lahn mre glitzerndem Bogen, zärtlich eingefaßt von Wie- nbänbern und Hügelketten, von grünen Wald- rjauern und steilen Felsen. Dieltürmige Burgen und c.chlösser, Dome, reizvolle Städtebilder, ganze Bil- !”rbüd)er voll deutscher Vergangenheit, spiegeln sich in geruhsam oorüberziehenden Fluß. Wir dürfen ill» begeisterten Lahnwanderer den jungen Goethe tieren, der also sagt: „Mein Auge, geübt, die rna- rischen und übermalerischen Schönheiten der Land- chaften zu entdecken, schwelgte in Betrachtung der Lähen und Fernen, der bebuschten Felsen, der son- liaen Wipfel, der feuchten Gründe, der thronenden Schlösser und . der aus der Ferne lockenden blauen Nergreihen..." . ,
Wenn wir vom Rhein her kommen, nimmt uns kalb die Schönheit eines Weltbabes gefangen: Bab ms, ber Kurort der Sängerinnen unb Schau- vieles bes Kränchen-Brunnens und ber Emser Millen Mit seinen Hotelreihen und Kuranlagen it es eingefügt in bas golbne Waldgrün des engen Dales Jungbrunnen und Sportbab mit dem Hauch mn Eleganz, großer Welt unb Tradition. Der Ruch
Glycinien streicht burch alle Gassen. Vom blüten- wnten Kurplatz an der von blumengeschmückten : ahnbrückchen 'übersprungenen Lahn klingt heiter !ie Melobie: „König Wilhelm saß ganz heiter... Winter bem Felsen Bäberlei liegt das Oertchen taufe nau mit dem schiefen Stadtturm, mit dem Wirtshaus an der Lahn", von dem das Volkslied singt und allerlei Fachwerk um die Bergkirche. Wo Üe Hänge weiter von ber Lahn zurücktreten, weckt Aad Nassau geschichtliche Erinnerungen an den naßen Staatsmann Freiherr vom Stein, ber im Iqcinienumblauten Schloß geboren ward.
Schöne stille Seitentäler führen zur Lahn: Das wmantische Mühlbachtal, die Dörsbachschlucht des Jammertales unter Kloster Arnstein, das von ' Montabaur im Westerwald herniederkommende 3 c l b a ch t a l. Und dann beginnt das köstlichste ‘ Wegstück, das Burgenland der Lahn! Da hockt die merkwürdige Talburg Langenau- neben der Straße. Kloster Arnstein lugt hoch aus Waldgrün. Srunnenburg, Ruine Schauenburg, Burg I a l d u i n st e i n , Schloß Schaumburg auf Bafaltfelfen — bei jeder Flußbiegung im bewaldeten Dal mit ber hoch über dem Fluß in den Fels ge- i jprengten Straße, zeigt sich ein neues, überraschen
wippen durch Gassen und Fluren. Im südlichen Rothaargebirge findet sich schließlich die denkwürdige unb kuriose Stätte, wo bie 218 Kilometer lange Lahn im Keller bes Forsthauses Lahnhof bas Licht der Erde erblickt. Romantisches Lahntal, Zauber ber Städte, Burgen, Kurorte — ein gesegnetes Fleckchen beutscher Erbe, ein reiches Wanber- unb geruhsames Erholungsgebiet für erlebnisreiche Ferientage!
nehmen, daß er noch dichten konnte. Er schaltete den Lautsprecher ein und kam mitten in die Tagesneuigkeiten hinein. Auf einmal erstarrte er: ein furchtbares Autounglück hat sich heute auf dem glatten Eis ereignet... Zwei Damen außer bem Fahrer in einen 10 Meter tiefen Abgrund gestürzt ... bei Flekkefjord.
Er konnte wieder Atem holen. Es sind glücklicherweise zwei Tagesreisen bis Flekkefjord. Aber unheimlich, so etwas in bie Stube zu kriegen, wenn man im voraus nervös und überarbeitet ist. Roh ist bas. Er schaltete ben Apparat aus. Lief in ber Stube herum. Man konnte ja ein Telephongespräch fpenbieren unb Hövik anrufen unb nach ihr fragen. Er traf nur das Dienstmäbchen am Telephon. Nein, sagte sie, sie hätten sich verspätet. Die Wege sollten sehr glatt fein, hatte sie gehört: aber sie würben wohl nun halb kommen ...
Er schaltete eine stille, beruhigende Musik von irgenbroo ein, zünbete sich eine Zigarette an unb roanberte umher.
Eine halbe Stunbe später ist sie immer noch nicht ba unb das Mädchen in Hövik antwortet, beiß sie das gar nicht verstehen könne. Ja, ja, sie werde seiner Frau gleich Bescheid geben, daß sie anrufen solle, wenn sie kommt.
Er sinkt in einen Stuhl nieder und wartet aufs Telephongespräch, auf Schritte im Korridor. Es braucht ja nicht zu bedeuten, baß ein ernstlicher Unfall passiert ist, wenn man sich auf einer Autotour ein ober zwei Stunden verspätet...
Die Uhr geht bie ganze Zeit. Eine Minute nach ber anberen wird unerbittlich zurückgelegt. Er ruft bie Polizei an, auch bie Wache auf ber Unfallstelle und ein paar Hotels. Vergeblich. Und immer noch kein Anruf aus Hövik. vr ,
Der Schreibtisch stand verlassen da. Der Rundfunk sprach fremde Sprachen vor tauben Ohren. Leiv hielt sich im Schlafzimmer auf, ging hin und her, vier Schritte in jeder Richtung. Hier war er neben ihrem Bett, ihren Nähsachen, ihrem Strumpfkasten unb den Kleinigkeiten auf ihrer Toilettenkommode. Wie hübsch sie alles geordnet hatte mit ihren kleinen Händen! Im Schrank hingen bie paar Kleiber, die sie besaß. Es war wohl nicht viel dran. Er verstand so wenig bavon, aber ber Stoff fühlte sich so hart an, als er ihn an seine Wange hielt. Wenn er richtig nachdachte, war es nicht viel, was sie hatte, um sich hübsch zu machen — unb trotzbem war nie« manb so süß wie sie... Nein, er hielt es nicht länger aus, hier sozusagen bei ihrer Hinterlassen- । schäft zu stehen. Wieder in die Stube hinein — er , sank am Schreibtisch ** unbeschriebenen Sei
ten zusammen. Ach nein, er war gewiß kein No« vellenbichter. Es war nur sein kleines Frauchen, die auf bem Bild mit den rührenden Händen. es war nur sie, bie das glaubte. Glaubte so felsenfest daran, baß sie einen Hut auf Kredit für ihren Anteil am ersten Preis gekauft hatte. Unb dieses Hutes wegen hatte er sie zum Weinen gebracht...
Sie kam so leise, baß er sie erst merkte, als sie schon in ber Stube war. Wir blieben etwas länger, sagte sie, wir machten einen Abstecher nach Habe- land... Sie stand etwas verlegen da. Den Mantel und auch den Hut hatte sie im Korridor abgelegt. Inga, sagte er und seine Stimme zitterte, setze bitte den Hut wieder auf, ich sah ihn nicht so genau heute früh...Im Grunde sehr hübsch. Aber wohl sehr teuer?
Nein, das Merkwürdige ist, daß er nur zehn Kronen kostete. Es war Ausverkauf, sonst hätte ich ihn nicht genommen, sagte sie. Er zog seine Brieftasche heraus und gab ihr das Geld. Wenn es eine fo unbedeutende Summe wäre, so sollte sie nicht zu warten brauchen, sondern den Hut gleich bezahlen ... Sie saß so glücklich mit roten Wangen auf seinem Schoß mit neuem Hut, Schleier und zehn Kronen und bann fragte sie nach ber Novelle.
Ach die! Nein, die war noch nicht fertig, aber es eilte nicht... Und ich kann auch nur arbeiten, wenn du zu Hause bleibst und nicht bis tief in die Nacht hinein im Auto herumfährst.
Ich? Du lieber Gott. Ich soll hier sitzen unb mich nicht vom Fleck rühren?
Ja, ja, es ist gut so. Aber übrigens ist bies gar keine leichte Arbeit, bas habe ich heute gespürt.
Das kann ich dir ansehen, bu bist ja ganz blaß.
Well,, Watü^ Ny, f,0Nt, z.
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Hochschulnackrichten.
Dem Dozenten Dr. Herbert Koziol wurde unter Ernennung zum ao. Professor an der Unioenitat Freiburg i. B. der Lehrstuhl für Englische Phi« lologie übertragen.
Wir beginnen unsere Wanderung am Schützen- haus, gehen am Flughafengelände vorbei über Rödgen nach Großen-Buseck. Von hier gelangen wir auf guter Straße nach Beuern. An der Keebsmühle vorüber geht unser weiterer Weg durch schönen Waldbestand hinauf nach dem hochgelegenen Climbach, wo sich uns eine weite Fernsicht erschließt. Von hier führt die Straße, die prachtvolle Blicke in das Lumdatal, auf Allendorf, Nordeck, Leibenhofener Kopf unb Totenberg wärts nach Station Allenborf, von vierftünbiger Wanberung heimfahren.
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Vom Bahnhof Butzbach (Sonntagskarte) steigen wir bie mit schönen Dillen bestandene Taunusstraße auswärts zum Walb. Hier beginnt bas schwarze T, basz zunächst unser Wegzeichen bilbet. Auf gepflegten Walbpfaben gelange^ wir nach einer Stunbe nach bem reizenb in einem Wiesentälchen liegenben Hausen, bas wir durchschreiten, um in langsamem Anstieg, stets durch Wald, den Gipfel des Hausberges zur Linken lassend, den kleinen Weiler Oes, die kleinste hessische Gemeinde, zu erreichen. Hier wird unser seitheriges Zeichen für ein kurzes Stück von einem roten Punkt unterbrochen. Bald treffen mir wieder das schwarze T, das uns an der Pilgramseiche, einem mächtigen Baum, vorbei nach dem 420 Meter hoch liegenden freundlichen Taunusdörfchen Bodenrod (gute Einkehr) führt. Unser Zeichen leitet uns weiter nach dem anmutig in einem -....... * Michelbachs gelegenen Maibach,
rote Striche stoßen, denen wir abseits von unserem Wege, ein
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und sei entschlossen, sich nicht durch Kleinigkeiten m feiner Laune unb seinem Aufnahmewillen stören zu lassen. Eine schlechte Nacht, ein verregneter Tag, ein mäßiges Quartier muß er als eine vorüber-' gehende Unbequemlichkeit betrachten, die um so leichter zu tragen ist, je weniger Schwergewicht wir ihr beimessen. Wenn auch der Reiseplan in großen Zügen feststeht, so sollte er doch nicht so starr sein, daß nicht einmal etwas Unerwartetes darin Platz hak _ ein abseits vom geplanten Wege liegendes altertümliches Städtchen von besonderem Charakter, ber Umweg über eine eigenartige Landschaft u. bgl. Beweglichkeit des Geistes, sich umschalten können, kann einer Reise ganz unvorhergesehene Reize geben.
Um nicht in unnötige Ouartierschwierigkeiten zu geraten, wie sie in ben Reisemonaten möglich sind, tut man gut, seine Fahrten so einzurichten, baß man am Tage antommt. Man kann dann meist noch ein Unterkommen finben, ober — ist wirklich nichts zu bekommen — mit irgend einem Lokalzug in einen benachbarten Ort fahren.
Die Wetterfrage spielt bei bem Reisenden natürlich eine große Rolle unb niemand wird leugnen, daß Sonnenschein angenehmer ist als Regen. Daß man sich aber auch durch Wettermißgeschick nicht Niederdrücken zu lassen braucht,' hat ein großer Mann und Weltreisender wunderschön ausgedrückt. Wilhelm v. Humboldt schrieb an eine Freundin: „Wenn man im Menschen eine gewisse mittlere Seelenstimmung als die Regel annehmen kann, so bringt mich schlechtes Wetter niemals unter dieselbe. Dies erlaubt meine gegen alle äußeren unangenehmen Eindrücke seht gut verwahrte Natur nicht. Aber ein schöner Tag oder eine strahlend sternhelle Nacht hebt mich unaussprechlich darüber empor. Denn man kann, gerade indem man die Empfindung des Schönen schärft, die Reizbarkeit gegen das Unangenehme abftumpfen._____________D- $•
Ich in uns trügen. Wir besitzen jedoch mindestens ein Doppel-Jch, eins, das durch eigene und fremde Schuld in seiner Entfaltung gehemmt, in feinen Kräften gebunden, mißgestaltet und verkrüppeltest, und ein anderes, das ich als „Dollendungsbild" bezeichnen möchte, das gottgewollte Ich, dem wir entgegenreifen und dessen Verwirklichung wir ersehnen. In dem Worte: „Ich möchte reifen, um endlich einmal ein menschliches Leben zu führen", ist dieser wesentliche Sinn ber Reise angebeutet; denn offenbar will ber so i;ebenbe sagen, baß er sich selbst finben möchte unb dazu eine völlige 23er- änberung ber Lebensweise brauche.
Sv hat die Reise eine zwiefache Bedeutung: sie zerbricht die Ketten des Alltags, der Gewohnheit, der gesellschaftlichen Lüge, des naturwidrigen Lebens und aller jener Leistungen, die uns nicht gemäß sind, bie wir aber erfüllen müssen, weil sie zu unserem Beruf, wenn auch nicht zu unserer Berufung gehören: ebenso aber stellt sie das gott- geordnete Verhältnis zur Natur, zu ben Menschen und zu Gott selbst wieder her.
Zur Natur: denn wir lernen endlich wieder bie geschossene Welt mit rechten Augen anzusehen. Ist sie uns in ben künstlichen Städten das Ungewohnte, das andere, das, was wir nicht sind, fo begreifen mir jetzt, daß Vogel, Baum unb Wasser unsere Geschwister find; zu uns rebet ber Berg, redet der gestirnte Himmel, und ihre Rede verkündet die Macht des Schöpfers unb fein wandelloses Gesetz. Aber auch dem Menschen bringt uns bas Reisen näher: sind wir doch geneigt, ihn in der Ferne ruhiger gelten zu lassen in seiner besonderen Art und. Sitte; unbelastet ist der Ausdruck ber Ge- danken von früherem Erleben; Ehrgeiz, Kastendünkel, Geschäftsvorteil unb Sonberneigung scheiden aus, roo sich Menschen in dem, was allen gemeinsam ist, finden können: in der Freude an einer morgenfrohen, neugewordenen Welt. Und sollte endlich nicht auch zu Gott die Straße offener fein in diesen Wochen, da wir der sinnlosen Mahlmühle des Lebenskampfes entronnen sind, nun endlich einmal begnadet mit Zeit? Die weite Reife müßte stets auch eine Reife in das inwendige Land fein. Dankbarkeit und Freude geben uns Mut zu neuem Beginn, Entspannung des Leibes läßt die Seele erwachen und unser wesenhafteres Ich erhebt seinen Anspruch an das Leben. Wohl dem, der dann ver- wandelt heimkehrt, wieder bedacht auf hohe Ziele, die ihm längst entschwanden, jungen Geistes und lebendigen Herzens!
Eine Gonntagsgeschichte. ;
Von Marie Hamsun.
Leiv und Inga waren verheiratet, aber nicht cunqoerheiralet, es war schon über em Jahr her Än einem Jahr kann so viel geschehen, man nimmt in an Alter, Weisheit und Verstand, wie es heißt. Ls kam Leiv so vor, als ob er mehr zugenommen abe als Inga. Aber nach einer Frau, die ihrem Manne über ben Kopf wächst, soll man auch nicht »rächten: im großen und ganzen wünschte er ben morgigen Tag nicht anders als heutigen Es wäre denn, wenn sie etwas mehr Geld perbtent hätten, aber dazu war vorläufig keine Aussicht. Sein Gehalt im Büro war fest, geradezu unerfchut- «rlich fest. Inga war übrigens ganz tüchtig im Wirtschaften, gab- keinen unnutzen Pfennig aus und mit feinen wohlbedachten Ratschlägen pflegte das Selb einigermaßen auszureichen.
Aber es machte boch Eindruck auf sie, als sich ::uher ber Staatslotterie, in ber sie regelmäßig hielten — eines Tages eine neue Chance bot. eine ;roße Zeitschrift forbert zu einem Pr"sausschrei° en aut Ein jeder konnte seine Novelle emschicken :md daran teilnehmen. 1. Preis: 500 Kronen.
Beim Mittagessen entstand eme Pause. Lew sah ::us, als ob er über bie Fleischkloße in irance fiele. Anga unterbrach zuerst bas Schweigen. Sie sag e, ’ ie wünsche es sehr, baß er bie Novelle bichte, damit sie bie 500 Kronen bekommen konnten 0:5je verschiedenes, was sie gerade jetzt zum Haushalt brauche. . , -
Am folgenden Morgen sagte er, daß er glaube inne brauchbare Idee gesunden zu haben. Das vlaubte sie auch. Die klatschte in die Hande und chrie förmlich: O Leiv, bann gibst bu mir em bih- Sen von dem Geld, nur ein bißchen nicht wahr.
■ Er wies sie sanft zurecht — sie durfte boch nicht Ileid) davon ausgehen»... aber natürlich, wenn er jier Glückliche werben sollte, bann —
Sie bantte ihm, küßte ihn freudestrahlend und verschwand durch die Tür. Er ging ein paar Tage ind wärmte und brütete an der Idee — am Sonn- ug dachte er, die Novelle auszubruten. Es war :«ann nötig, daß er ganz allem war Sie Wohnung war nämlich sehr eng, nur zwei kleine Z mmer Äüche und Bad. Inga sagte deshalb gleich zu, a s i)re Schwester und ihr Schwager von Homk aus m einer Autofahrt auf das Land emluben
Am Sonntagmorgen war Lew frühzeitig fertig. $r saß ba mit Papier und Bleistift und wartete darauf, baß Inga ihn alleinlassen sollte. Als e sein Haupt aus den stützenden Händen erhob, stano
sie mitten im Zimmer und hatte einen neuen Hut : auf. Einen neuen Hut! Seine Augen waren plötz- ' lich erwacht. Hast — hast bu einen neuen Hut, fragte er.
Ist er nicht nieblich? Sie drehte sich lächelnd um, damit er das Wunder von allen Seiten sehen konnte...
Aber du hattest ja schon einen Hut, Mensch, rief er.
Ich hatte einen Hut, sagte sie unb nickte mit bem zweiten Hut. r £
Da stand Leiv vom Schreibtisch auf und fragte sie von Gesicht zu Gesicht, was ihr eigentlich eingefallen sei. Ohne weiteres Geld zu nehmen und einen teuren Luxushut hinter seinem Rücken zu kaufen! t
Inga wich nicht zurück. Ihre Nase war dicht an ber seinen: sie hatte nicht einen Pfennig genommen! Sie hatte nämlich ben Hut auf Kredit bekommen. Nur auf ein paar Wochen — bis die Preise verteilt wurden. Oder hätte er vielleicht vergessen, was er ihr versprochen hatten? Inga brach unter bem Hutschleier plötzlich in Tränen aus. Dann eilte sie hinaus, unb er war allein.
Nun sollte also ein Dichter still in sich versinken, um aus ber Tiefe seiner Seele etwas zu schassen. Er war außerstanbe bazu. Rastlos ging er in ber Stube herum, stöhnte und seufzte.-Daß sie ihm so etwas antun konnte! Nach einem Jahr entwickelnden Zusammenlebens stand sie auf der Stufe einer __ ja, einer Hottentottendame, die ein Stäbchen durch bie Nase steckt, einen Ring durch bie Lippen zieht unb glaubt, daß sie reizend sei.
Etwas später hatte er sich ein wenig beruhigt und setzte sich' wieder an den Schreibtisch. Er hatte gehofft, diese kleine Erzählung heute fertig zu bekommen, aber es würde wohl schwierig werden. Er war aus seiner Bahn herausgeschleudert worben. Er versuchte sich wenigstens auf einen guten Anfang zu konzentrieren. Er hoffte, baß dann der Rest an einem anderen Tage sozusagen von selbst kommen würbe. Er wanderte in der Stube umher, stellte einen Stuhl zurecht unb hängte ein schiefes Bud gerabe. . ...
Die Verabrebung von heute früh war. datz sie vor Dunkelwerben zurück fein sollte. Die Tage waren sehr kurz zu dieser Jahreszeit er mußte versuchen zu arbeiten, sie konnte ja leben Augen- . blick hier sein. Als er nun einen Bogen ober zwei mit Anfängen vollgeschrieben und wieder Konfetti daraus gemacht und sie in den Papierkorb geworfen
• hatte, machte er abermals eine Pause.
Es war ganz dunkel draußen und Inga war noch > nicht ba. Er wurde nervös, unb es war nicht anzu-
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