Vornotizen.
Tageskalender für Montag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Der Schritt vom Wege". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Aufruhr in Damaskus". — Oberhessischer Kunstoerein: 17 bis 18 Uhr: Ausstellung im Turmhaus am Brand.
Dienststunden der Behörden/ Gemeinden und Gemeindeverbände.
LPD. Der Reichsstatthalter in Hessen — Landesregierung — veröffentlicht eine Anordnung über die Dienststunden oller unterstellten Behörden, Gemeinden, Gemeindeoerbönde und sonstigen Körperschaften des öffentlichen Rechts. Danach werden für diese Dienststellen im Lande Hessen für die Sommermonate — ab 6. März 1939 — die Dienststunden wie folgt festgesetzt: Montags, Dienstags, Donnerstags bis Freitags von 7 bis 13 Uhr und von 15 bis 18 Uhr, Mittwochs von 7 bis 16 Uhr durchgehend, Sonntags von 7 bis 13 Uhr. Alle entgegenstehenden Anordnungen werden aufgehoben. Die Dienststellenleiter sind nicht befugt, eine von der vorstehenden Anordnung abweichende Regelung zu treffen.
den Kindern viele Möglichkeiten zu spielerischer Be- tätigung gibt. Die angehenden Kindergärtnerinnen widmeten sich außer der Handarbeit ebenfalls der Wertarbeit und schuf vielerlei ebenso originelles wie schönes und dauerhaftes Spielzeug aus Holz, dos seinen Zweck voll erfüllen wird. Darüber hinaus wandte man sich auch einem kunsthandwerklichen Schaffen zu, und auch hier waren die Ergebnisse (aus Holz und Metall) überraschend gut. Die geschmackvoll aufgebaute Schau ließ die verantwortungsbewußte, aber auch die sehr dankbare Arbeit der Schule im Dienste der Zukunft deutscher Familien erkennen.
** Silberne Hochzeit. Die Eheleute Karl Brückel, Wilhelmstraße 78, feiern am heutigen 6. Marz das Fest der silbernen Hochzeit. Dem Jubelpaar herzlichen Glückwunsch.
Landkreis Gießen.
z Alten-Buseck, 5. März. Heute kann die alte sie Einwohnerin unseres Ortes, Frau Marie B ö tz , ihren 8 8. G e b u r t s t ag feiern. Die Jubilarin ist für ihr hohes Alter körperlich und geistig noch außerordentlich rüstig und verrichtet noch sämtliche Haus- und Gartenarbeiten. Mit größtem
Interesse liest sie allabendlich das Heimatblatt und nimmt regen Anteil an allen Geschehnissen. Unseren herzlichen Glückwunsch.
Rundfunkprogramm
Dienstag, 7. März.
6 Uhr: Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Froher Klang zur Werkpause. 9.40; Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 10: Schulfunk. Die Kalahari. Em Hörspiel. 11.40: Ruf ins Land. 12: Mittagskonzert. Tänzerische Weisen von gestern und heute. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.15: O holde Frau Musical 16: Buntes Unterhaltungskonzert. Einlage 17 bis 17.10: Das Mikrophon unterwegs. 18: Volk und Wirtschaft. „Was ist unlauterer Wettbewerb?" 18.15: Achtung! Ring frei 18 30: Retter der Kinder. Das Lebenswerk Emil von Behrings. 19.15: Tagesspiegel. 19.30: 's um Lob der Musik? 20: Nachrichten. 20.15: Haydn-Zyklus. 11. Abend. Letzter Triumph (Wien 1808) Die Schöpfung, Oratorium von Joseph Haydn. 22: Nachrichten. 22.20: Johann Sebastian Bach, Zwei Brandenburgische Konzerte. 23 bis 24: ! Unterhaltung und Tanz.
Hitler-Jugend Bann 116.
Stamm 1/116.
1. Der angesetzte Führerdienst am Dienstag aus dem Trieb fällt aus. Dafür Antreten der Scharführer um 20 Uhr pünktlich am Heim der Fliegergefolgschaft.
2. Antreten der ganzen Führerschaft und der Gefolgschaft 4 am Freitag, 10.3., 20.30 Uhr, Dolks- halle.
Bann und llntergau 116 Wetterau.
Am Mittwoch, 8. März, 19.30 Uhr, findet die 5. Zusatzvorstellung des HJ.-Theaterringes statt. Zur Aufführung gelangt „Die andere Seite", Drama von R. C. Syerriff. Die Karten sind ab sofort auf der Verwaltungsstelle des Bannes gegen bar abzuholen.
Alpenfreunde helfen dem WHW.
Am morgigen Dienstag, 20.15 Uhr, veranstaltet der Zweig Gießen-Oberhessen des Deutschen Alpenoereins einen Vortragsabend „Schönheit deutscher Bergwelt", dessen Reinertrag restlos dem Winterhilfswerk zufließen wird. Es wird kein lehrfamer oder dichterischer Vortrag sein, sondern Dr. Krasser, dem als Bergsteiger ein guter Ruf vorausgeht, wird in zwanglöser Plauderei von Bergfahrten in Fels und Eis, von Erlebnissen mit Menschen in den Bergen, von tollen Schifahrten und Klettereien erzählen und Bilder zeigen, die uns die ganze Schönheit der Bergheimat vor Augen führen. Gleichzeitig wird er damit den Menschen der Berge, der in harter Arbeit seine Pflicht tut, dem Verständnis der Volksgenossen im Mittel- und Flachland näherbringen und alpenländisches Brauchtum vor Verzerrungen bewahren. Das Streichquartett der Werkskapelle Hensoldt in Wetzlar wird den Vortrag mit bäuerlicher Musik aus den Bergen umrahmen.
Ausstellung Fröbelseminar.
Das Fröbelseminar in der Gartenstraße schloß in diesen Tagen seine Jahresarbeit ab, und die zahl- reichen Schülerinnen, soweit sie ihre Ausbildung beendeten, unterzogen sich den vorgeschriebenen Prüfungen. Diese Prüfungen wurden erst am Samstag zu Ende geführt. Trotzdem unternahm es die Leitung der Schule, für den gestrigen Sonntag in einer Ausstellung einen Ueberblick zu geben über die im vergangenen Jahre geleistete praktische Arbeit. Die Schule, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Kinderpflegerinnen und Hausgehilfinnen, wie auch Kindergärtnerinnen für ihre Berufe vorzubereiten, war im vergangenen Schuljahr sehr gut besucht. Außerdem waren viele gut veranlagte Schülerinnen da, und so konnte eine Reihe hervorragender Arbeiten gezeigt werden. Neben der rein hauswirtschaftlichen Arbeit für die Hausgehilfinnen und Kinderpflegerinnen wurde vor allem wieder die Handarbeit gepflegt, ferner aber auch die Bastelarbeit, aus der manches Spielzeug gerade für das Kleinkind (aus wertlosem Material geschaffen) heroorging. Dabei ergab sich eine Fülle des reizendsten bunten Spielzeugs, das
S.Jl.-ifport
Richter stemmt Weltrekord.
Im Rahmen des Mannschaftskampfes in Essen zwischen der Wiener Polizei-Sportvereinigung und dem ASV. Essen 88 stellte der Wiener Anton R i ch - te r im beidarmigen Reißen der Federgewichtsklasse einen neuen Weltrekord auf. Der Wiener brachte 105 Kilogramm zur Hochstrecke und übertraf damit die Leistung des bisherigen Rekordinhabers John Terry (USA.), der bei den Weltmeisterschaften 1938 in Wien 97,5 Kilogramm bewältigte.
Herber-Äaier in Essen.
Die Essener Eissport-Veranstaltung am Samstag- i abend gestaltete sich zu einem großen Erfolg. Unsere vierfachen Weltmeister Maxie Herber-Ernst Baier zeigten trotz einer leichten Grippeerkrankung eine ausgezeichnete Kür, die von den zahlreichen Zuschauern mit großem Beifall ausgenommen wurde. Auch das junge Dortmunder Paar Lauer - Waldeck fand Zustimmung. Maxie Herber - Ernst Baier zeigten ihr Können auch am Nachmittag bei der dritten HJ.-Veranstaltung. Die Jungens brachten ihnen stürmische Ovationen dar.
Kinger-Saukampf Hessen-Niederrhein
Der Ringer-Gaukampf zwischen Hessen und Mittelrhein, der am Samstagabend in der Halle der Turngemeinde 1837 Hanau ausgetragen wurde, brachte erwartungsgemäß der starken rheinischen Staffel, in der so bekannte Kräfte wie Nettesheim, Schmitz' und Möchel mitwirkten, einen klaren Sieg. Die 600 Besucher sahen sehr gute Kämpfe, denen Bormann (Hösbach) als Mattenrichter vorstand. Die Gastgeber kamen lediglich im einleitenden Bantamgewichtskampf und im abschließenden Schwergewichtstreffen zu zwei Siegen, während die Rheinländer in den übrigen Begegnungen recht eindeutig überlegen waren und vier von ihren fünf Punkten durch 'Fallsiege errangen. Der schönste Kampf war wohl der im Bantamgewicht, wo Seifried (9./Jnf.-Regt. 15, Kassel) Punktsieger über Mer- scheidt (Köln) wurde. Eine Ueberraschung gab es im Schwergewicht, wo der 36jährige Hanauer Kräcker einen einwandfreien Punktsieg gegen den 12 Jahre jüngeren Kölner Ersen davontrug. Schmitz, Nettesheim, Klug und Westphal gewannen ihre Kämpfe entscheidend, während sich Möchel mit einem Punktsieg gegen Wissel (Hanau) begnügen mußte.
Schlesien gewinnt den Reichsbundpokal.
Bayern im Reichsbundpokal-
Der an Spannung und Ueberraschungen reiche Gauwettbewerb um den Reichsbundpokal 1938/1939 ist am Sonntag in Dresden entschieden worden. Schlesiens Gaumannschaft hat nach den großen Siegen über die Nordmark, die Ostmark und Württemberg auch die letzte Hürde genommen und Bayerns Elf, die man fast so stark wie eine Nationalmannschaft einschätzen konnte, mit 2:1 (1:0) geschlagen. 40 000 Zuschauer wohnten im Ostragehege bei schönstem Sonnenschein dem Kampfe bei und schenkten ihre Sympathien fast ausnahmslos den Schlesiern, die nach ihrem Sieg stürmisch gefeiert wurden.
Heber fast die ganze Dauer des Spiels bestimmten die Schlesier die Gangart. Ueberraschend war, daß sie, ganz abgesehen von ihrer unerhört wuchtigen Kampfkraft, den Bayern auch in technischer Hinsicht kaum nachstanden. Bayerns Angriffe gingen meistens von unserem Nationalspieler Lehner ans, weiterhin war der Fürther Halblinke Fiederer mit einigen scharfen Schüssen gefährlich. Aber in der Mannschafts-Arbeit hatten nie Schlesier ein klares Uebergewicht. Die Mannschaften:
Schlesien: Tor: Mettke; Verteidiger: Koppa, Kubus-, Läufer: Wydra, Nossek, Langner; Stürmer: Plener, Pischek, Pawlitzki, Schaletzki, Renk.
Bayern: Tor: Jakob; Verteidiger: Streitle,
Endspiel 2:1 (1:0) besiegt.
Schweißer; Läufer: Kupfer, Goldbrunner, Kitzinger; Stürmer: Lehner, Krumm, Färber, Fiederer, Si- metsreiter.
Unentwegter Angriff.
Das Los gab den Bayern die Wahl, so daß Schlesien gegen den starken Wind den Kampf aufnahm. Die Mannschaft tat es mit einem unerhörten Elan. Mit raschen Spurts waren die Ostdeutschen stets schneller am Ball, und ihre stürmischen Angriff brachten Bayerns Tor sofort und immer wieder in Gefahr. So war es nicht mehr überraschend, als in der 26. Minute durch den Rechtsaußen Plener der erste Treffer für Schlesien fiel. Einige Flankenbälle Lehners setzten die schlesische Deckung, die nicht ganz die große Klasse der bayerischen Abwehr erreichte, unter Druck. Es gab aber nur fünf Eckbälle, die gewehrt werden konnten. In der Folge waren die Schlesier einem zweiten Tor näher als die Bayern dem Ausgleich.
In der 48. Minute schon 2:0.
Auch nach dem Wechsel blieben die Schlesier in ihren Angriffen äußerst gefährlich. Schon drei Minuten nach Wiederanspiel hieß es 2:0. Jakob hatte einen scharfen Schuß des Linksaußen Renk ins Feld zurückgeschlagen. Pawlitzki ließ den Ball von
feüient Körper abprallen zu dem in Stellung gc» laufenen Schaletzki, und gegen den Schuß des schlesischen Halblinken warf sich Jakob vergeblich. Die Bayern wurden nun in ihrem Stürmerspiel forscher, schossen aber zu ungenau. Trotz zeitweiliger Feldüberlegenheit gelang es ihnen erst in der 72. Minute, als der schlesische Mittelstürmer Pawlitzki vorübergehend ausgeschieden war, durch Krumm das Ehrentor zu erzielen. Lehner hatte den Ball schön hereingegeben, Krumm stoppte ihn mit der Brust und drückte ihn über die Torlinie.. Zeitweilig mußten die Schlesier sehr um ihren Vorsprung bangen. Engmaschiges Kombinationsspiel gab den bayerischen Innenstürmern viele Torgelegenheiten, aber sie schossen zu schlecht oder ließen sich von den forsch dazwischenfahrenden Verteidigern den Ball wegnehmen. Fünf Minuten vor Schluß rafften sich die Schlesier, angefeuert von den Sprechchören „Schlesien vor, noch ein Tor", noch einmal auf. In der 87. Minuten lag ein dritter Treffer wirklich nahe, als Renk den Münchener Streitle überspielt hatte und Plener an dem herstürzenden Jakob vorbei nur den Pfosten traf. Auf der Gegenseite hielt Mettke noch einen gefährlichen Kopfball von Färber. Es blieb beim 2:1.
Schlesien gewann verdient.
Die Schlesier lieferten ein erstklassiges schönes Spiel. Schnelligkeit und raumgreifender Angriff waren seine Hauptmerkmale.
Ausschlaggebend für die Niederlage der Bayern war wohl das Spiel des Angriffes. Zeitweilig kombinierte er zwar schön und wirkte auch sehr schnell. Aber vor dem Tor fehlten die Wucht und der ziel- sichere Schuß, die gerade den Gegner auszeichneten.
Fußball der Sauliga Hessen.
Wertvolle Punkte für Kassel.
Im Gau Hessen wurde die Meisterschaftsentschei-- dung noch etwas vertagt, aber dafür sah man fast alle Abstiegskandidaten im Kampf. Die Kasseler Mannschaften BC. Sport und Kuchessen tarnen am Sonntag zu wertvollen Punkten und haben damit die besten Aussichten, dem drohenden Abstieg au entgehen. Sterna Wachenbuchen verlor in Kassel gegen die Kurhessen mit 1:6, und mit 22 Verlustpunkten wird für die Kewa-Leute nichts mehr zu retten sein. Der BE. Sport schlug den VfB. Friedberg 4:1 (1:1) und schloß zum spielfreien SV. Dunlop Hanau auf, der ein etwas besseres Torverhältnis hat. Der VfB. Groß-Auheim blieb auf eigenem Gelände weiter unbesiegt, denn auch Hessen Bad Hersfeld erreichte nur ein Unentschieden (1:1). Mit 16 Derlustpunkten sind übrigens Groß-Auheim und Friedberg noch keineswegs allen Sorgen enthoben!
Gau S ü d w e st: FV. Saarbrücken — Eintracht Frankfurt 7 : 5; SV. Wiesbaden — FSB. Frankfurt 3 : 1.
Fünf Schwergewichtskämpfe in Frankfurt.
Das Programm für die Frankfurter Berufsbox- kämpse am Samstag, 11. Marz, in der „Festhalle" ist jetzt vollständig. Es umsaßt fünf Schwergewichtskämpfe mit der internationalen Begegnung zwischen dem deutschen Meister Waltet Neusel (Berlin) und dem Franzosen Andre Lenglet als Hauptereignis. Den zweiten Hauptkampf bestreiten der deutsche Exmeister Vinzenz Hower (Köln) und der vorzügliche Italiener Santa de Leo, der kürzlich in Dortmund gegen Neusel unentschieden boxte. Der italienische Rachwuchsboxer Awniballi erhielt den Mannheimer Hermann Kreimes zum Gegner, der Frankfurter Kurt Jost trifft auf Jakob Schönrath (Krefeld) und das fünfte Treffen führt den Singener Karl Maier mit dem Ludwigshafener Heinrich Mayer zusammen. Maier konnte erst vor wenigen Tagen in Basel gegen den schweizerischen Meister Walter von Büren ein Unentschieden erzielen, während Mayer zuletzt in Berlin mit Marohn unentschieden kämpfte.
Das Radball-Dreiländer-Turnier in Hamburg sah Deutschland vertreten durch Dietz- Drzewecki vom Post-SV. Hamburg siegreich. Die Hamburger schlugen die französische Mannschaft Gebr. Weichert mit 11:7 und die belgische de Vos- Rogghe mit 9:1 Toren.
Meisenvolk.
Von Karl Scherer.
Die Loggia des schönen Barock-Landhauses im Westen der Stadt ist winterlich kahl und öde, leere Blumentöpfe stehen auf dem Boden herum, die Ranken des Pfeifenstrauchs, die aus der Tiefe heraufkommen, schwanken blattlos im eisigen Ostwind, und auf dcn Blumenkästen liegen winzige Schneewehen. Die Doppeltür öffnet sich, ein alter Herr in Samtkäppchen und warmem Flauschrock tritt heraus, füllt das Futterhäuschen mit Hanf und Sonnen- blumenternen und bindet ein Gänsegerippe und einen Talqring an die Drähte des Spaliers. Der Einsame liebt die Tiere; er weiß, seine kleinen Freunde, die Vögel, leiden jetzt Not. Spatzen und Grünlinge, Schwarzamseln und Stare sind bald zur Stelle; der Greins aber wartet hinter dem Vorhang aus seine Lieblinge, das fröhliche Volk der Meisen, die uns auch im kältesten Winter nicht verlassen.
Die große Meisenfamilie ist in ihren Spielarten nach Form und Farbe sehr verschieden; alle aber sind quicklebendige, zierliche Strichvö^elchen, die in Herbst und Winter in Flügen durchs Land ziehen und überall auch dort noch etwas finden, wo andere Vögel das Nachsehen haben. In dem verschneiten Fichtenbestand am Berghang tragen die Kronen der alten hohen Bäume goldbraunen Zapfenbehang. Jetzt schwirrt ein Schwarm schwarz-weiß-qrüner Kohlmeisen aus dem nahen Föhrenholz im Äellen- flug heran; „jü, jü, jü". Das zirpt und pfeift, lockt und ruft, pickt und bohrt, und bald hängt an jedem Zapfen ein bunter Schlüpfer, der emsig wirkt, die dach^iegelortig deckenden Schuppen zu öffnen, um fie ihrer Samenfrüchte zu entledigen. Dann ziehen sie weiter noch dem Eichenhochholz. Ein Eichenstamm ist ein prächtiges Revier, eine unerschöpfliche Fundgrube; denn jede Borkenfurche birgt etwas für den Schnabel. Dort legt eine Meisenfrau verkapselte Schmetterlingseier bloß, die andere schält eine Käferlarve aus, und der Meiserich findet die Puppe eines Eichenwicklers. Auch der Waldboden gibt etwas her, wo der Wind eine Blänke freilegt. Aus Alllaub und Moos holen die fleißigen Arbeiter win- 'lerftarrc Kerbtiere hervor; selbst in der faulenden Rinde des Fallholzes findet sich Genießbares und die verstreuten ölhaltigen Kerne der Bucheln sind die Krone aller Genüsse. So schlägt man sich durch den Winter.
Dann aber kommt der Mai. Die Erde erwacht, es keimt und sproßt in Moos und Strauch, und die
ersten Käfer und Mücken surren durch die sonnige Luft. Im Hartriegelbusch am Waldsaum wird ein zärtliches Sümmchen laut: „Zidüi, zidüi, zizidä, zizidä", und aus den knospenden Zweigen der silbergrauen Rotbuche antwortet es werbend und lockend: „Pink-pink, tülidi. tülibi". Dann fliegt das Blaumeisenhähnchen herab, hockt schwanzwippend handbreit neben der Erwählten und ruft und girrt. Doch so schnell gibt die Erkorene das Jawort nicht; schon sitzt an ihrer anderen Seite, einem winzigen Auerhahn vergleichbar, ein zweiter Bewerber und trägt eine schmelzende Romanze vor. Im nächsten Augenblick fahren die Nebenbuhler gegeneinander und wirbeln, ein blaugelbes Federbällchen, zu Boden. Ein wildes Raufen hebt an; die Krallen hacken, die kurzen Schnäbel stechen wütend auf den Gegner ein; das Gefieder plusternd, balgen sich die tapferen Dogen im Dürrlaub, bis der zerzauste Eindringling davonflattert und der triumphierende Sieger sich nach der Gesponsin gesellt.
In dem säulengeraden Schaft der alten Wintereiche zwischen den Föhren klafft zwei Stockwerk hoch über dem Boden eine enge Höhle, die tief ins Innere greift; wie ein Mausloch ist der runde Spalt anzuschauen, der nur.dem schlanken Meisengeschlecht den Zugang gestattet; ihn hat das Pärchen zur Herberge und Wiege erwählt. Unverdrossen fliegt es ab und zu, glättet die Höhle sauber aus und schafft allen Unrat ins Freie. Von der letzten Treibjagd liegt in der Fichtenschonung ein verluderter Fuchs, der dort verendete, ohne gesunden zu werden. Den Kern haben die Krähen geholt, der Balg ist verrottet, doch die feinen seidenweichen Haare liefern prächtigen Stoff zur Polsterung der Wohnung, auch Federn und Moosblättchen finden sich überall. Bei der Meisensippe gilt der Grundsatz der Arbeitsteilung: Hahn und Henne sitzen wechselweise getreulich auf den Eiern, und am dreizehnten Tage zirpt es fein und leise aus der dunklen Höhlung. Nach acht Tagen gleichen die Meisenkinder grauen Mäuschen, nach einer weiteren Woche flattern sie ins nahe Buschwerk — wie nach der Schnur ausgerichtet, hocken die Gelbschnäbel auf einem waagrechten Himbeerreis, während die Mutter eine Buchenspinnerraupe für sie zerhackt. Da schrillt eine Schwarzamsel ängstlich und durchdringend, ein Baumrutscher schnarrt, Spiegelmeisen zetern und lärmen — ein Nußhäher, der Mörder, der wie Elster und Krähe keine Nestlinge raubt, ist herzugestrichen und mustert lüstern die sieben Rekruten auf dem goldbraunen Aestchen: kopfüber retten sie sich unter dem erbosten „zerrr, zerrr" der Alten in die dichten Brombeerhorste.
Im Bergwald haben sich die Märzstürme ausgetobt, Schneegestöber und Graupelschauer fahren noch einmal durch die Bäume. Doch die Sonne duldet kein Weihes, es lenzt an Busch und Baum, und der warme Föhn verwandelt die letzten Flocken in rinnende Bäche. In der alten Wetterfichte am Waldrand, grau vom Baumbart und Flechten, rutscht ein Spechtmeisenpaar auf und ab. Im Graben hat das Weihchen eine Haselnuß entdeckt; sie aufzumeißeln, kostet Zeit und Mühe. Doch es gelingt, der Kern wird von der trocknen braunen Hülle befreit und der seltene Leckerbissen verzehrt. Der Hahn hat sich unterdessen einen Frostspanner und ein paar Röhrenspinnen einverleibt. Nun fliegt er luftig flötend der Henne nach, die am Wipfelstamm an einem Astloch schafft, in dem im Vorjahr ein Buntspecht nistete. Sie spielt die Spröde, als ginge sie das zärtliche Gezirpe des verliebten Freiers gar nichts an. Doch bald füllt ein Gelege winziger weißer, rostrot getüpfelter Eier die Höhlung. Und nun beginnt der kleine Maurer die Arbeit, die ihm den Namen „Kleiber" verschaffte. Im Tal liegt eine Mergelkuhle. Aus dem feuchten Grund der Senke wird ein Lehmklümpchen nach dem anderen geholt und sorgsam an den Rand des Nistspaltes geklebt, sestaeknetet und glattgestrichen. Das geht so anderthalb Wochen von früh bis zur Dämmerung, die Schutzmauer wächst zusehends, zumal die Kleiberfrau fleißig hilft, bis das Türchen ihr eben noch den Einschlupf freigibt. Die Lehmwand erstarrt, kein Specht oder Star, keine Eichkatze' vermag sie einzudrücken und das Brutidyll zu stören. Emsig füttert der kleine Mann die Frau in der Höhle, und zwischen den Flügen singt er dem braven Weibchen auf dem Dürrast am Stamm ein lustiges Lied.
Hochschulnachrichten.
Aus dem Deutschen Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht Berlin scheidet Dr. Walter Koehn aus, der cis Dozent an die Hochschule für Lehrerbildung in Würzburg berufen ist. Dr. Koehn betreute im Zentralinstitut die allgemeinen Fragen der Volks- und Mittelschule und die der rassischen Erziehung und nahm an der Bearbeitung des Reichs- lesebuches für Volksschulen wesentlichen Anteil. Dr. Koehn, der durch seine Zwillingsuntersuchungen bekannt geworden ist, wird in Würzburg den Lehrauftrag für Biologie, Erb- und Rasselehre verwalten. An seine Stelle tritt Studienrat Heinrich Gaese, der bisher nebenamtlicher Mitarbeiter des Zentralinstituts war.
Geschichten von
Professoren und Studenten.
Zu dem Berliner Professor Christiani tarn einst ein blutjunger Stubent, dem der Genuß der neuen Freiheit keine Zeit zum Besuch der Vorlesungen gelassen hatte, um sich über ein bei dem Professor nicht gehörtes Kolleg den vorschriftsmäßigen Vermerk eintragen zu lassen. Der Professor betrachtete nachsinnend den jungen Mann und bemerkte, daß er ihn niemals in der Vorlesung gesehen habe.
Der Student errötete und erwiderte, indem er auf die oberste Bank des terrassenförmig ansteigenden Hörsaales zeigte: „Ich habe immer dort ganz oben gesessen!" «
Christiani zeichnete lächelnd seinen Namen in das Anmeldebuch und sagte: „Ich muß Ihnen eine Geschichte erzählen, die ich in meinen Studentenjahren erlebte. Damals schrieben die Professoren auch noch Urteile über den Fleiß ihrer Hörer in das Anmelde- buch. Da kam ich einmal zu einer meiner Lehrer der mir „fleißig" einschrieb, an das Wort aber einen langen Strich machte, der über die ganze Seite des Heftes ging und mit einem langen Schwanz eine entfernte Ähnlichkeit hatte. Ich fragte, was das zu bedeuten habe. Da antwortete mein Lehrer: »Fleißig — geschwänzt!*"
*
Im Jahre 1888 erhielt der Rektor der italienische" Universität Pisa folgenden von zweitausend Personen unterzeichneten Brief: „Erbarmen sich Eure Magnificenz in gütiger Einsicht und Gerechtigkeit der armen Bewohner und geplagten Bewohnerinnen der Straße Santa Maria. In dieser sonst so ruhigen Straße hört man jeden Morgen, sobald die Sonne am Horizont erscheint, furchtbare, langgezogenc Trompetenstöße, ähnlich denjenigen, welche die Mauern Jerichos zu Fall brachten. Der dieses barbarische Instrument bläst, ist ein Student, und er weckt mit diesen Schreckenstönen seine Kollegen auf. welche in der Gasse wohnen und gemeinschaftlich eine amerikanische Weckeruhr für den ersteren gekauft haben. Es kommen jetzt nämlich bald d>e furchtbaren Tage der Prüfungen, und die Studenten müssen die verlorene Zeit wieder einholen. Der gott' lose Störenfried bläst nun so lange, bis alle sieb' zehn Aufzuweckenden mit kleinen Handtrompeten ihr Aufstehen gemeldet haben. Steuern Eure Magm- ficenz diesem furchtbaren Unfug, ixr uns unsere Ruhe raubt, und seien Sie unserer ewigen Dank' barfeit versichert." A. N.


