Ur. 108 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)
Mittwoch, 10. Mai 1939
Aus dem Reiche der Krau.
PRAKTISCHE
as sollen wir tragen?
VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS
größtmöglichen Sparsamkeit zu erinnern. Das gleiche gilt, wenn auch nicht in diesem Maße, für Eier. Obwohl die Eiererzeugung sich jetzt erfreulich weiter entwickelt, müssen wir bedenken, daß wir durch Einlagerung in Kühlhäuser für einen wachsenden Verbrauch im Winter zu sorgen haben. Schließlich ist daran zu erinnern, daß der Roggen und nicht der Weizen das deutsche Brotkorn ist. Darum bleibt es bei dem Wunsch, Den Verzehr von Weizenbrot auf das Roggen- und insbesondere das Roggenvollkornbrot zu verlagern.
höher als im ersten Vierteljahr 1938. Neben den Fischen stehen zur Verminderung des Fleischverbrauches im Mai vor allem folgende Nahrungsmittel zur Verfügung: Quarg, Käse, insbesondere Harzer, Mainzer und Schimmelkäse, Buttermilch, die verschiedensten Erzeugnisse aus entrahmter Frischmilch, ferner Zucker, Kartoffeln, Marmelade, Kunsthonig, Haferflocken, Sago, Graupen, Kartoffelstärkemehl und deutsches Puddingmehl. Bezüglich der bisher nicht genannten Nahrungsmittel ist vor allem beim Fett auch für den kommenden Monat an die alte Parole der
AUS
UHD LEIMEN
voile’
SOMMERIOE
Unsere Ernährung im Mai.
Don Dr. Wolfgang Clauß
Je mehr der Frühling in Deutschland seinen Einzug hält, desto stärker wird auch die Bedeutung dieser Tatsache für unsere Ernährung. Schritt für Schritt vollzieht sich nunmehr der Wandel von dem Verbrauch landwirtschaftlicher Erzeugnisse der Ernte 1938 zu dem Verzehr von Nahrungsmitteln diesjähriger Erzeugung. Diese Entwicklung geht naturgemäß nur sehr langsam vor sich. Beim Brot leben wir noch bis in den Herbst hinein und dank der großen angesammelten Vorräte, wenn es sein muß auch noch sehr viel länger vom Getreide der Ernte 1938. In der Fleisch Versorgung dauert es natürlich länger, bis die Erzeugung des Jahres 1938 vom Markt verschwindet und von den Erzeugnissen aus der Produktion 1939 abgelöst wird Beim Rindvieh vergehen sogar, abgesehen von den Kälbern, mehrere Jahre, bis der in einem Jahr geborene Nachwuchs als Frischfleisch auf unseren Tisch gelangt.
Dieser ständige Wechsel in unserer Ernährung, den die Jahreszeiten bestimmen, kommt uns wohl in diesem Jahr in besonderem Maße zum Bewußtsein und zwar vor allem deshalb, weil jedermann sich sehnlichst Frühgemüse und möglichst bald auch Frühobst wünscht. Dieser Wunsch ist in diesem Jahr stärker als sonst, weil unsere Obst- und Gemüseoersorgung gerade in den letzten Wochen und Monaten zweifellos zu wünschen übrig ließ. Wir hatten nicht nur die Folgen der schlechten Obsternte des Jahres 1938 zu tragen, hinzu kam vielmehr auch noch, daß die Frühgemüseerzeugung durch die scharfen Fröste im Dezember 1938 und durch das kalte Frühjahr sehr gehemmt worden war. Wir müssen demnach auch noch im Mai damit rechnen, daß unsere Wünsche an die Frühgemüseversorgung nicht immer voll befriedigt werden können. Gewiß haben wir im Mai Salat, Spinat, Spargel und Rhabarber zu ernährten. Es hängt jedoch vollkommen von der weiteren Entwicklung des Wetters ab, in welchem Maße diese Erzeugnisse zur Verfügung stehen werden. Wahrscheinlich werden die Versorgungsverhältnisse auch örtlich unterschiedlich sein. Irgendwelche sichere Voraussagen sind jedenfalls hinsichtlich der Obst- und Gemüseversorgung im Mai weniger denn je möglich. Die Hausfrau wird selbst feststellen müssen, welche Erzeugnisse an den Markt kommen und dementsprechend den Küchenzettel einzurichten haben.
Wie sehr das kalte Frühjahr die Entwicklung ider Produktion beeinflußt hat, zeigte im übrigen auch eine Meldung des Statistischen Reichsamts über den Stand der Saaten. Dabei wurde zum "Ausdruck gebracht, daß die Saaten im allgemeinen nicht so gut stehen wie im Vorjahr, daß jedoch bei .günstiger Witterung die Verzögerung dieser Ent- nvicklung weitgehend noch aufgeholt werden kann. 'Nach der gleichen Veröffentlichung ist auch die ^Frühjahrsbestellung durch die Witterungsverhält- misse im März erheblich verzögert worden. Ange- ffichts des Mangels an Arbeitskräften auf dem Lande, der durch die Absaugung dieser Arbeitskräfte durch die gewerbliche Wichchaft entstanden »ft, ist diese Verzögerung der Bestellungsarbeiten f maturgemäß besonders unerwünscht. Die Bestellungs- □rbeiten drängen sich nunmehr auf eine besonders kurze Zeit Rammen. Die Arbeitslast der Landwirtschaft wird dadurch für die wenigen Arbeitskräfte zusätzlich erhöht. Von unmittelbarer Bedeutung für unsere gegenwärtige Ernährungslage sind ‘ triefe Dinge naturgemäß noch nicht. Die Zusammen- örängung der Frühjahrsbestellung aus eine kurze Zeit bringt jedoch immer die Gefahr mit sich, daß : manche Arbeit nicht so sorgfältig erledigt werden kann, wie es an sich wünschenswert wäre. Es ist Deshalb durchaus möglich, daß die geschilderten Vorgänge für unsere Ernährungslage eines Tages von Bedeutung werden können. Man darf deshalb nicht achtlos an ihnen vorübergehen, sondern muß iich der Zusammenhänge zwischen Landflucht und Srnährungslage immer wieder bewußt werden.
Von größerer praktischer Bedeutung für unsere Kolksernährung in den nächsten Monaten wird ine andere Veröffentlichung sein, die ebenfalls in ner afterfetjten Zeit erfolgte, nämlich das Ergebnis । Der Schweine zählung vom 3. März 1939. - danach hat der Geiamtbestand an Schweinen gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres um 1 040 000 i Stück auf 21,3 Millionen zugenommen. Besonders x, .emerkenswert ist die Zunahme der Ferkel (unter ; Wochen) um 580 000 Stück und die Zunahme der I nächtigen Sauen um 150 000 Stück. Die Steigerung .'.«es Ferkelbestandes beläuft sich auf 13 o. H., die I liier trächtigen Sauen gegenüber dem Vorjahr um 4,1 v. H. Diese Entwicklung unseres Schweine- I Bestandes wird zu einer Steigerung der Schweine- chlachtungen, bereits im Mai beginnend, führen. 4m Herbst und Winter 1939/40 werden wir voraussichtlich über 1000 000 Schweine mehr schlachten innen als im Herbst und im Winter 1938/39. Liese Tatsache ist im Interesse der Fleischversorgung . mso mehr zu begrüßen, als wir tm Jahre 1939 nicht so viel Rinder aus eigener Erzeugung werden Wachten können wie im Jahre 1938. Wir haben '.9938 300 000 Rinder mehr abgeschlachtet als bei 'Aufrechterhaltung des Bestandes eigentlich möglich .»wesen wäre. Diese Entwicklung darf sich natur- cgemäß nicht fortsetzen. Wir müssen infolgedessen vor <Aem unseren Verbrauch an Kalbfleisch ein- Wränken um den Wiederaufbau des im vergangenen Jahr etwas zu stark angegriffenen Rinderbe- siarides zu ermöglichen. Die Aussicht auf eine Stet= perung der Schweineschlachtungen in den nächsten Monaten darf jedoch, zum mindestens vorläufig, i-ineswegs dazu führen, daß wir von der Hebung ter letzten Monate, beim Verbrauch von Schweine- l.eisch Zurückhaltung zu üben, abgehen.
Wir müssen uns aber immer wieder vor Augen lnften, daß eine Steigerung des Fleischverbrauchs ii Deutschland sowohl aus volkswirtschaftlichen rote euch aus Gesundheitsgründen keinesfalls erwünscht ilt. Der Rekordfleischverbrauch des Jahres 1938 iürf sich nicht weiter erhöhen. Es wäre vielmehr teffer, wenn eine Steigerung des Verbrauchs von Kohlehydraten und F i s ch e n zu einer Verringerung tes Fleischverbrauchs führen würde. Im Marz L.J. Hot sich erfreulicherweise der Fischoerbrauch t.eiter gehoben. Er stieg von 38 Millionen Kilo- cramm im März 1938 auf 41 Millionen Kilogramm in März 1939. Im ersten Vierteljahr 1939 lag ier Fijchverbrauch Deutschlands um rund 20 v. H.
Sommerliche Kinderkleider aus Voile, Pikee und Leinen hoben wir heute skizziert.
Das Kleidchen in der Mitte links ist aus weißem, abwechselnd rot und blau getupftem Stickereivoile. An eine runde Passe ist das Kleid mit den langen, weiten Aermeln in Srnock- arbeit eingelesen und in der Taille mit einem breiten, blauen Taftband zusammengehalten. Der kleine Kragen und die schmalen Aermelaufschläge Hoden eine Kante aus feiner Stickereispitze.
Aus hellblauem, ganz fein in sich tariertem Voile ist das schlichte Kleid in der Mitte rechts mit der breiten Smockarbeit aus schwarzem Perlgarn am Blusen- und Rockteil. Bubi-
Wir verändern em Aezept.
Don Krida Aisch.
Vor der Tür treffen sich zwei Freundinnen. „Komm' mal rasch mit rauf, Grete, ich habe einen wunderschönen Kuchen gebacken, ich gebe dir auch das Rezept." Grete kostet, lobt und geht vergnügt mit der Backvorschrift ab. Beim Durchlesen denkt sie pfiffig: Gut hat's ja geschmeckt, aber ich mach's billiger. 2 Eier tun's auch statt 5, und Mandeln und Rosinen nehme ich bloß die Hälfte und mache olles etwas süßer. Zucker macht es wieder gut. Als der Küche?, aus dem Ofen kam, sah er auch „ein bißchen anders" aus, war klein und trocken und hatte einen Speckstreifen. Kein Wunder! Das „bißchen anders" spielte ja die Hauptrolle.
Diele denken wie Grete Billig backen will jeder. Festtage und Kinder haben ein Recht auf Kuchen. Sie werden ihn auch bekommen. Wir strecken uns aber sachgemäß nach der Decke Wenn wir eine Backvorschrift verändern wollen, so dürfen wir das nicht nach Gutdünken machen. Alle Zutaten, aus denen ein Gebäck besteht, stehn in einem bestimmten Verhältnis zueinander. Lassen wir nun etwas fort, müssen wir es durch etwas Gleichwirkendes ersetzen. Je mehr Fett und Zucker der Kuchen enthält, desto schwerer wird er. Als Gegengewicht muß er sehr viel Eier und viel Trieb erhalten. Weil nun Kuchen mit viel Eiern das Rühren erleichtern, so fällt bei ihnen die Flüssigkeit fort. Sie würden sonst zu dünn. Z. B. bei Sandkuchen und Biskuits. Lassen wir aber Eier fort, so müssen wir auch weniger Fett nehmen, denn die Eier hätten das Fett tragen I geholfen, und die wenigen Eier können das nun nicht schäften. Die Folge ist der Wasserstreifen. Sind z B. 6 Eier Vorschrift, so dürfen wir bloß 2 nehmen, aber für je 2 Eier müssen wir 1 Teelöffel Backpulver mehr nehmen. Man darf aber nicht denken: 2 Eier — 1 Teelöffel Backpulver, dann 10 Eier — 5 Teelöffel und gar kein Ei. Sehr bequem ist auch hier Eiersparpulver, bei dem man bei 5 Eiern Vorschrift 1 richtiges Ei nimmt und 4 Teelöffel Eiersparpulver.
Am ehesten sparen wir Fett. Es ist auch das Teuerste. Wenn es angeht, streichen wir nur die Form mit Butter aus. Hier wirkt sich ihr Geschmack am meisten aus. Alles andere Fett nehmen wir knapper als die vorgeschriebene Butter, denn mir müssen damit rechnen, daß es mehr Nässe enthält
fragen und Aermelaufschläge find aus weißem Batist, der Gürtel mit der kleinen Schleife ist schwarzes Samtband.
Dos weiße Pikeekleid (links) hat zu den beiden Faltenteilen Stepparbeit aus rotem Garn an Taschenpakten, Manschetten und am Rocksaum wie am Gürtel. Verschluß an Schulter und Gürtel: Kugelknöpfe aus Perlmutter.
Aus hellgelbem Leinen ist das Falten- k l e i d ch e n ganz rechts mit der vorn geknöpften Schulterpasse, den eingearbeiteten Täschchen, dem schwarzen Lackledergürtel und den Leinenknöpfen an Passe und Aermelaufschlägen. H.
als diese. Zu nasser Kuchen aber verdirbt immer. In Hefenkuchen nehmen wir Rindsfett. Hat der fertige Kuchen den Ofen verlassen, überstreichen wir ihn mit einem Hauch zerlassener Butter und überpudern ihn mit Zucker. Mürbekuchen kneten wir mit Del, Margarine, Schmalz. Der Schmalzgeschmack ist nach zwei Togen fort. Auch Rindsfett geht, wenn wir es im warmen Roum geschmeidig werden lassen und einen Eßlöffel Bienenhonig untermischen. Alles Fett in Mürbeteig nehmen wir nur dreiviertel der Vorschrift und geben statt dessen einen Löffel Kappilärsyrup dazu. Dies ist ein wunderschöner, weißer, Syrup, der an sich geschmacklos, die Würze der Backwerke hervorhebt. Ich habe früher auch viel Obst, besonders Pflaumen, damit eingemacht. Er ist etwas teurer, als Zucker aber nun sehr am Platz. Blätterteig läßt sich mit einer talgichen Margarine und zum Teil mit Weißkäse, der sehr frisch und trocken sein muß, Herstellen. Palmfett paßt in Torten, Hefen-, Pulverkuchen und Fettgebackenes. In all diese Kuchen muß eine Spur Salz, sonst schmecken sie leer.
Kuchen ohne Fett werden erst in letzter Minute gebacken, weil sie schnell trocknen. Muß man es doch vorher tun, erhalten sie einen dünnen Zuckerguß. Bleiben teilweise Fett und Eier fort, rührt sich der Teig zu schwer, weil er zu fest ist. Wir. lassen nun entweder die Rosinen und geben auf einen Kuchen von 500 Gramm Mehl zwei Hände voll feingewürfelter, frischer, fester Aepfel. Während die Rosinen den Kuchen noch fester gemacht hätten, wirkt der Apfel als Nässe.
In andern Kuchen heben wir die Festigkeit durch allernöttgste Zugabe von Flüssigem: Ein Löftelchen Fruchtgelee, Weißkäse, saure Milch, Buttermilch, etwas Weinspiritus oder Rum. Dieses muß in Anrechnung gebracht werden bei der Berechnung der Backpulvermenge. Dies alles hilft den Teig verdünnen, ohne ihm zu schaden. Ist der Teig zu dünn geworden, dadurch, daß wir etwas fortließen, so geben wir etwas dazu, was die Nässe aufschluckt: Geriebene Nüsse oder Mandeln, Zwiebackmehl, kleingewürfeltes Backobst und messen den Zucker knapp, denn Zucker näßt auch. Zu dünner Teig, der das vorgeschriebene Maß Zucker enthält, bleibt sitzen. Wer diese Erfahrungen nutzt, kann sehr verbilligt seine alten Kuchen, unmerklich verändert, wieder Herstellen, sonst billig backen will, tut am gescheitesten, wenn er gleich eine billige Vorschrift wählt, statt eine teure umzuformen.
MereTochtergehtinspslichtjahr
Was Eltern und Töchter bedenken sollten.
Die Erweiterung des Pflichtjahres auf alle weiblichen Jugendlichen, die in einen Beruf gehen wollen, bringt in diesem Jahre einen Einsatz von 350 000 Pslichtjahrmädeln gegenüber 110 000 Pflichtjahrmädchen im Vorjahre. Wenn man sich fragt, woher es denn kommt, daß zahlreiche auf dem Lande gemeldete Pflichtjahrstellen noch heute unbesetzt sind, so muß leider festgestellt werden, daß ein großer Teil der Mädel, mit deren Eintreten in einen ländlichen Haushalt gerechnet werden konnte, sich noch gar nicht zum Pflichtjahr gemeldet haben und abwarten, bis sie eine „passende" — nämlich möglichst bequeme — Stellung finden oder in einen städtischen Haushalt gehen können.
Ist dies aber der Sinn des Pflichtjahres, daß deutsche Mädchen, ehe sie einen Beruf ergreifen, ein angenehmes und vergnügliches Jahr verbringen? Keineswegs, sondern im Pflichtjahr soll jedes deutsche Mädel lernen, einmal tüchtig da zuzupacken, wo es am nötigsten tut, und nach besten Kräften der unermüdlich tätigen kinderreichen Mutter, insbesondere aljo der arbeitsüberlasteten Landfrau, zu helfen. Selbstverständlich ist mit der Einrichtung des Pflichtjahres nicht das schwierige Problem der Landflucht gelöst. Aber eine gewisse Entlastung kann das willige Pflichtjahrmädel der Landfrau bringen und mit seinem Einsatz einen wertvollen Dienst an der Volksgemeinschaft leisten.
Wie steht es nun aber mit gewissen „Befürchtungen" der Eltern, deren Tochter ins Pflichtjahr geht. Sie können mit gutem Gewissen als unbegründet zurückgewiesen werden. Dadurch, daß die Pflichtjahrstellen auf dem Lande anerkannt werden müssen, ist für das Wohlergehen unserer Töchter bestens gesorgt. Das Pflichtjahrmädel wird in die Haus- und Tischgemeinschaft aufgenommen und bekommt einen ausreichend großen, sauberen, verschließbaren und heizbaren Hnterkunftsraum. Um das Wohlergehen des Mädels kümmern sich die Vertrauensfrau der Kreisbauernschaft und insbesondere die Jugendwartin, die die junge Städterin in die junge Dorfgemeinschaft einführt. Auch in die Arbeit wird die Helferin nur allmählich eingeführt und braucht nur das zu leisten, was sie kann.
Nun muß aber auch das Pflichtjahrmädel die nötigen Voraussetzungen mitbringen. Wichtig ist vor allem eine zweckmäßige Ausstattung, die durch ihre Einfachheit nur geringe Kosten verursacht und in den meisten Fällen sogar vorhanden sein wird. Für den Sommer wird man möglichst Waschkleider mitnehmen und für den Winter recht warme Sachen. Anstatt der Seidenstrümpfe sind Söckchen und warme Winterstrümpfe angebracht. Für die Dorffestlichkeiten wird selbstverständlich., keine große Toilette gemacht, sondern ein Volkstanzkleid oder schlichtes Festkleid mitgenommen. Das Schuhwerk wird natürlich flachhackig und derb sein müssen. Zu guter Letzt dürfen auch Lust und Liebe nicht fehlen, mit denen das Pflichtjahrmädel zur Landfrau kommen sollte und ohne die keine Arbeit gedeiht. Bei gutem Willen, die Verhältnisse auf dem Lande nicht ungerechtfertigterweise nach der Stadt zu beurteilen und nach besten Kräften der Landfrau behilflich zu sein, wird das Pflichtjahr auf dem Lande dann aber auch zu einer frohen Schule des Lebens werden.
Sttampelfack und Laufstallchen.
Im ersten Halbjahr erfreut das Kleinkind die Mutter noch durch viel Schlaf und erlaubt ihr dadurch, unbekümmert ihrer Arbeit nachzugehen.
Aber im dritten Vierteljahr erwachen die kleinen Lebensgeister. Unser Baby wälzt sich im Bettchen hin und her, es strampelt fich bloß, es liegt auf, statt unter der Decke und befreit sich mit größter Geschicklichkeit von seinen Windeln. Die hübschen Bettschühchen und die wollenen Höschen aber liegen irgendwo im Bett oder gar auf der Erde. Hundertmal werden die Schuhe wieder übergestreift, die kalten Händchen wieder unter die Bettdecke gesteckt — aber Baby ist nun einmal unternehmungslustig. Natürlich wird da jede junge Mutter bei ihrer Arbeit unruhig — Baby könnte ja doch vielleicht ...!
Was soll nun die Mutter tun, vor allem, wenn sie keine Haushaltshilfe und keine liebevolle Großmutter mit der Aufsicht von Baby betrauen kann? Zum Glück gibt es auch stumme „Kindermädchen", die in den verschiedenen Lebensphasen des Kindes ausgezeichnete Dienste tun. Für unser drei Monate altes Baby schaffen wir uns einen Strampel- s a ck an. Er ist nicht nur im Interesse der Gesundheit des Kindes, sondern auch zur Beruhigung der Mutter hervorragend geeignet. Als Material kann jeder weiche, warme, wasch- und kochfeste Stoff verwendet werden. Für die warmen Tage nimmt man also am besten Baumwolle, an der Innenseite mit dünner wärmender Auflage, und für die kühlere Übergangszeit wählt man Flanell ober Flausch. Man braucht zwei Stoffstücke von etwa 40 Zentimeter Breite und 60 Zentimeter Länge. Die gradlinigen Teile werden aufeinander gelegt, eine der beiden Schmalseiten sauber zugesteckt und dann die beiden Längsseiten zugenäht, d. h. bis auf 20 Zentimeter vom oberen Rand der zweiten Schmalseite entfernt. Die verbleibenden Kanten — also obere Schmalseite und Seitenteile — werden mit einem Bandstreifen sauber eingefaßt. Damit ist eigentlich bereits der Strampelsack fertig. Um den Sack nun noch verschließbar zu machen, werden an den beiden Schlitzen, links und rechts, ein flacher Knopf (Wäscheknopf) und eine Schlinge eingenaht. Damit das Kind nun auch genügend Bewegungsfreiheit hat, läßt man die Stoffteile soweit übergreifen, wie der kindliche Körper es verlangt.
Das zweite stumme „Kindermädchen" ist der Lauf st all. Er ist bei der Erziehung des Kindes einfach unentbehrlich, denn er lehrt das werdende Menschlein das Wichtigste im Leben: sich allein zu beschäftigen. Im Laufstall muß natürlich ein Eckchen sein, in dem sich das Kind auch ausruhen kann. Dazu kommen die Spielsachen, die man ganz einfach an langen Schnüren am oberen Gitterrand befestigt. Damit ist von vornherein auch allem Geschrei vorgebeugt, das Baby anstimmt, wenn es im Heber» schwang seiner Lebenskräfte alle Spielsachen irgendwo in die Gegend wirst. Außerdem kann man das Laufställchen überall im Freien aufstellen, nur muß dann eine wasserdichte Unterlage straff darunter gespannt werden. L»


