Nr. 36 Erstes Blatt
189. Jahrgang
Samstag, H./Sonntag,12.Zebrriar 1939
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Die Besetzung der Insel Hainan durch die Japaner.
Am Freitagmorgen haben die Japaner die chinesische Insel Hainan, die Französisch-Jndochina vorgelagert ist, militärisch besetzt. Der japanische Admiral Kanazawa hat in Tokio offiziell erklärt, die Besetzung habe den Zweck, die W a f f e n z u - fuhr durch chinesische Dschunken von Hainan aus in die südwestlichen Provinzen Chinas zu unterbinden. Heber die Dauer der Besetzung sei noch keine Entscheidung getroffen worden. In Paris wirkte diese Besetzung geradezu alarmierend, aber auch England mischte sich sofort ein. Unterstaatssekretär Buller wies darauf hin, im Juni vorigen Jahres seien die englische und die französische Regierung
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gemeinsam in Tokio vorstellig geworden, um eine Besetzung dieser Insel zu verhindern. Sollten sich Komplikationen ergeben, so führte Buller aus, dann würden sich England und Frankreich so unterstützen, wie dies erforderlich wäre.
Es ist zu verstehen, daß die Engländer, die durch die im vorigen Jahre erfolgte Besetzung Kantons durch die Japaner und damit die Umnöglich- machung der Versorgung Tschiangkaischeks mit Kriegsmaterial über Hongkong in Aufregung geraten, aber an und für sich ist die Insel Hainan unbestritten chinesisches Gebiet, Japan hat eine kriegerische Auseinandersetzung mit Tschiangkaischek, der China repräsentiert, und diese Besetzung liegt also im Zuge der kriegerischen Maßnahmen Japans, ohne daß sich die Briten und Franzosen, wenn sie wirklich neutral fein sollten darin einzunnschen hätten. Im Juni vorigen Jahres besetzte Frankreich plötzlich die Paracel-Inseln, die der Insel Hainan im Süden vorgelagert sind, auf Veranlassung des Kolonialministers Mandel, der nicht nur die Lieferung von Kriegsmaterial an die chinesischen Truppen begünstigte, sondern auch im März 1938 ein Geschwader und zahlreiche Truppen nach Indochina entsandte, um diese Kolonie gegen Japan zu „sichern". Die Paracel-Inseln waren unzweifelhaft chinesisch, aber Frankreich setzte sich darüber hinweg und begründete seine Besetzung mit „strategischen Interessen". Damals versuchte Paris Tokio zu beschwichtigen, es handele sich gar nicht um eine militärische, sondern um eine — meteorologische Truppe, die diese strategisch wichtigen Inseln gewissermaßen aus wissenschaflichem Interesse annektiert hätten. Aber das strategische Interesse konnte sich doch nur gegen Japan richten, und Japan hat jetzt seinerseits sein strategisches Interesse für Hainan betont.
Diese große südchinesische Insel, der südlichste Teil Chinas, hat nur etwa 50 000 Einwohner, sie hat gute Häfen, sie quillt gewissermaßen von land- wirtschafllichen Produkten über und besitzt auch einige kaum ausgedeutete Gold-, Silber- und Zinnlager. Im Jahre 1898 hatten die Franzosen ihre Fänge nach Hainan ausgestreckt, aber die damalige chinesische Regierung leistete Widerstand, so daß Frankreich sich schließlich zurückzog. 1907 kam zwischen Japan und Frankreich das jetzt vielbesprochene Abkommen zustande, in dem sich die beiden Staaten dahin verständigten, die Insel nicht ju besetzen. Aber abgesehen davon, daß China, über dessen Fell es doch Hergang, bei diesem Abkommen nicht beteiligt war, hatte es nur einen zeitlich bedingten Zweck. Jetzt, wo Japan ein vitales Interesse daran hat, Tschiangkaischek die Waffenzufuhr abzuschneiden, haben sich natürlich diese Umstände radikal geändert.
Die Besetzung ohne Schwierigkeiten vollzogen
Schanghai, 10. Febr. (DNB.) Der Vormarsch der japanischen Truppen auf der Insel Hainan vollzieht sich ohne Schwierigkeiten. Vom japanischen Oberkommando wird die chinesische Besatzung der Insel auf wenige hundert Mann reguläre Truppen und rund 10 000 Mann schlecht ausgerüsteter Miliz geschätzt. Die chinesischen Truppen, deren Oberbefehlshaber General Changta zur Zeit aus dem Festland weitt, haben sich nach dem ersten Zusammenstoß vom Nordufer der Insel, wo die Hauptmacht stationiert war, in das mit Urwald bedeckte gebirgige Innere Hainans zurückgezogen. Den japanischen Truppen, die am ersten Tage fast 100 Kilometer zurücklegten, wird kein Widerstand geleistet. Die Städte K i u n g t s ch a u und H a i h a u , die von etwa zwei Dritteln der Bevölkerung unter Zurücklassung von Hab und Gut geräumt wur
den, befinden sich fest in japanischer Hand, nachdem die Forts bei Haihau zum Schweigen gebracht worden waren. Der Oberkommandierende der japanischen Landungstruppen hat einen Aufruf an die Bevölkerung der Insel gerichtet, an ihren Wohnsitzen zu bleiben und Ruhe ihren Geschäften nachzugehen. Rücksichtslose Schärfe werde nur gegen die zur Anwendung kommen, die dem japanischen Vormarsch Widerstand leisteten.
Kontrolle
der südchtnesjschen Küste.
Tokio, 10. Febr. (DNB.) Die Besetzung Hainans beurteilt man in Tokio als Entschluß des Hauptquartiers, die Blockade Südchinas wirksamer zu gestalten und eine seestrategische Basis zur Kontrolle der Bucht von Tonking und der nördlich von Hainan gelegenen Kwaichow-Bucht zu schaffen. Wichtig ist Hainan ferner als Ausgangspunkt für militärische Operationen nach der Kwangsi-Provinz und als Flugbasis. Nach Besetzung Hainans werden alle wichtigen Verkehrslinien zwischen Südchina und Französisch-Jndochina und Singapur durch japanische Marine kontrolliert werden.
Mit Interesse beobachtet man, welche Haltung dritte S t a a t e n, insbesondere Frankreich,
abs. London, 10. Februar.
„Die Araber haben niemals anerkannt und werden niemals die Balfour-Erklärung oder das Mandat in Palästina anerkennen." Mit diesen Worten hat a m a l E f s e n d i H u s s a i n i am 9. Februar auf der ersten Arbeitstagung zwischen der englischen Vertretung und der arabischen Abordnung die Haltung des Arabertums zur Palästinafrage umrissen. Auf Grund eines Hebereinkommens mit her englischen Regierung wurde seine Erklärung erst am Freitagnachmittag veröffentlicht. Der Sprecher des Arabertums hat am 9. Februar die Hauptbeschwerdepunkte seiner Volksgenossen inhaltlich folgendermaßen zusammengefaßt:
1. Die während des Weltkrieges versprochene Hnabhängigkeit Palästinas ist nicht erfüllt worden. Nach feiner Verstümmelung wurde das Heilige Land unter das Regime einer „unverantwortlichen bürokratischen Herrschaft gestellt, bei der der zionistische Einfluß vorherrschend war und die Einleitung von Ausnahmemaßnahmen verursachte. Diese Maßnahmen haben die natürlichen und politischen Rechte des Arabertums verletzt.
2. Das Arabertum wendet sich gegen die Zulassung einer großen Anzahl jüdischer Emigranten fremder Zunge, Gebräuche,'Mpral und Lebensansichten. Dem Arabertum wurden dadurch die ihm zustehenden Handelsmöglichkeiten genommen und wirtschaftlicher Schaden zugefügt. Die Juden genossen demgegenüber außergewöhnliche Vorteile und Begünstigungen, insbesondere im Hinblick auf die Ausbeutung der Naturschätze des Landes, von der das Arabertum ausgeschlossen wurde.
I einnehmen werden, da ja bereits gelegentlich der Besetzung der südlich Hainans gelegenen Paracel-Inseln durch Frankreich die Frage einer Besetzung-Hainans durch Japan als „unvereinbar mit der Sicherheit von Französisch-Jndochina" bezeichnet wurde. Der Sprecher des Außenamtes erklärte, daß die Besetzung nicht gegen das französisch-japanische Abkommen aus dem Jahre 1907 verstoße. Das Abkommen sei da- inals geschlossen worden, um innere Unruhen in China zu verhindern, da unter der damaligen Tsing-Dynastie die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung unmöglich gewesen sei. Seit jener Zeit hätte zwar die innere Hnruhe Chinas ständig abgenommen, aber im gegenwärtigen Konflikt sei Hainan eine wichtige chinesische Operationsbasis geworden. Die japanischen Operationen verfylgten lediglich den Zweck, die militärischen Kräfte der Chinesen zu vernichten. Es handele sich daher um eine Angelegenheit, die nichts mit der Frage der Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung, wie damals im Abkommen von 1907 festgelegt wurde, zu tun habe. Die Note, die zwischen Frankreich und China 1897 über eine Eer - Hinderung der Einmischung dritter Staaten in Südchina ausgetauscht wurde, beziehe sich nur auf China und Frankreich und fei daher nicht bindend für Japan.
3. Das Arabertum beschwert sich gegen die Erleichterungen, die dem Judentum unter zionistischem Druck in Palästina auf dem Gebiet des Landankaufs gewährt wurden, ohne daß dabei der heimischen Landwirtschaft ein gerechter Schutz zu- kam. Diese Taktik führte innerhalb des Arabertums zu einem ernsten Landhunger.
Rach diesen Beschwerden hat das Arabertum vier Forderungen folgenden Inhalts vorgebracht:
1. Anerkennung des arabischen Rechts, die Unabhängigkeit des Landes zu vervollständigen.
2. Aufgabe des Versuchs, in Palästina ein Rationalheim für die Juden einzurichten.
3. Fallenlassen des Mandats und aller Ungesehmäßigkeiten. die aus dem Mandats-Status erwachsen. Das Mandat soll erseht werden durch einen Vertrag, ähnlich dem, der zwischen England und dem Irak abgeschlossen wurde. Damit soll Palästina zu einem souveränen arabischen Staat erhoben werden.
4. Sofortiges Abstoppendergesamten jüdischen Einwanderung und des Verkaufs von Land an die Judenschaft.
In der Begründung dieser Forderungen heißt es: „Die Araber glauben, daß ihre Sache auf den
Oie letzte Phase.
D>e Weihnachtsoffensive General Francos hat ihr letztes Ziel erreicht. Ganz Katalonien ist im Besitz der nationalspanischen Truppen, nachdem die Trümmer der roten Armee Barcelonas in wilder Flucht die französische Grenze überschritten haben und in Konzentrationslagern interniert worden sind. Dieser außerordentliche Erfolg der nationalspanischen Waffen war weder der Zeit noch dem Umfange nach vorauszusehen, als Francos Armeen vor nunmehr annähernd sechs Wochen aus den Mitte April vorigen Jahres erreichten Linien längs der Flußläufe des Segre und des unteren Ebro in drei Stoßgruppen gegen die roten Stellungen vorbrachen. Die ersten Erfolge hatte der Vorstoß der südlichen Gruppe im Raume zwischen Lerida und der Küste. Das alte Tortosa, unweit der Ebro-Mündung, fiel in die Hände des marokkanischen Armeekorps des General Pague, weiter links drangen die Navarra-Brigaden des Generals Moscardo aus dem Abschnitt von Asco Mitte Januar auf Tarragona vor. Schwieriger war die Offensive ösllich von Lerida, da hier die Roten besonders starke Befestigungen angelegt hatten, und je weiter die Operationen in das Gebirge gelangten, je mühsamer wurde der Vormarsch für die Truppen, die bei rauhem Winterwetter das gebirgige Gelände überwinden mußten. Trotzdem gelang es den natio- nalfpanifchen Generalen in planvollem Zusammenwirken überraschend schnell durch Vordrängen auf den Flügeln die Roten zum Rückzug aus chren starken Stellungen vor Lerida zu zwingen, ohne ihnen Zeit zu lassen, in den mehrfachen starken Verteidigungsgürteln, die vor Barcelona angelegt worden waren, sich festzusetzen. Bereits am 21. Januar wird Igualada, die erste große Stadt der eigentlichen Provinz Barcelona, erobert und im Süden von Tarragona her bis Vendrell' vorgedrungen. Schon wenige Tage später, am 26. Januar, befindet sich Barcelona selbst im Besitz der nationalspanischen Truppen. Gleichzeitig geht auch weiter nördlich der Vormarsch unaufhaltsam weiter über Manresa, Tarrasa und Sabadell, während an der Pyrenäenfront, die die bedeutendsten Schwierigkeiten bietet, es gelingt, schon in den letzten Januartagen das Gebiet von Seo de Urgel zu erreichen. Am 4. Februar fällt 0 e r o n a , die letzte bedeutende Stadt Kataloniens, in die Hände Francos. Von der Küste bis in das Pyrenäengebirge sind die Roten auf das winzige Reststück östlich der Linie Palamos—-Gerona—Dich—Seo de Urgel beschränkt. Eine Woche später weht die rot-goldene Fahne des nationalen Spaniens an der französischen Grenze. In diesem letzten Abschnitt des katalanischen Feldzuges kann von Kämpfen nicht mehr die Rede sein. In wilder Flucht suchen sich die Trümmer der völlig aufgelösten roten Armee ihren Verfolgern durch den ©remüberfritt nach Frankreich zu entziehen. Den Truppen General Francos bleibt hier nur noch die Aufgabe, das Gebiet von einzeln herumstreifenden roten Banden zu säubern.
Für Frankreich ist durch den Hebertritt von annähernd 200 000 Mann, unter denen sich freilich viele Zivilisten befinden, die die roten Milizen aus ihrer Flucht ostwärts rücksichtslos vor sich fjertrieben und die nun über Hendaye wieder auf national- panisches Gebiet zurückbefördert werden, eine chwierige Lage entstanden. Pariser Blätter erinnern an den Hebertritt der ftanzösischen Ostarmee des Generals Bourbaki auf schweizerisches Gebiet am 1. Februar 1871, nachdem die Entsetzung Bel- crts mißglückt war und Bourbaki von den "Truppen der Generale Werder und Manteuffel über Besan^on in den Schweizer Iura abgedrängt worden war. Die Parallele hinkt, da es sich bei der Armee Bourbakis um reguläre französische Truppen handelte, die gegen einen auswärtigen Feind im Felde gestanden hatten, während die jetzt auf fran-
natürlichen Rechten eines Volkes beruht, im ungestörten Besitz seines Landes zu bleiben und weiter auf dem natürlichen Wunsch, die- em Volke seine nationale Existenz zu ichern und dafür zu sorgen, daß diese" Existenz gewährleistet und entwickelt wird in Frieden und in Harmonie mit den Traditionen und Idealen des Arabertums. Die Bedingungen des Mandats waren das Ergebnis einer fangen Beratung zwi- । scheu der englischen Regierung' und den zionistischen Juden. Die Araber, deren Land auf dem Spiele stand, wurden absichtlich von dieser Beratung ausgeschlossen . . . In zwanzig Jahren ist die jüdische Einwohnerschaft in Palästina von sieben au.f neun- undzwanzig Prozent gestiegen. das heißt bei einer Gesamtbevölkerung von 1 400 000 von 53 000 Juden auf 400 000. In der gleichen Zeit stieg der jüdische Landbesitz seit 1918 von 151000 Acres auf 333 000 bei einem zur Verfügung stehenden Gebiet von 1 750 000 Acres".
Die Verhandlungen zwischen der englischen und der jüdischen Abordnung wurden Freitag fortgesetzt. Die Gespräche mit den Arabern sollen am Samstag wieder ausgenommen werden. Einiges Rätselraten herrfcbt hier über die Teilnahme des Vertreters der Nationalen Verteidigungspartei. Ragheb Bey Nashashibi. In seiner Hm- gebung äußerte man sich am Freitagnachmittag, Nashashibi, der zur Zeit krank ist, „könne unter Umständen für d i e Dauer der Gespräche krank fein". Damit scheint sich die Palästinakonferenz ihrer zweiten Krise zu nähern. Das Fernbleiben Ragheb Bey Nashafhibis von der Konferenz — wegen „Erkrankung" — wird als ein Anzeichen dafür gewertet, daß innerhalb der Arabischen Verteidigungspartei keine restlose Einigkeit herrscht.
Die neue Lustverteidigungszone
Hinter dem Westwall des Heeres wurde im Zuge der Grenzsicherungen auch eine große Lust- verteidigungszone West errichtet. Sie sichert das Reich gegen jeden Lufteinfall. Die Stellungen mit zahlreichen leichten und schweren Flakgeschützen, Scheinwerfer-Batterien und Luftsperr- verbänden sind bis zu 60 Kilometer tief gestaffelt. Unfere Aufnahme zeigt einen Ausschnitt aus einer der zahlreichen Scheinwerfer-Batterien der Festungs-Flak, die so gegliedert sind, daß sie eine dem Wirkungsbereich der Flakgeschütze (hinten links) entsprechende L e u ch t z o n e bilden. Im Vordergrund rechts sieht man die Strohtarnung für den Zugang zu einem unterirdischen, völlig gepanzerten Hnterstand. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
Die Forderungen der Arader auf der Palästina-Konferenz.
Palästina soll ein unabhängiger arabischer Staat werden.


