Ausgabe 
5.8.1939
 
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Ur. 181 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

5./b. August (YZY

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Wandern und Reisen Bäder und Sommerfrischen

uns

ZU

Diesen Worten ist nichts mehr hinzuzusetzen.

Blühendes Berchtesgadener Land. (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)

Mündlich können SieesnurvsiUgso sagen, schriftlich mehreren, durch eine Kleinanzeige lagen Sie es »Utt

Erholung und gute Verpflegung finden Sie nicht nur in der Ferne, sondern auch in den Sommerfrischen u.Gaststätten der Heimat

Der Wald ist die Seele des Hunsrücks, ein Jagd­revier, das das Herz eines jeden rechten Nimrods höher schlagen läßt. Der Hochwald zwischen Mor­bach, Thalfang und Hermeskeil ist deutscher Mär­chenwald in seiner ganzen Urwüchsigkeit und Ma­jestät.

rauscht in den Kronen der Bäume, und am Fuß des Erbeskopfturmes wiegen sich leise die Gräser. Wer einmal in weicher Sommernacht dort droben

Ich will es sorgfältig im Gedächtnis behalten, wie jener Morgen und der Tag war, an dem wir mein Freund Karl und ich, beide schlicht auf Fahr­rädern naty Tag und Nacht in Salzburg auf­brachen und mit wachen Sinnen dem Berchtes­gadener Land entgegensuhren. Mir ist immer so und es mag wohl auch in aller Wirklichkeit so sein, daß jeder Tag einer solchen Ferienreise sein eigenes Antlitz hat und unwiederbringlich ist. Immer wieder waren uns die Linien des Horizontes an­dere, zu jeder Tageszeit war die Luft über den nahen und fernen Bergen anders, immer sahen wir die Häuser anders in der Landschaft liegen, Wolken zogen am sommerlichen Himmel und zeig­ten sich so vielgestaltig wie alles, was uns in diesen Tagen das Auge gewann. Berchtesgadener Land und Königssee waren diesmal das Ziel.

Welche Landschaft könnte sich eines prächtigeren Ehmens rühmen als der Hunsrück, den die reben-

Zügige Straße hinter R e i ch e n h a l l! Doppelt schwer zu überwinden, weil die Sonne heiß her­niederbrannte. Da schlugen wir uns seitwärts, setz­ten uns unter einen Baum und pflegten einige. Stunden der Ruhe. Wir waren nun völlig einge­schlossen vom Kranz der Berge. Vor uns der Drei­sesselberg, der Hochschlegel, der Predigtstuhl, hinter uns der breit und massig hingelagerte Untersberg. Schließlich machten wir uns wieder auf, um den Hallturmpaß zu überwinden. In vielen Kurven ging es aufwärts, bis die Paßhöhe erreicht war und die Straße kilometerlang bis Berchtesgaden mählich abfiel.

Zur rechten Hand rauschte ein Gebirgsbach zu Tal. Seine Wasser lockten. Da stellten wir die Räder ins Gebüsch, stiegen mit nackten Beinen im klaren und kalten Wasser von Stein zu Stein, ließen Stöcke und Zweige schwimmen, folgten faszi­niert dem unermüdlichen Spiel des Wassers um die Felsen und um die blank gewaschenen Steine, bis die Flut zu kühl wurde und uns wieder in die Strümpfe zwang. Bald waren wir dann in Berchtesgaden, bezogen Quartier, wischten den Staub der Fahrt von uns, gewannen einigen Eindruck von Berchtesgaden und machten uns auf zum Königsfee Nach kaum 20 Minuten standen wir an seinen Ufern. *

Es ist nicht damit getan, eine Landschaft .Herr­lich" zu finden. Wenn ich gegen mich und andere ehrlich fein will, dann muß ich zugeben, daß es mir nicht leicht siel, diese Landschaft der steilen Fels-,

errichtet ist, wie Waldhornklang über den Wipfeln ZU schweben. In Stromberg wurde der tapfere Haudegen Hans Michael von Dbentraut, den man denDeutschen Michel" nannte, geboren In Simmern erinnert der Sch i n d e r h a n n e s - türm an den RäuberJohannes durch den Wald", von dessen Taten und Untaten noch heute im Soon- und Jdarwald unzählige Geschichten in Umlauf sind.

Wanderfahrten.

Burg» und Nieder-Gemünden Homberg 1 Deitershain Grünberg.

Don der Station Burg- und Nieder-Gemünden wandern wir auf guter Straße, die zum Teil von Wald begrenzt ist, an Wäldershausen vorbei nach dem auf hoher Bergkuppe liegenden Homberg mit seiner, das Städtchen Überragenden Kirche. Sehens­wert find das alte Rathaus mit Glockenturm und die zum Teil noch sehr gut erhaltenen Ringmauern. Vom Schloßberg bietet sich eine schöne Aussicht in das liebliche Ohmtal und nach dem Hohen Vogelsberg. In Homberg ist gute Unterkunft. Von hier geben uns blaue Kreuze bis zum Schluffe das Geleit. Das Ohm­tal aufwärts mit hübschen Blicken auf Amöneburg und Homberg kommen wir zunächst zum Goldborn, einer mitten im Wald reizvoll gelegenen Quellen­anlage und weiter über Schadenbach nach dem freundlichen Weitershain, wo gute Einkehr ift Hinter Weitershain nimmt uns für ein großes Stück präch­tiger Buchenhochwald auf; sodann führt uns der Weg über würzig duftende Triften, an Stangenrod vor­über, mit schönen Ausblicken auf Ulrichstein und den gesamten Vogelsberg zum Endziel Grünberg. Wan- derzeit 5 Stunden.

Gießen Babenburg Hangelstein hoher Berg Großen-Buseck.

An der Unterführung in der Ederstraße beginnen die blauen Striche, die vorläufig unser Wegzeichen bilden. Wir gehen den Bahnkörper entlang bis zur Badenburg, durchschreiten das Badenburger Wäld­chen, kommen über die Marburger und später über die Saubringer Straße, um von hier in langsamem Aufstieg auf die Höhe über dem Steinbruch zu ge­langen, wo sich uns ein prächtiger Blick über das Lahntal auftut. Wir überschreiten den Berg, treffen beim Saubringer Paß, wo sich unser seitheriges Zeichen nach links wendet, blaue Sreietfe, denen wir bis zum Schnittpunkt roter Punkt nachgehen. Letztere führen uns nach rechts über den Hohen Berg mit schönen Ausblicken nach Großen-Buseck, von wo wir heimfahren. Sie Wanderung beansprucht etwa 4 Stunden.

na des Hunsrücks heißt es:Vor und neben Wälder, unermeßliche Wälder. Wie ein grünes Meer wellen sie auf und nieder, vom Berg ins Tal und wieder vom Tal zum Berg, ganz dunkel­grün in der Nähe, dann blasser werdend, in der Ferne blau verdämmernd. Hier sind es lichte Bu­chen, dort düstere Tannen. In der Lichtung drüben leuchten rot die Trauben des Fingerhuts. Ser Wind

Freilassing, das kleine Städtchen, das uns am Tage vorher durch den Tumult einer lauten Festlichkeit von sich gewiesen hatte und auch für uns kein Quartier mehr gehabt zu haben schien, lag nun, es war Montag morgen, noch in einer Ruhe da, in einer Erschöpfung, die die Bürger noch im Schlaf gefangen hielt, obwohl die Sonne schon hoch am Himmel stand. Sie Fahnen hingen schlaff an den Masten, denn fein Lüftchen regte sich und so schien es auch ihnen des Trubels genug gewesen zu sein. Aber so verschlafen das Städtchen war, so munter war schon das Land, lieb eraU waren die Bauern auf den Feldern und arbeiteten, als fei das Fest im nahen Städtchen nicht auch ihr Fest gewesen.

Liebliche Sörfer lagen nun an der Straße, die in den Bannkreis der Berge führte. In strahlen­dem Weiß leuchteten die Häuser aus dem Grün der Wiesen. Schneeweiße Kirchtürme standen vor dem kraftvollen Blau der nahen und dem zart­blauen Schimmer der ferneren Berge. Wir sahen hinauf zu diesen Kirchtürmen, die verbrüdert schie­nen mit dem Blau des Himmels und dem Schnee­weiß der Wolken.

Auf der Fahrt ms Verchtesgadener Land

Ferlennoiizen von H. £. Neuner.

Noch immer scheint das Lied des Jägers vons In einer von der Heimatliebe beschwingten Schil- H 5 P J ?.* 3 * .bem bei Entenpfuhl ein Senfmai berung des Hunsrücks heißt es:Vor und neben

fommerbad Braunfels

Schwimmbad mit erwärmtem Quellwasser Luft-, Licht- u. Sonnenbad am Waldesrand. Auch Sonntags geöffnet. In nächster Nähe der Obermühle, Schloßbrauerei.

4471D

' prangten Täler von Rhein, Mosel, Saar und ^he festlich umgeben? Und das macht gerade den -tronberen Reiz dieses Landes der unergründlichen LÄlder aus, daß der Zugang und der Aufstieg zu j?nen Höhen so vielseitig ist jinb immer andere c-ber entfaltet. Ob man von Boppard aus mit 6>£^ H^nra^ba^n Über hochgebaute Viadukte nach !< Iteüaun und Simmern fährt, ob man von Ober- nilel ous ober von Bacharach durch das Steegertal, Ädar-Oberstein und Birfenfeld, van Bernkastel-Kues, Zell, Treis oder Braden- ch aus durch Hefeinaefmmttene Täler, durcli van

abftürze, diesen Absturz dieser Bergmassive auf die gleißende, mystisch ° dunkelgrüne und trügerische Fläche und in die unbekannte Tiefe des Sees, ganz in Wesen und Erscheinungsformen zu erfassen, ober gar einzuordnen in eine allgemeine Schau der Landschaft. Vielleicht gibt es gar feine Möglichkeit ber Erfassung dessen, was hier in der Natur zur unverrückbaren Tatsache geworben ist und einfach da ist". So gut es mir verständlich ist, daß Flüsse im Laufe der Jahrtausende die Landschaft wandel­ten, eiszeitliche Geschiebe unsere Erdoberfläche ge­stalten halfen, Wind und Wetter, Kälte und Hitze das Gesicht unserer Erde prägten, so wenig er­scheint es mir möglich, sich eine Vorstellung zu machen von den Mächtigkeiten und Gewalten, die hier am Königssee die Berge türmten, die Klüfte- rissen, Schluchten öffneten und Wasser stauten.

Solcherlei Gedanken in einer Landschaft, die trotz aller Wucht und Eindrucksgewalt, der Lieblichkeit nicht entbehrt!. Sie Wolken spiegelten sich im Was­ser, die Wellen des Sees verebbten spielerisch am sandigen Ufer, Lachen, Scherzen, hallender Ruf und Musik klangen über den See und verloren sich im Raum, Schneefelder schimmerten hoch oben und in der Ferne. Schneeweiße Motorboote und kleine Ruderboote belebten das Wasser. Bäume, Felsen und Berge spiegelten sich auf der Fläche des Sees. Vom Malerwinkel aus sahen wir die gedrungenen Rundtürmchen von St. Bartholomä, die wie Zierat in diese Mächtigkeiten eingebettet sind.

Anderen Tages {Hegen mir zum Jenner auf. Als wir uns um 5.30 Uhr auf den Weg machten, war es noch sehr still in Berchtesgaden. Niemand be­gegnete uns. Auch auf dem Vordcrbrand war noch alles ruhig. Sie Gaststätte lag friedlich da, und auch wir ließen feine Wünsche wach werden. Mit spar­sam eingesetzter Kraft stiegen wir weiter, stapften bald durch tiefen Schnee, die Mitterkaser-Alm lag in unendlicher Einsamkeit im tiefen Sattel zwischen dem Jenner und dem Hohen Brett und nach drei guten Stunden Ausstiegs war bann auch der Gipfel erreicht. Vom Hochkönig und der Uebergoffenen Alm bis zur Schönfeldspitze, von den Funtenfee- fauern und dem Steinernen Meer bis zum Hoch­kalter, vom Watzmann zum Dreifesselberg, vom Untersberg bis zum Hohen Göll glitt der Blick un­endlich weit in die Runde und erfaßte unzählige Gipfel dieser grandiosen Bergwelt. Vor uns ragte die Watzmann-Ostwand auf. Rötlich leuchtete das apere Gestein in der Morgensonne, wie aufgeschich- tet lag Steinlage auf Steinlage, auf schmalen Bän­dern lag Schnee. Tief unter uns sahen wir aber auch den Königssee, in die Bergwände eingebettet. Zwei Stunden blieben wir, schrieben noch unsere Namen in das Gipfelbuch, blätterten auch etwas darin und verschlossen es dann wieder sorgfältig in den Schrein. Gemächlich Machten mir uns dann mieber zum Abstieg nach Berchtesgaden auf ...

'rnkastel-Kues, Zell, Treis oder Broden- . mmch Hefeingeslynittene Täler, burch von e. -mögen ber Waldberge umrauschte Schluchten, 4 maAügen Serpentinen zu ben Höhen ansteigt, niier ^E^n die Fülle der rnechfelnden und groß- khgen Bilder und das allmähliche Hineintauchen wen rnildreichen Hochwald Erlebnisse, die sich r, einprägen.

Nervös - Erschöpfte

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Lüneburger Heide.

Von Emil Baader.

Im Garten einer kleinen Sorfwirtschast schreibe ich diesen Heidebrief am Abend eines unsäglich schönen Heidewandertages. Scharen junger Wan­derer ziehen singend, aus der Heide kommend, am Garten vorbei. Sie streben zum Bahnhof ber Klein­bahn. In ßüheburg, bem norbbeutschen Rothen­burg" in ber prächtigen Johanniskirche war Bach kurze Zeit Organist traten wir bie Heide­reise an. Schöne offene Omnibusse brachten uns in kurzer Zeit an den Rand der großen Heide, zum Naturschutzpark am Wilseder Berg.

Man verläßt den Wagen und beginnt dre Wan­derung in diese träum schöne Landschaft. Mit Stroh bedeckte Bauernhäuser stehen da, ganz unter Bäu­men versteckt. Sunkle Kiefernwälder kommen dann; man wandert auf roarmen sandigen Wegen. Aus einmal hört der Wald auf. Und das rote Heideland beginnt. Sie unendlich weite blühende Heide. Ein endloses Meer von Erika, von Bienen umfummt Man muß sich in dieses rote Heidemeer hineinlegen und horchen. Horchen auf die Stimme der Heide.

Hügel kommen, alte Meeresdünen; Wachholder- stöcke darauf. Feierlich schöne, wunderbar geformte uralte Wachholderstöcke, wie man sie nirgends mic« berfinbet.

Bisweilen führen Alleen schlanker Dirkenbäume das Weiß ihrer Stämme hebt sich wundervoll von ihrer Umgebung ab mitten durchs Heideland. Bisweilen schauen wir mächtige Findlinge. Hünen­gräber bedecken sie.

Vom einsamen Forschaus Sellhorn sind mir nach Wilsede gekommen, mo mir das Heidemuseum beschauen. Sas ist ein altes Heidchaus mit dem typischen niedersächsischen Hausrat. Man muß sich irt die Stube des Heidehauses setzen. Es ist so traulich hier. Schulen kommen. Sie Lehrer erklären den Kleinen jedwedes der alten Geräte. Und drau­ßen, unter den hohen Bäumen, rasten Hunderte von jungen Menschen: Aus Hamburg und Holstein, aus Bremen und Lüneburg. Und da mir meiter» ziehen zum Wilseder Berg, zum schönsten Punkt des Naturschutzparkes und der Heide überhaupt, da begegnen mir neuen Scharen von Kindern. Buntgernandete Mädchenklassen. Sas junge Volk paßt gut in die weitlinige sommerliche Landschaft.

Und da man nun die Höhe des Wilseder Berges erreicht hat, den herrlichen roten Heide- berg, von dem man bis Hamburg schauen kann, der zur Blütezeit täglich das Ziel vieler Tausender ist, da erlebt man: Hermann Löns hat ermas Großes getan, indem er unserem Volke das Auge öffnete für die Wunder der Heide. Es ist etwas Großartiges, dieser endlos meite bienenüberfummte feuerrote Wilseder Berg. Sie Menschen, bie da hinaufkommen, merben alle still, demütig und fromm. Wahrhaft: eine Wallfahrt ist eine Wan­derung in die einsame große Pracht des Lüneburger Naturparks. Reine hohe Natur!

Man manbert ein ober zrnei Wegstunden durchs Heideland in ein kleines stilles Dorf. Man bummelt dann durch die Straßen. Kommt mit einem Bauern ins Gespräch. Er zeigt uns fein Gut. Ein großes Gut. Ser Bauer, bei aller Schlichtheit em wahr­haft gebildeter Mensch, der seine Scholle, dabei aber auch bie Heibe liebt. Bis spät in die Nacht plaudert man in der Stube des Heidebauern.

Ser neue Wandertag soll uns die Heidemelt süd­lich von Soltau, die Welt derSieben Stein­häuser" zeigen.

Das Gründchen.

Don Franz Gros, Gießen.

Wo die Wetterau liegt oder das Ried, missen viele in Hessen, mo einer aber das Gründchen zu suchen hat, das weiß selbst mancher Oberhesse nicht zu sagen, geschmeige denn, daß er schon dort mar und feine lieblichen ober herben Schönheiten ken­nenlernte. So ick dir raten darf, lieber Heimat­freund, der du das Gründchen noch nicht kennst, nimm die Landkarte zur Hand und suche es im Kreise Alsfeld; in seiner östlichen Ecke mirst du es finden.

Sie Gegend, die so freundlichdas Gründchen" benannt ift, liegt vor der Nordseite des Vogels­berges. SeineHauptstadt" ist das freundliche und liebliche Grebenau, das sichStadt Grebenau" nennen darf. Sie Gemarkungen und Sörfer Reimen­rod, Bieben mit Merlos, Schwarz, Eulersdorf, Wal­lersdorf, Udenhausen liegen im Kreise um Grebe­nau in freundlicher Landschaft, viele davon in Wie­sengründen, bie von hohen Waldbergen umsäumt sind, lieber alle Erhebungen ragen bei Eifa, das man auch noch zum Gründchen als eine seiner Ein­gangspforten rechnen darf, der Auerberg und ober­halb von Bieben und Grebenau der 505 Meter hohe Heyberg empor. Siefer trägt die mächtige trotzige Schloß- und Burgruine gleichen Namens, ben Stammsitz des alten hessischen Geschlechtes der Freiherrn von Dörnberg, dem der Reichs­minister und Chef des Protokolls entsprossen ist, der mit seiner Gestalt, wie ein Riese stetsob allen Volkes" ragt. Hier oben ist er, der zu Zeiten in der Reichs- chauptstadt bie Staatsoberhäupter und solche bei obrer Ankunft empfängt, die in wichtigem Auftrag 3en Führer unseres Volkes aufsuchen, so lasse ich mir erzählen, nur der einfache, mit dem Volke ver­bundene und mit der Scholle verwachsene Mensch.

Der Heyberg besteht aus starken Basaltsäulen, die dier in mächtiger Eruption vor Urzeiten durch die Sandsteinlandschaft ber Umgegend nach der Höhe drehten. Auch die Landschaft, in der alle Wege "afch abtrocknen, und die Berge des Gründchens sind verwitterter Sandstein. Deshalb gehört es geologisch mcht mehr zum Basaltgebiet des nahen Vogels- vergs, ist aber an hohen Aussichtspunkten kaum weniger reich als dieser. Besonders schön und lohnend ist der Blick von den festen Mauern und Zinnen des Heybergs nach der Rhön mit ihren igenartigen Bergbildern, und an ganz klaren Ta- ;ien bis hinüber nach Thüringen, dem grünen Her­ren Deutschlands.

Einst lag das Gründchen abseits vom großen Ver­mehr. Wie oft fuhr ich doch noch mit der Postkutsche m feinen Bereich. Jetzt aber wird es von 0*6r Bahnstrecke AlsfeldBad Hersfeld durchquert und P somit leicht erreichbar. Wer bei Alsfeld bie Heichsautobahn verläßt, bie am Heyberg vorbei nach yersfelb führt, ist auch bald in Eifa und allen an- <eren Orten, kommt an forellenreiche Bäche wie die Sifa, die Schwarza und die Jossa, kommt durch deundliche Dörfer und zu regsamen, werktättgen Menschen, die das Herz auf dem rechten Fleck laben. Und nimmst du den Wanderstecken in die Rechte, so steigst du aus freundlichen Tälern die waldreichen, grünbemoosten, mit Heidelbeersträu- 3oern übersäten und mit Wacholder und anderem Günern Gesträuch geschmückten Berge hinan, und last du Glück oder Weidmannsheil, so siehst du viel Lild ober gar auf einer Waldschneisie Auerwild, leas sich hier in den himmelweiten Forsten noch wohlgeborgen fühlt, wenn nicht gerade zur Balzzeit M zeitigen Frühjahr ber stolze Vogel unseres Wal- Iss ben ßiebestoö sterben muß. Auch der Auer- mhn gehört zum Gründchen.

Noch schläft es, das Hebe Fleckchen Erde, seinen Dornröschenschlaf, weitab von der Brandung des roßen Weltverkehrs. Das ist gut so. Ilm so lieber nben es die, die seine einsame Schönheit kennen, iine Täler und ihre Quellen, seine Berge und nnen erdverbundenen freundlichen Menschenschlag.

Lob des Hunsrücks.

Von K. $. Bodensiek.

Sen Namen Hunsrück endgültig zu deuten, ist t;r Wissenschaft bisher ebensowenig gelungen wie j:as JffiortEifel" zu erklären. Zum ersten Male u acht der Name Hunsrück in der FormHun- c-isrucha" in einer Urkunde aus ber zweiten Hälfte U' Jahrhunderts auf. Die mächtigen Berg- r.i-den haben zu ber volkstümlichen Erklärung yundsrücken". geführt, ba man der ßanbfdjaft r ihrer plastischen Ausprägung die Ähnlichkeit mt einem Hunderücken nachsagt. Und so mag es tritt) ^kommen sein, daß man die ßandzunge zwi- sc.en Rhein und Mosel, die heute das Deutsche Eck äugt, ,Hundsschwanz" nannte und mit diesem finmen darauf anfpielte, daß es sich hier um den lebten Ausläufer des Hunsrücks handele.

Wo auch die Wahrheit liegen mag, bie Unaewiß- kt über die Herkunft der Bezeichnung Hunsrück 'kvrückt uns nicht; wir freuen uns an der Herr­lichkeit der rauschenden Bergwälder, an den lauschi- jfn Tälern mit ihren grünen Wiesenmatten an Öen weiten Blicken von den Höhenzügen und Gip- dieses Gebietes, in dem noch die große Stille iu Hause ist, und die Natur allenthalben ihre Ur- - Pninglichkeit und Große bewahrt hat.

gestanden hat, wenn der Vollmond sein milchiges Licht über die weiten Wälder ergoß und wenn man gleichsam den Atemzug ber schlafenden Erde hören glaubte, der vergißt es nie."