Ausgabe 
13.4.1939
 
Einzelbild herunterladen

Ar. 8b Erstes Matt

189. Jahrgang

Donnerstag, 1Z. April 19Z9

Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild DieScholle Monatt-Vezugspreir:

Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt

ZernsprechanschlUffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Sietzen postscheittonto:

Zranlsurt am Main 11688

Metzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck und Verlag: vrühlsche UniverfitStrdruckerei «.Longe in Sietzen. Schristleitung und Seschäftrsteile: Lchulstratz« 7

Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8*/,Uhr des Vormittags

Grundpreise für \ mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text­anzeigen von 70mm Breite 50 RpfPlatzvorschrift nach vorh.Dereinbg.25°/o mehr.

Lrmätzigte Grundpreise:

Stellen-, Vereins», gemein­nützige Anzeigen sowie ein» spaltige Gelegenheitsanzei» gen 5 Rpf., Familienanzei­gen, Bäder», Unterrichts- u. behördlicheAnzeigen6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B

Londoner Nebel.

Don unserer Berliner Schristleitung.

Ev. Berlin, 13. April.

Mit der gleichen Plötzlichkeit, mit der seit dem Karfreitag die zweite englische Einkreisungsaktion innerhalb eines halben Jahres angekurbelt wurde, j letzte in den letzten 24 Stunden eine Vernebelung ! Der britischen Absichten gegenüber den autoritären - Staaten ein. Die Hetze der eigenen und der beein- ' sflußten ausländischen Presse wurde stark gedämpft mnd die am heutigen Donnerstag erfolgende Er­klärung Chamberlains auf den Charakter riner .allgemeinen Warnung" zurückgeschraubt. \ Wber weder das eine noch das andere darf dar- 1 über täuschen, daß die britisch-französisch-sowfct- russische Einkreisung hinter diesem Täuschungsnebel 'planmäßig fortgesetzt wird. Tatsächlich i ssind ja auch unverkennbare Anzeichen des Ueber- Dänges von der Theorie zur Praxis vorhanden. Llngeachtet der ablehnenden Stimmen aus Grie­chenland, der Türkei und Jugosla- tD'i en, die absolut nicht einsehen wollen, warum "ie durchausbedroht" sein sollen, hat Frankreich 25 übernommen, diesen Staaten nicht nur die Not- wendigkeit irgendeinerGarantie", sondern auch Dre Vorteile einer Zusammenarbeit mit Sowjetruß- and im Kreis der Westmächte plausibel zu machen; auch Rumänien wird weiter bearbeitet. England seinerseits schafft unterdessen zwei Ba- aillone Infanterie, ein Regiment motorisierter Ka­vallerie, eine Batterie und eine Fahrabteilung aus Palästina nach Aegypten, läßt gleichzeitig -^gyptische Truppen an die libysche Hrenze dirigieren und auf der arabischen Halb- mfelFreiwillige" anwerben; es betreibt also zur gleichen Zeit, in der Chamberlain sich den Anschein «er Verhandlungsbereitschaft gibt, konzentrische Be­wegungen gegen das römische Imperium in Afrika.

Diese völlig eindeutigen Vorgänge werden er- änzt durch zwei so völlig auffallende Aktionen wie das Anlaufen von Port Said durch sowjet- lussische Torpedoboote und durch die Fahrt von 14 nwjetrussischen Zerstörern nach Griechenland, das '.c, wie Metaxas' Telegramm an Mussolini zum leberfluß erweist, am allerwenigsten gerufen haben unn. Damit hat also England die Sowjets nn das öftliche Mittelmeer geholt, hat cllso jetzt durch die Tat seinen plötzlichen Umfall auf der Dardanellen-Konferenz von Montreux vom uli 1936 zu Gunsten der Sowjets begründet, die icamals mit aller Energie auf Bewegungsfreiheit orer Kriegsschiffe vom Schwarzen Meer nach dem Kittelmeer drängten. Man geht wohl kaum fehl in irr Annahme, daß England und Frankreich ihre ! Flotten in den italienisch-spanischen Teilen des Mit- t-lmeeres demonstrieren und die Sowjets als Wach- hunb im östlichen Teil auftreten lassen wollen. Be- nireiflicherweise können derartige Vorgänge durch '.^verbindliche Erklärungen Englands aus dem par­lamentarischen Fenster hinaus in ihrer Bedeutung I licht abgeschwächt werden

Hege diplomatische Tätigkeit in der Downing Street.

London, 12. April. (Europapreß.) Minister- päsident Chamberlain empfing Mittwoch.wie­der eine Reihe von Besuchern. Zuerst sprach der straktionsvorfitzende der Arbeiterpartei, A t t l e e, i der Downing Street vor, um sich vom Minister- päsidenton über die für Donnerstag angekündigte i Üiegierungserklärung im Unterhaus unterrichten zu lstsen. Am Nachmittag hatte der Ministerpräsident Besprechungen mit führenden Mitgliedern des Ka­binetts. Als Erster hatte Kriegsminister Höre- Lelifha eine Besprechung mit ihm. Es folgte , Lrd Halifax, der von dem ständigen Unter- - inatsfekretär im Außenamt, Sir Alexander Ca- to g a n , begleitet war. Im Außenministerium hat- tim Verteidigungsminister Lord Chatfield und Innenminister Sir Samuel Hoare eine Unter­redung mit dem Ersten diplomatischen Berater der Skgierung, Sir Robert Vansittart. Weitere ÜXsucher im Außenministerium waren der chine- sche Botschafter, der türkische Botschafter ii.ischdi Aras, der französische Botschafter und pter auch der polnische Botschafter.

,Daily Herald" meldet, man halte es jetzt für per, daß in Kürze ein Kabinettsbeschluß gefaßt ir::rbe, ein Munitionsmini st eri um einzu- ezen. Vielleicht würde Churchill aufgefordertz . Hufes Ministerium zu übernehmen.Daily Mail" ir'fjt der Tatsache, daß Eden und Churchill Mtern Besuche in der Downing Street - jstatteten, Bedeutung bei, da bekanntlich Chamber- lc:n unter Druck gesetzt roerbe, beibe irt ein erwei- lc'tes Kabinett einzubeziehen.

1 Londoner Presse und politische Kreise halten es in Donn erstagmorg en, wenige Stunden vor der Llklärung Chamberlains, für zweckmäßig, wieder i mal Grau in Grau zu malen. Man glaubt, ii-e Versteifung der allgemeinpolitischen Lage ir ^stellen zu können. Es wird nicht ganz klar, in- osweit diese Haltung eingenommen wurde, um in lepter Minute noch auf die Formulierung der kpamberlain-Erklärung einzuwirken. Der laih) Telegraph" glaubt, die Garantieerklärung Noamberlains werde weitgehender ausfallen, als T n am Mittwoch annahm. Chamberlain werde ihe politische Linie beschreiten, die einer vollstän- iüien englisch-französischen Garantie für den gegenwärtigen Status quo im ganzen Mittelmeer clÄchkomme. Die Erklärung dürste zwar nur Grie- hninland und die Türkei erwähnen, würde aber praktisch darauf hinauslaufen, das ganze Mittel- V'$r für alle Länder alstabu" zu erklären, nur itzt für England. Eine formale Aufkündigung des Lf jerabfommens von 1938 sei allerdings nicht vor­

Entwicklungsmöglichkeiten Albaniens.

Don unserem Or. X V.-Korrespondenten.

gesehen. Man glaubt in London auch, mit einer französischen Beistandserklärung für Rumänien rechnen zu können und begrüßt dies natürlich. Ein Versprechen Englands sei jedoch nicht vorgesehen.

Mlitänsche Maßnahmen Aegyptens.

Kairo, 12. April. (DNB.) In Auswirkung der Besetzung Albaniens durch Italien sind die ägyp­tischen Landesverteidigungsmaßnahmen verstärkt worden. Der Landesverteidigungsrat billigte ferner den Vorschlag des britischen Kriegsmarinesachver­ständigen, die ägyptischen Häfen durch U-Bvotnetze zu schützen. Die Zeitungen berichten von Trup- penentsendungen'an die We st grenze. Destaur" schreibt, obwohl sich Aegypten nicht als Kriegsschauplatz fühle, und obwohl es nicht zu den Ländern gehöre, die über ihre Grenzen hinaus­strebten, treffe es mit dem verbündeten England alle Vorbereitungen, um sich notfalls verteidigen zu können. Der Wafd-Parteitag, der für Ende April geplant ist, soll wegen der gespannten internationalen Lage von der Regie­rung verboten werden. In Port Said trafen, aus dem Schwarzen Meer kommend, vier sowjetrussische Torpedoboote ein, um ihre Reise nach dem Fernen Osten fort­zusetzen. Obwohl zwischen Moskau und Kairo keine diplomatischen Beziehungen bestehen, erhielten die Matrosen die Erlaubnis, an Land zu gehen.

Oie englische Königsfamilie im Lustschuhkeller.

e o n i> o n, 12. April. (DNB.) Im Schloß Wind, s o r wurde heute eine Luftschutzübung abgehalten. Als die Alarmsirenen heulten, mußte sich die könig­liche Familie in den neu gebauten Luftschutzkeller begeben. DerLuftangriff" dauerte dreiviertel Stun­den. Zwei Bomben trafen die Nord- und Südterrasse des Schlosses. Die angenommenen Opfer beliefen sich auf rund zwei Tote.

Vielleicht vermittelt uns ein kurzer Blick in bas Statistische Jahrbuch den zutreffendsten Eindruck von Albanien und seiner wirtschaftlichen Bedeutung. Wer aber selbst einmal die mehr als primitiven Zustände der Verladung und Entladung in alba­nischen Häfen miterlebt hat, wer über die Straßen einen kurzen Ausflug ins Innere versuchte, wer vor allem über den besser entwickelten Norden um Skutari herum einen Blick in den noch ganz un­berührten Süden tun konnte, vermochte sich ein alle Landesbeschreibungen und Statistiken ergänzendes Bild selbst zu gestalten.

Was in Albanien an Straßen, vor allein an den so notwendigen Brücken über die vielen wilden Bergflüsse entstand, wurde von Italienern gebaut, wie überhaupt alle Fortschritte, die Al­banien in den letzten Jahren machen konnte, auf die italienische Hilfestellung zurückzuführen sind. Es gibt ein italienisches Versuchsgut, bas viel zur Be­lehrung ber Albaner getan hat. Es gibt hier unb da einen Landsitz ber alten Familien, wo ein in Wien ober in Italien ausgebilbetes Mitglied mo­derne Bewirtschaftsmethoden einführte. Das ist aber auch alles. Zwei Drittel des Landes bedecken bis zu 2600 Meter hohe Gebirge. Die Hänge hinauf grünt ein im Mittelmeerkreis mit feinen typischen Waldverwüstungen immerhin seltener, wenn auch schonungslos ausgeplünderter Laub- und Nadelwald, soweit nicht die rücksichtslose Abholzung in Reichweite der Küstenhäfen jenen verderblichen Verkarstungsprozeß hervorrief, dessen Folgen die starren, toten dalmatinischen Küsten so eindrucksvoll schildern.

50 v. H. des Bodens sollen nach Ansicht von ita­lienischen Fachleuten bebaubar sein. Aber davon sind zur Zeit noch nicht 10 v. H. genutzt. Die Hektarerträge beim vorherrschenden Mais- unb Wei­zenanbau sind so denkbar bescheiden, wie sie bei den

primitiven Bestellungsmethoden mit Holzpflügen usw. sein müssen. 500 Jahre lang waren die Berg­stämme den Ausplünderungsmethoden ber türkischen Paschas ausgeliefert. Das Ergebnis war eine wirt­schaftliche Lethargie unb die Tötung jedes Willens zum Wohlstand durch zislbewuhte Arbeit. In den Bergtälern baut man nur, was man zu einem be­dürfnislosen Leben unbedingt braucht, und lebt im wesentlichen von ber Schaf- unb Ziegen­zucht. Das an sich äußerst fruchtbare Schwemm­land der Bergströme an den Küsten verseucht heute noch die Malaria. Hier wird sicherlich zuerst die italienische Pionierarbeit einsetzen, die schon in Ita­lien gerade auf diesem Gebiete so Hervorragendes geleistet hat. Lange Lagunen ziehen sich an ber hafenarmen Küste hin, bis im Silben die starren Felsen der Kalkgebirge hart am Meer auf­steigen, um bei St. Quaranta gegenüber Korfu eine landschaftliche Szenerie von. hervorragender Schön­heit zu schaffen, die vielen berühmten Malern als Vorwurf diente.

Dies an sich so interessante Land ist wenig bereist worden. Es lag zu abseitig. Monate hin­machte die Malaria einen Aufenthalt unmöglich. Erst als die Italiener mit Millionenbeträgen die Häfen von Durazzo und Dalona ausbaggerten, einige Kais anlegten, italienische Linien regelmäßig die Plätze anliefen, konnten die Landesprodukte exportiert werden. 60 v. H. der Ein- und Ausfuhr bestritt Ita­lien. Man führte Del, Käse, Häute, Vieh, Olivenöl, Tabak aus und importierte Fertigwaren, Getreide und Zucker. Der Außenhandelsumsatz erreichte den europäischen Tiefstand von etwa 12 bis 15 Mark pro Kopf der Bevölkerung.

Albanien birgt aber unbestritten erhebliche Ent­wicklungsmöglichkeiten, wenn die Er­schließung mit entsprechendem Kapital­aufwand in die Hand genommen wird. Bei

Albaniens Nationalversammlung bietet dem italienischen Herrscher die Krone Albaniens an.

E. P. Rom, 12. April.

Wie aus Tirana gemeldet wird, hatten sich die Delegierten aus den zehn albanischen Provinzen schon eine Stunde vor Beginn ber historischen Sitzung zur Vornahme der Verfassungs­änderung im Weißen Saal des Parlamentsgebäudes von Tirana eingefunden. Fast alle Abgeordneten der früheren Kammer, mit Ausnahme der geflohenen Regierungsmitglieder, waren zugegen, darunter viele angesehene Politiker, zwei ehemalige Ministerpräsi­denten und zahlreiche Exminister. Den Vorsitz über­nahm der Präsident des provisorischen Verwaltungsausschusses, der frühere Mi­nisterpräsident Dj af er Ppi. Er entbot den ita­lienischen Truppen einen herzlichen Willk o m mensgruß. Ihnen sei es gelungen, in Albanien endgültig Ordnung zu schaffen. Die alte Regierung habe eine Mißwirtschaft getrieben und es nur darauf abgesehen, ihre Taschen zu füllen. Mit Langmut habe der ltalienische Regierungschef zugesehen, aber dann gründlich durchgegriffen, indem er seine Truppen entsandt habe. Der Vorsitzende be­grüßte sodann die vorgeschlagene Verfassungs­änderung als die beste Lösung für Alba­nien, da durch die Personalunion die bei­den Kronen von Italien und Albanien verei.nigt würden. Auf diese Weise werde Al­banien weiterhin die Unterstützung ber italienischen Regierung für den wirtschaftlichen unb kulturellen Aufbau gesichert. Albanien bewahre seine Souve­ränität, seine nationale Einheit unb Freiheit. Ebenso behalte Albanien seine Fahne, die Fahne SkanÜer- begs.

Die sodann von der konstituierenden National­versammlung durch Handaufheben einstimmig an­genommene Entschließung über die neue Ver­fassung hat folgenden Wortlaut:

Die tonftituierenbe Nationalversammlung als Vertreterin des albanischen Volkes und Trägerin seines Willens beschließt in ihrer Versammlung von Tirana vom 12. April 1939 wie folgt:

1. Das in Albanien bestehende Regime ist hinfällig. Die aus diesem Regime hervor­gegangene Verfassung ist abgeschasst.

2. Es wird eine von der Nationalversamm­lung ernannte Regierung gebildet, die mit Vollmachten ausgestattet ist.

3. Die Nationalversammlung erklärt, daß alle Albaner eingedenk und dankbar für das Wiedcr- ausbauwerk, das der Duce und das faschistische Italien für die Entwicklung und Wohlfahrt Albaniens geleistet haben, beschließen, das Leben und Geschick Albaniens enger mit jenem Italiens zu ver­binden, um mit ihm Bande einer immer engeren Solidarität herzu- ftellen. Von dieser Solidarität getragene Ver­einbarungen werden in der Folge zwischen Italien und Albanien abgeschlossen.

4. Die konstituierende Nationalversammlung als Trägerin des einmütigen willens der natio­nalen Erneuerung des albanischen Volkes und

als feierliches Pfand zu ihrer Verwirklichung beschließt, in der Form einer Personal­union die Srone Albaniens Seiner Ittajeftäf dem König von Italien und Kaiser von Aethiopien für feine Majestät und seine königlichen Nachkommen anzub.ieten.

Die Verlesung der Entschließung wurde mit an­haltendem Beifall ausgenommen/ wobei sich alle Mitglieder der Versammlung von den Plätzen er­hoben. Sodann gab der neue Ministerpräsident Shefket Verlaci die Zusammensetzung der neuen Regierung bekannt. Shefket Verlaei übernimmt außer dem Ministerpräsidium das Ministerium der öffentlichen Arbeiten. Die übrigen Minister sind: Djafer Ppi, der bis­herige Präsident des Verwaltunasausschusses, Justiz, Themil Dino Aeußeres, Feizi Aliszoti Finanzen, Andon Beya Volkswirtschaft, E r n e st K o l i c i öffentlicher Unterricht.

Anschließend beschloß die Nationalversammlung, ein Huldigungstelegramm an den König

von Italien und Kaiser von Aethiopien zu richten sowie eine Abordnung zu dem in Tirana weilenden italienischen Außenminister Graf Ciano zu ent­senden, um ihn von den Beschlüssen der National­versammlung in Kenntnis zu setzen. Da sich sämt­liche 120 Mitglieder der Nationalversammlung an der Abordnung beteiligen wollten, gestaltete sich der Besuch der Abordnung bei Graf Ciano zu einem wahren Triumphzug. Graf Ciano dankte der Ab­ordnung für das Angebot der Krone an den König von Italien und die Huldigung der Nationalver­sammlung. In der italienischen Gesandtschaft emp­fing Graf Ciano auch die Vertreter der drei Re­ligionsgemeinschaften Albaniens, der Katholiken, der Mohammedaner und der Orthodoxen, die ihm ihre Versicherungen der Ergebenheit gegen­über Italien wiederholten. Als besonders bedeu­tungsvoll wird von italienischer Seite die Ergeben­heitserklärung des Oberhauptes der Mohamme­daner bezeichnet, weil dadurch böswillige Aus­lassungen der Auslandspresse über eine angeblich italienfeindliche Haltung der albanischen Moham­medaner widerlegt werden.

Griechenland bedarf keiner englischen Garantie.

Meinungsaustausch zwischen Mussolini und Metaxas bringt völlige Klarheit.

Athen, 12. April. (DNB.) Bei einem Besuch, den der italienische Geschäftsträger im Auftrag von Mussolini gestern dem Ministerpräfi- denten Metaxas abstattete, gab der Vertreter Italiens folgende Erklärung ab:Alle Ge­rüchte, die wegen einer angeblichen Aktion Italiens gegen Griechenland in Umlauf waren ober vielleicht noch entstehen könnten, find falsch. Sie können nur durch bestellte Provoka­teure verbreitet worden fein ober verbreitet wer­den. Das faschistische Italien versichert, daß es seine Absicht ist, die Unverletzlichkeit Griechen­lands aus dem Festland unb auf feinen Inseln absolut zuachten. Das faschistische Italien hat ben festen Willen, bie Beziehungen herz­licher Freundschaft, welche die beiden Länder verbinden, zu erhalteir und immer mehr zu entwickeln. Es ist auch bereit, konkrete B e- weise dieses seines festen Willens zu geben."

Der griechische Gesandte in Rom hat darauf dem italienischen Außenministerium folgende Mitteilung übergeben:Der Gesandte Griechenlands ist von dem Präsidenten des griechischen Ministerrats be­auftragt, seinen wärm st en Dank für die M i t t e i l u.n g auszusprechen, die ihm am 10. April von dem italienischen Geschäftsträger im Namen S. Exzellenz des italienischen Regierungschefs ge­macht worden ist, und in ber ihm kategorische Zusicherungen gegeben wurden, daß bie faschistische Regierung die Integrität Grie­chenlands sowohl hinsichtlich feiner Landesgren­zen, als auch hinsichtlich seiner Seegrenzen achten wird. Ministerpräsident Metaxas fügt hinzu, daß er, indem er mit voller Befriedigung von diesen Erklä­rungen Musfolinis Kenntnis nimmt, die absolute Ueberzeugung hegt, daß kein Ereignis einiretcn |

kann, das geeignet märe, in irgendeiner Weise die triöitionelle Freundschaft zu stören, die jederzeit die beiden Länder verbunden hat, und daß er einen neuen Zeitabschnitt der Herzlichkeit für die Fortsetzung dieser friedlichen Zusammenarbeit be­ginnen steht."

Die Mitteilungen, die zwischen dem italienischen Regierungschef Mussolini und dem griechischen Mi­nisterpräsidenten Metaxas ausgetauscht worden sind, haben nach italienischer Auffassung die letzten Un­klarheiten der internationalen politischen Lage, wie sie nach der Besetzung Albaniens entstanden war, ausgeräumt. Mit unverkennbarer Genugtuung stellt man fest, daß es der italienischen Außenpolitik mei­sterhaft gelungen ist, in die englisch-französischen Einkreisungspläne im Südosten, bie schon bei Ju­goslawien unb ber Türkei auf wenig Gegenliebe ge­stoßen sind, eine neue schwere Bresche zu schlagen, ba nunmehr ber Chamberlain zugeschriebenen Ab­sicht, eine einseitige Garantie Großbri­tanniens für Griechenlanb anzukündigen, jebe Grundlage entzogen worden ist. Das halb­amtlicheGiornale b'Jtalia" versichert, Italien wolle nach ber Besetzung Albaniens nicht nur keines ber benachbarten Völker bedrohen, sondern erhoffe im Gegenteil die Entwicklung einer ausgedehnteren unb herzlicheren Z u - fammenarbeit. Es sei also völlig überflüssig, baß von den Englänbern und Franzosen eine Ge­fährdung Griechenlands erfunden werde, um der hellenischen Regierung neue Garantie- und Schutz­pakte anzubieten ober aufzuzwingen. Nach ben kla­ren italienischen Versicherungen habe Griechenland keine neue Versicherungspolice in Gestalt kompromit- tierenber Garantien anderer Länder nötig.