Nr. 8 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Dienstag,W.Zanuar 1959
Reise" stellt uns der Sozietäts-Verlag Tiralleure nicht nach Toulon zu schaffen, sondern in Frankfurt den folgenden Abschnitt zur ihnen Verstärkungen nach Biserta zu schicken. Auch
Scipio hat, nach dem Krieg in Spanien, den
Verfügung, der im Hinblick auf die Reise
Das neue Wohngebiet Schwarzlach
seine
User
Schlachtfelder der Zukunft gar nicht in Europa, und vielleicht gilt es eines Tages, die rotbemützten
wird plötzlich fener Herren nicht lange, Straßenstaub will, ist oft wollen.
nicht kön-
Ein wunderschöner Gchlips aus Nurmis Laden.
Von Rudolf Jacobs.
an den finnischen Meisterläufer hatte der junge Mann meine bemerkt, und leicht errötend
gesetzt. Trotzdem kann man noch nicht sagen, daß die französische Herrschaft über Tunis bedroht ist. Wenn man in Paris die Vorgänge aufgeregter deutet, als sie es einstweilen verdienen, so deshalb, weil Paris die Hauptstadt des französischen Zweifels an s i ch. s e l b st geworden ist. Frankreichs gesamte Machtposition erfährt, so scheint es, eine durchgreifende Revision, seine innere Sicherheit hat einen gründlichen Stoß erlitten, von unerschütterlicher Selbstzufriedenheit kann keine Rede mehr sein. Die Aera der Gewissenserforschung hat begonnen, und wie immer so ist Paris auch diesmal führend, formulierend, zuspitzend, übertreibend. Dasselbe Paris, das noch vor zehn Jahren verkündete: „Die Welt hat alles von uns zu lernen." behauptet von sich mit dem gleichen Schwung: „Wir sind verloren."
Im stillen überfliege ich schnell meine Barschaft. Zwölf Schlipse? Rein, es reicht nicht mehr! Ich muß meinem schwedischen Konkurrenten das Bild überlassen. Aber ich glaube, er hat es auch nicht bekommen —
Brieftauben retten einen Mann.
Die Deutsche Bergwacht hat seit kurzer Zeit Brieftauben in den alpinen Rettungsdienst gestellt. Bei einer Suche nach einem im Höllengebirge abgestürzten Bergsteiger bewährten sich die Meldetauben^ vorzüglich. Die erste Rettungsstation mit Briefe tauben ist in Bruck an der Mur eingerichtet worden, wo sie bald danach den Wert ihrer gefiederten- Mitarbeiter bewies.
Vier Bergsteiger waren in den steirischen Alpen, zu einer gefährlichen Hochtour aufgebrochen. In- einer dunklen, stürmischen Nacht stürzten zwei ab* der eine erlitt durch Steinschlag schwere Kopf-- Verletzungen. Die beiden anderen alarmierten schließlich die nächste Rettungsstelle, die mit Brieftaubenversehen war. Eine Rettungsexpedition brach sofort auf: ste brauchte vier Stunden, um an Ort und Stelle zu kommen. Dort angelangt, stellte man fest, daß bestimmte Medikamente zur raschen' Behandlung des Schwerverletzten und eine Tragbahre erforderlich waren. Ehe aber ein Mann zur Rettungsstation abstieg und mit dem Erforderlichen wiederkehrte, mußten acht Stunden vergehen — in dieser Zeit konnte der Verunglückte seinen Verletzungen! schon erlegen sein. Glücklicherweise hatten die Retter eine Brieftaube mitgenommen, die nun, mit der entsprechenden Botschaft versehen, zur Rettungsstation zurückflog und diesen Weg in wenigen! Minuten zurücklegte. Infolgedessen konnten vier Stunden Zeit eingespart werden, die Medikaments wurden rechtzeitig gebracht, und der Abgestürztü wurde gerettet.
Um den Hüttenwart der Schutzhäuser sofort voni der Ankunft einer Meldetaube zu unterrichten, ist im Taubenschlag eine Fanggabel angebracht, die die Taube beim Einfliegen berühren muß, sie ist mit einem elektrischen Läutewerk versehen, das im gleichen Augenblick in dem Innern der Hütte zir läuten beginnt. Der Deutsche Alpenverein hat irr Gmunden eine zweite Brieftaubenstelle eingerichtet: in der nächsten Zeit sollen weitere Rettungsstationen in den Alpen mit Brieftauben versehen werden, Foe.
Die nordasrikanische Garung hat in Tunesien einen besonders günstigen Boden gefunden. Aber diese Gärung sieht sich von Paris aus gefährlicher an als an Ort Amb Stelle. Tunesien ist arm und
Schauplatz der Auseinandersetzung nach Tunesien verlegt, wie besorgte Militärschrif'tsteller bemerken, die den in Europa nicht mehr möglichen Bewegungskrieg im Geiste nach Nordafrika, wenn nicht gar in die Sahara übergeführt sehen.
Drei räudige Kamele — was kann man von Biserta mehr verlangen? Die freien Steppen der Nomaden sind weit, hier heißt es um den Wochenlohn arbeiten, ob man weiß oder braun ist. Wo ein Hafen ist, da gibt es Gärung, und erst recht in einer Hafenstadt am Rande der arabischen Welt. Hier in Biserta war es, wo die Polizei in die Menge schießen mußte, die gegen die Ausweisung eines eingeborener Agitators Sturm lief. Ein trauriges Ereignis, das mehrere Tote kostete und als „blutiger Tag" in den Sprechsatz der Unzufriedenen eingegangen ist. Vielleicht wäre der Zusammenlauf mit ein paar Stockschlägen und Fußtritten abzumachen gewesen, wenn sich nicht einige Araber gefunden hätten, über die plötzlich der Geist kam. Sie setzten sich an die Spitze des Zuges und rannten mit dem Rufe: „Ich will sterben, ich will sterben!" in die französischen Gewehre. Eine echt arabische Ueberraschung: der träge und schlaffe Eingeborene, der unglaublich viel redet und jede Initiative wie die Sünde haßt,
forschenden Blicke rückte er seinen mir jedoch keine
heroisch und wirft alle Berechnungen über den Haufen. Es dauert freilich aber es reicht doch aus, um den mit Blut zu mischen. Wer sterben der sicherste Helfer derer, die leben
Aus Friedrich Sieburgs neuem Buch „Afrikanischer Frühling, eine
So kommt es, daß niemand die Lage in Nordafrika widerspruchsvoller beurteilt als der Franzose selbst. Dabei geht die Krise nicht so sehr in Nordafrika vor sich als im französischen Denken selbst. Welche Namen, welche Verwaltungsform man den drei nordafrikanischen Ländern auch geben mag, die auf sie angewandte Politik ist ein Teil der französischen Kolonialpolitik. Gewiß sind Tunesien und Marokko Protektorate, gewiß ist Algerien eine Gruppe französischer Departements. Die Probleme sind darum doch Kolonialprobleme, denn sie drehen sich samt und sonders um die Frage der europäischen Herrschaft über nichteurapäische Dolks- stämme, wobei die Ueberzeugung der Ueberlegen- heit des Europäers stillschweigend mitschwingt. Die Schwäche der französischen Kolonialpolitik aber beruht zur Stunde darin, daß sie nicht mehr den Mut hat, imperialistisch zu sein. Der Schatten, den Frankreich wirft, wird immer länger. Zu seinem Wesen gehört täglich mehr der humanitäre Verzicht auf Beherrschung. Es predigt durch Wort und Beispiel den von ihm beherrschten Völkern das Hinfällige des Imperialismus und die Notwendigkeit der weichen Hand. „Lieber sollen die Kolonien zugrunde gehen, als daß ein Prinzip Schaden leidet", hat schon Robespierre gesagt. Da Frankreich aber andererseits noch nicht bereit ist, Selbstmord zu begehen, und die Erfüllung arabischer Programme nach einigem Nachdenken immer wieder hinausschiebt, so schafft es
Die roten Mützen der Tirailleure, die am herumlungern, glänzen in der Abendsonne. Frankreich hält seine überseeischen Besitzungen vorwiegend mit eingeborenen Truppen und der Fremdenlegion. Darüber hinaus rechnet es damit, diese farbigen Schützen, diese Spahis und Jäger eines Tages auf europäischen Schauplätzen verwenden zu können. Ja, ist nicht der Zustrom von afrikanischen Streitkräften ein wesentliches Element des französischen Mobilmachungsplanes? Wenn dies zutrifft, so ist dem französischen Generalstab heute keine sichere Berechnung mehr möglich. Italiens afrikanische Rolle hat erst be- gönnen, niemand weiß, welche Form sie finden wird. Frankreich ist nicht mehr allein in Nordafrika, aus Lybien schallen Marschtritte, Kommandos, Hammerschläge herüber. Zu lang hat man auf den Rhein gestarrt; vielleicht liegen die
Schlips miet)er zurecht.
Der rätselhafte Binder ließ
Ruhe. Sollte der große Sportsmann so nebenbei — Aber das war wohl töricht. Schließlich gibt es doch noch mehr Nurmis in Finnland. Jedenfalls fuhr ich bis zur Endstation mit und wagte eine Frage an die immer hilfsbereite Schaffnerin. Sie lachte mich keineswegs aus, sondern nickte eifrig mit dem Kopf. Sie beschrieb mir sogar den Ort, wo ich den Meisterläufer hinter dem Ladentisch sehen sollte.
Eine Stunde später stehe ich in der besten Ge-
Weihe des Hauses der neichs-nechtsauwattskammer. Berlin, 9. Jan. (DNB.) Als im Jahre 1933. die Reichs-Rechtsanwaltskammer errichtet wurde, fand sie behelfsmäßige Unterkunft in den Räumen: der Berliner Anwaltskammer. Bei dem ständig wachsenden Aufgabenkreis der neuen Organisation mußte die Reichs-Rechtsanwaltskammer sich nach einem eigenen Verwaltungshause umsehen. Als besonders geeignet wurde das Haus Admiral-von- Schröder-Straße Nr. 6 erworben und am Montag die feierliche Einweihung des Hauses vollzogen^ Nach einleitenden Worten des Präsidenten Dr. N e u b e r t beglückwünschte Reichsjustizminister Dr. G ü r t n e r die Kammer zu ihrem neuen Hause und schloß mit dem Ausdruck des Dankes für die vertrauensvolle' Zusammenarbeit zwischen der Berufsvertretung der Anwaltschaft und den Justizbehörden. Reichsminister Dr. Frank übermittelte die Grüße der NSDAP. Nun, da die Juden endgültig aus! der Anwaltschaft in Deutschland verschwunden sind, ist eigentlich erst die Grundlage gefunden, von der aus man an den Neubau der deutschen Rechtsanwalts schäft Herangehen kann. Der deutsche Rechtsanwalt
TDirktam
Hochschulnachrichten.
Professor Dr. jur. Karl M i ch a e l i s an der Unix oerfität Kiel wurde zum Ordinarius für Bürgerliches Recht und Zivilprozeßrecht ernannt und in dieser Diensteigenschaft an die Universität Leipzig berufen.
erwarten. .
Biserta ist em Brennpunkt, auf dem sich Frankreichs Mittelmeersorgen zusammendrängen. Sizilien ist nah, an klaren Tagen kann man von Kap Bon die Insel Pan- tellaria sehen, die eine Gottheit wie einen Stein ins Meer geworfen zu haben scheint, damit Italiens Fuß eine Stütze finde. Wie breit und frei das Mittelmeer auch fein mag, hier ist d i e Spur für eine Querfperre gezogen. Frankreichs nie mehr ruhende Sorge um feine Verbindungen mit Nordafrika wird hier greifbar. Man hat hundert Jahre von Englangs Weg nach Indien als einer Lebensader ausländischer Macht gesprochen, bei Biserta liegt eine andere Lebensader bloß, eine kürzere, aber darum nicht weniger empfindliche. Dieser tunesische Kriegshafen mit feinem rastlosen Durcheinander einer gigantischen Baustelle erinnert daran, daß der freie Zugang Frankreichs zu seinen nord- afrikanischen Besitzungen keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Es muß ihn verteidigen, oder vielmehr es mliß sich täglich die Gewißheit erkämpfen, ihn eines Tages verteidigen zu können. So sehe ich auch hier, an der Küste Afrikas, das alte Frankreich schmerzlich gespannt. Sein Gleichgewicht ist gestört. Nicht daß es Kraftlinien sichern muß, sondern daß es sich mehr so gewiß wie früher ist, sie sichern zu nen — das ist das Drama.
Daladiers und die Auseinandersetzung zwischen Frankreich und Italien besonderes aktuelles Interesse beanspruchen darf.
Neue, wundervolle Hafenmauern, Hebekrane und Gebirge von Säcken Zement. Steinquadern, die nur darum ruhen, weil heute Sonntag ist. Die Uferstraßen voller Soldaten, die zwischen den Neubauten spazieren gehen. Drei räudige Kamele vor einer Wellblechschule lagernd, einige Araber, deren weiße Kleiderfetzen heftig im Wind flattern, eine verschleierte Frau, die einen Delta ni ft er mit der leuchtenden Aufschrift „Shell" auf dem Kopf dahinträgt. So erscheint mir der große tunesische Hafen Biserta.
Europa ist mir vorausgeeilt, um mich an der afrikanischen Küste zu empfangen. Da steht es mit feiner Angst vor morgen und ferner Furcht vor Veränderungen, auf seine Soldaten gelehnt, gegen seine Betonanlagen gestützt. Die Torpedoboote sind mit der Wäsche der Matrosen beflaggt, grobe Hemden wollene Leibbinden, alles mit dem unauswaschbaren Dienststempel der dritten Republik geziert, stehen gefüllt in der Brise. Eine dichte Langeweile schwebt über Stadt und Hafen, der Sonntag will und will nicht zu Ende gehen, er tann kaum die Hornsignale von Montag morgen
Ja, darin unterscheidet sich Paavo Nurrm von allen anderen Geschäftsleuten. Die Redseligkeit des Verkäufers geht ihm ab. Er ist der gleiche schweigsame und zurückhaltende Finne geblieben, den wir schon aus dem Sportleben kennen. .
Mit einer wunderschönen Krawatte und einem unbelichteten Film verlasse ich den Laden. Als icy einem befreundeten schwedischen Journalisten von meinem Mißerfolg erzähle, lacht er mich aus.
„Menschenskind! Erst einen Schlips gekauft -- unb schon verzweifelt? Ich habe es schon elf mal versucht — Morgen gehe„ ich noch einmal hm, bann ist das Dutzend voll!"
schäftsstraße in Helsinki, vor dem Hause Mikon- katu 5, und blicke in eine reichhaltige Auswahl von Selbstbindern, Sporthemden, Socken und Mützen. । In goldenen Buchstaben leuchtet mir untrüglich das Firmenschild entgegen: „Paavo Nurmi, Her- rainvaatethimo — Herrekipering." Der bekannte Sportsmann unterhält hier ein Geschäft für H e rrenb e d arfso rti k el.
Nachdem ich sicherheitshalber noch einmal den nächsten Verkehrsschutzmann gefragt habe, betrete ich den Laden. Wie erwartet, werden schon einige Käufer bedient, denen vermutlich mehr an den eingewebten Namensschildern als an den Kleidungsstücken gelegen ist. Es macht wirklich Spaß, hier zu kaufen. Die prächtigen Auslagen beweisen, daß der Wunderläufer auch auf diesem Gebiet feine Arbeit versteht. Anscheinend will der pünktliche Mann, der stets gewohnt war, nach Sekunden zu rechnen, auch in dieser Umgebung die Genauigkeit nicht missen. Die blauen Leuchtröhren der großen elektrischen Uhr glühen den ganzen Tag.
Trotz alledem bin ich ziemlich enttäuscht, als ich von Nurmi keine Spur entdecke. Der zurückhaltende Finne pflegt feine Kunden nicht selbst zu bedienen, sondern hat hierzu zwei Mädel angestellt, die ihre Aufgabe allerdings mit gewinnender Liebenswürdigkeit und viel Geschmack erfüllen.
Obwohl mir von beiden wiederholt versichert wird, daß der passende Schlips für mich gefunden sei, kann ich mich nicht zum Kauf entschließen. Ich habe noch eine leise Hoffnung. Und wirklich! Als neue Käufer in den Laden treten und die flinken Mädchenhände nicht ausreichen, tritt aus der Sei- tentür ein mittelgroßer, tadellos gekleideter Mann. Das ist Nurmi, der Meisterläufer, der zu den wenigen Menschen gehört, die schon bei Lebzeiten ' ihr eigenes Denkmal betrachten können. Aber der ! Geschäftsinhaber wechselt nur einen Geldschein, und bevor ich meine Kamera fertiggemacht habe, i)t er ' mit einem Lächeln im Nebenraum verschwunden.
In den vergangenen Monaten sind — wir berichteten wiederholt über die einzelnen Etappen der Entwicklung — in der Schwarzlach zu den dort schon vorhandenen Wohnhäusern weitere umfangreiche Wohnhausbauten aufgeführt worden, die mit insgesamt rund 300 Wohnungen zu einem nicht alltäglichen Bauvorhaben geworden sind. Die Häuser stehen nun dicht oor ityrer tfertigftellung, zum Teil sind die Wohnungen schon bezogen. Kinder der Hausbewohner beobachten letzt die Handwerker bei den letzten Pinselstrichen. __________________________
hat mehrere Hungerjahre hinter sich. Es hat eine
bvtschaften der arabischen N a t i o n a I i ft e n per müden Befreierin, und französischen Volksfrontler aus-
Die Sache fing in der Straßenbahn an. Aus reinem Zeitvertreib war ich in den gemütlichen „Sporoogn" gestiegen, um mich ziel- und planlos durch die freundlichen Straßen der finnischen Hauptstadt fahren zu lassen. Während die anderen Fahrgäste ihre Gesichter hinter großen Zeitungsblättern verbargen, sah ich unternehmungslustig in die Runde. So eine Straßenbahnfahrt in Helsinki ist bei weitem interessanter als die schönste Rundfahrt im Gesellschaftsauto. Nicht überall wird einem der Fahrschein von zarter Frauenhand gereicht. Fräulein Schaffnerin erfreut sich in Finnland großer Beliebtheit. Die flinken Mädel sehen in ihrer schmucken Uniform, zu der natürlich auch die Schirmmütze auf dem Lockenkopf gehört, wirklich großartig aus und haben sich vor allem die Herzen der 'männlichen Fahrgäste erobert. Man kann ihnen selbst nicht böse sein, wenn sie em em mit einem verbindlichen Lächeln die Tür vor der Nase zuklappen und das Abfahrtszeichen geben
Aehnlich schien auch der junge Mann zu denken, der mir gegenüber Platz genommen hatte. Denn als der freundlichen Schaffnerin unversehens ein Geldstück entglitt, schnellte er von seinem Sitz, um die vertrackte Münze zu suchen. Danach blickte er noch eine ganze Meile lächelnd und versonnen vor sich hin, ohne zu merken, daß seine schöne Krawatte verrutscht war.
Höflich wollte ich den Blick in eine andere Richtung lenken, als ich zu meinem Erstaunen bemerkte, daß auf der Rückseite des hübschen Binders ein weltbekannter Name eingewebt war. „Nurmi" konnte ich deutlich lesen und mußte unwillkürlich denken. Aber da
Viserla, Frankreichs Kriegshasen in Tunis
Don Friedrich Sieburg.
Lichtspielhaus:
„ ... heute abend — Hotel Ritz."
Die französische Schauspielerin A n n a b e 11 a , deren Filme auch bei uns verhältnismäßig häufig gezeigt wurden, ist vor einiger Zeit nach Hollywood Übergesiedelt. Fox-Film präsentiert eine der Früchte ihrer Tätigkeit in USA. unter dem Titel „... heute abend — Hotel Ritz" in deutscher Sprache. Es handelt sich um einen mysteriösen und etwas verwirrend angelegten Kriminalfall, dessen Zusammenhänge und Hintergründe für den deutschen Besucher, sofern er nicht mit einem Programmheft bewaffnet ist, kaum auf den ersten Blick zu durchschauen sind, zumal die Eigentümlichkeiten der Nachsynchromsie- rung und der häufig schnell und nicht sehr artikuliert gesprochene Dialog wenig Hilfen geben. Annabel la spielt die Rolle einer jungen Französin, Ranie Racine, die sich auf der Jagd nach dem Mörder ihres Vaters befindet. Der alte Racine, Chef eines großen Bankhauses, befindet sich in Schwierigkeiten, weil die Männer, welche gefälschte Aktien feiner Bank in Umlauf brachten, nicht zu ermitteln sind. Der Bankier wird auf einem Maskenfest erschossen aufgefunden; der amtliche Befund lautet auf Selbstmord,' der in der geschäftlichen Situation der Bank sogar begründet schiene. Nur Ranie und zwei ihrer Freunde' glauben an Mord und machen sich gemeinsam an die Verfolgung der Täter. Die Abenteuer, die zur Aufklärung des Falles führen, bilden den eigentlichen Inhalt des Films, in dem Anna- bella darstellerisch dominiert. Die Verwandlungen in eine Nokokodame, eine spanische Marquesa und eine junge Inderin passen gut zu der mädchenhaften Erscheinung, dem kindlichen Ausdruck des Gesichtes und dem zarten Klang der Stimme, den noch die Synchronisierung bewahrt. Unter der Spielleitung von Harold D. Schuster tun sich neben Annabell a in erster Linie David Niven, Romney Brent, Francis L. Sullivan und Stewart > Rome hervor. — ' *
Im Beiprogramm laufen außer der Tobis- . Wochenschau zwei gut photographierte und unge- [ schminkt aufschlußreiche Kulturfilme aus den Tropen: „Im italienischen Libyen" und „Schwarzes ' jDorf am Meer", Hans Thynot.
herrlich erfrischend, verhindert derr Ansatzdes gefürchteten Zahnsteins.
Sroße Tube 40 TI., kleine Tube 25 TL
müsse jetzt durch sein Wirken vergessen machen, daß es einmal jüdische Anwälte gab. Er sei mit den besonders wichtigen Gemeinschaftsaufgabe betraut, dem Volksgenossen bei der Durchsetzung seines Rechts zu helfen. Dr. Frank erörterte schließlich die Frage der Herabsetzung der Probezeit der Anwalt- assessoren namentlich im Zusammenhang mit bevölkerungspolitischen Problemen und das Problem der» Ueberführung einer größeren Anzahl von Rechtsanwälten in den Justizdienst, da der Rechtsanwaltberuf immer noch übersetzt fei.
Kleine politische Nachrichten.
Am 1. Januar 1939 betrug die Zahl der Rundfunkempfangsanlagen im Altreich 10821858 gegen 10 379 348 am 1. Dezember 1938. Im Dezember ist mithin eine Zunahme von 442 510 Rundfunkteilnehmern (4,3 v. H.) eingetreten. Die Zahl der gebührenfreien Anlagen betrug im Altreich ant 1. Januar 671431.
Reichswirtschaftsminister Funk hatte am Montagnachmittag in Gegenwart des Korporationsministers Santini mit dem Duce eine längere, sehr herzlich verlaufene Unterredung. Anschließend trat der Minister die Rückreise nach Berlin an.
Der Große R a t des Faschismus wird am Samstag, dem 4. Februar, um 22 Uhr im Palazzo Venezia unter dem Vorsitz des Duce zu seiner ersten diesjährigen Tagung zu'ammentreten.
Mussolini hat das Mitglied des spanischen Nationalrates, Aunos, empfangen, der ihm eins persönliche Botschaft von General Franco überreichte. Aunos wird in Rom wirtschaftliche Verhandlungen haben.
In Tripolis, Addis Abeba und Har- r a r fanden unter lebhafter Anteilnahme der Bevölkerung am Sonntag Protestkundgebungen gegen die jüngsten antiitaliensichen Ausschreitungen in Tunis statt.
Die iranische Regierung hat infolge des Abbruchs ihrer Beziehungen zu Frankreich dos Personal ihrer diplomatischen Vertretung in Paris abberufen. Der Gesandte und alle Mitglieder der Gesandtschaft mit einer Ausnahme werden am Dienstag Paris verlassen.
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