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Ur. 36 Drittes Blatt

Metzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

U./l2. Februar 1939

Landarbeit ist Ehrendienst am ganzen Volke!

Alle jungen Männer und Mädchen sind berufen, in den landwirtschastlichen Betrieben mitzuhelfen zur Sicherung unserer Ernährungsgrundlage.

(Line Unterredung des Gießener Anzeigers beim Arbeitsamt Gießen.

Aus der GtaDi Gießen, i

Wie wärs?

So um die 50 herum' fängt's an. Dor irgendeiner Feierlichkeit holen wir den besseren Anzug aus dem schrank und stellen fest, daß er nicht mehr so recht paßt. Wir merken, daß wir dicker geworden sind Wir haben Speck angesetzt. Wenn uns das Gewissen em wenig druckt, versuchen wir wohl, die Sache da­mit zu entschuldigen, daß wir sagen: Ja, ja, man wird alt! Das ist nun einmal nicht anders'

Wirklich? Ist nran mit 50 schonalt"? Gewiß nicht. Aber viele Leute glauben, int Winter dürfe man etwas Speck ansetzen. Im Sommer würde sich das dann wieder ausgleichen. Warum diesen Um» mcg?_ Äönnert mir im Winter nicht auch ein wenig oport treiben? Manche Buben und Mädchen werden lachen, wenn wir mit 50 Jahren noch von Sport sprechen. Laßt sie lachen!

Sagen wir also: Wollen wir uns nicht ein wenig mehr Bewegung machen! Wir dürfen nicht träge und unbeweglich werden. Mit dem Wetter darf man nichts entschuldigen. Bei jeder Witterung kön­nen wir hinaus in die frische Luft gehen. Wie schon ist es, wenn uns der Sturmwind umbraust! Die paar Tage, die wirklich ganzungenießbar" sind, können wir zählen. Selbst bei sehr kaltem Wetter müssen wir die richtige Kleidung vorausgesetzt für einige Zeit in die frisch Luft.

Die wärs mit der Morgengymnastik des Rund­funks? Du schüttelst den Kopf?Zu früh! Da bin ich noch nicht aufgestanden", sagst du.Auch sind die meisten Hebungen zu schwer." Das stimmt nicht immer. Dersuchen wir es einmal. Wir brauchen ja nicht alle Hebungen mitzumachen. Bald merken wir aber, daß das ein ganz schöner Tagesanfang ist. Zu Beginn der Hebungen dürfen wir uns nicht zu viel zutrauen. Aller Anfang ist schwer. Doch das Gefühl der Frische und Spannkraft entschädigt in reichem Maße. Wir dürfen uns nicht damit trö­sten, daß wir sagen:In den Sommermonaten ver­schwindet der Speck wieder." Wir müssen täglich an unsere Gesundheit denken und etwas für sie tun. Also fangen wir morgen schon nein, heute! mit derBewegung" an. Kein Alter, kein schwaches Herz, keine Müdigkeit und keine Bequemlichkeit vor­schützen! Regelmäßig spazierengehen, besser noch spazieren laufen! Das gemütliche Schlendern hilft nicht viel. Der Körper muß sich bei einem richtigen Spaziergang anstrengen. Wenn wir heim­kommen in das warme Zimmer, müssen wir kör­perlich müde sein. Aber unsere Lungen haben da­für den reinen Sauerstoff ausgenommen, unser Blut kreist schneller, wir haben gesunde Eßlust, und die Müdigkeit verschwindet bald. Unsere Nerven erholen sich.

Eine schlaflose Nacht hat einen schlechten Tag im Gefolge. Ehe wir uns zu Bett legen, öffnen wir die Fenster weit und atmen noch einmal einige Minuten die Nachtluft ein, lassen dabei vielleicht noch einmal die Tagesereignisse vor unserem Auge vorüberziehen und erfreuen uns an irgendeinem kleinen Erlebnis. AerZer und Mißstimmung dürfen in dieser Stunde nicht mehr aufkommen.

Am frühen Morgen dann ein Luftbad mit viel Bewegung, anschließend die Morgengymnastik des Rundfunks. Dann fühlen wir uns wohl, unsere Ar­beit macht uns Freude, und derbessere" Anzug paßt , auch wieder. Wie wärs? H.

Dornoiizen.

Tageskalender für Samstag.

Stadttheater: 20 Hhr,Die lustige Witwe". Gloria-Palast, Seltersweg: 14 Hhr:Symphonie des Nordens";Napoleon ist an allem schuld?" Lichtspielhaus Bahnhofstraße:Shirley auf Welle 303". DDAC.: KostümfestMit 1000 PS. um den Aequator" in sämtlichen Räumen des Gesell- schgftsvereins. Turner-Maskenball (Tv. 1846 und MTB.) in der Turnhalle am Oswaldsgarten. Stenographen-Maskenball im Cafs Leib.

Tageskalender für Sonntag:

Stadttheater: 11.30 Hhr Konzert Haydn Mozart. 19 Hhr:Die Tänzerin Fanny Elßler".

"Die Verhinderung der Landflucht und die Zurückführung der Menschen zum Lande ist eine staatspolitische Notwendigkeit erster Ord­nung. Dieses Problem kann aber vom Staat nicht allein gemeistert werden. Der National­sozialismus, das ganze Volk und die gesamte Volkswirtschaft müssen sich hinter diesen Wil­len stellen und daraus die notwendigen Schlußfolgerungen ziehen" ...Ohne Land­arbeit hungert das Volk!" ...Ohne Bauern­tum stirbt das Volk!" (Reichsbauernführer Darre in seiner großen Rede auf derGrü­nen Woche 1939" in Berlin.)

Wenn in diesen Tagen und Wochen Hunderte von Pflichtjahrmädels in Erkennung der Landarbeiter­not sich bereit erklären müssen, die Tätigkeit in den bäuerlichen Haushalten aufzunehmen, so mag die­ser Entschluß denjenigen Stellen, die mit der Land­arbeit und der Landarbeiterfrage zu tun haben, ein Beweis dafür sein, wie notwendig es ist, gerade d i e Kräfte, die vom Lande sind, auch wieder in der Landarbeit einzusetzen. Die Frage des Einsatzes in der Landarbeit muß und wird gelöst werden. Dar­über sagt das oben zitierte Wort in der Rede des Reichsbauernführers alles Notwendige. Durch die außerordentlich günstigen Arbeitsmöglichkeiten in der Bauwirtschaft und durch die anderen dringenden Bauvorhaben sowie durch den Aufschwung von Han­del, Gewerbe und Industrie werden tagtäglich Kräfte, die wertvolle Arbeit auf dem Lande leisten könnten, von dort abgezogen.

Die Lage in Oberheffen.

Im vergangenen Jahre mußten, um den aller- dringlichsten Bedürfnissen der Landwirtschaft Rech- nun zu tragen, in der Spitzenarbeitszeit der Land­wirtschaft etwa 400 italienische Landarbeiter und 200 Arbeiter anderer Nationalität in oberhessische bäuerliche Betriebe hereingenommen werden. In

Gloria-Palast, Seltersweg: 11 HhrSymphonie des Nordens"; zu üblichen Zeiten:Napoleon ist an allem schuld!" Lichtspielhaus Bahnhofstraße: Shirley auf Welle 303". Sitzungssaal des Stadthauses Bergstraße, 15 Hhr: Lichtbildervor­trag über die Kartoffelkäfer-Bekämpfung.

Stadllhealer Gießen.

Heute abend zu kleinen Preisen Aufführung der OperetteDie lustige Witwe" von Franz Lehar. Musikalische Leitung Heinz Markwardt. Spielleitung Gert Buchheim. Tänze Thea Maaß Die Vorstel­lung findet gleichzeitig als 8. Vorstellung für den KdF.-Feierabendring statt.

Svnntag, 12. Februar, 9. Morgen Veranstaltung des Stadttheaters,Eine Stunde Musik im Kostüm der Zeit", mit Werken von Haydn und Mozart. Leitung Heinz Markwardt. Anfang 11.30 Hhr, Ende 12.30 Hhr. Am Abend zu kleinen PreisenDie Tänzerin Fanny Elßler", von Johann Strauß. Musikalische Leitung Joachim Popelka. Spielleitung Gert Buchheim. Bühnenbilder Karl Löffler. Die Vorstellung findet außer Miete statt.

Dienstag, 14. Februar, Erstaufführung der großen OperDer Rosenkavalier", von Richard Strauß Musikalische Leitung Paul Walter. Spielleitung Hans Geißler. Dienstag-Miete, 20. Vorstellung.

Mittwoch, 15. Februar, ErstaufführungMinna von Barnhelm", Lustspiel von Lessing. Spielleitung Hannes Razum. Mittwoch-Miete, 19.'Vorstellung.

Freitag, 17. Februar, Hollywood", Komödie von R. Niewiarowicz. Freitag-Miete, 20. Vorstellung.

diesem Jahre sind die Anforderungen nach Arbeits­kräften bis jetzt auf über 1200 gestiegen. Wie viele Kräfte zur Erfüllung dieser Anforderungen in Wirk­lichkeit hereinkommen werden, ist im Augenblick noch nicht zu übersehen. Darüber hinaus besteht aber noch ein weiterer großer Bedarf an Kräften für die Landarbeiten. Der junge Mensch, der glaubt, daß er in der Stadt alles Heil vorfindet,

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mit gutem Appetit und Irischem Aussehen sind der Stolz der Mutter.

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übersieht und vergißt dabei, daß gerade die E r nährungsgrundlage auch d i e Grund­lage seiner Existenz in der Stadt ist.

Im kommenden Frühjahr werden alle Dienst­stellen der Partei, der Gliederungen und die Be­hörden in der Frage des Einsatzes von Arbeits­kräften auf dem Lande eng Zusammenwirken müs­sen. Die so oft ausgestellten Bescheinigungen von verschiedenen Stellen, daß dieser oder jener Grund für den Abzug aus der Landwirtschaft maßgebend sei, können für die Folge nicht mehr als ausreichend angesehen werden. Der Ortsgruppenleiter, der Orts- bauernführer, der Obmann der Deutschen Arbeits- ftont, der ^A.-Führer, der Vertrauensmann des Reichsbundes der Kinderreichen, der Bürgermeister

Samstag, 18. Februar, Zum erstenmal!Ballett­abend der Tanzgruppe." Chorographie Thea Maaß. Musikalische Leitung Heinz Markwardt. Außer Miete!

Sonntag, 19. Februar, Zum Karneval noch ein­mal mit karnevalistischen EinlagenDie luftige Witwe", Operette von Franz Lehar. Musikalische Leitung Heinz Markwardt. Spielleitung Gert Buch- heirn. Außer Mele!

Lichlbildervorlrag

Wien, die Stabt der deutschen Ostmark".

Zu dem nächsten Vortragsabend hat der Goethe- Bund in Verbindung mit dem Kaufmännischen Ver­ein den Direktor der Kunsthalle in Bremen, Pro­fessor Dr. Waldmann, zu einem Lichtbildervor- trag überWien, die Stadt der deutschen Ostmark" für Mittwoch, 15. Februar, verpflichtet. Der Vor­tragende wird in seinem Vortrag an Hand von prachtvollen Lichtbildern von der bescheidenen Bür- gerstadt des 15. Jahrhunderts, über das 16. Jahr­hundert zum Stadtbild des Frühbarock und des Hoch­barock bis zu den großen deutschen Baumeistern führen, die den großen deutschen Stil schufen.

Vortragsabend der kneippbervegung.

Der Ortsverein Gießen der Deutschen Kneipp- bewegung veranstaltet am Mittwoch, 15. Februar, 20 Hhr, im Katholischen Vereinshaus einen Vor­tragsabend. Frl. Floß (München) spricht überDie Kneippanwendung in gesunden und kranken Ta­gen".

usw. sie alle müssen das ihrige dazu tun, daß die Abwanderung vom Lande in die Stadt aufhört. Sonst wird das Land feiner sämtlichen, für die Landwirtschaft dringend, notwendigen besten Arbeits­kräfte entblößt, der Bauer steht in Haus, Hos und Stall mit seiner Frau allein und ist nicht in der Lage, die für die Volksernährung notwendigen Arbeiten zu leisten.

Im kommenden Frühjahr werden mit den staat­lichen Stellen und den großen Betrieben wie 4um Teil schon geschehen Vereinbarungen über die Einstellung von Arbeitskräften vom Lande, weibliche und männliche Personen, dahingehend ge­troffen werden, daß diejenigen bei der Besetzung von gewerblichen Stellen besonders berücksichtigt werden, die sich für die Landarbeit bereitroiüigft ein­gesetzt haben und immer wieder einzusetzen gewillt sind. Hnsere jungen Menschen müssen sich zu diesem Einsatz freimütig zur Verfügung stellen, da sie auf diese Weise einen großen Teil'ihrer Verpflichtung zum Dienst für die Gemeinschaft erfüllen können. Der junge Mann, der von der Landarbeit her zürn Arbeitsdienst und zur Wehrmacht kommt, findet dort ohne weiteres vielerlei Möglichkeiten zur guten Erfüllung feines Dienstes und auch für sein weiteres Fortkommen.

Nunmehr ergeht vom Arbeitsamt Gießen an alle jungen Mädchen, die jetzt ihr Pflichtjahr zu er­füllen haben, die Aufforderung, sich noch in diesem Monat und zwar je früher je besser bet den für ihren Wohnort zuständigen Dienststellen des Arbeitsamtes zu melden, damit sie rechtzeitig in das Pflichtjahr auf dem Lande eingeteilt werden können. In Zusammenarbeit mit den Dienststellen des Reichsnährstandes wird vom Arbeitsamt Gießen gesichert, daß die für den Einsatz der Mädchen in Betracht kommenden bäuerlichen Haushaltungen in jeder Beziehung einwandfrei sind. B.

©er neue Pfarrer

der katholischen Gemeinde.

Mit Wirkung vom 1. Febr. d. I. wurde Pfarr­verwalter und Studentenseelsorger Karl Joseph De ufter zum Pfarrer der katholischen Kirchen, gemeinde zu Gießen ernannt. Am 12. Februar wird er von der kirchlichen Behörde in fein Amt eingeführt.

Der neue Pfarrer wurde am 11. März 1899 zu Mainz geboren, besuchte drei Jahre die Volks­schule, dann die Oberrealschule und das Alte Gym­nasium in Mainz und studierte am Pviestersemi- nar in Mainz katholische Theologie. Er empfing un Jahre 1925 zu Mainz die Priesterweihe. Seel­sorgerisch tätig war er in Erbach i. O. von 1925 bis 1927, am Dom zu Worms von 1927 bis 1932, feit 1932 wirkt er als Kaplan in Gießen. Am 9. Dezember 1938 wurde er nach dem Tode des bisherigen Pfarrers und Dekans, Geistlichen Rates und Ehrendomkapitulars Johannes Bayer zum Pfarrverwalter ernannt. Er kämpfte als Muske­tier im JR. 447 in den Jahren 1917 und 18 bei Reims und Verdun und geriet bei Peronne 1918 in Gefangenschaft.

(Siebener Wochenmarkkpreise.

* Gießen, 11. Febr. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Markenbutter, % kg 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10 Eier, deutsche, Klasse 8 15, Klasse A 14%, Klasse B

Drei Menschen.

Von Karl Heinrich Waggerl.

Das ist cttso Anita, so sieht sie aus! Eine glatte braunäugige Frau unter der breiten Krempe ihres Strohhutes, und Strümpfe hat sie wohl gar keine an oder find es doch Strümpfe? Sie sitzt schon vor dem Haus und trinkt Milch, während der Mann flott über den Anger her angeraffelt kommt. Fröh­lich und hübsch sitzt sie da in ihrem hellen Kleid.

Der Mann spannt aus und stellt das Pferd ein: nach einer Weile kommt die Frau, blank gekämmt und bei Gott nicht übel in ihrem bunten Zeug.

Ja wie und was?"

Wie und was, sie heißt Anita und ist die Frau eines Ingenieurs, und sie bleibt da, so lange es schön und warm ist, sagt sie zu den Bauersleuten.

Aber ihr dürft euch nicht stören lassen", bemerkt Anita,das bitte ich mir aus. Ich will nur Milch trinken und schlafen, sonst brauche ich nichts. Hnd Wenn du mir jetzt mein Zimmer zeigen willst..."

Das Zimmer. Der Mann hat ja wohl ein Zimmer für die fremde Frau, aber er ist trotzdem ein wenig nn Verlegenheit, er hat sich allzusehr hinter Geheim­missen verschanzt. Mir war immer, du hättest nur eine Werkstätte da oben? wird die Frau vielleicht jsagen. Hebrigens ist auch die Treppe gar nicht fertig. Anita muß noch ein Stück auf den Anger hinaus» Zehen, bis er die Pfosten angelehnt und festgenagelt hat. Die Treppe kommt zwischen Haus und Stall 3u liegen, auf die Tenne gewissermaßen, es sieht ganz gut aus, eine behäbige Stiege in den ersten Stock.

Wenn wir das Wandbrett da weghängen", sagt der Mann später in der Küche,dann hättest du gerade Platz für einen Kasten, wie ich ihn oben jabe."

Sp! 5)aft du oben einen Kasten? Das weiß ich licht, was du alles in deiner Werkstätte hast!"

Ach ja, es ist schwer; da liegt nun auch ein icerer Strohsack in der neuen Kammer.Du bringst rembe Leute her", sagt die Frau unbarmherzig, und denkst nicht, daß ich ja mein bestes Leintuch habe zerschneiden müssen. Nein, wahrhaftig und Das sonst noch alles nötig ist, ein Tisch doch wenigstens..."

Das nicht, ein Tisch ist oben.. "

Darauf hatte die Frau nichts mehr zu sagen. Wortlos nimmt sie Wäsche aus ihrem Koffer, in Lottes Namen, es ist ja nicht mehr viel. Hnd Dann seht sie über die neue Treppe hinauf, in die Kam­mer der fremden Frau. k

Der Mann kriecht in den Heuboden und hott dort etwas, einen Spiegel. Den nagelt er über den Wäschekoffer der Frau. Er war ja eigentlich auch für die neue Stube bestimmt, aber nein, mag er da hängen!

Die Frau kann nicht lange böse sein, das ist das beste an ihr. Sie ist wie ein Wasser, das sich schnell ein wenig kräuselt, aber in der Tiefe bleibt es ruhig und klar. Später holt sie sogar ein paar Blumen aus dem Garten. Ja, das kann sie tun, die aute Seele. Hnd Anita, die gute Fee, hat nicht vergessen, an die Frau... Die Frau ist glücklich mit ihren Handschuhen aus grauem Wildleder, sie sind nicht ein bißchen zu eng.

^Ach", sagt Anita,da habe ich nun wirklich diese Schuhe eingepackt, daß es nur möglich ist?" Sie sind ganz neu, aber zu klein, Anita kann sie nicht tragen.Versuch du es einmal", sagte sie zur Frau, ich möchte wissen, ob dir diese Schuhe passen!"

Nein, die Frau kann auch nicht hineinschlüpfen, aber sie zieht den dicken Strumpf aus, und da geht es leicht, seht nur her! Nun, und dann muß die Frau die Schuhe auch gleich behalten, es ist unnütz, lange davon zu reden.

Das ist gut und aufmunternd, einen Gast in der Einöde zu haben, aber vieles ist auch neu und schwierig und muß lange überlegt sein. Am frühen Morgen stampft Simon über die Treppe hinaus und klopft. Nein, um Gottes willen, jetzt darf er nicht hereinkommen. Anita wäscht sich. Was tut sie? Sie badet, das kann man auch.

Der Mann geht zur Frau und bespricht sich mit ihr.Was meinst du", sagt er,wegen des Schwei­nes es ist wohl hoch an der Zeit, daß wir es schlachten?"

Herr, mein Gott. Die Frau zweifelt wirklich, ob der Mann der ist, der den Weizen anbaute, wenn er jetzt das Schwein schlachten will! Es muß noch wenigstens einen Finger breit Fett ansetzen, wo es doch nun Rüben gibt und Kartoffeln und aller­lei!

Ja, ja, aber der Mann geht doch den ganzen Vormittag umher mit lauter Mord im Gesicht, und wenn Anita zu Mittag nur ein wenig länger an dem Schaffleisch gekaut hätte, so wäre das Schwein nicht mehr zu retten gewesen!

Anita ist den ganzen Tag unterwegs, man sieht sie bei den Tieren auf der Wiese oder sie singt irgendwo im Wald, und manchmal kommt sie auch an den Bach und schaut zu, wie der Mann ein Mühlrad baut. Die Frau steht auf dem Anger und muß zuweilen zweimal rufen, ehe die beiden zum Essen kommen.

Die Frau tut ihre Arbeit und ist doch nicht wie1

sonst. Ein wenig bekümmert ist sie, auch das bunte Zeug hat sie wieder abgelegt. Der Mann ist drau­ßen, Anita ist draußen, früh und spät. Einmal liegt Anita unten beim Bach, sie hat sich des Mannes Rock unter den Kopf geschoben und schläft. Aber am Abend nimmt die Frau ein hellbraunes Haar vom Aermel des Mannes, noch eins. Oh, viele hellbraune Haare!

Du hast deine Handschuhe bei mir oben verges­sen", sagt Anita am nächsten Tag.

Ja, ja, die Frau hat allerlei in der neuen Stube erfahren müssen. Sie hat zum Beispiel Anitas an­dere Schuhe probiert, es gab ihr einen bösen Stich, als sie dahinterkam, daß alle zu klein für sie waren!

Anita ist jung und schlank und schön, ein Feder­chen, eine leichte Wolke.

Der Mann muß in das Kar hinaufsteigen, um seine Schafe zusammenzusuchen. Anita geht mit ihm

Sie klettern umher, und der Mann ruft, er hat Salz in der Tasche, damit lockt er die Tiere und hält sie an sich.

Dann liegen die beiden irgendwo auf einer war­men Felsplatte und essen von dem Rauchfleisch, das der Mann mitgenommen hat, von dem Brot aus seiner Tasche. Anita ftreeft sich hin und dehnt ihren Leib. Man sieht die junge Brust unter dem dünnen Stoff. Dem Mann wird es ein wenig warm in der Sonne, er schnauft, und fein Blick verfängt sich an den vielerlei Falten und Rundungen des Hellen Kleides. Wahrhaftig, Anita errötet vor dem Manne!

Gehen wir jetzt?" jagt sie, und der Mann ist selbst froh, daß sie sich nun auf den Weg machen wollen.

Es wird schon Abend, ehe sie wieder Heimkommen. Aber die Frau ist nirgends zu sehen.

Ach ja, die Frau hatte alles wohlvorbereitet, allein und verlassen, wie sie war, bestellte sie noch das Haus. Bis zum letzten Atemzuge tat sie ihre Pflicht. Sie nahm auch den Ring von der Hand und streifte ihn über, ein gelbes Tuch, das sie einst vom Mann bekam ein Andenken für den Mann, wenn er nach Haufe kam und vielleicht doch ein wenig be­kümmert war, ein bißchen traurig über den Ver­lust ...

Der Mann stürzt in die Stube. Da liegt etwas auf dem Tisch. Ein winziges rotes Ding auf einem Berg von Tüchern, es rührt sich auch und kräht wie ein junger Hahn. O Gott, da liegt es wahr und wahrhaftig, ein lebendiges Kind, ein Knabe, soviel der Mann sehen kann.Hehe!" sagt der Mann und verschluckt sich auch gleich an seinem dummen Ge­lächter.

Die Frau liegt in der Kammer und ist so weiß wie das Leintuch, aber man darf Wohl schon einen

Augenblick zu ihr gehen und mit der Hand über die Decke streichen.

Mann", sagt die Frau,willst du mir wohl meinen Ring wieder anstecken?"

Hochschulnachnchten.

Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Hermann Thiersch, Ordinarius für klassische und palästi- nenstsche Archäologie an der Universität Göttin gen, wurde wegen Erreichung der Altersgrenze von den amtlichen Verpflichtungen entbunden. Ge­heimrat Thiersch, der aus München stammt, wo er sich 1903 auch habilitierte, wurde 1874 geboren. In Göttingen war er seit 1918 tätig. Er ist ordentliches Mitglied der Gesellschaft der Wissenschaften zu Göt­tingen.

Professor Dr. Otto Zietzschmann, Ordinarius für Anatomie, Histologie und Embryologie an der Tierärztlichen Hochschule Hannover beging seinen 6 0. Geburtstag. Er habilitierte sich 1902 in Dresden. 1906 wurde er nach Zürich berufen und dort ein Jahr später zum Ordinarius für Veterinär­anatomie ernannt. 1924 erfolgte seine Berufung nach Hannover, wo er auch Direktor des Anatomischen Instituts ist. Seit 1915 gibt Professor Zietzschmann dieJahresberichte der Veterinärmedizin" heraus^ Er ist Mitglied der Leopoldina in Halle. Sein Haupt­arbeitsgebiet ist die Anatomie der Sinnesorgane uni) der Haut, sowie die Entwicklungsgeschichte der Haut- organe, ferner Geschlechtszyklus und Anatomie des Hundes. Zietzschmann behandelte auch das Problem der eineiigen Zwillinge sowie die Entwicklung des Horns der Wiederkäuer.

Professor Dr. Fritz Wilke, Ordinarius für alb testamentliche Wissenschaften in Wien, vollendete fein 6 0. Lebensjahr. Wilke habilitierte sich 1905 in Greifswald als Privatdozent für alttestamentliche Wissenschaften. 1908 wurde er nach Königsberg be­rufen, 1909 nach Wien, wo er ein Jahr später Ordinarius wurde. Im selben Jahre wurde ihm der Dr. thedl. h. c. verliehen. Wilke ist Mitglied verschie­dener wissenschaftlicher Gesellschaften.

Der Dozent Dr. med. dent. Herbert Hofrath an der Medizinischen Akademie Düsseldorf wurde zum nb. ao. Professor ernannt. Er vertritt das Fach der Kiefer-- und Zahnheilkunde.

Der Ordinarius der Englischen Philologie an der Wirtschaftshochschule Berlin, Professor Dr. phil. Heinrich Spies, ist wegen Erreichung bet Alters­grenze mit Ablauf des Wintersemesters 1938/39 von den amtlichen Verpflichtungen entbunden morden«