Bücher vom Großen Krieg
Buntes Allerlei
Oie „Schöne Helena" unter den Indianern.
Das „Diario de Sao Paulo" veröffentlicht einen Bericht aus Belern im nordbrasilianischen Staat Para, in dem von Kämpfen um eine sehr schöne junge Frau, Jdalia Ribeiro, die an den Streit um die „Schöne Helena" bei Homer erinnern, erzählt wird. Sie wohnte mit ihrem Geliebten in einem Dorfe, das etwa 100 Kilometer von der Stadt ent« fernt liegt. Dort sah sie zufällig eines Tages der Häuptling der Caiapos-Jndianer und verliebte sich sterblich in sie. Nachdem er sie vergebens bestürmt hatte, ihm zu folgen, versammelte der hitzige Indianer eine Schar der Seinen um sich und griff in der Nacht das Dorf an, tötete den Mann und raubte die Ribeiro. Er entführte sie zu seinem Stamm, der mit ihm völlig einig war und die schöne Frau wie eine Königin empfing. Es dauerte nicht lange, bis die wirklich außergewöhnliche Schönheit der jungen Frau Eifersüchteleien und Nebenbuhlerschaften unter den einflußreichsten Mitgliedern des Stammes hervorrief und sich zwei feindliche Parteien bildeten: die eine mit dem Häuptling an der Spitze, der die Ribeiro geraubt hatte, und die andere, der Führer ein junger Indio war, der sich nun auch aufs heftigste in die „Schöne Helena" verliebte. Eine Reihe blutiger Kämpfe war die Folge, in denen schließlich die Hartei des letzteren siegte, die das ganze Lager niederbrannte und sich mit dem neuen Häuptling und der schönen Jdalia in die Gegend von Portonos zurückzog, wo bis jetzt um die vielumkämpfte Schönheit noch kein neuer Streit entstanden ist.
Oer Vater hastet für den Sohn.
Ein Vorfall, der leider nicht vereinzelt dasteht, hat das Landgericht in Leipzig zu einer beachtlichen Entscheidung veranlaßt. In dem Orte Groh-Dalz^ig vergnügten sich ' zwei Schulkameraden mit dem Schießen von Spatzen. Einer der Jungen besaß eine Luftbüchse. Obwohl sein Vater der Jagd oblag, waren die Waffen stets gut verschlossen bis auf
ein Desching, das mit der Luftbüchchse des Jungen zusammen aufbewahrt wurde. Patronen waren dafür nicht vorhanden. Dor kurzem nahm der Junge trotz des wiederholten Verbots des Vaters das Tefching mit, besorgte sich Patronen und ging mit seinem Schulkameraden auf die Spatzenjagd. Ein plötzlich losgehender Schuß traf dabei den Freund mitten ins Herz. Der Junge war infolge feiner Jugendlichkeit von 14 Jahren noch straffrei. Dagegen wurde der Vater in Strafe genommen. Das Gericht hielt ihm die Verletzung feiner Sorgfalts- pflicht vor. Auch die Angabe des Vaters, daß er seinen Sohn öfters verwarnt habe, half ebensowenig wie der Hinweis der fehlenden Patronen zu dem Tesching. An Stelle einer verwirkten Gefängnisstrafe erhielt der Vater des schuldigen Jungen 600 Reichsmark Geldstrafe. Das Urteil ist eine ernste Warnung an alle Ettern. Es geht nicht an, Waffen herumliegen zu lassen, auch wenn sie alt sind und keine Patronen dazu sich im Hause, befinden.
Folgenschwere Verwechslung.
Im letzten Sommer glaubte ein Jäger auf einem Pirschgang einen Dachs aus gemacht zu haben. Er schlich sich auf etwa 40 Meter heran und gab einen Schuß ab. Zu seinem Entsetzen mußte der Jäger aber feststellen, daß er nicht einen Dachs, sondern einen Menschen angeschossen hatte. Ein Einwohner des nahegelegenen Ortes hatte sich nach einem Spaziergang in das Gras in einer Mulde hart am Waldesrand gelegt und war von dem Jäger mit einem Dachs verwechselt worden. Die Kugel hatte das Genick des Mannes gestreift und war in der rechten Schulter steckengeblieben. Der Verletzte kann den rechten Arm nicht mehr gebrauchen. Der unglückliche Schütze hatte sich vor dem Schöffengericht zu verantworten. Ihm war zur Last gelegt, sich nicht in ausreichendem Maße vergewissert zu haben, ob er wirklich Wild vor sich hatte. Das Gericht hielt eine Ortsbesichtigung ab, bei der der Vorgang an jenem unheilvollen Abend rekonstruiert wurde. Der Kreisjägermeister als Jagdsachverstän
der Flak gegen die feindlichen Flieger mit, voll Bewunderung erfährt er, wie ein einziges Geschütz dieser Art sich gegen eine vielfache feindliche Ueberwacht von Fliegern erfolgreich bewahrte, wie eine wahre Leidenschaft Offiziere und Mannschaften packte, wenn es galt, das Geschützrohr gegen die Feinde in der Luft zu richten. Man erfahrt auch wie die deutsche Flak sich aus ihren „Kinderschuhen heraus immer mehr entwickelte, immer stärker und immer besser wurde in kameradschaftlicher Verbundenheit mit den deutschen Jagdfliegern dem Feind den Luftraum erfolgreich streitig machte. Mit diesem Kriegsbuch wurde nicht nur eine Lücke im Schrifttum über den Großen Krieg ausaefüllt, sondern auch einer der wirksamsten Waffen unseres alten Heeres ein würdiges Denkmal gefetzt. Der Soldat von einst und von heute, aber auch die Jugend werden an diesem Buche ihre Freude haben.
„In Frankreich gefangen." Hierüber schreibt Fritz Mader in seinem Buche unter diesem Titel. (Verlag Ehr. Belser, Stuttgart, geb. 5,40 RM.) — (121) — Mader kam als blutjunger Kriegsfreiwilliger in der Champagne in französische Kriegsgefangenschaft. Er war damals noch nicht 19 Jahre all. Mit der gewaltigen Begeisterung der Kriegsfreiwilligen war er hinausgezogen an die Front, 17 Monate lang hat er dann in französischer
Kriegsgefangenschaft alle Leiden des gefangenen Soldaten kennengelernt. Mit diesem Buche will er nicht sein Einzelschicksal in den Vordergrund rücken, ihm ist es darum zu tun, in dem Buche das gleiche Erlebnis der vielen Tausende deutscher Kameraden zu schildern, die das Unglück hatten, Gefangene des Feindes zu fein. Seine Erlebnisse und Erfahrungen sind typisch für die Würdelosigkeit, die sich die „grande Nation" ihren Kriegsgefangenen gegenüber überall zu schulden kommen ließ. In schlichter Sprache erzählt Mader von der Schwere des Loses eines deutschen Kriegsgefangenen hinter dem Stacheldraht französischer Gefangenenlager unter der Willkür einer brutalen Aufsicht, umgeben von einer aufs äußerste fanatisierten feindlichen Bevölkerung. Das Buch packt den Leser bis ins Innerste, auch den wieder, der schon andere Erlebnisberichte aus der Feder ehemaliger Kriegsgefangenen gelesen hat. Es ist ein Dokument für die Unmenschlichkeit, ja die Barbarei eines Volkes, das sich sonst mit seinen Worten nicht genug seiner angeblichen Humanität und Anständigkeit der Gesinnung rühmen kann, in seinen Taten aber alles dieser Art vermissen läßt. Als Dokument jener Zeit und als Erlebnisbuch aus dem Großen Kriege verdient dieses Buch die Beachtung aller Mitkämpfer von damals und auch der jungen Generation. Als lehrreiches Anschauungsmittel fei es vor allem auch für die Volks- und Jugendbüchereien empfohlen.
Ernst Blumschein.
Die reichhaltige Literatur über den Weltkrieg, die den Erinnerungen an dieses große Ringen unseres Volkes Ausdruck gibt, ist um einige Bücher bereichert worden. Nicht nur die alten Soldaten, die einst dabei waren, sondern auch die jungen Kameraden und nicht zuletzt unsere Jugend werden diese Bücher mit großem Interesse lesen und dabei eines der gewaltigften Stücke der deutschen Geschichte miterleben.
Von den Neuerscheinungen ist vor allem das Buch von Rolf Bathe „Männer am Feind" zu nennen. Es ist im Verlag von Gerhard Stalling, Oldenburg i. O., erschienen — (46) — und kostet broschiert 4,80 RM., gebunden 5,60 RM. Es ist u. W. das erste Kriegsbuch, das bewußt und betont Großtaten von Einzelkämpfern aus dem Millionenheere der Deutschen herausstellt und der Nachwelt überliefert, diese heroischen Einzelleistun- §en zugleich zu einem Heldenlied aller deutschen >tämme, aller Schichten des Volkes, aller Rangstufen und aller Waffengattungen des Heeres zusammenfaßt. Der Verfasser hat sich dazu jahrelange Arbeit gemacht, die amtlichen Kriegsakten, Heeres- Unb Zeitungsberichte aller Länder, Truppengeschichten und Tagebücher der Kämpfer durchforscht, um dieses Heldenepos dem deutschen Volke zu geben. Alle Schilderungen beruhen auf einwandfreien, verbürgten Unterlagen. Das Buch ist eingeteilt nach den „Acht Pflichten des deutschen Soldaten" und schlägt dadurch die Brücke von den Soldaten des alten deutschen Heeres zu der jungen Wehrmacht des Großdeutschen Reiches, der in diesen schlichten, «in ihrer heldischen Größe überaus eindrucksvollen Berichten von der Front 1914/18 unvergleichliche Vorbilder des pflichtbewußten und jederzeit opferbereiten deutschen Soldaten gegeben werden. Manner am Feind: Offizier, Unteroffizier und Mannschaften, Munitionsfahrer, Arzt und Sanitäter sie alle haben in diesem Buche des deutschen Heldentums durch die anerkennenswerte Arbeit Bathes ein leuchtendes Ruhmesdenkmal für alle Zeiten tzrhatten. Den aktiven Soldaten und der Heranwachsenden Generation ist damit ein Buch der Erhebung und zugleich der Verpflichtung zugänglich gemacht worden, das sie mit glühender Begeisterung und mit größtem Nutzen für ihre eigene Pflichterfüllung im Dienste unserer Volksgemeinschaft lesen werden. Die Soldaten der Front von 1914/18 aber werden sich kein schöneres Denkmal an die deutsche Größe jener Jahre wünschen können, als es in diesem Buche für alle Zeiten geschaffen ist.
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'' Jeder Pimpf weiß heutzutage allerlei von der Flak zu erzählen. Ihm ist diese Waffe.unserer jungen Wehrmacht einfach eine Selbstverständlichkeit. Ganz anders war es noch im Jahre 1916. Bis dahin wußte man selbst an der Westfront von der Flak nur sehr wenig. Die feindliche Luftwaffe batte •in den großen Abwehrschlachten an der Westfront bis 1916 eine teilweise erdrückende Uebermacht, in manchen Abschnitten beherrschte sie den Luftraum sogar vollkommen. In jenem Jahre wurde auch beim deutschen Heere eine Waffe geschaffen und immer stärker eingesetzt, die den Kämpfern im Graben und in den Feuerstellungen der Batterien ein guter Helfer war: die Flak. Von dieser Waffe und -ihrem Entstehen erzählt Hans Jancke in seinem Buch „Flak an der Somme" (Deutscher Verlag, Berlin, kart. 2 RM., geb. 2,85 RM.) — (90). Was dieses Flakgeschütz, das man in keiner Weise mit der Waffe von heute vergleichen kann, im Kampf bedeutete, wird in dem Buche in soldatischer Schlichtheit, ohne jegliche Ruhmredigkeit an Hand von Tatsachen dargelegt. In höchster Spannung erlebt der Leser den dramatischen Verlauf der Kämpfe
diger erklärte babel, In dem Verhalten des Angeklagten nichts den jagdlichen Grundsätzen Wider« sprechendes feststellen zu können. Auf Grund dieses Gutachtens kam das Gericht zu einer Freisprechung.
Witierungövorhersage
für die Zeit vom 10. bis 19. August.
Herausgegeben vom Forschungsinstitut für langfristige Witterungsvorhersage des Reichswetter, dienstes in Bad Homburg v. d. H. am 9. 8. 1939.
In Schlesien und Ostpreußen in den nächsten Tagen bewölktes bis trübes Wetter, Abkühlung, verbreitete, teilweise recht ergiebige Niederschläge, bann — ungefähr ab Ende dieser Woche — wieder aufheiternd, Erwärmung und Nachlassen der Nie- derschläge; vor allem in Ostpreußen vielfach trocken. Ungefähr ab Mitte der nächsten Woche neuerdings unbeständig.
Im übrigen Nordddeutschland, sowie m Mitteldeutschland zunächst noch unbeständig, wechselnde Bewölkung, verhältnismäßig kühl, zeitweise Regen- fälle. Gegen Ende dieser Woche Aufheiterung und Nachlassen der Niederschläge. Um das Wochenende vielfach trocken und warm. In der nächsten Woche bei überwiegend maritimer Luftzufuhr von Westen nach Osten fortschreitende Bewölkungszunahme, unbeständiges Wetter mit häufigen, von vereinzelten starken Gewitterregen abgesehen, aber nur leichten Regenfällen. Oestlich der Elbe und in Mitteldeutsch, land wahrscheinlich freundliches und weniger Nie« derschläge als im Westen.
In Süddeutschland wahrscheinlich schon in den nächsten Tagen vielfach heiter und nur ganz vereinzelt Niederschläge. Es ist nicht ganz sicher, aber wahrscheinlich, daß das schöne und überwiegend trockene Wetter in Süddeutschland auch noch über das Wochenende hält, dann wird aber auch hier, von Westen nach Osten fortlaufend, wieder unbe» ständiges Wetter mit ziemlich häufigen Nieder« schlügen eintreten.
Sonnenscheindauer in der Summe der 10 Tage meiftenorts zwischen 55 und 80 Stunden; in Ostpreußen wahrscheinlich über 80 Stunden.
Wetterbericht
Bei wechselhafter und häufiger Aufheiterung kam es am Mittwoch nur noch zu kleineren, einzelnen, örtlichen, allerdings recht heftigen gewittrigen Regenfällen. Zur Zeit ist eine Umgestaltung der Großwetterlage im Gange, die uns zwar noch kein durchaus beständiges, aber doch freundlicheres Wetter als in der letzten Zeit bringen wird.
Vorhersage f ü r Freitag: Freundlich bis aufheiternd, nur noch strichweise leichte Niederschläge, bei Winden um Süd ziemlich warm.
Lufttemperaturen am 9. August: mittags 18,4 Grad Celsius, abends 14,6 Grad; am 10. August: morgens 12,5 Grad. Maximum 20 Grad, Minimum heute nacht 10,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 9. August: abends 18,2 Grad; am 10. August: morgens 14,8 Grad. — Niederschläge 2,1 mm.
Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum« schein. Verantwortlich für Politik und die Bilder: Dr. Fr. W. Lange (beurlaubt), i. V.: Ernst Blum- schein; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für Stadt Gießen, Provinz und Wirtschaft: Ernst Blumschein; für Sport: Heinrich Ludwig Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der An« zeigen: Theodor Kümmel. D. A. VII. 1939 : 8855. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei, R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis 2,05 RM. einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. EinzelverkaM- preis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der > ftrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig.
!m Alter von 37 Jahren.
Gießen-Wleseck, den 9. August 1939.
5447D
Die Beerdigung findet Freitag, den 11. August, nachmittags 4 Uhr, von dem Sterbehause, Kornblumenstrafie 46, aus statt
In tiefer Trauer: Heinrich Schmidt und Kinder nebst allen Angehörigen.
Heute entschlief plötzlich und unerwartet meine herzensgute Frau, unsre treusorgende Mutter, unsre liebe Tochter, Schwester, Schwägerin und Tante
Frau Anna Schmidt, geb. Keßler
Arbeitsvergebung.
Für den Neubau des Mittelmarktes sollen die nachstehenden Arbeiten auf Grund der Vorschriften der RVO. öffentlich vergeben werden; 5443D 1. Dachdeckerarbeiten.
2. Spenglerarbeiten.
Die Angebote sind bis zum
Dienstag, dem 15. August 1939, vormittags 10 Uhr, auf dem Stadtbauamt Gießen einzureichen, wo auch die Unterlagen zu erhalten sind.
Gießen, den 9. August 1939.
Der Oberbürgermeister. Stadtbauamt.
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