Ausgabe 
10.8.1939
 
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Nr. 185 Erstes Blatt

189. Jahrgang t

Donnerstag, 10. August (939

ter das Volk zu schicken, wir würden ihnen gerne alles zeigen. Heute sitzen diese Jouma« listen in ihren Büros und kombinieren über poli­tische Taktik. Sie arbeiten völlig ins Leere hinein, weil sie gar nicht wissen, wie und was das deutsche Volk heute ist.

Die fremden Staatsmänner erhalten darüber auch keine Berichte. Das Ergebnis ist ein völliger Irrtum über die wirkliche Kraft des deutschen Volkes und über die Gründe, die das ganze deutsche Volk veranlassen, mit aller Ent­schiedenheit für einen Frieden zu arbeiten, wie ihn das deutsche Volk will.

Es ist unmöglich, daß ein so zu höchster Leistung emporgestiegenes Volk sich irgendwie von anderen Völkern Vorschriften darüber machen läßt, wie sein Friede und sein Leben gestaltet werden sollen. Wenn die fremden Staatsmänner vielleicht auf dieser Reise nicht begriffen hätten, weshalb wir nach bestimmten Methoden produ­zieren und Wirtschaft treiben, sie hätten zum min­desten erkannt, daß sie dieses deutsche Volk nicht auf andere Methoden festlegen können. Auf jeden Fall aber hätten sie festgestellt, daß in Deutschland nicht die geringste Nervosität zu spüren ist.

Wir sind vollkommen ruhig und zuversichtlich, im vertrauen auf den Führer und in der Erwartung des Friedens, den wir wollen. Wir find aber auch entschlossen, uns zu verteidigen, wenn die anderen etwa diesen Frieden uns nicht gönnen, oder wenn gar irgend jemand eine Dummheit macht und Europa in einen

Krieg stürzen sollte.

Zu mir hat auf der ganzen Reise kein Mensch von Krieg gesprochen, weder die Beauf­tragten der Partei und des Staates, mit denen ich stundenlange Unterhaltungen gehabt habe, noch die schaffenden Menschen. Sie haben alle nur von dem Ziel ihrer Arbeit gesprochen, und das ist eben die Sicherung der deutschen Lebenskraft.

Wenn man von einer solchen langsamen, fast bedächtigen Reise, die eirte-1 wirklich mit den Men­schen zusammenbringt, wieder heimkehrt und dann in den Stunden der Ruhe aus Zeitungen und Be­richten entnimmt, wie die Menschen in den der Einkreisungspolitik verfallenen Völkern um uns herum zu denken gezwungen werden, was die Staatsmänner dort planen und was sie für Vor­stellungen vom Ablauf der Politik in den nächsten Monaten haben, dann kann man nur sagen: Viele Torheiten, die geredet und geplant werden, können nur aus der reinen Angst entstehen, daß man sich völlig verrechnet hat und daß man sich wieder einmal über die Kraft und Sicher­heit des deutschen Volkes täuschte. Wenn ich von den Reden und Artikeln lese, mit denen sich Po- lens Politiker heute als Chauvinisten vor­stellen, dann kann ich dafür nur eine Erklärung haben, daß eben diese Menschen aus lauter Sorge und Angst nicht mehr wissen, was sie sagen.

Wir werden wie bisher weiter arbeiten und unsere Entscheidungen nach den Gesehen treffen, die für das in höchster Arbeit und Leistung stehende Deutschland richtig sind.

Das ist der Wille des ganzen deutschen Volkes, das haben Hunderttausende von Menschen, denen ich an dieser Stelle meinen herzlichen Dank aus­spreche, dadurch zum Ausdruck gebracht, daß sie mich während meiner Fahrt über die deutschen Wasserstraßen begrüßten. Sie kamen aus den Fabri­ken und von den in der Ernte stehenden Feldern, sie warteten oft stundenlang auf den Brücken und an den Ufern. Der stärkste Eindruck meiner Reise war, wie durch diese Demonstration der Beweis des Vertrauens zum Führer gegeben wurde, der mich in dieses große Aufgabengebiet eingesetzt hat. Ich habe noch nie mit solcher Eindeutigkeit den Willen der Massen empfunden, dem Führer und seinen Mitarbeitern zu danken. Es. par eine Fahri der deutschen LoltsgememMtz -

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Die Sache mit Wilna. Am 8. September 1919 unterschreibt der polnische Außenminister Fürst S a p i e h a in Suwalki nach Verhandlungen mit den Litauern ein Abkommen, wonach Wilna bei Litauen bleibt und die Grenze südlich der Stadt verlaufen soll. Unmittelbar nach der Unterschrift reist der Fürst Hals über Kopf nach Warschau zurück: er weiß genau, daß am nächsten Tage, am 9. September, der polnische General Zeligowski mit seinen Truppen in Wilna einzieht einen halben Tag nach jener polnischen Un­terschrift! Das ist denn nun doch selbst der Entente und ihrer Botschafterkonferenz zuviel. Was tut Warschau? Es erklärt General Zeligowski mit­samt seinen Divisionen alsMeuterer", schickt ihm oen sofortigenRäumungsbefehl" und kurz

fahrungen aufgebaut wurde und deshalb zu höch­ster Leistung berufen ist. Daneben entstehen Städte mit allen Einrichtungen.

Wir haben ein Erzvorkommen für über hun­dert Jahre Abbau festgeslellt. Die erste der vier Baustufen des Hüttenwerks steht kurz vor ihrer Vollendung. Was viele nicht für möglich gehalten haben, ist Tatsache geworden, denn es gab Zweifler, als wir hier anfingen nach Erz zu schürfen. Jetzt ist die Feststellung getroffen, daß in größerer, zum Teil erheblicher Tiefe ein Eisenerz mit noch weit besseren Eigenschaften sich befindet, als das bereits im Tagebau er­schlossene Erz. Alle Voraussagen über die Lager­menge und über die Güte des Erzes sind über­troffen. In wenigen Wochen wird der erste Hochofen angeblasen.

Jedermann wird begreifen, daß wir damit in unserer Wirtschaft um ein erhebliches Stück weiter­kommen. Im Ruhrgebiet habe ich die notwendigen Maßnahmen für die Förderung des Kohlenberg­baues getroffen. Weiter werde ich grundsätzliche An­weisungen für eine starke Entlastung der Reichsbahn und des Kraftwagenverkehrs treffen, und zwar durch eine Anordnung zur stärkeren Aus­nutzung der Wasserstraßen."

Dann erzählt Generalfeldmarschall Göring von seinem Besuch bei den Flugzeugwerken, bei Focke-Wulf in Bremen und bei Junkers in Dessau. Ich habe in ausländischen Zeitungen gelesen, daß ich in Dessau vor den Arbeitern nur deshalb ge­sprochen hätte, weil die Stimmung, sagen wir, habe aufgebügelt werden müssen. Als ich die Junkers­werke besuchte, war ich einfach von dem Fortschritt der Arbeiten und von der außerordentlichen An­strengung der gesamten Belegschaft ergriffen. Ich habe gesprochen, weil ich das Gefühl hatte: Du mußt diesen Männern, die alles, was sie vermögen, für die Sicherheit des deutschen Volkes einsetzen, aus ganzem Herzen danken, und die Ar­beiter haben mich gebeten, zu sprechen, denn sie wollten einmal von mir hören, wie man mit ein­fachen Worten sagt, was Deutschland zur Zeit be­wegt.

Die Reife habe ich auch beuuhk, um mich selbst um die Sicherheit der w i ch l i g st e n I n d u - striegebiele Deutschlands gegen feindliche Fliegerangriffe zu kümmern. Ich habe viele Flugplätze und sonstige Anlagen der Luft­waffe besichtigt, vor allem habe ich dafür ge­sorgt, daß das Ruhrgebiet, in dem die Menschen in Ruhe arbeiten müssen, den sichersten Schuh erhält, der überhaupt nur nach den technischen und militärischen Erfahrungen von heute mög­lich ist. Persönlich habe ich mich an vielen Stellen von den für das Ruhrgebiet getroffenen Maßnahmen gegen Luftangriffe überzeugt. Ich werde mich künftig um jede einzelne dort noch vielleicht einzufehende Batterie kümmern. Denn das Ruhrgebiet werden wir auch nicht einer einzigen Bombe feindlicher Flieger ausliefern. Und dann war ich am Westwall. Dort habe ich die letzten An­weisungen für den weiteren Ausbau der Luft­verteidigungszone gegeben. Ich kann jetzt er­klären, daß nach dem heutigen Stand der Tech­nik dort das Vollendetste geschaffen worden ist, was es überhaupt gibt. Der Westwall hält die Wacht am Rhein, die nie mehr ins Wanken zu brin­gen ist, und mögen die anderen auch mit noch so großem Donnerhall dagegen anfahren.

Es ist wirklich bedauerlich, daß nicht die Staats­männer, die sich zur Zeit mit Einkreisungspolitik befassen, bei dieser Reise zugegen waren. Ich habe schon so oft gesagt, man möge doch einmal die Verleger fremder Zeitungen veranlassen, ihre Son­derberichterstatter iu Deutschland Wirtlich M3«

polen - von innen gesehen.

ileberfülle ungelösterAufgaben.-»Wunder an der Weichsel^ohne Glorienschein. Die polnische Unterschrift um Wilna.

Berlin, 9. Aug. (DNB.) Generalfeldmavschall Hermann Göring ist heute von seiner 25tägigen B e s i ch t i g u n g s r e i s e durch Deutschland nach der Reichshauptstadt zurückgekehrt. Die Ergebnisse dieser Reise sind für Deutschlands politische und wirtschaftliche Stellung inmitten der durch die Ein­kreisungspolitik der Westmächte verursachten ernsten Lage von außerordentlicher Bedeutung. Der Gene- ralfeldmarschall gewährte am Tage vor seiner Rück­kehr nach Berlin dem Sonderberichterstatter des Scherlverlages eine Unterredung, über deren Ver­lauf dieser u. a. folgendes berichtet:

Mehr als 18 Tage war Generalfeldmarschall Gö­ring an Bord seiner JachtKarin II" unterwegs. Die Reise ging über die Elbe, Weser, den Rhein und die Verbindungskanäle, über den Mittelland­kanal, den DortmundEms-Kanal, den Weser Dattel-Kanal, sowie den Küstenkanal und erstreckte sich aus eine Entfernung von mehr als 4000 Kilo­meter. So wurde diese Reise zu einer General­inspektion der Menschen, der Maschinen, der Roh­stoffe, aller Versuche und Planungen im Vierjahres­plan, aller Probleme politischer, wirtschaftlicher und seelischer Art.

Generalfeldmarschall Göring suchte Antwort auf die Frage, wie weit Deutschlands unermüdliche Arbeit für den totalen Frieden vorwärts ge­kommen ist, wie weit wir aber gleichzeitig die t o - tale Verteidigung des nationalsozia­listischen Deutschland gesichert haben, wenn die Einkreisungspolitiker es bis zum Aeußersten treiben.

Generalfeldmarfchall Göring sagte im Laufe der Unterhaltung u. a.:Ich habe auf dieser Reise den deutschen Menschen wirklich am Werke gesehen, so wie ihn auch der beste lieber» blick über alle Aufgaben und Leistungen des Vier- jahresplanes am grünen Tisch nicht zu erfassen ver­mag. Ich habe bestätigt gefunden, daß

das Bekenntnis des deutschen Menschen zur Führung unendlich stark ist und daß das Ver­trauen der deutschen Menschen zu Adolf Hit­ler über alles geht."

Während der Fahrt über die Wasserstraßen habe ich die deutschen Bauern bei der Ernte, die Arbeiter beim Dau von Brücken und Straßen gesehen. Ich habe die ©rubenarbeitere in den Zechen, die Ar­beiter an den Hochöfen, in den Stahlwerken er­lebt. Ich war auf vielen Flugplätzen und in man­chem Fliegerhorst. Ueberall habe ich festgestellt, daß ein voller Einklang zwischen der Ruhe des deut­schen Volkes und der Ruhe besteht, mit der Adolf Hitler Deutschlands Politik in dieser Zeit der Kri­sen führt, für die nicht wir, sondern die Einkrei­sungspolitiker die Verantwortung tragen. Ueberall habe ich den vollen E i n k l a n g i n d e r Ziel­setzung zwischen Führung und Volk erlebt.

Die deutschen Arbeiter schaffen nicht nur, um Lohn zu erhalten. Ihnen ist eine Zielsetzung der Gemeinschaft zur Selbstverständlichkeit geworden. Das ganze Volk ist mit der durch den Dierjahres- plan gestellten Aufgabe erfüllt, alle seelischen und materiellen Kräfte, die ihm zur Verfügung stehen, zur höchsten Leistung auszunutzen und damit so viel Sicherheit, Ordnung und Wohlfahrt zu schaffen, daß allein durch die Kraft des Volkes der Friede ge­sichert ist.

Der Generalfeldmarschall sprach dann von ein­zelnen Erlebnissen seiner Reise.Ich war mitten im Kraftstrom des R u h r g e b i e t e s oder ein paar Tage später inmitten der Menschen, die sich um die Urbarmachung der Moore im E m s l a n d mühen. Ueberall die gleiche Stimme, die gleiche Meinung. Dann war ich in Salzgitter bei den unter meiner besonderen Initiative entstandenen Werken. Dor knapp zwei Jahren gab es dort nur Ackerboden. Heute erheben sich überall große Schachtanlagen. In einer für die Geschichte der Wirtschaft bisher einmaligen Leistung ist dort ein gewaltiges Jn- Nittewer? geschaffen, das nach den modernsten Er-

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Ruhe und Zuversicht im Vertrauen auf den Führer

Generalfeldmarfchall Göring über die Eindrücke bei seiner Besichtigungsreise.

i

Polen hat noch niemals im Laufe seiner Geschichte die Fähigkeit zur Selbstregierung bewiesen." (Lloyd George als englischer Ministerpräsident in feiner Denkschrift an Elämenceau und Wilson vom 26. März 1919).

nehmen und reorganisieren, der leidenschaftliche Widerstand Pilsudskis verhindert das. Auch am Narew werden unterdessen die polnischen Truppen zurückaeworfen. Der 15. August wird von Tucha- tschewski als Tag des Einzuges in Warschau be­stimmt. Die sowjetrussische Führung, überrascht über so schnelle und leichte Erfolge, wird von Tag zu Tag leichtsinniger. Die Russen stehen schließlich nur noch knapp 15 km östlich von Warschau, die polnische Regierung läßt eine Anzahl Loko­motiven zur Flucht bereithalten. Schon liegen die östlichen Vorstädte Warschaus unter Artilleriefeuer, sowjetrussische Kavallerie dringt bis an die große Weichselbrücke vor. Weygands neuer Plan wird unter Heranziehung der letzten polnischen Reserven von Pilsudski mit äußerster Rücksichtslosigkeit gegen­über den von Märschen erschöpften Truppen ourch- geführt.

DasWunder an der Weichsel" erklärt sich 1. durch das Eingreifen Weygands und seinen stra­tegisch sehr einfachen Plan, 2. durch Zufallserfolge der Polen über abgezweigte russische Divisionen,

3. durch die erwähnte Erzwingung ungeheurer Marschleistungen seitens Pilsudskis, 4. durch die Dauertransporte französischen Kriegsmaterials für Polen über Gdingen, 5. durch die unverantwortliche Leichtfertigkeit der sowjetrussischen Führung, die den sicheren Sieg in der Hand hatte. In Warschau aber läßt man eine Broschüre drucken mit dem Titel: Wie Sowjetrußland von Europa ferngehalten wurde". Man will es nicht mehr wissen, daß die militärische Führung Polens durch die erste Früh­jahrsoffensive den Staat selbst aufs äußerste ge­fährdet hatte.

darauf einen offiziellenGesandten", der die polni­sche Regierung bei derRegierung Zeligowski" ver­treten soll. Zeligowski, der den ganzen Dreh mit Wilna vorher in Warschau haarklein festgelegt hat, lebt noch heute guter Dinge auf seiner Besitzung.

Natürlich setzt Warschau im Wilnaer Gebiet Wahlen" an, nachdem sich vorher die polnischen Truppen vielfach wie Bolschewisten benommen hatten. DieWählen" werden von den Litauern, den Weißrussen und den Juden, also von der weit überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung, geschlossen boykottiert. (Fortsetzung folgt.)

Immer toller.

Danzig an Polen oder Krieg.

Warschau, 9. August (DNB.) Die weitver­breitete polnische WochenschriftP r o st o z M o st u" in Warschau versucht in ihrer neuesten Nummer, die auf den 13. August vordatiert ist (Nr. 33/254), in einem Artikel von zwei Druckseiten das deut­sche Danzig für den polnischenLebens- raum zu beanspruchen. Die Geschichte Dan­zigs wird so entstellt, daß man sie kaum wieder- ertennt, denn in der polnischen Zeitschrift wird eine polnische Vergangenheit Danzigs" konstruiert, die es gar nicht gibt. Der Verfasser versteift sich zu der Behauptung, daß die Mehrzahl der Bewohner von Danzig dort eigentlich nichts zu suchen habe, weil

Die schrecklichsten, die negativsten Tat­sachen werden dem Autor von der polnischen Wirklichkeit geliefert. Und die ganze Welt weiß, daß dieses Gebiet der Tatsachen wahr ist! Noch mehr, daß die Wirklichkeit schlim­mer ist." (Das Warschauer BlattRobotnik" über das BuchDas ist Polen" von F. W. v. Oertzen, das aus eigenem Erleben des Ver­fassers geschrieben ist).

«Es ist gerade in letzter Zeit von zahlreichen aus- lmdischen Beobachtern an Hand der 20jährigen Cüschichte des Versailler Staates Polen immer wie- dir festgestellt worden, daß Polen aus sich selbst hraus anscheinend nicht die Fähigkeiten zu be- tagen vermag, die zum Aufbau und zur Durch- siyrung der Derpfkichtunaen eines modernen Eaatswesens erforderlich sind. Die Warschauer N gierung ist oft genug darauf hingewiesen worden, djß sie besondere Aufgaben und Verpflichtungen scon deshalb hat, weil Polen kein National-, son- dm ein Nationalitätenstaat ist, in den durch das 2 :ftat der Entente von 1919 auf Grund polnischer Fälschungen mehr als ein Drittel der Gesamtein- rohnerschaft gegen alles Selbstbestimmungsrecht :id ohne Abstimmung hineingezwungen wurde. Warschau ist wie gesagt, gerade von auslän- l cher Seite immer wieder auf solche Not- isiÄigkeiten hingewiesen worden, wie auf die Ein- L'ltung seiner Verpflichtungen gegenüber Danzig nd gegenüber dem Danziger Hafen, oder auf die Wtwendigkeiten der Beseitigung des sozialen Elends ter polnischen Landbevölkerung, der Herstellung nmschenwürdiger Verhältnisse in Ostpolen und in dir Ukraine, der menschenwürdigen Behandlung 0 oberschlesiens und des Korridorgebietes, des Aus­bißes halbwegs erträglicher Verkehrsverhältnisfe uta.

Polen hat bis in die jüngste Zeit hinein auf alle scche Hinweise stets nur die Antwort gehabt, viel achtiger als alle diese Dinge sei doch wohl das fyer, die Aufrüstung. Wir greifen auf Grund der 5 uauflage des ausgezeichneten BuchesDas ist bien" im folgenden eine Anzahl skizzenhafter Alder heraus. Der Verfasser, F. W. v. Oertzen, kann ejs Grund seiner langjährigen eigenen Arbeit in bien als einer der besten Kenner dieses Landes (Iten.

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-Rund 342 000 Quadratkilometer des heute pol» t'ichen Bodens waren vom Weltkriege und danach nn dem polnisch-sowjetrussischen Kriege stark mit» rnommen, beispielsweise waren- 63 v. H. aller Bahnhöfe und Haltestellen zerstört oder beschädigt, 410 Eisenhahnbrücken von insgesamt 900 unbrauch- hr. Aus diesem wie auf so zahlreichen anderen (Meten hätte intensivste Aufbauarbeit einsetzen nissen. Die Meldungen, die vor wenigen Wochen tter die teilweise geradezu sowjetrussischen Zustände o.Jf polnischen Eisenbahnen außerhalb der bebeu» tckdsten Derkehrsstrecken durch die ganze Presse gingen, besagten genug darüber, was Polen in p: anzigjähriger Selbständigkeit als Staat nicht ge» frn hat.

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EOlan pflegt in Polen den Sieg über die Rote llimee von 1920 in einer Weise zu feiern, als rnn J^olen damals als Staat eben erst anbert» $a^re ult! die Heeresmassen des unendlich Nlll größeren Sowjetrußland nur so zu Paaren ^rieben hatte. Wie sah die Angelegenheit wirklich -Längst bevor die Polen sich darüber klar waren, rät sie dem Ansturm der Roten Armee unter Füh- 1'9 des damaligen Generals Tuchatschewski Segnen wollen, hat Kamenew, der politische Füh- rti der von Trotzki organisierten Roten Armee, Ül polnischen Operationspläne, wie sie für alle 'Me Vorlagen, in der Hand. Die polnischen Führer ft ohne nennenswerte Kriegserfahrung-, auch Pil- 1t! ki, dessen ungeheure Energie und äußerster eige- tn Einsatz von niemanden bestritten werden, hat Kemals vorher strategische Entscheidungen zu fällen jtnbt. Die polnischeEroberung" von Kiew, An- l:ß zu wilden Siegesfeiern in Warschau, ist nichts citeres als die kampflose Besetzung einer offenen HHt. Der polnische Oberkommandierende in der limine, der damalige General und heutige Mar- Ihcll Rydz-Smigly, geleitet von dem aus« läßlichen Wunsch, möglichst weitreichende Siege nci Warschau melden zu können, wird bei seinem b Zu weiten Vordringen von seiner Gefechtsbasis ^schnitten und ist schließlich ohne jede Verbin- bg mit Warschau. Sein Rückzug wird zur Flucht nr den 6 Kavalleriedivisionen Budjennys, der am biami 1920 zur Offensive gegen Rydz»Smigly üi-geht und ihn binnen 10 Tagen auf seine ^Mngsstellung zurückwirst. Die polnische Nord­ick wird innerhalb von 20 Tagen um 450 Kilo- Mir nach Westen zurückgedrängt, in Warschau &rnnt die Panik. Gewiß, die polnische Armee Oil 1920 ist alles andere als ein einheitliches Heer - üie Rote Armee aber ist es noch ganz erheblich ®rrger.

Cse non Frankreich auf Polens Hilferuf entsandte *1 färmiffion unter General Weygand will die : üiltitoen Xrwgea bis Stoei dis WsMLl zurück­

Siebener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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