Ausgabe 
13.2.1939
 
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Nr. 37 Erstes Blatt

189. Jahrgang

Montag, 13.§ebruar 1939

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Gichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Saudisch-Arabien und die Mächte.

Eigener Bericht des Gießener Anzeigers.

Freundschaftsvertrag geschlossen, in dem für die Zukunft zu gegebener Zeit die Aufnahme direkter diplomatischer Beziehungen vorgesehen war. Erst zehn Jahre später hat man diesen Plan verwirk­licht. Im November 1938 erteilte Ibn Saud das

S. K. z. Z. Djeddah, Februar 1939.

Im Augenblick, da dasGroßdeutsche Reich seinen ersten diplomatischen Vertre­ter am Hof Ibn Sauds bestellt hat, ist es interessant, einmal einen Blick auf das Spiel der anderen Mächte im Reich des Hedschas und Nedjd zu werfen. Lurch den Türspalt, den Ibn Saud nach Vollendung seines Reichsbaues in Djeddah der Welt öffnete, sind schon eine ganze Reihe von Fremden hereingeschlüpft. Diese Fremden wohnen alle i n Djeddah, in jener Straße am Nordostrand der Stadt, die sich längs der zerbröckelnden Stadtmauer zieht. Hier sind alle Gesandtschaften und Konsulate der Mächte untergebracht. Es sind nicht viel Euro­päer in Djeddah, kaum mehr als siebzig. Aber hin­ter diesen Wenigen stehen die Interessen und Ziel­setzungen der Mächtigsten dieser Erde.

Als erste waren die Engländer da. Sie säten hier schon politische Saat, lange bevor die Welt von Ibn Saud sprach, zu einer Zeit, da noch ine Scherifen-Familie hier herrschte und Scherif Hussein den Thron des Hedschas innehatte. Die­sen Scherifon hatten die Engländer gegen die Tür­ken aufgeputscht, mit ihm und seinen Söhnen ver­anstalteten sie während des Krieges den Aufstand in der Wüste und ließen ihn ebenso schnöde fallen, nach­dem sich herausgestellt hatte, daß London aufs falsche Pferd gesetzt hatte und im innerarabischen Kräftespiel nicht den Scherif von Mekka, sondern eben jener Ibn Saud der mächtigere gewesen war, den man jahrelang über die Schulter betrach­tet hatte.

Mit der Erkenntnis von Ibn Sauds Starke in der Arena des arabischen Kampfes begann das eng­lische Werben um ihn. Man bot ihm Geld, man bot ihm Waffen, man bot ihm diplomatische Ermunte­rung und trat ihm nur entgegen, wenn er sich zu weit nordwärts wagte und sein Ausdehnungswille ouf Gebiete strahlte, wo lebenswichtige englische Interessen berührt und verletzt wurden. Daher durfte Ibn Sauds Macht nur so weit nach Norden reichen, als davon Englands Landweg nach Indien, zwischen Palästina und dem Persischen Golf, unbe­rührt blieb. Und dort, wo Ibn Saud den übermäch­tigen Widerstand des englischen Weltreichs spürte, ließ er sich nicht auf Auseinandersetzungen ein, son­dern beschied sich, auch wenn er glaubte, im Recht zu sein, wie bei der Besetzung Akabas, das er auf englischen Druck wieder räumte, auf das er aber Anspruch erhebt bis zum heutigen Tag.

Fast ein Jahrzehnt hat das Reich Ibn Sauds offiziell englische Subsidien bezogen, bis zu jenem Zeitpunkt, da der Gegenspieler Englands im arabi­schen Raum in die Arena des Geschehens trat und der Einflußwille Roms auch in Saudisch-Arabien spürbar wurde. In diesem Augenblick trat eine ge­wisse Entfremdung zwischen England und Saudisch- Arabien ein, die ihre Nahrung erhielt aus den un­befriedigten saudischen Wünschen im nördlichen Teil der arabischen Halbinsel und der araberfeindlichen Politik, die England in Palästina betrieb. Die Ent­fremdung schien zeitweilig so weit gereift, daß sau­dische Kreise Fühlung mit Rom über die Bereit- -stellung römischer Kredite nahmen für die Entwick­lung saudisch-arabischer VerkehrspläneO Es begann eine Epoche, da sich Rom und London den Rang 'abzulaufen suchten, wobei die Italiener zweifellos iden arößeren Eifer entwickelten und ihre diplomaji- ssche Vertretung in Djeddah ausbauten während bie Engländer, an ihrer Spitze der Gesandte Sir Meeder B u l l a r d , kühle Zurückhaltung zur Schau tirugen.

Im Frühjahr 1938 kam es dann zur großange­llegten englischen Abwehr. Auf Einladung Ibn Sauds stattete als Vertreter der englischen Krone der Bruder der Königin-Mutter, Lord A t h l o n e, in Saudisch-Arabien einen Staatsbesuch ab, der das englische Prestige und die englische Stel­ling wieder Herstellen sollte. Die Reise erfolgte im März 1938, die Regie klappte tadellos, und für England stellte sich unzweifelhaft ein bedeutsamer Ißreftigegeminn ein. Noch während in El Riad das Schauspiel des englischen Staatsbesuchs abrollte, >?atte die englische Diplomatie bereits Verhandlun- $en mit Nom ausgenommen, um dem alten eng­lischen GrundsatzKeine europäische Großmacht am Dftufer des Roten Meeres" erneut zum Recht zu erhelfen. Das Ergebnis dieser diplomatischen Füh- liungnahme über Saudisch-Arabien trat in Erschei­nung im englisch, italienischen Dfterabfommen, as hinsichtliches Saudijes den englischen Grundsatz estättgt. Das Prinzip europäischer Nichteinmischung m Arabien wird hervorgehoben wobei allerdings 2vhl nach wie vor der stille englische Einwand gilt, -» auch hier, wie an manchen anderen Punkten i,er umstrittenen Erde, England die Ans­atz m e darstellt, die die Regel bestätigt.

Engländer und Italiener waren nicht die einzigen, iie sich im Land Ibn Sauds versuchten. Auch Mos- lau bemühte sich, hier Fuß zu fassen. Es setzte den f durch die kaum geöffnete Tür und suchte Ein­fluß zu gewinnen. Die Sowjets glaubten ihr Spiel lssonders klug und aussichtsreich dadurch einzu- I iten, daß sie einen Moslem zum Gesandten be= Iseilten. Es war dies der Turkestans Nasir - jurjatuloro, der bis 1936 in Saudije tätig t ar. Da er Mohammedaner war, stand seinem Zu- t itt in die heilige Stadt Mekka nichts im Wege. Sibcr die Rolle dieses Sowjetdiplomaten erschien in zweifelhaftem Licht, aK bekannt wurde, daß im L.chatten der Kaaba revolutionäre Kampfschriften Geteilt wurden. Und diese Kampfschriften stammten unzweifelhaft aus dem Kuriergepäck der Sowjet- q sandlschaft. Als der Skandal ruchbar wurde, di- iillnzierte sich Moskau von seinem Vertreter und

rief ihn ab. Zurück blieb das Gesandschastspersonal unter Führung eines Charge d'Affaires. 2Ibcr auch diese Herrlichkeit währte nur Jahresfrist. Im Sep­tember 1938 wurde die sowjetrussische Gesandtschaft in Djeddah geschlossen. Alles reiste ab.-Das Haus steht leer. Nur ein Arzt blieb zurück, der die Rück­kehr nach Moskau mit seinem Kopf zu bezahlen fürchtete. Er blieb noch eine Weile am Platz und wurde dann ausgewiesen.

Nun hat auch Deutschland bei Ibn Saud offiziell Fuß gefaßt. Zwar war das Reich eine der ersten Mächte, die das Saudische Reich anerkannten, und bereits im Jahre 1929 wurde mit Ibn Saud ein

Agreement für den ersten deutschen Gesandten an feinem Hof, zu dem der Führer den langjährigen Gesandten in Bagdad, Dr. Grobba, aüserwahlt hatte. In diesen Tagen hat dieser erste Vertreter des Reichs in eindrucksvoller Weise seinen Antrittsbesuch in Saudisch-Arabien gemacht und sein Beglaubi­gungsschreiben überreicht. Er war der erste Diplo­mat, der in Djeddah mit dem Flugzeug eintraf.

Dieser offizielle Eintritt Deutschlands in die sau­dische Welt erfoljt in cincgi Augenblick, da diese Welt im Zeichen wirtschaftlicher Erwartungen und Möglichkeiten einer Zeitenwende steht. Zur Erfül­lung dieser Erwartungen, zur Auswertung dieser Möglichkeiten will Deutschland einen Beitrag leisten.

Als Gäste des Führers beim Gmtopsessen.

Erbsen mit Speck ans 8 Feldküchen im Ehrenhof der Reichskanzlei.

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Ein Blick in den Ehrenhof der Reichskanzlei. (Scherl-Bilderdienst.)

Berlin, 12. Febr. (DNB.) Arn Sonntag stan­den erneut auch in der Reichshauptstadt Part/i und Wehrmacht, viele Großbetriebe und die National­sozialistische Volkswohlfahrt bei der Vorbereitung und Durchführung der Emtopfessen im edlen Wett­streit. Mittelpunkt war diesmal ein großes Cin­to p f e s f e n im Ehrenhof der neuen Reichskanzlei. Der Führer selb st hatte mehr als 1400 verdiente Mitarbeiter und Mitarbei-

Der Führer bei seinen Eintopf-Gästen. (Scherl-Bilderdienst.)

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terinnen aus den Kreis- und Ortsgruppen der Par­tei wie auch aus der Nationalsozialistischen Volks- wohlfahrt dorthin geladen. Auch einige hundert WHW.-Betreute gehörten zu den glücklichen Gästen des Führers. Der große Ehrenhof bot ein frohes und festliches Bild. Weißgedeckte runde Tische mit gelben Gartenstühlen die rote Sammelbüchse in der Mitte füllten die Fläche des Hofes.

Pünktlich um 11.30 Uhr öffnete sich die große Pforte, und bald mar die große Tischgemeinschaft in einträchtiger Kameradschaft versammelt. In ihrer Mitte weilte auch der Kommandeur der Leibftan-

barte ff Adolf Hitler, ff-Obergruppenführer Sepp Dietrich. Acht dampfende Feldküchen der Leib- ftanbarte verbreiteten einen fo würzigen Duft, daß es nicht schwer fiel, zu erraten, was es geben würde: Erbsen mit Speck. Kaum hatten die Männer der Leibstandarte durch Lautsprecher die Anweisung zur Essenausgabe erhalten, da stand auch schon auf jedem Tisch die große weiße Terrine. Daß kräftig zugesprochen wurde, verstand sich bei dem leckeren Mahl von selbst. Für die Tafelmusik sorgten das Musikkorps der Nachrichtenabteilung des Ober­befehlshabers der Luftwaffe aus Potsdam-Eiche und der Spielmannszug der Leibstandarte ff Adolf Hit­ler. Zuvorkommend trugen die Männer der Leib­standarte dafür Sorge, daß man jederzeit aus dem Vollen schöpfen konnte. Jede Feldküche faßte 200 Liter!

Die stille Hoffnung der Gäste, daß der Füh­rer selbst erscheinen würde, sollte zur Freude aller in Erfüllung gehen. Mit donnernden Sieg­heilrufen und strahlenden Gesichtern empfing die treue Gemeinschaft der Parteigenossen ihren Gast­geber, der nun einige Aeit in ihrem Kreise weilte. Der Führer, >n dessen Begleitung man seinen Ad­jutanten, SA.-Obergruppenführer Brückner, Reichsleiter NSKK.-Brigade führer Bormann und Staatssekretär Hanke vom Neichsministe- rium für Volksaufklärung und Propaganda fad, verleibte einer Anzahl Sammelbüchsen, die er sich von den Tischen hatte herüberreichen lassen, Geld­scheine ein und machte anschließend and) noch vielen anderen Parteigenossen, die ihmihre" Büchse reichten, die Freude einer namhaften, nut herzlichstem Dank aufgenommenen Spende Auf den obersten Stufen der zum Hauptportal füh­renden Freitreppe stehend, entbot dann der Führer seinen Gästen den Abschiedsgruß, der in begeister­ten Dankeskundgebungen mit stürmischem Jubel erwidert wurde.

©er Gauleiter beim Berufswettkampf.

(NSG.) Frankfurt a. M. Am Samstagvor­mittag besuchte der Gauleiter in Begleitung des Gauobmanns der DAF., Becker, einzelne Betriebe, in welchen die Jugend zum Reichsberufswettkampf angetreten ist. Der Samstag war als Kampftag Lede r" angesetzt worden, so daß die Besichtigungs­fahrt durch Werkstätten dieses Wirtschaftszweiges führte. Nach einem Einblick in die Schuhfabrik Ada-Ada, Frankfurt a. M.-Höchst, wo 190 Teil­nehmer ihre Fertigkeiten in der Praxis und Theorie der Schuhherstellung bewiesen, führte die Fahrt hin­über in die Lederstadt Offenbach. Hier nahm der Gauleiter in dem Betriebe Meyer 6- Sohn Ein­blick in die weltanschauliche Prüfung der Wettkampf- teilnehmer und ließ fid) daran anschließend in dem I Betrieb K r u m m - A G. praktisch die Leistungen der l

pmelbouin der Schlagworte

Als Franklin Dclano Roosevelt, der als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika zugleick) den Weltsittenrichter spielen mochte, kürzlich seine berüchtigte Botschaft an den Washingtoner Kongreß richtete, da warf er sich auch zum Be­schützer für die ,^H e i l i g k e i t der Verträge" aus. Waren wir nicht richtig erschrocken, als 'wir dieses fast schon vergessene Wort plötzlich wieder nennen hörten? Dieses Wort, das wir als leeres S d; I a g ro o r t im Dienste der franzö­sischen Nachkriegspolitik längst erkannt hatten und schon begraben glaubten? Dieses Wort, das als staubiges Requisit aus der Rüstkammer des Ver­sailler Geistes keinerlei Gebrauchswert mehr für den internationalen Verkehr der Gegenwart besitzt? Wie fremd und unwirklich ist für uns dock) diese ganze Begriffswelt geworden, in der Herr Roose­velt ein amtierender Staatenlenker! sich noch heute zu Hause fühlt! Wie rückständig und hinter- wäldlerisck) mutet uns dieses Amerika an, das noch mit politischen Vorstellungen operiert, über die Europa als der eigentlid) betroffene Erdteil längst zur Tagesordnung übergegangen ist.

Aber der Präsident hat mit feiner BesHworungs- formet, die ein endgültig überwundenes System noch einmal zum Leben erwecken soll, dock) etwas Gutes bewirkt, indem er uns nämlich auf eine selt­same Erscheinung aufmerksam machte, die in über­aus bezeichnender Weise den schnellen Wandel der Zeiten charakterisiert. Während wir unsere ganze Aufmerksamkeit auf den politischen Tageskampf richteten, während mir vollauf damit beschäftigt waren, ein neues Deutschland und c i n neues Europa aufzubauen, hat sich unter

im Wettkampf stehenden Feintäschner zeigen. Die Fahrt gab einen vollen Einblick in den Einsatz der Jugend und and) der Erwachsenen um die Erreichung einer möglichst besten Leistung. Sie zeigte die Be­geisterung, mit welcher die Teilnehmer diese natio­nalsozialistische Einrichtung anerkennen, gleicher­maßen wie durch das Verständnis der Betriebs-- führer, die sich überall für die Durchführung dieses Wettkampfes hervorragend eingesetzt haben. Der Gauleiter nahm bei feiner Besichtigung des öfteren Gelegenheit, sich mit den Jungen und Mädel über die Arbeit und ihr berufliches Vorhaben zu unter­halten und konnte dabei die Gewißheit mitnehmen, daß auch im diesjährigen Reichsberufswettkampf unser Gau einen guten Platz einnehmen wird.

Gauleiter Klausner f.

Wien, 12. Febr. (DNB.) Gauleiter Minister Klausner ist Sonntagvormittag in seiner Wiener Wohnung einem Gehirn schlag erlegen. Klausner war 1892 in Raibl in Südtirol geboren. Von 1914 bis 1918 stand er an der Front, wo er sich durch persönliche Einsatzbereitschaft hervor­ragend auszeichnete. 1915 wurde er schwer verwun­det und behielt infolgedessen eine dauernde Lähmung des rechten Armes. Während seiner Teilnahme a n den Kärtener Abwehrkämpfen 1919 bis 1920 wurde er zum Hauptmann befördert. 19H3 schied er mit Rücksicht auf seine Kriegsverletzung als aktiver Major aus dem Bundesheer aus.

Klausner vertrat nach dem Zusammenbruch der Donau-Monarchie, sofort die großdeutsche Idee und hielt den Anschliißgedanken in unermüd­licher Arbeit im österreichischen Heer wach. Bereits 1922 trat er d e r NSDAP, bei. Er wurde bald nationalsozialistischer Gemeinderat, anschließend arbeitete er als Kommunalreferent der Gauleitung Kärnten, 1933 wurde er Gauleiter der illegalen NSDAP, in Kärnten und 1938 Landesleiter der NSDAP, in Oesterreich. Klausner war nach der Vereinigung der österreichisd)en Landesregierung im Mai 1938 Vertreter des Reichsstatthalters und In­nenminister.

Wiens Dnsierung.

Wien, 12. Febr. (DNB.) In derVolkszeitung" schreibt Stacktskornrnissar R a f e l s b c r g e r: Die bevorzugte Lage Wien? als Handelsstadt zum Siid- often hat in den vergangenen Jahrzehnten einen ungeheuren Zustrom von fremden Elementen, v o r allem von Juden, zur Folge gehabt. Es gab in dieser Stadt zur Zeit des Anschlusses unter den 1 800 000 Einwohnern rund 300 000 Juden und Juden st ämmling e.' Weit ungünstiger war aber dieses Verhältnis bei dem Anteil der Sil­ben an d e m Besitz der wirtschaftlichen Unternehmungen. Ende des Jahres 1937 gab es hier rund 146 000 Betriebe, von denen rund 3 6000 in jüdischem Besitz waren. Nod) deutlicher zeigt sich die ganze Bedeutung dieses furchtbaren Zustandes in einer Gegenüberstellung der Vermögenswerte. Von insgesamt 750 Millionen Reichsmark betrieblichen Vermögens be­fanden sich zur Zeit der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus ungefähr 300 Millionen Reichs­mark, das sind 40 d. S)., im jüdischen Besitz.

Heute, also elf Monate nach dem An- schluß, kann man mit Genugtuung feststellen, daß das Problem der wirtschaftlichen Derjudung Wiens bereits soweit gelöst ist, daß die restliche Ent­fernung der Juden aus der Wirtschaft nur mehr eine Frage von wenigen Monaten geworden ist. Handwerk, Einzelhandel und das Geldwesen, nahe­zu auch das Verkehrswesen, sind vollständig oon Juden gereinigt. Großhandel und In­dustrie sind zu mehr als einem Drittel entjubet und werden bis auf geringe Reste in spätestens einem halbem Jahr ebenfalls von den Juden befreit sein.