Hitler-Iugen- als Erntehilfe.
Bedarf ist dem Ortsbauernführer zu melden. — Oer Ortsbauernführer fordert den Einsatz beim Arbeitsamt an.
Die Hitler-Jugend hat, wie in den vergangenen Jahren, alle Vorbereitungen getroffen, um bei der Ernte nach Kräften mitzuarbeiten. Es liegt nun bei den Bauern und den Ortsbauernführern, Hilfe anzufordern. Der Weg ist sehr einfach: die einzelnen Bauern und Landwirte melden dem Ortsbauernsührer ihren Bedarf, und der Ortsbauernführer gibt die Meldung an das zuständige Arbeitsamt weiter, welches alles Weitere veranlaßt. Anscheinend war diese Regelung vielfach unbekannt, denn die Anforderungen entsprechen nicht den Erwartungen. Einerlei, ob es sich um Hilfe nur über ein Wochenende handelt oder für längere Zeit, ist diese Art der Meldung einzuhalten. Die Anforderung muß auch ausdrücken, wie lange der Einsatz dauert, da evtl, bei den Schulen für die Jungen Urlaub eingeholt werden muß.
Für die Getreidernte kommen als Hilfe nur die älteren Jahrgänge der Hitler-Jugend in Frage, Sechzehnjährige und Aeltere, bei der Hackfruchternte sollen alle verfügbaren Kräfte der HI. herangezogen werden. Es ist selbstverständlich, daß die HI. nicht als Ersatz für vollwertige Arbeitskräfte anzusehen ist, und die Mädel und Jungen dementsprechend in
ihre Arbeit erst einzuführen sind Bei der Festlegung der täglichen Arbeitszeit ist eine Mittagspause von mindestens einer Stunde und eine ausreichende Nachtruhe zu berücksichtigen. Die HI. betrachtet ihre Arbeitshilfe in der Landwirtschaft als Ehrendienst. Dementsprechend ist in erster Liine nicht an geldliche Entschädigung gedacht. Für die im Gebiet Hessen- Nas au eingesetzten Jugendlichen kommt eine tarifliche Entlohnung nicht in Frage. Lediglich soll den Jungen, die einen Verschleiß ihrer Arbeitskleidung nicht selbst tragen können, eine Entschädigung, die der Bauer selbst bestimmt, gegeben werden.
Die Versicherung regelt der Erlaß des Reichsarbeitsministers vom 29. 8.1938 wie folgt: Die als Erntehelfer eingesetzten Schüler sind krankenversicherungspflichtig vom ersten Tage an. Zuständig sind die allgemeinen Krankenkassen des Dersicherungs- ortes oder die Landkrankenkassen. Der Beitrag beträgt pro Tag 10 Rpf. und ist vom Arbeitgeber zu entrichten. Die Anmeldung ist durch den Arbeitgeber vorzunehmen. Die An- und Abfahrt geschieht auf 50-v. H.-Fahrpreisermäßigungsschein, die Fahrtkosten soll der Bauer zurückvergüten.
Aus Schrott wird Gold?
Allein die deutsche Stahlerzeugung, die starrste der Welt, benötigt zu ihrer Gewinnung 75 v. H. Eisenschrott, also Dinge, die der Laie als altes und wertloses, oft lästiges Gerümpel bezeichnet und verachtet. Allein im letzten Jahre führten wir 11,46 Millionen Doppelzentner Schrott ein, trotz der damals schon eifrigen Sammeltätigkeit der SA., HI., DAF. und der Schuljugend, von denen allein die SA. 100 000 Tonnen Schrott sammelte, während die Aktion der DAF. zur Erfassung der in den Betrieben unnütz lagernden Schrottmengen rund 270 000 Tonnen aufbrachte. Wir haben im Vorjahr für eingeführten Eisenschrott 49,93 Millionen RM. dem Ausland bezahlen müssen, und in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres sind es 13,97 Millionen RM. gewesen. Dazu kommen die Summen, die wir für Schrott aus unedlen Metallen dem Ausland entrichten. An Bruchkuvfer, Kupferspänen, Kupferglühspan und anderen Abfällen dieses Metalls mußten wir 12,26 Mill. RM. dem Ausland geben. Für die Einfuhr von Bruchaluminium war 1938 ein Betrag von 2,58 Mill. RM. erforderlich. Diese Beträge wurden zum größetn Teil in Devisen entrichtet, die wir sonst für andere, nicht einheimische Rohstoffe verwenden könnten. Hier ist also eine Verminderung der Auslandslieferungen eine dringende und gebieterische Pflicht.
Deshalb ist eine neue Schrottschlacht angesetzt worden. Trotz aller Entrümpelungsaktionen, die durch den Luftschutz notwendig wurden, finden sich noch immer Massen vonSchrott im Haushalt, von der zerbrochenen Kaffeemühle, oder dem leck gewordenen Eimer bis zu unbrauchbaren Nähmaschinen und sonstigen Dingen. Manche Hausfrau pflegt sich nicht gern von solchen Gegenständen, die einst, als sie neu waren, ihr Herz erfreuten, zu trennen. So wird das alte Gerümpel oft jahrelang auf gehoben und durch neues vermehrt. Es ist toter Ballast. Aber das Vaterland fordert, daß wir mit allem Altmaterial sorglich umgehen. Wir dürfen nichts verschwenden oder „in den Mülleimer werfen", was die hochentwickelte Technik wieder benutzen kann, und die Pfennige, die das Altmaterial einer einzelnen Haushaltung vielleicht wert ist, werden zu Millionen, wenn es sich in den Hoch- und Schmelzöfen wieder in Stahl und andere Metalle verwandelt.
Als die Sammlungsaktionen in Deutschland be
gannen, spottete man im Ausland darüber und behauptete, sie seien „das beste Zeichen für den deutschen Bankrott". Die ausländischen Toren verstanden einfach nicht, daß wir als Nation bedachtsam leben und so wirken müssen, daß mit einem möglichst sparsamen Verbrauch von Rohmaterial und der umfassenden Sammlung von Altmaterial ein möglichst hoher Nutzeffekt gewährleistet wird. Heute spottet niemand mehr über die deutsche Altmaterial- erfassuna, man sucht sie sogar nachzuahmen. Allerdings fehlen dem Ausland dafür die deutschen freiwilligen Hände, die in der Partei und ihren Gliederungen auch im Kleinen willig den Dienst an der Wohlfahrt der Allgemeinheit und damit des Groß- deutschen Reiches versehen. Wenn sie jetzt wieder in die Schrottschlacht ziehen, wird jede Hausfrau bemüht sein, ihnen zu helfen, damit auch der neue Erfolg gesichert werde.
3um Urteil
gegen Ireiherrn von Kittlitz u. a.
Lpd. Darmstadt, 3. August. Die Justizpresss- stelle Frankfurt teilt mit: Zur Vermeidung von Personenverwechslungen ist eine bei der Verkündung des Sondergerichtsurteils vom 31. Juli im Devisenprozeß gegen Dr. Freiherrn von Kittlitz und drei andere unterlaufene Unrichtigkeit auch in den Pressemeldungen richtigzustellen. Neben den beiden Hauptangeklagten ist nicht der Rechtsanwalt Dr. Fritz B., sondern Dr. Ferdinand B. aus Mainz wegen fahrlässiger Deoisenvergehen in zwei Fällen zu den bereits veröffentlichten Geldstrafen verurteilt wordekl.
Frauen als Straßenbahnschaffnerinnen in Frankfurt.
LPD. Frankfurt a. SR., 3.Aug. Die Frankfurter Straßenbahnverwaltung wird nun auch dazu übergehen, Frauen als Straßenbahnschaffnerinnen einzustellen. Durch das Städtische Modeamt ist gemeinsam mit der Straßen- bahnverwaltung eine geschmackvolle Dienstkleidung für die Schaffnerinnen entworfen worden.
„Mundraub- an Küchenabfällen.
Der Inhalt der EHTV.-Eimer.
Eine bemerkenswerte Gerichtsentscheidung.
Lpd. Mainz, 3. Aug. Das Amtsgericht Mainz hat eine Entscheidung getroffen, die alle Äleintier- Halter interessieren dürfte. Ein Mann aus Zahlbach hatte zur Fütterung seiner Gänse und Schweine von einem Haushalt laufend Küchenabfälle erhalten. Vor einiger Zeit machte er sich auch an einem EHW. - Eimer zu schaffen und nahm daraus mit, was er gebrauchen konnte. Es erfjob sich nun
die Frage, wem die Abfalle von dem Augenblick an gehörten, als sie in den Eimer geworfen wur. den. Der Haushaltsyorstand, aus dessen Küche die Abfälle stammten, erklärte vor Gericht, daß es ihm gleichgültig sei, wer sie sich aneigne Das Gencht stellte eindeutig fest, daß die Abfalle schon da un> anta st bares Eigentum des EH W. waren, als sie in den betreffenden Eimer kamen. Der Kleintierhalter erhielt deshalb wegen Mundraubes eine Geldstrafe von 12 RM. Wer bisher ebenfalls ahnungslos EHW.-Eimer entleert hat, mag aus tiefer Entscheidung die notwendige Lehre ziehen.
Aus Der engeren Heimat.
Altbürgermeister Fendt, Hungen, t-
Nach längerer schwerer Krankheit verstarb am gestrigen Donnerstag in der Chirurgischen Klinik in Gießen der Altbürgermeister Julius Fe n d t von Hungen. Dem Verstorbenen, der ein ungemein arbeitsreiches und ein jahrzehntelang im Dienste der Allgemeinheit stehendes Leben hinter sich har, wird nicht nur in Hungen, sondern darüber hinaus in gaiu Oberhessen ein ehrendes Andenken bewahrt bleiben.
Altbürgermeister Fendt war ein Sohn der Stadt Hungen, wo er im Jahre 1869 geboren wurde. Er besuchte die Volks- und dann die Höhere Bürgerschule seiner Heimatstadt, anschließend das Realgymnasium in Gießen. Dann war er im elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb tätig, um später bei einer Großhandelsfirma in Frankfurt a. M. in die Lehre zu gehen. Anschließend war er in Wien und auch in Berlin tätig. Als er nach Hungen zurückkehrte, übernahm er die elterliche Landwirtschaft und das elterliche Geschäft. Acht Jahre danach, im Jahre 1904, wurde er in das Amt des Bürgermeisters von Hungen berufen, das er unermüdlich und gegen alle Widerstände in treuer Fürsorge für Stadt und Bevölkerung 30 Jahre lang verwaltete.
In seine Amtszeit siel eine Fülle der Arbeit, die der Stadt in vielen Belangen zum Besten diente. Unter feiner Initiative wurde die Wasserleitung gebaut, die Feldbereinigung durchgeführt, die Stadt durch Straßenanlagen und Straßendurchbrüche aufgelockert und damit für die Bevölkerung gesundere Verhältnisse geschaffen. Unter seiner Anregung entstand ein Schulhausneubau mit einem Bad für Schüler und Erwachsene, das vom Schularzt und Schulmännern als mustergültig anerkannt wurde. Ein Dolksfreibad wurde erstellt, die Stadt teilweise kanalisiert, ein neuer Marktplatz geschaffen, die ehemaligen Wüstungen wurden zu Parkanlagen verwandelt, Neubauten zur Linderung der Wohnungsnot erstellt, ein Gefallenen-Ehrenmal wurde errichtet, und die Straßen wurden den Forderungen des modernen Verkehrs angepaßt.
Dem Altbürgermeister Fendt, den eine unermüdliche Schaffenskraft auszeichnete, wurden viele Ehrenämter angetragen, und stets fand er sich bereit, sie zu übernehmen und auszufüllen. Er war im Vorstand des Hessischen Landgemeindetages, des Oberhessischen Provinzial - Landgemeindetages und des Landesverbandes Hessischer Bürgermeister tätig, er stellte sich dem Kreisverein der Bürgermeister zur Verfügung, wirkte mit im Ausschuß der Ortskrankenkasse Gießen-Land, er war Schiedsrichter in Feldbereinigungsverfahren, Vorsitzender des Gemeindeverwaltungsausschusses des Hessischen Waldbesitzerverbandes, war in Steuerausschüssen usw. unermüdlich tätig. Interessant ist die Tatsache, daß aus der Familie des Bürgermeisters Fendt schon mancher Bürgermeister hervorging, die u. a. in Schotten und in Büdingen amtierten.
Altbürgermeister Fendt hat sich durch feinen lauteren Charakter und feine Hilfsbereitschaft die Wertschätzung aller derer erworben, die ihn kannten und mit ihm zusammen zu arbeiten hatten. Unsere engere Heimat verliert mit ihm eine Persönlichkeit, deren Kraft ganz aus der Heimat erwuchs und die ganz für die Heimat dienstbar war.
Neues vom 4937er Oachswurf in Oberhessen über der Erde.
In 1937 brachte ich einen Artikel über dieses absonderliche Geschehnis, das sich in der Revier- förfterei Harbach meines früheren Forstamts zugetragen hatte. Dabei stellte ich mehrere Der- mutungen auf, die wohl das widernatürliche Ge- baren der Dächsin bewirkt hätten.
Im Jahre darauf (1938) hatte sie wieder in kaum 50 Meter (Entfernung von der alten Stelle zwei neuartige Gebilde (sehr geräumige Polster aus Moos und langem Grafe) zusammengetragen, die aber nicht mit Jungen belegt wurden, was merk- würdig anmutete. Vielleicht mögen Störungen die Ursache gewesen sein. Lange hörte und sah der Reoierbeamte nichts von der Einsiedlerin — was übrigens bei der Heimlichkeit der Familie Meles nicht weiter Wunder nimmt — auch nichts von evtl. Nachwuchs, trotz verstärkten Beganges des abgelegenen Forstortes in den Sommermonaten, der einzigen Zeit, in der man dem Dachs am hellen Tage begegnen kann. Erst im nächsten Herbst, wenn die Dächse ihr Höchstgewicht aufzuweisen haben, traf auf her Revierförsterei die Kunde ein, daß in unmittelbarer Nachbarschaft des Vorholzes in Mauerresten des Nebengebäudes eines kleinen am Saum des Waldes gelegenen, aber nicht mehr bewohnten Gehöftes ein Raubtier fein Wesen treibe. Mit Hilfe eines Dachshundes — und ich glaube auch einer Bohnenstange — wurde nun das Ungetüm ans Tageslicht gebracht, und siehe da, was man annahm, es entpuppte sich als die bekannte Dachsfähe aus dem nahen Gehölz. Sie fand natürlich schon mit Rücksicht auf dem im Werden begriffenen Fasanenbestand, die die Oerttichkeit auf« weist, keine Gnade. Man blies ihr das Lebenslicht aus. Als man tags darauf ihre Schwarte abschärfte, wurde das Rätsel gelöst. Es wurde nämlich eine alte starke Laufverletzung festgestellt, worin die Eigenart des Wochenbettes über der Erde ihre Erklärung findet. Denn es war dem Tier — mangels eines gebrauchsfähigen lebenswichtigen Grabwerk- zeuges — kaum möglich, einzufahren, den Kessel einzurichten und die Erde aus der Tiefe herauszu- schaffen. Jedenfalls war es für derlei harte Arbeiten stark behindert, so daß es sich oberirdisch einzurichten gezwungen sah.
Damit dürfte der Schleier gelüftet sein, der fast drei Jahre geheimnisvoll hing über dem eigentümlichen Aufsehen erregenden Benimm von Frau Grimbart in den Göbelnröder Tannen.
Oberforstmeister a. D. Eckstein, Grünberg (Oberhessen).
Som Horst-Weffel-Lager bei Grünberg.
"+ Orünberg, 4. Aug. Am Donnerstag aing der zweite Lehrgang im Hör st-Wessel- Lag er zu Ende. Rund 1800 Pimpfe haben in zwei Lehrgängen von je neuntägiger Dauer das Lager durchlaufen. In dieser Zeit fanden auch mehrere öffentliche Veranstaltungen durch das Lager statt. So wurden an den beiden letzten Samstagen auf dem Marktplatz Dorfgemeinschafts-
GROSSGARAGE
■ßltei U/eiten
Roman von Harald Baumgarten
Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35
33 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Als Miller neben dem Beamten herging, hatte fein hübsches, leichtsinniges Gesicht einen verkniffenen Ausdruck. Ich Esel! beschimpfte er sich immer wieder. Warum nur habe ich geschossen? Ich Idiot! Sie hätten mir nichts nachweisen können. Das Schriftstück ist nicht da. Burd hatte es gar nicht bei sich. Dieser blödsinnige Schuß! Man hätte mir nichts oder nur wenig anhaben können ...
„Setzen Sie sich!" sagte Gräupner. Sein ernster und jetzt ftrenger Blick haftete auf Millers Gesicht.
Etwas bedrückt setzte sich Miller und senkte die Augen. Seine ganze Frechheit versank.
„Ein offenes Geständnis wäre das beste für Sie, Herr Miller. Sie suchten in der Garage ein Schriftstück, das Sie enterbte und das Vermögen Fräulein Sandner zusprach. Warum enterbte Sie Ihr Onkel? Er hat Sie doch icchrelang unterstützt?"
Ein schiefer Blick traf den Kriminalrat. „Mein Onkel hat mich nicht enterbt. Es war nur eine Dro- hung."
„Dir wissen, daß Mister Burd an dem Abend, an dem er starb, einen Notar aufsuchen wollte. Haben Sie ihn auf dem Wege zur Garage gesprochen?"
„Ja. Und da drohte er mir eben, mich zu enterben. Er behauptete, um mich einzuschüchtern, er habe ein neues Testament bei sich. Aber es stimmt nicht."
„Wie kamen Sie dazu, Fräulein Sandner von Ihrem Freund Schmal beobachten zu lassen?"
Miller wurde immer unsicherer. Was wußte der Mann? „Mein Onkel hat schon vor drei Jahren mit ihr angetnüpft. Er hatte auch Bemerkungen fallen lassen, daß er sich für das Mädchen interessiere."
Die Stimme des Äriminalrats war messerscharf! Miller zuckte zusammen. „Lügen Sie nicht! Er hat Ihnen einen Brief geschrieben, in dem er Ihnen mitteilte, daß er Fräulein Sandner als (Erbin ein« setzte. Ihre frühere Wirtin hat Kenntnis davon." „3a, das hat er geschrieben."
„Gut! Daraufhin setzten Sie sich mit Schmal in Verbindung und ließen sich von ihm falsche Papiere anfertigen. Wir kennen Otto Schmal sehr genau."
„Sie wissen ja alles! Warum soll ich da noch reden?"
„Sie haben auf einen Menschen geschossen. Sie wissen, was darauf steht?"
Miller wurde totenblaß. Seine Lippen bebten. „Ich — ich muß von Sinnen gewesen sein ... Nein, ich habe nicht auf ihn geschossen. — Es war ein unglücklicher Zufall... Ich lief den ©ang„ hinauf, und dadurch war meine Hand unsicher ..."
„Darüber wird das Gericht entscheiden, Herr Miller. Sie haben das Schriftstück in der fahrenden Leihbibliothek gefunden?"
Erregt sprang Miller auf. „Nein, ich habe es nicht gefunden! Es ist gar nicht vorhanden! Man kann mir mein (Erbe nicht streitig machen — niemand kann das!"
„Was für Geschichten haben Sie sonst noch gemacht? Warum wollte Mister Burd Sie enterben? Uebrigens war es eine große Dummheit von Ihnen, den Notar Grußendorf anzurufen und die Stimme ihres Onkels nachzuahmen. Dadurch sind wir nämlich auf Sie aufmerksam geworden. Herr Vallendar hat es entdeckt." Er beugte sich plötzlich vor. „Wußten Sie das? Haben Sie deshalb auf ihn geschossen?"
Ganz fest schloß Miller den Mund. „Ich sage nichts mehr."
Ein Klingelzeichen Gräupners. „Führen Sie den Mann ab!"
Als sich die Tür hinter Miller geschlossen hatte, öffnete Gräupner die Tür zum Flur. „Darf ich bitten, meine Herrschaften?"
Charly und Vallendar betraten den Raum.
Gräupner wies auf zwei Stühle. „Bitte, nehmen Sie Platz! Ich habe Ihnen noch zu danken, Herr Vallendar! Durch Ihr (Eingreifen konnten wir Miller festnehmen. Es war eine sehr mutige Tat!"
Vallendar hob die Hand. „Aber nein, das war doch selbstverständlich! Ich mußte doch die Scharte auswetzen. Die ganze Nacht habe ich neben dem Burschen im Stroh gelegen und mir seine Redereien anhören müssen."
Sie lachten alle ein wenig, dann wandte sich Gräupner an Charly. „Ja, Fräulein Sandner, das Schriftstück hat sich nicht gefunden. Sie werden der Erbschaft, die Ihnen von Burd zweifellos zugedacht war, verlustig gehen."
„Aber ich gäbe keine Ahnung, wie Mister Burd überhaupt dazu kam, mich zu bedenken!"
„Das wird wohl in dem Schriftstück gestanden haben. Ich bin sicher, daß es existiert. Und wir sind dazu da, dafür zu sorgen, daß Mister Burds letzter Wille erfüllt werde. Außerdem haben wir die Pflicht, Schmal unschädlich zu machen. Ich werde die beiden vorführen lassen. Erschrecken Sie nicht, Fräulein Sandner, wenn Sie in Schmal einen alten, gewiß nicht angenehmen Bekannten wiedersehen! Miller hat Sie doch ins Geschäft gefahren. Was wollte er von Ihnen?"
„(Er fragte mich nach allem möglichen. Ob ich nicht bald aufhören würde zu arbeiten?" Sie errötete. „Ich erwiderte, das fei schon möglich. Aber vorläufig sei es noch nicht jo weit."
Vallendar drückte verstohlen ihre Hand.
„Er hat von Ihnen herausbekommen wollen, Fräulein Sandner, ob Ihnen das Testament viel- leicht zugestellt worden sei. Aber Sie haben doch keine amtliche Zustellung erhalten?"
„Nein, gar nichts."
„Na, dann müssen wir sehen, was Schmal zu sagen hat!" Gräupner telephonierte. „Schmal und Schramm vorführen!" Während der Pause sah er Vallendar und Charly an. „Eine ungemütliche Situation für Sie — aber ich kann sie Ihnen leider nicht ersparen."
Schmal und Schramm traten ein. ,Zch möchte fragen, warum ich hier festaehalten werde!" sagte Schramm in beleidigte.u Biederma: ,:2ton. „Ich bin ein ehrlicher Mann. Ich habe ein llein.s Geschäft. Ich habe fest geglaubt, mein Freund Otto hätte einen Führerschein. Er hat doch früher einen gehabt — ich weiß es!"
„Ich bitte um Ruhe, Herr Schramm! Seit wann fälschen Sie Führerscheine, Schmal?"
„Ich? Nie in meinem Leben! Ich bin gebessert. Ich habe bloß mal wieder Auto fahren wollen. Ich---" Sein Blick fiel auf Charly, und er ver
stummte.
„Sie beschränken sich also jetzt auf Beobachtungen, Schmal? Machen so ’ne Art Privatdetektiv für Herrn Miller? Aber Krügel — Sie kennen ihn doch? — hat bei Ihrer Wirtin, Frau Zanger, ein bißchen nachgesehen. Und da hat er Papierschnitzel gefunden. Hier sind sie! Und da steht, wenn man die Schnitzel zusammensetzt, deutlich der Name ,Burd'."
„Spielerei, Herr Rat. Hab' ich mal so hingeschrieben."
„Vielleicht unter einen Wechsel oder Scheck, wie? Es ist die Handschrift Burds. Ich habe die eigenhändige Anmeldung Burds im Palasthotel. Sie verkehren ja jetzt auch dort. Schmal."
Schramm stand auf; er hielt den Kopf etwas schief. „Ich kann wohl gehen? Ich wüßte nicht, was ich noch länger hier zu tun hätte. Meine Frau wartet."
Prüfend ruhte der Blick des Kriminalrats auf Schramm. „Sie kennen James Miller nicht?"
„Nein, Herr Kriminalrat, den kenne ich nicht!"
„Sonderbar! Sie haben doch mit ihm in einer Kneipe zusammengesessen? Der Wirt hat das wenigstens behauptet. Die Aussage liegt vor."
„Ich? Ach so, mit dem jungen Mann? Ja, wie er heißt, wußte ich nicht."
„Wie kommen Sie überhaupt in die Gegend? Sie wohnen doch draußen in Wannsee!"
„Ich habe meinen Freund Schmal besucht."
„So? Aber Sie taten doch, als ob Sie Schmal gar nicht kennten? Das hat der Wirt Kriminal- inspektor Rietzel gegenüber nämlich auch behauptet."
Verstört schwieg Schramm.
„Na, Goldzahn-Otto, es hilft ja doch nichts: Sie haben einen Wechsel auf den Namen Burd gefälscht. Wir haben bereits an die Bank Burds nach Los
Angeles gekabett. Der Wechsel wird sich finden — meinen Sie nicht?"
Schmal wurde schwach in den Knien; sein Magen knurrte. Er ergab sich in sein Schicksal. „Sie haben ihn wohl schon, Herr Rat?"
„5a, ich habe ihn, Schmal. Er hat sich bei genauer Durchsicht in Burds Papieren gesunden. (Ein in Berlin ausgestellter Wechsel zu einer Zeit, da Mister Burd in Los Angeles war. Und auf den Wechsel hin hat Burd seinen Neffen enterbt. Wie?"
„Kann möglich sein, Herr Rat."
„Aber eine Pension im Westen kostet doch Geld, ein Auto noch mehr. Woher hatte Miller das Geld? Denken Sie doch mal nach, Herr Schramm!"
„Ich bin ganz unschuldig, Herr Rat! Ich habe den Wechsel beliehen. Es stand doch Burds Name darunter. Warum sollte ich nicht aushelfen, wo ihm doch sein reicher Onkel 'nen Wechsel geschickt hatte?"
„Aha! Also jetzt kennen Sie Miller — sehr genau sogar ... Sie geben also zu, Miller Geld geliehen zu haben? Sie wußten, daß Schmal die Unterschrift gefälscht hatte?"
„Niemals, Herr Rat!"
„Darüber sprechen wir später. Dabei werden wir uns Ihr Geschäft auch mal näher betrachten."
Schramm wurde blaß. Seine kleinen Augen fingen an zu glitzern.
„Wie kamen Sie zu dem kleinen Heft, das die Kundenliste der Leihbücherei Weber enthält? Miller es Ihnen gegeben? Er hat es nämlich 0*' stöhlen."
Schramm schwieg. Er senkte den Blick und sah wie ein beleidigter Spießbürger aus.
Schmal verdrehte die Augen und faltete die lanM Finger. „(Es ist schrecklich mit Ihnen, Herr M Schramm, ich habe Ihnen gleich gesagt: Es hüt keinen Zweck! Wenn bloß der Miller nid) so vel' rückt gewesen mär’, den Notar anzurufen!"
„Und wo haben Sie nun das Testament?"
„Mein Ehrenwort, Herr Rat: Wir haben es mch! Sie können mir glauben: Wir beide haben es nie m der Hand gehabt!" .
Gräupner ließ den Beamten hereinkommen. „Müler vorfuhren!"
Als Miller hereinkam, stutzte er. Dann warf er Schmal einen bedeutungsvollen Blick zu, den der Kriminalrat auffing. *
„Ausreden haben keinen Zweck mehr, Schmal- sagte er scharf. „Wollen Sie nun endlich sagen, wo das Schriftstück ist, Miller?" ,
Frohlockend lachte Miller auf. „Es existiert mch" Ich bin der Erbe!"
Schmal schlug sich auf die Schenkel, daß es klatschte. „Ach, du grüne neun, James! Was du st» ein kluger Bengel bist! Laß dich doch nid) verkohlen» Das Schriftstück hat das Mädel doch längst!"
Verblüfft erhob sich der Kriminalrat. „Sie Haven
-das Schriftstück, Fräulein Sandner?" . w Verwirrt schüttelte sie den £snt „Nein, nein-
(Fortsetzung folgt)


