Ausgabe 
7.8.1939
 
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trieben und zum Zwecke einer wirtschaftlichen Kräfti­gung ein System der Preisgerechtigkeit ausgebaut, das das falangiftifche Parteiprogramm verwirklicht und zu einem Schutze des bäuerlichen Betriebes führt.

Weiter kommt hinzu, daß die spanische Agrar­politik bemüht ist, die Kriegsfolgen, die in den landwirtschaftlichen Betrieben innerhalb der früheren Kampfgebiete besonders groß sind, zu beheben. Hier­bei spielen vor allem die Pachtgebühren eine Rolle, die in der Kriegszeit nicht gezahlt werden konnten. Durch eine Neuregelung sind jetzt die Rückstände der Pachtzahlungen auf 50 v. H. ermäßigt worden. Nach dieser vorläufigen Regelung wird eine grundsätzliche Reform des landwirtschaftlichen Pachtwesens zur Sicherung der Erzeugung und eines seßhaften Bau­erntums in Angriff genommen. Ferner sind um- fasserrde Siedlungspläne in Vorbereitung, um neue Flächen urbar zu machen und neues Bauerntum anzusetzen. Die Viehzucht wird mit allen Mitteln ge­fördert, und eine umfassende Aufforstung ist vor­gesehen, um die Waldarmut Spaniens zu beseitigen.

Alle diese Reformpläne der spanischen Regierung lassen eine starke Anlehnung an die deutsche Agrar­politik erkennen, mit der R. Walther Darr6 seit sechs Jahren das gleiche Ziel verfolgt: Eine lebensfähige Landwirtschaft zu schaffen, da nur ein gesundes Bauerntum die Stellung eines Staates festigt und Grundlage und Voraussetzung einer gesunden Volks­wirtschaft ist. Bo.

Der Führer gratuliert.

B e r l i n , 5. Aug. (DNB.) Zur Geburt einer Prinzessin hat der Führer sowohl Ihrer Majestät der Königin als auch Prinzessin Juliane und ihrem Gemahl telegraphisch Glückwünsche ausge­sprochen.

Gauleiter Sprenger beim Betriebs­appell der OAF.-Gauwaltung.

NSG. Auf einem Betriebsappel der Gefolgschafts- Mitglieder der DAF.-Gauwaltung sprach am Sams­tagnachmittag Gauleiter S p r e n g e r. In seiner An­sprache ging er davon aus, daß die vielseitigen Auf­gaben der Volksführung durch die NSDAP, wohl eine Austeilung der Arbeit auf die Gliederungen und Verbände erforderlich gemacht habe, daß aber trotzdem jeder das Ganze sehen müsse. Der Gefolgsmann, der sich an den Reden und dem Buch des Führers jederzeit ausrichten könne, habe seine Treue täglich durch die Tat neu zu bewei­sen. Jeder hat sich so zu verhalten, wie der Führer will. Dabei gelte es, Kameradschaft und Disziplin richtig miteinander zu verbinden.

Generaloberst von Brauchitsch spricht zu Mstungsarbeitern.

Berlin, 6. Aug. (DNB.) Der Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst v. Brauchitsch, wird am Donnerstag, 10. August, einen der großen Rüstungsbetriebe des Heeres, die Rheinmetall- Werke in Düsseldorf, besichtigen. Anläßlich seines Besuches findet ein Betriebsappell statt, bei dem Generaloberst v. Brauchitsch zu den Arbeitern spre­chen wird. Diese Ansprache wird auf den Deutsch­landsender und die Reichssender Königsberg, Bres­lau, Böhmen, Graz, München, Stuttgart, Frankfurt am Main-und Köln von 13 bis 13.30 Uhr über­tragen. Alle anderen Rüstungsbetriebe des Heeres halten zu gleicher Zeit Betriebsappelle ab und wer­den die Ansprache des Oberbefehlshaber des Hee­res im Gemeinschaftsempfang mithören.

Treffen japanischer Botschafter am Comer See.

R o m, 5. Aug. (DNB.) Der japanische Botschafter in Rom, S h i r a t o r i, und der japanische Bot­schafter in Berlin, O s h i m a, trafen sich in diesen Tagen in der Villa d'Este am Comer See. Das Zu­sammentreffen wird in römischen Kreisen sehr be­achtet. Es verlautet, daß die beiden Botschafter Fragen besprochen haben, die die Stellung Japans als Mitglied des Antikominternpaktes zu Deutschland und Italien betreffen.

Kardinalproblem für Staat und Bolt.

Leistungssteigerung im Kohlenbergbau durch Sondermaßnahmen.

«Berlin, 5. Aug. (DNB..) Ministerpräsident Generalfeldmarschall Hermann Göring hat als Beauftragter für den Dierjahresplan den Reichs- amtsleiter Paul Walter zum Beauftragten für die Leistungssteigerung im Koh­lenbergbau ernannt.

Der fortschreitende Ausbau der Merjahresplan- produktion, die anhaltende Steigerung der Ru- stungsaufgaben sowie die gewaltige Ausdehnung des Verkehrs, die insbesondere seit dem vorigen Jahre eingetreten ist, haben den Kohlenbedarf derart in die Höhe getrieben, daß seine rechtzeitige und vollstän­dige Befriedigung ohne besondere Maßnahmen nicht mehr sichergestellt werden kann. Das Kohlen- Problem ist damit aus dem Rahmen eines reinen Wirtschaftsproblemes herausgetreten und zu einem Kardinalproblem für Staat und Volk geworden.

Nachdem im Rahmen des Dierjahresplans die Vor­aussetzungen für den technischen Ausbau des Koh­lenbergbaues bereits geschaffen sind, tritt jetzt vor allem die Aufgabe in den Vordergrund, durch Be­reitstellung der fehlenden Arbeitskräfte sowie durch besondere Fürsorge für den schwer arbeitenden Bergmann in gemeinsamer Arbeit mit den Werks­leitungen und Gefolgschaften geeignete Maßnahmen zu entwickeln, die eine entscheidende Mehrförderung von Kohle gewährleisten, die für die Fortführung der großen nationalen Aufgaben notwendig ist.

Generalfeldmarschall Göring hat dem neuer­nannten Beauftragten gegenüber besonders betont, wie hoch er die Einsatzbereitschaft des Bergsmannes und sein Derantwortunosbewußtsein anerkennt, und darauf hingewiesen, daß eine möglichst weitgehende Ausdehnung des Bergmannswohnungsbaues, die

Sicherstellung einer den vom Bergmann geforderten Leistungen entsprechenden Ernährung und eine be­sonders nachdrückliche Fürsorge für seinen Gesund­heitszustand Gegenstand der Sorge des Beauftrag­ten sein müsse. Der Generalfeldmarschall legt beson­deren Wert darauf, daß der Beauftragte seine Auf- Sabe vom Betriebe aus anfaßt, sich also ständig an rt und Stelle einen Ueberblick verschafft und so die Grundlage für seine Vorschläge schafft. Er soll ins­besondere auch darauf hinwirken, daß in steigendem Maße leistungsfähige Bergbaumaschinen eingesetzt werden und daß den Gruben genügend Material zur Verfügung gestellt wird.

Die Errichtung einer neuen Behörde ist mit der Einsetzung des Beauftragten nicht verbunden, dieser handelt vielmehr persönlich, und zwar in engster Zusammenarbeit mit dem Reichswirtschaftsministe­rium und den diesem Nachgeordneten Bergbehörden sowie mit de-m Reichsarbeitsministerium und den Behörden der Reichsarbeitsverwaltung. Der Beauf­tragte bedient sich zur Durchführung seines Auf­trages der zuständigen Behörden und hält engste Fühlung mit der Deutschen Arbeitsfront.

Paul Walter steht im 40. Lebensjahre. Er ist Auslandsdeutscher und war lange Jahre in einer Großbank tätig. Der NSDAP, gehört Walter seit dem Jahre 1926 an. Seit 1933 gehört er zum eng­sten Mitarbeiterstab des Reichsorganisationsleiters Dr. Ley, der Pg. Walter mit verschiedenen leitenden Posten in der Reichsorganisationsleitung und der Deutschen Arbeitsfront betraute. Walter hat sich insbesondere auf dem Gebiete der Leistungssteige­rung im Handwerk als Leiter des Deutschen Hand­werks einen Ruf geschaffen.

Oeutschlanvs Kolonialforderung.

Eine nachhaltige Forderung des ganzen Boltes.

Dresden, 6. Aug. (DNB.) Mit einer aus An­laß des Besuches des Schirmherrn der Deutschen Kolonialausstellung 1939 und Bundesführer des Reichskolomalbundes, Reichsleiter Reichsstatthalter General Ritter von Epp, am Sonntagvor­mittag im städtischen Ausstellungspalast veranstal­teten kolonialen Morgenfeier fanden die Veranstal­tungen der Ausstellung ihren Höhepunkt. Nach einer musikalischen Einleitung begrüßte Gauleiter Mutschmann Ritter von Epp mit herzlichen Worten.

Kitter von Epp

gab zunächst seiner Freude darüber Ausdruck, wie das Verständnis für die koloniale Bewegung über­all Baden gefaßt habe. Die Dresdener Kolonialaus- tellung trage dazu frei, neue Kämpfer für die kolo­niale Idee heranzubilden. Das Verständnis für die Notwendigkeit von kolonialem Besitz sei in Sach­en, derWerkstatt Deutschlands", besonders leben­dig, denn die Bevölkerung spüre hier den Verlust der Kolonien im besonderen Maße, da die sächsische Deredelungsindustrie zu einem großen Teil auf Ein- und Ausfuhr angewiesen sei. Die Ausstellung ei eine Demonstratton der deutschen Forderung nachkolonialem Lebensraum, des deutschen Le­benswillens und der deutschen Lebenskraft", sie wolle nicht Käufer, sondern politische Kämp­fer werben.

Jede der Mächte, die heule unsere Kolonien in Händen hielten, wolle ihre einseitigen Herr­schaftsansprüche aufrechterhalten und unserem doppelt so großem Volke den Lebensraum bis zur Unerträglichkeit versperren, obwohl er nach geschriebenem und ungeschriebenem Recht unser Eigentum sei. Es wäre eine Verkennung unserer Aufgaben, wenn wir uns in der Kolonialfrage nicht rühren wollten, bis die anderen Fragen gelöst seien. Die politischen Gegner mühten

überzeugt sein, dah es mit der deutschen For­derung nach Kolonien ernst sei und daß sie es mit einer nachhaltigen und nicht mehr abzu­lehnenden Volksforderung zu tun hätten. Auch in dieser Frage vermöge das Ausland keinen Keil zwischen die Führung und die Volksge­meinschaft zu treiben.

Die Dresdener Ausstellung demonstriere wie alle anderen kolonialen Kundgebungen unseren Willen, die noch offenen Fragen zu regeln, unter denen an hervorragender Stelle die Zurückgewinnung unserer Kolonien stehe.Wir vertrauen felsenfest daraus", rief von Epp zum Schluß aus,daß der Füh- rerdiesesZiel erreichen wird. Wir sehen es als unsere Aufgabe an, auf diesem Gebiet dem Führer eine besondere Stoßkraft durch eine starke Kampftruppe zu schenken.

Ölt Krieg gegen England aeht weiter.'1'

London, 6. August. (DNB.) Trotz des scharfen Vorgehens gegen die JRA.-Männer geben diese den Kampf gegen England nicht auf. Seit einem Monat hatte man nichts mehr von dem irischen Ge­heimsender gehört. Jetzt melMSunday Dispatch", der Sender sei zum ersten Male seit einem Monat wieder deutlich in England und Ir­land gehört worden. Der Sprecher habe erklärt: Der Krieg gegen England geht weiter. England wird sich unser nicht entledigen können. Irland wird frei sein früher oder später."

Einer der am Samstag aus England ausgewie­senen Iren erklärte bei seiner Ankunft in Dublin dem gleichen Blatt zufolge:In spätestens zwei Monaten werde ich wieder in London sein. Wir haben geheime Befehle erhalten, uns in Irland zu sammeln, England wird uns nicht zum Einhalten bringen."

Sank des Landvolkes.

B e r l i n, 5. August. (DNB.) In dem Augenblick, in dem das deutsche Landvolk nach einem arbeits- reichen Jahr die Ernte einbringt, hat der Reichs- bauernführer Reichsminifter R. Walther Darrs den an dem in diesem Jahr umfassenden Ernte­einsatz beteiligten Organisationen den Dank des deutschen Land'volkes ausgesprochen.

Dem Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, hat Darre zum Ausdruck gebracht, daß Rudolf Heß immer ein aufrichtiger Freund des Bauerntums gewesen sei. Dies ist der Landwirtschaft besonders in den letzten Monaten wieder voll zum Bewußt­sein gekommen, als Rudolf Heß sich angesichts des durch die Stadtsucht eingetretenen Landarbeiter­mangels auch tatkräftig dafür einsetzte, Verständnis für die Notlage des Landvolkes bei allen Partei­stellen und in der Oeffentlichkeit zu Erwecken. Mit dem Stellvertreter des Führers haben in erhöhtem Maße die Gauleiter und Parteistellen im Reich den vordringlichen Aufgaben der Landwirtschaft Rech­nung getragen.

Dem Führer der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Robert Ley, dankte der Reichsbauernführer für seinen Appell an die Betriebssichrer und Gefolg­schaftsmitglieder in Gewerbe und Industrie, sich nach Möglichkeit zur Behebung des Landarbeiter­mangels dem Landvolk zur Verfügung zu stellen.

Trotz anderer vordringlicher Arbeiten des Reichs­arbeitsdienstes hat Reichsarbeitsführer Hier! fast ein Drittel seiner Arbeitsmänner dauernd zu land­wirtschaftlichen Arbeiten eingesetzt. Reichsbauern, führer R. Walther Darrs hat dem Reichsarbeits­führer für diese wertvolle und unentbehrliche Hilfe gleichfalls seinen Dank ausgedrückt.

Dem Reichsjugendführer Baldur von Schirach hat der Reichsbauernführer für den erfolgreichen Einsatz der HI. durch die Ausrichtung der jungen Führer auf die Bedeutung der ernährungswirtschaft­lichen Aufgaben gedankt. Einen besonderen Dank hat der Reichsbauernführer an die Landdienst­gruppen eingeschlossen, die heute schon als eine beachtliche Arbeitshilfe angesehen werden müssen.

Reichserziehungsminister Rust hat der Reichs- bauernführer den Dank des Landvolkes für den Aufrvi an die Schüler und Schülerinnen ausgespro­chen. Gleichzeitig hat Darre der deutschen Lehrerschaft zum Ausdruck gebracht, daß sie durch die ständige Unterrichtung über Sinn und Wert der Landwirt­schaft den Schulkindern die Bedeutung des Land­volkes für die Erhaltung des Lebens unseres Volkes klarzumachen versucht haben.

Dem Reichsstudentenführer Scheel dankt der Reichsbauernführer für den Einsatz der studentischen Jugend, die mit Begeisterung auf diesem ihr bisher fremden Arbeitsgebiet eine von Erfolg gekrönte Arbeit leiste.

Zahlreiche Frauen sind dem Ruf der Reichs- frauenführerin gefolgt und aufs Land gefahren, um bei der Ernteeinbringung zu helfen. Der Reichs- bauernführer hat Frau Scholtz - Klink mit­geteilt, daß es bi? deutschen Landfrauen dankbar begrüßen, wenn auf diese Weise Stadtfrau und Landfrau sich gegenseitig verstehen lernen und bei den städtischen Frauen Verständnis für das schwere Tagwerk der Landfrauen geweckt wird.

Die SA. als alte Kampftruppe der Bewegung hat wie immer besonders in diesem Jahre ihre Ein­satzbereitschaft bei der Einbringung der Ernte be­kundet. Darrs hat Stabschef Lutze ebenso wie dem Reichsführer ff Himmler gedankt, der in diesem Jahre wieder der ff-Verfügungstruppe Be­fehl gegeben hat, zur Arbeits- und Erntehilfe in der Landwirtschaft bereitzustehen.

Nicht zuletzt brachte der Reichsbauernführer dem Generaloberst von Keitel zum. Ausdruck, bafc die althergebrachte Verbundenheit zwischen Wehr­macht und Bauerntum sich auch in diesen Wochen, in denen das deutsche Bauerntum in schweres Ernie- arbeit steht, neu bewiesen hat. Durch Beurlaubungen und Bereitstellungen an Wehrmachtskommandos schon bei den Bestellungs- und Pflegearbeiten sowie jetzt bei der Bergung der Ernte sei diese Schicksals­verbundenheit erneut bewiesen worden.

Hallo Baby!

Von Werner Schumann.

Ihr meint gewiß, nur Straßenbahnen, Autos, Mo­torräder und jene Mammuts, denen die übrigen Fahrzeuge respektvoll ausweichen, beherrschten die Straßen der Großstadt.

Sind es aber nicht auch manchmal ein Wellen­sittich, eine altmodische Kutsche oder ein Maultier­gespann, die unversehens das Leben der Straße auf sich ziehen? Und warum sollte es nicht einmal ein kleiner, unscheinbarer Kinderwagen sein?

Er war freilich nur so lange unscheinbar und unbeachtet, als er gehorsam vor dem Schaufenster der Metzgerei stand. Bis es ihm plötzlich einfiel, sich in Bewegung zu setzen. Mutter, seine Hüterin, hatte ihr Augenmerk gerade auf die Zervelatwurftscheiben gerichtet, die sich säuberlich unterm Messer schichteten, als der Ausreißer schon das Freie gewonnen hatte und bald mit wachsender Geschwindigkeit denn die Straße war stark abschüssig abwärts zuckelte.

In dieser herzklopfenden Mittagsstunde, da das weiße Vehikel unaufhaltsam die absinkende Bahn hinunterrollte, war die Straße menschenleer. Das Wägelchen ruckelte und schwankte zuweilen; aber es stürzte nicht. Es sauste in stummer Fahrt dahin. Die Straße hielt den Atem an. Weiß in ihrem Schrecken stand die junge Mutter vor dem Laden, Angst und Entsetzen sprengten ihr fast die Brust. Vielleicht schrie sie, während sie dem enteilenden Gefährt, das ihr Kind barg, nachstürzte, nach einer hilfreichen Hand, doch es hörte sie niemand, und niemand vermochte auch ihr in diesem entscheidenden Augenblick den Wagen zum Stehen zu bringen.

Die Leute indessen in ihren Fenstern, die dies alles, zur Untätigkeit verdammt, erlebten und um Mutter und Kind bangten, sie machten sich mit Schrecken klar, daß ja die Straße unten eine ziemlich scharfe Kurve nach rechts nahm und folglich der Wagen zwangsläufig vom Bürgersteig auf den Fahrdamm schleudern und so wenn nicht ein Wunder ge­schieht geradeswegs in die Katastrophe rollen würde.

Da brummte ein Fernlaster um die Ecke. Keuchend stampfte er die Straße hinauf. Der Zwerg aber saust dem Ungetüm entgegen, der kleine führerlose Kinderwagen den alles zermalmenden Rädern des Riesen. Es sind Sekunden, zu errechnen, wann das Unglück eintreten müßte.

Doch heimlich irgendwo wartete das Wunderbare, bereit, den Schatten zu verscheuchen, den das Schick­sal so bedrohlich geworfen hatte.

Die Bremsen des Fernlasters kreischten auf, das Un­getüm stand, vom Führersitz sprang ein junger

Mann, eilte mit langen Sätzen dem Kinderwagen entgegen, und ehe noch die vor Erregung und Freude weinende Mutter zur Stelle war, hielt er auch schon mit strahlender Miene das zarte Kindchen hoch. Hallo Baby! Gelt, die Sache hätte leicht schief gehen können!?"

Und siehe, es lächelte wahrhasttg auch das ahnungslose Geschöpf, das da zufrieden und still und selig im Arm des fremden Mannes lag, es schrie nicht, nein, es lächelte wie in holdem Einverständnis in das sommerbraune, verschwitzte Gesicht des braven Retters, der nun das Bündelchen Glück, allen über­schwenglichen Dank mit einer Handbewegung ab­lehnend, der noch zitternden Mutter zurückgab und dann seine Straße weiterbrauste.

Moderne Blickrichtung in der Photographie.

Von August Wagner, Lich.

Wenn man heute einmal in Zeitschriften und Büchern Bilder aufmerksam durchsieht, wind man immer wieder die Feststellung machen können, daß die Blickrichtuna bei der Aufnahme eine entschei­dende Rolle gespielt hat. Immer häuftger treffen mir Ausnahmen an, die entweder von unten aus der Froschperspektive oder von oben aus der Vogel­perspektive gemacht wurden. Dor zehn Jahren hätte es beileibe niemand wagen dürfen, etwastürzende Linien" in seine Bilder zu bringen, es sei denn, er hätte damit einen photographischen Scherz machen wollen.

Wenn sich nun diese neue Art der Bildgestaltung so allgemein durchgesetzt hat, so liegt dies einmal daran, daß die moderne Photographie überhaupt eine Wandlung durchgemacht hat, insofern nämlich, als es ihr heute weniger darum zu tun ist, den Gegenstand an sich photographisch zu erfassen, als vielmehr darum, sein Wesen zu ergründen und so dem Bild einen gedanklichen Inhalt zu geben.

Ein weiterer Grund für das schnelle Vordringen dieser neuen Bildauffassung mag aber auch der zur gleichen Zeit zum Durchbruch gekommene Gedanke gewesen fein, daß eine Einzelheit mitunter mehr von dem Wesen eines Gegenstandes aussagen kann, als seine Gesamtansicht. Hier mag es vielleicht gerade der Film gewesen sein, der auf die Lichtbildkunst anreaend und fordernd gewirkt hat. Der entschei­dendste Faktor war aber wohl der Siegeszug der Kleinkamera; denn erst diese ließ es zu, die Blick­richtuna des Objektivs genau wie die des Auges nunmehr in natürliche Bahnen zu lenken.

Betrachten wir zunächstdie Blickrichtung von

unten". Diese kommt der modernen Bildgestaltung, die ja, wie oben erwähnt, darauf zielt, einen Gegen­stand auszudeuten, besonders entgegen, indem sie nämlich den Gegenstand von einem unruhigen Hin­tergrund loslöst und ihm durch ein Anwachsen gegen den Himmel Wucht und Kraft verleiht. Das Bei­spiel eines Fahnenträgers der Wehrmacht mag das Gesagte verdeutlichen. Diese Aufnahme würde, da der Fahnenträger aur Parade niemals allein steht, aus der Linienperspektioe photographiert, mit viel unnützem Beiwerk belastet werden, nimmt man ihn dagegen mit tiefem Blickpunkt auf, dann ist es mög­lich, ihn allein darzustellen, und nun mag er als der Fahnenträger schlechthin gelten. Das Bild des Fah­nenträgers ist damit zum Symbol einer Idee, eines Glaubens geworden.

Oder man will an einem alten Stadtturm die Idee des Historischen ausdrücken. Dann wird man ihn von seiner modernen Umgebung loslösen müssen und ihn so auf die Platte bringen, wie ihn Gene­rationen schon Jahrhunderte vor uns gesehen haben.

Andererseits lassen sich aber auch moderne tech- msche Anlagen wie Fabrikbauten, himmelstürmende Schlote, Eisenhämmer und Schmiedepressen sowie Schiffbauten durch dieses neue Mittel der Bildge­staltung wirkungsvoll zum Ausdruck bringen.

Selbstverständlich läßt sich die Froschperspektive so gut wie auf Menschen, auch auf Tiere anwenden, nur treten dort oft, da es sich in den meisten Fäl­len um Längskörper handelt, perspektivische Verzeich­nungen auf. Es ist daher zweckmäßig, nur Details, roie beispielsweise Pferdeköpfe, in dieser Form dar­zustellen.

Vorsicht muß man in dieser Hinsicht auch in der freien Landschaft walten lassen. Nicht jeder Baum verträgt diese moderne Bildauffassung, vielmehr wird es auch hier immer auf günstige Begleitum­stände in der Umgebung ankommen.

Wenden wir uns nun derBlickrichtung von oben zu. Wir wollen dabei von Flugbildern ab­sehen und nur die betrachten, die uns in unserem "jag auffallen. So wird man im allgemeinen Auf- ficpten haben: von Häusern herab, von hohen Trep­pen, von Brücken und von Bergen, um nur einige Beispiele zu nennen. Natürlich hat der Mensch auch schon in der Ebene die Möglichkeit, auf andere herabzusehen, und so besitzen wir gerade schöne Kinder- und Strandaufnahmen, die auf diese Weise zustandegekommen sind. Im allgemeinen sind die Motive jedoch Straßenszenen, meist vom Balkon aP.5 ausgenommen, oder Marktszenen. Auch tech- msche Bilder sind darunter, besonders solche, die in aroßen Fabrikanlagen mit ihren riesigen Maschinen­hallen geschaffen wurden.

Diese Art der Blickrichtung wird man immer dann wählen, wenn es gilt, einen ganzen Vorgang zu

erfassen, denn genau so, wie die Froschperspektive den Gegenstand heraushebt und vergrößert, in dem­selben Maße wird der Gegenstand, von oben gesehen, verflacht underdrückt".

Will man beispielsweise eine Reiterattake auf­nehmen oder eine Werkaufnahme Herstellen, die das Ausladen von Säcken zum Gegenstand hat, so sind diese Vorgänge in ihrer Gesamtheit gar nicht an­ders aufzunehmen als aus der Vogelschau. Um einen besonderen Effekt zu erzielen, wird man hier mit­unter auch das Gegenlicht benutzen,, denn dazu ist die Aufsichtsphotographie wiederum besonders ge­eignet, da der bei Gegenlicht stets störende weiße Himmel auf diese Weise wegfällt.

Eine Besonderheit hat allerdings auch diese Art der Blickrichtung. Vielfach fehlt nämlich bei diesen Bildern die räumliche Tiefe. Dies ist auch der Grund, weshalb sie für Landschaftsaufnahmen nur in begrenztem Maße zu verwenden ist. Man wird sich hier manchmal mit einem betonten Vordergrund helfen können. Wo dies aber nicht möglich ist, wird das Bild dann durch glückliche Linienführung, wo­zu Wege sehr dienlich fein können, mehr in der Fläche als in der Tiefe wirken müssen.

Rückblickend wird man sagen können, daß diese neue Art zusehen" manche überraschende Möglich­keit, von der man früher keine Ahnung hatte, der Photographie erschlossen hat. Man wird auf diese Weise von einem Gegenstand oft eine Bild- auffaffung geben können, die zum mindesten origi­nell genannt werden darf. Dies wird einem um so leichter fallen, als die Blickrichtung von oben ober von unten vielfach sogar die natürliche ist. Aller­dings wird man auch hier immer daran festhalltit müssen, daß ein Bild keine Rätsel auf geben darf. 3n diesem Falle wird es deshalb besser sein, wenn man auf die neue Art der modernen Bilügestaltung verzichtet.

Darüber spricht man nicht.''

Die kleine Annemarie ist ein liebes Kind, nur hat sie die Angewohnheit, alles auszuplaudem, was in Der Familie vorgeht.

Du mußt dir das abgewöhnen, mein Kind", sagt die Mutter.Nimm dir mal die kleine Inge zum Vorbild! Wenn von der jemand etwas erfahren will, dann sagt sie einfach: .Darüber spricht man nicht!'"

Annemarie gelobt, sich zu bessern, und schon am folgenden Tag kommt sie freudestrahlend zur Mut­ter.Heute war ich sehr brav, Mutti. Herr Dr. König war hier und wollte wissen, wo du wärst. Und da habe ich ihm geantwortet: .Darüber spricht man nicht.'" (Berliner Jllustrirte".)