Ausgabe 
8.4.1939
 
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Nr. 83 Erstes via«

189. Jahrgang

samstag, 8./§omitag,9. April 1939

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Italien sichert seine Lebensintereffen in Albanien.

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Die erste amtliche Mitteilung.

Rom, 7. April. (Europapreß.) Am karfreiiag- morgen wurde folgende amtliche Mitteilung ver­öffentlicht:

3n diesen Tagen, während sich die Besprechungen zwischen der italienischen Regierung und König Zogu von Albanien zum Zwecke des Abschlusses eines neuen engeren Abkommens abwickelten, haben

Der Vormarsch.

Nach weiteren Meldungen der Agenzia Stefani haben die italienischen Truppen in einer Entfernung von 15 Kilometer von Durazzo den Fluß Shi - jak überschritten. Die bewaffneten Banden Zogus hatten vor ihrem Rückzug die von den Italie­nern gebaute Brücke in die Luft gesprengt. In D u r a z z o ist nach der Wiederherstellung des Flug­hafens ein italienisches Erkundungs­geschwader gelandet. Im Norden ist die Stadt Alessio besetzt und der weitere Vor­marsch angetreten worden. Im Süden Albaniens wurde Delvina erreicht. Die italienischen Truppen haben in B a l o n a eine sympathische Aufnahme gefunden. Die Bevölkerung hat von sich aus auf dem Rathausturm die italienische Flagge gehißt.

Zogu verpraßte die italienischen Hilfsgelder.

Der frühere Präfekt von Durazzo, Marco K h o - deli, ist in Bari eingetroffen und hat über den dortigen Sender einen Appell an die Albaner ge­richtet, den italienischen Truppen keinen weiteren Widerstand entgegenzusetzm. In dem Aufruf heißt es:Die jetzigen Ereignisse sind die Folge

einer verhängnisvollen und unauf­richtigen Politik König Zogus. Seit lan­gem hoffte das albanische Volk, auf Grund des moralischen und materiellen Beistandes Italiens, das bis heute in Albanien große Summen ange­legt hat, auf bessere Tage. Aber diese Gelder haben, anstatt für die Entwicklung des Landes Verwen­dung zu finden, nur d i e Taschen einiger Weniger gefüllt, an deren Spitze Zogu stand. Sein Leben war ein Werk des Luxus und ebenso das aller Prinzen und Prinzessinen sowie des ganzen Hofes. Die Staatskasse und die Privat­kasse Zogus wurden eins. Seine Ausgaben kannten weder Maß noch Grenzen. Es genügt, an die Millionen zu erinnern, die für Dia­manten und Edelsteine der Prinzessinnen, für ihre Auslandsreisen usw. vergeudet wurden, während das Volk Hunger litt. Selbst die ausländi­schen Unterstützungsgelder für die Armen wanderten in die Taschen des Königs."

Albaner", so schloß der Appell,ihr werdet nun sehen, daß Mussolini als wahrer Freund des albanischen Volkes ein geeintes, unabhängiges und lebens starkes Al­banien schaffen wird. Die italienischen Truppen, die' in Albanien gelandet sind, haben die Mission: Die Ordnung, den Frieden und die Gerechtigkeit zu bringen, die das Regime Zogus zerstörte."

Zogu aus Tirana geflüchtet.

provisorische Regierung gebildet?

Rom, 8. April. (DNB.) Die Agentur Stefani verbreitet um 0.45 Uhr aus Tirana eine Meldung, in der es heißt: König Zogu und die Re­gierungsmitglieder haben eingefehen, daß sie nicht länger in Tirana bleiben kön­nen. 3m Morgengrauen bemerkte man lebhafte Tätigkeit im Königspalast, und gegen 5 Uhr mor­gens verließ ein langer Zug von Wagen Tirana in Richtung Elbaffan.

Es gehl das Gerücht um, daß sich in Tirana eine aus verantwortlichen Männern zusawwengesehle provisorische Regierung zu bilden im Begriff ist, die Albanien ein von gesundem Gerech­tigkeitsgefühl und Aufrichtigkeit inspiriertes Regime unter dem Schuh Italiens geben will. 3n letzter Stunde laufen Nachrichten ein, daß dunkle und verantwortungslose Elemente zu Plünde­rungen in Tirana übergegangen sind.

Italienische Truppen in Tirana

Ruhe wiederhergestellt.

Rom, 8. April. (DNB. Funkspruch.) Das. G e - wehrfeuer, das in den Abendstunden nach der Flucht des Königs, seiner Familie und der Mitglieder der ehemaligen Regierung ein besorgnis­erregendes Ausmaß angenommen hatte, da be­waffnete Sträflingsbanden die Sladl durchzogen, hat bis.zum Morgengrauen angedauert. Am Samstag um 9.30 Ahr find die italie- nifchen Truppen in die albanische Haupt st adl Tirana einmarschiert. Der königliche Palast, die Residenz der Schwestern des Königs, ist geplündert worden. Auch die Sicher­heit der italienischen Gesandtschaft schien in manchen Augenblicken bedroht. Seit den Nachmittagsstunden waren die wenigen Gendarmen, die die albanische Regierung der Gesandtschaft zur Verfügung gestellt hatte, verschwunden, während gleichzeitig auf der Straße TiranaDurazzo die Brücke von Sciah in

die Luft gesprengt wurde, um den Vormarsch des italienischen Expeditionskorps aufzuhalten.

Die Ordnung wurde in der Stadt im Laufe der Nacht durch das Eingreifen des Obersten S t a m a t i zusammen mit einigen Gendarmerieoffizieren und den Militärattaches der italienischen Gesandtschaft und einigen Italienern wiederhergestellt. Zahlreiche Plünderer wurden festgenommen und die Radio-, Telegraphen- und Telephonverbindungen wiederhergestellt, hohe Beamte und Journalisten haben sich dann mit der italienischen Gesandtschaft in Verbindung gesetzt und ihr bestätigt, daß der ge­sunde Teil der öffentlichen Meinung für das fa- fchistische Italien sei, das mit seiner entschlos­senen und raschen Aktion in Albanien einen Zu­stand wiederherstelle, der dem Lande einen raschen Fortschritt auf allen Gebieten sichere. Bewaffnete Banden, die in die Stadt zurückkehren, werden so­fort entwaffnet. Die Zeitungen in Tirana bereiten Extrablätter vor, die die Ereignisse des gestrigen Tages schildern und das Eintreffen der tapferen italienischen Truppen in der Hauptstadt ankündigen werden.

Lord Perth überreicht Graf Giotto eine Note.

Nom, 7. April. (Europapreß.) Amtlich wird mitgeteilt:Der englische Botschafter Lord Perth hat am Freitag den italienischen Außenminister Graf C i a n o aufgesucht, um ihm eine Note zu überreichen. Diese nimmt Bezug auf die Ereig­nisse in Albanien. Graf Ciano hat dem britischen Botschafter zweckmäßige Versicherungen und Aufklärungen gegeben."

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In San Remo an der Riviera sind die beiden englischen KriegsschiffeW a r s p i t e" undAber - d e e n" eingetroffen und haben an der Reede Anker geworfen. Zwischen dem britischen Admiral und den italienischen Behörden wurden die üblichen Höflichkeitsbesuche ausgetauscht.

sich in Tirana und an anderen Orlen bedroh­liche Kundgebungen bewaffneter Banden ereignet, die die in Albanien an­sässigen Jtalierter in besondere Gefahr gebracht haben. Am Donnerstagmorgen haben italienische Kriegsschiffe von Durazzo und Valona aus viele Hunderte von Italienern, darunter Frauen und Kinder, in die Heimat zurückgebrachl. Am Donners­tagabend find italienische Truppenkon­tingente von Brindisi und Bari nach Al­banien abgegangen. Zur gleichen Stunde Ist das Erste F l o t t e n g e s ch w a d e r in See gestochen, das am Freitagmorgen längs der alba- uischen Küste zwischen Santa Quaranla und San Giovanni di Medua kreuze. Das Flugzeug- gefchwader A ist mobilisiert.

Die Truppenlandungen.

Rom, 7. April. (Europapreß.) Amtlich wird mitgeteilt: Die L a n d u n g der italienischen Trup­pen in den Häfen non Santa Quaranta, Valona, Durazzo und San Giovanni Medua hat sich am Freitag bei Tagesanbruch vollzogen. Die Truppen­landungen stießen auf keinen nennenswer - -ten Widerstand mit Ausnahme in Durazzo, :mo ein Widerstandsversuch bewaffneter Banden so­fort vereitelt wurde. Von Durazzo aus haben die Truppen den Vormarsch in das Innere Albaniens begonnen. Die Bevölkerung nimmt eine ruhige Haltung ein. Vierhundert Flugzeuge des ita­lienischen Luftaeschwaders A kreuzen über Albanien. Sie haben Befehl, keine Orte zu bombardieren und die Bevölkerung zu schonen.

König Zogu i. von Albanien.

(Scherl-Bilderdienst.)

Tor zur Adria.

Wenn Italien mit Recht das Mittelmeer als seinen Lebensraum betrachtet, so ist in noch viel engerem Sinne die Adria das italienischeMare nostrum", dessen Beherrschung für Italien eine Lebensnotwendigkeit darstellt, so lange es beansprucht, als Großmacht bewertet zu werden. Das ist auch von jeher von aller Welt anerkannt worden und in den verschiedensten Verträgen zum Ausdruck gekommen. Schon aus strategischen Gründen wäre es für Italien eine Unmöglich­keit, zu dulden, daß an der von der italienischen Küste kaum 50 Kilometer entfernten Küste Alba­niens fremde Interessen sich ein Bollwerk schaffen würden. Italien hat daher bereits seit dem Ausein­anderfall des türkischen Reiches auf der Balkanhalb­insel seine lebenswichtigen Interessen an dieser Küste unmißverständlich angemeldet und alle Versuche an­derer Mächte, hier Einfluß zu gewinnen, mit aller Entschiedenheit abgewehrt.

Diese Dinge gehen weit zurück in die Vorkriegs­geschichte, als die Adria zwischen den beiden Teil­habern des Dreibundes, Italien und Oesterreich- Ungarn, mehrfach Anlaß zu Rivalitäten gegeben hat. Auch in den ersten Nachkriegsjahren, als Jugo­slawien die Nachfolge der österreichisch-ungarischen Adria-Interessen angetreten hatte, ist es, über die Abgrenzung der Interessensphären vielfach zu erheb­lichen Reibungen gekommen. Der italieni sch- jugoslawische Freundschaftsvertrag vom Jahre 1934 hat jedoch auch in diesem Punkt volle Klarheit geschaffen und die ruhige Auf­nahme, die die jetzige Aktion Italiens zur Sicher­stellung seiner Interessen in Albanien in Belgrad gefunden hat, ist der beste Beweis dafür, daß hier jeder Konfliktsstoff fehlt.

Wenn es in den letzten Tagen in Albanien zu Unruhen gekommen ist und sich dabei Ausschrei­tungen bewaffneter Banden gegen dort ansässige Italiener zugetragen haben, so sind die Urheber die­ser Zwischenfälle in einem ganz anderen Lager zu suchen. Aus den Mitteilungen der italienischen Presse geht hervor, daß König Zogu die ihm von der italienischen Regierung in beträchtlichem Maße zur Verfügung gestellten Mittel für seinen persön­lichen Bedarf verwandt hat, statt sie für die Er­schließung seines Landes einzusetzen. Das hat selbst­verständlich in der albanischen Bevölkerung Miß­stimmung erregt, die von ausländischen Draht­ziehern zu einer Hetze gegen Italien ausgenutzt worden ist. Um dieser von vornherein die Spitze ab­zubrechen und völlige Klarheit in dem italienisch- albanischen Verhältnis zu schaffen, haben italienische Truppen das Land besetzt.

Albanien, das alte Illyrikum der Römer, wurde im 5. bis 7. Jahrhundert von Gothen, Slowenen und Bulgaren überrannt und kam im 14. Jahrhun­dert schließlich unter serbische Herrschaft, während die Küstenstriche Neapolitanern und später der Re­publik Venedig anheimfielen. Nach der Schlacht auf dem Amselfelde 1389, die die Türkenherrschaft auf dem Balkan begründete, wanderten viele albanische Stämme nach Griechenland aus, wo sie den Türken tapfer Widerstand leisteten. Die Glanzzeit der alba­nischen Geschichte knüpft an den Namen Stander- beg an, der 25 Jahr hindurch Vorkämpfer des Abend­landes gegen die Türken war. Jedoch nach seinem Tode trat ein großer Teil des albanischen Volkes zum Islam über, nur einzelne Bergstämme im Nordwesten hielten am röxnisch-katholischen Glau­ben fest, während sich die südlichen Stämme zur griechisch-orthodoxen Kirche bekannten.

In erbitterten Glaubens kämpfen rieb sich das albanische Volk auf, Teile wanderten nach Süditalien aus, wo sie sich in der Gegend von Bari ansiedelten und sich bis heute erholten hoben. Zahlreiche Auf stände gegen die Türken­herrschaft führten erst im Jahre 1912 zum Er­folg. Damals rief eine Versammlung albanischer Notabeln in Valona die Unabhängigkeit Albaniens aus, die durch die Londoner Bot­schafter-Konferenz auch anerkannt wurde. Eine in­ternationale Kommission setzte die Landesgrenzen fest, allein der von der Nationalversammlung zum

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Der neue Hasen von Durazzo mit her Villa Könia Aagus auf dem Hügel im Hintergrund

Blick auf die alte Moschee und die Rcgierungsgebäude in Tirana, der Hauptstadt Albaniens. (Scherl-Bilderdienst.)

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