Ausgabe 
10.2.1939
 
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Auf dem Platz vor derLinde" wurde ein Brand­angriff inszeniert, bei dem zwei Hausgemeinschaften und ein Feuerlöschzug (Jugendfeuerwehr) eingesetzt wurden. Auch die Laienhelferinnen hatten ihr Kön­nen zu zeigen. Die Leitung der Hebung lag in Hän­den von Bürgermeister Kreiling und des Beauf­tragten des RLB., Wilhelm Schwarz.

G S t a u f e n b e r g, 9. Febr. Der hiesige Turn­verein hielt im Saal derBurg" sein Winter­vergnügen ab. Der Abend brachte manche unter­haltsame Darbietungen. Die Turner zeigten ihr Können mit Hebungen am Pferd, am Barren und im Bodenturnen, die Turnerinnen warteten mit einem Donauwalzer auf. Die Darbietungen fanden stärksten Beifall. Im weiteren Verlauf des Abends gelangte auch ein Theaterstück zur Aufführung. Außerdem fand die Verlosung von 50 Preisen statt, die von Mitgliedern gespendet worden waren. Die Stadtkapelle trug mit guter Musik zum Gelingen des Abends bei.

* Grünberg, 10. Febr. Bürgermeister Krä­mer wurde auf seinen Antrag von dem Landrat des Landkreises Gießen bis auf weiteres beurlaubt. Die Bürgermeistergeschäfte werden während feiner Beurlaubung von dem Ersten Beigeordneten Wilh. A l b a ch geführt.

S> Weickartshain, 8. Febr. Gestern voll­endete unser Einwohner Karl B ö tz in geistiger und körperlicher Frische sein 8 0. Lebensjahr. Trotz feines hohen Alters hilft er bei der Feldarbeit noch fleißig mit. Nachdem er vor 12 Jahren feine Frau durch den Tod verlor, lebt er nun. bei Tochter und Schwiegersohn. Der hochbetagte Mann, der das äl­teste Mitglied der hiesigen Kriegerkameradschaft ist, war 50 Jahre lang als Holzhauer tätig.

5 Steinbach, 9. Febr Am 6. Februar feierte der Landwirt und frühere Maurer Karl Schmitt I. feinen 77. Geburtstag in guter Gesundheit und körperlicher und geistiger Rüstig­keit. Die zweitälteste Einwohnerin unseres Ortes, Frau Katharina Größer Wwc., geb. Krausch, die am 4. Januar dieses Jahres ihren 88. Geburts­tag feiern konnte, wurde am Samstaa zur letzten Ruhe gebracht. Am Montag, 6. Februar, starb Frau Susanne Margarethe Müller, geb. Arnold, 773A Jahre alt, sie konnte im September v. I. mit ihrem Gatten Adam Müller noch die goldene Hoch, zeit feiern. Nebeneinander ruhen nun auf dem Gottesacker drei Frauen, die zusammen über 255 Jahre alt wurden und innerhalb drei Wochen starben.

00 Eberstadt, 8. Febr. Der hiesige Turn­vereinGut Heil" veranstaltete in Gemein­schaft mit dem GesangvereinLieder- kränz" einen wohlgelungenen Heimatabend. Der Reinertrag des Abends wurde dem Winterhilfs­werk zugeführt. Nach einer Lieddarbietung der Sänger hielt der Ortsbeauftragte für das Wmter- hilfswerk, Lehrer Reuhl, eine kurze Begrüßungs­ansprache und wies auf die großen Aufgaben des Winterhilfswerks hin. Der Verlauf des Abends brachte in bunter Abwechslung gesangliche und tur­nerische Darbietungen, die starken Beifall fanden. Der Chor sang unter Leitung von Lehrer Andres, die Hebungen der Turner standen unter Leitung des Oberturnwarts R e i t s ch m i d t. Die Darbie­tungen zeugten von eifriger Hebungsarbeit. Beson­dere Anerkennung fand die Aufführung eines von Dietmar! Weisel eingeübten Heimatspiels (Die Heimat ruft!", von Ernst und Helene Steiner in Hausen bei Gießen). Lehrer Reuhl sagte allen Mitwirkenden an diesem schönen und' erfolgreichen Abend herzlichen Dank.

* Hungen , 8. Febr. Hier fand eine Zusammen­kunft der an den Oberschulen Nidda, Laubach und Hungen tätigen Lehrkräfte statt. Nach einem Spaziergang durch unser Städtchen trafen sich Er­zieher und Erzieherinnen im Cafe Vogt zu einer gemeinsamen Aussprache über wichtige Schul­fragen. Allgemein kam der Wunsch zum Aus­druck, in jedem Jahre mehrere gegenseitige Besuche im Interesse des Austausches unterrichtlicher Er­fahrung sowie zur Vertiefung kameradschaftlichen Wirkens der benachbarten Oberschulen durchzuführen.

4 Obbornhofen, 9. Febr. Der Gesang­vereinFrohsinn" hielt in der Wirtschaft Hensel seine Generalversammlung ab. Vereinsführer Kammer forderte die Kameraden auf, an der Förderung des deutschen Liedes weiter eifrig mit- zuarbeiten. Der Mitgliederbestand betrug am Jahresende 19 aktive und 27 passive Mitglieder Der Kassierer erstattete den Geschäfts- und Kassenbericht der in Ordnung befunden wurde Dem Rechner wurde Entlastung erteilt. Vereinsführer Kammer wurde einstimmig wiedergewählt. Der seitherige Vorstand bleibt im Amt. Nur im Amt des Rech­ners gab es einen Wechsel. Dieser Tage fand die Untersuchung her Kinder statt, die demnächst in die Schule kommen sollen. Die Schul­neulinge, 6 Mädchen und 5 Knaben, wurden alle gesund befunden.

Raubmörder Dörr

am Montag vor dem Gondergericht.

LPD. Frankfurt a. M., 9. Febr. Die Justlzpressestelle Frankfurt a. M. teilt mit: Der Oberstaatsanwalt als Leiter der Anklagebehörde bei dem Sondergericht in Frankfurt a. M. hat gegen den am 29. Juli 1912 geborenen Albert Dörr auf Grund der Verordnung über beschleu­nigte Aburteilung von besonders schweren Ver­brechen Anklage vor dem Sondergericht in Frank­furt a. M. erhoben. Dörr wird beschuldigt, am

Vier neue internationale Klassenrekorde deutscher Wagen das war auch der Gewinn des zweiten Rekordtages auf der Reichsautobahn bei Dessau. NSKK.-Staffelführer Rudolf Caracciola griff mit dem 3-Liter-Mercedes°Benz-Kompressor-Wagen, dem man diesmal eine voll stromlinienförmige Per­kleidung gegeben hatte, die Rekorde der Klasse 1 (2 bis 3 Liter) über Kilometer und Meile mit flie­gendem Start an. Die bestehenden Bestleistungen des Italieners Furmanik auf Maserati wurden im ersten Ansturm aus der Rekordliste gestrichen. Ca­racciola schraubte sie noch höher und hörte schließ­lich bei 3 9 8,23 0 km/st für den Kilometer und 3 9 9,560 km/st für die Meile auf! Zwei neue Rekorde schaffte auch der 2-Liter-Hanomag-Diesel mit Jng. Häberle am Steuer. Heber 5 Kilometer und 5 Meilen fliegend erreichte er bei seinem letzten Versuch 155,9 bzw. 155,4 km/st, nachdem er vorher schon mit 153,9 und 152,9 die ersten Rekorde über diese Strecke erzielt hatte.

Die Olympischen Spiele 1940 in St. Moritz und Helsinki werfen ihre Schatten voraus. Unter den eingeladenen Nationen nimmt Deutschland, das mit den sportlichen und or­ganisatorischen Vorbereitungen schon stark beschäftigt ist, als Gastland der letzten Olym­piade naturgemäß eine besondere Stellung ein.

Noch kurz vor seinem Tode bat der 1937 verstor­bener Begründer der modernen olympischen Spiele, Baron Piere de Coubertin, die deutsche Reichsregie­rung, ein internationales olympisches Institut zu gründen, um den olympischen Bestand zu sichern. Ahcm im April v. I. wurde mit Zustimmung des

Montag, 30. Januar, die 56jährige Witwe Wilhel­mine Kirchner in ihrer Wohnung in Eschborn ermordet und beraubt zu haben. Die Verhandlung vor dem Sondergericht findet am Montag, 13. Fe­bruar, statt.

Wie die Kölner Kriminalpolizei auf Grund ihrer Vernehmung des Raubmörders Dörr nvch mitteilt, hat der Verbrecher unmittelbar nach der Tat die Flucht ergriffen und sich nach Koblenz gewandt. Dort hielt er sich eine Nacht unter falschem Namen auf und verausgabte einen Teil des erbeuteten Gel­des in Gesellschaft zweifelhafter Frauen. Am nächsten Tage reifte er nach Köln weiter, wo er sich Fried­rich oder Albert Jung bzw. Albert Günther nannte. Er besuchte täglich Kinos, trieb sich bis in die späte Nacht in den Straßen Kölns umher und suchte erst nach Mitternacht ein Quartier auf. Dörr war bei seiner Festnahme ohne Barmittel. Um sich wieder in den Besitz von Geld zu setzen, hatte er ein neues Verbrechen geplant. Offenbar hatte er vor, eine in einem Vorort Kölns wohnende alleinstehende ältere Witwe zu Überfallen, da festgestellt wurde, daß er sich bereits eingehend über die Verhältnisse dieser Frau erkundigt hatte. Durch die rechtzeitige Fest­nahme ist dieses Verbrechen vereitelt worden. Der Täter, der sich im übrigen zynisch und kaltblütig be­nahm, erklärte bei dem Vorzeigen der geraubten Gegenstände ohne das geringste Anzeichen von Reue, daß es sich um die Uhr und die Kette handele, die er geraubt habe. Inzwischen ist der Raubmörder nach Frankfurt übergeführt worden.

Wie schon am Vortage, so wehte auch diesmal bei trockenem Wetter ein störender Wind von 7 m/sec, der die Zeiten auf der Hinfahrt in südlicher Richtung empfindlich beeinträchtigte. Wieder verfolgten zahl­reiche Zuschauer an der Strecke das spannende Schauspiel der Rekordjagd. Vom Mittelstreifen der Bahn hatte man inzwischen den Flugsand entfernt und so die Möglichkeit geschaffen, den schwarzen Rekordstreifen" für die Fahrten zu benutzen.

Der schnelle Diesel von Hanomag machte den Beginn. Der Wagen, der von der Französin Frau Jtier bei der Monte-Carlo-Sternfahrt eingefetzt war, lief ausgezeichnet. Er erreichte eine Spitzengeschwin­digkeit von 165 km/st. Die Bayerischen M o - torenwerke kamen mit dem von Karl Gall ge­steuerten Halblitermodell noch nicht zum Zuge. Pei einer Probefahrt blieb die Maschine stehen. Gall wird nun am Freitag seine Angriffe auf die Welt­rekorde über Kilometer und Meile unternehmen. '

Führers dieser Wunsch des in der ganzen Welt be­kannten und geachteten Mannes durch Reichsinnen- mihifter Dr. Frick in die Tat umgesetzt. Der Prä­sident des.Internationalen Olympi­schen Instituts" ist der Reichssportführer, Staatssekretär von Tschammer und Osten, sein Direktor Dr. Karl Diem.

Auf dem Kontinent und in Heberfee ist der Name Dr. Carl Diem ein Begriff. UeberaU, wo lebens- und tatenfrohe Jugend ihren Körper stählt, überall da, wo nach dem Vorbild von Olympia Menschen Leibesübungen treiben, ist Carl Diem bekannt. Be­kannt als Organisator auf dem Gebiet der Leibes­übungen, als Propagandist und Vorkämpfer der

These, daß nur in einem gesunden Kötper ein ge­sunder Geist wohnen kann. Ins fast Endlose gehen die Anregungen, die Dr. Carl Diem dem deutschen Sport gegeben und das sporttreibende Ausland von ihm empfangen hat.

*

Es ist ein herrlicher Wintermorgen, als ich aus dem märkischen Kiefernwald herauskomme und in­mitten der Anlagen des Reichssportfeldes bin. Im strammen Schritt kommt ein Trupp Landjahrjugend, die hier zu einem Kursus zusammengezogen ist, an mir vorbei. Auf grünem Rasen fliegt der Ball von Mann zu Mann. In braunen Trainingsanzügen, das Zeichen des Nationalsozialistischen Reichsbundes für Leibesübungen auf der Brust, gehen frohe, junge Menschen an ihre Arbeit, die ihnen jeden Dag aufs neue erwächst und immer wieder Freude bringt.

Dann sitze ich, Dr. Diem gegenüber. Freundlich plaudert der Direktor desInternationalen Olym­pischen Instituts" von den deutschen Sporterfolgen und dem Anteil, den die deutschen Leibesübungen an der Durchdringung des Gedanköns körperlicher Ertüchtigung in der ganzen Welt haben. Ohne daß Dr. Diem in feiner natürlichen Zurückhaltung davon spricht, wissen wir und weiß Die Welt, in welch hohem Maß er selbst und seine Arbeit daran teil­haben.

Vielseitig bekannt ist so z. B., daß auf Vorschlag von Dr. Diem in Bulgarien ein Einheitsverband für alle Sportarten nach deutschem und amerika­nischem Vorbild geschaffen werden soll. Ebenso wird dort die Spielplatzfrage geregelt; nach dem Gesetz­entwurf sind pro Kopf der Bevölkerung fünf Qua­dratmeter nutzbare Spielplatzfläche vorgesehen. Eine gesetzliche Regelung hat auch die körperliche ErtüH- tiguna der Jugend und der Arbeiter' gefunden.

Auf Einladung der Regierung hat Dr. Diem die Verhältnisse auf sportlichem Gebiet in der Türkei, geprüft und durch seine Mitarbeit einen wertvollen Beitrag zum Erlaß der entsprechenden Gesetze ge­liefert. Im Land am Bosporus ist man auf dem besten Wege, die gesetzliche Sportpflicht einzuführen. Der Sport steht in der Türkei unter Staatsaufsicht und ist einem Generaldirektor für körperliche Er­ziehung anoertraut. Die Tatsache, daß dieser dem Ministerpräsidenten direkt unterstellt ist, läßt klar erkennen, welch große Bedeutung der Leibeserzie­hung unter der Flagge des türkischen Halbmondes beigemessen wird. Des weiteren müssen u. a. nach ungarischem Vorbild alle Betriebe mit über 500 Ge­folgsleuten Sportanlagen für ihre Betriebsangehöri­gen schaffen.

Mit berechtigtem Stolz spricht Dr. Diem, der für den Gedanken des Sports viele Länder des Kon­tinents und in Hebersee bereist, überall immer wie­der neue Erfahrungen gesammelt und Anregungen gegeben hat, von der geachteten Stellung, die der sportlichen Leistung und der vorbildlichen Sport­organisation Deutschlands in aller Welt eingeräumt wird. Er erzählt von der vorbildlichen Arbeit der deutschen Rudervereine in Alexandria und Valpa­raiso. Hamburger Jungs waren es, die dort und vielerorts ihre Passion von der heimatlichen Water­kant ins fremde Land getragen haben, wenn auch verständlicherweise ihre englischen Sportkameraden stärkere Beziehungen geknüpft haben. Dr. Diem sah, wie sich eine urdeutsche Sportart die neue Welt er­obert und in USA. Wanderwege nach deutschem Vorbild erschlossen werden. Nicht nur die Sportart selbst haben die Amerikaner aus dem Deutschen übernommen, sondern auch die Bezeichnung dafür: Die Yankees haben neue Ausdrücke in ihren Sprach­schatz ausgenommen, so finden wir u. a. unsere Wanderlust jenseits des großen Teiches alsWan­derlust wieder.

Deutschland wird allgemein zugebilligt, daß durch Jahn erstmalig die Leibesübungen als Bür­gerpflicht eingeführt wurden und die Lehre der Körperbildung schulmäßig erfolgte. Die Engländer, die zuerst den Sport als Freizeiterlebnis aufge­faßt hatten, haben das geschichtliche Verdienst, ihre Tummelspiele in Regeln gefaßt zu haben. Die heute Die ganze Welt kennt, z. B. Das Fußballspiel

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Wieder zwei neue Klaffenrekorde Rudolf Caracciolas.

Deutschland - Hüter des olympischen Gedankens (Sin Gespräch mit Dr. Gart Diem.

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