sal, ob mir sie klug und mutig mit fester Hand zu zügeln wissen oder ob sie uns ins Verderben reißen".
Zeitschriften.
— Danzig und Ostpreußen, die im Mittelpunkt des Weltinteresses stehen, finden auch im September» Heft der neuen l i n i e, Verlag Otto Beyer, Leipzig, (RM. 1,50), ihre aktuelle Behandlung. In dem mit ungewöhnlich schönen Fotos ausgestatteten Landschaftsaufsatz „Schicksalsland Ostpreußen". Hinter dem Bild dieser Landschaft, das gerade jetzt zur 25jährigen Wiederkehr des Tages von Tannenberg unsere Gedanken beherrscht, tauchen die Profile der beiden großen Feldherren des Weltkrieges Hindenburg und Ludendorff auf. Sie beschließen auch die Reihe jener großen Krieger, die in der „Ahnengalerie der Strategen" zu einem großartigen geschichtlichen Rückblick zusammengefaßt sind. Don der soldatischen Tugend, die aus ihren großen Taten spricht, sind auch die Gesichter der „Gemeinschaft eines Fliegerhorstes" erfüllt. Ein Kapitel Geschichte des Seekrieges bietet der Beitrag „Die Seeschlacht". Ein buntes „Festungsspiel", das der Leser als spiel- fertige Vorlage dem Heft entnehmen kann, beschließt zusammen mit dem Beitrag „Schlacht auf dem Brett" und mit den heiter-philosophischen Betrachtungen „Männer unter sich" die männliche Well dieses Heftes. Im übrigen erscheint das reichhaltige Heft als Jubiläumsnummer der „neuen link" zu ihrem 10jährigen Bestehen. Der Herausgeber beschreibt noch einmal rückblickend Weg und Ziel dieser Zeitschrift. Bekannte Autoren und Künstler gratulieren ihr und ihre bekanntesten Mttarbeiter, erschienen zum 10. Geburtstag „der neuen linie" in ihren eigenen Kinderbildern. Diese Zusammenstellung enthält auch einige Preisträger des Erzählerwettbewerbes der neuen linie, zu dem das Preist gericht und die Schriftleitung für das Jahr 1940 im Heft aufrufen.
— Die Illustrirte Zeitung vom 7.9.1939 steht ganz im Zeichen des historischen Geschehens der letzten Tage. Die Nummer kann mit ihren eindrucksvollen Bildberichten und überzeugenden graphischen Darstellungen als ein Dokument von bleibendem Wert an gesprochen werden. Aus dem übrigen Teil des Heftes erwähnen wir eine Arttkelfolge über das Geschlecht der Fürsten Colonna aus Anlaß des Todes des Gouverneurs der Stadt Rom. Ferner eine Doppelseite „Griechische Bildhauer der Gegenwart", eine Kunstbeilage „Am Rathaus in Lübeck", eine Bildseite „Tiergesichter" und den, Meressantea Beitrag ,Kampf um Oel",
An alle Verkehrsteilnehmer.
Aus der Giadi Gießen.
Das Gartenhäuschen.
Die langjährigen Schrebergärtner schätzten den Achtzigjährigen als klugen Berater und erfahrenen Mitarbeiter. Seit Jahren bestellte er mit seiner verheirateten Tochter das kleine Pachtstück, da der Schwiegersohn als Geschäftsreisender meist auswärts war. Der Alte besorgte das Umgraben und Gießen, während die Frau sich den leichteren Arbeiten, dem Pflanzen und Jäten widmete. Der Alte hatte auch das schmucke Gartenhäuschen gebaut und gestrichen, das für viele in der Nachbarschaft durch seine praktische Ausnützung des Raumes vorbildlich geworden war. Es enthielt außer einer behaglichen Stube mit Tisch, Stühlen und einem alten Sessel einen Geräteraum, der auch als Küche diente, wo man sich auf dem Spirituskocher schon einmal einen Tee oder Kaffee brauen konnte. Wenn der Alte müde war, rückte er sich den Sessel vor die Stubentür oder bei Regen vor das breite Fenster und genoß mit leuchtenden Augen und tiefen Atemzügen das kleine Gartenglück. Er kannte nichts Köstlicheres als den Duft der Erde und Blüten.
Aber eines Tages wurde er trotz seines gesunden Lebens krank und lange bettlägerig, was den Schwiegersohn veranlaßte, das Pachtstück abzugeben, zumal seiner Frau die Arbeit in Haus und Garten zusammen, allein zuviel wurde. Dem Kranken erzählten sie zunächst nichts davon. Sie ahnten nicht, welche Gedanken sich der Alte um seine Beete machte, die er verkoiymen und vom Unkraut überwuchert wähnte. Um so überraschter war er, als er auf seinem ersten Ausgang seine Schritte zu den Schrebergärten lenkte und schon aus einiger Entfernung alles in Ordnung sah. Er fühlte es und es wurde ihm zur schmerzlichen Gewißheit, als er das Schlüsselversteck vergeblich abgetastet hatte, daß hier andere Hände an der Arbeit waren. Nachbarn grüßten den Ausgeschlossenen, der sich müde am Zaun hielt und luden ihn zur Rast in ihr Gartenhaus ein. Die Tochter sah es dem Heimgekehrten an, daß er alles wußte. „Wir haben ihn abgeben müssen. Es ging nicht mehr!" sagte sie, und der Alte nickte stumm.
Am folgenden Tage stand er wieder am Zaun, und diesmal arbeitete eine junge Frau im Garten. Sie bat ihn wie einen guten Bekannten einzutreten und erfüllte ihm gern seine Bitte, sich ein wenig in seinem Sessel ausruhen zu dürfen. Er kam von da an täglich und half der Frau, die morgens allein war, so weit es seine noch immer schwachen Kräfte zuließen. Er meinte oft, neben seiner Tochter zu stehen, so herzlich war die Fremde zu ihm, die sich lächelnd beraten ließ und seine Vorschläge ausführte. Auch der Mann wurde sein junger Freund, und der Schlüssel hing wieder wie früher in der gleichen Zaunecke, so daß der Achtzigjährige ein- und ausgehen konnte, wie es ihm beliebte.
Manchmal blieb er den ganzen Tag allein. Dann arbeitete er mit aller Anspannung, so daß er zu Hause todmüde ankam. Seine Tochter, die sein Tun heimlich als kindisch empfand, ihn aber gewähren ließ, erzählte er nur noch von seiner Arbeit und seinem Garten. Er hatte die feste Ueberzeugung, daß er den jungen Leuten unentbehrlich war und hörte glücklich das Lob der jungen Frau, wenn sie etwa ein umgegrabenes, zur Einsaat bereitetes Beet vorfand.
Eines Mittags hatte er eine ganz besondere Ueberraschung für sie: das Gartenhäuschen leuchtete sie mit frischen Farben an, und im Eingang saß der Alte nach vollbrachter Arbeit still vor sich hinlächelnd im Sessel und schlief...
War für immer eingefchlafen, wie der Erschrockenen die herbeiqerusenen Nachbarn bestätigten.
P. B.
Bornotizen.
Tageskalender für Samskag.
Gloria-Palast (Seltersweg): „Paradies der Junggesellen".
Tageskalender für Sonntag»
Gloria-Palast (Seltersweg): „Paradies der Junggesellen". _______________________________
Die pollzeldirektion Gießen bittet uns, folgendes mitzuteilen:
2Hit Aufruf des zivilen Luftschutzes wurde die öffentliche Beleuchtung ausgeschattet. An ihre Stelle sind die blauen Richtungslampen getreten, die, an Straßeneinmündungen und -kreuzungen ausgestellt, allen Verkehrsteilnehmern zur Orientierung im Strahenwerkehr dienen sollen. Die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs wird im wesentlichen durch diese Einrichtung bedingt. Da die Richtungslampen, ihrer Zweckbestimmung entsprechend, stellenweise unmittelbar an den Bürger- steigkanten ausgestellt werden müssen, ist beim Lin- biegen an Straßenecken größte Vorsicht geboten und auf die Fahrbahnbegrenzung durch weißen An-
Wenn man am Abend die Straßen passiert, kann man durchweg beobachten, daß die Fenster nach der Straßenfront zu wirksam abgedunkelt sind. Hier und da muß man allerdings auch feststellen, daß plötzlich ein Licht in einem Zimmer aufflammt und rasch darauf wieder verlischt, oder ein Lichtschein durch die geöffnete Tür eines anderen Zimmers hindurchschimmert; ein Beweis dafür, daß die Inhaber dieser Wohnungen sich bis jetzt noch lediglich auf das Nichteinfchalten der Beleuchtung beschränken. Derartige auch nur minutenlange, mehr oder minder starke Lichtstrahlen in die Finsternis ringsum sind selbstverständlich mit den Erfordernissen einer vollkommenen Verdunkelung nicht zu vereinbaren. Die Inhaber dieser Wohnungen werden daher gut tun, im Hinblick auf die von Tag zu Tag weiter fortschreitende Verkürzung des Tageslichtes nunmehr für die wirksame Abblendung ihrer Fenster zu sorgen und sich nicht nur mit dem Nichteinschalten des Lichts zu begnügen. Sie mögen aber auch bedenken, daß derartige Verstöße gegen die Verdunkelungsvorschriften größte Gefahr für die Volksgemeinschaft darstellen und daher unter Strafe gestellt sind.
Noch seltsamer ist es, wenn der Beobachter die Straßenfrontseite der Hänser zwar völlig dunkel vorfmdet, an der R ü ck fr o n t d e s Hauses aber durch die kleinen Fenster der Speisekammer, oder des Klosetts, nicht selten auch im MaNsardengeschoß volles Licht in die Dunkelheit hinausstrahlen sieht. Hier liegt eine geradezu unfaßbare Gedankenlosigkeit vor, die darauf zurückzuführen ist, daß manche Wohnungsinhaber wohl glauben, auf die Rückseite der Häuser käme es Nicht so sehr an. Daß diese Meinung völlig falsch ist, bedarf keiner weiteren Erörterung. Es handelt sich doch darum, zur wirksamen Verdunkelung jede L i ch t q u e ll e nach außenhin zu vermeiden, also auch an der Rückseite der Häuser auf vollkommene Dunkelheit zu sehen! Ein feindlicher Flieger wird ja nicht nur die Straßenfronten, sondern auch die Rückseiten der Häuser sichten können, und wenn er hier auch nur die kleinste Lichtquelle erkennen kann, so dient ihm diese als An flugs punkt, und im Handumdrehen kann das schwerste Unglück über die Stadt hereinbrechen. Alle Volksgenossen mögen sich immer vor Augen halten, daß inmitten eines vollkommen verdunkelten Bezirks auch das kleinste Kerzenlicht weithin leuchtend zu sehen ist, um wieviel mehr aber der Schein eines elektrischen Lichts, auch wenn dieses nur durch ein kleines Mansarden-, Speisekammeroder Klosettfenster seine Strahlen nach außen schickt. Daher die unbedingte Forderung: Auch die Rückseite der Häuser unter allen U m - ständen in sorgsam st er Weise dunkel halten und auch minutenweises Licht zu vermeiden, wenn nach außen hin nicht in wirksamer W eise ab geschirmt ist!
Ein anderes Kapitel zur Beanstandung ist der
strich zu achten. Alle Verkehrsteilnehmer, vor allem die Kraftfahrer, werden hiermit dringend zur Beachtung dieses Hinweises ermahnt. Wer künftig durch Unachtsamkeit die Lampen beschädigt oder zerstört, wird wegen Verkehrsgefährdung bestraft. Desgleichen hat jeder, der Richtungstampen in ihrer Wirksamkeit beeinträchtigt oder mutwillig zerstört, mit der schwersten Bestrafung zu rechnen. Wer in dieser Zeit Einrichtungen unwirksam macht, von denen die Sicherheit für Leben und Gesundheit der Volksgenossen abhängt, stellt sich außerhalb der Volksgemeinschaft und wird entsprechend behandelt. Der örtliche Luftschuhteiter bittet alle Volksgenossen, dabei mitzuwirken, daß die für die Sicherheit aller bestimmten Einrichtungen nicht zerstört werden.
Gebrauch von Taschenlampen beim abendlichen Ober nächtlichen Gang durch die Straßen. An sich ist es das Dernünfttgste, daß jedermann, der nicht unbedingt nach Eintritt der Dunkelheit aussen muß, zu Haufe bleibt, vor allem die Jugendlichen, wenn sie nicht einen dienstlichen Auftrag zu erfüllen haben. Wer dennoch in der Dunkelheit ausgeht, muß sich unter allen Umständen des Gebrauchs der Taschenlampe aus der Straße enthalten, wenn die Taschenlampe nicht abgeblendet rst. Es ist einfach unverantwortlich, mit hell brennender Tas^enlampe durch die Straßen zu wandern, ebenso unzulässig ist es, helles Taschenlampenlicht beim lieb er queren der Fahrdämme zu benutzen. Wer gegen diese Vorschrift verstößt, gefährdet dadurch ebenso die ganze Stadt wie derjenige, der durch nichtabgeblendete Wohnungsfenster das Licht hinausstrahlen läßt. Daher lautet hier die Forderung: Abends daheimbleiben, beim Ausgang kein T a - fchenlampen licht auf der Straße ein- schalten, wenn die Taschenlampe nicht in der oorgeschriebenen wirksamen Weise a b g e b 'I e n b e t i ft!
Wer sich weiterhin Verstöße zu Schulden kommen läßt, die in der Richtung der hier gerügten liebel» stände liegen, hat von jetzt ab mit polizeilichen S trasm a ß n a hme n zu rechnen. Und es sei hin- 5Ugefügt, daß die Polizeibehörde sehr strenge und sehr weitreichende Vollmachten besitzt, um unter allen Umständen die Einhaltung völliger Vevdunke- lungsbisziplin zu erzwingen. Daher zum letzten Male: Nunmehr überall jedes Licht nach außen hin vermeiden, oder unliebsame Bekanntschaft mit der Polizei!
NSDAP., Ortsgruppe Gießen-Nord.
In der Geschäftsstelle Marburger Straße 20 befindet sich eine Beratungsstelle, in der sämtliche Volksgenossen und Volksgenossinnen Rat und Hilfe finden. Sprechstunden: Montag, Mittwoch und Freitag von 16 Uhr bis 18 Uhr.
NSV., Ortsgruppe Gießeu-Ost.
Betr.: Lebensmittel-Opferring.
In der Zeit vom 11. bis 13. d. M. wird im Bereiche unserer Ortsgruppe die Sammlung zum Lebens- mittel-Opferring durch die NS.-Frauenschaft durchgeführt. Im Hinblick darauf, daß der NSV. zur Zeit sehr große und wichtige Aufgaben gestellt sind, wird gebeten, größere Geldbeträge als seither zur Verfügung zu stellen. Zeigt, daß wir eine Not- und Schicksalsgemeinschaft sind!
Ehrung bei der Veichsbank.
Dem Reichsbankinspektor Fritz Ehrig wurde vom Führer aus Anlaß der Wiedervereinigungder sudetendeutschen Gebiete mit dem Deutschen Reich
die Medaille zur Erinnerung an den 1. Oktober 1938 verliehen. Die Ueberreichung sand in würdiger Form durch den Behöbden-leiter statt.
Studienrat Or. Heinrich Fuhr f.
Mitten aus einem tätigen und arbeitsreichen Leben hat der unerbittliche Tod Studienrat Dr. Heinrich Fuhr herausgerissen. Eine tückische Krank- heit, der ärztliche Kunst keinen Einhalt Gebieten konnte, zehrte in wenigen Tagen seine Kraft auf.
Heinrich Fuhr war ein Sohn unserer oberhessi- scheu Heimat, mit der er sich stets verwachsen suhlte. Lich war feine Vaterstadt, wo er am 2. Ium 1897 geboren wurde. Am Realgymnasium in Gießen er- warb er sich das Zeugnis der Reife und widmete sich bann an der Ludwigsuniversität dem Studium der Mathematik und Physik. Mit einer nicht ge- wöhnlichen Kraft mathematischen Denkens ausge- stattet, versprach er schon in seinen Studienjahren wesentliche Leistungen für diese Wissenschaft, in der er 1921 mit einer bedeutenden Arbeit über auto- morphe Funktionen promovierte. Nach mehrjähriger Tätigkeit als Assistent am Mathematischen Seminar verließ er die Universität, um in den Schuldienst einzutreten. Den Vorbereitungsdienst für das höhere Lehramt erledigte er an der Justus-von-Liebig- Schule (damals Oberrealschule). Nach vorübergehender Verwendung an der Realschule in Hungen trat er in den Lehrkörper der Anstalt ein, an der er seine Ausbildung empfangen hatte. Ihm gehörte er bis zu seinem Tode an. Seine Arbeit in der Schule war getragen von tiefem, wissenschaftlichem Ernst, einem reichen Maß pädagogischer Fähigkeiten und vorbildlicher Pflichtauffassung. Zur Entwicklung und besonderen methodischen Ausprägung des mathematischen Unterrichts an feiner Schule hat er Entscheidendes beigetragen. Darüber hinaus erlangte fein Wirken Bedeutung durch feine Mitarbeit bei der Ausbildung der Studienreferendare und feine Veröffentlichungen über Fragen des mathematischen Unterrichts.
Seit 1930 beanspruchte die Hochschule wieder einen Teil seiner Kraft und erteilte ihm 1932 offiziell einen Lehrauftrag. Er hielt Vorlesungen und Uebungen über niedere und höhere Geodäsie, über viele Gegenstände der höheren und insbesondere der angewandten Mathematik, sowie über die didaktischen und methodischen Grundlagen der Schul* Mathematik. Seine wissenschaftlichen Arbeiten beziehen sich auf Kreis- und Kugelmessung und vor allem'auf die Lösung höherer Konstruktionsaufgaben mit einem neuen Instrument, dem Zeichenwinkel. Er hat das wichtige Ergebnis gefunden, daß man mit diesem Hilfsmittel alle klastischen Konstruktionsaufgaben und darüber hinaus alle Aufgaben dritten und vierten Grades lösen kann.
Heinrich Fuhr besaß ein außerordentlich umfassendes und krittsches Wissen, eine wirklich hin- gebende Liebe zu seiner Wissenschaft und seinem Beruf und eine unermüdliche Arbeitskraft, die er ht der uneigennützigsten und selbstlosesten Weise der Wissenschaft und der Schule dienstbar machte.
Poiizeihauptwachtmeister Oßwald f.
Im Alter von nur 44 Jahren ist der bet der Po- llzeidirektton Gießen tätig gewesene Polizeihauptwachtmeister Oßwald durch einen Herzschlag plötzlich aus dem Leben abberufen worden. Der so jäh verstorbene Beamte stammte aus Wieseck. Nach seiner Schulentlassung widmete er sich der Musik und trat kurz vor Ausbruch des Weltkrieges bei dem Musikkorps des Infanterie-Regiments 99 in Zabern in iben Heeresdienst ein. Mit seinem Regiment zog er alsbald ins Feld. Nachdem er im Verlaufe des Weltkrieges noch bei verschiedenen anderen Truppenteilen an der Westfront Dienst für das Vaterland geleistet hatte, kehrte er als Unteroffizier aus dem Felde heim.
Im Jahre 1920 trat er in die hessische Sicherheitspolizei ein. Seine ausgezeichnete Führung im
29/30 - 2!U.
Jedes Licht nach außen vermeiden?
Ein ernstes Wort an die Minuten-Knipfer. — Oie Rückseite der Häuser ist nicht nebensächlich. - Fort mit hellbrennenden Taschenlampen. - Die Polizei läßt Nachsicht nicht mehr walten.
Der Zufall
im Weltgeschehen.
Von Bruno H. Bürgel.
Friedrich der Große hatte als junger König eine Zeitlang eine starke Zuneigung zu dem ungemein geistreichen, aber charakterlich etwas zweifelhaften französischen Philosophen und Schriftsteller Voltaire, der ja auch zwei Jahre lang fein Gast in Potsdam war. Es wird berichtet, daß beide Männer einst in einen lebhaften Disput gerieten über die Frage, ob das Weltgeschehen nach der Vorausbestimmung und dem Willen eines weisen Weltenlenkers ablaufe oder ob es sozusagen ein buntes Würfelspiel sei. „Die ganze Welt" — so rief damals Voltaire aus — „regiert Seine Majestät der Zufall!" Friedrich ist nicht ganz dieser Meinung, auf alle Fälle glaubt er, daß die Natur eine „Intelligenz" besitze wie der Mensch und also nicht mit ihren Kräften blind würfele. „Eine intelligente Natur muß notwendigerweise beim Aufrechterhalten des Universums den Vorsitz führen. Die ganze Welt beweist diese Intelligenz!"
Ganze Bibliotheken sind über diese Frage geschrieben worden. Im Grunde ist sie mit dem Verstand des Menschen nicht zu lösen, wie alle letzten Probleme für uns unlösbar sind; alles Raten und Meinen darüber ist mehr oder minder geistreiche Hypothese. So sicher es ist, daß es letzten Endes keinen Zufall gibt und alles durch Ursache und Wirkung miteinander verknüpft ist, auch der bekannte Sperling nicht ohne Grund vom Dache fällt — man kann hier doch verzwickte Fragen stellen, die sich nicht beantworten lassen. Es ist wohl kein Zweifel, ^atz ein einziger Mensch, ein Genie, ein Erfinder, Denker, Staatsmann die ganze Well umkrempeln kann. Denken wir z. B. an Napoleon! Aber um em Haar wäre der junge Napoleon 1796 im Kampf um die Brücke bei Arcvle, als fein Pferd scheute und ihn in den Sumpf warf, ertrunken; mit Muhe zog man ihn heraus. Welchen Weg hätte die Weltgeschichte genommen, wenn der Korse, der ja eben erst anfing, die Ruhmesleiter zu ersteigen, umgekommen wäre? —
Von einem gewissen Standpunkt aus kann man behaupten, daß unser ganzes Dasein auf dieser Erde eine Zufälligkeit sei. Es läßt sich wohl nicht bestreiten, daß alles Leben auf Erden allein durch die Sonnenstrahlen ermöglicht wird; der Planet Erde, der unsere Heimat ist, hat eine außerordentlich günstige Stellung im Sonnensystem, die eben die Ent
wicklung höherer Lebensformen ermöglichte. Aber die Astronomen, die die Bahnen der Gestirne genau kennen, mit höchster mathematischer Schärfe anzugeben wissen, weshalb ein Planet, Komet, Meteor eben diese und keine andere Bahn im Sternenraum beschreibt, zeigen uns, daß diese Bahn der Erde um die Sonne einzig und allein der Tatsache zuzu- ■ chreiben ist, daß unser Planet, als er sich vor grauen Zeiten als ein Glutspritzer von der Sonne löste, zufällig eine bestimmte Geschwindigkeit erhielt. Heute läuft die Erde mit einer Geschwindigkeit von 30 Kilometer in der Sekunde in ihrer nicht sehr von einem Kreise abweichenden Bahn um das große Wellenfeuer; hätte diese Geschwindigkeit aber etwas über 40 Kilometer in der Sekunde betragen, so wäre diese Kugel, auf der wir hausen, immer weiter und weiter in den fernen Sternenraum hinausgeflogen, hätte sich immer mehr von der Sonne entfernt und wäre in Nacht und Eis versunken für alle Zeiten. Nie hätte sich Leben auf ihr bilden können.
Gewiß, ein frommer Mann kann nun sagen, Gottvater, der Weltenlenker, hat das so gewollt. Aber es erhebt sich 'bann die Gegenfrage, warum er es bei den anderen Gestirnen nicht so gewollt hat, und man kann sich auch auf den Standpunkt stellen, daß wahrscheinlich damals, als das Sonnenreich entfta.Vo, sehr viele Planeten gebildet wurden, von denen eben nur die übrig blieben und noch heute der großen Weltkörper-Familie angehören, deren Geschwindigkeit zufällig so beschaffen war, daß sie ständige Mitglieder der Familie blieben, während die anderen eben „auswandern" mußten in die Nacht der Unendlichkeit. Es ist nicht einzusehen, washalb das eine Gestirn begnadet, das andere unbegnab-et ist!
Eine sonderbare Vorstellung ist es, daß alles Menschentum, die ganze Menschheitsgeschichte im Grunde abhängig war von der ursprünglichen Geschwindigkeit der von uns bewohnten Kugel. In unserer allernächsten Nachbarschaft kreist eine andere Weltkugel, deren einsame Felsenlandschaften wir in den heutigen Riesenfernrohren mit größter Genauigkeit studieren können: es ist der Mond. Wie interessant wäre es, wenn er der Erde gleich bewohnt wäre- wir würden mancherlei davon wahrnehmen, denn'selbst größere Anlagen und Bauwerke blieben uns heute nicht verborgen. Aber nie hat dieses Ge- ’ftirn höher entwickeltes Leden tragen können, weil Seine Kleinheit, bester gesagt seine geringe Masse und Anziehungskraft die Bildung und Festhaltung einer Lufthülle und größerer Wasserbecken verhinderte. Die Gase, die dafür in Frage kommen, losten
sich vom Monde, Detinren sich im Himmels raum, während die an Masse achtzigmal mächtigere Erde sie eben festzuhallen vermochte.
Bei einer großen kirchlichen Feier sprang eines Tages beim Läuten der Glocken ein Teil des mächtigen Klöpfels ab, sauste durch das Schalloch des Turmes und erschlug eines von vielen hundert Kindern, die am Domplatz aufmarschiert waren. Ohne Zweifel läßt sich durch Fachleute' genau feststellen, wieso und weshalb der Klöpfel zersprang und daß er nach den Gesetzen der Physik eben diesen Weg beschreiben mußte, an eben diesem Punkt den Erdboden erreichen mußte. Ursache und Wirkung sind streng gesetzmäßig verknüpft, und der Anatom und Physiolog kann haargenau nachweisen, weshalb das so getroffene Kind sterben mußte. Niemand aber kann ber Mutter die Frage beantworten: „Weshalb gerabe mein Kind, weshalb nicht bas benachbarte?" Und warum fiel der Klöpfel nicht in eine Lücke zwischen den Kindern? Der Physiker wird sagen, daß der Klöpfel, ben Fallgesetzen entsprechend, gar nicht anders fallen konnte, aber niemand kann erklären, weshalb eben an diesem Punkt ein Kind stand. Schon die Alten haben sich mit diesem Problem herumgeschlagen; die Griechen sprechen von „Moiren", die Römer von den „Parzen , den Schicksalsgöttinnen. Klotho ist die Spinnerin des Lebensfadens, den schließlich Atropos mit der Schere durchschneidet, je nachdem, welches Los für seinen Lebensweg Lachesis dem Menschen zuteilte. Sind wir viel klüger geworden als die Allen mit ihrer Götterlehre? Unsere Philosophen haben dickleibige Bände geschrieben über bas Physische und das Metaphysische, das Sichtbare, Erkennbare und die dahinterliegenden, letzten Endes nicht mehr erkennbaren und erklärbaren Umstände und Gründe. Sie sagen uns nicht viel mehr als die bunten Bilder der Alten, die bei Göttern enden.
Es ist interessant, daß auch Napoleon, wie Voltaire am Ende seines Lebens, immer in der Gefangenschaft auf St. Helena, ben letzten Gründen seines Zusammenbruchs nachgrübelnd, zu dem Schluß kommt, daß der Zufall schließlich über Erfolg und Mißerfolg enstcheide. Hier aber widersprechen mir, denn der Mensch ist doch in weitem Masse Herr seiner Entschlüsse und, wenn wir auch alle unseren Erbanlagen entsprechend vorbestimmt sind, auch ein Napoleon nur werden konnte, was er im Kern seines Wesens von Anfang an war. Den Weg nach St. Helena hat er sich selber geebnet, wenn auch manche Zufälligkeiten im guten wie im bösen Sinne in seinem Leben eine Rolle spielten. „Die Sonnenpferde", sagt einmal Goethe, „versuchen, mit unserem Lebenswagen durchzugehen; es ist unser Schick-


