Ausgabe 
7.3.1939
 
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Nr. 5b Erstes Blatt

189. Jahrgang

Dienstag. 7. März 1939

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Frankreichs Projekt einer Transsaharabahn.

Von unserem E.J-Korrespondenten

Paris, März 1939.

Die französischen Kolonialkreise entfalten seit den letzten Wochen eine lebhafte Tätigkeit zugunsten eines alten und immer wieder neuen Projektes von riesenhaften Ausmaßen: der Errichtung der Irans- sahara-Eisenbahn, die, von Algerien ausgehend, die französischen nordafrikanischen Be­sitzungen mit Französisch-Westafrika und Französisch - Aequatorialafrika ver­binden soll. Seit genau 60 Jahren ist dieser Plan schon erwogen worden, und nicht weniger als 50 Studienprojekte wurden bisher entworfen. Bei dem heutigen Frankenstand würde der Bau der Irans» sahara-Eisenbahn etwa sechs Milliarden Franken kosten. In früheren Zeiten, wo sich die Kosten nur auf etwa drei Milliarden Franken ge­stellt haben würden, ist man vor diesen Kosten zu- riukgeschreckt. Schon im Jahre 1923 hatte sich der Oberste Rat für die Nationaloerteidigung aus Grund eines aus dem Jahre 1913 stammenden Bauprojek­tes . für die Errichtung der Bahn ausgesprochen; 1928 mar von der Regierung einStudienorganis­mus für die Iranssahara-Eisenbahn" ins Leben gerufen worden, aber 1929 löste man diesen Orga­nismus wieder auf. Wenn jetzt die Propaganda für diesen afrikanischen Bahnbau wieder aktive Formen annimmt, dann sind in erster Linie mili­tärische Erwägungen hierfür maßgebend. Die Veröffentlichungen in der lagespresse und in den Kolonialzeitschriften lassen hierüber keinen Zweifel. Es handelt sich für Frankreich darum, einen Weg zu schaffen, auf dem es im Kriegsfälle d i e Menschenreserven aus West - und Aequatorialofrika nach Nordafrika werfen kann, und auf dem es umgekehrt bei einer Bedrohung durch andere Staaten diesen Ko­lonien zu Hilfe kommen könnte.

Frankreich besitzt in Afrika ein riesiges, nur von wenigen spanischen und englischen Territorien ge­legentlich unterbrochenes, zusammenhängendes ler* ritorium von zehn Millionen Quadratkilometern. Aber zwischen Nordafrika einerseits, das aus Ma­rokko, Algerien und Tunis besteht und eine Bevöl­kerung von 16 Millionen aufweist, und der Land- maffe von West- und Aequatorialafrika anderseits, mit seiner Negerbevölkerung von 21 Millionen (die französischen Zeitungen rechnen hierzu ohne weitere Voreingenommenheit die deutschen Mandatsgebiete von Togo und Kamerun), schieben sich 1600 Kilo­meter Wüstengebiet. Bisher wird die Sahara in nord-sWlicher Richtung von zwei Haupt- verkehrslinien durchquert, auf der die Auto­busse den Verkehr besorgen. Die eine geht von Oran über Colombe-B6char n a ch Sao; die andere von Algier über den Hoggar, Niamey und den Tschad- See nach Aequatorialafrika. Die Franzo­sen bezeichnen sie als die l ä n g st e Autobus­linie der Welt. Aber Frankreich will sich mit diesen afrikanischen, von Hotels flankierten ehema­ligen Karawanenstrahen nicht zufrieden geben, denn im Ernstfälle würden sie sich für die Truppenbeför­derung im großen Stil als unzureichend erweisen. Die Technik gibt heute die Mittel in die Hand, um auch im Wüstengebiet einen Eisenbahnbetrieb eini­germaßen rentabel zu gestalten, und außerdem würde man sich über eine mangelnde Rentabilität angesichts der großen militärischen Interessen hin­wegsetzen. Als Betriebsstoff für die Saharabahn, die mit Diesel-Lokomotiven auszustatten wäre, würde das heute in Westafrika selbst gewonnene Pflanzenöl in beliebigen Mengen zur Verfügung stehen. Don Kohle und Benzin wäre man völlig unabhängig.

Kreise in Frankreich, die ganz groß sehen, stellen sich eine Streckenführung vor, die auf einer tßänge von 5400 Kilometer auf französischem Boden e i n Seitenstück zu der englischen Kairo- Kap-Verbindung darstellen würde. Don der eigentlichen Nord-Süd-Derbindüng, die von Algier an den Niger und nach Timbuktu führen würde, soll etwa 500 Kilometer nördlich des Nigerflusses in südöstlicher Richtung eine andere Strecke ab­zweigen, die über den Tschad-See und Aequatorial­afrika Belgisch-Kongo erreichen und in Stanleyville den Anschluß an die große englische Kap-Kairo- Bahn bilden soll. Die belgiffyc Regierung hatte sich im Jahre 1929 dazu bereiterklärt, unter Umständen mit der französischen Regierung beim Bau der Transsaharabahn zusammenzuarbeiten.

Die Bedeutung einer solchen Bahn für die fran­zösischen Pläne im Niger-Gebiet tritt beson­ders hervor. Seit Jahren besteht in Paris das Office du Niger", das von der Öffentlichkeit ziemlich unbemerkt weittragende Arbeiten in der Niger-Schleife, der sogenanntenBoucle du Niger", betreibt, um dort große Gebiete für die land­wirtschaftliche Kultur durch Bewässerungs­arbeiten usw. zu gewinnen. Es soll sich um ein Ge­biet von einer Million bis einundeinhalb Millionen Hektar handeln, die große Staustufe Sanssamding soll im Jahre 1941 beendet fein. Ein parlamenta­rischer Ausschuß hat erst kürzlich an Ort und Stelle die Arbeiten besichtigt. Es ergibt sich allerdings für die ganze französische Kolonialpolitik sehr be­zeichnend das Problem, wie man die jetzt ge­wonnenen Ländereien bevölkern soll. Man denkt an die Uebersührung eines Teiles der unter der Wirtschaftskrise sehr notleidenden arabisch- berberischen Bevölkerungsteile aus Nordafrika, die mit Negerblut stark gemischt sind.

Außer französischen Wirtschaftskreisen in Nord­afrika und Frankreich, die ihre Vertretung in den .Handelskammern haben, und den militärischen Krei- :fen, finb vor allem die Parlamentarier im Sinne ider Propaganda für das Sahara-Projekt tätig.

Kürzlich hatte ein Ausschuß, dem vorwiegend Par­lamentarier angehören, mit Arbeitsminister de Monzie und Kolonialminister Mandel eine Unter« redung< und Mandel hat sich durchaus zugunsten des Transsahara-Projektes ausgesprochen. Dafür, daß die Arbeiten für die Transsaharabahn bereits in Angriff genommen seien, wie kürzlich eine eng­lische Meldung behauptet hatte, liegen indessen keine Anzeichen vor.

Ein Krieg macht sich für niemand bezahlt.

Der französische Finanzminister zur Kolonialfrage.

Paris, 7. März. (Europapreß.) Der französische Finanzminister Paul R e y n a u d hat in einer durch den Rundfunk verbreiteten Rede einen neuen Appell an das französische Volk gerichtet, die Re­gierung bei ihrem Wiederaufrichtungswerk zu unter­stützen. Der Firtanzminister erinnerte daran, daß Adolf Hitler gesagt habe, Deutschland würde wegen derKolonialfrage kein en Krieg führen. Er Reynaud, sehe nicht ein, daß eine

Bilbao, 7. Mörz. (DNB. Funkspruch.) Es wird jetzt bestätigt, daß der rotspanischeGeneral" M i a j a sich von Valencia nach Madrid be­geben hat, wo er inzwischen die Leitung des neuenDe rteidigungs-Ausschusses" übernahm. DerVerteidigungsausschuß" oder, wie er sich selbst bezeichnete,nationale Verteidigungs­rat" ist seiner Form nach ganz wie eineRegie­rung" aufgezogen, in der Miaja die Rolle des Vor­sitzenden spielt, B e st e i r o das RessortAeußeres" inne hat undVerteidigung" von Easado,In­neres" von Wenceslao Carillo,Justiz und Pro­paganda" von San Andres,Verkehr und öffentliche Arbeiten" von Eduardo V a l l,Finan­zen und Wirtschaft" von Gonzales Marin,Er­ziehung und Hygiene" von Jose del Rio wahr­genommen werden.

In einer Rundsunkansprache wiederholte Miaja die bereits am Sonntagabend von Easado abge­gebene Erklärung, einen ehrenvollen Frie­den zu wollens und bemühte sich, die Ueberein- stimmung des Willens der Bevölkerung des Restes von Rotspanien mit dem jetzigen Ausschuß zu kon­struieren. Als Beweis hierfür glaubte Miaja die Tatsache anführen zu können, daß die Uebernahrne der Gewalt in Madrid durch seinen Ausschuß ohne irgendwelchen Widerstand vor sich gegangen sei. Wegen der Tätigkeit einergewissen Partei" ge­meint sind die Kommunisten sei dies nicht früher geschehen, weil diese dann die Gelegenheit zu einem neuen Blutbad benutzt hätte. Schließlich ge­stand Miaja ein, daß die spanische Bevölkerung den Frieden wolle und daß dieser schnell- ftens erreicht werden müsse Dieser Friede habe bisher nicht verwirklicht werden können, weil gewisse Nationen Interesse an einer Verlängerung des Kriegszustandes gehabt hätten".

Die Nervosität in Madrid hält weiter an, aber die Lage in den übrigen Verwaltungsbezirken des roten Restspaniens ist immer noch ungeklärt. Obgleich Negrin mit bei Dayo und feinem engeren Anhang inzwischen nach Frankreich geflohen ist, muß mit Aktionen kommu­nistischer Elemente gerechnet werden.

Das Echo in Vurgos.

Durchsichtiges Manöver.

Kein Kompromiß mit den für den Bürger­krieg Bcrautwortlichen.

Bilbao, 7. März. (DNB. Funkspruch.) Die Gründung des neuen MadriderVerteidigungs­rates" wird in Burgos als ein neues durchsichtiges rotes Manöver angesehen, da dieses Gebilde zu sehr mit Persönlichkeiten belastet ist, die in 2% Kriegs­jahren genug Zeit gehabt hätten, um zu ihrer jetzt plötzlich verkündeten Einsicht zu gelangen. Sie seien hingegen nach wie vor verantwortlich für das Elend des roten Gebietes und das in Spanien vergossene Blut. Der nationalspanische Sender Burgos spricht im Zusammenhänge mit der Bildung des neuen MadriderRates" sogar von einem englisch-französischen Manöver, um auf diese Weise Einfluß auf die Gestaltung des Frie­dens in Spanien zu gewinnen. Demgegenüber gehe Nationalspanien unbeirrt seinen vom Caudillo Ge­neral Franco vorgezeichneten Weg bis zum Ende weiter, unbeeinflußt durch Manöver, die mit dem F r i e d e n s s ch l u ß ein Geschäft verbin­den wollen. Die Befriedung Spaniens sei aus­schließlich Angelegenheit National­spaniens, das genau wisse, was es zu tun habe und keinerlei Kompromisse dulde. Der rote Plan von einem sagenhaftenehrenvollen Frieden" komme zu spät und diene lediglich egoistischen Zwecken einiger Interessierter.

Neuaufteilung der Kolonien die gegen­wärtigen europäischen Probleme nicht lösen würde. England habe das größte und reichste Kolonialreich. Aber auch das englische Weltreich könne nicht ewig die La st en der Rüstungssteige- rung ertragen. Ein Krieg werde sich für niemand bezahlt machen, stellte Reynaud zum Schluß fest, sondern werde unendlich viel Leid und Zerstörung verursachen.

Lord Beaverbrook für Rück­gabe der deuischen Kolonien.

London, 7. März. (DNB. Funkspruch.) Lord Beaverbrook, dessenDaily Expreß" den größten Leserkreis von allen englischen Tageszeitungen be­sitzt, setzt sich für die Rückgabe der deutschen Kolonien ein. Lord Beaverbrook erklärt, daß sich sein Blatt augenblicklich. in der Kolonialfrage für etwas ein- setze, was höchst unpopuldrin England zu sein scheine, nämlich die Rückgabe der deutschen Kolonien. Diese Kolonien stellten keinen Teil des britischen Empire bar, England könne sie daher auf keinem legalen Wege seinem Empire einverleiben. Es könne also mit diesen Kolonien nichts anfangen, sie seien für England zwecklos, ja sie ständen sogar dekn vereinigten Empire im Wege. Der Vorschlag aber, Deutschland diese Kolonien zurückzugeben, sei nicht volkstümlich. Trotzdem setze sich das Blatt für diesen Gedanken ein, weil es ihn f ü r r i ch t i g halte.

Die Auffassung in Pans.

Paris, 7. März. (Europapreß.) Die Vorgänge in Madrid werden in den Pariser Morgenblättern als die Vorzeichen für eine baldige Beendigung des spanischen Krieges aufgefaßt. Man ist der Ansicht, daß die neue rotspanischeRegierung" nur gebildet wurde, um mit Franco Frieden schließen zr^ können. Der rechtsstehendeJour" will erfahren haben, daß ein Beauftragter des rotspanischen Obersten Co­sa d o in der vergangenen Woche in Paris nicht nur mit dem unterdes zurückgetretenen A z a n a und mit Barrio, sondern auch mit der franzö­sischen Regierung sowie mit dem englischen Bot­schafter über die Möglichkeit von Friedensverhand­lungen mit Franco gesprochen habe. Miaja und Casado seien der Ansicht, sie könnten einen ehren­haften Frieden erhalten, wenn sie den kommunisti­schen Einfluß ausschalten würden. Ein englischer Kreuzer liege bereit, um in Gandia die rotspanischen Anführer aufzunehmen, die vor der Uebergabe des noch rotspanischen Teils an Franco sich ins Aus­land begeben wollten.

Diese Angaben werden indirekt von derHuma- nitö" bestätigt. In einer großen Ueberschrift schreibt das kommunistische Blatt, in London und in Paris sei der Handstreich gegen Rotspanien vorbereitet worden. London und Paris versuchten, den rot­spanischen Widerstand zu brechen. Der rechtsstehende Figaro" sagt, es sei sehr bezeichnend, daß Desteiro in der neuen rotspanischenRegierung" vertreten sei. Dieser Mann sei einer von jenen Sozialdemokraten, die seit langem den Frieden wünschten.

Riefengewinne der amerikanischen Kieasinduffrie.

Washington, 7. März. (DNB.) Der Bundes­senat nahm mit 54 gegen 28 Stimmen den von der Regierung unterstützten Vorschlag, die Luftwaffe der Bundesarmee auf 6000 Flugzeuge zu vermeh­ren, obwohl ursprünglich nur 5500 vorgesehen waren, an. Dor der Abstimmung verlangte der Un­abhängige Morris ein Untersuchung dermär­chenhaften Preise", die die Bundesregierung für Militärflugzeuge zahle. Die Senatoren Tobey und Lee forderten Maßnahmen zur Vermeidung von Kriegsgewinnen der Privatindustrie, weil diese Gewinne einen Anreiz zur Kriegstreiberei geben könnten. Tobey empfahl die Begrenzung der Er­zeugerprofite auf 10 v. H. Der Republikaner Fra- zier erklärte, die Vereinigten Staaten seien für das augenblicklicheinternationale Rüstungs» fieber" verantwortlich, weil Amerika den Kel- loggpakt ignoriert habe. Amerika habe seine Auf­wendungen für Armee und Flotte unaufhörlich ver­mehrt und baue heute die größten Schlachtschiffe, die jemals die Meere befahren hätten. Der Redner fragte, ob Amerika diese für Friedenszeiten größte Armee und Flotte wirklich für Derteidigungszwelfe benötige, ob ferner nicht bereits Geheimver­träge mit anderen Ländern bestünden und ob Amerika tatsächlich Flugzeuge und Schiffe mit 1 0000 Meilen Aktionsradius brauche. Die Möglichkeit eines Angriffes auf die Vereinigten Staaten sei nicht gegeben. Die tatsächlichen Aus­gaben für das gegenwärtige Wehrprogramm wür­den am Ende dieses Jahres vielleicht auf 3 Mil­liarden Dollar ongeschwollen sein. Es sei bes­ser, diese Summe für die notleidenden amerikanischen Farmer und für unver­sorgte Hilfsbedürftige zu verwenden.

Der Plan, die weit in das japanische Interessen­gebiet in der Südsee vorgeschobene Insel Guam zu befestigen, ist in Anbetracht der Abneigung bei vielen Abgeordneten und Senatoren ganz fal-

Miaja an der Spitze des Madrider Verteidigungsrats. Oie Bevölkerung der Hauptstadt will einen schnellen Frieden.

Oie Lady auf der Werbereise.

In den nächsten Tagen kommt der britische Handelsminister Stanley zu Wirtschaftsverhand­lungen nach Deutschland. Inzwischen reist seine Frau auf den B a l k a n , um für englischen Sport, Londoner Sportkostüme, englisches Gesell­schaftsleben und englische Schule Propaganda zu machen. In ihrer Begleitung befindet sich Lady O'Neill, deren Eleganz und Charme in der Lon­doner Gesellschaft sprichwörtlich sind. Keine der Damen versteht ein einziges Wort einer Balkan­sprache; sie werden bei Teegesellschaften undCock­tail-Parties" in englischer Sprache etwas über ihre Modenkollektion erzählen, die sie mitführen, ober etwa über die Art, ein englisches Heim zu führen, ober ber Platz ber Frau im Leben Englands.

Die Reise der beiden tüchtigen Damen erschüttert gewiß nicht die Welt. Wir sprechen von ihr nur, weil sie eine bezeichnende Einzelheit aus ber Fülle der englischen Werbung für bas eigene Land ist. Diese Werbung ist unendlich mannigfaltig und voll­zieht sich ganz überwiegend in aller Stille. Zufällig ist es um die Reise von Lady Maureen Stanley etwas lauter hergegangen, weil sie eben die Ge mahlin eines aktiven Ministers ist, der demnächst selbstin seiner Branche reist". Aber im allgemeinen spricht England von seiner Werbung um so weniger, je aktiver sie ist. Sammelpunkt aller dieser Be­strebungen ist derBritish Council", an dessen Spitze der vielgenante frühere Unterstaats' sekretär im Auswärtigen Amt, Sir Robert V a n sittart steht, der heute noch als diplomatischer Berater des Gesamtkabinetts tätig ist. Dansittart ist vermutlich auch derVerbindungsoffizier" zu dem Intelligence Service, dem vielgenannten englischen Geheimdienst, der sich selbstverständlich aller Metho­den einer Polizei- und Nachrichtenstelle bedient, der aber in der Hauptsache getragen wird von geldlich unabhängigen Engländern in angesehener Stellung, die über ein klares politisches, wirtschaftliches und gesellschaftlich-kritisches Urteil verfügen. Der deutsche Leser findet über den britischen Nachrichtendienst und feinen starken Einsatz wohlhabender und an­gesehener Engländer einige kurze, aber sehr auf­schlußreiche Bemerkungen in dem BuchDas Vierte Siegel", das der frühere Außen- und jetzige Innen­minister Sir Samuel Hoare geschrieben hat.

Weder von seinem Propaganda- noch von seinem Nachrichtenapparat spricht der unterrichtete Englän­der viel. Es genügt aber der Hinweis, daß der eng­lische Staatshaushalt eine offizielle Unterstützung desBritish Council" von über 100000 Pfund vor­sieht, wozu bann noch Millionenbeträge der Indu­strie, des Handels und der Finanz kommen. Der British Council" besorgt die englische Reisepropa­ganda und nimmt auch ganze Gelegenheitsveran- staltungen, wie z. B. den in einigen Wochen ftatt- findenden Besuch des französischen Präsidenten paares in London, in seine Werberegie. Er läßt ständig 200 ausländische Studenten aus 37 Ländern in England kostenlos für den Beruf eines englischen Sprachlehrers ausbilden. Er richtet englische Lese- ft üben und Büchereien ein. Häufig geschieht das in tarnender Anlehnung an religiöse oderhumani­täre" Organisationen, wie z. 23x die vielgenannte Vereinigung Christlicher Junger Männer". Stän­dig hat er eine ganze Reihe von Politikern, Schrift­stellern, früheren Kolonialbeamten ober auch Offi­zieren auf Propagandareisen, die selbstverständlich als private Engländer auftreten, die ganz zufällig mir dem eigenen Antrieb folgend in dieses oder jenes Land kommen.

Die nahen Beziehungen zu Industrie, Finanz und Handel werden dadurch symbolisiert, daß Lord Derby an hervorragender Stelle mitarbeitet. Er gilt als der ungekrönte König von Lancalhire. der berühmten Baumwollvrovinz Englands, erfreut sich im Volke und bei Hofe eines sehr hohen Ansehens, ist eher bedächtig als brillant und mar früher eng­lischer Botschafter in Paris. Der englische Adel führt zwei Namen; den eigentlichen Ädelstitel erbt nur der älteste Sohn, während den ursprünglichen bür­gerlichen Namen die nachgeborenen Söhne führen und auch der erste Sohn, solange noch der Vater lebt. Nun: der bürgerliche Name der Derbys ist ... Stanley.

Die Heimlichkeit der englischen Werbung, dct- Hunden mit den sehr reichen Mitteln, sichern natür­lich einen bestimmten Erfolg. Aber dieser Erfolg hat merkliche Grenzen. Die englische Werbung geht heute den großen sozialen und politischen Proble­men peinlich aus dem Weg. England hat für seine eigene Problematik keine anerkannte und allgemein gültige Politik und dieses gewichtige Manko schlägt auch in seiner Werbung entscheidend durch. Selbst­verständlich ist das Bemühen sehr lebhaft, den Aus­länder über die verschiedenen Versuche ins Bild zu setzen, mit denen die ureigene englische Problematik bewältigt werden soll: von der Schule angefangen bis zu der Fürsorge für verwahrloste Menschen. Aber die englische Politik greift alle diese Probleme nicht vom Grund aus an. Wenn man will, kamt man sie als eine Apotheker-Politik bezeichnen, die mit Pillen und Salben zu helfen sucht. Die Jugend der meisten Völker sucht aber die grundsätzliche Problematik und ihre innere Bewältigung. Und das um so mehr, als die Jugend das sehr deutliche Gefühl Hat, daß England feine Politik mit ererbtem Reichtum bezahlt, der denHabenichtsen" unter den Völkern nicht zur Verfügung steht. Dr. Ho.

lengelassen worden. Der Flottenausfchuß des Senats hat die fünf Millionen Dollar, die für die Befestigung Guams vorgesehen waren, aus dem 552-Millionen-Wehrprogrömm gestrichen, da vorerst kein dringendes Bedürfnis für die vorge­schlagenen Hafenanlagen bestehe und die Meinung des Landes über die Zweckmäßigkeit einer solchen Befestigung geteilt fei.