Art ausgebildet. Nebenerzeugnisse sind Brom, Magnesia, Chlormagnesium, Bittersalz, Eisenoxyd und Säuren. ri e . s
Eine bezeichnende Einzelheit: die starke industrielle W a s s e r n u tz u n g hat zu einer empfindlichen Senkung des Grundwasserstandes geführt, besonders da das Gebiet im Regenschatten des Harzes liegt und zu den niederschlagsärmsten Deutschlands gehört. Um die drohende Wasserknapphelt nicht aufkommen zu lassen, ist der Bau der Bode- tal sperren im Rahmen des Dierjahresplanes vorgesehen, wobei eine Jahreserzeugung von 45 Millionen Kilowattstunden für die mitteldeutsche Energiewirtschaft nebenbei abfällt. An der Erschließung von Erzlagerstätten wird gearbeitet.
Und nun erst kommen wir zu der großen Zukunfts-Perspektive diese Gebietes. Reben den großen Verkehrswegen der Bahnen und Autostraßen entsteht hier das Achsen-Kreuz der deutschen
Binnenstraßen. Der Mittellandkanal verbindet Rhein, Weser, Elbe, Spree und Oder. Bom Rhein wird eine Kanal-Verbindung über den Main an die Donau führen; aber auch v o n der Öder aus wird durch den Donau-Oder-Kanal dieselbe Verbindung hergestellt; und schließlich geht die Tschecho-Slowakei mit dem Gedanken um, die obere Elbe bis etwa Pardubitz aufzustauen und von hier aus eine abkürzende Kanalverbindung a n den Donau-Oder-Kanal zu legen. Wenn hier immer wieder der Name der Donau auftaucht, so hat das seinen gewichtigen Grund; denn Donau bedeutet Schwarzes Meer und Balkan. Das äußere Symbol dieser gewaltigen binneneuropäischen Verbindung ist das S ch i f fs h e b e we r k Roth e n s e e, das Schiffe und Kähne von der Elbe m den höher gelegenen Mittellandkanal umsteigen laßt und umgekehrt.
Politiker Osterdetrieb in London und Paris.
Das britische Parlament für den Donnerstag einberufen.
den Gauen im Süden und Westen in den letzten vier Jahren neu zugezogen; vorzüglich aus den Grenzgebieten, in denen die Arbeitslosigkeit ein zäheres Leben hatte als hier, in dem wehrpolitisch geschützten Mittelstück des Altreiches. Auch aus der Ostmark und dem Sudetenland kamen viele Zuzügler. So wird es denn auch in weiten Teilen des Reiches lebhaft interessieren zu erfahren, wie denn nun der Wirtschaftsraum Mittelelbe beschaffen ist. Hier handelt es sich hauptsächlich um den Gau Magdeburg-Anhalt. Und dann gibt es gleich im Anfang eine kleine Sensation. Bis in die Gebirgshütten des Jsergebirges. der bäuerlichen Ostmark und der österreichischen Alpen weiß man aus Gesprächen von Mund zu Mund, daß hier ein neues großes Industriegebiet entsteht; und siehe da: auch jetzt nach dem starken Zuzug der letzten Jahre kommen in dem Gau Magdeburg-Anhalt nur 120 Bewohner a u f den Quadratkilometer, während es im Reichsdurchschnitt 135 Menschen sind. Und das trotz der starken, neuen Industrialisierung!
Die großräumige Landwirtschaft hat lange Zeit diesem Wirtschaftsraum das Gepräge gegeben. Gewiß wuchsen auch hier Industrien seit 1850 hoch, aber sie lehnten sich doch ursprünglich sehr stark an die Bedürfnisse der Landwirtschaft an. Aust dem fruchtbaren Lößboden der Börde lohnt der Boden die Bestellung. Auf den „lumpigen" 13 000 Quadratkilometer des Gaues Magdeburg-Anhalt wachsen 6,9 v. H. Weizen, 9 v. H. Erbsen, 10 v. H. Gurken, 9 v. H. Feldgemüse, 16,3 v. H. Zuckerrüben, 41,3 v. H. Zwiebeln des jeweiligen Gesamtertrages dieser Früchte im ganzen Altreich!
Eine so intensive Landwirtschaft hat immer einen starken „L e u t e" - B e d a r f für die Spitzenarbeiten aehabt. Schon vor fünfzig und sechzig Jahren sprach man von den „Sachsen-Gängern" (der Name kommt von der Provinz Sachs'n) oder von der „R üben-Wanderun g". Damals gab es auch eine Sozialpolitik. Aber diese Sozialpolitik beschränkte sich auf die ärztliche Untersuchung nnd Impfung der Sachsen-Gänger, die außerdem in den ersten vier oder sechs Wochen ihres Aufenthaltes von den einfäsfigen Landarbeitern und Bauern getrennt waren. Daher wurden für sie die uns heute so furchtbar anmutenden „Schnitter-Kaser- n e n" gebaut, in denen Männer und Frauen getrennt hausten, auch wenn es sich um Ehepaare handelte. Auch heute sind die Probleme der Binnenwanderung nicht leicht zu lösen. Aber welche Fürsorge umgibt heute den Zuzügler! Wenn er nicht sofort seine Familie nachkommen lassen kann, so sorgen doch Urlauber-Züge dafür, daß die einzelnen Perioden der Trennung von der Familie nicht allzu lange ausgedehnt werden. Und die Errichtung neuer Werke ist begleitet von einem ausgiebigen Wohnungsbau, ja oft geht der Wohnungsbau zeitlich noch dem Werkbau'voraus — eben um die Unzu- römmlichkeiten der starken und plötzlichen Binnenwanderung zu mildern oder (worauf man heute schon großen Wert legt) überhaupt nicht aufkommen zu lassen.
Welche Ergebnisse auch mit einer vorausschauen- den Siedlung in der Großlandwirtschaft erzielt werden können, wurde uns- auf dem — allerdings pionierhaften — Gut in Peseckendorf gezeigt, das 2400 Morgen umfaßt. Die Zahl der ausgezeichnet untergebrachten Landarbeiterfamilien wurde von 52 huf 64 erhöht; während vor dem Kriege 60 polnische Wanderarbeiter für Arbeitsspitzen benötigt wurden, ist dank der vermehrten Ansetzung deutscher Landarbeiterfamilien die Zahl der Wanderarbeiter auf 20 bis 22 Italiener zurückgegangen.
Der Boden gibt hier dem Menschen dreimal Arbeit: auf der Oberfläche wachsen die Feld- fr ü ch t e ; in etwa 50 Meter Tiefe liegen schier unerschöpfliche Braunkohlenlager: und einige hundert Meter tiefer ziehen sich weite Lager an Kalisalzen. Auf Braunkohle und auf Kali gründet sich die neue Industrie. Jedermann hat schon etwas von den Fortschritten der Kohlen- ch e m i e gehört. Dank der Kohlenchemie werden Treibstoff und Mineralöle aus der Braunkohle herausgeholt. Auf der Braunkohlen-Grundlage ruht auch eine starke E l e k tr i z i t ä t s g e w i n n u n g , deren Kraftstrom als Antrieb sowohl in der Schwerindustrie wie in der Präzisionsindustrie dient. Aus den Abwässern der Kali-Salzlager-Stätten wird das Leichtmetall Magnesium gewonnen, das durch verschiedene Legierungen veredelt wird und in der in Mittelelbe durch die Junkers-Werke so stark vertretenen Flugzeug-Industrie vielfache Verwendung findet. Steinsalzlager, Kalksteinbrüche und Braunkohlenvorkommen geben auch die günstigsten Vorbedingungen für die Gewinnung von Soda und Aetznatron. Die in Bernburg bestehende Fabrik der Deutschen Solvay-Werke wird zu dem größten europäischen Unternehmen dieser
London, 10. April. (Europapreß.) Die Dow- ning-Street zeigte an den Osterfeiertagen eine für englische Verhältnisse, ungewohnte Geschäftigkeit. Ministerpräsident Cyamberlain, der seinen Osterurlaub in Schottland zu verbringen beabsichtigte, kehrte am Sonntagmorgen nach London zurück. Er empfing am frühen Vormittag den Außenminister Lord Halifax, der vorher den Besuch des griechischen Gesandten im Auswärtigen Amt gehabt hatte. Lord Halifax hatte nachmittags eine einstündige Besprechung mit dem Chef des Reichs- Generalstabs, Lord Gort, Vizeadmiral Cunningham und dem Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Str Alexander Cadogan. Im Laufe des Sonntags stattete der italienische Geschäftsträger in London, Cr olla, Lord Halifax drei Besuche ab. Halbamtlich wurde mitgeteilt, es habe ein eingehender Meinungsaustausch über die gegenseitigen Auffassungen der beiden Länder in der albanischen und Mittelmeerfrage stattgefunden.
Das Kabinett trat am Ostermontagvormittag zusammen. Mit Ausnahme von Lord Runciman und Macdonald, die beide im Ausland weilen, nahmen alle Minister an der Sitzung teil. Das Kabinett hat die Einberufung beider Häuser des Parlaments auf Donnerstag beschlossen. Montagmittag hatte der griechische Gesandte im Außenministerium eine längere Unterredung mit dem Leiter der Südosteuropa-Abteilung, Ingram. Lord Halifax empfing hier den rumänischen Gesandten Tilea. Auch der italienische Geschäftsträger C r o l l a stattete Lord Halifax am Nachmittag einen Besuch ab. Chamberlain empfing in den Mittagsstunden den Oppositionsführer Attlee, der über die Beschlüsse des Kabinetts unterrichtet wurde.
Um 16 Uhr trat in der Dienstwohnung des Ministerpräsidenten unter seinem Vorsitz der Außenpolitische Ausschuß des Kabinetts zusammen. Es waren anwesend: Außenminister Lord Halifax, Dominionminister Sir Thomas I n s k i p , Verteidigungsminister Lord Chatfield und sein Vertreter im Unterhaus, Morrison, Handels- Minister Oliver Stanley, Innenminister Sir Samuel Hoare und der Unterstaatssekretär im Außenamt, Butler. Wie die Abendpresse wissen will, soll der Ausschuß mit einem von England beabsichtigten und, wie bekannt, von Griechenland nicht erbetenen Garantieange- b o t an dieses Land beschäftigt gewesen sein. Ferner glauben die Blätter, daß sich der Ausschuß auch mit der Formulierung eines Schrittes befaßt habe, den die englische Regierung bei Italien unternehmen wolle. In gut unterrichteten Kreisen verlautet jedoch, daß noch keine endgültigen Beschlüsse gefaßt worden sind. Die Londoner Abendpresse, die bereits von der Abfassung der diesbezüglichen Schriftstücke wissen wollte, dürfte in dieser Hinsicht zumindest voreilig gewesen sein. Die Schwierigkeiten lagen vor allem bei Chamberlain, der im Gegensatz zu der Mehrzahl seiner Ministerkollegen einen Bruch mit Italien vermieden sehen möchte. Demgegenüber drängen Lord Halifax und die Wehrminister auf einen nachdrücklichen Schritt Englands in Rom, der möglichst durch Flottendemonstrationen im Mittelmeer begleitet sein soll. Es ist vorläufig noch nicht abzu- schen, ob Chamberlain sich diesen Wünschen beugen wird. .,
Wie Europapreß am Montag spät abends erfährt, hat sich bisher die Auffassung Chamberlains durchgesetzt, der einen Bruch mit Italien vermeiden möchte. Die englische Regierung wird er-
klären, daß sie trotz der Besetzung Albaniens bereit sei, weiterhin an dem englisch-italienischen Pakt festzuhalten, falls Italien eine größere Anzahl italienischer Freiwilliger aus Spanien zurückzieht. Die G a - rantie für Griechenland wird aber trotzdem ausgesprochen werden, doch wird sie im Gegensatz zu den bisherigen Absichten keine ausgespro« chen italienfeindliche Note erhalten, sondern, so hofft man in England, ähnlich dem englisch-polnischen Pakt einen zweiseitigen Beist a n d s p a k t darstellen. Die Londoner Morgenpresse behauptet, Rumänien sei bereit, die südliche Dobrudscha an Bulgarien abzutreten, was zur angeblichen Bereitschaft Bulgariens fuhren soll, der Einkreisungsfront beizutreten. Die Blätter wollen ferner von einer Bereitschaft der.T ürkei wissen. Die Haltung Griechenlands wird als „wachsam" bezeichnet. Belgrader Korrespondenten behaupten, daß bei den Kroaten eine antideutsche und antiitalienische Stimmung vorhanden sei.
Kabinettsberatungen in Paris.
Paris, 10. April (Europapreß). Während der Dfterfeiertage herrschte in Paris lebhafte Tätigkeit. Außenminister Bonnet empfing am Sonntagmittag den Ersten Sekretär der britischen Botschaft, Nack, der ihm eine Mitteilung der englischen Regierung überbrachte. Dann begab sich Bonnet in den Elyseepalaft, um dem Präsidenten der Republik Kenntnis von der englisches Mitteilung zu ■geben. Nachmittags hatte Bonnet eine Besprechung mit Ministerpräsident Daladier. In den frühen Abendstunden trat ein engerer Kabinetts- r a t im Kriegsministerium unter Vorsitz Daladiers zusammen. An ihm nahmen auch die drei Landesverteidigungsminister teil. Nach Beendigung des Kabinettsrats wurde der britische Botschafter Sir Eric Phipps von Bonnet von dem Inhalt der Beratungen in Kenntnis gesetzt. Am Ostermontag erschien neuerlich der englische Botschafter Sir Eric Phipps bei Bonnet, um ihn über die Beratungen des englischen Kabinetts in Kenntnis zu fetzen. Bonnet empfing auch den sowjetrussischen Botschafter Suritz. Die Pariser Nachmittagsblätter wollen wissen, daß das französische Kabinett am Dienstagnachmittag neue Beschlüsse fassen wolle. Am Mittwochvormittag fände dann unter dem Vorsitz des Präsidenten Lebrun im Elysee- P al a st ein Ministerrat statt, in dem alle Maßnahmen beschlossen und dem Präsidenten zur Unterschrift vorgelegt werden würden.
In Belgrad völlige politische Ruhe.
Belgrad, 10. April. (DNB.) lieber die Oster- feiertage herrschte in ganz Jugoslawien vollkommene Ruhe. Die Vorgänge in Albanien, welche in der Oeffentlichkeit noch am Samstag stark besprochen worden waren, haben heute jeden aufregenden Charakter verloren. In maßgebenden Kreisen Jugoslawiens ist man von den verschiedenen italienischen Erklärungen ä u ß e r st befriedigt. Bezeichnend für die ruhige Beurteilung der Sage dürfte sein, daß Ministerpräsident Z w e t k o w i t s ch die Ostertage in N i s ch verlebte und auch die übrigen Mitglieder der Regierung die Feiertage in ihren Heimatorten oder auf dem Lande verbrachten.
Don .italienischer Seite erfährt man, daß der
italienische Gesandte Jndelli im Auftrage des Duce der jugoslawischen Regierung den b e s o n d er en Dank für ihre freundschaftliche Haltung in der albanischen Frage aussprach. Gleichzeitig verlautet, daß der Duce noch eine besondere Depesche an die jugoslawische Regierung gefchick habe, von deren Inhalt diese äußerst befriedigt sei.
Gafencus Besuch in Istanbul.
I st a n b u l, 10. April. (DNB.) Nach einem zweitägigen Besuch ist der rumänische Außenminister Gafencu wieder abgereist. Dor seiner Abreise empfingen die Außenminister der Türkei und Rumäniens die Vertreter der Presse, denen sie eine amtliche Mitteilung übermitteln ließen. Darin wird gesagt, daß angesichts derletztenEreig- nisse die gemeinsamen und solidarischen Interessen beider Länder im Rahmen des Balkan-Paktes besprochen wurden. Die friedliche und feste Außenpolitik der Balkan-Entente wird fortgesetzt. Ihr Ziel sei, die Sicherheit und die Unadhängikeit der verbündeten Völker zu verstärken sowie auch die Beziehungen zu den befreundeten Nachbarn im Geiste des Abkommens von Saloniki zu vertiefen. Diese Politik werde mit Entschlossenheit fortg e führt. Außenminister Grafencu betonte, es habe sich in Istanbul nur um eine Aussprache, nichtaberum Verhandlungen gehandelt.
Englische Maßnahmen im Mittelmeer.-
Paris, 11. April. (DNB. Funkspruch.) Die „Epoque" meldet aus London, daß gewisse Vorsichtsmaßnahmen getroffen worden seien, die sich aber im wesentlichen auf Malta und Gibraltar beschränken. Sämtliche Urlauber der britischen Kriegsschiffe, die in Malta vor Anker liegen, seien z u r u ck g e r u fe n worden und der Flugverkehr zwischen Malta und Sizilien eingestellt. Man habe vorher die Küstenschutzbatte- rien und die Flakgeschütze auf der Insel in Kampfstellung gebracht. Gleiche Vorsichtsmaßnahmen seien in Gibraltar getroffen worden. Sämtliche englischen Kriegsschiffe, die sich in italienischen Häfen aufgehalten hätten, seien ausgelaufen.
Generalfeldmarschall Göring in Tripolis.
Tripolis, 10. April. (DNB.) Generalfeldmarschall Göring traf am Ostersonntag mit seiner Gattin von Reggio kommend mit dem deutschen Motorschiff „Montserrat" der Hamburg—Amerika- Linie in Tripolis ein. In seiner Begleitung befanden sich Staatssekretär Körner, Ministerialdirektor Staatsrat Dr. G r i tz b a ch, Oberstleutnant Konrad, SA.-Oberführer G ö r n e r t und Hauptmann Hackbarth. Drei Zerstörer der italienischen Kriegsmarine geleiteten den Generalfeldmarschall nach Tripolis. Im Hafen begab sich Luftmarschall Balbo an Bord, um den. Generalfeldmarschall und Frau Göring zu begrüßen. Unter dem Donner des Saluts der im Hafen ankernden Kriegsschiffe betrat dann der Generalfeldmarschall den Boden Libyens. Dort hatten, umrahmt von einer unübersehbaren Menschenmenge, Einheiten der in Libyen stationierten Truppen und der faschistischen Partei sowie aus der einheimischen Bevölkerung gebildete Formationen Aufstellung genommen. Nach Abschreiten der Fronten unter den Klängen der Nationalhymnen begrüßte der Generalfeldmarschall die Spitzen der Behörden und hohen Würdenträger und begab sich dann im Kraftwagen zum Sottunersitz Balbos, den dieser dem Feldmarschall für die Tage des Aufenthaltes zur Verfügung gestellt hat. Die Fahrt dorthin vollzog sich unter brausender - Begeisterung der Bevölkerung, die die in reichem Flaggenschmuck prangenden Straßenreihen dicht umsäumte.
Willkommensgruß Ribbentrops an Evanien.
Berlin, 8. April (DNB.) Der Reichsrnmister des Auswärtigen, von Ribbentrop, hat an den spanischen Außenminister, Grafen Jorda- n a, das nachstehende Telegramm gerichtet:
„Nach volzogenem Beitritt Spaniens zum Pakt gegen di e Kommunistische Internationale möchte ich Eurer Exzellenz meine freudige Genugtuung darüber zum Ausdruck bringen, daß Ihr Land nach feinem heldenhaften und siegreichen Kampf gegen den Kommunismus auf eigenem Boden nunmehr zur dauernden Aufrechterhaltung von Ordnung und Gerechtigkeit in den Kreis der Mächte eingetreten ist, die sich zur Bekämpfung der den Weltfrieden bedrohenden zerfetzenden Elemente zusammengeschlossen haben. Ich
Wo Birger Jarl vor Anker ging.
Ein Frühlingsflug nach Schwedens schöner Hauptstadt.
Kon Rudolf Hartmann
Es mag ganz unwahrscheinlich klingen, daß man sich bei dem Wetterwechsel dieser Tage einen Frühlingsausflug nach Stockholm vornimmt. Und doch ließen wir uns nicht abbringen von der einmal gefaßten Idee; wenig später ging es mit einer schnellen Junkers bereits über den letzten Ausläufern des deutschen Festlandes hinweg. „Herrgott, hast du die Welt schön gemacht" hat schon mancher im Anblick des Meeres ausgerufen, wenn er sich som- mertags in den Fischerbooten ein Stück ^hinaus segeln ließ. Welche Pracht offenbart sich aber erst, wenn man das Reich der Schären und ungezählten Seen Schwedens aus 900 Meter Höhe während eines Fluges im Sonnenschein sehen darf.
Ob man will oder nicht, man kommt den Träumen der Entdecker näher, die mit brennenden Augen auf den Kommandobrücken ihrer Windgänger erkundeten, was nur eben zu erkunden ging. So auch der Folkunger Birger I a r l. dessen Flotte eines Tages an einer der schönsten Stellen der schwedischen Schären vor Anker ging. So etwas Gewaltiges hatten sie selten gesehen, diese Männer, die auf tausend Streitfahrten unterwegs waren, um ihrer Heimat den Boden zu erobern.
Heute liegt Birger Jarl, der Folkunger Recke, in goldenem Granit zu Füßen des einzigartig schonen Stadthauses, das sich das Stockholmer Bürgertum als Sinnbild seiner Macht erbaut hat. Die steinernen Züge des toten Helden schauen still durch das offene Visier der Rüstung über den Mälarsee auf die Gruppe der zahlreichen Inseln, auf deren granitenen Fundamenten sich Schwedens schöne Hauptstadt erhebt. Das stolze Königtum der Wasa sand seine Denkmäler von der Natur erstellt vor; man brauchte nur noch die Inschriften mit den Heldennamen hineinhauen.
Wer sieht sich nicht, wenn er in eine fremde Stadt kommt, zuerst die noch erhaltenen Zeugen ihrer Vergangenheit an, so auch wir, die wir plötzlich glaubten, daß wir einige Jahrhunderte zurückgegangen seien. Hoch erheben sich südlich des gewaltigen Norrströms die Häuser aus der Hansezeit, deren deutsche Bewohnernamen und deren Sinnsprüche über den Torflügeln von guter, nordischer Kaufmannsart sprechen. Nicht weit davon ragt das Königliche Schloß empor, vor dem hier und da die Schildwache, das Gewehr zwischen den gespreizten Beinen, steht. Es ist, als wollten die Stockholmer den Fremden, der ihre Stadt besucht, zu einer kurzen Wanderung durch die Zeitgeschichte einladen. Denn diese Soldaten tragen nach immer die gleiche Uniform, die sie einst von den Preußen übernom-- men haben — Pickelhaube und preußischblaues Tuch der Waffenröcke. Eigenartig, wenn man sie in der Marschkolonne auftreten sieht. Da glaubt man, ein Bild aus dem Berlin der Vorkriegszeit an sich vor- überziehen zu sehen, und das Spielen deutscher Marschmusik verstärkt diesen Eindruck bis ins Unwahrscheinliche.
Aber wie überall in dieser Stadt sich gesunde Vergangenheit mit gesunder Gegenwart fast auf Schritt und Tritt ein Stelldichein gibt, so auch auf der Südseite der schwedischen Hauptstadt. Da ist das Kaffeehaus mit dem schönen Namen „Katharina Hissen". Der merkwürdigste und wohl auch der größte Fahrstuhl der Welt führt zu seiner Plattform hinauf. Gleichzeitig aber dient der Riesenaufzug der Bevölkerung, die in höher gelegenen Stadtteilen wohnt. Man erlebt zum Beispiel in Stockholm die Kuriosität, daß man, am Fuße eines Hauses stehend, in gleicher Höhe, in der Ferne, das Dach eines der beiden Wolkenkratzer schaut, die an einer markanten Stelle der Kungs-
Nie ist man den Felsen mit den Mitteln der > modernen Sprengtechnik näher zu Leibe gerückt, als es nötig war. So nehmen sich die auf den Felsen erstellten Mietshäuser eigenartig aus, die an die Bergnester fremder Völker erinnern. Dom Kaffeehaus „Katharina Hissen" liegt Stockholm dir in seiner ganzen Schönheit zu Füßen. Du schaust auf das belebte Bild des riesigen Hafens, du siehst lleberfeebampfer genau so einlaufen wie die Fischerboote, die aus den Schären mit reichem Fang heimkehren. Wer nicht ein gar zu großes Fischgeschäft betreibt, der läßt sich mit feinem Kahn und Fangnetz an einer der großen Brücken nieder, wo die Wildwasser übermütig schäumen, den tummelnden Lachs mit sich führend. Ja, hier versteht man zu leben.
Gleich wie man’s haben will. Kommt man in eines der eleganten Speisehäuser, dann hat es zuerst
auch wieder in den Gaststätten, wo vornehmlich junge, hübsche Mädel bedienen. Sie sind alle hübsch, da oben in Schweden! Mit freundlichen Worten
den Anschein, als habe man ein Museum betreten, in dem sämtliche Delikatessen der Welt aufgebaut wurden. Der Schwede ist stolz auf den Nahrungsmittelreichtum seiner Heimat. Er zeigt ihn dem Fremden in der Gaststätte ober im Heim mit gleicher Selbstverstänblichkeit unb gleicher Diskretion. Die reichhaltige Tafel ist beileibe nicht zur hemmungslosen Auswahl für Vielfraße zurechtgebaut worben. Beileibe nicht! Man soll nur ben Appetit anregen. Nun, und babei wirb bas „fmörgas", bie berühmte schwedische Vorspeise, jebem Kenner kulinarischer Genüsse gerecht. Unb überall, zu jeher Jahreszeit, Blumen, Blumen, Blumen. Kein Wun- ber, baß es sich ba gut sitzen läßt.
Welche Art haben bie Stockholmer, ben Fremben auf bie Eigenarten ihres Lebens unb ihrer Stabt aufmerksam zu machen! Zum Beispiel im Straßenverkehr: Hilflos steht man anfangs an ber Borb- schwelle ber Bürgersteige, um über ben Fahrbamm zu kommen. Man muß sich erst an ben Links- verkehr gewöhnen. Aber ba ist triefe Ratlosigkeit schon von einem Taxifahrer bemerkt worben, ber wortlos fein elegantes Fahrzeug hält — man sieht als Mietsautos fast ausnahmslos nur elegante Amerikaner — unb mit freunblicher Geste ben Weg für ben Fußgänger freigibt, ©ebulbig wartet auf ber Gegenseite schon ein anderer Wagen, baß man
qatan, einer Hauptgeschäftsstraße, erbaut würben. I gefahrenlos ben Fahrbamm überschreiten soll. Diese — - 1 — schlichte, betonte nordische Heiterkeit erfahrt man
unb einem sonnigen Lachen wirb einem zu verstehen gegeben, baß in ber geforberten Bezahlung ber Speisen ober Getränke noch keine ServiceMelb enthalten ist. Rührend ist geradezu anzuschauen, wie sich jeber einzelne Mensch bemüht, ben Fremben in feiner Heimatsprache — bas ist meistens beutsch ober englisch — anzureben. Wenn bie Stockholmer Jugend Frühling macht — unb bas tut sie jetzt—, bann zieht sie entroeber nach bem in ben Schären gelegenen Landsitz .her schwedischen Könige, Drott« ningholm, hinaus, ober sie geht hinaust nach Skan- sen, bem schönsten Naturpark, den man sich denken Fann. Hier sind die alten nordischen Bauernhöfe in Urform wieder aufgebaut worden. Die Bewohner tragen die Trachten ihrer Heimat, und in den behaglichen Stuben prasselt noch immer das Feuer im offenen Kamin. Es ist nicht selten, daß man hier und da die alte Form des Hakenkreuzes, in Runenkränze gebettet oder im schwereichenen Hausrat, roieöertrifft. Auf dem Friedhof, der auf Skanfen mit feinen Grabsteinen wie ein Mahnmal des Vergänglichen angelegt wurde, ist das Hakenkreuz in fast jedem Gedenkstein zu finden.
Dieser Gang nach Skansen lohnt sich für den Stockholmer seit vielen Jahren. Kann man daran nicht ermessen, was er erst dem Fremden zu bieten hat? In gleicher Sorgfalt, wie man uralte Bauernkultur des Nordens Wiederaufleben ließ, versuchte man auch das noch letzte, erhaltene Wild einzutreiben. So ist in diesem Naturpark der Wisent genau so zu sehen, wie seltene Exemplare aus der nordischen Dogelwelt bewundert werden können. Flink und scheu ist das Spiel ber wilben Ponys, hie sich übermütig hinter ben Koppeln tummeln. An ber schonen Aussichtsstelle von Skansen aber ist ein herrliches Cafe aufgebaut worben, auf besten Freilufttanzflächen bie Jugenb flirtet unb lacht. Unb zu ihren Füßen wälzt sich majestätisch der weite, breite Norrström.
Stockholm liegt bir zu Füßen...


