Nr. 60 viertes Matt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
11/12. März 1930
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Unsere Lugend muß gesund sein
Der HZ.-Arzt und die BdM.-Aerztin sind die besten Kameraden der Lugend
Der HJ.-Arzt als Kamerad. Hier wird der Gesundheitsbogen ausgefüllt.
(Aufnahmen |4|: Neuner, Gießener Anzeiger.)
Regelmäßige Messungen der Größe, des Gewichts und des Brustumfangs.
In der Sprechstunde findet sich mancher junge Kamerad beim HJ.-Arzt ein.
machen und sie zur Mit- ; arbeit anzuregen. Dies
Die Untersuchung — wichtiges Teilgebiet der Aufgaben des HJ.-Arztes.
heitsbefund der untersuchten Einheiten sowohl im Gesundheitsstammbuch als auch in dem Gesundheitspaß zu vermerken. Da der Monat März auch im Aktionsprogramm des „Jahres der Gesundheit" im Zeichen der Zahnuntersuchung steht, dürfte er zum Höhepunkt im Einsatz der HJ.-Zahnärzte und -Aerztinnett werden.
Mit der Durchführung der Aktion „Du hast die Pflicht, gesund zu sein" sind für jeden Stamm und Jungstamm zwei bis drei Aerzte beauftragt, die, zusammen mit der Führerschaft der HI., für das Wohl und die Gesundheit der Jugend verantwortlich sind. Erste Aufgabe des HJ.-Ärztes ist es, den
des jungen Körpers auftreten. Ebenso wichtig wie die Ueberwachung des HJ.-Dienstes ist die persönliche Aussprache des Jungen mit dem Arzt seiner Einheit. Hier sprechen sich zwei Kameraden, von denen der eine Hilfe sucht, die der andere gern gibt. Nach einer gründlichen Einzeluntersuchung, einer Aufklärung über gesundheitliche. Fragen kann der Arzt helfend eingreifen. Er kann eine kostenlose NSV.-Verschickung beantragen, oder er gibt Verhaltungsmaßregeln und Behandlungsvorschläge.
Ueber den einzelnen hinaus nimmt der Arzt Reihen - Untersuchungen und Reihen - Durchleuchtungen vor. Die Ergebnisse werden im Gesundheitsstammbuch und im Gesundheitspaß eingetragen, an Hand deren man sich jederzeit über die Gesundheit des Jungen vergewissern kann. Ganz besondere Aufmerksamkeit schenken die HJ.-Aerzte der Aufklärung über die verheerenden Folgen des Nikotins und des übermäßigen Alkoholgenusses. Vor allem appellieren sie an den Verstand und die Einsicht ihrer Kameraden, deren erste Pflicht es ist, sich gesund zu erhalten. Gesund sein heißt nicht nur nicht krank sein, sondern leistungsfähig an Körper, Geist und Seele
hcitszustand der BDM.-Mädel überprüft durch Ge- 1 sundheitsappelle, die jedes Jahr einmal stattfinden. 1 Das BDM.-Mädel sieht in seiner gesundheitlichen Betreuerin nicht nur die Aerztin; diese ist vielmehr Kameradin unter Kameradinnen, da auch sie am Dienst teilnimmt. Da die Aerztinnen somit den gesamten Dienst aus eigener Erfahrung kennen, so können sie auch die Anforderungen des Dienstes wirklich beurteilen. Weiterhin wird die gesamte Dienstplangestaltung ärztlich überwacht, und es ist somit Sorge getragen, daß Ueberanstrengun- gen vermieden werden. Der ganze BDM.-Dienst ist auf die Leistungsfähigkeit normaler, gesunder Mädel zugeschnitten, d. h. daß jedes gesunde Mädel den Dienst ohne Ueberanstrengung mitmachen kann. Wenn die Eltern merken, daß ihr Kind dem Dienst nicht ganz gewachsen ist, so sollen sie es ruhig melden, ja, so müssen sie es melden. Es wird dann sofort nachgeprüft, ob es vielleicht am Dienst liegt oder, was 'wahrscheinlich ist, an den Mädeln selbst. Es komnst ja häufiger vor, daß Mädel in den Wachstums- und Entwicklungsjahren nicht zu jeder Zeit gleichmäßig leistungsfähig sind. In allen diesen Fragen werden die Eltern gebeten, sich an die BDM.-Aerztinnen zu wenden. Es kann auch nichts schaden, wenn die Eltern hin und wieder selbständig einige Ueberlegung in gesundheitlichen Dingen walten lassen. Auf Wahrten z. B. wird immer wieder beobachtet, daß die Kinder zu schweres Gepäck mit sich führen. Es wird ihnen aus übertriebener Sorge alles mögliche eingepackt, überflüssige Lebensmittel oder Kleidungsstücke, so daß die Kinder nachher eine
wird von allen Aerztinnen, die dem BDM. angehören, ausgeführt, ferner von den BDM.-Zahnärztinnen, -Apothekerinnen und Gesundheitsmädeln. Wenn man von der ärztlichen Arbeit spricht, so denkt man im allgemeinen zunächst an Untersuchungen. Aber diese Untersuchungen der Mädel sind nur eine von den vielfältigen Aufgaben. Bei den Untersuchungen kommt es darauf an, zu entscheiden, ob ein Mädel für den Dienst volltauglich ist, d. h. ob sie den gan^n Dienst mitmachen kann ohne gesundheitliche Gefährdung, oder ob sie beschränkt dienstfähig ist, d. h., ob sie den Dienst nur in beschränktem Maße mitmachen kann.
Zur besseren Ueberwachung des Gesundheitszustandes hat der BDM. Gesundheitspässe eingeführr, die alle Mädel bekommen, die auf Diensttauglichkeit untersucht werden, und aus denen der jeweilige Gesundheitszustand zu ersehen ist. Dadurch ist es ein leichtes für Aerztin oder Führerin, sofort den Gesundheitszustand des Mädels festzustellen. Eine falsche Annahme wäre es, daß die BDM.-Aerztin- nen auch mit dem Behandeln kranker Mädel etwas zu tun haben. Dies ist Sache eines jeden Arztes. Der Dienst der BDM.-Aerztinnen ist Dienst am Gesunden und an der Gesunderhaltung. Wird bei den Untersuchungen eine vielleicht bisher verborgene Erkrankung oder ein früher nicht erkannter körperlicher Fehler entdeckt, so wird das betreffende Mädel sofort in ärztliche Behandlung geschickt. Dann ist es Sache des Mädels bzw. deren Eltern, dafür zu sorgen, daß dieser körperliche Schaden behoben wird. Dies ist z. B. ein Gebiet, auf dem die Eltern und Erzieher die gesundheitliche Ueber- roadjunq ihrer Kinder wirksam unterstützen können.
Zu diesem Zwecke wird auch laufend der Gesund-
Die Verkündung des „Jahres der Gesundheit" durch den Reichsjugendführer brachte vor allem der HJ.-Aerzteschaft ein erhöhtes Maß von Aufgaben, die durch eine Verteilung auf die einzelnen Monate eine leichtere Lösung finden. Denn würden alle für das Arbeitsjahr 1939 durch den Leitsatz „Du ha st die Pflicht, gesund zu sein" gesteckten Ziele durch die Führerschaft der Hitler-Jugend, insbesondere aber durch die HJ.- Aerzte insgesamt in Angriff genommen werden, so würde nicht nur die Berufstätigkeit der ehrenamtlich und freiwillig in der HI. diensttuenden Aerzte
ungsstellen in erster Linie die Mitarbeit der Eltern auf. Leider ist es bisher noch nicht gelungen, die Mitarbeit der Eltern und Jugenderzieher in größerem Umfange für diesen Gesundheitsdienst zu gewinnen. Aber diese Mitarbeit ist nötig, und es kann auf sie nicht verzichtet werden. Aus diesem Grunde ist gerade in diesem Jahre auch der BDM. bestrebt, die Eltern und Erzieher mit seiner Arbeit bekannt zu
die Gesundheitsverhältnisse ihrer Kinder aussprechen können.
Der Gesundheitsdienst in den einzelnen Gauen
Jungen ferner Einheit Kamerad zu sein. Er besucht geschieht am besten durch sie regelmäßig bei den Diensten und macht den Elternabende, in denen Einheitsführer auf etwaige Überanstrengungen auf- Eltern rückhaltlos merksam. Bei den Fahrten der HI. sorgt er für । mit den Aerztinnen über die nötigen Ruhepausen, so daß keine Schädigungen ■ •
leiden, sondern die Jungen und Mädel würden durch die Fülle der über sie hereinstürzenden Probleme in panischen Schrecken geraten, wenn ein i HJ.-Arzt nur schon von weitem auftauchte. i
Eine vordringliche Aufgabe ist seitens der Gesund- l heitsabteilung des HI.-Gebietes Hessen-Nassau be- | reite im ersten Monat dieses Jahres gelöst worden: । die Erweiterung der Gesundheitsdienstorganisation | im Hinblick auf die gesteigerten Anforderungen : durch die Jahresaufgabe. Rund 180 HJ.-Aerzte, i 200 BDM.-Aerztinnen. 50 HJ.-Zahnärzte, 25 BDM.- i Zahnärztinnen, 20 HI.-Apotheker und 20 BDM.- i Apothekerinnen standen am Abschluß des Monats : Januar zur Verfügung. Hierzu traten 1000 HJ.- Feldschere und über 1000 Gesundheitsdienstmädel des BDM. zum Gesundheitsdienst an der Jugend unseres Gaues an. Damit war der organisatorische Aufbau vollendet. Mit dem Monat Februar konnte die praktische Arbeit beginnen. In Elternabenden sprach die HI.- und BDM.-Aerzteschaft über den hohen Sinn des „Jahres der Gesundheit" und seine Auswirkungen für die Steigerung der Leistungskraft unserer Jugend. Diese Elternabende, meist als Ausspracheabende durchgeführt, sind bis zum Monatsende Februar in einer großen Anzahl von Standorten durchgeführt worden. In besonderem Maße wurde die Weiterbildung der Feldschere und Gesundheitsdienstmädel im Februar betrieben. Bei den Feldscherübungen hatten die HJ.- Feldschere Gelegenheit, ihre Fähigkeiten als die „guten Kameraden" der aktiven Einheiten unter Beweis zu stellen Allwöchentlich gilt es sowohl für die Aerzte als auch für die Apotheker der HI., den Feldscheren im Unterricht has Rüstzeug zu geben.
Die Erkenntnis der Wichtigkeit einer hinreichenden Zahnpflege für den gesamten Gesundheitszustand kommt in der Durchführung des diesjährigen „Gesundheitsappells der deutschen Jugend" im Monat März zur Geltung. Wenige Tage nur stehen der HJ.-Aerzteschaft zur Durchführung dieses Appells zur Verfügung. Ihre Festlegung erfolgt durch einen besonderen Befehl des Gebietsführers. Mit Hilfe der Aerzte des Amtes für Volksgesundheit wird es innerhalb weniger Tage möglich sein, den Gesund-
arbeiten zu können.
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Obwohl schon wiederholt die Gesundheitsüberwachung in den Jugendorganisationen Gegenstand der Berichterstattung war, soll doch hier in Anbetracht der außerordentlichen Wichtigkeit der Gesundheitsüberwachung der weiblichen Jugend diese einmal eingehender behandelt werden. An der Gesundung unserer Jugend tragen nicht nur Aerztinnen und Aerzte große Verantwortung, sondern auch das Elternhaus. Das Elternhaus ist die Keimzelle zur Erkennung sich etwa einschleichender Krankheiten, denn das Kind steht die meiste Zeit unter Ueberwachung der Eltern. Diese merken oft am ehesten, wenn sich Veränderungen im Wesen des Kindes einstellen. Darum fordern die ärztlichen Betreu-
Homan von Mlthcc ßlccpffcr.
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17. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Gel', da schauen S'? Der Bub von einer Besonnten. Ich hätt' ein bissel was in der Verwaltung ZU tun. Macht es Ihnen was aus, wenn ich den Kleinen so lange in Ihrer Obhut lasse? Vielleicht Lars er sich die Tiere ansehen?"
„Lassen Sie ihn ruhig da, Herr Baron. Wir wer- uben schon fertig miteinander, nicht wahr, du dünner Spatz? Auf Wiedersehen!" Als Herr von Tinser gegangen war, sagte der alte Mann freundlich: Komm nur, jetzt' zeige ich dir alles. Hier sind die Kaninchen und dort die Meerschweinchen und da Orüben die Mäuse.". Und er ging mit bem Mann- berl von Stall zu Stall und von Käfig zu Käsig. Als er tue leuchtenden Augen des Knaben sah, fragte er:
„Soll ich dir einen von den Hasen heraustun?"
„Bittschön", sagte der Bub zutraulich und hatte poft keine Angst mehr.
„So. Kannst ihn ruhig streicheln; er kratzt nicht."
„Gehören die alle dir?"
„Alle."
„Mußt du aber reich sein!"
„Es geht an."
„Wenn ich groß bin, kauf ich mir auch so viele Meerschweindeln und Hasen. Die Mäus' mag ich nicht besonders", erklärte das Mannderl ernsthaft.
Emil Gieseke lachte. Das war mal ein unterhaltsamer Junge! Schlank, weißblond und nicht auf den Mund gefallen, gute nordische Rasse. Gieseke mochte Kinder eigentlich gern; nur war mit Kindern nicht 3iel los hier im Werk.
„Wie heißt du denn, mein Junge?"
„Reimar-Dieter Gieseke. Aber die Paulamama lagt immer nur Mannderl zu mir", erzählte der Lud und strich dem Kaninchen die Haare glatt.
Da wurde ein alter Mann, der vor zehn Jahren •eine Tochter verstoßen hatte, plötzlich schwach in >en Knien. Eine unsichtbare Hand zog ihm das Kinn legen die Brust und machte ihm den Rücken krumm.
Er drehte sich langsam von dem Knaben weg und stierte in den Käsig von Eusebius.
Zehn Jahre sind eine Menge Zeit. Zum Nachgrübeln, zum Sichverbohren, aber auch zum Zweifelbekommen und Mürbewerden. Nach zehn Jahren ist manches anders als zu Anfang. Man kann feinen Groll nicht auf Flaschen ziehen, auch wenn man letzthin vor dem Baron so getan hat.
Ach so, der. Der hatte ihm den Buben ja hergeschleppt. Der kennt sie ja, die ... Paula. In zehn Jahren hätte die leicht ein gutes Wort finden können, wenn sie gewollt hätte. Aber nichts von Demut und Verzeihung, bloß Gekränktsein und Stolz. Was will sie heute, nach zehn Jahren, plötzlich mit ihrem Buben? Kann sie die gestohlenen Jahre ersetzen?
Gieseke richtete sich mit einem Ruck auf, machte eine Wendung und starrte mit harten Augen auf den Reimar-Dieter, der jetzt das Häschen zwischen den Löffeln traute.
Der Bub hat ganz ihre Augen, auch 'ihr Gesicht, wenigstens guckt dieser fremde Windhund nirgends raus, ging es Emil Gieseke durch den Kopf, und feine Augen verloren ein bißchen von dem harten Glanz.
„Haben die Hafen auch ihre Kinder lieb?" fragte das Mannderl arglos. „So wie mich die Paula lieb hat? Sag, Großvater."
Emil Gieseke zuckte zusammen. Seine jahrealter Groll war wie ein pomphaftes Gebäude, das an vielen Stellen unterhöhlt ist und nur auf den letzten entscheidenden Stoß wartet, um einzustürzen. Dieser Stoß war das Wort „Großvater", von einem ahnungslosen Kindermund ausgesprochen. Dieses „Großvater" war nicht eingelernt, sondern leuchtete auf wie ein Funken der Gnade.
„Sag, Großvater", drängte das Mannderl.
„Darüber habe ich noch nicht nachgedacht mein Junge aber es wird wohl fo fein" gab der alte Mann unsicher Auskunft. Das kam davon, daß man fo lange keinen Umgang mit Kindern gehabt hatte. Wie mager und blaß der Bub war! Vielleicht hatte er nicht genug zu effen. Gieseke strich dem Mannderl eine Haarsträhne aus der Stirn. „Willst du den Hasen da haben?"
„Furchtbar gern. Aber meinst nicht, daß er trauert, wenn er von den anderen wegkommt?"
„Dann müssen wir eben noch einen Spielkameraden herschaffen. Wie wär's denn mit dem da, diesem weißen?"
... So ein Bub, so ein herziger! ... Was kann denn der für die Geschichten der Eltern?
„Dank schön! So, jetzt sind es zwei, jetzt haben sie nicht Langeweile. Du bist ein guter Großvater, das wird die Paula freuen. Die sitzt jetzt in der Stadt und sorgt sich ab und wartet", plauderte das Mannderl mit den beiden Tierchen im Arm, einem braunen und einem weißen.
„So, und nun gehen wir mal in die Wohnung und sehen nach, ob nichts zu essen da ist", sagte Gieseke mit komischer Stimme. Sie klang, als seien verschluckte Tränen darin.
Als Tinser nach einer Stunde das Mannderl abholen kam, saß der Bub zwischen Gieseke und seiner Frau auf dem Sofa und hatte zwei Kaninchen auf dem Schoß. Auf dem gedeckten Tisch standen Kaffeetassen und Teller mit belegten Broten, zwischen denen das Mannderl Verheerungen angerichtet hatte. Frau Gieseke hatte feuchte Augen und ihr Mann knurrte:
„Wer hat denn das nun eigentlich angeftiftet, Herr Baron?"
„Ich, Herr Gieseke. Ich ganz allein. Ihre Paula hatte zuviel Angst. Kann ich den Buben jetzt wieder mitnehmen?"
„Den lassen Sie man getrost hier. Dem gefällt es ausgezeichnet. Es ist fo nichts los bei uns alten Leuten."
„Ja aber — was soll ich denn feiner Muller bestellen?" stotterte Tinser.
„Die kann ihn sich ja holen, wenn sie ihn wieder-- haben will!"
Als Tinser zur Paula zurückkehrte, machte sie eine ängstliche Miene. Haben Sie etwas erreicht, Herr von Tinser?"
„Alles. Das Mannderl sitzt zwischen seinen Großeltern, wird mit Butterbrot und Eingemachtem überfüttert, und es soll mich nicht wundern, wenn es morgen Bauchweh hat. Ich soll ausrichten, wenn Sie den Buben zurückwollen, sollen Sie ihn abholen. Wenn ich mich nicht irre, steht sogar noch eine unbenutzte Kaffeetasse auf dem Tisch", erzählte Tinser strahlend.
„Ach", sagte sie nur und es war ein. vogelhast zarter Wehlaut der Erleichterung.
„Kommen Sie. Wir flitzen hinaus. Zkis geht jetzt in einem Aufwaschen hin; ich bin gerade so schön in Schwung", drängte er.
Paula Gieseke erhob sich und drückte seine Hand.
„Sie sind ein guter Mensch, Herr von Tinser. Sie haben so viel für uns getan. Ich kann das nie vergelten."
„Sie dürfen nicht so übertreiben", erwiderte Tinser verlegen.
*
Als Tinser nach Seesham zurückfuhr, war der Sitz neben ihm leer. Denn Paula und das Mannderl waren in München geblieben; die alten Giefekes hatten die beiden nicht fortgelaffen. Tinser war beauftragt, dem Käptn auszurichten, er möge sich einige Tage allein behelfen. Tinfer hatte Paula nach reiflicher Ueberlegung geraten, in der Stadt einen Käufer für ihre zwei Boote zu suchen.
Tinser war auf dieser Heimfahrt in gehobener Stimmung. Seit er Wien im Rücken hatte, ging auf einmal alles gut, nein vortrefflich. Die Arbeit freute ihn, das mit dem argentinischen Geschäft hatte geklappt, er trug eine feste Anstellung in der Tasche, und auch das Intermezzo mit dem Mannderl war gelungen. Nur das mit Maxie Hegemann hatte nicht funktioniert. Nun — alles konnte der Mensch eben nicht haben. Wegen Maxie hatte er sich — leicht entflammt und leicht abgekühlt, wie er war — bereits getröstet, wenn schon er dem Mädchen gegenüber seine leidende Miene beibehielt. In Seesham angelangt, fuhr er sogleich nach der Garage; es war dort immer etwas dämmerig.
Plötzlich vernahm Tinser hinter sich eine Stimme, die ihm bekannt dünkte.
„Habe die Ehre, Herr Baron!"
Tinser vergaß die Zündung abzustellen, drehte den Kopf und erblickte zu seinem Verdruß Herrn Gaidl, jenen entlassenen Laboratoriumsdiener, der ihm damals in der „Puella" die tausend Schilling abgenommen hatte.
„Ja — was tun denn Sie hier?!" stotterte er verblüfft.
„Mich ein biffel nach Ihnen umschauen, Herr Baron", kicherte Gaidl verschmitzt. „Eigens wegen Ihnen hab ich den weiten Weg gemacht, hihi."
„Das verstehe ich nicht!"
(Fortsetzung folgt!)


