Ausgabe 
5.4.1939
 
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Nr.81 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)Mittwoch, S.Apri! (939

SPITZENLEISTUNG

OPEL

Dr. Buresch.

aus den Mitgliedern der jeweiligen Lehrgemein- chaften zusammen, es können aber auch durchaus Außenseiter", sofern sie Mitglieder der DAF. sind, ihre Anmeldung in den Gauabteilungen für Be- rufserziehung der DAF. ab geb en. Dort liegen auch die Fahrtenpläne zur Einsicht aus. Häufig schlagen Betriebsführer strebsame Gefolgschaftsmitglieder zur Teilnahme vor, für die sie dann die Kosten ganz oder teilweise übernehmen. Diese Tatsache bestätigt die arbeitsfördernde Wirkung der Studien führten.

NSG. Die Gestaltung des Dienstes der Hitler-Jugend dient nicht allein dazu, die jungen deutschen Menschen zu Trägern der nationalsozialistischen Weltanschauung zu er­ziehen, sondern die deutsche Jugend auch wehrsportlich auszubilden. Das Mittel zur Erreichung dieses Zieles ist das Leistungs­abzeichen der HI., dessen Erwerb jedem An­gehörigen der nationalsozialistischen Jugend­organisation zur Aufgabe gemacht wird.

Vom Führer selbst erhielt die Hitler-Jugend den Auftrag, die gesamte deutsche Jugend körperlich, geistig und sittlich zu erziehen. Sie übernahm damit den geschichtlichen Auftrag, die Heranwachsende junge Generation zum Träger der nationalsozialistischen Weltanschauung werden zu lassen. Aus der Bedeu­tung der Wehrbereitschaft unseres Volkes für den Erfolg feines Lebenskampfes heraus mußte die Er­ziehung der Jugend eine Wehrerziehung werden. Wehrwilligkeit und Wehrtüchtigkeit find die Ziele dieser Wehrerziehung, die ihre Grundlage in der weltanschaulichen Ausrichtung findet.

Deutschlands Jugend erstrebt weder einen über­heblichen Persönlichkeitskult, noch die Erziehung zu einem imperialistischen Kriegertum. Sie ist bestrebt, in der Grundschule des Nationalsozialismus, in der HI., bereits mit der vormilitärischen Ertüchtigung im Rahmen der wehrsportlichen Ausbildung zu be­ginnen. Die deutsche Jugend hat sich für ihre Lei­stungsfähigkeit selbst wehrsportliche und weltanschau­liche Wertmesser geschaffen und es versteht sich von selbst, daß gerade bas Jahr 1939 im besonderen Maße Veranlassung gibt, diese Tatsache herauszu­stellen. Mit der P i m p f e n p r o b e hat sich bereits der Zehnjährige das Recht zu erkämpfen, als voll­wertiger Pimpf, als derGefreite" des Jungvolks gelten zu dürfen. Die Vorbereitung zur Ablegung dieser, nach halbjähriger Dienstzeit erforderlichen Prüfung beginnt mit der Ausbildung der Jungen in der Grundschule der Leibesübungen, im Gelände- unb Schießsport. In zunächst noch spielerischer Form wird dem Pimpf eine Leistungsgrundlage gegeben, die ihre erste Erweiterung im Dienst der freiwilligen Jungvolksportdienstgruppen findet.

Wer kämpfen soll, muß auch ein Ziel sehen, dem sein Einsatz gilt. Dieses Ziel ist sowohl dem Jung-

sogar Uebersee vorgesehen.

Die Teilnehmerzahl ist auf 30 für jede Studien- fahrt begrenzt. Liegen so viel überzählige Anmel­dungen vor, daß eine Wiederholung lohnt, bann wird die betreffende Fahrt wiederholt. 1938 sind insgesamt 700 Stubienfahrten mit über 25 000 Teil­nehmern zustandegekommen. Das ist wenn man bedenkt, daß hier Werktätige ihre Ersparnisse und ihren kargen Urlaub anwenden eine erstaunliche Zahl. In keinem Lande der Welt außer in Deutsch­land ist dem Arbeiter Gelegenheit zu derartiger Er­weiterung des Blickfeldes geboten. Die Deutsche Arbeitsfront hat das Verdienst, die Möglichkeiten zu

ländesport und in den Leibesübungen erfüllen. Eine besondere Herausstellung findet dabei der Gelände­sport als Krönung der gesamten körperlichen Ertüch­tigung, als die praktische Auswertung der gesamten körperlichen Schulung und sportlichen Durchbildung.

Gelingt es der Hitler-Jugend, diesen Weg der Grundschulung jeden deutschen Jungen durchlaufen zu lassen, so wird sie wesentlich daran mithelfen, der deutschen Wehrmacht einen Nachwuchs zur Verfü­gung zu stellen, der körperlich und geistig höchsten Anforderungen entspricht.

Ueber dieses hohe Ziel hinaus ist der Führerschaft der HI. eine besondere Leistungsaufgabe durch den Einsatz um die Erlangung des vom Reichsjugend- führer geschaffenen Führersportabzeichens gestellt, das für hervorragende Leistungen im Führerzehn­kampf verliehen wird. Der Bewerber muß ein rüch-

volk- wie Hitlerjungen durch die Schaffung des DJ.- unb HJ.-Leiftungsabzeichen aufgezeigt worden. Wer diese Abzeichen erwirbt, hat eine umfassende Aus­richtung sowohl weltanschaulicher wie sportlicher Art erhalten, die die Grundlage für die erstrebte Einheit von Körper, Geist und Seele bildet. Nie­mals wird diese Einheit darin zum Ausdruck kom­men, daß aus .Ser Vielzahl der Jugend nur Spitzen­könner auf geistigem oder sportlichem Gebiet ge­züchtet werden. Vielmehr ist Grundsatz des Sport- bienftes ber HI. das Höchstmöglichste auch aus bem Letzten herauszuholen. Schon bei bem Pimpfen wol­len unb müssen wir uns vergelvissern, ob er bereit ist, sich ernsthaft um die Ziele des deutschen Jung­volks zu bemühen. Dem Zwölfjährigen ist darum dje Erkämpfung des Jungvolkleistungs- a b z e i ch e n s zur Pflicht gemacht.

Diese Breitenarbeit an der allgemeinen Leistungs­steigerung der jungen Generation findet ihre Fort­setzung nach ber Ueberweisung bes Pimpfen mit Erreichung bes 14. Lebensjahres in bie Hitler- Jugenb. Dreimal muß ber Junge von diesem Zeit­punkt an um die Berechtigung zum Tragen des HJ.-Leiftungsabzeichens antreten, im 15., 16 und 17. Lebensjahr. Wird von ihm zum Erwerb des HJL. in Eisen verhältnismäßig nur wenig mehr an Leistungen verlangt, so steigern sich diese in den beiden folgende Jahren für das HJL. in Bronze und Silber bedeutend.

Sowohl das DJ.-, wie HJ.-Leiftungsabzeichen be­deutet keinesfalls allein eine Anerkennung ber sport­lichen Leistungen seines Trägers. Non den jeweils zu erfüllenden 22 Bedingungen sind bei bem HJL fünf, beim DJL. sogar sechs weltanschauliche Prü­fungsfragen zu erfüllen? Dies heißt also, daß ber Träger bes Leistungsabzeichens ber HI. auch ben Nachweis erbracht haben muß, baß er mit dem na­tionalsozialistischen Ideengut eng verbunden ist. Während beim Jungvolk-Leiftungsabzeichen in drei weiteren Prüfungsgruppen Minbeftfähigkeiten in ben Leibesübungen, im Einsatz auf Fahrt unb .im Lager, ferner im Luftgewehrschießen gefordert wer­ben, bauen sich die Leistungen für das HJL. auf biefem Fundament weiter auf. Seine Bewerber müssen neben ber weltanschaulichen Prüfung Anfor­derungen in Ziel- und Marschleistungen, im Ge-

Leistungsabzeichen der HL

kündet vom Wehrwillen der deutschen Lugend.

tiger Sportler sein und im Geländesport eine gute Ausbildung aufweisen. Insgesamt muß er auf die­sen zwei Gebieten eine Mindestzahl von 7500 Punk­ten erreichen. Wie erschwerend bie Bebingungen für bas HJ.-Führersportabzeichen gestaltet sind, zeigt sich u. a. in der Bestimmung, daß sämtliche zehn Hebungen innerhalb 48 Stunden erfüllt werben müssen.

Die Leistungsabzeichen zeigen, baß bie HI. nicht nur vom Pimpfen unb Hitlerjungen, sonbem vor allem auch von ber Führerschaft einen vorbilblichen Einsatz und das ernsthafte Bestreben verlangt, dauernd in Hebung zu bleiben und ben Körper vorzubereiten für ben höchsten Dienst für bie Ge­meinschaft bes deutschen Volkes im Sinne des Füh­rers, ber einmal erklärte:Der völkische Staat wirb dafür sorgen müssen, durch eine passende Erziehung der Jugend dereinst bas für die letzten unb größten Entscheibungen auf biefem Erbball reife Geschlecht zu erhalten. Das Volk aber, das diesen Weg zuerst betritt, wird siegen!"

Bürgermeister-Einführung in Darmstadt.

LPD. Darmstadt, 4.April. Am Dienstagnach­mittag wurde in Anwesenheit von Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger, Staatssekretär Reiner und aller Ratsherren der durch Verfügung des Reichsinnenministers vom 24. März 1939 als E r - st er Bürgermeister der Landeshaupt­stadt Darmstadt berufene Regierungsrat Wil­helm Lehr feierlich in sein Amt eingeführt. Nach ber Begrüßung burch Oberbürgermeister Wam- b o lb t nahm Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger bie Einführung bes neuen Bürgermeisters in fein Aufgabengebiet vor. Er ging babei auch auf bie tte- sonberen Aufgaben ein, bie ber Stabt Darmstabt im rhein-mainischen Stäbtekranz gestellt finb. Bürger­meister Lehr bankte für bas ihm entgegengebrachte Vertrauen unb versprach, fein Amt als National­sozialist zum Wohle ber Stabt unb ihrer Bevölkerung zu führen. x

Bürgermeister Lehr ist am 27. Januar 1904 in Güttersbach im Odenwald geboren. Er ftubierte an ber Technischen Hochschule Charlottenburg unb an ber Hniversität Frankfurt unb Gießen. Im Mai 1935 legte er in Stuttgart die große juristische Staatsprüfung ab. Nach kurzer Tätigkeit bei ber Lanbeshypothekenbank Darmstabt war er von März 1936 bis April 1937 Abteilungsleiter der Allgemei­nen Verwaltung bei der Polizeidirektion Darmstadt und würbe am 1. April 1937 in das Personalamt ber Hessischen Lanbesregierung, im Mai 1937 zum persönlichen Adjutanten des Staatssekretärs Reiner unb im November 1938 zum Regierungsrat berufen.

Arbeiter auf Studienreisen.

Die wirtschastskundlichen Stubienfahrten der Deutschen Arbeitsfront.

Was kosten sie, wohin gehen sie, wie melde ich mich an?

an ft alt et. Sie haben längere Dauer und einen aus­gedehnten Reiseweg, mit dem meist die Absicht ver­folgt wird, einen Querschnitt durch ein ganzes Wirt­schaftsgebiet zu vermitteln, wie etwa die Reichsfahrt Auf ben Spuren ber Hanse", oberGroßbeutsche Gas- unb Wasserwirtschaft" ober auchDie wirt­schaftliche Bedeutung des Sudetenlandes". Sogar Auslandfahrten werden bei zunehmender Teilnehmerzahl veranstaltet, von denen in diesem Jahr nicht weniger als 24 geplant finb. Sie wer­den zum Teil als Austauschfahrten (im Jahr 1938 mit den Ländern Schweden, Holland, Ungarn, Frankreich) durchgeführt. In diesem Jahr sind Fahr­ten nach Nord- und Westeuropa, Südosteuropa und

Die Kosten für bie Fahrten sind darauf abge= stellt, daß der Werktätige sie im allgemeinen selbst bestreiten muß und decken die reinen Selbstkosten. Sie umfassen Reise, Verpflegungund Unterkunft. Alles andere, wie Organisationen, Fahrtenleituna, Führungen, Festveranstaltungen und Kameradfchaftsabenbe, hat der Teilnehmer um­sonst. So kostet beispielsweise eine Ostlandfahrt, die acht Tage dauert und von Königsberg durch ganz -------,-------------- , . , -

Ostpreußen führt, insgesamt 65 Mark. Eine fünf- derartiger Bereicherung des Wissens und der Er- tägige FahrtDurch Badens unb Württembergs fahrung den Werktätigen erschlossen zu haben. Tabakindustrie" kostet 45 Mark. Neben diesen söge- Dr. Buresch.

nannten Gaufahrten werden auch Reichsfahrten ver-1 *-------

Nirgends zeigt sich der Wandel der Anschauun­gen über Sinn und Wert des Einzelfchickfals inner­halb ber Gemeinschaft bei uns heute deutlicher als in unseren Beziehungen zum Arbeitsplatz, zur Ar­beitsleistung und zum Gesamtschaffen aller Werktäti-, gen. Es war früher in das Belieben bes einzelnen ' gestellt, ob, wo unb wieweit er sich in ben Chor der Schaffenden einreihen wollte, so daß schließlich ein unpersönliches Nummerndasein aus bem Werktätigen eine mehr oder minder brauchbare Maschine machte, die beliebig ausgetauscht oder zum alten Eisen getan wurde. Heute, wo eine ständig auf höchsten Touren laufende großdeutsche Wirt­schaft ungeahnte Höchstansprüche an die Leistungs­fähigkeit und Arbeitsfreudigkeit jedes arbeitenden Menschen stellt, gleichgültig, an welcher Stelle und mit welcher Verantwortung er tätig ist, wird der Wert der einzelnen Arbeitskraft wieder abgeleitet von den persönlichen Werten der Eignung, der charakterlichen und millensmäßigen Haltung und der beruflichen Bildungsfähigkeit. Gerade dadurch, daß man jedermann frühzeitig sich selbst erkennen läßt, indem man ihm hilft, seine Lebensbahn nach den ihm mitgegebenen Eigenschaften körperlicher, geistiger und charakterlicher Art auszurichten, ver­leiht man ihm eine höhere Freiheit, als es die Wahllofigkeit der Wahl von früher gewesen ist. Unb hat heute ein Mensch erst gewählt, bann er­öffnen sich ihm derart vielfache Möglichkeiten, seine Schaffenskraft auszubauen und sich zu einem nütz­lichen, ja hochwertigen Glied ber Gemeinschaft aller Schaffenden zu entwickeln, daß der persönlichste Ehr­geiz voll zu seinem Recht kommt.

Die Bern fserHiehungswerke der Deut- fd>en Arbeitsfront fetzen solchem Ehrgeiz festumris- sene, planvolle Ziele. Sie haben mit Fortbildungs­stätten früherer Prägung nichts gemein, denn sie wollen nicht einseitigbilden", d. h. ein reines Zweck­wissen vermitteln, sondern sie wollen Menschen for­men, Männer unb Frauen, bie aus einer besseren Kenntnis vom Sinn unb Wesen der Arbeit diese nicht mehr als zwangvolles Muß, sondern als die tragende Kraft ihres Lebens erkennen.

Die Krönung aller berufserzieherischen Arbeit die­ser Art sind die seit dem vorigen Jahr von der DAF. durchgeführten wirt sch aftskundlichen Stubienfahrten, die die Aufgabe der Men­schenformung, von ber wir eben sprachen, in idealer Weise vervollkommnen. Indem sie bem erwerbstäti­gen Menschen Gelegenheit geben, durch Schauen und Erleben Einblick in bie wirtschaftlichen und produk­tionstechnischen Zusammenhänge zu tun, wird er an seinem Platz leichter für die_Einsicht zu gewin­nen fein, daß auch fein Tagewerk im Rahmen des Ganzen notwendig unb wichtig ist. Seine winzige Teilarbeit wirb ihm sinnvoller erscheinen, nachdem er mit eigenen Augen gesehen hat, daß sie die Dor- aussetzung'bilbet, für zahllose anschließende Arbeits­prozesse, die er vorher nicht einmal in der Theorie kannte.

Wie mir ber Reichsfachbearbeiter der wirtschaft­lichen Stubienfahrten im Zentralbüro für Berufs- erziehung unb Betriebsführung der DAF., Greu­lich, in einem aufschlußreichen Gespräch erklärte, finb bie wirtschaftkundlichen Stubienfahrten keine Einzelveranstaltungen etwa im Sinne ber Gesell­schaftsreisen eines Reisebüros. Sie sind bewußt an­gelehnt an bie Lehrgemeinschaften ber Be- rufskrziehungswerke. Das kommt in ben Fahr­tenplänen beutlich badurch zum Ausdruck, baß sie stets im Zusammenhang mit einer ber Fachab­teilungen ber DAF. beispielsweiseHandel", Nahrung und Genuß" u. a. organisiert unb betreut werden. Der Hebungsleiter ber betreffenden Lehrgemeinschaft ist gewöhnlich auch Fahrtenleiter.

Die Teilnehmer setzen sich infolgedessen meistens

Gießener Gtadttheater.

Fritz Peter Buch:Ein ganzer Kerl".

Fritz Peter Buch, der vor Jahren als Schauspiel­regisseur in Frankfurt Ausgezeichnetes geleistet hat, wurde später als Autor mit bem an vielen Bühnen gegebenen WeihnachtsmärchenPinkepunk" und mit demVertrag um Karakat" hier bei uns bekannt. DieserVertrag" ist, wie man sich erinnern wird, vor einiger Zeit verfilmt worden und hatte durchaus das Zeug dazu.Ein ganzer Kerl" hat es weniger, unb es wäre auch schade darum. Es lohnt sich zu lesen, was Buch im Programmheft über das theatra­lische Handwerk geschrieben hat; nicht als ob jener Vertrag" ein schlechtes Theaterstück gewesen wäre, aber berKerl" wirkt wie eine Nutzanwendung ober ein Musterbeispiel dessen, was da gesagt wirb. Hier ist ein Stück mit fünf solibe gebauten und gründlich exponierten Akten, unb es liegt nicht allein am ost- preußischen Schauvlatz, wenn man so etwas wie eine Sudermann-Atmosphäre um bie Szene wehen spürt. (Diese Anmerkung konnte vor Jahren noch wie eine Beschimpfung wirken; sie ist aber, wie man einsehen wirb, bas Gegenteil bau ort.)

Mit bem Bekenntnis zum Handwerk scheint sich Buch nämlich auch aus ben exotischen unb mit aller- hanb Zünbstoff gelabenen Bezirken Dorderasiens in eine zwar sensationslosere, aber uns nähere unb menschlichere Welt zurückgezogen zu haben. Er ent­deckte wieder einmal das alte, das biblische, bas mit­telalterliche und wohl nie gapz veraltende Thema vom verlorenen Sohn und seiner Heimkehr ins Elternhaus. Das ist ein 'Gut in Ostpreußen, eine richtige kleine Klitsche, unb es steht nicht zum Besten mit diesem Hof. Daß er sich noch halten kann, ist allein Jules Verdienst. Jule ist ein Mädel von 25, mit hallen Augen unb festen Armen, mit Energie unb Arbeitswillen, enorm tüchtig, läuft in Hosen unb Stiefeln herum unb trinkt einen Korn, wenn es allzu dick kommt. Ihre Mutter, bie sich aus Trotz an einen Knecht vom Hofe gehängt hat, ist lange tot. Der alte Oberst, ber hier eigentlich ber Herr ist, nahm deshalb vorzeitig ben Abschieb und hockt ver­bittert herum, weil er ben Verlust bes Sohnes nicht verwinden kann, ber nun von Rtzchts an seiner Stelle stehen müßte aber ber ist vor sieben Jah­ren aus purer Abenteurerlust auf unb bavon, nach Südamerika, Gott allein mag wissen, wie es mit ihm steht ... unb wenn bie Jule nicht wäre, bie mit zusammengebissenen Zähnen wirtschaftet und sich gegen ihre Gläubiger stemmt, bann ginge vollends alles drunter unb drüber.

Aber siehe, eines Tages ist Stefan, ber Sohn, wieder da; der Alte, erst sprachlos, bann tief bewegt

in feinem väterlichen Herzen, blüht ordentlich auf in einem späten unb unverhofften Glück, unb wenn auch fein gemästetes Kalb geschlachtet wirb, so gibt es doch ein richtiges, festliches Heimkehr-, Dersöh- mmgs- unb Freubenmahl.

Alles gut unb schön, aber bös Stück hatfünf Akte unb heißt auch nichtDer verlorene Sohn", fonbern Ein ganzer Kerl": Jule ist nämlich auch noch da, unb nun erst, nach Stefans Heimkehr, beginnt das zweite, das eigentliche Komödienthema zu spielen, und was nun noch kommt und geschieht, ist eine große und erbitterte, ziemlich schwierige unb lang­wierige Auseinandersetzung zwischen Jule unb Ste­fan, die sich beibe nicht miteinander zurechtfinden, sich mißverstehen unb (vermeintlich) im Wege stehen. Jule hält Stefan für einen minbtgen Abenteurer, der vor seiner Pflicht unb von dem Platz, wo er hingehörte, aus purem Leichtsinn und mangelndem Verantwortungsgefühl davongelaufen ist wäh­rend sie hier sieben Jahre lang unb aller Ehren wert an Mannes unb Sohnes statt geschuftet und das Regiment in Hänben gehalten hat. Stefan ist aber, wie sich bald erweist, gar nicht so ein Windbeutel, fonbern auch verdammt tüchtig und hat sogar einen Haufen Geld mit heimgebracht, bas dem bebrängten Hof überaus nötig tut. Was Jule betrifft, so hält er sie erst für eine Gans, bann, als er sich von ihrer Leistung überzeugt hat, für eine eklige Kratzbürste, ein Mannweib in Hosen, einen richtigen Feldwebel.

Nachdem sich bie berben gründlich die Meinung gesagt haben, kommt es wahrhaftig so weit, daß jeder für sich beschließt, ben Hof zu verlassen und sich davon zu machen. Jeder von beiden hält sich für überflüssig, und keiner von beiden merkt, wie gut sie eigentlich zueinander passen, unb baß es bie aller­beste, vernünftigste unb glücklichste Losung wäre, ... aber erst ber gute alte Doktor, Freunb bes Obersten unb bes Hauses, muß den beiben auf bie Sprünge helfen. Jule ist schon babei, bie Koffer zu packen, als ihr einfällt, baß bas in Hosen und Reitstiefeln am Ende nicht das Richtige wäre, und zum Glück- findet sich noch ein altes Kleid, das ihr paßt, in bem sie wirklich hübsch unb mädchenhaft und gar nicht wie ein Felbwebel ausfieht, unb Gott sei Dank kommt ber verbiesterte Stefan gerade hinterrücks im richti­gen Augenblick, als Jule, ohne ihn gewahr zu wer­ben, ber guten treuen Luise die letzten Befehle er­teilt, daß sie auf Stefan achtgeden soll, und noch allerlei, und bann bauert es nicht mehr sehr lange, bis bie beiden sich erlöst und beglückt um ben Hals fallen.

Herr Geißler hatte bie Inszenierung besorgt; I es kam eine gute, bewegte und farbige Aufführung zustande, bie sowohl bas saubere Handwerk wie die menschliche Wertbeständigkeit ber Komöbie erkennen unb empfinden ließ. Die Wirkung von ber Szene her war jebenfaUs nicht weniger unmittelbar als seinerzeit in Karakat, wo mir heftigeren, aber auch oberflächlicheren Effekten unb Spannungsreizen ge­arbeitet würbe. Den burch alle fünf Akte gleich- bleibenden Schauplatz hatte Herr Löffler mit sicherem Instinkt für den landschaftlichen und stim- mungsmäßigen Hmkreis aufgebaut.

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Mit ber Jule hatte Margot Eickhoff eine Rolle, in der sie einmal richtig aus sich herausgehen und sich entfalten konnte. Die Rolle sieht übrigens un­gefähr zwei Akte lang so aus, als ob sie sich, wenn man einmal ben richtigen Ton hat, von selber spielte, aber bas täuscht. Frl. Eickhoff traf bieten Ton aufs Haar, so recht geradezu, grob, rücksichtslos, rauhbautzig; aber es gibt hier noch andere Töne, unb es geht nicht fünf Akte lang so weiter: hinter der Rauhbautzigkeit verbirgt sich nämlich viel Herz, ein großer Stolz, eine tiefe Enttäuschung unb eine ganz weibliche, fast mütterliche Weichheit. Unb in ber herben, ein wenig rauhen und manchmal den Tränen nahen Stimme ber Darstellerin kam bas alles nach und nach zum Vorschein, und es würbe eine klare unb gute Leistung ein ganzer Kerl.

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Stefan, ber Sohn, ist, auf den ersten Blick, ähn­lich angelegt, aber auch er entwickelt sich, und Herr C o s s o v e l, der ihn spielte, hatte ben Instinkt ba- für, nicht nur mit einer körperlich, stimmlich und abenteuerhaft imponierenden Männlichkeit aufzu­trumpfen, mit Brüllen unb Tellerschmeißen, sondern auch mit einer anderen, wesentlich leiseren Seite ber Männlichkeit, bie in dem heimgekehrten Weltfahrer allmählich zutage kommt.

Den alten vergnitzten, bärbeißig polternben unb räfonierenben Obersten spielte Herr Bo Ick, unb nicht bie aufgepulverte, rotweinselige Bonhomie ber ßuftfpielfigur in ben letzten Akten, fonbern bie ver­schüttete, verbitterte unb zäh überwältigte Väterlich­keit der ersten Szenen gaben ber Darstellung Cha­rakter und Kvmvbienformat.

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Buch müßte kein alter Theaterhase sein, wenn er nicht außer der Komöbie auch ein Rollenstück ge­schrieben hätte. Nur bie junge Witwe Willich, um die sich Fräulein S ch l o e d e r bemühte, ist ein wenig farblos geblieben. Herr v. Gschmeidler gab bem alten Do"'or eine sympathisch beruhigende, behutsame Verläßlichkeit. Herr Haars spielte mit

beklemmender Natürlichkeit den ordinär lärmenden Gastwirt Meier, Fräulein Kneip die oberflächliche unb vergnügungssüchtige Leonie, Jules Gegenpol, Frau S t i r 1 unb Herr Geiger gemüt- unb hu­morvoll das alte Dienerpaar Frau Stir! sogar in einem erfrischend reinen Ostpreußisch.

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Das Haus war sehr gut besucht, nur leider stellen­weise so unruhig, daß einiges verloren ging. Herz­licher Beifall bestätigte einen schönen und ehrlichen Erfolg. Hans Thyriot.

Wölfe in Europa.

Es kommt uns vor, als fei es unendlich lange her, daß Wölfe auch unsere deutschen Dörfer in Schrecken hielten, unb viele Menschen werben es vielleicht kaum glauben, daß noch im Jahre 1906 in Schlesien ein Wolf erlegt wurde. Unb boch finb unzweifelhaft im ganzen östlichen Europa von Skanbinavien bis zum Kaukasus seit zwanzig Jahren bie Wölfe wieber im Zunehmen begriffen. Ein Querschnitt burch bie euro­päischen Zeitungen ber letzten Winter bestätigt biese Tatsache. So mürbe z. B. aus Warschau berichtet: Wolfe griffen bas Personal einer einsamen Grenz­station bei Kremenetz an, töteten einen Genbarmen unb verwunbeten zwei andere ernstlich. Sie wurden endlich durch Gewehre unb Hanbgranaten vertrieben. Aus Oslo: Zum erstenmal feit fast einem Jahrhun- bert erschienen Wölfe im süblichen Norwegen. Ein Rubel von sechs, bie verschiebens Stücke Schafe unb Großvieh im Valbres-Gebiet zerrissen hatten, mürbe von Bauern eingekesselt unb erlegt. Aus Sofia: Ueber 300 Stück Vieh mürben in ber Zeit zmischen Oktober 1937 unb Februar 1938 in Bulgarien von Wölfen getötet. Aus Moskau: Am Hellen Tage mürbe ein sechsjähriger Knabe, ber in ber Nähe des Dorfes Nesterov spielte, von Wolfen meggeschleppt. Aus Paris: Wölfe nehmen in ber Auvergne zu. Ein Schäfer, ber in einer Strohhütte schlief, mürbe von zwei Wölfen angefallen unb, bevor er sie mit einer Axt vertreiben konnte, ernstlich verletzt.

Die bemerkenswerte Zunahme der Wölfe stammt aus dem Weltkrieg unb ber Zeit unmittelbar danach. Währenb bie Männer im Felbe lagen, hatten bie Wölfe in ben unendlichen Wälbern bes Balkans, ber Karpathen unb des Ural Zeit sich zu verhundert­fachen unb jeben Winter aus ihren Schlupfwinkeln auf bie Behausungen der Menschen herauszubrechen. In einem ber letzten Jahre töteten Wölfe im euro­päischen Rußland allein 40 000 Pferde und 50 000 Stück Schafe und Rindvieh.