Ausgabe 
8.7.1939
 
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Samstag, 8./Sonntag,9.3uli 1939

189. Jahrgang

Nr. 157 Erstes Matt

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Gietzener Anzeiger

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Das Recht zur AeuttaM

Paris, im Juli.

ies

London

gen würde.

entmutigen. v .

In Frankreich glaubt man mit der Abtretung des Sandschaks Alexandrette schon einen außerordent- üch hohen Preis für die türkische Freundschaft bezahlt zu haben. Am schmerzlichsten wird der Um­stand empfunden, daß die französische Ration hier­mit die Liquidation ihrer traditionellen Nolle als Schätzerin der Chriftenheiti n d er Le - nante aufgegeben hat. Die Stadt Anti­ochia bedeutete viel für Frankreichl Der rechts­stehendeJour" schrieb in diesen Tagen:Wieviele Franzosen empfinden heute in ihren geraen mcpt jenen geheimen Schmerz um diese kleine ötaöt

Antiochia, die mit dem Sandschak ausgeliefert wurde und die die e r st e u n d die b e r ü h m t e st e d e r französischen und christlichen Städte Asiens ist?" Don einem Heerführer Alexanders

Stellung der Schweiz fei derart eindeutig, daß sich weitere Erklärungen erübrigten. Die Schweiz wurde es gerne sehen, wenn man sie völlig aus dem Spiele lasse. Der Bundesrat stimmte dieser Auffassung einmütig zu. Bundespräsident Etter wird nunmehr seine Ferien antreten. Dies kann als Beweis dafür gelten, daß die Schweiz die Lage

Der bulgarische Ministerpräsident und Außen­minister Kjosseiwanoff ist bei seinem Staats­besuch in Deutschland auf das herzlichste begrüßt worden als der leitende Staatsmann einer Nation, mit der sich das deutsche Volk durch die Waffen­brüderschaft im Weltkrieg eng verbunden fühlt. Mit größter Bewunderung und Hochachtung haben wir den schweren Weg verfolgt, den König Boris und seine Ratgeber nach den furchtbaren Blutopfern dreier Kriege und dem vernichtenden Friedensdiktat von Neuilly unbeirrt durch außenpolitische Ranke und revolutionäre Umtriebe im Innern gegangen sind, um Bulgarien aus eigener Kraft in harter Arbeit und Selbstzucht wieder zu Ansehen und Wohlstand zurückzuführen. Wir haben es besonders begrüßt, daß es der klaren und aufrichtigen Politik der Könige Boris und Alexander gelang, die maze­donische Frage, die so lange als emig schwärende Wunde zwischen Bulgarien und Jugoslawien kein Vertrauen aufkommen ließ, aus dem Wege zu räumen und beide blutsverwandten Völker in einem ewigen Freundschaftsbund zusammenzuführen. Wir haben uns gefreut, daß es dem Bulgarenfursten beschieden war, die denkbar besten Beziehungen zu Italien herzustellen und sie durch seine Heirat mit einer italienischen Königstochter auch dynastisch zu festigen. Und mit Genugtuung haben wir schließ- lich feststellen können, daß die sorgfältige Pflege, die sowohl Deutschland wie Bulgarien ihren beider­seitigen wirtschaftlichen Beziehungen haben ange­deihen lassen, einen wesentlichen Beitrag zur Er­holung der bulgarischen Wirtschaft dargestellt haben. Zumal seit die bulgarische Landwirtschaft beginnt, sich in ihrer Erzeugung planmäßig auf den Bedarf des großdeutschen Marktes umzustellen, verspricht diese enge wirtschaftliche Zusammenarbeit für beide Länder die besten Früchte zu tragen.

Es ist fein Wunder, daß Bulgarien dank seiner politisch wie strategisch gleich wichtigen Stellung auf dem Balkan in den Einkreisungsplanen der westlichen Demokratien eine besondere Rolle zu- gedacht war, aber die betonte Zurückhaltung der ich Bulgarien gleich wie sein jugoslawischer Nach­bar befleißigte, hat die Einkreisungspolitiker davon abgeschreckt, auch in Sofia eines ihrer famo|en Garantieversprechen abzugeben, mit denen sie sonst o freigebig um sich geworfen haben. Bulgarien er- nnert sich noch zu gut des englischen Einspruchs, dem es zuzuschreiben ist, daß Bulgarien weder im Diktat von Neuilly, noch auf der Konferenz von Lausanne nach dem griechisch-türkischen Feldzug ein Zugang zum Aegäischen Meer zugestanden wurde, und es hat eben erst spüren müssen, daß Englands Garantieversprechen an Rumänien eine Verständi­gung mit Bukarest über die bulgarischen Ansprüche in der durch das Diktat von Neuilly abgetrennten, vorwiegend von Bulgaren bewohnten Sud- dobrudscha äußerst erschwert hat. Die Skepsis, mit der man in Sofia die britischen Einkreisungsplane betrachtet, ist also durchaus berechtigt.

Auch anderswo hat England nicht mehr Gluck. Seit man Polen und die Türkeigarantierte", i|t die englisch-französische Einkreisungspvlitik nicht einen Schritt vorangekommen. Die sich nun schon

Syrien protestiert.

' Paris, 8. Juli. (Europapreß.) Der syrische Ministerpräsident Dr. Bukari hot dem syrischen Staatspräsidenten Hachem Bey Atassi mitge-

EnglischeAmtsstellen als Spionagezellen Oie Ausweisung des englischen Generalkonsuls in Wien. - Mißbrauch der deutschen Gastfreundschaft durch Geheimagenten der britischen Spwnage.

Die baltischen Staaten wollen nicht in die Emkreisungssront einbezogen werden.

Oer lettische Außenminister lehnt englische Garantieangebote eindeutig ab.

Berlin, 7.3uli. (DRV.) wie in der p reffe bereits gemeldet, sah sich die deutsche Regierung veranlaßt, die englische Regierung oufzufordern. den englischen Generalkonsul in Wien. Gainer, zurückzuziehen. Der englische Generalkoniul in Wien ist in die A.^clegenheuen eines Verfahrens wegen Spionage ver­wickelt worden. Der englische Generalkonsul h a t Deutschland bereits verlassen.

*

Hierzu schreibt derDeutsche D i e n st ": Die englische Regierung ist seit einiger Zeit dazu uber- qeqangcn, aus einem Geisteszustand kronkyaften Mißtrauens und übertriebener Angst, vor allem aber in der Absicht, auf jedem Gebiet den Nach­weis angeblicher deutscher Aggres­sion s a b f i d) t e n zu führen und dadurch die internationale Atmosphäre weiter zu vergiften, anständige und unbescholtene deutsche Männer aus England auszuweisen. Man hat sich dabei noch nicht einmal die Muhe genommen, die Maßnahmen zu begründen. Es ge­nügte, daß diese Deutschen pflichtgemäß ihre Volks­genossen in England betreuten, ihnen mit Rat und Tat zur Seite standen, sie im Falle von Krankheit und Not unterstützten und sie in ihrem Deutschtum

ruhig beurteilt.

Oer Anfang der Rüstungsverschuldung.

ter Eile auszubauen.

In den Pariser Zeitungen wird lebhaft Propa­ganda für die Aufstellung eines leicht beweglichen, mit modernem Material versehenen französischen Ex p e- ditionskorps in Syrien gemacht. Entsprechende Maßnahmen scheinen eingeleitet zu sein. Auf eng­lischer Seite trägt man sich mit ähnlichen Planen. Der Plan eines Autvstraßennetzes vvn Aegypten nach Bagdad macht, wie die große Pariser NachmittagszeitungJntransigeant meldete, rasche Fortschritte. Die bei der Schaffung dieser Autostraße angewandte Technik ist ziemlich primitiver Natur. Man ebnet zunächst maschinell auf einigen vorhandenen Karawanenstraßen be­stehende Unebenheiten des Bodens ein, versieht die­sen daraufhin mit einer dünnen Schotterschicht und überstreicht diesen Schotter mit einem Zement- Sandgemisch. Das Ganze trocknet innerhalb weni­ger Tage unter der glühenden Sonne zu einer steinharten Straße.

Aber nid)t\ nur die Aufstellung fliegender Korps und der rasche Ausbau riesiger Straften sollen die französisch-englische Herrschaft über die arabische Welt befestigen. Obwohl man sich in Pans zwischen den Türken und den Arabern für die Türken ent­schieden hat, haben die politisch einflußreichen Kreise der französischen Hauptstadt noch nicht die Hoff­nung aufqegeben, auch die Araber für sich zu gewinnen. Immer wieder taucht in Paris das Ge­rücht auf, daß Daladier sich mit dem Plan trage, in Syrien einer arabischen Dynastie auf den Thron zu verhelfen. Diese Pläne zur Schaffung einer syrischen Dynastie sollen auch weitergehende türkische Hoffnungen auf Damaskus und Aleppo

Frankreichs türkische Karte

Don unserem Dr. W.-Korrespondenien.

tiqes Gläubigerland wurden. Freilich weiß auch jedes Kind, daß ihre Forderungen an England und Frankreich oberfaul sind und daß die an Eng­land ausgeliehenen fast 4 Milliarden und an Frank­reich verborgten 2 Milliarden Dollar (damaliger Wert des Dollars 4,20 RM.) in den Rauchfang ge­schrieben werden müssen. Schwere Verluste hat auch Frankreich mit seinen Vorkriegsanleihen an das zaristische Rußland einstecken müssen Die Abwertungen, die alle Währungen einschließlich der amerikanischen erfuhren, gehen z. T. auf diese un­geheure Verschuldung zutück. Man sdfatzt, daß der Goldwert dieser ungeheuren internationalen Schul­den von 200 bis 220 Milliarden durch die Abwer­tungen um 40 bis 50 v. H., also fast um die Halste, vermindert worden ist. Sehr begreiflich, daß in England die Vergebung der neuen Köderkredite mit einem heiteren und einem nassen Auge beobachtet wird.

Kein Seid für die Dominions.

Die Einkreisungskredite erschöpfen

die britische Finanzkraft.

in fremder Umgebung stärkten. In dem gleichen Maße aber bemühten sie sich, loyale Gaste des Staates zu sein, in dem sie lebten und arbeiteten. Es genügte aber offenbar für eine Ausweisung aus England, ein überzeugter und treuer Anhänger des Führers und der nationalsozialistischen Weltanschau­ung zu sein. Diese englische Verkrampfung hgt zeit­weise zu einer wahren Spionenfurcht geführt. In jeder deutschen Hausangestellten sah man eine ^Gefahr für das demokratische System und für die Sicherheit des britischen Weltreiches.

Hingegen mußte Deutschland in letzter Zeit fest­stellen daß England mit allen Mitteln ein 'möglichst lückenloses Spionage- netz über ganz Deutschland zu svlN- n e n versucht. Man ist dabei m den Mitteln nicht wählerisch. In das Personal amtlicher eng- li cher Vertretungen, von Konsulaten und General­konsulaten, vor allem aber der Paßstellen, hat man besonders geeignete und geschulte Angehörige der großen englischen Nachrichten- organijation desSecret S e r v l c e und des

Intelligence Service kommandiert. Diese Durchsetzung des konsularischen Dienstes mit berufsmäßigen Spionen und Geheimagenten wird auf die Dauer unerträglich.

London, 8. Juli. (DNB. Funftpruch) Der Beschluß der britischen Regierung, unter ihre Ein­kreisungsfreunde Kreditgarantien von 60 Millionen Pfund zu verteilen, hat die britische Finanzkrafr offenbar so stark angespannt, daß England im Augenblick nicht einmal in der Lage ist, .seinen Dominions zu helfen. Die Morgenblatter mel­den, daß der neuseeländische Finanzmlmster Nash, der' seit ungefähr 14 Tagen in London F'.nanz- verhandlungen gepflogen' hat und am heutigen Samstag nach Neuseeland zurückreisen wollte, ferne Abreise plötzlich aufgeschoben hat weil sich eine Einigung im letzten Augenblick zerschlagen hat. Die Regierung hat Bedingungen gestellt, die für Neusee- iand unannehmbar sind, und die Lank von England soll erst recht die kalte Schulter gezeigt haben. Nash verhandelte über eine Export- Kredit-Garantie von 16 Millionen P und für Rüstungszwecke und mit der Bank von England über die Ablösung einer am 1-Ium 1940 fällig werdenden Anleiheschuld. Nash soll feine S^ung heruntergeschraubt haben. Trotzdem hat sich die bri tische Regierung offenbar geweigert, Neuseeland eine annähernd so hoheExport-Kredit--Garantie zum Ankauf von britischem Kriegsmaterial zu ge­währen wie sie, Polen erhält.

Die Köderkredite, mit denen die englische Regie­rung Söldner für die Einkreisungspolltik sucht, werden zunächst auf 100 bis 150 M'^E/n ^un ober 1 2 bis 1,8 Milliarden RM. veranschlagt. Aber jedermann - innerhalb und außerhalb Englands - weiß daß das nur der herzhafte Anfang ist. D a s Beispiel des Weltkrieges steht noch vor aller Augen. Wie groß die internationalen Schuld­verpflichtungen find, die im Laufe des Weltkrieges eingegangen wurden, steht noch immer nicht genau fest weil z. B. die englische und französische Regie­rung alles Interesse daran hatten, ihren eigenen Staatsbürgern die tatsächliche Höhe der etwa ge­genüber dem zaristischen Rußland.^gegangenen Verbindlichkeiten zu verschweigen. Sachverständige schätzen aber die Höhe der internationalen Knegs- frebite von 1914-18 auf 200 bis 220 Milliarden NM. Allgemein bekannt ist, baß wahrend des Welt­krieges die ungeheuren englisch-französischen Betei- iigungen an der amerikanischen Wirtschaft Haut, di ert wurden, daß erst damit die Vereinigten Staaten endgültig aufhörten, ein Kolonialland zu sein, und daft sie umgekehrt ihrerjeits em gewal-

teilt, die syrische Regierung sehe sich nach dem Er­laß des französischen Kommissars Puaux über die Dezentralisierung ber Verwaltung nicht mehr in ber Lage, ihre Amtsgeschäfte weiter­zuführen. Die Regierung war am 15. Mai zurück­getreten unb hatte aber bisher bie Amtsgeschäfte provisorisch weitergeführt, weil bie Neubildung einer Regierung an bem Verhalten ber franzö­sischen Mandatsbehörden scheiterte. Auch der syrische Staatspräsident ist zurückgetreten, um gegen die Dezentralisierungsmaßnahmen zu protestieren. Nach Ansicht ber syrischen nationalen Kreise stellen bie französischen Dezentralisierungs­maßnahmen nichts anderes als eine völlige Zerreißung bes Lanbes dar.

Aegypten dementiert jede Beteiligung an der Einkreisungspolitik.

Berlin. 7. Juli. (DNB.) Die ägyptische Gesandtschaft in Berlin teilt mit: Die königlich - Aegyptische Gesandtschaft in Berlin ist bevollmächtigt, ganz kategorisch die Nachricht über einen abgeschlossenen oder abzuschließenden M i l i - tärpaft zwischen der Türkei und Aegypten zu dementieren. Sie ist ebenso in der Lage, zu versichern, daß der Besuch Seiner Exzellenz des ägyptischen Außenministers Jehia Pascha in den Balkanländern in keiner Weise die Absicht verfolgt, die Ein- kreisungspoliiik gegenüber Deutsch­land in irgendeiner Weise zu unterstützen oder zu verstärken.

tretet der ..Times" i t

Außenminister TU unter, es fei klar, daß die Hal­tung der baltischen Staaten ebenso wie die anderer Länder, die keinessalls Garantien wünschten, ein Hindernis für den Abschluß eines englisch-sranzo- sisch-sowjetrussischen Abkommens bilden könne, sofern man die baltischen Staaten gegen i h r en wil­len in die Einkreisung verwickeln wolle. Biunter erinnerte daran, daß man in der letzten %eit über die Möglichkeit einer Unterwerfung der baltischen Länder unter den Lmfluß Deutschlands geredet habe. Nichts derartiges habe «ich ,e- doch ereignet. 3m Gegenteil, Deutfchinnd habe erst kürzlich 71 i ch > a n g r i,, s n e r»r a g e m.t Estland und Lettland abgejchlosten und jo die Neutral - töt dieser Staaten anerkannt. Lettland wünsche keine S a ra n l i e seiner Unabhang.g- keil die politische Tatsache sei und a u h e r F r a g e stehe. Lettland wünsche auch kein e G a r a n l i e ieinct Grenzen, weil es ja selbständig abge- jchlossene vertrüge habe, in denen seine jetzige er- ritoriale Unversehrtheit anerkannt se, öie me- mals van irgend jemand bestritten Warden sei. Vach. "emderGenser Verein versagt habegebeessur Lettland nur eine Möglichkeit, nämlich strikte Neutralität, die es mit allen Mitteln verteidi-

Frankrcich hat heute im östlichen Mittelmeer unb im vorberen Asien alles auf bie türkische Karte gesetzt Die Bebenken, bie in manchen politischen französischen Kreisen hinsichtlich ber Türkei bestehen, beziehen sich nicht nur auf bic Stabilität ber tür­kisch-französischen Freundschaft, sondern vor allen Dingen darauf, ob die türkische Karte w i r fl i d) bic Trumpstarte bei dem politischen epiel in diesen Gebieten ist.Es gibt nicht nur Türken, c 5 gibt auch 21 r a b e r", lautete bie Ueberschnst eines Leitartikels, in dem bic radikalsozialistischc ZeitungOeuvre" bei der Abtretung des Sand­schaks ihre Bedenken geltend machte. Diese Bedenken haben nicht getrogen. Die s y r i s ch e n N att i o n a - 1 i st c n sind über das französische Handelsgeschäft mit den Türken höchst erbittert, das sie als einen Verrat Frankreichs an feinen Pflichten als Man- datsmacht" bezeichnen. Diese Gefühle werden von dem Arabertum weitgehend geteilt. Die englisch- französischen Nachrichtenkonzerne, die durch Den Ein­satz aller zur Verfügung stehenden Machtmittel (die häufige Ausweisung von Journalisten, die weder französische noch englische Staatsangehörige sind, ist bekannt) sich bisher in diesen Gebieten eine Mo­nopolstellung zu erhalten gewußt haben, vermögen natürlich leicht bie heftigen Rückäußerungen bes syrisch-arabischen Nationalismus auf bas Schacher- gefchäft um ben Sandfchack ber Weltöffentlichkeit zu verbergen, sie vermögen aber nicht zu verheim­lichen, daß Frankreich und England sich gezwun­gen sehen, im Raum des östlichen Mittelmeers 11) r e militärische Machtstellung in steberhaf-

Großmächte der Antike gelangt Die Jünger Christi seien von dort ausgezogen, um der Welt die christ­liche Lehre zu verkünden. Jahrhundertelang habe das Christentum mit den Mohammedanern um Anti­ochia gekämpft. Die Stadt habe zehn Konzile in ihren Mauern gesehen. Der französische Kreuzritter Gottfried von Bouillon habe dort em geistig-weltliches Fürstentum gearünbet. Später hät­ten von bort aus bie französischen Missionare bie französische Kultur in den Orient ausstrahlen lassen. Nach dem Weltkrieg habe die Dritte Republik das im Jahre 1084 von ben französischen Kreuzrittern, begonnene Werk erneut in Angriff genommen unb weiter fortgesetzt. DerJour" erklärt schließlich, baß Frankreich mit Antiochia emMandat des Herzens" aufgegeben habe und bringt damit bie Resignation vieler Franzosen zum Aus- bruck über bie Aufgabe einer wichtigen politisch-kul­turellen Sendung ihres Landes im vorderen Orient.

Die ersten türkischen Jnfanterieabteilungen sind f in den Sandschak Al exandre t t e emge- , ^>UH CiUcm

rückt. Am 22. Juli wird bie offizielle Uebergabe QC<jrünJjßf iei nadjeinanber in die Hände aller dieses Gebietes an die türkische Regierung erfol- gen. Ein vorläufiges türkisch-französisches Beistandsab kommen ist unterzeichnet wor­den Aber es ist n u r v 0 r l ä u f i g ! Wird die Tür­kei endgültig vergessen, daß die von Frankreich und England heute im vorderen Orient verwalteten Mandatsgebiete einst ber türkischen Herr­schaft unterstanden und baß Englanb und Frank­reich es waren, die ihr gemeinsam mit den Arabern diese 'roeiten Landstriche nahmen? Das offizielle Frankreich beantwortet diese schwerwiegende Frage mit betontem Optimismus. Diese Zuversicht wird ober keineswegs allenthalben geteilt, wenn man ihr auch nicht immer direkt widerspricht.

Die rechtsstehende WochenzeitschriftCyrano" faßt die in weiten Kreisen bestehenden Bedenken in fol­genden Sätzen zusammen:Ein sehr beunruhigen­des Gerücht geht in gewissen diplomatischen und politischen Kreisen um. Wird die Türkei, nachdem sie die von ihr begehrten Gebiete erhalten hat, i h r e Versprechungen einhalten? Wird die Re­gierung von Ankara, falls die Verhandlungen mit Moskau scheitern sollten, nidjt diesen Vorwand be­nutzen, um zu behaupten, daß das Abkommen Nr II (dasjenige, das den gegenseitigen Beistand im vordem Orient betrifft) hinfällig sein? Es ist not­wendig, darauf hrnzuweisen, daß bie Abtretung des Sandschaks und der Beistandspakt in zwei ge­trennten und miteinander nicht verbundenen diplomatischen Akten oorgenommen wurde. Dort liegt der Riß! Es gibt Leute, die befurchten, daß die Türken Hintergedanken haben."

Die Schweiz

will aus dem Spiel bleiben.

Bern 7. Juli. (Europapreß.) Mit der Datsoche, hrtfe iw Name der Schweiz in die Erörterungen um ben Pakt mit Moskau hineingezozen worden