Ausgabe 
5.12.1939
 
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Oer finnisch-russische Konflikt.

Der russische Heeresbericht.

Moskau, 4. Dez. (DNB.) Der Generalstab des Leningrader Militärkreises teilt mit:

Am 3.12 haben die Truppen des Mlitärkreises Leningrad ihren Vormarsch forgesetzt. In Richtung Murmansk haben mir die sich zurückziehen­den finnischen Truppen verfolgt. In der Gegen von Oukhta, Rebola, Porozozero und Petrozavodsk haben sich unsere Truppen einen Weg durch die nichtge­frorenen Sümpfe wegen des schlecht entwickelten Straßennetzes geschlagen und sind 40 Kilometer weit vorgedrungen. Sie befinden sich 4 5 Kilometer hinter der Staatsgrenze.

Auf der karelischen Landenge sind unsere Truppen 30 bis 40 Kilometer weit von der Grenze entfernt vorgeschritten. Sie haben die Station Musta- m a e k i besetzt und nähern sich der Station Ino. Als Ergebnis glücklicher Kämpfe kann die Besetzung der Inseln im Finnischen Meerbusen, Suufaari, Seiskaari, Lavassaari und Tytaersaary, bezeichnet werden. Die schlechte Witterung hat Luft- operattonen verhindert.

Der finnische Heeresbericht.

Luftkämpfe und Küstenbeschietzung in Südfinnland.

Stockholm, 4. Dez. (DNB.) Der gestrige fin­nische Heeresbericht bringt eine zusammenfassende Darstellung der Feindseligkeiten bis Sonntagmittag. In dem Heeresbericht heißt es, daß am 30. Novem­ber vormittags die Russen auf allen Grenz- Übergängen die Feindseligkeiten eröffnet hät­ten. Sie hätten dabei mit schwerer Arttllerievorbe- reitung und motorisierten Truppen gearbeitet. Be­sonders heftig sei bei Suojervi, Lipola und Rautu gekämpft worden. Am 2. Dezember fanden erheb­liche Kämpfe bei Rautu statt sowie russische Durchbruchsversuche bei Bammelsuu. Auch diese Durchbruchsversuche wurden mit motori­sierten Truppen angefetzt. Starke S e e - streitkräfte griffen am ersten Tage Seitsker und Lavansea an. Suursari und das Kü­stenfort Ino wurden schwer beschossen. Die russi­schen Luftangriffe beschränkten sich im wesentlichen auf die größeren Städte Südfinnlands. Die Tättg- keit der finnischen Luftwaffe habe im wesentlichen in Erkundungsf lügen bestanden. Am 3. Dezember hätte infolge schweren Schneefalles nur eine ge­ringe Fronttättgkeit stattgefunden.

Wie weiterhin aus Helsinki gemeldet wird, haben in der Nacht zum Sonntag auf der Kareli­schen Halbinsel, besonders bei Snojärvi, hefttge Kämpfe stattgefunden. Man rechnet damit, daß drei russische Divisionen von Kuu- samo aus vorrücken. Die russische Flotte liegt nach finnischen Meldungen weiterhin vor H a n g ö. Es soll zu gelegentlichem Schußwechsel mit der fin­nischen Küftenbatterie gekommen sein.

Die neue Grenze.

Der Vertrag mit der Regierung Kuusinen.

Moskau, 5. Dez. (DNB.) Die Moskauer Presse bringt den Beistands- und Freundschaftsvertrag zwischen der Sowjetunion und der Regierung Kuusinen , ferner Kartenskizzen, die die neue Grenzziehung zeigen. Diese beginnt am La- doga-See, ungefähr 70 Kilometer südlich der bis­herigen Grenze (südwesllich von Olonez) und ver­läuft dann immer in einem Abstand von jeweils 25 bis 70 Kilometer westlich der Eisen­bahnlinie Leningrad Murman s t bis zur Höhe von Kandalakscha an der nordwest­lichen Spitze des Weißen Meeres, wo sie wieder mit der alten Grenze zusammentrifft. Der demnach an Finnland fallende westliche Teil Sowjetkareliens umfaßt 70 000 Quadrat­kilometer und enthält folgende wichtigere Orte: Olo­nez, Petrosadowsk, Karososero, Reboly und Kima- sosero. Demgegenüber ist das finnische Territorium, das auf der karelischen Landenge der Sowjetunion übergeben wurde, kleiner (3900 Kilo­meter). Die neue Grenze verläuft hier von Björkö (das an die Sowjetunion fällt) in ziem­lich grader Linie ostwärts bis zum Ladoga- See, den sie ungefähr 20 Kilometer nörd­lich der alten Grenze erreicht. Die Stadt Wyborgbleibtbei Finnland. Die übrigen Gebietsabtretungen wie die Fischer-Halb­

insel an der Küste des Nordatlanttk und die sechs kleinen Inseln des Finnischen Meerbusens haben nur einen geringfügigen Flächeninhalt.

Englische Minen in Finnland.

Moskau, 4. Dez. (DNB.) Der Frontbericht­erstatter der swestij a" beschreibt die finni­schen Minenfelder, denen die einmarschieren­den Sowjettruppen begegnen. Die Minenfallen seien zum Teil ganz raffiniert angelegt; es ge­nüge, ein irgendwo angelehntes Fahrrad zu be­rühren, ein fallengelassenes Koppel auszuheben, eine Haustür zu öffnen, und schon fliege alles in die Luft. Zum Teil seien die Minen auch einfach im nassen Schnee versteckt worden. Die Minen seien übrigens zum größten Teil eng­lischen Ursprungs.

Viel beachtet werden in Moskau die ersten Be­richte über den Einsatz der sowjetischen O st s -e e f l o t t e gegen Finnland. Die Flotte habe, so liest man in derPrawda", gleichzeitig mit dem Heer den Befehl erhalten, in finnisches Hoheitsge­biet vorzustoßen und die Sicherheit der Sowjetunion und Leningrads von der Seite des Finnischen Meerbusens her zu garantte- ren. Die erste Aufgabe der Sowjetflotte habe der Beschießung von finnischen Küstenforts nördlich von Leningrad gegolten.

Oie finnische Gesandtschaft noch in Moskau.

Moskau, 5. Dezember. (DNB.) Ueber die be­vorstehende Abreise der Mitglieder der finnischen Gesandtschaft in Moskau ist noch nichts endgültiges bekannt. Die finnischen Diplomaten und der Mit­arbeiterstab der Gesandtschaft haben bis jetzt ihre Pässe vom Außenkommissariat noch nicht zurücker- halten. Man nimmt an, daß der Ausreise der Fin­nen nun nichts mehr im Wege steht, nachdem Mon­tagfrüh 69 Mitglieder der sowjetischen G e- sandtschaft in Finnland und der sowjetischen Handelsvertretung auf dem deutschen Dampfer Dona u" die finnische Hauptstadt in Richtung Reval verlassen haben. An Bord waren ferner 4 4 3 Deutsche, 72 Italiener, 32 Esten, 2 Arme­nier, 1 Litauer, 1 Schweizer und 35 Inhaber des Nansen-Passes.

Kleine politische Nachrichten.

Auf Einladung der italienischen Regierung ist der Reichsorganisationsleiter der NSDAP. Dr. Ley im Flugzeug i n R o m eingetroffen. Zu seiner Be­grüßung hatten sich der Staatssekretär im Korpo­rationsministerium C i a n e t t i und der Präsident des faschistischen Jndustriearbeiterverbandes C a - p o s e r r i eingefunden.

Die Benzinversorgung Dänemarks, die durch den Untergang zweier Tankdampfer vor der englischen Küste mit für Dänemark bestimmten Benzinladungen einen beträchtlichen Verlust erlitten hatte, ist nun endlich wieder ergänzt worden, da ein dritter Tankdampfer mit einer Ladung von 13 Millionen Liter Brennöl in einem dänischen Hafen angekommen ist.

Infolge des Untergangs des japanischen Dampfers Terukuni Maru" hat die japanische Schiffahrts­gesellschaft Nyk beschlossen, auf den europäischen Linien die großen modernen Ozeandampfer nicht mehr zu verwenden. Stattdessen sollen 6000-Tonnen- Dampser eingesetzt werden. Die Ausreise des Damp­fersKafchima Maru" ist bereits abgesagt.

Der Oberbefehlshaber des kubanischen Heeres, Oberst Batista, ist von seinem Posten zurück- getteten. Er wird sich als Kandidat für die Präsi­dentenwahl aufftellen lassen. Sein Nachfolger als Oberbefehlshaber des Heeres wurde der bisherige Polizeichef D raza.

Aus aller Wett.

Schweres Eisenbahnunglück in Rumänien.

In der Nähe von Ploesti stteß ein aus fünfund- sechzig Waggons Benzin bestehender Zug der Petroleum-Raffinerie Steaua Romana auf einer Gleiskreuzung mit einem Güterzug zu­sammen. Die Folgen waren furchtbar. Zehn Zisternenwagen wurden zertrümmert. Das aus­

beladenen Wipfel, blaue Schatten, es wird eine herrliche Fahrt werden und eine frohe Jagd dazu! Er löst die Schier aus den Spannern. Vielleicht ge­lingt es, Hedelia noch vor dem Fjord zu erreichen.

Selbstgespräche zu murmeln wurde Axel im ein­samen Waldhaus zur Gewohnheit. Jetzt hält er eine Ansprache an Hedelia. Geheiratet wird sie nun, ja­wohl! Zum letzten Male ist sie ausgerissen! Warum hal er auch nicht längst klar geredet! Aber jetzt: Hedelia, wird er sagen ... Hier knackt laut der große, buntbemalte Schrank neben dem Fenster. Axel hält inne:Na, alter Geselle, die kalte Luft macht dir zu schaffen, wie? Oder willst auch du sagen, daß es endlich Zeit wäre, entschieden zu handeln?"

Während Axel die Strümpfe anzieht, fällt sein Blick auf das Bild draußen im Atelier. Warum begreift Hedelia nicht, daß er gerade in der eisigen Starre nordischen Winters diese blonde Amazone malen mußte, die auf rotem Pferd unter einem glühenden Sommerhimmel in smaragdgrüne Wogen reitet? War sein Trotz, nichts erklären zu wollen, falsch? Hedelia verstimmte ihn mit ihrem Argwohn wegen des Modells. Er fordert Vertrauen. Hätte er es sagen sollen daß Fischer Olsens schöne Märtjä gar nicht bei ihm heroben war, daß er nut' ihren Kopf unten in der Hütte skizzierte und ihn dann auf sein Bild übertrug? Muß er das alles erklären? Wieder knackt laut der alte Schrank. Axel weiß nicht, soll das Wohlwollen oder Protest bedeuten.

So, jetzt schnell die Schuhe. Während er sich wen- dent, ist ihm, als hätte er von ferne feinen Namen rufen hören. War das nicht Hedelias Sttmme? Er erschrickt. Sollte ihr Schlimmes zugestoßen sein? Er stürzt ans Fenster, lauscht. Weite Ruhe über'm Wald. Täuschung? Nerven? Nachdenklich holt er seine Schuhe. Da wieder der Ruf! In Strümpfen läuft Axel hinaus in den Schnee, ratlos ein Stück die Straße hinab, ruft keine Antwort! Er schilt sich verrückt, eilt wieder hinauf ins Zimmer, ent­schlossen, nun energisch aufzubrechen. Als er den Schrank öffnet springt lachend Hedelia heraus, fällt dem Verblüfften um den Hals und sagt, er brauche ihr nichts mehr zu erklären, sie habe genug gehört.

Aber du mußt jetzt erklären!" sagt Axel gespielt streng und trägt sie hin aus das bäuerliche Leder-

Hedelia flieht.

Von Joseph Baur.

Tief siegt der Schnee in den Wäldern hinter dem Iärvidda-Fjord.

Dort in der reinen Sülle, fern dem trüben Win­ter der Stadt, bewohnt Henrik Axel wieder sein ein­sames Waldhaus.

Heute geht er ohne Schneeschuhe in städtischer Kleidung quer durch den Wald. Mit finsterem Gesicht stapft er dahin, er sieht nichts von der Pracht des sonnigen Morgens ringsumher.

Vorhin, auf der Waldstraße, hat er im frischen Schnee Hedelias Schispur entdeckt. Er kennt genau ihre Art zu fahren; die schmale, sauber parallele Führung, den charakteristischen Rhythmus der Stockeinsätze, links betonter als rechts und er fand so seine Vermutung bestätigt, daß Hedelia in kühner Fahrt über den zugefrorenen Fjord den Flughafen von Därnövatn erreichen will. Gelingt es ihx, so bleibt sie ihm für diesen Winter verloren, das weiß er. Er muß so rasch wie möglich zu seinen Schlern kommen und ihr nacheilen.

Jetzt kürzt er den weiten Bogen der Straße ab. Schon ist sein Haus in Sicht freundliche, holzge­baute Burg im Walde. Eiszapfen glitzern am Dach­rand. Jetzt hat Axel es erreicht. Aber er geht nicht hinein, er läuft daran vorbei, den Hang hinab auf die Straße. Gebückt geht er dort weiter, untersucht genau: kein Zweifel, ihre Spur! In schnurgerader Linie zog sie weiter, kein Zögern läßt sich vermuten, kein Augenblick des Verweilens vor dem Haus, daran sie doch Erinnerung binden muh. Axels heimliche Hoffnung, Hedelia hier wartend zu finden, ist zunichte. Und doch, fein Gesicht hat sich aufgehellt. Er läuft den Hang wieder hinauf, hinein ins Haus. Hut, Joppe, Pullover fliegen übers Treppengelän­der hinab auf die Tenne. Der Kater, der unten ge­schlafen hat, dehnt sich und sträubt erschrocken das Fell, als sogar Axels Schuhe die Treppe herab­kollern.

Im Zimmer reißt Axel das Fenster auf; ihm ist warm geworden. Er hat wieder Blick für den Glanz des Winterrwrgens draußen. Der Sonnenhimmel unendlich »M gewölbt, [Uberne Filigrane der schnee-

fsießende Denzln fing sofort Feuer. Zwei Mann des Begleitpersonals verbrannten. Die Flam­men zerstörten auch die Telephon-und Telegraphen- drähte längs der Strecke, so daß die Verbindung mit Bukarest unterbrochen wurde. Auf einer Strecke von 150 Meter wurden die Gleisanlagen unbrauch­bar gemacht. Der Zugverkehr von Bukarest nach Sie­benbürgen war für mehrere Stunden lahmgelegt. Der Schaden wird auf zehn Millionen Lei geschätzt. Das Unglück wird darauf zurückgeführt, daß ein Eisen­bahnbeamter irrtümlich die Strecke freigegeben hatte.

Schweizerische Erstausführung des FilmsRobert koch".

Der FilmRobert Koch", zu dessen schweizerischer Erstaufführung Emil Jannings in Bern weilte, fand großen Anklang. Zu der Vorstellung hatten sich zahlreiche Vertreter des Kulturlebens der Bun­deshauptstadt eingefunden. Dem Hauptdarsteller be­reitete das Publikum eine lebhafte Ovation. Der Bund" schreibt:Abgesehen von seinem hohen moralischen Wert ist dieser Film auch eines der größten darstellerischen Kunstwerke des bisherigen Filmschaffens. Mit ungeheurer Kraft der Einfüh­lung hat sich Emil Jannings in die Rolle des gro­ßen Menschen und Arztes hineingedacht, gespielt, gelebt gelitten möchte man fast sagen. Eine solche Einheit und Harmonie von Gestalt, Bewegung und Ausdruck und Sttmme gelingt nur einem begnade­ten Künstler von echter Reife vor."

Italienisches Postauto stürzt in einen Fluß.

In einer engen Straßenkurve bei Ivrea ist ein vollbesetztes Postauto aus noch ungeklärten Gründen ins Schleudern gekommen und in einen

Fluß gestürzt, In dem es zum Glück aufrecht steheck blieb. Zwei Fahrgäste des Autobusses wurden von den Fluten erfaßt und sind ertrunken. Zwanzig Personen wurden verletzt.

Riesenfeuer in Hongkong.

In Hongkong sind bei einem Riesenbrand i tn Chinesenviertel 41 Personen ums Leben ge­kommen. Diele von ihnen sprangen aus den Fen­stern zweier brennender großer Mietshäuser, die ganz von Rauch und Flammen eingehültt waren.

Eine Ausstellung von Soldatenzeitungen.

Um weiten Kreisen den Gedanken ihrer Kriegs­sammlungen näherzubringen, hat die Deutsche Bücherei in Leipzig eine Ausstellung zusam- mengefteüt. Sie umfaßt neben den spezifischen Kriegsschriften eine große Zahl von Plakaten, Maueranschlägen und Proklamationen. Den Haupt- teil der Ausstellung bildet die große Gruppe der Feld-, Soldaten- und Armeezeitungen, Heimat- grüße, Fliegerabwürfe usw. Die Zusammenstellung der Few- und Soldatenzeitungen zeigt ihre Ent­wicklung von der einfachen'hektographierten Gra­benzeitung bis zu der im Auftrag der obersten Stel­len herausgegebenen Kriegszeitung für die besetz­ten Gebiete. Die Erzeugnisse unserer Zeit, die gleichfalls ausgestellt werden, sind von dem Tempo der Abwicklung der politischen Ereignisse bestimmt. So ist es verständlich, daß u. a. die ZeitungDie Befreiung Ostböhmens" nur in einer einzigen Rum- mer mit 30 000 Exemplaren herauskam. Während im Weltkriege die ersten Zeitungen in den Forma­ttonen entstanden, erfolgte diesmal von vornherein 'ine Versorgung der Truppe mit Lesestoff durch die obersten Kommandostellen.

Aus der Stadt Gießen.

Drei Wochen vor Weihnachten.

Das war vorgestern also vor Weihnachten der letzte Sonntag Mit geschlossenen Läden! Am 10. De­zember schon, amkupfernen" (Sonntag, werden die Derkaussgeschäfte geöffnet sein, ebenso wie am silbernen" (17.) undgoldenen", der diesmal Mit dem Weihnachtsabend zusammen fällt.

Den sttllen Sonntag vorgestern wird manche Frau, manche Mutter unb Tochter zu weihnacht­licher Arbeit für den Gatten, den Sohn oder den Vater im Felde, in der Ferne und in der Heimat, benutzt haben. Nicht alles kann ja zu dieser Kriegs­weihnacht neu an beschafft und gekauft werden, und über dies zeiat ein persönlich gefertigtes Geschenk noch unsere besondere Liebe und Aufmerksamkeit dem Beschenkten gegenüber.

So basteln, nadeln und werken unsere Frauen und Mädchen nimmermüde, um sich dann doppelt über jedes gelungene Stück von eigener Hand zu freuen. Vielleicht hat es Kleidermarken gespart und dem Vaterland wertvolle Rohstoffe erhalten helfen, besttmmt aber spürt jeder, der aus diese Weise schenkt, dies auch in erfreulicher Weise an seinem Geldbeutel.

Unsere Frauen haben setzt überhaupt doppelt so viel zu tun als sonst im Jahr. Wie viele sind wohl an diesem Wochenende auch in der Küche gestan­den urtb haben geknetet und gewalzt, ausgestochen und Weihnachtsgebäck gebacken, über bas sich die Kinder im Hause und die Angehörigen draußen besonders freuen. Wie glänzten die Kinberaugen beim erstenVersuch"! Plötzlich hatten wir bas Gefühl, daß es doch schon schrweihnachtet".

Vornotizen.

Tageskatenber für Dienstag.

NSDAP., Ortsgruppe Gießen-Norb tn Verbin­dung mit der NS.-GemeinschaftKraft durch Freude", Kameradschaftsabend: Russisches Theater Der bunte Vogel". Stadttheater: 20 bis 23 Uhr Gasparone". Gloria - Palast (Seltersweg): D III 88". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): Alarm auf Station III". Oberhessischer Kunst­verein: 15 bis 16 Uhr Ausstellung im Turmhaus am Brand.

Stadttheater Gießen.

Am heutigen Dienstag kommt die Operette Gasparone" von Franz Millöcker zur Aufführung. Musikalische Leitung: Heinz Markwardt, Spiel­leitung: Harry Grüneke. Bühnenbild: Karl Löffler. 10. Vorstellung der Dienstag-Miete.

Werdezeit der deutschen Fliegerei.

Fliegerdichter Dr. Peter S u p f wird auf Einla­dung des Goethe-Bundes, Kaufmännischen Vereins

und der angeschlossenen Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde in Arbeitsgemeinschaft mit der Volks- bildungsstätte Gießen der NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" in Gießen, gewissermaßen alsUr­aufführung", seinen neuen LichtbildervortragWerde­zeit der deutschen Fliegerei" am morgigen Mittwoch, 6. Dezember, halten. Dieser Lichtbildervortrag war bereits im vorigen Winter vorgesehen und mußte wegen der umfangreichen Vorbereitungen zu der vor­jährigen Goethe-Festwoche wieder abgesetzt werden. Inzwischen hat durch den Kriegsausbruch dieser Vortrag noch an Bedeutung gewonnen.

Rundfunkprogramm

Mittwoch, 6. Dezember:

6 Uhr: Landvolk, merk' auf! 6.10: Morgengym­nastik. 6.30: Frühkonzert. 7 bis 7.15: Nachrichten. 8: Gymnastik. 8.20 his 9.30: Gefälligkeitssendung. Musik am Vormittag. Es spielt das kleine Orchester des Reichssenders Frankfurt. 9.10: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 9.30: Frohe Weisen. 11: Blas­musik. Das Musikkorps Ers.-Batt. ^-Standarte Germania". 12: Stadt und Land Hand in Hand. 12.10: Mittagskonzert. 12.30 bis 12.40: Nach­richten. 14: Nachrichten. 14.15: Zauber der Melodie. 16: Leipziger KaleDoskop. Ein buntes musikalisches Farbenspiel. 17 bis 17.10: Nachrichten. 17.10 bis 17.15: Bücher für unsere Soldaten 18: Was bringen die Theater in unserem Sende gebiet? 18.25: Bilder und Klänge aus Moselfranken. Berg und Tal in Moselfranken. Hörfolge von Karl Seekatz. 19: Nach des Tages Arbeit. Dazwischen: Berichte. 20: Nach­richten. 20.15: Ueibertragung vom Deutschlandsender: Dazwischen 22 bis 22.15: DD.-Nachrichten. 24 bis 25.15: DD.-Nachrichten.

,0er bunte Vogel/-

Die NS.-Gemeinschaft ,Kraft durch Freude" be­reitete gestern abend wieder einmal einige unterhalt­same Stunden. Das russische romantische Theater Der bunte Vogel" gab ein Gastspiel im Saal des Cafö Leib. In reicher Abwechslung und in vielen Bildern wurde man nahe he ran geführt an einige Wesenszüge russischen Volkstums, an Kraft und Freudigkeit, aber auch an die Melancholie, die dem Russen in merkwürdiger Mischung zu eigen zu sein scheint. Wilde Tänze und melodische, innige Volks­lieder wechselten miteinander ab. Einer pantomimi­schen Darstellung allrussischer Por^llanuhren folgte ein rassiger Feuertanz, eine Derrhäumte Erinne­rungsszene brachte das Lied vonSchöneberg im Monat Mai" auf russisch, vier Kavaliere, elfem beingefchnitzt, sangen eine Serenade, und unter dem

sofa. Sie erzählt:Ich sah dich vom Fenster aus kommen, sah, wie du meiner Spur nachgingst, hatte schon Angst, du gehst noch das kurze Stück weiter, das nötig gewesen wäre, um zu sehen, daß ich mit plötzlichem Impuls umgekehrt und in dein Haus ge­schlichen war, Leichtsinniger! Nicht einmal über die Veranda hineinklettern mußte ich, ich konnte be­quem durch die nicht versperrte hintere Tür. Der Kater schlief. Dann wartete ich also bis du kamst und schlüpfte in den Schrank." Sie lächelt:Läuft da einer in Strümpfen hinaus in den Schnee, wenn man hier im Schrank nach ihm ruft! Und fun mach' Feuer ..."Nein!" sagt Axel, drückt Hedelia sanft zurück und reicht ihr eine Decke. Dann geht er ans Klavier, sein Gesicht ist ernst.

Er beginnt mit einem Akkord. Dann kommt eine Passage voll Trauer, müden Herzschlags. Don ferne mischen sich lichtere Töne hinein, wirbeln empor, strömen dahin in heftigem Rhythmus, rascher und rascher hämmert der Herzschlag des Basses zu son­nigen Melodien. Plötzlich Abbruch mit grellem Ak­kord. Aus großem Schweigen wächst lefte Klagen­des, ein wilder Wirbel antwortet, verstummt schroff. Wieder kommt die klagende zarte Melodie, wird aber hinweggeweht von mächtig aufbrausendem Sturm kühnen Ausbruchs, ab klingend und hinüb er­leitend zu einem schwebenden Lied: Solveigs Lied.

Nachdem es verklungen, steht Axel auf und sagt leise:Gewiß, du wirst mein!" Und dann gebiete­risch, während er die Mütze aufsetzt:So! Nun drauf auf die Schier, hinaus in den Schnee und hinüber über den Fjord zum Flughafen und noch in einen anderen Hafen, endlich! Dann erst wird dieser Kamin wieder geheizt, und ich werde in Ruhe arbeiten."

Hedelia schiebt ein wenig den Mund vor wie ein gescholtenes Schulmädchen, holt ihre Schuhe unterm Sofa hervor und läßt sie sich anziehenUnd Pitt?" fragt sie mit einer Kopfbewegung hin zu dem Ka­ter, der fichs in der Sofaecke bequem gemacht hat. Den geben wir einstweilen bei Fischer Olsen in Pflege!"

Drollig gesenkten Hauptes geht Hedelia vor Axel die Treppe hinab zu ihren Schiern.

Und dann sind es zwei Spuren, die einträchtig die Waldstraße hinabführen zum Fjord.

,2Uarm auf Station III."

Philipp Lothar Mayring, der für diesen Terra-Film das Drehbuch geschrieben hat und ihn auch inszeniert hat, kommt uns diesmal mit einer hochdramatischen Schmugglergeschichte fast in ame­rikanischem Stil, aber doch mit durchaus ernstzu­nehmendem und wirklichkeitsnahem Hintergrund, mag auch die Identität des Königs der Sprit­schmuggler mit dem Präsidenten der Abstinenzler, was den Haupteffekt des Films ausmacht, auf den ersten Blick hin vielleicht auch phantastisch erschei­nen. Trotzdem hat dieser Zusammenhang die Logik für sich, denn nur in einem trocken gelegten Land«, wie einstmals die Union oder einige nordische Staaten, kann ja der Alkoholschmuggel splche selt­same Blüten treiben, wie sie der Film uns in packender Handlung vorführt. Dabei hat man an erprobten Ingredienzien nicht gespart, , um aus dem an sich schon dankbaren Stoff eine Serie von Spannungen zu machen, die dem Betrachter fast den Atem verschlagen könnte. Aber neben den sich jagenden Sensattonen klingen auch ernste und tra­gische Töne an. Und das hebt den Film, abgesehen von dem nicht zu übersehenden Hinweis auf Öen zwar von etwas zweifelhafter Romantik umwitter­ten aber doch stets höchste Pflichttreue und letzten Einsatz fordernden Beruf des Zollbeamten, aus Dem Durchschnitt der üblichen Kriminal- und Gangster­filme heraus, zumal da auch eine Reihe tüchtiges Schauspieler angesetzt worden sind. Gustav Früh- l i ch spielt frisch und männlich einen solchen Zoll­beamten, der, um sein Ziel zu erreichen, es auf sich nimmt, verkannt und verfehmt zu werden. Sein ge­heimnisvoller Widerpart in Walter Franck, der aus feiner raffiniert angelegten Doppelrolle eine interessante Charakterstudie gemacht hat. Eine seh/ saubere und nüancenreiche Leistung bot auch Än­dert Wäscher als Kriminalist in der Maske des harmlosen Sportfischers. Kirsten Heiberg und Jutta F r e y b e hatten die beiden weiblichen Haupt­rollen, denkbar gegensätzlich angelegt und doch beide von unleugbarem Charme und fraulicher Anmut. Speelmans als zuverlässiger Kamerad, Rein- bold Bernt als tückischer Schmuggler, Albert F l o r a t h, Paul Bildt, Hans Nielsen und Berta D r e w s feien aus dem großen Ensemble weiter noch genannt Fk W, Lang*