Ausgabe 
10.5.1939
 
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Nr. 108 Erstes Stau

189. Jahrgang

Mittwoch. 10. Mai 1939

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General-Anzeiger für Oberhessen

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Das britische Mobiimachungsgeseh

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Generalstabschefs Pariani nach Spezia,

Unser Bildtelegramm zeigt den König und Kaiser Viktor Emanuel während der Ordensverleihung auf der Ehrentribüne. Hinter ihm Königin Elena, Generaloberst von B r a u ch i t s ch und der D u e. (Associated-Preß°M.)

nährung vollkommen unabhängig sein, während schon auf zahlreichen Gebieten der Pro­duktion die Bedürfnisse der Bevölkerung vollauf ge- deckt seien. Ebenso schwach seien aber auch die mili­tärischen Berechnungen. Man vergesse offenbar, daß, während die italienischen Streitkräfte nur auf einige Abschnitte verteilt würden, die französischen und englischen Streitkräfte an nicht weniger als 42 bzw. 49 Punkten des Erdballs eingesetzt werden müßten. Was die angebliche Schwäche Italiens zur See betrifft, so vergesse man in Paris offenbar, daß Italien über eine große Anzahl von Unter­seebooten verfüge, die im Falle eines Krieges nicht einfach in den Häfen liegen bleiben würden, sowie über eine gewaltige'Luftwaffe, die imstande sei, an jedem Punkt des Mittelmeeres ein­zugreifen, und die nicht nur bis nach Tunis, Mar­seille, Paris oder Bordeaux, sondern auch nach Lon­don gelangen könne, um dort ihre Bomben abzu­werfen. Das Märchen von einem armen, mittel­losen Italien, das über keine Hilfsquellen verfüge, gehöre ebenso zu dem alten Gerümpel wie das eines allmächtigen Frankreich. Deutschland habe, in­dem es in Mailand ein Militärbündnis mit Ita­lien geschlossen habe, bewiesen, daß es vom heutigen Italien mehr weiß als Frankreich.

verwurzelten nationalen Selbstbewußtseins spielt der Hintergedanke einer Lösung von der seit Jahr­hunderten bestehenden Abhängigkeit von England unbedingt eine Rolle. Mit Vorliebe wird daher betont, daß die, im letzten Jahrzehnt durchgeführte wirtschaftliche und politische Reform ohne die geringste Unter st ützung Eng­lands erfolgt ist. Auch dem Freundschaftsvertrag mit Spanien liegt ohne Zweifel der Wunsch zu Grunde, sich auf der Iberischen Halbinsel ein Gegen­gewicht gegen die britische Bevormundung zu schäft fen. Man betrachtet es in Lissabon als einen mora­lischen Erfolg, im spanischen Bürgerkrieg vom er­sten Augenblick an richttg beurteilt zu haben. Nach­dem nun auch noch England durch den in Portugal am Ende eines zweieinhalbjährigen Kampfes gegen den Bolschewismus doppelt unverständlichen Vor­schlag einer militärischen Annäherung an Rußland das Vertrauen in die Ehrlichkeit seiner Politik aufs neue schwer geschädigt hat, kann man sich über einen ziemlich ausgeprägten Stimmungswechsel in Lissa­bon kaum noch täuschen. So schrieb kürzlich bei­spielsweiseDiorio de Noticias":Portugal sucht in sich selbst die Richtlinien für seine ehrenvolle Un­abhängigkeit. Es hat sich von dem ausländischen Gläubiger (gemeint ist England) frei gemacht, der ein Jahrhundert lang über sein inneres und äuße­res politisches Leben verfügt hat. Es gestattet sich daher in Europa die Freundschaften zu unterhalten, die es sich nach bestem Gewissen und freiem Gut­dünken ausgewählt hat".

bestimmte, heute noch vom Staat selbst ausgeübte Obliegenheiten übernehmen können. Der jetzt noch zu Recht bestehende Ausnahmezustand wird daher nur als Uebergangsstadium betrachtet. Die im März 1933 gegebene Verfassung enthält den Artikel:Der Staat hat die Aufgabe, den Zusammenschluß aller Korporationen moralischer, kultureller und wirt­schaftlicher Natur zu ermächtigen und ihre Bildung zu fördern und zu unterstützen." Durch die korpo­rative Organisation des Staates soll der Klassen­kampf gegenstandslos werden und an feine Stelle ein neues System des Gleichgewichts treten, das die für eine intensive Steigerung der Produktion erforderliche Gewähr des sozialen Friedens bietet. Hierbei ist es unverkennbar, daß bei dieser Neu­erung an Einrichtungen wieder angeknüpft wird, die in der Vergangenheit schon vorhanden waren, und zwar an die mittelalterlichen Zünfte, Gilden und Bruderschaften. Doch wird ausdrücklich betont, daß es sich nicht etwa um eine Rückkehr handelt, andern vielmehr auf Grund in früheren Zeiten gemachter Erfahrungen ein solider Ausgangspunkt ür eine fortschrittliche Neuorientierung geschaffen werden soll.

Bei dieser in jeder Hinsicht zu beobachtenden Be­lebung eines in einer ruhmreichen Vergangenheit

send und jeweils einen Monat zu Hebungen heran- geZogen werden. Das Unterhaus nahm ohne Ab­stimmung die Gesetzesvorlage an.

Der liberale Abgeordnete Mander versuchte die Abgeordneten für eine Gesetzesvorlage zu gewinnen, die vorsieht, daß im Kriegsfälle diejenigen, die wegen ihres hohen Vermögens Sonder st euer zahlen, einen Teil ihres Vermögens dem Staat für Rüstungszwecke zur Verfügung stellen sollen. In Anbetracht der Einführung der Wehrpflicht für die Jugendlichen sei dies eine mora­lische Notwendigkeit. Insgesamt würden rund 95 000 Engländer davon erfaßt, wenn man eine Altersgrenze von 60 Jahren annehme. Es gelang Mander jedoch nicht, die notwendige Mehrheit zu­sammenzubringen.

Der Tag des italienischen Heeres.

Generaloberst von Brauchitsch als Gast bei der großen Parade in Hom

Italien in Waffen.

Das politische und militärische Bündnis Deutsch­lands mit Italien ist die Folgerung aus der gleich­gerichteten, von nationalen und sozialen Prinzipien ausgehenden Umformung der beiden Völker durch ihre Führer. Beide Nationen sind insofern in der gleichen Lage, als bei ihnen rund 140 Einwohner (in Italien 140,5) auf den Quadratkilometer kom­men, wozu bei Italien noch die größere landwirt­schaftliche Betätigung der Bevölkerung tritt, denn nach der letzten Volkszählung waren nicht weniger als 43,5 Prozent der italienischen Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig. Dieses italienifctye Bauern- tukn ist der Kraftquell der Nation, die sich außer­ordentlich schnell vermehrt. Das europäische Italien hat deshalb auch in der Bevölkerungszahl Frank­reich, wo nur 76,1 Einwohner auf den Quadrat­kilometer kommen, überflügelt. Es hatte nach der letzten Volkszählung 43,58 Millionen Einwohner gegen nur 41,9 in Frankreich.

Der von Mussolini der ganzen italienischen Na- tion eingeflößte soldatische Geist ist in jedem ita­lienischen Staatsbürger geweckt worden, der sich als Träger einer aufwärtsstrebenden Nation mit historischer Sendung betrachtet. Der neue ita­lienische Soldat, wie ihn Mussolini schuf, hat Gelegenheit gehabt, die Lehre des Duce prak- ttsch zu erproben, und zwar in Abessinien, als Freiwilliger in Spanien und bei der Besetzung Al­baniens. Die Unterwerfung des gebirgigen und in den Tälern tropischen Abessinien wurde mit einer Machtentfaltung vorgenommen, die den Eng­ländern und Franzosen überraschend kam, die cs aber gestattete, daß in nur acht Monaten vor dem Eintritt der großen Regenzeit das ganze Gebiet erobert werden konnte. Dieser Kolonialkrieg zeigte bereits die Anwendung neuer Methoden. Zunächst hatten die Italiener ihre Kolonnen massiert, aber nach einigen Monaten erwies es sich, daß durch motorisierte, schnell bewegliche Abteilungen in Ver­bindung mit der Luftwaffe der Feind schneller zu Boden geworfep werden konnte. Die Einnahme von Addis Abeba durch diese Abteilungen war ein Glanzstllck der strategischen Anlage, der Durch­schlagskraft der modernsten Waffen und des He­roismus, mit dem der italienische Soldat alle Stra­pazen auf sich nahm.

An dem Feldzug in Spanien nahm Italien durch Freiwilligenformationen und Flugzeuge gegen einen mit den 'modernsten französischen und sowjet-

R. G. Rom, 9. Mai.

Ganz Italien begeht heute denTag des Heeres", der zum Nationälfeiertag erklärt wor­den ist. DerTag des Heeres" fällt zusammen mit dem dritten Jahrestag der Gründung des Impe­riums. In Rom fand eine große Truppen­schau statt, der ein zahlreiche Bevölkerung bei­wohnte. Zwischen dem Kolosseum und dem National­denkmal war eine riesige Tribüne errichtet, auf der das Königspaar, der Duce, die Vertreter der Regie­rung, der Faschistischen Partei sowie zahlreiche aus­ländische Ehrengäste Platz genommen hatten. Unter den Ehrengästen bemerkte man auch den Ober­befehlshaber des deutschen Heeres, Generaloberst von Brauchitfch, sowie eine spanische und eine albanische Militärabordnung. Die Tribüne war mit den Fahnen Italiens, Deutschlands, Spaniens und Albaniens geschmückt. Auf den Seitentribünen sah man das diplomatische Korps, Vertreter der Militär- und Zivilbehörden sowie eine Abordnung der Lan­desgruppe Italien der NSDAP.

Der Parade ging die Auszeichnung einer Reihe von verdienten Kämpfern durch den König und den Duce voraus. Etwa eineinhalb Stunden dauerte dann der Vorbeimarsch der Trup­pen, die einen Ausschnitt gaben von dem hohen Stand des italienischen Landheeres. Zwanzigtausend Mann, dreihundert TankZ und dreihundert Ge­schütze nahmen an der Parade teil. Auf den Stufen des Nationald.enkmals folgten dreißigtausend ver­abschiedete Offiziere dem militärischen Schauspiel, um durch ihre Anwesenheit ihrer» Verbundenheit mit dem Heer Ausdruck zu geben. Stürmisch be­grüßt wurden bei ihrem Vorbeimarsch die ita­lienischen Legionäre, die in Spanien kämpften und die etwa sechshundert Mann starke Abordnung des albanischen Heeres in Nationaltracht.

Nach der Parade strömte die Zuschauermenge auf die Paradestraße und erschien später vor dem Palazzo Venezia, um dem Duce immer wieder zuzujubeln. Schließlich zeigte sich Mussolini auf dem Balkon des Palazzo, um an die Menge eine kurze Ansprache zu hal­ten. Er sagte:Die Kraft unserer Waf­fen ist unzweifelhaft groß. Aber noch größer ist die Entschlossenheit unserer herzen und, falls die Stunde kommen sollte, werden wir es beweisen!"

Nach dem Abschluß des deutsch-italienischen Bünd­nisses hatte derTag des italienischen Heeres" ein besonderes äußeres Gepräge erhalten. Schon bei der Fahrt zur Truppenschau war Generaloberst von Brauchitfch Gegenstand herzlicher Sym­pathiekundgebungen der Bevölkerung für Deutsch­land. Generaloberst von Brauchitsch beendete am Dienstagabend seinen Aufenthalt in Rom und begibt sich Mittwochfrüh in Begleitung des Stellvertretern

Altes, ewig junges Portugal

Von unserem p. »Korrespondenten.

London, 9. Mai. (DNB.) Kriegsminister Hore-Velisha brachte im Unterhaus die neue Gesetzesvorlage in zweiter Lesung ein, durch die die zuständigen Wehrminister ermächtigt werden, ohne die bisherigen Formalitäten sämtliche Reser­ven der britischen Flotte, des Landheeres einschl. der Luftwaffe und der Flakeinheiten unter die Fahne zu rufen Das Gesetz sei um so dring­licher, als die meisten Heere Europas heutzutage praktischständig mobilisiert seien". Um die Reser­ven des britischen Heeres mit dem Umgang der mo­dernen Waffen vertrqut zu machen, beabsichtige die Regierung, in diesem Iahrc in regelmäßigen Ab­ständen die Reservisten zu Hebungen auf ihren Kriegsposten heranzuziehen. Die Re­servisten der Flakeinheiten würden ebenfalls lau»

wo er die großindustriellen Anlagen besichtigen und eine Rundfahrt auf dem Golf unternehmen wird. Am Abend reift Generaloberst von Brauchitsch dann nach Deutschland zurück.

In einer Würdigung desTages des italienischen Heeres" schreibt derPopolo di Roma" u. a.:Das italienische Heer hat es eigentlich nicht nötig, seine Leistungsfähigkeit in einer Parade besonders her­vorzuheben, denn diese Leistungsfähigkeit ist durch die Kämpfe in Abessinien und in Spanien unter Beweis gestellt worden. Diese Siege sind e i n Sinnbild des Stolzes und des Gefühls der eisernen Sicherheit, die das Volk beim Anblick dieser Truppe erfüllt. Darin liegt der Sinn dieser Parade." Mit aller Entschiedenheit wendet sichGiornale d'Jtalia" gegen böswillige Verun­glimpfungen der italienischen Wehrmacht in der französischen Presse. Italien sei zwar arm und ver­füge über ein ungenügendes Gebiet für seine in stetem Anwachsen begriffene Bevölkerung, und eben deshalb stelle es seine wohlbegründeten Forderun­gen. In Frankreich vergesse man aber auch, daß feit 1935, d. h. seit dem großen Verrat Frankreichs, in Italien eine durchgreifende Autarkiepoli- ti k durchgeführt werde. In weniger als fünf Jah­ren werde Italien auf dem Gebiet der Er-

Lissabon, Mai 1939.

Portugal steht mitten in den Vorbereitungen für die doppelte Zentenarfeier seiner Hnabhängigkeit, die im nächsten Jahre begangen werden soll. 1139 hatte sich Alfonso Henriques zum König der bis­herigen GrafschaftPortucalia" erklärt, die ein hal­bes Jahrhundert zuvor einem burgundischen Ge­schlecht zur Belohnung für von ihm in derrecon- quista" geleistete Hnterstützung von Kastilien zum Lehen verliehen worden war; 1640 dagegen wurde die unter Philipp II. vorübergehend durch Erbschaft eingetretene Vereinigung der Kronen von Spanien und Portugal wieder aufgehoben und der aus einer illegitimen Nebenlinie des 1580 erloschenen Herr­scherhauses stammende Herzog von Braganza in Lissabon zum König proklamiert.

Wenn daher auch der Anlaß für diese Zentenar­feiern die Erinnerung an einen seit acht Jahrhun­derten gegen Spanien geführten Hnabhängigkeits- kampf ist, so ist die portugiesische Regierung offen­sichtlich bemüht gewesen, hierbei sorgfältig jede Spitze für das Nachbarland zu vermeiden und hat ausdrücklich betont, daß es sich nur um eine natio­nale Kundgebung handelt, die mit berechtigtem Stolz auf eine der Vergangenheit angehörende glor­reiche Entwicklung zurückblickt. Hätte es hierfür noch einer besonderen Bestätigung bedurft, so würde schließlich der erst kürzlich unterzeichnete Freund­schaftsvertrag zwischen Portugal und Spanien ge­nügen. Wohl aber stellt man in Lissabon bei der sich jetzt bietenden Gelegenheit mit Genugtuung fest, daß Portugal der älteste Staat auf der ibe­rischen Halbinsel ist; denn Portugal ist wohl das einzige Land in Europa, dessen Grenzen seit dem 12. Jahrhundert kaum eine nennenswerte Verände­rung erfahren haben.

Das Jubiläum des Jahres 1940 gilt aber nicht nur der Selbständigkeit Portugals als eines vor 800 Jahren entstandenen Staates, sondern es soll zugleich der Welt ein imposanter Beweis der n a - ti'onalen Einheit des Mutterlandes mit seinen Kolonien erbracht werden. Man stellt sich hierbei auf den Standpunkt, daß Portugal die einzige Kolonialmacht ist, zu der ihre über­seeischen Besitzungen seit einem halben Jahrtausend gehören, und daß es sie vor allen Dingen nicht anderen europäischen Rivalen weggenommen, son­dern im Gegenteil in bis dahin beispiellos kühnen Seefahrten selbst entdeckt hat und seitdem mit ihnen verbunden geblieben ist. Es wird daher mit Vor­liebe betont, daß jede Kolonie den integrierenden Bestandteil eines Reiches bildet, das aus einer folge­richtigen geschichtlichen Entwicklung hervorgegangen ist. Dieser Wunsch einer Betonung der unlöslichen Zusammengehörigkeit in verschiedenen Erdteilen liegender Besitzungen, deren gemeinsame Hauptstadt Lissabon ist, kommt auch darin zum Ausdruck, daß der bereits 70jährige Staatschef, General Car­mona, nachdem er im vorigen Jahre die afrika­nische Westküste, insbesondere Angola, besucht hat, im Verlaufe des heurigen Frühjahrs, vermutlich im Juni, eine Reise um das Kap der Guten Hoff­nung bis nach Mozambique unternehmen und durch den Suezkanal zurückkehren wird.

Der Rahmen der beabsichtigten Kundgebung wird jedoch dadurch noch wesentlich erweitert, daß auch Brasilien als einstige größte Kolonie an ihr teilnehmen will. Hiermit gewinnt die Zentenarfeier zugleich die Bedeutung des sichtbaren Beweises der Verbundenheit einer auch heute noch von einer ge­meinsamen Kultur beherrschten Welt. Eine Aus­stellung, die aus diesem Anlaß in Lissabon er­öffnet werden soll, wird daher alsExposicäo Hi- storica do Mundo Portugues (Geschichtliche Aus­stellung der portugiesischen Welt) bezeichnet werden. Dieser Standpunkt ist aber um so mehr gerechtfertigt, als sich die vor einem Jahrhundert (1822/25) erfolgte Trennung der seit dem Jahre 1500 zusammengehö­renden Länder durch keinen Gewaltakt vollzogen hat. Es handelte sich nicht um einen revolutionären Ab­fall, sondern aus vorwiegend dynastischen Gründen wurde ein selbständiges Kaiserreich Brasilien ge­schaffen, das noch bis 1889 von einer Linie des Hauses Braganza regiert worden ist.

Dieses 800jährige Portugal ist begreiflicherweise doppelt stolz darauf, zugleich zeigen zu können, daß es dank der Führung des Staatsmannes Oliveira S a l a z a r immer noch die Kraft zu einer politischen Erneuerung und Verjüngung besessen hat. Deshalb soll im Jahre der historischen Erinnerungsfeiern der erste korporative Kongreß abgehalten werden zum Zeichen, daß die nach völlig veränderten Grund­sätzen erfolgte politische Struktur als durchgeführt gelten kann; in einer entsprechend organisierten Ausstellung werden die in dem feit dem Staatsstreich von 1926 geschaffenenNeuen Staat" errungenen wirtschaftlichen und sozialen Fortschritte anschaulich vorgeführt werden.

Die Grundlage des mit erstaunlichem Erfolg in Angriff genommenen politischen Neuaufbaues bildet eine durchgreifende Reform der Finanzen, die nach dem Weltkrieg unmittelbar vor dem Zu­sammenbruch standen. Wenn auch bis zur völligen StabMsierung des aus einer nationalen Revolution hervorgegangenen Zustandes die Regierung ihre durch den Staatsstreich gewonnenen außerordent­lichen Vollmachten beibehalten hat, so ist immerhin die Staatsform prinzipiell parlamentarisch geblieben. Doch steht neben derNationalversamm­lung", die als die eigentliche Volksverttetung gedacht ist, 'dieKorporative Kammer", durch die ein vollkommen neues Element in die portugiesische Staatsleitung hineingekommen ist. Es soll innerhalb der verschiedenen Derufsklassen ein Stamm geeig­neter Persönlichkeiten herangebildet werden, die