Ausgabe 
11.5.1939
 
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Italiens Kriegsflotte für jeden Fall gerüstet.

Rom, 10. Mai. (DNB.) Die faschistische Kammer hat den Voranschlag für die Kriegsmarine ange­nommen. Staatssekretär Admiral Cavagnari erklärte, ,/rlle politischen Situationen, denen Italien in der unmittelbaren oder weiteren Zukunst wird entgegentreten müssen, zwingen es vor allem aus seine Stärke zur See zählen zu können. Die italienische Flotte wird stets in der Lage sein, die Interessen Italiens und seiner Verteidigung zur See zu garantieren. Vinnen kurzem wird Italien 4 Großkampsschisfe von je 35 000 Tonnen, 4 mo­dernisierte Linienschiffe von je 26 000 Tonnen, 19 schwere Kreuzer, 12 besonders schnelle leichte Kreu­zer, 60 Hochseezerstörer, 70 Torpedoboote und Avi­sos und eine Zahl von U-Booten haben, die das Hundert weit übersteigt sowie einige Flottillen SchnellbooteMAS besitzen. Darüber hinaus habe der Duce kürzlich eine weitere Flottenver- stärkung beschlossen, die demnächst in An­griff genommen werde. Die Einheit des Kom­

mandos garantiere die rasche Beweglichkeit der Flotte.

Die Zusammenarbeit zwischen See- und Luftflotte sei noch weiter ausgebaut worden, die Tüchtigkeit und der Mut der italienischen Flieger sicherten jenes Zusammengehen zu Wasser und in der Luft, das die unerläßliche Voraussetzung für den Erfolg bilde. Wiederholte Mobilmachungs­proben hätten gezeigt, daß die Kriegsmarine binnen weniger Stunden operations­bereit fei. Die Wirksamkeit der Kriegsflotte habe sich auch bei den Landungsmanövern in Albanien gezeigt. So sei die italienische Kriegsmarine i n jeder Weise gerüstet und vorbereitet und verfüge auch für den Fall eines langen Krieges über genügende Reserven. Dieses alles erlaube Ita­lien, gelassen und ruhig in die Zukunft zu blicken. Unsere möglichen Gegner werden erkennen, wie hart die italienische Kriegsmarine zu kämpfen weiß.

. Moskau und die Einkreisung.

abs. London, 11. Mai.

Mit allen publizistischen Mitteln wird der Versuch unternommen, das sowjetrussische Mißtrauen gegen­über den englischen Osteuropa-Plänen zu zerstreuen. Von rechts bis links stimmen alle Morgenzeitungen in den gleichen Chor ein. Sie unterstützen sämtlich die auf diesen Zweck abgestimmte Darstellung ihrer diplomatischen und politischen Korrespondenten mit ihren Leitartikeln, in denen die Sowjets um ein Einsehen" gebeten werden. Sehr aufschlußreich ist in diesem Zusammenhang auch eine Verlautbarung aus gut unterrichteter Quelle, der zufolge Außen­minister Lord Halifax am Mittwochnachmittag an den- sowjetrussischen Außenkommissar Molo­tow ein Telegramm gesandt hat mit der Ein­ladung, am kommenden Montag zur Rats­tagung der Liga nach Genf zu kommen und dort in Besprechungen mit Halifax und dem französischen Außenminister Bonnet einzutreten. Offenbar verfolgt man. in London mit dieser Ein­ladung die Absicht, in Genf ein verstärktes Trommel­feuer auf den sowjetrussischen Außenkommissar ein­wirken zu lassen und gleichzeitig die Pleite der jeden Interesses entbehrenden Genfer Veranstaltung durch die reklamehafte Ankündigung vonwich­tigen Besprechungen" etwas zu verhüllen. Die von sämtlichen Blättern geäußerten Hoffnungen auf eine solche Dreierbesprechung in Genf sind offensichtlich amtlich inspiriert.

Im übrigen herrscht in den Presseauslassungen völlige Unklarheit über die gegenseitigen Pakt-Vor­schläge und Gegenvorschläge. 'In ihremEngland und Rußland" überschriebenen Leitartikel gibt sich dieTimes" alle erdenkliche Mühe, die in dem Moskauer Kommunique vom Dienstag enthaltenen Anschauungen zu entkräften und den Sowjets klar­zumachen, daß die West möchte (England und Frankrcich) im Grunde nichts anderes wollten als d e Sowjetunion. Weiter heißt es in dem Ar­

tikel, die sowjetrussischen Geaenvorschläge hätten England in eine ideologische Front hinein­bringen müssen, die weder der Weltanschauung, noch den Interessen des englischen Volkes entsprä­chen.England", so behauptet dieTimes",setze sich für Anstand und gute Nachbarschaft in inter­nationalen Angelegenheiten ein, nicht aber für Kom­munismus und Faschismus."

DieDaily Mail" meint, die englische Regierung zögere, einenhieb- u n d stichfesten Dreibund" abzuschließen. ImDaily Ex­preß" findet sich die Behauptung, ein gewaltiger Teil der englischen öffentlichen Meinung sei für den Abschluß eines Militärbündnisses mit der Sowjetunion. Gleichzeitig greift das Blatt die eng­lische Regierung an und wirft ihr vor, sie besitze keine Führereigenschaft. In der gleichen Weise, nur noch antreibender in der Form, äußern sich die linksgerichteten BlätterNews Chronicle" und Daily Herold". Das letztere Blatt will erfahren haben, die Sowjetunion neige im Augenblick weiter zur Unentschiedenheit.

Moskau verlangt absolute Gegenseitigkeit.

Moskau, 11. Mai. (DNB. Zunkspruch.) Die sowjelamtlicheJsweslija" veröffentlicht heute einen LeitartikelZur internationalen £age, der den Moskauer Standpunkt in bezug auf die gegenwär­tigen Paktverhandlungen darlegt. Die Ausführun­gen taffen keinen Zweifel darüber, daß die Sowjet­regierung einzig und allein auf der Basis der absolut en Gegenseitigkeit, d. h. gleicher Beistandsverpflichtungen zwischen Frankreich, Eng­land, der Sowjetunion und eventuell noch Polen, der von London geführten Einkreisungsfront bei­treten würde.

Bukarest soll Donauhafen werden.

Von unserem Or. H.-Korrespondenien

B u k a r e st, Mai 1939.

Im Juni werden die U. C. B., die Bukarester Städtischen Werkstätten, den Bau eines Dumbo- vitza Argesch Donau-Kanals in An­griff nehmen, der die rumänische Hauptstadt auch auf dem Wasserwege mit der Donau ver­binden und sie mittelbar zu einem Donauhafen machen soll. Man hofft, den Kanal in fünfzehn Monaten, also bis zum Oktober 1940, fertigstellen zu können. Außerdem ist in diesem Zusammenhang die Errichtung von drei großen neuen Elektrizitätswerken mit Wasserkraft ge­plant.

Die Potwendigkeit zum Bau des ArgeschDonau- Kanals ergibt sich aus dem raschen An­wachsen Bukarests in der Nachkriegszeit. Seine Bevökkerungszahl iff in den letzten zwanzig Jahren von 310 000 auf 850 000 gestiegen, hat sich also fast verdreifacht. Fachleute rechnen da­mit, daß Bukarest in weiteren fünfundzwanzig Jahren zwei Millionen Einwohner haben wird. Dieses rasche Wachstum der Stadt stellt ihre Ver­waltung vor besondere Aufgaben. Vor allem wird die Trinkwasser-Frage brennend, weil sich die Abgabefähigkeit der bisherigen Wasserquellen der Hauptstadt nicht mehr steigern läßt. Durch die Stadt hindurch fließt nur ein kleiner, unbedeutender Fluß, die Dümbovitza. Aber etwa fünfzehn Kilometer südwestlich des Stadtrandes gibt es einen größeren Fluß, den Argesch, der bei Oltenitza fünfzig bis sechzig Kilometer in der Luftlinie von Bukarest entfernt in d i e Donau mündet. Der neue Kanal soll nun den Argesch mit der Dümbovitza verbinden und einen Teil des Argesch- Wassers in die Dümbovitza ableiten. Man beabsich­tigt, in etwa zwei Jahren auch einen regelmäßigen Dampferverkehr Bukarest Oltenitza einzu­richten.

Gleichzeitig mit dem Kanal-Projekt ist ein Plan für die Anlage von drei großen Elektrizi­

tätswerken ausgearbeitet worden, die mit dem Wasser des neuen Kanals betrieben werden und den Elektrizitätsbedarf der schnell wachsenden Hauptstadt sicherstellen sollen. Auch soll mit der neu­gewonnenen elektrischen Energie die Eisenbahnlinie BukarestKronstadt elektrifiziert werden. Nicht min­der wichtig ist die Anlage des geplanten B u f a « r e ft e r Hafens. Dieser muß aus bautechnischen Gründen etwas außerhalb der Stadt liegen. Schiffe bis zu tausend Tonnen und mit einem Tiefgang bis zu zwei Meter sollen hier vor Anker gehen können. Holz aus dem Banat, Steine aus der Dv- brudscha, Getreide, Früchte, Gemüse, Geflügel usw. aus allen Landesteilen werden in Zukunft auf dem Wasserwege bis nach Bukarest kommen. Man ver­spricht sich davon eine starke Herabsetzuna der Le­benshaltungskosten, die in der Hauptstadt wegen der hohen Transportkosten für die meist mit der Eisenbahn beförderten Waren im Verhältnis zum übrigen Land sehr groß sind.

Die Kosten des neuen Vorhabens sind nicht ge­rade gering. Allein der ArgeschDonau-Kanal ist mit elfhundert Millionen Lei (27V2 Millionen Reichsmark) veranschlagt. Die neuen Elektrizitäts­werke dürften auf dreihundert Millionen Lei (7V2 Millionen Reichsmark), die Arbeiten für den Buka­rester Hafen auf zweihundert Millionen Lei (5 Mil­lionen Reichsmark) und die Elektrifizierung der Eisenbahnlinie BukarestKronstadt auf zwölfhun­dert Millionen Lei (30 Millionen Reichsmark) zu stehen kommen. Sonstige notwendige Bewässerungs­und Ausbesserungs-Arbeiten, wie z. B. die Trocken­legung von Sumpfland, veranschlagt man auf bref= hundert Millionen Lei (7V» Millionen Reichsmark). Alles in allem errechnet man über vier Milliarden Lei (1000 Millionen Reichsmark) Baukosten. Der Bukarester aber hat die Genugtuung, daß seine Stadt noch mehr als bisherbie junge amerika­nische Großstadt im alten Europa" sein wird.

die Wehrpflicht anlangt, so sollen ja nach den Worten des britischen Kriegsministers drei Jahrgänge zu je 1 50 0 00 Mann ein - gezogen werden. Das würde aber auch das Maxi­mum bedeuten, und es gibt sehr wesentliche An­zeichen dafür, daß dies Maximum kaum erreicht werden wird. Mit einem Mehr ist keineswegs zu rechnen, denn das britische Heer, ob es nun die reguläre Armee oder die Territorialarmee anlangt, ist gar nicht in der Lage, eine Ausbildung über diesen Stand hinaus oorzunehmen. Zu den 1856 Exerzierhäusern, die England heute besitzt, müßten umfangreiche Neubauten vorgenommen werden, die nicht nur Geld kosten, sondern die auch Zeit fordern. Man hat sich für eine Ausbildung von sechs Monaten entschieden. Wir haben seinerzeit die zweijährige Dienstpflicht eingeführt, einmal aus den Gründen, die durch die politische Lage, insbesondere durch das französisch-sowjet­russische Bündnis, gegeben waren, zum anderen aber auch aus der Tatsache heraus, daß eine zwei­jährige Dienstpflicht notwendig ist, um aus den Rekruten brauchbare Soldaten zu schaffen. Gewiß kennen wir auch eine kurzfristige Ausbildung in den Ergänzungsbataillonen. Aber jedermann weiß, daß das nur ein Notbehelf ist, um denjenigen Jahrgängen, die nicht dienen konnten, wenigstens die Grundzüge einer militärischen Ausbildung ange­deihen zu lassen. Es ist ja kein Geheimnis, daß die Soldaten der kurzfristigen Ausbildung den Sol­daten der zweijährigen Dienstzeit nicht gleichwertig an die Seite gestellt werden können. Immerhin wird ja bei uns' auch versucht, durch weitere Uebun- gen diese Ausbildung zu verbessern.

Was dem oberflächlichen Betrachter schon bei der englischen Wehrmacht auffällt, das ist die Tatsache, daß ein Mehrfaches hier unorganisch neben­einander steht. Neben der regulären A r - mee steht die Territorialarmee als eine Sonderkonstruktion, und neben der Luftwaffe gibt es noch eine H i l f s l u f t w a f s e und gibt es noch eine große Anzahl von Organisationen, die in mehr oder weniger festem Verhältnis zur Wehr­macht stehen. Gewisse Schwierigkeiten werden auch heute noch die B e f e h l s v e r h ä l t n i s s e ver­ursachen, obgleich sich hier viel gebessert hat. Wer die (Erinnerungen des Marschalls Haig gelesen hat, der muß sich eigentlich wundern, wie es mög­lich war, daß England den Krieg gewonnen hat, denn das, was an persönlichen Verstimmungen zwischen Parlament und Soldaten bestand, ist kaum zu glauben. Wir haben aber auch erst noch vor kurzem erlebt, daß an einer wichtigen militärischen Stelle aus politisch-parlamentarischen Gründen ein Zivilist stand, der erst jetzt durch einen Soldaten er­setzt wurde. Wir in Deutschland haben auch unter einer gewissen Unklarheit der Befehlsverhältnisse >m Weltkrieg gelitten. Aber die Vereinheitlichung der Wehrmacht in einem Führerstaat ist kein Problem mehr, und die Führeranordnung vom Februar vori­gen Jahres hat hier auch noch das Letzte getan, was getan werden mußte.

Selbstverständlich wird niemand bei uns daran denken, die Anstrengungen zu unterschätzen, nut denen England seine Aufrüstung durchführt. Das gilt im wesentlichen für die Luf twaffe, die des­halb auch im britischen Haushalt die meisten Kosten verursacht. Während man in früheren Jahren der Meinung war, daß die britische Luftwaffe sich völlig defensiv verhalten solle, wird heute schon der Ge­danke vertreten, daß die beste Luftwaffendefensive auch in der Offensive zu suchen sei. Bei der Ver­mehrung der Luftwaffe ist natürlich auch die L u f t w e h r und der Küstenschutz ausge­baut worden. Diese Aufgaben sind ein Sonder­gebiet der Territorialarmee. Für die Be­dienung der leichten Flaks sind Zivilisten vorge­sehen, die dann, wenn sie glicht benötigt werden, ihrer Arbeit nachgehen können. Zur Hilfsluftwaffe gehören u.a. Sperrballon-Staffeln, von denen 10 für London und 37 für andere Industrie­städte eingerichtet sind. In der Luftwaffen-Reserve sind rund 2500 Flugzeugführer vorhanden. Was die Flugzeugproduktion anlangt, so betrug der tägliche Aufwand für die Erzeugung von Flugzeugen 250 000 Pfund. Man rechnet damit, daß die Pro- durktion im Mai 1940 viermal größer ist als 1938. Von den geplanten Schattenfabriken sind bereits 11 im Betrieb. Nach den englischen Plänen soll der Hauptteil der Territorialarmee als Expeditionskorps Verwendung ftnden. Man hofft, im Ernstfall eine Million Mann auf die Beine zu stellen. Ob diese Zahl erreicht wird, läßt sich nicht sagen, denn nir­gends ist in einem Lande der Unterschied zwischen Soll und Ist größer als in Großbritannien.

Die geringste Steigerung im Haushalt verzeich­net die Marine, aber im wesentlichen aus dem Grunde, weil ja die Ausgaben für die Marine schon immer erheblich waren und weil hier einer Steige­rung der Baumöglichkeiten von heute auf morgen natürliche Grenzen gezogen sind. Daß aber die Eng­länder nicht untätig sind, beweist die Tatsache, daß im Jahre vor 1914 170 000 Tonnen an Kriegsschiff­bauten fertiggestellt wurden, während für 1940/41 219 500 Tonnen geplant worden sind. Dazu kommt eine Vermehrung der Marineluftwaffe und eine Vermehrung der Docks durch weitere Bauten.

Vieles von dem was in England geplant wird, ist heute noch nicht Wirklichkeit, es steht einstweilen nur auf dem Papier. Anderseits sind aber An­strengungen unverkennbar, um auch das durchzu­führen, was angekündigt worden ist. Die sogenannte Wehrpflicht des Reichtums ist eine Tat­sache geworden. Aber die finanziellen Anstrengun­gen nützen allein heute nichts mehr, denn diejenigen, die heute als englische Verbündete angesehen wer­den müssen, haben deutlich genug erklärt, daß die silbernen Kugeln nicht ausreichen. Wir unterschätzen die Engländer als Soldaten nicht. Wer sie kennen- gelernt hat, der weiß, daß sie sich hervorragend schlagen, die deutsche Wehrmacht hat größte Achtung vor ihrem Gegner aus dem Weltkriege. Immerhin bleibt Tatsache, daß das Engländertum von heute nicht jene soldatischen Eigenschaften aufweist, die das deutsche Volk nach Lage und Beschaffenheit sei­ner Grenzen für sich als unerläßlich empfinden muß. Davon darf man auf der anderen Seite des Kanals überzeugt fein: Wir sehen ruhig zu, wie die Eng­länder das Ihre tun. Wir tun das Unsere.

W. S.

Englands Marinepolitik in Ostasien.

London, 11. Mai (Europapreß). Die verschie­denen Oberbefehlshaber der englischen Flvtten- Streitkräste in den pazifischen Gewässern werden nach einer Mitteilung desDaily Telegraph" in aller Kürze eine Konferenz in Singapur abhalten. Die Besprechung soll der Regelung von Verteidigungsmaßnahmen in Fernost für den Kriegsfall dienen. Teilnehmen dürften die Ober­kommandierungen der China-Station, der Marine­stützpunkte in den malaiischen Staaten und der Ost- inbienxotaiüDiL Wer WahrjchMiHW MH büßten

auch die Kommandanten des a u st r a l i s ch e n und des neuseeländischen Geschwaders nach Singapur kommen. Das gleiche Blatt will in Er­fahrung gebracht haben, auf Grund von Verhand­lungen zwischen der englischen und der australischen Regierung würde eine Reihe englischer Schlacht­schiffe im Ernstfälle in den Stillen Ozean abgehen. Durch die Entsendung dieser Kriegsschiffe werde jedoch das Kräfte-Gleichgewicht im Ost-Atlantik und im Mittelmeer nicht zu Ungunsten Englands beein­trächtigt werden. Nach Ansichten unterrichteter Stel­len sei eine Gefahr für die australischen Gebiete heute nicht mehr wie noch vor einem oder zwei Jahren zu befürchten.

Um Südafrikas Neutralität.

Pretoria, 10. Mai. (DNB.) Die unter Lei­tung von Professor V il j o e n stehende Neutralitäts­bewegung, die Südafrika aus jedem Konflikt der europäischen Staaten h e ra u s h a 11 e n will, macht gute Fortschritte. Der Sekretär des Ausschusses für die Volksbefragung, Dr. Waffenaar, erklärte, über­all hätten sich zahlreiche führende Südafrikaner burischer wie auch englischer Abstammung an der überparteilich durchgeführten Unterschriftensamm­lung beteiligt. Sobald die Aktton beendet sei, wür- bie Listen dem Premierminister General Hertzog Mrgelegtt Die Formulare zur Unterschriftensamm­

lung tragen die Ueberschrist:Haltet Süd­afrika neutra I!" Jrn Text heißt es:Wir for­dern, daß die Union unverzüglich Schritte unter­nimmt, um mit aller Kraft die Neutralität zu bewahren, sowohl gegen innere, als auch gegen äußere Strömungen, welche die Neutralität unter­graben könnten und in gewissen anderen Ländern Gefühle der (Erbitterung gegen Südafrika heraus­fordern."

Belgiens Tlvaabwehr.

Brüssel, 10. Mai. (DNB.) Dem Verteidigungs­ausschuß der Kamkner teilte Kriegsminister Denis Einzelheiten über die Organisierung der Flugabwehr mit. Von dem für die Luftverteidigung bereitgestell­ten Kredit von 600 Millionen Franken sind danach 340 Millionen für den Kauf von Sperr­ballons und Flakartillerie, 176 Millio­nen für Flugzeuge und 83 Millionen für den Luftschutz ausgeworfen worden. Die Flugabwehr soll von einer Territorialtruppe wahr­genommen werden, deren Dienstzeit auf acht Monate festgesetzt wird. Für den Luftschutz wird ein General­kommissar eingesetzt, der Vollmacht für ganz Belgien besitzen wird. In der Staatszeitung wird gleichzeitig die Schaffung einer Abteilung für Lebens­mittelversorgung und zivile Unterstützung im Falle einer Mobilmachung angekündigt, die dem belgischen Wirtfchaftsmmisterium 'unterstehen soll.

Oie Neutralität des Nordens.

Stockholm, 10. Mai. (DNB.) Die Außen« Minister der vier skandinavischen Lönoer Däne« mark, Finnland, Norwegen und Schweden, die auf Grund der deutschen Fühlungnahme wegen Abschlusses von Nichtangriffsoerträgen am 9. d. M. in Stockholm zu einem Gedankenaustausch zusammen­gekommen waren, haben in einer amtlichen .Ver­lautbarung erneut ihren Willen, im Falle kriege- rischer Verwicklungen in Europa unbedingte Neutralität zu beobachten, betont. Die Außen­minister begrüßen Aeußerungen von feiten jedes anderen Landes, die Integrität und Unab­hängigkeit der nordeuropaifchen Länder refpektteren zu wollen, d. h. konkreter gesprochen, auch die deutsche Fühlungnahme wegen des evtl. Abschlusses von Nichtangriffsverträgen zwischen Deutschland und ihren Ländern. (Eine endgültige Stellungnahme ist nicht erfolgt. Sie liegt bei den einzelnen Re­gierungen.

Das OsloerMorgenblad" schreibt, der Kern­punkt sei, daß jedem der vier Staaten überlassen werde, selbst zu antworten. Tidens Tegn" meint, daß die Lage für die einzel­nen nordischen Länder verschieden sei. Däne­mark habe die gemeinsame Grenze mit Deutschland, eine Tatsache, die eine natürliche Grundlage für den Abschluß des Paktes biete. Bei Finnland er­gebe sich auch ganz natürlich das Eingehen auf einen Pakt mit dem Deutschen Reich. Norwegen wünsche nur eines, nämlich sich aus jeder Kombi­nation der verschiedenen Großmächte heraus- z u h a 11 e n und seine vollkommene, unbedingte Neutralität zu wahren.

Litauens Armeechef in Polen.

Warschau, 10. Mai. (DNB.) Der litauische Armeechef General Rastikis hat Flugzeugwerke und Truppenübungsplätze besucht, wo ihm mili- torische Hebungen vorgeführt wurden. Anschließend begibt sich der litauische Armeechef in den zentralen Jndustriebezirk zu einer Besichtigung der neuen polnischen Rüstungsindustrie, die dort aufgebaut wird. General Rastikis gab feiner Genugtuung dar­über Ausdruck, daß er die führenden Persönlich­keiten Polens kennengelernt habe. Litauen müsse mit Rücksicht auf seine jetzigen Bindungen von Na­tur aus eine Politik der Neutralität fuh­ren, die es bereits seit mehreren Jahren entschlossen gemeinsam mit anderen baltischen Staaten führe. Er.zweifle nicht, daß die Beziehungen zwischen Li­tauen und Polen immer freundschaftlichere Formen annehmen würden.

$ranfreid? baut einen neuen Flugzeugträger.

Paris, 10. Mai. (DNB.) Der Kriegsmarine« Minister hat bei einer Werft in St. Nazaire einen neuen Flugzeugträger in Auftrag gegeben, der den NamenPainleve" führen wird. Das Schift wird 18 000 Tonnen Wasserverdrängung haben, 236 Meter lang und 34 Meter breit sein. (Es soll stark bestückt werden, seine Geschwindigkeit soll dreißig Knoten betragen. Das Schiff foll vierzig Flugzeuge an Bord nehmen können. Frankreich besitzt bislang ebenso wie Italien nur einen Flugzeugträger, den 22 000 Tonnen großenBear n". Neben dem FlugzeugträgerPainleve" ist auch noch ein zwei­ter Flugzeugträger gleicher Größe bereits bewilligt, der den NamenI o f f r e" tragen soll.

Deutsch - portugiesische Flottenfreundschast.

Lissabon, 10. Mai. (DNB.) An Bord der FlaggschiffesAdmiral Graf Spee" gab Flottenchef Admiral Böhm zu Ehren des portu­giesischen Flottenchefs Admiral Matta Olivera, ein Galafrühstück. Admiral Böhm feierte die großen Seehelden Portugals, deren kühne Entdeckunas- fahrten der Weltgeschichte angehören. Er sprach die Hoffnung auf einen Gegenbesuch portugie­sischer Flotteneinheiten in Deutsch­land aus und schloß mit einer Ehrung des Staats­präsidenten General Carmona. Admiral Matta Olivera wies auf die Jahrhunderte alten Be­ziehungen der Marinen beider Länder hin. Schon zur Zeit der Kreuzzüge hätten die Kreuzfahrer des germanisch-deutschen Reiches im Lissaboner Hafen kameradschaftliche Aufnahme gefunden. Er freue sich, daß sich die Jahrhunderte alte Kameradschaft bei dem jetzigen Besuch der Kriegsschiffe der ruhm­vollen deutschen Flotte noch fester gefügt habe.

Am 12. Uioi Luftparade bei Madrid.

Burgos, 11. Mai. (Europapreß.) Es steht nun­mehr fest, daß Franco am 12. Mai die große Luft­parade der spanischen Luftstreitkräfte und der be­freundeten Luftstreitkräfte, die zur Entscheidung des spanischen Krieges beigetragen haben, in B a r a- j a 5 bei Madrid abnehmen wird. Etwa 7 0 0 Flugzeuge werden an der Parade teil* nehmen. Im Anschluß- an diese Luftparade wird ein Bankett abgehalten werden, an dem die Korps- und Divisionskommandanten der Truppenteile teilnehmen, die am kommenden Sie­ge s m a r s ch beteiligt sein werden.

Kleine politische Nachrichten.

Der Generalgouverneur von Libyen, Marschall B a I b o , hat in Begleitung des italienischen Ge­sandten Mazzolini dem ägyptischen Ministerpräsi­denten Mahmud Pascha einen Besuch abgeftattet. An einem Bankett, das der italienische Gesandte gab, haben außer den ägyptischen Regierungsmit­gliedern auch der britische Botschafter und die Ober­befehlshaber der ägyptischen und englischen Truppen teilgenommen.

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Der Stellvertretende Außenkommifsar der Sow­jetunion, Poternkin, wurde vom polnischen Außenminister Oberst Beck empfangen. Die Be­sprechung dauerte über eineinhalb Stünden. Potem- kin trat sodann die Rückreise nach Moskau an.

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Die chinesischen Behörden von Tschungking. dem Hauptquartier Tschiangkaischeks, bereiten die Räumung der Stadt vor. Frauen, Kinder und Greise, die Beamten, Lehrkräfte ufw. muffen die Stadt verlassen.

Unter der Führung des neuernannten General- stabschess George Marshall reifte eine a m e r i konische Militärabordnung an Bord des KreuzersNashville" zum Besuch nach Brasilien ab.

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Im faschistischen Amtsblatt fordert Parteisekretär Starace sämtliche Parteimitglieder auf, keinen Kaffee zu trinken.Auf diese Weise", so sagt