Nr. 284 Erstes Blatt
189. Jahrgang
Montag, Dezember 19Z9
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mittag
Karte zu den Ereignissen in Finnland. — (Zeichnung von Eigner. — Scherl-M.)
Englischer Bombenangriff auf Helgoland abgewiesen.
Berlin, 3. Dezember. (D7lB.) heute
!kin merkwürdiger Wandel hat sich in dem literalen Klub „Ateneo" vollzogen, der in dem Jahr- hirdert des spanischen Parlamentarismus eine füh- dm»e Rolle gespielt und stark unter dem Einfluß «r Freimaurerlogen gestanden hat. Als der spätere ^czident der spanischen Republik Azana Vorsitzen-
zwei Minen gestoßen, die anscheinend mit einer Kette verbunden waren. 17 Mann wurden verletzt.
Spähtrupp- und Iagdfliegertätigkeit.
Berlin, 3. Dez. (DBB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
3m Westen örtliche Spähtrupptätigkeit und geringes Artilleriefeuer. An der Mosel- und Rheinfront sowie in der Gegend von Karlsruhe und Freiburg geringe eigene und feindliche Iagdfliegertätigkeik.
Der finnisch-russische Konflikt.
Das neue finnische Kabinett Tiyti zur Wiederaufnahme der Verhandlungen mit Rußland bereit.
der des „Ateneo" war, hätte sich wohl niemand träumen lassen, daß in den Räumen dieses Klubs der deutsche Botschafter in Anwesenheit spanischer Minister am 9. November 1939 das Wort ergreifen würde, um der im Jahre 1923 an der Feldherrn- halle gefallenen Nattonalsozialisten zu gedenken.
liche Wunsch zur Verteidigung des Landes verringere in keiner Weife den Wunsch des finnischen Volkes oder seiner Arbeiterklasse, alles zu tun, um für friedliche Beziehungen zwischen Finnland und Rußland in einem Geiste, der sich mit den Interessen beider Nattonen verträgt, zu arbeiten.
Heftige Grenzkämpfe am Sonntag
Stockholm, 3. Dez. (DNB.) Die schwedische Presse hebt hervor, daß die finnischen Truppen entschlossenen Widerstand leisten und meldet Erfolge der Finnen. Die Zahl der angeblich ab geschossenen russischen Flugzeuge wird in „Dagens Nyheter" mit 25 angegeben, andere Blätter melden auf Grund der amtlischen finnischen Mitteilungen den Abschuß von 16 bis 18 russischen Flugzeugen. Hervorgehoben wird, daß die Flug-
<i^90^e^en feiue Mitgliederzahl beläuft sich
Auf Minen gelaufen
Stockholm, 3. Dez. (Europapreß.) Am Sonntag fiel der schwedische Dampfer „R u d o l f" einer Mine an der englischen Ostküste zum Opfer. Das schiff hat eine Wasserverdrängung von 2159 Ton- uen; es ist in Göteborg beheimatet. In dem letzten Funkspruch wurde der Reederei mitgete^lt, daß es der Besatzung gelungen sei, die Rettungsboote klar zu machen. Sie würden Kurs auf die englische Küste nehmen. Der Dampfer war mit einer Kohlenfracht von Hartpool nach Malmö unterwegs. — Wie Ha- vas bekannt gibt, ist der Dampfer Florida (7030 Brutto-Registertonnen) der Compagnie Generale Transatlantique auf eine Mine gelaufen. Man habe ihn in der Nähe eines französischen Hafens auf Strand setzen können. Zwei Mitglieder der Besatzung wurden getötet. — Der norwegische 1800 Tonnen große Dampfer „A r c t u r u 5" aus Bergen ist an der schottischen Ostküste auf eine Mine gelaufen. Acht Mitglieder der Mannschaft wurden von dem dänischen Dampfer „Ivar" gerettet. Neun Besatzungsmitglieder werden vermißt. — Mit dem Untergang des Oeltankers „S a n c a l i st 0" verloren zwei Mann ihr Leben. Der Tanker war auf
Ein neues Spanien im Aufbau
Von unserem i-Korrespondenten.
Der skandinavische Jntereffenkreis.
Die Ereignisse in und um Finnland haben! in den skandinavischen Ländern, also in Schweden, Norwegen und Dänemark ein sehr lebhaftes Interesse gefunden, wie schon aus dem Drei-Königs-Treffen unter Anwesenheit des finnischen Staatspräsidenten in Stockholm vor wenigen Wochen hervorgeht. Verhältnismäßig fern dem Schauplatz der Ereignisse ist Dänemark, das wir deshalb auch in diesem Zusammenhang nicht weiter behandeln. Der meistinteressierte Staat ist nach der räumlichen Lage auch nicht Schweden, sondern Norwegen. Denn das norwegische Staatsgebiet greift in einem weiten Bogen um den nördlichsten Teil der skandinavischen Halbinsel herum. Dieser Bogen ist die Kleinigkeit von 400 Kilometer lang. Auf ihm liegt auch das Nordkap, der nördlichste Punkt Europas. Ueber das Nordkap hinaus umfaßt dieses norwegische Randgebiet aber auch noch den Varanger-Fjord, an dem der etwa 50Kilometer breite finnische Korridor bei Pet» s a m a das nördliche Eismeer erreicht. Unmittelbar hinter diesem finnischen Korridor, also dem Varan- ger-Fjord gegenüber liegt die Fischerhalbinsel, deren westliche Küste finnisches Staatsgebiet ist, deren größter Teil aber bereits zu Sowjettuß- land gehört. Von hier wurden auch durch die sowjetrussische Telegraphenagentur (Taß) Zwischenfälle und Zusammenstöße gemeldet, die zu dem Auftakt des finnisch-russischen Konfliktes gehören.
Die schwedische Grenze liegt daher sehr viel weiter westlich und ist gute 250 Kilometer von der sowjetrussischen Grenze an der Stelle entfernt, wo das dazwischenliegende finnische Lappland am schmälsten ist. Dagegen fühlt sich Schweden aus zwei Gründen an Finnland interessiert: einmal, weil in Finnland das durch Jahrhunderte unter schwedischer Herrschaft stand, heute noch eine schwedische Minderheit von etwa 350 000 Menschen wohnt und dann weil Finnland der andere Uferstaat des Bottnischen Meeresarmes ist, der für die schwedische Erzaus- fuhr Bedeutung hat.
Die skandinavischen Größenverhältnisse werden meist in Binnendeutschland falsch eingeschätzt. Schweden hat einen Flächenumfang von rund 450 000 Quadratkilometer, kam also dem Deutschland vor 1938 (470 000 Quadratkilometer) ziemlich nahe. Die Bevölkerung Schwedens beträgt aller-
Die neue finnische Regierung des Ministerpräsidenten R y t i beschloß in ihrer ersten Kabinetts- sitzung ihre grundsätzliche Bereitschaft, eine friedliche Lösung des finnisch-russischen Konfliktes herbeizuführen. Der schwedische Gesandte in Moskau ist ersucht worden, der russischen Regierung diese Bereitwilligkeit zur Wiederaufnahme der Verhandlungen mitzuteilen. Wie verlautet, wurde der schwedische Gesandte in Moskau Winter von Außenkommissar Molotow empfangen.
Die finnische Regierung hatte am Samstag beschlossen, sich an die Genfer Liga zu wenden, unter Berufung auf Artikel 11 und 15 der Völkerbundssatzung auf Grund deren eine Ratsitzung oder Vollversammlung einzuberufen ist. Die Sozialdemokratische Partei und die Syndikatszentrale in Finnland nehmen in einem Aufruf zu der Lage Stellung. Es heißt in dem Auftuf: Der natur®
Madrid, Mitte November.
Nachdem der spanische Bürgerkrieg 32 Monate gedauert hatte, bedurfte es immerhin einer weiteren Frist von acht Monaten, bis nach dem siegreichen Einmarsch des Generals Franco Madrid wieder zur Hauptstadt des zu einer neuen nationalen Einheit erstarkten Spaniens werden konnte. Es han- dett sich demzufolge um einen Gärungsprozeß von mehr als dreijähriger Dauer (Juli 1936 bis November 1939), aus dem schließlich der in hundertjährigen Ueberlieferungen stärker als je verankerte nativ n a l-s y n d i k a l i st i s ch e Staat hervorge- gangen ist, der Anspruch darauf erheben kann, als ein „Neues Spanien" bezeichnet zu werden. Von dem Ausgang dieses Gärungsprozesses aber hing es ab, ob die Wiederherstellung der vor einem halben Jahrtausend aus einer religiösen Gleichschaltung hervorgegangenen nationalen Einheit ' überhaupt möglich war, und hierfür wiederum war die wichtigste Voraussetzung, daß der zwischen der , Nation und der chren inneren Zusammenhalt symbolisierenden Landeshauptstadt bestehende Zwiespalt beigelegt wurde. Zur Hauptstadt von Nationalspanien war schließlich Burgos geworden, nachdem zeitweise, vorwiegend aus militärischen Gründen, als Hauptguartier auch Salamanca in Frage gekommen war, während San Sebastian als gegen das Grenzgebiet vorgeschobener diplomatischer Beobachtungs- und Vermittlungsposten stets eine besondere Rolle gespielt hatte. Auf der anderen Seite hatte man dagegen den Sitz der Regierungen von Madrid nach Valencia, von Valencia nach Barcelona verlegt.
Madrid hat also vom ersten Tag des Bürgerkrieges an zu dem Teil Spaniens gehört, den die Nationalen zur beschleunigten Durchführung ihres Programms unbedingt benötigt hätten, doch erst nach dem definitiven Zusammenbruch auf der roten Seite in die Hand bekamen. Burgos dagegen, das n der schweren Krise der spanischen Wiedergeburt >er Mittelpunkt der nationalen Bewegung geworden st, hatte seine historische Rolle bereits ausgespielt, 1(5 im 15. Jahrhundert (1479) mit der Vereinigung her Kronen von Kastilien und Aragon der seitdem in Spanien dominierende Einheitsgedanke erwachte: Das letzte Wort über die Beendigung des spanischen Zürgerkrieges ist daher erst gesprochen worden, ds im November 1939 das Staatsoberhaupt General Franco dem von den Ministerien, diplorna- !ischeu Vertretungen und sonstigen an den Sitz der Regierung gebundenen Behörden bereits gegebenen beispiel gefolgt und als letzter ebenfalls von Burgos nach Madrid übergesiedelt ist. Die künftige Re- !edenz des Staatscbess wird vermutlich nicht in Nadrid selbst sein, sondern ein etwa 20 Kilometer entferntes Schloß, das dem Herzog von Jnfantado ! gehört.
Es würde ein Irrtum fein, etwa annehmen zu vollen, es sei alles beim alten geblieben, weil sich Spanien und die der schwierigen Aufgabe seines > Tationalen Wiederaufbaues am besten entsprechende Hauptstadt schließlich doch wieder zusammengefun- ten haben. Wer das sorglos in den Tag hinein- lbende Madrid früherer Tage gekannt hat, wird Km ihm nur einen schwachen Schatten wieder- fnben. Gewiß beginnen die Erinnerungen an einige bessere Zeiten sich zu beleben, und man könnte nitunter sogar etwas überrascht sein, wie wenig nanche Kreise, die sich auch heute noch ein kom- ■ firtables Dasein leisten können, durch die Erfah- ningen, die sie zur Genüge gemacht haben, klüger ^-worben sind. Dach die Spuren einer vielfach über iöes menschliche Fassungsvermögen hinausgehen- dm Leidenszeit, die diese unglückliche Stadt durch- g! macht hat, sind zu deutlich ausgeprägt, als daß I.lDn sich darüber täuschen könnte, und trotz allem
zeuge aus russischen Flugzeugstützpunkten in Estland gekommen seien, was damit belegt wird, daß bei den abgeschossenen russischen Fliegern estnische Geldmünzen gefunden worden seien. Ein Tagesbefehl des finnischen Generalfeldmarschalls Man- nerheim vom Freitag gibt die Zahl der bisher vernichteten russischen Tanks mit 36 an. Die Einnahme von Terijoki durch die Russen wird energisch dementiert. Die finnische Heeresleitung teilt mit,
daß am Samstag zwei russische Flugzeuge im Luftkampf bei Valkjärvi zum Landen gezwungen worden seien. Die Maschinen seien unversehrt in finnische Hände gefallen. Die Gefechtstätigkeit an der russisch-finnischen Kampffront hatte am Samstag nachgelassen. Russische Flugzeuge hatten am Samstagmorgen erneut militärische Anlagen in der finnischen Hauptstadt angegriffen. Am Sonntag fanden keine Bombenangriffe auf Helsinki statt. Dagegen soll es an der Grenze zu heftigen Kämpfen gekommen ein, wobei sich die finnischen Truppen aus eigenen Orten, unter anderem aus Terijoki, zurückgezogen haben. Die finnischen Truppenteile, die sich aus der karelischen Landenge auf die Hauptbe- estigungslinie zurückgezogen haben, hätten bisher ihre Stellungen halten können. Im Norden setzten die sowjetrussischen Truppen den Vormarsch von der Eismeerküste auf der Straße nach Süden fort und dürften die Stadt Salmijeri erreicht haben.
Die Räumung
der südfinnischen Städte.
Die Deutschen Helsinkis haben die Stadt verlassen.
Die Behörden haben angeordnet, daß Helink i beschleunigt von der gesamten Zivilbevölke- rung geräumt wird. Ministerpräsident R y ti hat mit der Regierung die Hauptstadt mit unbekanntem Ziel verlassen. Man spricht von einer Verlegung des Regierungssitzes nach Vasa. Das Diplomatische Korps ist aufgefordert worden, zunächst nach einem kleinen Landstädtchen in der Nähe von Hel- infi überzusiedeln. Die Behörden haben die Bevölkerung aüfgeforbert, auch die größeren Städte Südfinnlands im Laufe des Sonntags frei- willia zu verlassen. Wyborg wurde am Samstag bereits zwangsweise evakuiert. Die Maßnahmen sind ruhig und diszipliniert vor sich gegangen. Die Schließung aller Schulen ist an- geordnet worden. Die Räumlichkeiten sollen den Evakuierten zur Verfügung aeftetlt werden. Im Laufe des Sonntags begann Die Bevölkerung Der größeren Städte von Nyland, Helsinki und Abo mit Der Räumung. Auch Die meisten Behörden und Redaktionen der Zeitungen in Helsinki bereiten den Umzug in die Umgebung vor.
Die Einschiffung der Deutschen Helsinkis auf dem Dampfer „Donau" ist erfolgt. Bis zum Nachmittag waren 700 Deutsche an Bord, weiter 40 Mitglieder der russischen Gesandtschaft, 150 Italiener und 100 Esten. Die „Donau" hat Helsinki Sonntagabend verlassen. Auch Die britischen Staatsangehörigen sind angewiesen, Finnland zu verlassen. Die amerikanischen Staatsangehörigen werden sich am Montag nach Schweden begeben.
haben englische Bombenflugzeuge versucht, die Insel Helgoland anzugreifen. Infolge des starken Abwehrfeuers konnten die feindlichen Flugzeuge nur wenige Bomben abwerfen, die nur geringfügigen Waterialschaden anrichteten. Ein Fischerfahrzeug wurde versenkt.
Deutscher Dampfer entzog sich der Beschlagnahme.
K a p st a d t, 3. Dezember. (DNB.) Der deutsche Passagierdampfer „W a t u s s i" wurde auf der Höhe Des Kap der Guten Hoffnung am Samstag von seiner Besatzung durch Anbohren versenkt, nachdem er von südafrikanischen Bombenflugzeugen entdeckt worden war. Die Bombenflugzeuge hatten dem Kapitän des deutschen Dampfers Anweisung erteilt, den Hafen von Simonstoron anzulaufen. Die Kapitän lehnte das jedoch ab und zog es vor, sein Schiff durch Anbohren zu versenken.
Has geschieht, um gerade Madrid, als dem reprä= feitatioen Zentrum des nationalen Wiederaufstiegs, so schnell als irgend möglich auf die Beine zu frlfen, kann man sich, sobald man hinter Die Kittis- !n sicht, immer roieDer davon überzeugen, daß ti allenthalben noch am notwendigsten fehlt und «s sich, genau wie bei den meisten der in Eile wie- ^chergestellten Luxushotels vorerst naturgemäß um faen Anfang handelt.
Mitunter hat man den Eindruck, als hätten mache Teile von Madrid zwar die äußere Form zu ihrer Zeit glanzvollen Residenzstadt bewahrt, bcch sei zugleich eine völlige Umwertung w* bisherigen Lebensbedingungen eingetreten, die M schon Darin kundgibt, daß Die Bestimmung vieler hi' Das StäDtebilD charakteristischer Gebäude eine w>2ig andere geworben ist. Dies trifft nicht nur st den auf stolzer Höhe über Dem Manzanares fegenen Bouvbonenpalast zu, Dessen Prunk- ?cnächer, Da sie geplünDert worDen sind, kaum noch len Zweck eines Museums Dienen können. Die kcimshohen Buchstaben, Die am Giebel Des Par-1 litientsgebäuDes angebracht waren unb Die Inschrift »Sangrejo De DiputaDos" bifDeten, finD herunter- p-ommen worden und sollen so mit aller Deut- j^eit zum Ausdruck bringen, Daß es künftig keinen Mrteienfampf mehr geben Darf. Der Senat, Die jfe Kammer Der spanischen Volksvertretung, ist aus Der Staatspartei, Der „Falange Espanola 2r:-DicionaIifta", hervorgegangenen Nationalrat tmfejo Nacional) eingeräumt worDen, Der künftig jr nationalsynDikalistischen Regierung beratend zur
Ufijob
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Kirowsk
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