bezeigungen. Der Landesgruppenleiter her Auslandsorganisation, Thomsen, stellte dem Staats- chef die Abordnung vor. Franco gab dann seiner Freude Ausdruck, daß die deutsche Delegation dem Staatsakt im Escorial beigewohnt hätte. Deutschland hätte in den schwersten Tagen Spaniens und ebenso an dem Tage des Sieges der Revolution an der Seite des befreundeten Landes gestanden. Diese Haltung Deutschlands werde er nie vergessen und wünsche dem Reich in seinem jetzigen Kampf einen siegreichen Ausgang.
Italien
und das Balkangleichqewicht.
Rom, 5. Dez. (Europapreß.) „Messaggero" befaßt sich mit Kundgebungen der Westmächte, welche die Zustimmung und Ermutigung für das Vorgehen Italiens in den Balkanländern allzu zweckbestimmt zum Ausdruck brachten. Man hat, so schreibt das Blatt, von vielen Seiten anerkannt, daß Italien das Mcktelmeer vor einem Uebergreifen des Krieges bewahrt habe. Dieses Lob, das der römischen Regierung von den Balkan st aaten selbst freiwillig und dankbar gespendet wurde, nimmt eine
besondere Färbung an, wenn es von Frankreich und England kommt. Das Blatt verwahrt sich dagegen, daß man versuche, Italien durch die Behauptung festzulegen, daß der Balkan seine natürliche Interessensphäre sei. Wenn die Westmächte sich auf diese etwas späte Anerkennung be- schränkt hätten, könnte Italien von dieser Einsicht Kenntnis nehmen. Die Willkür beginne jedoch, wenn man in den französischen und englischen Blättern einen Gegensatz zwischen der Politik Italiens und anderer Mächte zu konstruieren versuche. Italien verfolge Ziele, die keine Interessen Dritter verletzen könnten. Wenn die demokratischen Völker von Italien Dank erwarteten, dann irrten sie sich. Denn sie hätten keinen Anspruch darauf. Wenn sie dagegen an einen unvermeidlichen Zusammen st oß Italiens mit anderen Auffassungen dächten, an einen Zusammenstoß, der selbstverständlich nur ihnen Nutzen bringen würde, so täuschten sie sich erst recht. Die Beziehungen, die Italien zu den anderen Nationen unterhalte, seien derart, daß auch etwaige Meinungsverschiedenheiten im Geiste der größten Freundschaft und des besten Verständnisses beigelegk werden würden.
Der finnisch-russische Konflikt.
Der russische Heeresbericht.
Moskau, 5. Dez. (DNB.) Der Moskauer Rund- funk gibt folgenden Heeresbericht bekannt: Die Truppen des Leningrader Militärbezirkes setzten am 4. Dezember ihren Vormarsch fort. In Richtung von Murmansk verfolgten unsere Truppen die zerschlagenen Abteilungen der finnischen Truppen und rückten 25 Kilometer südlich von Pät- s a m o vor. In den Hafen von Pätsamo liefen sowjetische Schiffe ein, die sich dort an das Aufräumen der finnischen Minen machten. In Richtung von Uchta, Reboly und Porososero rückten unsere Truppen 45 bis 50 Kilometer weit von der Staatsgrenze vor. In Richtung von Petrosawodsk erreichten unsere Truppen die Stadt S a l m i (am Ladaga-See) und die Ortschaft L a i - m o l a. Auf der karelischen Landenge rückten unsere Truppen 45 bis 50 Kilometer von der Staatsgrenze vor. Infolge schlechten Wetters fanden keine Kampfhandlungen der Luftwaffe statt.
Rußland erkennt die Regierung Ryti nicht an.
M o s t a u , 5. Dez. (DNB.) Der Moskauer Rundfunk verbreitet eine amtliche Mitteilung, wonach der schwedische Gesctndte in Moskau, Winter, der Sow- jettegierung am 4. Dezember den Wunsch der Regierung in Helsinki unterbreitet habe, mit der Sowjetregierung in neue Verhandlungen einzutreten. Außenkommissar Molotow habe dem schwedischen Gesandten geantwortet, die Sowjettegierung erkenne die Regierung Ryti nicht an, die übrigens Helsinki bereits verlassen habe und sich an einem unbekannten Ort aufhalte. Es könne deshalb keine Rede sein von Verhandlungen zwischen der Sowjetregierung und dieser Regierung.
Der finnische Heeresbericht.
Helsinki, 5. Dezember. (DNB. Funbspruch.) Der finnische Heeresbericht vom Dienstag stellt u. a. fest, daß die finnische Arme« Uusikirkko und Rautu geräumt hat. Bei Soujärvi, die östlichste Stadt in Finnland nördlich vom Ladoga- Se« sei starker russischer Druck mit motorisierten Truppen festzuitellen. Die Insel Hogland sei von den Russen bombardiert und die Insel Tytterskär besetzt worden. Sonst hätten zur See nur Erkundungsflüge der Russen stattgesunden. Der Absturz eines russischen Flugzeuges sei beobachtet worden. Am Ladoga-See hätten Artilleriegefechte zwi
schen finnischen Küstenbatterien und russischen leichten Seestreitträften stattgefunden.
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Das finnische Außenministerium teilte mit, daß die finnische Wehrmacht den Schutz der Neutralität der Alandsinseln gegen alle eventuellen An- arifie übernommen habe. Es verlautet, daß die Inseln b e f e st i g t werden sollen, um den Eingang zum Bottnischen Meerbusen zu schließen.
Die finnischen Zeitungen erscheinen nur in stark eingeschränktem Umfange. Die Banken von Helsinki haben ihre Hauptkontore ins Innere des Lan- oes verlegt. Der heutige finnische Nationalfeiertag ist zum Arbeitstag erklärt worden.
Finnland, der Schlüffe! zur Sowjetunion.
Moskau, 5. Dezember. (DNB.) Die TASS, schreibt: Im August 1919 betrachtete die konservative englische Zeitung „Time s" Finnland als einen Waffenplatz für einen Angriff gegen unser Land und schrieb: „Wenn es sich um die Vernichtung d.es Bolschewismus handelt, können wir eine Expedition ebenso gut nach Honolulu als auch an die Küste des Weißen Meeres schicken. Wenn wir die Karte ansehen, so finden wir, daß die Ostsee einen besseren Zugang nach Pettograd bildet und daß der kürzeste und leichteste Weg durck Finnland führt. Finnland ist der Schlüssel zu Petrograd, und Pettograd ist der Schlüssel zu Moskau."
Es ist kein Zufall, daß die „Times" diese Zeilen schrieb. Finnland ist wirklich der Schlüssel zu Leningrad und Leningrad der Schlüssel zu Moskau. Wer unser Sowsettand besiegen will, muß über Finnland verfügen können als Schlüssel, der den Wea nach Leningrad öffnet, und muß gleicherweise über Leningrad verfügen als Schlüssel zum Herzen unseres Landes, nämlich Moskau. Es geht jedoch daraus hervor, daß die Freundschaft zwischen Finnland und der Sowjetunion und die Verstärkung des Schutzes der Annäherungswegtz nach Leningrad gleichzeitig der Verstärkung der Sicherheit unseres ganzen Landes dienen. Die geschichtliche Tragweite des Paktes zwischen der Sowjetunion und der Demokra- fischen Republik Finnland besteht u. a. auch darin, daß er Finnland von einem Herd antisowjetrussischer Intrigen und militärischer Provokationen, der es bis in die letzte Zeit war, in ein sicheres Bollwerk im Noroosten Europas verwandelt. Nur hierdurch wurde den gegen Sowjettußland gerichteten Ränken der Wesfinächte in diesem Teil Euro
pas ein Ziel gesetzt. Die Sicherheit Leningrads und der Zugänge zu dieser Stadt wird nunmehr als verbürgt angesehen.
Eine Lehre für Halifax.
Die Waffen werden entscheiden, nicht Konferenzen.
London, 6. Dez (DNB.) Merkwürdig« Auslassungen des britischen Außenministers Lord Halifax im Oberhaus bezeugten wieder einmal, daß Englands Regierung sich des Ernstes der englischen Lage anscheinend noch immer nicht bewußt ist. Lord Halifax befaßte sich nämlich in höchst überflüssiger Weise mit Konfierenzen, die anscheinend der Behandlung des deutsch- englischen Verhältnisses dienen sollen, obwohl dem Außenminister Englands längst bekannt sein sollte, daß nach der Ablehnung aller aufbauenden deutschen Vorschläge und nach hinterlistigem Mißbrauch der deutschen Geduld der von England gewollte Krieg von Deutschland hundertprozentig akzeptiert worden ist. Während Halifax im Oberhaus mit kindlicher Einfalt seine Theorien dahin auswalzt, daß die deutsche Regierung nicht eher zu Konferenzen „z u g e l a s s e n" werde, solange sie nicht „ihre Lektionen gelernt" habe,, spürt England immer nachhaltiger, daß es kein Kinderspiel ist, den großen Staat Europas als bestens bewaffneten, zielbewußt geführten und fest entschlossenen Todfeind zu haben.
Eine Sowjetdelegation kommt zu Vorbesprechungen über die llmsiedlungSaktion nach Krakau.
Krakau, 5. Dez. (DNB.) Am Mittwochabend trifft die sowjetrussische Delegation zu Vorbesprechungen über die Umsiedlungsaktion in Krakau ein. Die Delegation wird geführt von dem Präsidenten der Kommission, Litwinow, Leiter der Westcrbtei- lung des Außenkommissariats der UdSSR., dem Divisionsgeneral Maslennikow, Mitglied des Ooersten Sowjets und Stellverttetender Volkskommissar des Jnnenkommissariats, sowie dem Ministerialdirigenten im Außenkommissariat A r k a d j e w. Die „Warschauer Zeitung" schreibt dazu: „Der große, am 16. November in Moskau unterzeichnet« Umsied- lungsplan steht vor seiner Durchführung. In friedlicher Verständigung treten die deutschen und russischen Bevollmächtigten ihre Arbeit an, um vernunftvoll das Problem der deutschen, ukrainischen, w e i ß r u s s s i s ch e n, russischen und ruthenischen Volksteile zu beiden Seiten der Grenze der Interessensphäre der Lösung zuzuführen. Der Welt wird damit bewiesen, daß bei gutem Willen auch schwierige Fragen in Wahrung der beiderseitigen Notwendigkeiten in friedlicher Vereinbarung ihre Beantwortung finden können.
Es wird darauf hingewiesen, daß gleichzeitig eine deutsche Delegation sich in die Sowjetzone begibt. Die Sowjetdelegation begebe sich in das Generalgouvernement, um denjenigen, die aus freiem Willensentschluß ihren Wohnsitz nach Sowjet- Ukraine oder nach Sowjetweißrußland verlegen wollen, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Alle Behörden und Dienststellen sind angewiesen, die Tätigkeit der sowjetischen Umsiedlungsbevollmächtigten auf jede Weise zu erleichtern und denjenigen, di« sich zu einer der obengenannten slawischen Volksgruppen bekennen und in das Sowjetgebiet auswandern wollen ,die nötige Hilfe zu gewähren.
Präsident Hacha über die deutsch-tschechische Zusammenarbeit.
P r a g , 6. Dezember. (Europapreß.) Präsident Dr. H a ch a empfing den Vorstand des tschechischen Verbandes für die Zusammenarbeit mit den Deutschen. Der Präsident sagte allen Bestrebungen seine Unterstützung zu, die darauf abzielen, den Gedanken der deutsch-tschechischen Zusammenarbeit zum Allgemeingut aller werden zu lassen. „Jeder gibt heute bereits zu", so erklärte der Präsident, „daß unsere friedliche Eingliederung in das Grohdeutsche Reich uns in
einer Zeit gerettet hat, wo in der Welt eine Generalrevision der bisherigen Bölkerposi. Honen im Gange ist, und wo diese Revision für alle Völker mit den schwersten Opfern verbunden ist. Der Gedanke der deutsch-tschechischen Zusammenarbeit wird niemals mehr aufhören, unser Lebensinteresse zu sein!"
Sie
mahnen Schuldenzahlungen an.
Washington, 5. Dez. (Europapreß.) Die Re- gierung der USA. stellte den Schuldnerstaaten eine Note zu, in der auf den bevorstehenden Fälligkeits- termin für Zinsen und Amortisationszahlungen hin- gewiesen wird. Obwohl eineZahlung von diesen Schuldnerstaaten nicht erwartet wird, hat sich die amerikanische Reaierung wje bisher aus for- malen Gründen zu diesem Schritt entschlossen. An die ehemalige Tschecho-Slowakei wurde keine Note mit einer Zahlungsaufforderung gesandt, da, wie es in der Erklärung des Staats- departements heißt, die „Tschecho-Slowakei nicht mehr als selbständiger Staat anzuerkennen sei". In der Frage der finnischen Zinsenzahlun- g e n verttitt das Staatsdepartement die Auffassung, daß den Finnen die Zahlung g e st u n d e t werden solle, obwohl der finnische Gesandte in Washington, Procope, diese Zahlung bereits in einer formellen Erklärung in Aussicht g e st e l l t hat.
Britische Truppen verlassen Veking und Tientsin.
Peking, 6. Dez. (DNB.-Funkspruch.) Der Aus. zug der in Peking und Tientsin stationierten brifi. jchen Truppen begann am Sonntag mit den motorisierten Einheiten. Der Hauptttrupp verließ am Sonntagmorgen den Hafen von Tientsin. W^ere Truppen werden am Mittwoch folgen. Das Tientsiner Blatt „North China Star" schreibt, daß die Truppen wahrscheinlich nach Hongkong und später vielleicht nach Frankreich gingen.
Kleine politische Nachrichten.
Am Dienstag versammelten sich die Leiter der Reichspropagandaämter im Reichsmini- sterimn für Volksaufklärung und Propaganda zu einer Arbeitstagung in deren Mittelpunkt ein« Red« des Reichsministers Dr. Goebbels über di« politische Lage stand.
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Reichsminister Dr. Goebbels empfing in feinem Ministerium in Anwesenheit des Leiters der Rundfunkabteilung seines Ministeriums, Ministerialdirigent Berndt, und der Direktoren der Reichs- rundfunkgesellschaft Voß, Hadamowski und Dr. H u o m a n n die Intendanten aller deutschen Reichssender zu einer Aussprache über die schwebenden Rundfunkprobleme. Reichsnfi nister Dr. Goebbels sprach ihnen seine Anerkennung für die bisher geleistete Arbeit aus und gab Richtlinien für die Zukunft. *
Der Reichsorganisationsleiter der NSDAP., Dr. Ley, ist am Dienstagabend im Palazzo Venezia vorn Duce empfangen worden. Die Unterredung verlief im Geiste der herzlichen deutsch- italienischen Freundschaft.
Der Iugendführer des Deutschen Reiches traf zu einem mehrtägigen Besuch in der Slowakei ein. In Preßburg, das im Flaggenschmuck prangte, waren Ehrenabteilungen der Hlinka-Garde und der Hlinka- Jugend, der FS, der DJ. und der Preßburger HI. angetreten. Nach Besuchen bei Außenminister Dr. Durcanski und in der deutschen Gesandtschaft wohnte der Reichsjugendführer einer Vorstellung im Preß- burger Stadttheater bei. Später gab der deutsche Gesandte einen Empfang.
Die Einweihung desAdolf-Hitler-Kanal« und des Gleiwitzer Hafens am Freitag wird von dem Stellvertreter des Führers in Anwesenheit des Reichsverkehrsminifters und des Gauleiters von Schlesien vorgenommen werden. Der Stelloer- treter des Führers wird auch den ersten Spatenstich
(Sanff Nikolaus reitet durch Italien.
Don Hans Heil.
Sankt Nikolaus, der Schutzheilig« der Schiffahrt und als Vorbote des Christrindes der Freund der Kinder, genießt in Italien eine derarfig große Verehrung, wie sie uns in Deutschland nicht bekannt ist. Besonders Bari in Unteritalien zeichnet sich hierbei aus. Hier, in der Basilika di S. Nicola, ruhen seit dem Jahre 1089 die sterblichen lieber- reffe des Heiligen. <
In der Nackt zum 6. Dezember und an diesem Tage selbst haoendie italienischen Kinder ihr Freudenfest. Dann kommt Nikolaus hoch zu Roß, auf einem Schimmel, und reitet durch gan$ Italien. Ihm folgt ein kräftiger Knecht, der in einem großen Korbe allerlei Früchte und Leckereien tränt. Aber einer fehlt nicht, das ist ein Teufel von Fleisch und Blut, dessen flammende Augen Blitze schleudern und der auf dem Rücken einen großen Sack trägt, in den die unartigen Kinder gesteckt werden sollen.
Abends stellen di« Kinder Heu und Hafer auf das Fensterbrett, als Futter für des Nikolaus Roß, dazu einen Becher Branntwein für den Knecht, dann geyen sie schlafen und träumen von kommenden Schlemmereien. Vor dem Schlafengehen wird noch schnell ein Lied gesungen, etwa folgenden Inhaltes:
O Sankt Nikolau, goldener Mann, Bring' uns schöne Sachen 'ran! Süß und schmackhaft lass' das sein, Was kommt in die Schüssel rein!
Wenn dann am folgenden Morgen die Augen noch schwer vom Schlaf sind, dann laufen die Kinder ans Fenster, um zu sehen, ob der Hafer gefuttert und der Branntwein genossen ist. Ott ist dgs nicht der Fall, dann sind auch di« Schüsseln nicht gefüllt, und dann heißt es eben warten, warten den ganzen langen sechsten Dezember, dann kommt Nikolaus nämlich höchst persönlich. Da hört man plötzlich ein schwaches Geräusch an der angelehnten Haustür. Dann trampelt es draußen im Korridor, und schließlich tritt eine Gestalt in phantastischem Aufputz in die Küche. Es ist der Vorläufer des Nikolaus, gewissermaßen sein Ansager. Ihm folgt auf dem Fuße Sankt Nikolaus selost. Ganz in weiß ist er gekleidet, sein Haupt ist beoeckt mit einer Mitra von weißer und himmelblauer Farbe (die Farben der Provinz Bari), goldene Fransen baumeln daran, ein mächtiger Bart aus Werg fällt auf feine breite Brust, während er in der Hand den
Bischofsstab hält. Schließlich schreitet er auf die Kinder zu, nennt jedes beim Namen. Die guten Kinder lobt er, die bösen Kinder erhalten einen Rüffel. Für jeden hat er Kastanien und Honig- schnitten, Zwieback und mit Zucker bestrichene Kuchenstücke, die er dem Sacke seines treuen Knechtes entnimmt.
Aber da kommt ja, um das Fest zu stören, unter großem Kettenaeräusch, eine fratzenhafte Teufels- ge statt herangesprungen. Husch, flitzen die Kinder unter die Röcke der Mutter und suchen sich hinter die Möbel zu verstecken. Aber der Freund der Kinder, Sankt Nikolaus, tritt dazwischen, mit herrischer Gebärde, der Teufel entweicht, und es wird wieder hübsch ruhig im Hause. Mit seiner fiesen, wohlklingenden Stimme ermahnt er die Kinderschar eindringlich, gut, folgsam, fleißig und ehrerbietig im kommenden Jahre zu sein und verspricht, b*—-t von Herzen gerne wieder zu kommen.
Knecht Nuprecht.
Don Hans Friedrich Blunck.
Einmal, so im Mittwinter, als der wilde Jager unterwegs war, verlor ein Tier aus feinem Gefolge die Eisen, sein Reiter mußte mit Pferd und Hund Zurückbleiben und verirrte sich, als er den wilden Zug einholen wollte.
Lange suchte er. Endlich stieß er auf die Hütte einer armen Witwe, die pauste mit ihren Kindern mitten im Wald. Und der Reiter, ein alter grau- bärfiger Geselle, warf die Tür auf, trat mit dem Hund ein, der auch gleich die Kinder anfuhr, daß eines von ihnen niederstürzte, und verlangte zu essen und zu trinken.
Die arme Frau erschrak sehr. Sie fragte nicht nach dem Namen, noch nach dem Woher und Wo» hin, brachte hastig, was gerade auf dem Herd stand, und wollte den Gast zufriedenstellen. Und der aß und tränt, streckte oie Beine von sich, lehnte sich müde gegen die Wand und versuchte, auf der Bank einzuschlafen.
Da störte ihn etwas. Die Frau hatte ein Lichtlein auf den Tisch der Kinder gestellt, das flammte und knisterte, so daß es dem Reitknecht in den Auaen weh tat. Er schloß die Lider, aber der Glanz schien hindurch, er war seiner wohl ungewohnt nach den grauen Tagen in Regen und Sturm.
Er sagte deshalb barsch zu der Frau: „Lösch das Licht aus! Siehst du nicht, daß ich schlafen will?" Aber die Mutter schüttelte den Kopf, und obschon sie viel Furcht hatte, widersprach sie und sagte: „Löschen darf ich es nicht, es winkt der himmlischen Frau Gode, damit das Sonnenlicht wiederkommt und der Winter vorübergeht."
Gegen solch hohen Namen wagte der Knecht nichts zu sagen, er wußte, daß sein Herr Tag um Tag nach ihr, die ihn trägt, Ausschau hielt. Er brummte deshalb nur, wendete den Kopf ab und versuchte wieder zu schlafen.
Es gelang ihn noch nicht, die Kleinen saßen um den Tisch und sangen leise. Da verlangte er rauh, das Singen solle unterbleiben. Aber die Frau verbot den Kindern die kleinen Stimmen nicht, obwohl sie nun doppelte Furcht hatte.
„Hörst du denn nicht", fragte sie, „daß es ein Lied zur Weihnacht'ist? Ach, wie käme die himmlische Frau zu uns, wenn wir sie nicht mit dem Singen der Kinder riefen!"
Wieder wagte der Knecht nicht, hart zu antworten. Als das Weib indes hinging und die Tür ein wenig öffnete, obwohl kleine Flocken hereintanzten und der Wind den Rauch von Herd zu Wirbeln trieb, geriet der Reiter außer sich: „Was hast du jetzt vor? Du weißt, daß ich stiere und schlafen will!"
Die Frau antwortete sanft: „Die Himmlische muß doch die Kinder hören und das Licht sehen, sie könnte sonst vorübergehen!"
Als der Knecht nun so viel von der hörte, die sein Herr auf la na en, langen Ritten vergeblich suchte, wunderte er sich. Er blinzelte sogar nach der Türspalte, ob am Ende wirklich eine Fremde vorbeikäme, aber er sah nur das Gesicht der Mutter, das voll Hoffnung nach draußen schaute. Da wurde er bedrängt in seinem Herzen und wallte seine Rau- hett an den Kindern gutmachen. Und weil er das eine, das fein Hund umgeworfen hatte, noch bluten sah, stand er auf, trat hinzu und strich ihm über die Wunde. Gleich hörte das Rinnen auf, er vermochte es ja.
Die Kinder aber, die, als er nahe kam, vor Furcht die Äöpfe niedergebeugt hatten, ohne im Singen aufzuhören, sahen, daß der fremde Mann es gut meinte, und faßten Vertrauen zu ihm. Und eines, das großen Hunger hatte, fragte, ob es nicht etwas Brot haben dürfe.
Da brach er von dem Laib, den ihm die Frau hingestellt hatte, er aab sich sogar die Mühe und besprach das Brot, so daß es süß wie Kuchen schmeckte. Und weil das Lied jetzt wirklich zu Ende war, trauten sich die Kinder näher zu dem wilden Knecht: ein kleines Mädchen zeiate ihm ein Pferdchen, dem fehlten Kopf und Schwanz. „Oh, wenn es weiter nichts ist", lacht« der Mann und ging daran, beides wieder anzuflicken. Währenddes dachte er heimlich an feinen Herrn, der auch in der heiligen Weihnacht die Menschen beschenkt, und sah auf die Mutter, die ihm zuschaute und deren Augen glänzten, wie solches Licht gewiß nur von der himmlischen Frau Antlitz kommt. Da gefiel es ihm«
eifriger zu helfen, und als ein Knabe einen Hund haben wollte, knetete er ihm gleich einen, der wahrhaftig laufen und bellen konnte.
Wie schrien und hüpften die Kinder da und wollten bald alle ein Spielzeug. Der Knecht mußte sein« Finger schon fleißig gebrauchen; ein Gescheut nach dem andern (prang Daraus hervor: Puppen und Bälle zum Werfen für die Mädchen, Wagen und Reitersleute für die Jungen, und ich weiß nicht was alles. Und je mehr die Kinder lachten und je dankbarer die Frau ihm zusah, um so eilfertiger wurde der Mann. Als er einen Apfel fand, den das arme Weib verwahrt hatte, machte er gleich einen Tisch voller Aepfel daraus, und als das kleinst« Kind ihm zwei taube Nüsse zeigte, mit denen -es spielte, da wußte er es so einzurichten, daß ein voller Beutel davon in der Kammer stand. Denn wenn er auch nur ein Knecht des Wohljägers — Hes wilden Jägers — war, so wußte er doch mit allerhand guten Künsten Bescheid.
Wie der Mann mitten im Werk war, kam draußen noch einmal eine furchtbare Sturmbö näher. Und gerade als die Frau sich nun doch zu fürchten begann und die Tür schließen wollte, sprang sie krachend auf, der Wohljäger trat über die Schwell« und hinter ihm ein allmächtiges Gedränge von hohen Herren und holden und unholden Gesellen. Die begannen dröhnend zu lachen, als sie den alten Reiter mitten unter den Kindern sahen, das Spiel' zeug i lieber Hand.
„Das tust du hier?" murrte auch der wilde Jäger.
Der Knecht, der eben noch froh gewesen war, seinen Herrn wiederzufehen, merkte erschrocken, daß er sich verantworten sollte. „Ach", sagte er, „das ist schwer zu erklären. Seht, Herr" — und es schien ihm wirklich, als sei er um deswillen geblieben —, „seht, die Kinder sangen die himmlische Frau herbei; wie mich dünkt, für uns alle. Man sollte solches Singen nicht gering achten und es belohnen."
„Er war so gut zu den Kindern", sagte die Witwe fürbittend und streckte die Hände aus.
Der Wohljäger sah sie an, aber es war zugleich als schaute er Hb er alles hinweg. Darm wandt« er sich seufzend dem Reiter zu. „So bleib noch", be- faf)I er, „und geh auch in die andern Häuser und laß alle Kinder fingen. Vielleicht, daß sie, di« wir suchen, sich doch rascher zu uns wendet, wenn sie es hört?
Da freute sich der Knecht — Ruprecht hieß er -7 und ist dem auch gehorsam gefolgt. Und er geht noch heute jährlich durch alle Häuser, um di« guten singenden Kindlein zu beschenken. Aber für die schlimmen legt er die Rute nieder, denn er ist ein alter Rotter und fackelt nicht lange.
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