Ausgabe 
5.8.1939
 
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Geschichten aus aller Welt

es mir b-as nächstemal.

lmgt

Wenn Augen versagen Magnus-Brillen tragen!

Augen, und indessen reift ein verruchter Gedanke in seinem Kopf, einer von jenen Gedanken, die ganze Völker vertilgen können, wenn sie zum Beispiel ein Timur denkt. . .

Timur-Peter greift plötzlich und blitzschnell in den Napf des Bruders und schöpft heraus, was in einer Hand Platz hat und sonst noch hängen bleibt, jeden­falls viel mehr, als mit einem Kinderloffel zu holen wäre. Einen Augenblick ist Paul in Entsetzen er­starrt, dann reiht er den Mund auf und hopst vor Zorn und brüllt und kann nicht mehr Luft schöpfen, geschweige denn schlucken, keinesfalls, bis Peter auch den Rest des Koches verschlungen hat.

Eine Kainstat, jawohl, es folgt auch gleich das Strafgericht, Kopfstücke von Barbara und furcht­bare Drohungen von wochenlangem Fasten bei Wasser und Brot. Aber das ist weiter nicht schlimm, so viel hat Peter schon herausgebracht, dah einem, was man im Magen hat, niemand mehr nehmen kann.

Oer Tag beginnt.

Don Karl Heinrich Waggerl.

Die Hähne in den Gärten, der Mesner im Glocken­turm und die Fuhrleute, wenn sie an der Tränke lärmen und fluchen, ach, alles was früh auffteht, ist ein Abscheu für Barbara, das Kind. Ein einziges Mal möchte sie in den Tag hinein schlafen dürfen, am liebsten-zöge sie sich abends gar nicht aus, damit sie am Morgen ein wenig länger unter der Decke bleiben könnte.

Jetzt schlägt die Kirchenuhr. Wieviel denn? Ach Gott, wenn es doch erst fünf wäre, eine ganze Stunde zu früh? Aber nein, noch einmal holt der Klöppel aus, unbarmherzig, es ist sechs.

Barbara läßt fürs erste ein Bein aus dem Bett hängen, dabei beobachtet sie eine dicke Brummfliege am Fenster; gut, diese Fliege soll entscheiden. So­lange sie sitzen bleibt, darf Barbara noch warten, und erst wenn sie zu surren anfängt, dann will sie in Gottes Namen mit einem Satz auf den Füßen sein. Aber die Fliege tut keins von beiden, sie will sich da nicht hineinmischen und kriecht verdrießlich davon.

Ja, schwer ist das, man könnte noch einmal ordent­lich gähnen und sich die Nase putzen, auch die Strümpfe lassen sich zur Not im Liegen anziehen, aber dann hilft nichts mehr, dann muß Barbara

aus den Federn.

Es regt sich ja auch schon allerlei in der Stube, natürlich, die beiden Brüder sind bereits auf der Lauer. Verschlafen klettern sie aus der Tiefe ihres Gelasies, legen die struppigen Köpfe nebenein­ander auf den Truhenrand und beobachten schwei­gend und rollenden Auges, was Barbara vorhat, wie sie Feuer macht und die Töpfe zusetzt. Gibt es heute Mus zum Frühstück oder Brennsuppe oder gar süßen Koch?

Milchkoch bedeutet Krieg in der Truhe. Anfangs verläuft alles ganz friedlich, jeder bekommt seinen vollen Napf auf den Schoß gesetzt und einen Löffel dazu, und beiden wird eindringlich versichert, daß. es nie wieder Koch geben werde, wenn sie sich dies­mal nicht wie die reinen Lämmer bewähren.

Ja, Lämmer! Kein Lamm ist jemals so vom Bösen versucht worden wie Peter, der seinen Topf im Augenblick geleert und sauber geleckt bat und nun sehen muß, was für eine Unmenge Koch der Bruder noch übrig hat. Paul nämlich ist von einer mehr bedächtigen Natur, er schlingt nicht, er kaut das Koch genießerisch, und darum siebt es aus, als habe er dreimal soviel zu verzebren. Peter sitzt vor ihm und folgt dem Löffel auf und ab mit den

Peter muß ja von Freibeuterei leben, denn was ihm sonst zufällt, reicht bei weitem nicht aus, den ewig mahnenden Wurm in seinem Bauch zu be­ruhigen. Immer ist auch Barbara nicht zur Hand, und darum gelingt ihm doch zuweilen ein heimliches Räuberstück, das ihm einen Rest Butterbrot ein­bringt ober einen halben Apfel, den der Bruder fallen läßt, wenn man ihm zur rechten Zeit ein Bein stellt. Mutter wundert sich, weil der kleine Paul gar nicht recht gedeihen will und immer so blaß und mager bleibt, während der andere ordent­lich Speck ansetzt, so knapp man ihn hält. Aber wenn Gott will, wird man wohl auch von Maulschellen fett.

Finnland -Land der tausend Seen".

Don £)r. Robert pfaff-Giesberg, Direktor des Museums für Völkerkunde in Mannheim.

Ringelnatter.

Don Paul Eipper.

Bleib ruhig neben mir; wir sind mitten in einem Ringelnatter-Paradies; gleich wirst du irgendwo den grauen Wurm" entdecken können, sobald erst die Sonne ein wenig höher steht. Ringelnattern schätzen Wärme über alles; im Frühjahr kommen sie aus ihren Erdlöchern, unter den Steinen hervor, harmlose, ja nützliche Tiere, und schön dazu. Selbst wenn dich eine Ringelnatter beißen würde, wäre das ganz ungefährlich; aber wenn du ihr nichts tust, greift sie dich bestimmt nicht an.

Ich habe gestern im Waldmoor eine dicke, fast anderthalb Meter lange Ringelnatter beobachtet, die recht behäbig aus dem morschen Weidenstrunk kletterte, sich ziemlich nah an meinem Schuh vor-

Freiheitskampf gegen Rußland vorzubereiten Im Dezember 1917 erklärte Finnland seine Unab- hängigkeit. Durch die bereits bolschewistisch ver- euchten Arbeiter 'der Städte folgte jedoch em Ab­leiten der finnischen Politik in radikale Bahnen Ler Januar 1918 brachte den roten Aufstand der chließlich von den rasch gebildeten.'.weißen Schutz­korps des Generals Manerheim mit deutscher Waf­fenhilfe unter General von der Goltz medergerun- aen wurde. Das Dankgefühl der Finnen für Deutsch­land war groß und herzlich. Damals dachte der finnische Reichstag auch daran, das Land unter einem deutschen Prinzen zu einem Königreich aus- zuaestalten. Der Plan ließ sich nicht mehr durch- ühren Aber die kulturellen Beziehungen Fmn- ands zu Deutschland blieben trotz der Anlehnung des jungen Staates an die skandinavischen Volker und trotz Deutschlands schweren Jahren immer sehr

Das überaus tüchtige, zuverlässige und zähe fin­nische Volk ist trotz der durch die riesigen Wasser­kräfte und den ungeheuren Holzreichtum begünstig­ten nicht unbedeutenden Industrie, in der immer* hin 14,8 v. H. der Bevölkerung beschäftigt sind, auch heute noch vornehmlich auf die Urproduktion emge- tellt. Land- und Waldwirtschaft, dazu die reich loh­nende Binnenfischerei sind nach wie vor die eigent­liche Lebensgrundlage der Finnen. In der Land­wirtschaft selbst nimmt wiederum die Vieh- mid Milchwirtschaft eine hervorragende Stelle ein. Bei einer Anbaufläche von nur etwa 6 v. H. des Landes reicht der Ackerbau selbst, der vornehmlich Hafer, Roggen, Gerste und Kartoffeln umfaßt, zur Volks- ernahrung nicht aus. Finnland muß daher viel Wei­zen und besonders Roggen einführen, wogegen es freilich gewaltige Holzmengen und Diehprodukte austauschen kann. Hierbei findet wiederum die noch

Wie ein Riegel schiebt sich zwischen die Wildnis ' des nördlichen Rußland und Skandinavien das als . selbständiges Staatsgebilde geschichtlich sehr junge Land der tausend Seen" ein, die Republik Suomi oder Finnland. Vom Eismeer zieht fein Hoheitsgebiet < herunter zum Bottnischen Meerbusen und bildet zwischen der Finnischen Bucht im Süden und dem Ladoga-See und seinen Zuflüssen im Osten eme Halbinsel von rund 383 000 Quadratkilometer Flache. Der ganze weite, fast die Gröhe Polens umfassende Landkomplex ist ein von den Ostseekusten gegen Norden und Nordosten ansteigendes, aus Gletscher­moränen und durch die einstige Vergletscherung < glatt gehobelten Felsenrücken bestehendes Hugelge- biet, dem Bergspitzen von Bedeutung fehlen und das nur wenig die 300-Metergrenze übersteigt Nur an einer Stelle findet sich ein Mel von etwas . über 1300 Meter Höhe. Die finnischen Küsten fmb eingesäumt von zahllosen kleinen Felseninseln, gan­zen Schwärmen vonSchären", tue den Anblick des Landes von der See her, ähnlich rote es auch an den schwedischen und norwegischen Gestaden der Fall ist, ungemein reizvoll gestalten. 3m Innern aber wimmelt die Landschaft, besonders im süd­lichen Teil, von Binnenseen man 309J>eun über 35 000! und von Flußlau.en. Die letzteren strömen zumeist in wild schäumenden Fallen und Katarakten dahin und bilden gute Wasserstraßen für die Holztrift und vor allem unerschöpfliche Kraft- quellen für Finnlands zukünftige industrielle Ent­wicklung. Fast 12 v. H. des gesamten finnischen Lan­des sind von solchen Binnengewässern bedeckt. Wei terhin finden sich viele Moore und im Norden Tundren. Rund 65 v. H. sind »r, und zwar meist Nadelholzwälder voll herrlichster ^Baumbe­stände. Die urwüchsige Naturschonheit Finnlands ist demgemäß außerordentlich und der Eindruck der finnischen Landschaft jedem Besucher unvergeßlich. Durch den Einfluß der Ostsee ist das Klima im süd­lichen Teil noch recht gemäßigt, nur das Innere und natürlich der Norden zeigen herbe kontinentale Er- ^Die Bevölkerungszahl Finnlands beträgt etwa 3 8 Millionen. Das bedeutet, was gerade uns an überaus hohe Bevölkerungsmassen gewohnten Deut­schen bemerkenswert erscheinen muß, eine Wohn­dichte von nur etwa 10 Menschen auf einen Quadrat­kilometer gegenüber 134 bei uns ober 139 m Italien. 16,1 v. H. Finnen wohnen dabei m den Städten, von denen Helsinki, die Hauptstadt, 280 000 und Abo oder Turku, der nächstgroßte Ort, 60 000 aufweist. Das finnische Volk setzt sich aus zwei heute sehr weitgehend miteinander vermengten und nur noch durch die Sprache unterschiedenen Elementen zusammen, dem finnisch sprechenden und dem schwe­disch sprechenden. In den oberen Schichten sprM man durchweg beide Sprachen. Der rein finnisch redende Teil macht etwa 89 v. H. der Gesmntbevol- kerung aus; an sonstigen Bewohnern zählt Finnland nur die geringe Zahl von 0,3 v. H. Lappen und Russen. Rassisch gehören die Finnen der alten be­gabten uralaltaischen oder finnljch-uarlschen Volker- familie an, zu der außer politisch bedeutungslosen und mehr ober weniger primitiven Dolkssputtern wie ben Lappen, Kareliern, Ostjaken, Sioen und anderen auch die Esthen und Magyaren zahlen. Mit den letzteren zujammen sind die Finnen die einzigen Angehörigen dieser Dölkergruppe, die ein eigenes umfassendes kulturelles und staatliches Leben her­vorzubringen und, trotz jahrhundertelanger fremder Bedrückung, ein starkes Volkstum zu erhalten ver- nzochten. Durch die engen Beziehungen zu Schwe­den sind übrigens die Finnen vielfach durch stordrsch- qermanisches Blut beeinflußt worden. Politisch seck- ständig war Finnland bis zum Jahre 1917 nie. Es stand zunächst unter schwedischer und spater unter russischer Herrschaft. Die Schwedenzeit brachte den finnischen Bauern freilich als unschätzbares Geschenk die freie nordische Gesellschafts- und Rechtsordnung, die sie sich noch unter dem Zarenjoch zu wahren wußten. Weiter die geistige Verbundenheit mit der abendländischen Kultur, die sie weit über die russi­schen Herren emporhob. Schon während des Welt­krieges zogen viele junge Finnen nach Deutschland, um sich hier militärisch auszubilden und aus den

Mit dem Tank durch den Urwald.

Ndz. Basel.

Eine schweizerische Urwaldexpedition hat sich in einer Maschinenfabrik am Zürichsee einenUrwald­tank" bauen lassen, mit dem unter Führung von Arnold Bachmann unbekannte Gebiete Süd­amerikas, u. a. der Matto Grosso im Herzen Bra­siliens erforscht werden sollen. Der Tank wird von einem Benzinmotor angetrieben, der im Urwald auf Holzgas umgestellt werden kann. Von zehn Mitglie­dern der Besatzung können sieben im Tank schlafen. Zum Schutz vor der Hitze sind die Wände mit'Kork gepolstert, ferner besitzt der Tank einen Filmturm und einen Jagdstand. Auf offener Straße leistet der Urwaldtank 40 km in der Stunde. In nicht bewalde­tem Gelände rechnet man mit 15 km und in dergrü­nen Hölle des Matto Grosse" mit 500 bis 1000 m pro Stunde. Die Expedition will auch Nachfor­schungen anstellen nach dem seit 1925 im brasiliani­schen Dschungel verschollenen englischen Forscher Co- rell F a w c e 11. Man hofft, dabei die Sage von dem weißen Gott im brasilianischen Urwald lösen zu können.

Das ganze Land sucht ein Kind.

Ndz. Kopenhagen.

Ganz Dänemark sucht seit einigen Tagen mit fieberhaftem Eifer ein kleines Mädchen, das aus einer Ferienkolonie bei Kopenhagen plötzlich ver­schwunden ist. Selten ist das ganze Volk so tief von einem Falle ergriffen worden, wie von dem Schicksal der achtjährigen Gurli. Das Geheimnis um Gurli bildet überall den Gesprächsstoff. Spalten­lang berichten die Zeitungen täglich von den bisher völlig erfolglosen Maßnahmen zur Auffinduna des verschwundenen Kindes. Mit jedem Tage wird bie Sorge größer, zumal das Kind vor dem Verschwin­den in Begleitung eines unbekannten Mannes ge­sehen worden sein soll. In Kopenhagen führte die Polizei eine Razzia durch, die alle Böden und Kel­ler und sonstigen Schlupfwinkel erfaßte; auch sie war ohne Erfolg. Die Polizei hat 500 Kronen Be-

beischob und dann zusammengerollt ihr Mittags- 1 chläfchen machte. Vorher bezüngelte sie noch ein großes grünes Blatt; wahrscheinlich hatte sie Durst und trank den dort aufgesammelten Tau.

Es war eine schlechte Mutter, daß muß ich zu­geb en; sie kümmerte sich nicht im geringsten um ihre vielen Kinder, die sehr vergnügt und lebhaft im Gras umherspielten, kaum spannenlange, dunkel- glänzende Schlänglein. Auch als ich mich nach eini­ger Zeit aufrichtete aus meiner Ruhelage, huschte ie ohne Rücksicht auf die Jungen blitzschnell in ihr" Baumversteck. Offenbar ist die Brut schon gleich nach dem Schlüpfen selbständig: keines der Klemen olgte seiner Mutter; sie flitzten jedes für sich in anderer Richtung davon.

Still jetzt! Dort drüben im Moos ist eine leise Bewegung; ja, nun bekommen wir Besuch. Sie hat wirklich ein entzückendes Köpfchen, unsere Ringel­natter! Siehst du die schönen, leuchtend gelben Flecken an den Schläfen und die schwarzen Monde dahinter? Daraus entstand das Märchen von der Schlangenkrone in unseren deutschen Sagen und Kindergeschichten. Nun ist auch der Körper erkenn­bar, der grünlichgraue Rücken mit den dunklen Schuppen dazwischen, und beim Ausrichten sehen wir deutlich den hellen Bauch.

Der Försterbub wird uns die Natter greifen; du sollst die törichte Schlangenfurcht ablegen, sollst dir das Wunderwerk der Schuppenhaut aus näch­ster Nähe einmal ansehen. Schon hat der Knabe die Ringelnatter gepackt; Geschicklichkeit gehört da­zu, weiter nichts. Er hält sie mit zwei Fingern zwischen Kopf und Leib; so geschieht ihm kein Leid und der Schlange auch nicht. Sie zischt bloß ein wenig vor Aufregung; du kannst den Körper ruhig anfassen; er ist weder kalt noch schleimig. Schau dir die runden, schwarzglänzenden Augensterne an, das Zünglein und die großen Schilde, die den Kopf be­decken!

So, nun lassen wir die Ringelnatter wieder frei. Sie huscht geschwind davon; säst macht sie Sprünge, hält aber gerade Richtung zum See. Jetzt ist sie am Ufer, gleitet geräuschlos über den Sand hinein ins Wasser; sie schwimmt. Sie taucht sogar; nun züngelt sie am flachen Grund, schwimmt weiter, liegt dann plötzlich still.

eie wird doch nicht ertrunken fein? Im Gegen­teil; dadurch erholt sie sich vom Schreck der kurzen Gefangenschaft; wenn es fein muß, kann sie mehr als eine halbe Stunde unter Wasser bleiben.

Aber das Stilliegen scheint ihr langweilig zu : sein; nach wenigen Minuten taucht sie schon wieder hoch, schwimmt langgestreckt dicht unter dem Was-

höchstem Maße zärtlich seiner Adoptivmutter gegen­über. Vor einem Monat erkrankte nun Hilda an Rheumatismus. Der Löwe, der inzwischen ein präch­tiges ausgewachsenes Tier geworden war, begann fie zu pflegen und erlaubte niemandem, ihr näher­zukommen; er suchte fie zwischen seinen kräftigen Pfoten zu wärmen und gab ihr die besten Stucke von seinem Fleisch, mit einer fast menschlichen Liebe und Intelligenz. Die Sache hatte aber auch ihre Schwierigkeit, weil der Löwe, wenn sich nur ein Mensch sehen ließ, wild wurde und so eines Tages einem Wächter, der ihm ein Huhn bringen wollte, mit einem Schlag seiner Tatze durch das Gitter schwer verwundete. Schließlich war es nur möglich, Hilda aus dem Käsig fortzubringen und in eine Tierklinik zu schaffen, nachdem man dem Löwen ein starkes Betäubungsmittel eingeflößt hatte.

Als der Löwe wieder erwachte, hatte er einen schrecklichen Wutanfall und brüllte so furchtbar, daß alle Tiere im Zoologischen Garten den ganzen Tag lang in höchster Aufregung waren. Dann folgte ein Zustand tiefster Aphathie, indem er jede Nahrung verschmähte und schließlich so erschöpft war, daß man fürchtete, er würde verenden. Endlich nach zwei Wochen der Pflege kehrte die geheilte Hündin zu ihrem Adoptivsohn zurück, der durch lautes Brüllen und mit Sprüngen seine übermäßige Freude bekundete, schnell wieder gesund und mun­ter wurde und stets guter Laune war.

Weltmeisterschaft der Tierstimmennachahmer.

Ndz. Neuyork.

Nun wird auch die Weltmeisterschaft im mensch­lichen Vogelsang ausgetragen werden. Japan und Kanada wollen sich im nächsten Jahre einen Zwei­kampf auf diesem melodischen Gebiet liefern. Ohne erst bei anderen Nationen nachzuforschen, setzt man voraus, daß in einem der beiden Länder der beste iierftimmenimmitator der Welt zu finden sei und nennt das Treffen daherKampf um die Welt­meisterschaft der Tierftimmennachahmer". Der ka­nadische Herausforderer Charles Johnson, der auf dem amerikanischen Kontinent wegen seiner Kunst weithin bekannt ist, strebt nach der Weltmeister­würde. Als er hörte, daß ein 34jähriger Japaner, Suekichi Tanaka, auf der anderen Seite des Stillen Ozeans in gleicher Weise berühmt ist, sandte er ihm seine Herausforderung.Woll'n mal sehen, wie er den Schrei einer Katze nachahmt, wenn sie Junge kriegt", meinte der Japaner bei der Annahme der Herausforderung. Und so wird denn 1940 in Japan der Weltmeisterschaftskampf vor sich gehen. Der Ja­paner, der in Tokio wohnt, hat den Gesang der Singvögel wissenschaftlich studiert und bei einem berühmten Meister erlernt. Er behauptet stolz von sich, daß er alle Vögel zu sich locken könne. Daneben gilt er als unübertrefflich in der>timmenimmi> tation von Schimpansen, Känguruhs, jungen Kat­zen und anderen bepelzten und gefiederter Tieren. Neben ihm ist ein Mitarbeiter der Forschungs­zentrale der Kaiserlichen Universität Tokio, Gataru Takasu, der beste japanische lierftimmenimmitator.

heute hauptsächlich mit Segelschiffen betriebene finnische Schisfahrt ein dankbares und lohnendes Betätigungsfeld. .

Das jetzige bäuerliche Volkstum Finnlands ent­hält in feinen Lebensformen neben wenigen Resten altfinnischer Eigenart viele nordisch-germanische so­wie slawisch-russische Kultureinflüsse. Daraus haben sich seit der nationalen Befreiung Finnlands manche für das moderne Finnland eigentümliche Zuge ge­festigt. Bestimmte Trachten und Kleiderformen, eine schlichte, sehr nüchterne und naturgegebene Art der Lebensweise und Nahrung, dann die Pflege der schönen, einfachen finnischen Bauformen, deren Plockhausstil gut auch den neuzeitlichen Erforde- rungen angepaßt wird, läßt erkennen, welch starkes Kulturgefühl dem finnischen Menschen eigen ist. Auf­fallend rege ist das Geistesleben Finnlands, das schon zur Russenzeit sich allen Anfeindungen zum Trotz aufs vielseitigste betätigte. Die finnische Volks­dichtung lebt in den Kreisen der einfachen Flößer, Holzfäller und Bauern mit unveränderter Kraft. Noch gibt es allenthalben Männer, die wegen ihrer Begabung im Dichten von Liedern und Reimen aus dem Stegreif weithin bekannt und geschätzt sind und andere, bie Tausende von Geschichten, Versen und Gesängen im Gedächtnis bewahren. Die Lieder haben erzählenden, belehrenden und mythi­schen Inhalt, auch Zauberweisen finden sich noch. In ihrer Gefühlstiefe und den liebevollen Natur­schilderungen gemahnen sie an epische Schöpfungen des germanischen Nordens. Sie werden besonders gern bei winterlichen Zusammenkünften der Dorf- schaften im Wechselgesang vorgetragen, gewöhnlich begleitet Zither und Geigenspiel den Vortrag.

Die neuere finnische Literatur und nicht zuletzt die von einem gefunden nationalen Stolz erfüllte finnische Wissenschaft hat die Lieder und Erzählun­gen ihres Volkes der Welt zugänglich gemacht und im besonderen in dem altehrwürdigen EposKale­wala" einen kostbaren Sagenschatz erschlossen, der würdig neben den großen Heldengesängen anderer Völker stehen kann.

allem für eine Nahrung zu sorgen, die sowohl hin- sichtlich der Menge als auch in bezug aus Die Zu­sammensetzung ausreichend fei.

Der Löwe und die Dogge.

B. Kopenhagen.

Aus Berichten hiesiger Blätter kann man folgen­des entnehmen: Obwoyl der Instinkt der Mutterliebe im allgemeinen auch bei den wilden Tieren sehr entwickelt ist, geschah es vor drei Jahren in Kopen­hagen, daß die sehr schöne Sudanlöwin Cora im Zoologischen Garten sich nicht im geringsten um - ihr neugeborenes Junges kümmerte; man mußte schließlich bas kleine Tier einer dänischen Dogge namens Hilda anoertrauen, die es auch säugte und aufzog, als ob es ihr eigenes Junges wäre.

Der Löwe wuchs sehr schnell heran und zeigte manchmal Anfälle von schlechter Laune, die seinen Wächtern Sorge machten, aber immer war er in

lohnung ausgesetzt; aber auch aus dem Publikum find in mehreren Fällen Beträge angemeldet wor- )en, die als Belohnung für bie Aufklärung des Falles und bie Ergreifung bes Entführers verwen­det werden sollen. 1300 Kronen stehen insgesamt schon zur Verfügung. Eine Amerikanerin, die zur Erholung in Dänemark weilt und aus ihrem Hei­matland derartige Fälle besonders gut kennt, hat 100 Dollar zur Verfügung gestellt.

Elch-Familie auf Stadt-Besuch.

Ndz. Stockholm.

Eine Elchkuh mit Drillingen machte dieser Tage einen Besuch in Enskebe, einer ber südlichsten Vor­städte von Stockholm, wo bie Elchfamilie ben ge­samten Straßenverkehr lahmlegte. Man bezeichnet es als sehr selten, baß Elche mit Kälbern sich be­bauten Plätzen nähern, eine Elchkuh gleich mit Dril­lingen gilt aber gerabezu als eine Sensation. Ein Photograph suchte den seltenen Besuch auf die Platte zu bannen, bie Elche gingen aber zum Angriff über unb jagten ihn in die Flucht. Sie räumten erst die Straße, nachdem die Feuerwehr anrürfte und mit einem Wasserstrahl ben Kampf gegen dieDerkehrs- sünber" aus bem Walb aufnahm.

Das Daumenlutschen und die Wissenschaft.

Ndz. Neuyork

Dr. William S. Langforb hat, wie bie amerika­nischen Zeitungen in ziemlicher Ausführlichkeit be­richten, in einer Versammlung von Fachleuten kürz­lich einen Vortrag über bas Daumenlutschen ge- halten. Er stellte fest, baß bas Lutschen am Daumen ober an ben anderen Fingern in ben ersten Jahren bei fast jebem Kinbe vorkomme, besonbers wenn es hungrig sei. Bei einem gutgenährten, gefunben Kinbe sollte es kein Grunb zur Beunruhigung fein. Bei älteren Kinbern aber stelle es ein Symptom ber Gemütsunreife" bar, bas man nicht als harmlos abtun falle. Um bas Fingerlutschen nicht zur Ge­wohnheit werben zu laßen, fei es notwenbig, vor

Hochschulnachrichten.

Geh. Rat Dr. Leopold Wenger, o. Professor an der Universität Wien, wo er ben Lehrstuhl für Römisches Recht innehat, würbe wegen Erreichung ber Altersgrenze von ben amtlichen Verpflichtungen entbunben. Professor Wenger, früher in München war 1935 bem Ruf nach Wien gefolgt. Den Akodi' mien ber Wissenschaften in München, Berlin, Wie" unb Bologna sowie bem Institut für Kulturforschung in Oslo unb ber Fondation Egyptologique inPrüf' sei gehört Geh. Rat Wenger als Mitglieb an. Seine zahlreichen Arbeiten betreffen hauptsächlich Antike Rechtsgeschichte, bereu Begriff Wenger in bie For­schung eingeführt hat, sowie Papyrusforfchung.

Geh. Rat Professor Dr. Nicharb Lehmann, ber ehemalige Ordinarius für Erdkunbe an der Universität Münster, ber jetzt in Marburg lebt' beging die seltene Feier des 70jährigen Dok­torjubiläums. Geh. Rat Lehmann steht im 95. Lebensjahre. Den philosophischen Doktorgrad er­warb er 1869 in Göttingen. Er habilitierte fia) 1881 und würbe 1885 als ao. Professor ber Erd- kunbe nach Münster berufen. 1897 wurde er dorr zum Ordinarius ernannt und ist ber Hochschule dis zu seiner Entpflichtung (1906) treu geblieben. Air Verfasser zahlreicher geschichtlicher unb erdkundlicher Abhandlungen hat Geh. Rat Lehmann sich e,nen bedeutenden Ruf erworben. Er begründete u. a. 1885 bieForschungen zur deutschen Sandes- uno Volkskunde".

ferfpiegel, gar nicht schnell, mit leicht schlängelnden Bewegungen bes Körpers. Das Köpfchen rügt neu­gierig übers Wasser; aus ber Flucht ist ein Babe- vergnügen geworben.

Wir wollen mit bem nötigen Abstand am Ufer nebenher gehen. Ich habe vor ein paar Tagen bie Schwimmkünste einer Ringelnatter gefilmt; sie lag erst auf einem Graspolster in der Sonne dicht am Ufer, glitt bann kopfüber ins Wasser, ruderte viele Meter hinaus in den See unb kam nach einiger Zeit schnurgerade zu ihrem Lagerplatz zu­rück, ließ sich vom wärmenden Himmelslicht trock­nen, um bann erneut zu haben.

Ringelnattern sollen auch Fische fangen, unb immer wieder erzählen bie Menschen vom Se«, baß eine solche Wasser schlänge, wenn sie müde ist auf ben Rücken schwimmender Enten klettert, um auszuruhen unb fick im weichen Gefieder zu wär­men. Ich habe es selber nie gesehen; vielleicht ge­

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