Ausgabe 
10.5.1939
 
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Marktordnung und volkswirt­schaftliche Preisbildung.

Äon Felix Havenstein.

Der Preis, den wir für eine Ware bezahlen, ist der Wertausdruck der Gegenleistung für erstellte Güter und Leistungen. Er ist zugleich eine Wirkungskraft, da alle Preise ja zugleich Einkommen darstellen, das jm wirt­schaftlichen Kreislauf dreifach wiederkehrt, und zwar als Gesamtwert der erzeugten Güter und Dienst­leistungen, als Summe der aus der Erzeugung fließendem Einkommen und schließlich als Gesamt­wert des Verbrauchs und der Sparbilüung. Da alle Preise miteinander im Zusammenhang stehen, weil ja der Preis nicht nur Wertausdruck ist und nicht nur Einkommen darstellt, sondern auch Kaufkraft, bringt die Schwankung eines Preises Ver­schiebungen des volkswirtschaftlichen Preis- aefüaes mit sich und dadurch naturgemäß auch Kauskraftschwankungen. Muß also der Bauer bei­spielsweise m einem Jahr für eine landwirtschaft­liche Maschine eine Tonne Weizen hingeben und im nächsten Jahre 1,25 Tonnen, dann sagen wir, die Kaufkraft des Weizens ist gesunken, während wir bei umgekehrter Entwicklung eine Steigerung der Kaufkraft des Weizens feststellen würden.

Allein dieses Beispiel zeigt, welche Bedeutung der Preis in der Volkswirtschaft hat. In einer schwach entwickelten Wirtschaft mit kleinen Märkten, in der der Naturaltausch mach vorherrscht, spielt der Preis natürlich eine wesentlich geringere Rolle als in einer hochentwickelten Marktwirtschaft, woraus erleuchtet, daß die Preisbildung in der modernen Wirtschaft nicht dem sogenannten freien Spiel der Kräfte überlassen werden kann. So mußten denn auch die um die Wende vom 18. zum 19. Jahr­hundert von der Wirtschaftslehre des Frühliberalis­mus festgelegten Preisgesetze, die auf Angebot und Nachfrage beruhten, immer wirklichkeitsfremder wer­den. Aber wie der Freipreis des Frühliberalismüs, so blieb auch der gebundene Preis des Spätlibe­ralismus in der Form des Kartell- und Monopolpreises wirklichkeitsfremd. Seine verheerenden Auswirkungen hat jeder einzelne am eigenen Leibe zu spüren bekommen. Der Freipreis wie der gebundene' Preis des Spätliberalismus waren Machtpreise. In der modernen Wirt­schaft hat der Preis jedoch ein Leistungspreis zu sein.

Wenn nun die Herstellung eines Gefüges von Leistungspreisen in der modernen Wirtschaft auch nicht leicht ist, so ist sie doch dringend erforderlich und ist Aufgabe der staatlichen Wirt­schaftsführung. Wer das Gefüge des Welt­marktes einmal von diesem Gesichtspunkt aus be- tracbtet, wird feststellen können, daß die meisten Volkswirtschaften heute an dem Mangel einer wirt­schaftlich, völkisch und staatlich sinnvollen Preis­ordnung leiden. Eine solche Preisordnung setzt, da die Preise auf den Märkten bezahlt werden, eine Marktordnung voraus, die in Deutschland bereits durch die Marktordnung des Reichs­nährstandes zunächst im landwirtschaftlichen Sektor der deutschen Volkswirtschaft umfassend ver­wirklicht und im Laufe der letzten Jahre immer mehr verfeinert worden ist. Daß die Schaffung einer solchen Preis- und Marktordnung für die Gesamtwirtschaft einen allmählichen Wachs­tumsvorgang voroussetzt, ist selbstverständlich.

Von welchem entscheidenden Gewicht in Deutsch­land die Durchbildung der Preisordnung im Rah­men der landwirtschaftlichen Marktordnung ist, er­leuchtet die Tatsache, daß in Deutschland allein 40 v.H. des Einkommens für Lebensmittel ausgegeben werden. Und wie gesund sich dieser Ein­griff in die zerrütteten Preis- und Einkommensver­hältnisse der deutschen Landwirtschaft vom Jahre 1932/33 auswirkte, zeigt die Tatsache, daß die Ver­kaufserlöse der deutschen Landwirtschaft von 6,4 Mil­liarden Reichsmark im Jahre 1932/33 auf über 9,6 Milliarden Reichsmark im Jahre 1937/38 ge­stiegen sind. Jm Gesamtbild zeigt auch die volks­wirtschaftliche Preisentwicklung in Deutschland seit 1933 unter dem Einfluß der Preis- und Marktord­nung keine Ausschläge mehr, wie sie die Schwan­kungen zwischenKonjunktur und Krise" im Spät­liberalismus fast ständig mit sich brachten.

Stephan Noch ein Siebenbürger Volksheld.

Am 11. Mai 1849 fiel der evangelische Pfarrer Stephan Ludwig Roth von Meschen in Sieben­bürgen unter den Kugeln eines ungarischen Exekutiv- kommandos. Neunzig Jahre sind seit diesem

ll.age verstrichen, Jahrzehnte, die ein ewiges Ringen !oer Siebenbürger Sachsen um die Erhaltung und Festigung ihres Deutschtums sahen. Roth war einer -euer Männer, wie ihn die seit siebenhundert Jah­ren'in Siebenbürgen sitzenden Deutschen brauchten: aufrecht und beharrlich, sittenstreng und fortschritt­lich, treu deutsch und vom Scheitel bis zur Sohle üin Führer seinesVolkes. Schon frühzeitig neigten sich bei ihm die Ansätze einer Führernatur, ön Tübingen studierte er Theologie, kam dann mit Pestalozzi zusammen und kehrte mit dem reichen Ideengut dieses Volkserziehers in seine Heimat zu­rück. Er sorgte dafür, daß ihm deutsche Bauern folg­ten, die er in seiner Siebenbürger Heimat ansiedelte. Aber bald nach dieser Siedlung wehten auch durch

die österreichisch-ungarische Doppelmonarchie die Stürme des Jahres 1848, die in Ungarn eine be­tank österreich-feindliche, damit also auch deutsch­feindliche Bewegung auslösten. Roth erkannte, was auf dem Spiele stand, er trat an die Spitze seiner deutschen Volksgenossen, zu denen sich die von den Ungarn unterdrückten Rumänien Siebenbürgens hinzugesellten. Von Wien aus wurde er zum Be­friedungskommissar im Kokelsburger Komitat er­nannt, wo er seine Aufgabe mit Geschick erfüllte,

von Wien wurde er auch verlassen. Denn im Ja­nuar 1849 wurde er von den Ungarn verhaftet, was sicherlich nicht geschehen wäre, wenn man in Wien Treue mit Treue vergolten hätte. Wenige Stunden nach der Festnahme erfolgte bereits die standrecht­liche Erschießung. Tapfer und aufrecht nahm Roth die Vollstreckung desUrteils" an. Er starb für sein Volk und für seine Ideen, er löste aber auch die Achtung derjenigen aus, die das Kommando für die tödlichen Schüsse erteilten.

Festsitzung -es Gaukulturrates.

Präsident Müller-Scheld über das Themallnterhaliungsstück oder Drama".

NSG. Als einer der Höhepunkte der Gaukultur­woche fand im Frankfurter Stadel eine Fest­sitzung des Gaukulturrates statt. Nach dem Adagio in E-dur von Haydn eröffnete Gau­leiter Sprenger die Sitzung, indem er auf die Bedeutung des vor zwei Jahren gegründeten Gau­kulturrates hinwies, dessen Mitglieder den Gau- kulturwart auf ihrem speziellen Fachgebiet bei der Arbeit unterstützen sollen. Der Gauleiter dankte den Mitgliedern für ihre Pflichterfüllung bei der Lösung dieser Ausgabe und gab die Anregung, daß der Gaukulturrat im kommenden Jahr in größeren Zeit­abständen zu mehreren Sitzungen zusammentreten möge, wobei im Herbst das Thema der nächsten Gaukulturwoche Gegenstand eines Gedankenaus­tausches sein werde.

Er übergab dann das Wort dem Präsidenten der Deutschen Filmakademie, Wilhelm Müller - Scheld, der sich zunächst mit einigen Grund­begriffen der künstlerischen Gestaltung beschäftigte: wesentlich sei, daß der Künstler nicht nur talentiert fei, sondern auch eine klare Ausgabe vor sich sehe. Der Dichter müsse ein in einer Zeit allgemein gültiges Gefühl auf eine Formel bringen. Der sei zum Beispiel ein großer Dichter, der ein wirkliches Volkslied zu schaffen vermöge. Der Dichter habe die Aufgabe, die Kräfte unserer Zeit zu personifi­zieren und darzustellen. Der Begriff der Unter­haltung sei zu bejahen, aber nicht der schaffe ein nationalsozialistisches Unterhaltungsstück, der Unifor­men und zeitnahe Stoffe auf die Bühne bringe, sondern nur der, der die Gedankengänge und For­derungen des Führers ausgenommen und in sich verarbeitet habe. Nur, wenn er aus nationalsozia­listischer Weltanschauung heraus schaffe, könne er wirklich nationalsozialistische Stücke schreiben.

Der Künstler müsse sich ernsthafter mit den Er­kenntnissen unserer Zeit beschäftigen und nicht zum Beispiel beim Unterhaltungsstück Heiterkeitserfolge mit Dingen erringen, deren schädlichen Einfluß wir heute kennen und die wir deshalb bekämpfen. Bei allem künstlerischen Schaffen müsse der Künstler an die Jugend denken, die in der HI. zu gesunden Anschauungen erzogen werde. Das Theater müsse bereit gehalten werden für diese nationalsozia­listischen Stücke und für das Dichtergenie, das sich nicht herauforganisieren lasse, das sich aber wohl über das heutige Theater und auch vielleicht über das Unterhaltungsstück entwickeln könne. Da das Theater seinen Spielplan nach dem Fassungsver­mögen seiner verschiedenen Besucher richten müsse, müsse ein Spielplan selbstverständlich nuanciert sein, und es könne mcht heißenDrama oder Unterhaltungsstück", sondern nurDrama und Unterhaltungsstü ck".

Müller-Scheld führte dann weiter aus, daß vielleicht für viele heute noch als bedeutend ange­sehene Stücke der Zeitpunkt kommen werde, wo sie in vielen Dingen und Motivierungen von der in der HI. in einer bestimmten Weltanschauung er­logenen Jugend nicht verstanden würden. Auch daraus ergebe sich, daß man die Weltanschauung des Führers in sich ausgenommen haben müsse, um heute schöpferisch tätig sein zu können. Es gäbe

kein großes Drama ohne eine Weltanschauung. Auch auf dem Gebiete der Unterhaltung müsse das Theater nationalsozialistisch geleitet werden. Damit es seine Berechtigung behalte, müsse es darauf achten, daß auch die Unterhaltungskunst national­sozialistische Haltung habe. Gauleiter Spren­ger dankte dem Präsidenten der Deutschen Film­akademie für die Fülle der Anregungen, die er für eine spätere weitere Unterhaltung über dieses Thema im Gaukulturrat gegeben habe und schloß die festliche Sitzung.

Zeitgenössische Musik in Darmstadt.

NSG. Zu einem großen Erfolge wurde das Kon­zert zeitgenössischer Musik im Hessischen Landestheater in Darmstadt, das im Rahmen der Gaukulturwoche vom Rhein-Mainischen Landes­orchester aufgesührt wurde. Es war ausschließlich Werken von lebenden hessen-nassauischen Tonkünst­lern gewidmet. Damit erfüllte auch das Landes­orchester seine ihm von Gauleiter Sprenger bei der Gründung übertragene Aufgabe, zeitgenössische Mu­sik zu pflegen und in die Bevölkerung hineinzu­tragen. Zu Gehör kamenKleine Suite für Or­chester" von Kurt Hessenberg, sechs Lieder für Altstimme mit Orchester von Johanna S e n f t e r, Sinsonietta" von Gustav Adolf Schlemm, Or- chestervorspiel und drei Gesänge für Tenor aus Hohelied der Arbeit" von Rudolf R a ck y und Festliches Vorspiel" von Willi Renner. Unter der Leitung von Gaumusikinspizient Fritz C u j e ge­staltete das Rhein-Mainische Landesorchester, das immer mehr zu einem Klangkörper mit ausgefeiltem Spiel wird, den Abend zu einem erbauenden Erlebnis. Als Solisten wirkten mit: Luise Ri­chartz, Alt, und Anton Knoll, Tenor, beide aus Frankfurt.

ÄollerErfolgderGA.-Kleinkunstbühne

NSG. Jm Rahmen der Gaukulturwoche Hessen- Nassau trat die SA. -Gruppe Hessen in Frankfurt a. M. zum erstenmal mit ihrer Klein- kun st bühne an die Oeffentlichkeit. Mit kabaret­tistischen Darbietungen aller Art, mit musikalischen Einlagen, turnerischer Artistik und Einaktern in Glossenform aus dem alltäglichen Leben, rollte ein nur von SA.-Männern gestaltetes Programm ab, das der Kleinkunstbühne der SA.-Gruppe Hessen schon bei ihrer ersten Veranstaltung einen schönen Erfolg brachte.

Veranstaltungen am Mittwoch.

Frankfurt: Festliche Kulturfilmveranstaltung. Es spricht Landeskulturwalter Stöhr. Durchgeführt von der Reichssilmkammer. Große Kulturkund­gebung. Es sprechen Gaupropagandaleiter und Landeskulturwalter Stöhr, der Präsident der Deut­schen Filmakademie, Wilhelm Müller-Scheld, über das Thema:Die Aufgaben der Deutschen Film­akademie." Mitwirkende: Das Rhein-Mainische Lan­desorchester unter Leitung von Gaumusikinspizient Fritz Cujs.

LlmsassendeFürsorge sürMutter undKind

Frühjahrstagung der Wissenschaftlichen Gesellschaft der Deutschen Aerzte des Oeffentlichen Gesundheitsdienstes in Hessen.

Bad-Nauheim, im Mai.

Vom 5. bis 7. Mai hielt die Wissenschaft­liche Gesellschaft der DeutschenAerzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes in Hessen ihre Frühjahrstagung in Bad-Nau­heim ab. Jm Mittelpunkt der Beratungen stand die Sorge für M utter und Kind. Alle Bemühungen der Amtsärzte sind darauf gerichtet, mit aller Mitteln der Säuglings st erblich- k e i t entgegenzutreten.

Medizinalrat Dr. Vollbrandt (Fritzlar) be­handelte die Organisation der Schwangeren-, Müt­ter-, Säuglings- und Kleinkinderfürsorge unter be­sonderer Berücksichtigung der Landkreise. Er ver­neinte die Frage, ob bas Gesundheitsamt auf dem Lande ärztlich geleitete Sondersprechstunden für Schwangere abhalten soll, weil eine ausreichende Erfassung der Schwangeren auf dem Lande bei den weiten Entfernungen und schlechten Verkehrs­verhältnissen kaum möglich ist. Dagegen empfahl er, in den regelmäßigen Mutter- und Säuglingsberat'ungen auch die Schwange­ren vom Amtsarzt ober einem Arzt des Gesund­heitsamtes beraten zu lassen. Die Mütter-Be­ratungsstellen sollen zeitlich und örtlich mit der Hilfsstelle Mutter und Kind zusammengelegt werden. In diesen Mütterberatungen werden sowohl die Säuglinge wie auch die Kleinkinder bis zum Schul­alter betreut. Der Vortragende verlangte, daß in den Mütter-Beratungsstellen ein Arzt des Gesund­heitsamtes ober ein praktischer Arzt, bie zuständige Vertrauensfrau der NSV., die zustänbige Gesund- heitspflegerin des Gesundheitsamtes, die zuständige Hebamme, Gemeindeschwester und evtl. Helferinnen vom Roten Kreuz mitarbeiten müßten. Es sei not­wendig, auch in dem kleinsten Dorf, in Schulen oder Wirtschaften fliegende Mütter-Beratungsstellen in straffer Organisation in mindestens vierwöchent­lichen Abständen einzurichten, damit den Müttern längere Wege erspart bleiben und ein regelmäßiger Besuch ermöglicht wird. Um insbesondere die ge­fährdeten Kinder und Säuglinge zu erfassen, sei es wünschenswert, Listen anzulegen, mit deren Hilfe der Zustand aller geborenen Säuglinge beobachtet werden könne. Anhand dieser Listen kann bann ber Arzt die Gefährdung des Säuglings am besten be­urteilen und bestimmen, ob und wie oft die Mütter­beratung besucht werden muß. Nach jedem Besuch werden von dem Arzt entsprechende Eintragungen in diese Liste gemacht, so daß ein laufender Ueder- blick über den Gefunoheitszustand der Säuglinge gegeben ist. Aufgabe der Gesundheitspflegerin ober der örtlichen Vertrauensfrau der NSV. ist es, dafür zu sorgen, daß die Mütterberatungen auch besucht werden. Grundsätzlich sei von dem Arzt zu ver­

langen, daß er in der Mütterberatung keine ärztliche Behandlung vornehme, sondern gegebenenfalls bie Beh andlung an ben Hausarzt überweist.

Dr. B e n z i n g behandelte dann die vorbeu­genden Maßnahmen der Rachitisde- f ämpfung und verlangte, daß in den Winter- monaten durch die Beratungsstellen ein antirachiti­sches Vitamin zur Verfügung gestellt werden fall. Durch die Zusammenarbeit der staatlichen Gesund­heitsämter mit den Aerzten der Sozialversicherun­gen und den Hilfsstellen ber NSV. könnten in Zu­kunft einzigartige Erfolge erwartet werden. In die­sem Zusammenhang gedachte er auch des Hilfs- werks Mutter und Kind ber NSV., dessen soziale Betreuungsaktionen sich an die gesundheit­lichen Feststellungen der Gesundheitsämter anschlie­ßen und außerordentlich gute Ersolge haben. Hier ist die segensreiche Wirkung der Müttererholung, der gemeinsamen Verschickung von Müttern und Säuglingen und der Kindergärten zu gedenken, die zu neuen gesundheitlichen Pflegeftätten ausgebaut werden, die dem Kind bie Heilkräfte der Natur zu­gänglich machen. Diesen Einrichtungen kommt in einer Zeit des erhöhten Einsatzes der Frau, sowohl der Landfrau als auch der in ber Industrie tätigen Frau, ganz besondere Bedeutung zu. Jm letzten Referat behandelte Professor Dr. W i s f o 11 (Mar­burg) bie Heilbehandlung ber Ernährungsstörungen beim Säugling unb bie groß angelegte Bekämpfung ber Infektionskrankheiten des Säuglings (Pocken, Diphtherie, Scharlach) mit aktiven Jmmunisierungs- verfahren. In Derbinbung mit der Frühjahrs­tagung fand ein Fortbildungslehrgang für Amts­ärzte, an dem auch die Vorsitzenden ber Erbgesund- heitsgerichte ,unb Erbgesundheitsobergerichte teil­nahmen. in Bad-Nauheim statt.

Der bekannte Herzspezialist Professor Dr. Weber (Bad-Nauheim) sprach überBerufundKreis- lauf" und betonte dabei die Notwendigkeit des Elektrokardiogramms, das es ermögliche, auch die kleinsten Herzschäden schon frühzeitig zu er­kennen und ber Behanblung zuzuführen. Oberarzt Dr. Linke (Bad-Nauheim) legte seinem Referat über bieBeurteilung von Herzkrankheiten in ber Sozialversicherung" ein umfangreiches Material zu- grunbe. Die Säuglingsernährung spielt in ber Säuglingspflege eine außerorbentlich wichtige Rolle. Damit beschäftigte sich ber Chefarzt bes Kin- berkrankenhauses Kassel, Dr. B e n z i n g. Er ging auf bie Aufgaben ein, bie bem staatlichen Amtsarzt in ber Säuglingsfürsorge gestellt finb. Es kommt barauf an, Ernährungsgrunbsätze aufzustellen, bie für bie große Mehrzahl ber Säuglinge Geltung haben. Hierzu gehört bie Minimalernährung, b. h. bas Angebot von so viel Nährstoffen, als bas Kinb

Derkehrsdisziplin gegen Giraßentod.

Auf Befehl des Führers ist eine Verordnung er­lassen worden, die Höchstgeschwindigkeiten für Kraft­fahrzeuge festsetzt, und zwar 100 bzw. 70 Kilometer auf Autobahnen und Landstraßen und 60 bzw. 40 Kilometer in ber Stabt. Die Begrenzung der Höchst­geschwindigkeit ist im wesentlichen eine notwendige Ergänzung der Maßnahmen, bie burch bie Moto­risierung Deutschlands in ben letzten Jahren ge­troffen würben, denn bie Folgen ber Autoraserei nahmen mit ber Verkehrsstärke unverhältnismäßig stark zu. Schon in seiner Rebe zur Eröffnung der Internationalen Automobil- unb Matorradausstel- lung in Berlin hatte sich ber Führer am 17. Februar 1939 in scharfen Worten gegen bie Autoraserei ge­wandt. Er hatte gesagt, das deutsche Volk bringe in sechs Jahren genau so viel Tote bem Verkehr Zum Opfer, wie ber Deutsch-Französische Krieg 1870/71 im Gesamten an Gefallenen geforbert habe. Das sei ein unerträglicher Zustand. Wenn ein . Eisenbahnbeamter ein Unglück verschulde, dann würde er als gewissenloser, das Leben seiner Mit­menschen mißachtender Verbrecher angesehen unb bestraft. Das gleiche müsse für ben verantwortungs­scheuen Kraftfahrer gelten. Die Menschen, burch bie bie Nation jährlich runb 7000 Tote unb 18 000 Verletzte verliert, seien verantwortungslos unb ihre Bestrafung sei baher selbstverständlich. Wer auf feine Mitmenschen keine Rücksicht nehme, ber könne auch keine Rücksicht vom Staat und von der Volks­gemeinschaft erwarten, unb biefe müßten verbreche­rische Elemente ebenso vernichteten unb ausrotten wie Autofallensteller, Droschkenräuber unb Mörber.

Jeder vernünftige Bürger, ob er Kraftwagen fährt ober nicht, hat diesen Worten zugesttmmt. Die nunmehr festgesetzten Höchstgeschwindigkeiten sind ein Ergebnis praktischer Erfahrung. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 60 Kilometern in der Stabt hat der Fahrer seinen Wagen noch in ber Hand unb Unfälle können also oermieben werben. Auf ben Autobahnen unb Lanbstraßen ist eine Durchschnittsgeschwindigkeit von runb 80 Kilometern immer noch ben schnellen Eisenbahnzügen über­legen, zubem besitzen wir in ben Autobahnen die besten Straßen ber Welt, so baß wir es uns leisten können, gewissermaßen mit Verstanb zu fahren, ganz abgesehen bavon, baß diese Durchschnittsge- schwindigkeit allen Ansprüchen genügt. Selbst ber eiligste Geschäftsmann wirb die Minuten, bie er durch schnelleres Fahren herausholen kann, gern vermissen, wenn er bie Gewähr hat, baß er burch langsameres Fahren sich selbst unb die Allgemein­heit vor Schaden bewahrt. Zudem ist folgendes wirtschaftliches Moment noch wichtig: bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 60 bis .70 km/st wird die Beanspruchung ber Reifen und der Ben­zinverbrauch am vorteilhaftesten sein. Die Abnutzung der Reifen unb ber Benzinverbrauch nimmt bei größerer Schnelligkeit rapibe zu, ganz abgesehen davon, daß bas überschnelle Fahren auch bie Le­bensbauer bes Wagens beeinflußt. Wir müssen aber darauf bedacht sein, unsere Krafttvagensubstanz nicht zu verschleudern, sondern pfleglich zu behan­deln. Und ferner ist bei Geschwindigkeiten von über 100 Kilometer eine Panne, sei es am Reifen oder sonstwo, für d?n Fahrer geradezu katastrophal. Die Vorschriften werden natürlich streng durchge- führt werden unb jeber Deutsche wirb sie begrüßen, da sie eine Erhöhung der Sicherheit aller Verkehrs­teilnehmer erstreben.

braucht, um gut zuzunehmen. Dabei werben lieber« fütterungen vermieden. Als die gebräuchlichsten Mi­schungen bezeichnete er Vi bis % Liter Milch mit entsprechenden Kohlehydrat-Zusätzen. Die höchst- zulässige Trinkmenge für den Säugling beträgt ein Liter Milch täglich. Das Angebot von Vollmilch, auch von gesäuerter Vollmilch in der Fürsorge wurde vom Vortragenden abgelehnt, weil dadurch die Müt­ter leicht zu Nahrungsüberschreitungen neigen. Jm Vordergrund ber Arbeit ber Mütterberatungsstellen muß bie Förderung ber natürlichen Ernährung stehen. Es gilt, ben Stillwillen zu färbern unb burch Beratung über eine geeignete Stilltechnik auch eine längere Stillbauer zu erzielen. Wünschens­wert ist, baß bie Mütter ihr Kinb minbestens sechs Monate lang stillen: vom vierten Monat ab kann eine Gemüsemahlzeit eingeführt werben. Der Vita­mingehalt ber Muttermilch soll burch eine geeignete Ernährung unb Lebensweise ber Mutter geforbert werben. Brustkinder finb Flaschenkindern in jeber Hinsicht überlegen. Bei künstlicher Ernährung muß ganz besonbers auf bie erforberliche Vitaminzufuhr geachtet werben. Jm Winter tritt bie Apfelsine unb Zitrone neben ben einheimischen Apfel, aber auch bie Mohrrübe leistet als Saft vorzügliche Dienste.

Der Wille zur Familie.

Der glanzvolle Aufstieg bes neuen Reiches muß feine Ergänzung und Sicherung in ber Sub - sianzerhaltung unseres Volkstums finden. Es hätte keinen Zweck, für eine Zukunft zu arbeiten und Opfer zu bringen, bie ein zahlen­mäßig abfinfenbes deutsches Volk ihr eigen nennen müßte. Insofern sind bie Ergebnisse unserer Be­völkerungspolitik, die uns von Zeit zu Zeit vorge- (egt werden, nicht nur eine Angelegenheit ber Stati­stiker, sondern' ein politisches Faktum ersten Ran­ges. Unser Volk befand sich jahrelang im Zustande der Ueberalterung, weil ihm ber ausreichende Nach­wuchs fehlte. Es mußte der Zeitpunkt kommen, in dem ber Vorteil der durchschnittlich längeren Lebens­dauer unserer Generation in Wegfall kam, so baß die Stagnation ober gar ber Rückgang ber Bevölke­rungszahl sichtbar mürbe. Aber schon ber Stillstand ist Rückgang.

Die Zeit seit 1933 hat hier Wandel gebracht, ber uns aber keineswegs aller Sorgen entheben kann. Der neue politische Wille mußte sich in ben ver­stärkten Lebenswillen ber Nation Um­setzer!, bie Ueberroinbung ber Arbeitslosigkeit ermög­lichte bie Schließung neuer Ehen, bie Eheftandsdar- lehen erleichterten in zahlreichen Fällen bie Finan­zierung. Es finb feitbem 1,2 Millionen Ehen burch dieses Darlehen unterstützt worden, insgesamt wur­den dafür 750 Millionen Mark bewilligt, also durch­schnittlich 600 Mark für ben einzelnen Hausstand. Die Folge war das Anwachsen der Ge­burtenzahl.

Zunächst herrschte die Besorgnis, daß auch diese jungen Ehen sich mit dem Ein- ober Zweikinder- system abfinben würden. Die Bedeutung ber Stati­stik liegt darin, daß diese Meinung keine Stütze findet. Jm Altreiche hatten wir 1933 rd. eine Mil­lion Lebendgeborene, 1937 waren es 1 276 000. 1938 aber, stieg die Ziffer noch einmal, unb zwar auf 1 347 000. Wenn wir unser Volk auf ber bisherigen zahlenmäßigen Höhe auf die Dauer erhalten wol­len, so finb allerdings 1 496 000 jährlicher Gebur­ten erforderlich ober 19 je Tausend. E s fehlen