Nr.1ZZ vierter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)1v./tt.ZunNYZY
>»-r
'V - *
x^Vi fTT
s' ;
•% r-> </, '■•y /• x,': z " -* *.-M
i *.#/*
B.M
K
W fe
... . -M .
- 'M
; -* 4
,y .....»«ET
■'?' • ; '. -
R> /yMt
i i-x' T
h* ,/• * 1
i > tV A
M Ä &
S:*-
gV r> ' iw
H, V-,
• i EM
/.-•ütifc '.-4X-
,.f .- i
Ä
*Ä
\ W** ;;
M
3m Garten der zehntausend Pflanzen.
Das stattliche Gewächshaus inmitten einer üppigen Vegetation.
Blütenkissen im Alpinum.
Ein schöner Blick bietet sich aus dem Garten auf das Alte Schloß.
(Aufnahmen |6j: Neuner, Gießener Anzeiger.)
Klirrend fällt die schwere eiserne Tür, die vom Brandplatz aus den Zutritt zum Botanischen Garten nuferer Universität gestattet, ins Schloß. Türe und Gitter sind dabei wie eine Scheidewand, die die Beschaulichkeit des Gartens sichtlich von der Unruhe der Stadt trennt. Ja, man möchte fast sagen, daß sich an dieser Gittertüre zwei Welten begegnen: draußen bleibt die Vielfalt städtischen Getriebes, die Unruhe des Verkehrs unserer Stadt, den Besucher aber umfängt die beruhigende Atmosphäre eines Parks mit Bäumen, deren mancher schon um 200 Jahre alt sein mag, und ein Garten mit einer Ueberfülle der verschiedenartigsten, schönsten und der seltensten Pflanzen und Sträucher. Nach wenigen Schritten auf den verschlungenen Pfaden verhallt für öen Besucher auch der Lärm, der von Straßen und Gassen in den Garten schallen könnte, denn Busch und Baum — jetzt im dichtesten Laub — halten alle Geräusche ab und wahren die natürliche Stille. Der Botanische Garten unserer Universität ist ein grünes Kleinod inmitten unserer Stadt, und wer es' keimt, wird wünschen, daß es unantastbar bleiben möge. Der Gießener Botanische Garten — er besteht seit 330 Jahren — ist einer der ältesten im Reich! Nur in Berlin, München, in Bonn und in Prag befinden sich Gärten, die um mehr ober weniger älter sind.
ausgleichen.
10 000 verschiedene Pflanzen — es fiele, wenn man den Garten nur dem Namen nach kennen würde, schwer, sich diese Summe der verschiedenen Pflanzen überhaupt vorzustellen. Aber — sie ind da! Sie wären zu zählen! Außerdem weist fte der Katalog mit Namen und Angaben (selbstver- tändlich in lateinischer Sprache) aus. Jeder Botanische Garten auf der ganzen Welt verzeichnet seine geernteten Samen. Und diese Kataloge werden ausgetauscht. Die Verzeichnisse, die über die Be- tände in unserem Gießener Garten angelegt werden, werden nach Siam ebenso wie nach Nordamerika verschickt. Und von Persien gelangen ebenso Kataloge nach Gießen, wie aus Mandschukuo oder aus Brasilien, lieber und durch diesen Verzeichnisaustausch ergibt sich ein reger Austausch von Samen und Pflanzen. Dieser Austausch kann sich praktisch über den ganzen Erdball erstrecken ...
So ist es denn kein Wunder, daß mir in unserem Gießener Botanischen Garten Pflanzen finden können, die im Transhimalaja oder in den peruanischen Anden zu Hause sind, sie können von der Insel Formosa oder von den Gestaden des Mittelmeeres
Wenn man den Garten vorn Brandplatz her betreten hat — er ist auch von der Senckenberg- traße her zugänglich — dann empfängt er den Be- ucher gleich in seiner liebenswürdigsten Gestalt. Gleich zur rechten Hand werden die mächtigen Mauern des Alten Schlosses von Busch und Baum pielerisch umgrünt, über einen Graben, der um die Burg i führt, ' schwingt sich ein eisernes Brücklein, und zu Füßen des Heidenturms blühen im runden Beet allerlei Blumen. Es gibt noch manchen anderen idyllischen Winkel im Garten. Unter einer Trauerbuche, deren Zweige von hoch oben herabhängen, teht eine Bank und lädt zur Ruhe ein. Verfolgt nan gar den Weg gerade aus weiter, so fühlt man ich vollends in einen Park versetzt, und wenn nicht von der Sonnensttaße her wieder geringer Straßenlärm zu vernehmen wäre, fiele es nicht schwer, sich
Selbst dem Kaffeestrauch begegnet man im Botanischen Garten. ____
Entwicklung um etwa drei Wochen zurück, und die bisherigen heißen Tage können den Mangel nicht
In den Gewächshäusern findet man üppig entwickelte Pflanzen aus allen Zonen.
mehr gelangen immer wieder einmal Wurzel, Stengel, Rinde, Holz, Blüte, Staubgefäße, Früchte ufw. der einen oder anderen Pflanze auf die Arbeitstische des Forschers, in den Hörsaal, unter das Mikroskop. Und Dafür gibt der Gießener Botanische Garten ein unerhört reiches „Material". Wenn das Wetter günstig ist, wenn alle Samen, Stecklinge usw. aufgehen bzw. gedeihen, Dann bedeutet Die Zahl von rund zehntausend verschiedenartigen Pflanzen Den Durchschnitt, Der aber schon manchmal überboten wurde. Das bisherige ungünstige Wetter war den Beständen im Garten nicht sonderlich förderlich. Alles ist in der
Eine seltsame Urwaldpflanze, die in der Natur in Astgabeln großer Bäume wächst.
völlig den heißen Straßen der Stadt entrückt zu fühlen. Dann liegt nach dem Hitlcrwall zu Der kleine Teich in Schilf und Algen. Frösche quaken, Enten tummeln sich im Wasser und Weiden neigen ihre Zweige über die Wasserfläche. Unmittelbar neben Dem Teich erhebt sich eih kleiner Basalthügel, nur scheinbar wild und zügellos überwuchert von Sträuchern und Farnen. Eine uralte Steinbank krönt Den Hügel. Und unterhalb dieser Bank blühen gerade jetzt Die Azaleen — zartviolett, gelbrot und rofa — in einer geradezu paradiesischen Fülle. Wer Ruhe und Schönheit — sei es auch nur für eine Viertelstunde — sucht, braucht sie nicht zi suchen, sie treten ihm au Schritt und Tritt entgegen.
Der tiefste Sinn eines Botanischen Gartens kann sich aber nicht darin erschöpfen, Schönheit und Beschaulichkeit zu vermitteln. Die Stimmungsfülle im Botanischen Garten i't Begleiterscheinung, glückliche Synthese des Angenehmen mit dem Nützlichen. Der Garten dient der Wissenschaft, der Forschung, Der Lehre. Aus Stimmungen heraus würde die Naturwissenschaft ihre Erkenntnisse nicht ziehen können. Viel
stammen. Die Pflanzen aller Erdteile, aller Zonen, aller Höhenlagen sind vertreten. Moose und Koniferen, Mimosen und Kakteen, Heilkräuter und Giftpflanzen, deren Berührung kaum gewagt werden Darf, findet Der Besucher vor, es sinD Da Die Pflanzen Der Alpen, Der Wüste und des salzigen Sumpfes, Wasserpflanzen und Schmarotzer, die sich von der Kraft ihrer Wirtspflanze ernähren, karge Gräser und Fettpflanzen, es gibt Pflanzen in reicher Fülle, deren Blätter, zwischen den Fingern zerrieben, berückende Düfte ausströmen (Rosmarin, Lavendel, Salbei, Thymian usw.), und ihnen lassen sich wieder eigenartige, fleischfressende Pflanzen in hartem Kontrast Der Art und Eigenschaften gegenüber* stellen. Der Zimtbaum, der Delbaum, Der Kaffeestrauch, Bananen-, Kokos- und Dattelpalmen werden gehalten, zum Teil bedürfen sie des heißfeuchten Klimas ihrer Heimat, bedürfen jener Feuchtigkeitsgehalte und Wärmegrade, die dem Menschen unserer Breiten fast Den Atem nehmen und ihm nur kurzen Aufenthalt in Den Gewächshäusern gestatten. Wer aus Den Gewächshäusern mit tropischen Temperaturen kommt, empfindet selbst die Mittagshitze dieser Tage als angenehme Kühle.
| Und zwanzig Meter entfernt von Papyrus und
„Hahn" um.
Rätsel.
(Fortsetzung folgt.)
„Vor allem fahren Sie nicht so wild, Hilde!" bat sie. „Wir wollen erst nach der Mittagszeit hiukom« men. Da haben Die Wirtsleute und das Personal Zeit, sich mit uns zu unterhalten. Und Revolver habe ich keinen. Wir brauchen auch keinen! Ich will mich bloß ein bißchen umtun und heraus- kriegen, ob irgend jemand irgend etwas aufgefallen ist."
„Ich bleibe im Wagen versteckt", sagte Hilde, „vielleicht will jemand auch unseren Wagen kaputt machen. Dann ist der Schuft überführt..."
„Achtung, Hilde, fast hättest Du eine Gans über« fahren!" schrie Irmgard.
„Ich haue jeden mit dem Schraubenschlüssel nieder!" fuhr Hilde ungestört fort, während sich Die Gans laut schnatternd über die rücksichtslose Fah* rerin beklagte.
„Aber vielleicht ist es eine ganz gute Idee, wenn eine von uns im Hintergrund verborgen bleibt. Dann glauben Die braven Leutchen, daß sie cs nur mit einem Exemplar zu tun haben unD achten nicht auf das Duplikat..."
„Die eine werde ich fein!" sagte Hilde bestimmt Es war meine Idee!"
„Wenn es Dir gar solchen Spaß macht, im staubigen Wagen zu hocken, während wir es uns gut gehen lassen — bitte! Die Brathühner sind ausgezeichnet. Ich werde mir eine Omlette mit sehr viel Erdbeeren bestellen", sagte Irmgard träumerisch.
„Freßsack!" rügte Hilde. „Ein richtiges Abenteuer ist besser als ein gutes Mittagessen!"
Dieser Ansicht war ja auch Irmgard, sie hatts Die Schwester nur ein bißchen ärgern wollen.
Madeleine bedauerte bereits sehr, daß sie Did Begleitung Der beiden unternehmenden jungen Dainen angenommen hatte. Nun würden sie mit strengen, bedeutungsvollen Mienen alle Leute int Umkreis so einfchüchtern, daß fein vernünftiges Wort aus ihnen herauszubringen war--
Der „Weiße Hahn" lag in tiefer Mittagsstille. Ein einziges Auto stand vor Dem Haus. Und Die Gefell- schäft, Die Dazu gehörte, schien eben im Begriff, einzusteigen und weiterzufahren. Ein leichter Regen fiel und'erleichterte Hildes Vorhaben. Wo Die sich ohne aufgestelltes Dach unD herabgeknopfte Seitenteile hätte verstecken wollen, war Madeleine em
sich Der Frauenkopf ganz leise und vorsichtig hoch. Was war das aber für ein Geräusch gewesen, Das sie im besten Schlaf gestört hatte? Sie horchte. Nichts rührte sich. Mit angehaltenem Atem horchte sie. Fünf Minuten lang brachte sie es über sich, keine Bewegung zu machen.
War jemanD in ihr Zimmer eingebrungen? Es lag zwar im ersten Stock, aber es gehörte nicht viel Kunst Dazu, über Die südseitigen Spaliere hm aufzuturnen. Nein, das hätte sie längst gehört, bevor der nächtliche Besucher sich über das Fenstersims schwang. Es war ein kurzer, einmaliger Laut gewesen, Der sie geweckt hatte!
Vielleicht hatte Holz geknarrt? Nein, ein Knarren war es nicht gewesen!
Da tastete Madeleine langsam unter ihr Kopfkissen, wo nach lieber, alter Gewohnheit ein kleiner, aber recht zuverlässiger Revolver ruhte, entsicherte ihn. Dann drehte sie den Schalter Der Bettlampe.
Das Zimmer war leer.
Madeleine kam sich etwas blamiert vor. „Es hat sich aber doch etwas gerührt", murmelte sie und glitt aus Dem Bett. Sie war allein im Haus, aber sie roürDe es mit Dem Revolver in Der Hand abgehen vom Keller bis zum Dachboden; Sie dachte nicht daran, stundenlang wach zu liegen und zu horchen.
Vor allem wollte sie zum Fenster hinaussehen, ob Die Straße so ruhig unD menschenleer war, wie es sich für eine brave Neukirchener Gasse gehörte ...
Da sah sie nahe Dem Fenster einen Stein liegen, um Den ein Blatt Papier gedreht war. Sie loste es vorsichtig. Das war Peters nicht zu verkennende
Handschrift.
„Aergere dich nicht und rege dich nichts auf! Sprich mit Hans und sieh dich im „Hahn um. Es ist wichtig." t . E
Das hatte sie geweckt, Der Ausfall Des deines auf dem Teppich. Tüchtiger Junge, Der Peter, dachte sie. Hat im Handumdrehen sogar in Dem sturen Neukirchen einen HanDlanger aufgetrieben ... Wer aber war Der Hahn? Wo war er?
Na gut Das wird mir wohl Hans Voigt erzählen, dachte Madeleine, verzichtete auf den Inpekttons- gang und legte sich seelenruhig wieder schlafen.
(MannnWaiifEiiöanöere
Roman von Konrad Trani
Copyright by Carl Ouncker Verlag, Berlin W35
12. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Eine der seltenen Frauen, Die nicht meinen unD auch nicht unbedingt Den Mann sehen und sprechen wollen!" sagte Der Beamte verwundert.
Vielleicht hat sie ihm nichts mihuteilen", lächelte Der anDere, „oDer sie traut nicht unserer unbeDingten Diskretion." , . . r. .
Der alte Voigt führte Madeleine heim und streichelte beruhigend die Hand, die so still die Handtasche umschloß. „Wir werden ihn bald heraushaben, Frau Madeleine", sagte er. „Das alles ist ja em haushoher Unsinn! Peter — Peter em Verbrecher und Geldschrankknacker!"
Madeleine lächelte. „Sie sind sehr lieb und em guter Freund. Bewahren Sie uns Ihre Freuno- schaft! Ich hoffe sehr, daß ich ihn bald wieder daheim habe..." . .
Und daheim werde ich ihm dann einiges mitzu- feilen haben ... Gretelchen! Das könnte ich so brauchen... Und roenn’s ernst wird, weiß die Gans nicht einmal, was sie zu sagen hat! dachte sie. In derselben Stunde, da diese lästige Geschichte erledigt ist fliegt Gretelchen in großem Bogen hinaus .. Hoffentlich bleibt Die Geschichte nur lästig — und wird nicht mehr. Ich bin recht gern m Neukirchen dachte Madeleine und gestand sich ehrlich, daß sie auf Peter fast so wütend war wie auf Gretelchen!
IX.
Madeleine hatte die Wahrheit und nichts als die Wahrheit gesagt, als sie behauptet hatte, daß |ie einen besonders leichten Schlaf Hube.
Am ersten Abend nach Peters Verhaftung - ach Gott, wer spricht von Verhaftung? — am ersten Abend, an dem Peter sich zur ständigen Verfügung Der Behörde halten mußte, war sie spat schlafengegangen. Sie hatte den Abend bei Voigts verbracht sind bann, weil sie gar nicht müde geworden, bi» nach Mitternacht gelesen. ,.
Es war still im'Haus und auf Der Straße. JWfl gingen ihre tiefen Atemzüge. Und plötzlich richtete
Madeleine ging mit Hans den Gartenweg auf und ab und ließ sich genauestens die Fahrt und Die beDrohliche Fahrtunterbrechung fchilDcrn. „Ich verstehe sehr gut, Daß Der Zwischenfall Peter beunruhigt, sagte sie Dann. „Ihm hat Damals Die Geschichte mit Der Stahlkammer gar nickst gefallen. Und weder Ihnen noch Jhrem^ Vater ist etwas Zweckdienliches dazu eingefallen?"
„Nein", sagte Hans* und hatte ein schlechtes Gewissen. „Soviel kann man doch von einem intelligenten Menschen verlangen, daß er weiß, wer ihm an den Kragen will!"
„Der Weiße Hahn ist demnach etwa zwei Fahrt- stunden von hier entfernt? — Wie komme ich hm?"
„Mit unserem Auto, und ich führe Sie."
„Nichts zu machen! Weder Ihr schönes Antlitz noch euer viel zu nobler Wagen wird sich in dieser Gegend auffällig bemerkbar machen", sagte Madeleine und lehnte ab. „Ich will auch keinen mieten, um Gerede zu vermeiden. Sonst kommt vielleicht die hohe Behörde auf die Idee, ich wollte kneifen..."
Die beiden gingen nachdenklich ein paar Schritte weiter. Plötzlich blieb Hans stehen. „Natürlich, die Turachmüdchen sollen Sie hinbringen. Ihr schäbiger Opel ist unauffällig wie eine Baumwanze. Und vielleicht können Sie Die Frösche ganz gut brauchen. Sie sind beide nicht auf Den Kopf gefallen. Hüde bestimmt nicht."
Madeleine hatte längst bemerkt, daß es Hans nicht nur gelang, Die Zwillinge zu unterscheiden, daß er sogar für Hilde eine besondere Vorliebe zeigte. *
Eng aneinander geklebt saßen die drei schmalen Gestalten in dem kleinen Wagen. Hilde chauffierte, was sie nicht hinderte, sich eifrig an Der Unterhaltung zu beteiligen. Die Mädchen waren ungemein heiter und aufgeregt
„Das habe ich mein Leben lang ersehnt: ein Abenteuer, in Dem man sich nützlich machen kann", strahlte JrmgarD. „Wix werden Ihnen herrlich helfen, Madeleine. Wie richtige Detektive... Vielleicht schnappen wir Den Verbrecher an Ort und Stelle. — Haben Sie gar einen Revolver mit? Es wäre fo
Madeleine tat ihr Bestes, die Mädchen zu beschwichtigen.


