Ausgabe 
7.7.1939
 
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Vereinigten Staaten durch den Eintritt in den Krieg, wenn nicht t>en Sieg so doch einen leidlichen Ausgang für die Entente erzwingen würden. Wir wissen heute auch, daß England und Frankreich im Kriege die Grenze^ihrer finanziellen Leistungsfähig­keit überschritten hatten. Um nicht alles zu verlieren, peitschte das internationale Finanzkapital alles in den Krieg gegen die Mittelmächte hinein.

Das Pfund rollt. Wieviel hat der englischen Regierung allein der Lügenfeldzug gekostet, der für den Danzig-Putsch in Szene gesetzt worden ist? Die 'polnische Regierung hat bestimmt kein Geld, um sich einen solchen Feldzug im internationalen Maßstab leisten zu können. Mit diesem Manöver, dessen Schäbigkeit nicht übertroffen werden kann, hat sich die englische Regierung selbst lächerlich gemacht, so daß sie, um den Reinfall zu ver­tuschen, dem üblen Manöver eine neue Wen­dung zu geben versucht. Daher die Rüstungs- kred'ite, die den Garantierten bestimmt nicht hel­fen können, die aber der englischen Rüstungsindu­strie wieder einmal gewaltige Profite zuschanzen. Das alles zu einer Zeit, in der sich der Prospekt des britischen Imperiums im Nahen und Fernen Osten gewaltig verdüstert. Wenn die Größe dieses Imperiums noch unangetastet wäre, seine Macht und Stärke ebenfalls, dann würde es der englischen Regierung nicht so viele Mühe, kosten, Staaten zu finden, die bereit sind, sich von England garantieren zu lassen. Es ist wieder einmal die alte und oft erprobte Methode Englands, den Krieg zu finan­zieren, den andere Völker mit ihrem Blut für Eng­lands Macht durchkämpfen sollen. Ey.

Oer Gpanienbesuch Eianos.

An diesem Wochenende begibt sich der italienische Außenminister Graf Ciano an Bord eines ita­lienischen Kriegsschiffes nach Barcelona, von wo aus er mit Bahn und Flugzeug den wichtigsten spanischen Schlachtfeldern in Dem eben beendeten Konflikt, aber auch den bedeutsamsten Wirtschafts­stätten einen Besuch abstatten wird. Sein Aufent­halt wird fast eine Woche dauern. Die Heimreise er­folgt am 17. Juli von Sevilla aus. Im September ist ein Gegenbesuch General Francos i n R o m vorgesehen. Die Spanienfahrt des italie­nischen Außenministers erfolgt in einem Augen­blicke, wo die Regierung des Generals Franco trotz ihrer intensiven und vielfältigen Bemühungen noch zu keiner Bereinigung ihrer Beziehungen insbeson­dere zu Frankreich gekommen ist. Zwar find die diplomatischen Beziehungen beider Länder auf der Grundlage des Abkommens wieder aufgenom­men worden, das der spanische Außenminister I v r- d a n a mit dem französischen Unterhändler, Senator Berard, abgeschlossen hat. Aber die Ausführung dieses Abkommens läßt noch viel zu wünschen übrig, vor allem steht die Rückgabe des spanischen Goldes noch aus, das von der früherenrepublikanischen" Regierung Spaniens ausSicherheitsgründen" in Frankreich hinterlegt worden ist. Die Franzosen haben sich ein sehr billiges Rezept zur Beschwich­tigung der Spanier ausgedacht:'sie haben ihren letzten Kriegsmarjchall als Botschaf- t e r nach Burgos entsandt. Aber so groß die mensch­liche Achtung auch seist mag, auf die Marschall Petain Anspruch erheben kann, so wenig kann dasKompliment" , das in feiner Ernennung zum französischen Botschafter bei der spanischen Re­gierung liegen soll, darüber hinwegtäuschen, daß Frankreich sowohl ein schwaches Spanien überhaupt wünscht, wie die Erfüllung der Verpflichtungen aus dem Abkommen Iordana-Bsrard zu verschlep­pen und möglichst zu vermeiden sucht. Es liegt in der Natur der Sache, daß unter diesen Umständen eine sehr enge und sehr weitreichende Zusammen­arbeit zwischen Spanien und Italien ein Gebot der Stunde ist.

Oie VegierungSkrisiS in Holland.

Amsterdam, 6. Juli. (Europapreß.) Die Be­sprechungen Dr. C o l i j n s mit den Fraktionsfüh­rern der sechs großen Parteien sind e r g e b n i s - l o s verlaufen. Dr. Cvlijn hat daraufhin feinen Auftrag zur Kabinettsbildung an die Königin zu- rückgegeben. Es ist noch nicht bekannt, wem die Königin nunmehr den Auftrag zur Neubildung des Kabinetts übertragen wird. Der Name De Geer tritt in den Vordergrund. De Geer gehört der kon­servativen Christlich-Historischen Partei an. Er war seit 1921 verschiedene Male Mitglied der Regierung. Da die Kabinettsbildung unbedingt von der Unter­stützung der Römisch-Katholischen Staats­partei abhängt, erscheint De G e e r als der gegenwärtig aussichtsreichste Mann. De Geer hat im Jahre 1925 in einer ähnlichen Lage bereits ein­mal die Nachfolge Colijns angetreten.

Deutsche Beteiligung

am Militärfliegertreffen in Brüssel.

Berlin, 6.3uli. (DNB.) Aus Anlaß des 25. Jahrestages der Gründung der belgischen Luftwaffe findet am Sonntag in Brüssel ein internationales Militärfliegertref- f e n statt, an dem sich neben der englischen, fran­zösischen und schweizerischen auch die deutsche Luftwaffe beteiligen wird. Der Staatssekretär der Luftfahrt, Generaloberst Milch, wird am Freitag mit seinem Flugzeug in Brüssel eintreffen. Eine Kunstflugstaffel der deutschen Luft­waffe, bestehend aus neun Flugzeugen des Musters Bücker-Iungmeister, wird unter Führung von Haupt­mann Trübenbach bei dem auf dem Flugplatz Evere veranstalteten Flugtag ein reichhaltiges Kunst­slugprogramm vorführen. Generaloberst Milch wird aus Gelegenheit nehmen, die Internationale Luft­fahrtausstellung in Brüssel zu besichtigen.

Ununterbrochener Goldstrom aus Westeuropa nach USA.

Paris, 6. Juli. (Europapreß.) Der Goldstrom aus den westeuropäischen Ländern nach den Ver­einigten Staaten hält ununterbrochen an. Das nach den Vereinigten Staaten geflossene Gold erreicht nach einer Meldung desJournal" gegenwärtig eine Höhe von 1,5 Milliarden Gold­dollar. Das Blatt erklärt, dieses Gold würde im Falle eines europäischen Konflikts bei einer Frank­reich und England günstigen Abänderung der ame­rikanischen Neutralitätsgesetzgebung zu Kriegs­materialkäufen für englische und französische Rechnung verwendet werden,

Kleine politische Nachrichten.

Der Reichsjugendführer hat seinen Pressereferen­ten, den Hauptschriftleiter der ZeitschriftWille und Macht", Hauptbannführer Günter Kaufmann, zum Chef des Presse - und Propaganda­amtes der Reichsjugendführung ernannt. Der bis­herige Chef dieses Amtes, Hauptbannführer Dr. Lap- per, hat einer Berufung des Reichsministers für

Deutschland und Bulgarien in Kreundfchafi und Vertrauen verbunden. Herzliche Trinksprüche beim Abendessen zu Ehren des bulgarischen Ministerpräsidenten.

Berlin, 6. Juli. (DNB.) Am Ehrenmal Unter den Linden fand eine feierliche Heldenehrung durch den Gast der Reichsregierung, Ministerpräsident und Minister des Aeußeren Kjosseiwanoff statt, der einen Lorbeerkranz mit Schleifen in den Farben seines Landes niederlegte und anschließend an der Seite des Kommandanten von Berlin, Generalleut­nant Seiffert, den Vorbeimarsch der Ehrenkompanie des Infanterie-RegimentesGroßdeutschland" ab- nahm. Nach der Kranzniederlegung stattete der Ministerpräsident dem Berliner Rathaus einen Besuch ab. Oberbürgermeister und Stadtpräsi­dent Dr. Lippert erinnerte an die treue Waffen­brüderschaft der beiden Nationen während des Weltkrieges und gab der Erwartung Ausdruck, daß auch dieser Besuch dazu beitragen werde, die engen Beziehungen zwischen beiden Völkern weiter zu ver­tiefen. Nach herzlichen Worten des Dankes für die gastliche Aufnahme trug sich der Ministerpräsident in das Goldene Buch der Reichshauptstadt ein. Ein Rundgang durch die Festräume des Rathauses folgte. Heute mittag fand im Auswärtigen A m t eine längere Aussprache zwischen dem Reichsminister des Auswärtigen von Rib­bentrop und dem bulgarischen Ministerpräsi­denten und Minister des Aeußeren Kjvsse- i w a n o f f statt. Zu Ehren des Ministerpräsidenten hatten der bulgarische Gesandte und Frau zu einem Mittagessen geladen, an dem der Reichsminister des Auswärtigen und Frau teilnahmen, ferner u. a. die Reichsminister Lammers und Frank, die Reichsleiter Himmler und Dr. Ley, der Chef des Oberkomman­dos der Wehrmacht, Generaloberst Keitel, Reichs­arbeitsführer Hierl, die Reichsfrauenführerin Frau Scholtz-Klink, Reichstagsvizepräsident von Staus und der Präsident der Deutsch-Bulgarischen Gesell­schaft, von Massow. Am Nachmittag empfing Mini­sterpräsident Kjosseiwanoff die rund 500 Mitglieder zählende bulgarische Kolonie in Berlin.

Zu Ehren des bulgarischen Ministerpräsidenten und Ministers des Aeußeren Kjosseiwanoff und Frau gaben der Reichsminister des / Auswärtigen d. Ribbentrop und Frau am Donnerstag ein Abendessen im Hotel Adlon. Dabei richtete Reichsminister v. Ribbentrop einen Trinkspruch an den bulgarischen Ministerpräsidenten, in dem er sagte:

Das deutsche Volk, in Erinnerung an die glor­reiche Waffenbrüderschaft des Weltkrieges, weiß sich mit dech heldenmütigen bulgarischen Volk in auf­

richtiger Freundschaft verbunden. Jahre der bittersten Prüfung und des schwierigen Wiederaufstieges, die unsere beiden Völker hinter sich haben, festigten die überlieferten engen Be­ziehungen. Auch im gegenwärtigen Ringen für eine freie und friedliche Entwicklung stehen wir in Freundschaft und Vertrauen zuein­ander. Ihr jetziger Besuch, Herr Ministerpräsident, ist uns ern sichtbarer Beweis dafür, daß Sie in der Vertiefung und in dem weiteren Ausbau unseres Freundschaftsverhältnisses ein natürliches Ziel Ihrer Politik erblicken. Das bulgarische Volk hat unter der weisen Führung sei­nes Herrschers den Weg des Aufstieges zu einer glücklichen Zukunft eingeschlagen, einen Weg, auf dem es unsere wärmsten Wünsche begleiten.

Ministerpräsident Kjosseiwanoff antwor. tete: Die zwischen unseren beiden Völkern seit jeher bestehenden traditionellen Beziehungen gegenseitiger Sympathien und Freundschaft wurden ganz beson­ders gestärkt durch die Waffenkameradschaft während des Weltkrieges, durch die Tage heldenhafter Taten sowie späterer bitterer Enttäu­schungen und schwerer Prüfungen, die ein glei­ches Schicksal unseren beiden Völkern verhießen hat. In seinem Bestreben, nach dem Vorbilde Deutschlands, die Ungerechtigkeiten zu beseitigen und Bedingungen friedlicher Entwicklung zu schaf­fen, verfolgt Bulgarien mit Freude den Aufstieg des deutschen Volkes unter der weisen und weit­blickenden Leitung des Führers und bekräftigt seinen Glauben an die Zukunft.

Zu Ehren des Königlich Bulgarischen Ministerpräsidenten und Außenministers Dr. Georgi Kjosse- iwanosf veranstaltete der Führer in seinem Haus eine Abendtafel. Unser Bild zeigt den Führer im Gespräch mit der Gemahlin und der Tochter des bulgarischen Gastes.

(Presse-Jllustrationen-Hoffmann-M.)

Volksaufklärung und Propaganda in sein Ministe­rium Folge geleistet.

Der Neichsminister und Chef der Reichskanzlei Dr. Lammers beging fein 40-jähriges Dienstjubiläum. Der Führer sprach ihm aus diesem Anlaß persönlich feine herzlichsten Glück­wünsche aus und ehrte ihn durch Überreichung des Goldenen Treudien st - Ehrenzeichens.

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Der Führer hat die Amtszeit des zur Zeit im Amt befindlichen Präsidenten des Reichs­gerichts, Dr. Dr. h. c. Sumte, der am 7. d. M. das 65. Lebensjahr vollendet, um drei Jahre verlängert.

Der Diskontsatz der Belgischen National­bank, der am 10. Mai von 4 v. H. auf 3 v. H. gesenkt wurde, ist für Wechsel- und Bankakzepte, die aus ausländischen Verkäufen belgischer Erzeug­nisse stammen, auf 1,5 o. H. gesenkt, offensichtlich zu dem Zweck, dem belgischen Ausfuhrhandel eine be­sondere Unterstützung zu geben. Für normale Wech­sel beträgt der Zinsfuß 2,5 v. H.

Oie Rahmenübung der Nachrichienverbände.

Ein Korpsnachrichtennetz wird verlegt.

Bad Wildungen, 6. Juli. (DNB.) Im Ma­növer der Nachrichtentruppen wurde eines der Korpskommandos von einem Gefechts ft and zum nächsten vorverlegt. Es sind erheb­liche Entfernungen, die biejes Korpskommando in wenigen Tagen zurückgelegt hat: Kassel Z i e- genhain Kirtorf Ruppertenrod. Zweck dieser mehrfachen Gesechtsstandwechsel ist es, das Korpskommando stets in Fühlung mit der kämpfenden Truppe zu halten. Dieses Dorrücken der Korps-Hauptquartiere verlangt von den Nachrichtentruppen höchsten Einsatz. Nachdem der neue Gefechtsstand durch einen Offizier des Korpskommandos zusammen mit einem Nachrichten­offizier erkundet worden ist, müssen sämtliche Ver­bindungen, die am bisherigen Gefechtsstand vorhan­den sind, in gleicher Weise bei dem neuen Standort des Korpskommandos hergestellt werden. Feldfern­kabel wurden vorgetrieben, die Vermittlungsstellen in höchster Eile eingerichtet. Mehr als hundert Sprechmoglichkeiten sind auf diese Weise jedesmal herzurichten. Und in der unwahrscheinlich kurzen Zeit von zwei Stunden wurde von der Truppe solch eine neue Nachrichtenzentrale beim Korpsgefechts­stand aufgebaut.

Mittwoch um 19 Uhr hat das Korpskommando in Kirtorf den neuen Gefechtsstand bezogen, und seitdem ist das Fernsprechnetz in ununterbroche­nem Betrieb und hat auch in der Nacht nicht für eine einzige Stunde ausgesetzt. Besonders interessant war es in Kirtorf, die Zusammenarbeit zwischen Fernsprech - und Funkdienst zu sehen. Die schweren Feldkabel nach einer dem Korps unterstellten Division waren zerstört worden. Während der Suchtrupp die Störung auszumachen unterwegs war, trat die Korpsfunkzentrale in Be­trieb. An sich hat das Korps stets rückwärts zur Armee mit den nachgegliederten Einheiten, mit den Aufklärungsfliegern und den Aufklärungsabteilun­gen Funkverbindungen. Das' Funknetz überlagert gewissermaßen stets das Fernsprechnetz. Allerdings wird der Funk zumeist nur gebraucht zur Durchgabe vollkommen neutraler Nachrichten und nur dann für taktische Befehle benutzt, wenn gar keine andere Möglichkeit der Befehlsübermittlung gegeben ist, und dann auch nur in chiffrier- ter' Form. So ergänzen sich Funk- und Fern­sprechverbindung der Nachrichtentruppen und geben damit die absolute Gewähr dafür, daß die Nach­richten- und Befehlsübermittlung vom Korps zur

Front in jedem Falle gegeben ist. Bis Mittwochfrüh wurden von den Nachrichtenoerbänden 80 Kilometer mehrfach armiertes Kabel, das soge­nannte Heeresfernkabel, verlegt: ferner 230 Kilo­meter Felddauerlinien, 1700 Kilometer Feldvor­meldekabel und 180 Kilometer schwere Feldkabel­leitungen. Darüber hinaus beanspruchte die Manö- oerleitung über 3000 Kilometer der Postleitungen.

Ungeheuer war der Einsatz von Kraft« fahrzeug.en. Es sind bisyer verwendet worden über 2800 Personenkraftwagen, Lastkraftwagen und Sonderkraftfahrzeuge, ferner sind auf den Straßen im Manöoergelände etwa 460 Krafträder in Bewe­gung. Diese Zahlen bezeugen, in welchem Ausmaß diese Hebungen der Nachrichtenverbände durch­geführt werden.

Weiter steigender Nahrungsmittet- verbrauch in Deutschland.

Im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs ist seit 1933 auch der damals stark gesunkene Ernährungs­standard - des- deutschen Volkes von Jahr zu Jahr wieder gestiegen. Dennoch versuchen ausländische Greuelmärchenfabrikanten immer wieder, die deutsche Ernährungslage in schwärzesten Farben zu schildern. Wir kennen die tatsächlichen Verhältnisse, aber der unwissende ausländische Leser fällt auf diese Zweck­lügen natürlich herein. Gewiß sind da und dort Ein­schränkungen und Umstellungen notwendig gewesen, sie sind auf anderen Gebieten aber mehr als aus­geglichen worden. Wie es in Wirklichkeit mit unserer Ernährungsbilanz aussieht, dafür gibt das Stati­stische Reichsamt in seinem Bericht über den Nah- rungs- und Genußmittelverbrauch im Jahre 1938 unwiderlegbare Zahlen. Die Aussichten für einen glatten Verlauf der Bedarfsdeckung waren 1938 wegen der knappen Brotgetreideernte des Vorjahres, wegen der Auswirkungen der Maul- und Klauenseuche und der W i t * terungsschäden, nicht zuletzt wegen der außerordentlichen Anforderungen durch die Befesti­gungsarbeiten im Westen und bei der Eingliederung Oesterreichs und des Sudetenlandes an sich wenig günstig. Dennoch gelang es, die infolge der erhöhten Kaufkraft weiter gestiegene Nachfrage der Bevölkerung an Nahrungsmitteln zu decken. Der Verbrauch an Nahrungs- und Genußmitteln, berech­net nach dem Kaloriengehalt, hat sogar je Kopf der Bevölkerung noch um 0,3 v. H. zugenommen, obwohl bereits 1937 ein außerordentlich hoher Er­nährungsstandard erreicht war.

Zwar ist der Mehlverbrauch im Vorjahr um rund 4 v. H. gegenüber 1937 zurückgegangen. Dafür wurde aber eine Verlagerung des Verbrauchs auf die Kartoffel angestrebt und erreicht. So hat besonders die verstärkte Propaganda für das warme Abendessen und die weitere Ausdeh­nung der Gemeinschaftsverpflegung in

den Betrieben zu einem Ansteigen des Kar- tvsfelverbrauchs um rund 5 v. H. je Kopf der Be­völkerung geführt. Auch durch andere Nahrungs­mittel ist der Minderverbrauch an Mehl ausgegli­chen worden. Vor allem hat der Verbrauch an Rindfleisch beträchtlich zugenommen, von 14 auf 16 kg, in einem Jahre also um mehr als 14 v. H. je Kops der Bevölkerung. Insgesamt war der Fleischverbrauch je . Kopf um 1,9 kg ober 4,1 v. H. höher als im Vorjahr. Die geringe Einschränkung des Butterverbrauchs von 8,9 auf 8,8 kg je Kopf wurde durch andere Fette mehr als ausgeglichen. An Konsumfetten standen je Kopf der Bevölkerung über 4 v. H. mehr zur Verfügung als 1937. Ein Zeichen der weiteren Hebung der Kaufkraft ist die erneute Zunahme des Ver­brauchs an Genußmitteln, so an Kaffee, Tee, Bier, Branntwein und Tabak.

Erfolge der Bestrebungen, den Verbrauch weit­gehend auf Nahrungsmittel eigener Erzeugung zu lenken, zeigen sich vor allem bei einem Vergleich mit 1932. Der Seefischverbrauch ist danach um 40 v. H. je Kopf der Bevölkerung gestiegen, der Zuckerverbrauch um 20 v. H. Einschränkungen liegen bei Eiern um 10 v. H. und bei Fett um 3 v. H. vor. Während der Verbrauch an Pflanzenfetten um reichlich ein Viertel ab- genommen hat, ist er a n Butter um 17 v. H. und a n Speisetalg um 70 v. H. gestiegen. Auch der Fleischverbrauch liegt 13,5 v. H. höher als 1932, der Weizenmehlverbrauch um 16,4 o. H., der Verbrauch an H ü l s e n s r ü ch t e n um 15 v.H. Diese Verbrauchssteigerungen je Kopf der Bevölke­rung beweisen besonders eindeutig, wie es in Wirk­lichkeit um die angebliche deutsche Ernährungsnot bestellt ist. Bei den Genußmitteln sind die Ver­brauchssteigerungen gegenüber 1932 noch wesentlich höher.

Neue Verordnung zur Iudensrage.

Veichsvereinigung der Juden in Deutschland als Träger des jüdischen Schul­wesens und der freien jüdischen Wohlfahrtspflege. Förderung der Auswanderung

Berlin, 6. Juli. (DNB.) Im Reichsgesetzblatt wird die 10. Verordnung zum Reichsbürgergesetz veröffentlicht, deren Maßnahmen im wesentlichen die Förderung der Auswanderung der Juden bezwecken. In der Verordnung heißt es: Die Juden werden in einer Reichsvereini­gung zusammengeschlossen. Sie hat den Zweck, die Auswanderung der Juden zu för­dern. Die Reichsvereinigung ist außerdem Träger des jüdischen Schulwesens und Träger der jüdischen freien Wohlfahrtspflege. Der Reichsminister des Innern kann der Reichsvereinigung weitere Auf­gaben übertragen. Der Reichsvereiniguna gehören alle staatsangehörigen und staatenlosen Juden an, die ihren PZohnsitz ober gewöhnlichen Aufenthalt im Reichsgebiet haben. Im Falle einer Misch­ehe ist der jüdische Teil nur Mitglied, wenn der Mann der jüdische Teil ist und Abkömm­

linge aus der Ehe nicht vorhanden sind ober wenn bie Abkömmlinge als Juden gelten. Juden fremder Staatsangehörigkeit und den in einer Mischehe lebenden Juden, die nicht ohnehin Mitglieder sind, ist der Beitritt zu der Reichsvereinigung f r e ig e st e l l t.

Der Reichsminister des Innern kann jüdische Vereine, Organisationen und Stiftungen auf» lösen oder ihre Eingliederung in die Reichsvereinigung anorbnen. Im Falle der Auf­lösung gelten für die Liquidation die Vorschriften des bürgerlichen Rechts. Der Reichsminister des In­nern kann jedoch Liquidatoren bestellen und abbe- rufen und die Art der Liquidation abweichend von den Befttmmungen des bürgerlichen Rechtes regeln. Nach Durchführung der Liquidation ist das Ver­mögen der aufgelösten jüdischen Einrichtungen auf die Reichsvereinigung zu übertragen. Im Falle der