Ausgabe 
4.3.1939
 
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Aus -er Wett des Ulms.

Aufruhr in Damaskus/'

Gerhard dienert ist einer der Darsteller des Terra-FilmsAufruhr in Damasku s", der demnächst auch in Gießen gezeigt werden wird. (Photo: Terra.)

Gute Zdeen.

Ein brennendes Film-Problem.

Das kluge WortLehre ist trockenes Brot aber Beispiel ist Muttermilch" sei hier befolgt. Stellen wir uns daher einen Tuchfabrikanten vor, dessen Geschäft blüht, weil er seine Groß-Abnehmer mit Tuchen beliefert, deren Muster von jedermann sehr begeht werden. Während nun eine Lieferung nach der anderen die Fabrik verläßt, zerbricht sich der Tuchfabrikant den Kopf darüber, woher er immer wieder neue Muster nehmen soll. Er selbst, der den allerbesten Blick für gute neue Muster besitzt, kann unmöglich die täglich zu Hunderten angebotenen Muster durchsehen, denn die Herstellung seiner Tuche nimmt ihn von morgens bis abends in Anspruch. Selbstverständlich hat der Tuchfabrikant Angestellte, die nach neuen Mustern ausschauen sollen. Allein diese Angestellten haben wegen vieler anderer Auf­gaben auch nicht viel Zeit, nach neuen Mustern zu fahnden. Könnte der Fabrikant nicht einfach weitere Muster-Sucher" einstellen? Er täte es gern. Aber gute Muster-Sucher sind selten. Nicht ohne Grund. Sobald sich nämlich ein Muster-Sucher bewährt hat, packt ihn der Ehrgeiz, und er strebt entweder danach, innerhalb des Betriebes einen höheren Posten bekommen, oder aher er macht ein eigenes Geschäft aus. Wer hätte nicht mit diesem Tuchfabrikanten Mitleid? Denn beim Zeus! er sitzt in einer argen Zwickmühle, weil er neuer Muster dringend bedarf, sie aber weder selbst noch durch seine Ange­stellten beschaffen kann!

In einer solchen Zwickmühle befindet sich heute auch der Film. Weder die maßgeblichen Leiter der Filmgesellschaften, die den besten Blick und Spür­sinn für gute Ideen haben, noch die Filmdrama­turgen (das sind dieMuster-Sucher") haben Zeit, aus der Fülle des täglichen Angebots die guten Filmideen herauszufinden, obwohl die Filmgesell­schaften ihrer dringend bedürfen, um den Groß-Ab- nehmern (das sind die Kinobesitzer) laufend neue Filme zu liefern. Als Zeuge dafür, daß die Film­dramaturgen mit zuviel Filmüberwachungen be­lastet sind, als daß sie auf die Pirsch nach neuen, Original-Filmstoffen gehen könnten, wie auch da­für, daß ein Mangel an Film-Dramaturgen besteht, kann der neue Produktionsleiter der Tobis, Ewald von Demandowfky, angeführt werden, der vor kurzem noch als Reichsfilmdramaturg in einem sehr beachteten AufsatzDer Film von gestern und morgen" über diese als auch über viele andere verzwickte" Fragen des Films geschrieben hüt.

Nach der Grippe Bioferrin!

Leistet Bioferrin schon allgemein in den Winter­monaten bei Blutarmut, Müdigkeit und Appetit­losigkeit gute Dienste, so ist seine Anwendung in Genesungszeiten besonders nützlich

Kinder und Erwachsene nehmen, um nach über­standenen Erkältungskrankheiten rasch wieder her­gestellt zu sein, das Kräftigungsmittel Bioferrin.

dem Schiller seineRäuber" zugeschickt hatte, das Stückbrühwarm" dem Leiter des Mannheimer Na­tionaltheaters, Freiherrn von Dalberg, vorge­lesen hätte. Wie, wenn Schiller sein Erstlingswerk dem Theater direkt zugeschickt hätte, wenn es dort von dem zuständigen Dramaturgen zwar registriert, aber wegen anderweitiger Ueberlastung nicht gelesen worden wäre? Oder wenn der Dramaturg das Ge­nie Schillers nicht erspürt hätte, weil ihm weder der

Wie könnte nun die Zwickmühle des Films, was das Finden neuer Filmideen anbelangt, umgangen werden? Bei dem Tuchfabrikanten können wir keinen Rat holen. Er weiß selbst keinen Rat, Aber es gibt eineBranche", die dem Film viel näher steht als die Tuchfabrikation: das Theater. Auch beim Theater laufen täglich Hunderte von Theaterstücken ein, die weder der Intendant noch der Theaterdramaturg prüfen kann. Das Theater kennt aber eine Zwischeninstanz zwischen dem Büh­nenautor und dem Intendanten. Es ist der Büh­ne n o e r l eg e r. Er nimmt dem Theater ein gut Teil, oft die meiste Arbeit ab. Er kann dies, weil er fachlich geschult ist und einen vorzüglichen lieber« blick über die Bühnen hat.

Der Gedanke liegt deshalb nahe, eine solche In­stanz, den Filmoerleger, auch zwischen den Filmautor und der Filmgesellschaft einzuschalten. Das Wort Instanz darf nicht schrecken. Am allge­meinen pflegen zwar Instanzen den Weg von unten nach oben zu verlängern. Beim Bühnenoerleger ist dies nicht der Fall. Vielmehr sind sehr viele dra­matische Talente erst durch den Bühnenverleger auf den richtigen Weg geführt und dem Theater ge­wonnen worden. Dieselbe pflegliche Behandlung auf­keimender Begabung stünde dem Filmoerleger zu, sieht doch auch Ewald von Dernandowsky die Notwendigkeit, den jungen Filmautor zunächst ein­mal filmisch zu schulen.'

Jeder könnte die Frage einwerfen: Was geht uns Zeitungsleser die Zwickmühle des Film an? Das ist eine' interne Angelegenheit der Filmgesellschaften. Weit gefehlt! Im vergangenen Jahr füllten in Groß­deutschland rund 500 Millionen Besucher die deutschen Lichtspielhäuser. Diese 500 Millionen Besucher, zu allermeist-deutsche Volksgenossen, haben ein Recht auf das Beste vom Besten! Nochmals ein Beispiel alsMuttermilch": Es ist durchaus denk­bar, daß SchillersRäuber" in den deutschen Thea- terarchioen verstaubt, d. h. niemals aufgeführt wor­den wären, wenn nicht der Mannheimer Buchhändler und Bühnenoerleger, der Hofkammerrat Schwan,

Blick Schwans noch Dalberas eigen war? Falsch das Wort, daß jedes Genie sich selbst Bahn bricht! Rudolf D i e s e l, der Erfinder des Dieselmotors, hat es einmal ausgesprochen:Von 100 Genies gehen 99 unentdeckt zugrunde!"

Demnach: fünfhundert Millionen Besucher deut­scher Lichtspielhäuser dürfen fordern, daß alle einlaufenden Filrnideen von den Allerbesten der Filmgesellschaften gesichtet und geprüft werden, damit keinSchiller des Films", der uns so nottut, zugrunde geht. Wie diese schwierige Aufgabe zu be­wältigen ist? Vielleicht hilft der kommende Film­oerleger den Filmgesellschaften aus der verzweifel­ten Zwickmühle des Films, indem er den maßgeb­lichenDalbergs" des Films die besten Filmideen ... brühwarm oorlieft? Dr. F. B.

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Fotos Gründgens-ProcL / Terra

Eine Szene aus dem Terra-FilmDer Schritt vom Wege", den Gustaf Gründgens nach Theodor Fontanes Meister-RomanEffi B r i e st" «gedreht hat. Unser Bild zeigt Marianne Hoppe als Effi und Carl Ludwig Diehl als Inftetten. Der Film wird in den nächsten Tagen auch in Gießen laufen.

Die Hochzeitsreise

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Angela Salloker und Matthias Wieman in dem neuen Ufa-FilmDie Hochzeitsreife".

(Scherl-Bilderdienft-M.)

Kartenspiel im Kulturfilm.

Die Erfinder des Kartenspiels sollen die Chinesen sein. Im 14. Jahrhundert wurde in Europa das Spiel mit bebilderten Karten eingeführt. Seitdem hat die Spielkarte eine vielfältige Wandlung durch­machen müssen. Das Prinzip der Spiele ändert sich indessen nicht, nur die Bilder der Karten wechselten je nach Geschmack und Laune Die Spielkarte war der Mode unterworfen. Besondere geschichtliche Er­eignisse fanden in der Bebilderung des Kartenspiels ihren Niederschlag. Insofern bildet heute die alte Spielkarte ein für den Sammler überaus inter­essantes Kulturdokument.

Wenn wir das Spiel mit den bunten Karten auch von den Chinesen übernommen haben sollen, so ist der beliebteSkat" doch ein urdeutsches Spiel. Mit ihm erfreuen sich66", Romms und Bridge in Deutschland besonderer Beliebtheit. Es soll auch neben dem Spiel jeneSpielerei" nicht ohne Er­wähnung bleiben, die wir als Kartenkunststück be­zeichnen. Wir lachen, wenn Herrn Schulze ein gan­zes Kartenspiel aus der Nase gezogen wird, oder Herr Müller aus 32 Blatt dierichtige" Karte zieht. Geschwindigkeit ist keine Hexerei, aber Karten­kunststücke am Spieltisch sollte man sich entschieden verbitten.

Wenn unter dichten Tabakwolken drei oder vier Männer das bunte Spiel kräftig auf den Tisch hauen, kernige Randbemerkungen dazu machen und nach dem Spiel genau wissen, wie eigentlich hätte gespielt werden müssen, dann können mir davon überzeugt sein, daß es noch nie gemütlicher war, und vorläufig kein Ende dieser Stimmung abzusehen ist.

Nicht nur unsere wackeren Skatspieler und nota bene ihre Hausehren wird ein Kulturfilm Spielkarten Kartenspieler" inter­essieren, der unter der Produktionsleitung der Ufa vom Kulturfilminstitut hergestellt und von der Terra-Filmkunst herausgebracht wird, sondern über den diesem Thema nahestehenden Kreis hinaus dürfte sich ein breites Publikum finden, das hier mit Freude einmal die Entwicklung des Kartenspiels nach der kulturellen Seite hin aufgeblättert sieht. Da gibt es manche Ueberraschungen. Denn dieses volkstümlichste aller Spiele, das Spiel mit den Karten, ist durch die Jahrhunderte hindurch ein Spiegel der Geschehnisse gewesen, da die verschie­denen Epochen immer wieder auf den Kartenblät­tern das im Bilde festhielten, was ihr Dasein be­wegte.

Sudermann, verfi'.mt.

Nach derHeimat" dieMeise nach Tilsit".

In der Kälte des späten oftpreußischen Winters, in dem weltverlorenen Fischerdorf Pillkoppen am Kurischen Haff, hat Veit Harlan mit den Aufnahmen zu seinem neuen FilmDie Reise nach Tilsit" begonnen. Die Hauptrollen spielen Kristina Söderbaum, Anna Dam mann (aus dem Deutschen Theater in Berlin neu für die Kamera entdeckt) und Frits van Dan­gen.

Ursprünglich istDie Reise nach Tilsit" eine No­velle des ostpreußischen Dichters Hermann Su­dermann. Sie gehört wen nicht zeitlich, so doch geistig zu dem Schaffensabschnitt, in dem er denTollen Professor" schrieb Der Film muß sich seine Stoffe da er sie ja doch nicht Dialog um Dmlog Gesicht um Gesicht und Kapitel uni Ka­pitel übernehmen kann nach anderen Blickpunk­ten aussuchen als nach denen der Literaturgeschichte Der Film übernimmt von der dichterischen Vorlage im allgemeinen nie mehr als das Gerüst, das Ge­rüst der Handlung und das Problem. DieReise nach Tilsit" ist dafür ein besonders anschauliches Beispiel. Von dieser Grundlage ging unser Gespräch mit Veit Harlan aus

Die Novelle schildert, wie eine fremde Frau in den Frieden einer dreiköpfigen Familie einbricht rote sie den Mann aus der Stille seines Dcyeins hervorlockt, wie sie ihn mit ihrer wilden Triebhaf­tigkeit ansteckt und wie er sich an sie verliert. Wäh­rend einer Schiffskatastrophe auf dem Haff erreicht auch, denn Sudermann war Naturalist, die seelische Katastrophe ihren Höhepunkt Sudermann hat diese fremde Frau primitives Gegenstück zu dem geistvollentollen Professor" als eine be­sessene, im Grunde abstoßende Magd gezeichnet.

Später griff der Stummfilmregisseur Murn au diesen Stoff noch einmal auf Er drehte in Holly­wood den FilmSunrise (Sonnenaufgang"). Er war trotz seines verheißungsvollen Titels eine kalte und etwas grausame Paraphrase über das Thema der menschlichen Bösartigkeit. Murnau begnügte sich nicht mit Tilsit. 'Er baute Wolkenkratzer auf, vdn Hochbahnbrücken überzogene Straßenschluchten und blechglitzernde Lasterhöhlen. Er entdeckte für

diesen Film die Schauspielerin Janet Sopor. Und damit ging vermutlich der erste Vamp der Kinogeschichte über die Leinwand. Murnau hatte den Wolkenkratzern entsprechend die triebhafte Mckgd in ein ebenso kaltschnäuziges, wie elegantes Geschöpf aus der Gosse der Weltstadt umgewandelt. Es ist deutlich zu erkennen, was er an Sudermann geändert hat. Und es ist typisch für die Nachkriegs­zeit, in der dieser Film entstand

Harlan hat nun, in unserer Zeit, von Sudermann nicht mehr übernommen als den rein sachlichen Be­richt: Eine Ehe droht einer zweiten Frau wegen in die Brüche zu gehen. Murnaus Wolkenkratzer sind wieder auf die in Tilsit üblichen zwei Stock­werke abgetragen. Harlan will auch die Echtheit des Milieus beibehalten. Nur die Schiffskatastrophe hat er gestrichen und hat sie in eine Schlittenfahrt über das zugefrorene Haff adgeänderl. Der Film hat sich seit Murnaus Zeiten so entwickelt, daß ein Schiffs­untergang auf der Leinc'wand nichts sonderlich Neues mehr ist. Zudem hat Harlan eine solche Szene gerade in seinem letzten Film (Das unsterb­liche Herz") zu inszenieren gehabt. Das im allge­meinen unbekannte Erlebnis einer Schlittenreise in Ostpreußen bietet filmisch jüngere und stärkere Reize.

Entscheidend ist die Wandlung, die das Bild der fremden Frau gegen Sudermann und auch gegen Murnau bei Harlan erfahren hat In Harlans Fassung ist die Fremde mit einem kleinen Schuß ins Ausländische eine durchaus vollendete Dame. Sie ist charakterlich im Grunde der Ehefrau gleichwertig. Ihre Liebe ist von der Gewalt und Unfaßbarkeit eines Naturereignisses. Es ist nichts Schmutziges in ihr.

Um so schärfer wird das Problem Es wird ein­mal aus der naturalistischen Schicksalsergebenheit weggerückt. Und es wird anderseits auf den Nen­ner keiner anderen Tendenz gebracht. Es muß, sich in diesem Film fast alles aus der Intensität der schauspielerischen Leistung entwickeln. E^ müssen drei gleichwertige Kräfte miteinander ringen Har­lan läßt den Film darin ausklingen, daß die Ehe der jungen Leute (Frits van Dangen und Kri­stina Söder bäum) sich nach dieser ungeheuren Krise um so fester fügt.

Damit ist Sudermann nicht weiter gedient: aber er wird in seinem Dichterhimmel lächelnd darauf verzichten Und der Stoff erhält den Sinn und den Ausklang, der dem Wesen unserer Zeit gemäß ist.

fb.

Das erste Km.

Eine Erinnerung zum Film-Bolkstag.

Wenn man die gewaltige Entwicklung des heu­tigen Filmwesens sieht, das einer der wichtigsten Kulturfaktoren geworden ist und mit Milliarden­werten rechnet, das Hunderttausenden von Menschen Beschäftigung gibt, so erscheint es kaum begreiflich, daß der Anfang erst 40 Jahre zurückliegt. Die ersten Laufbilder" wurden zwar schon etwas früher ge­zeigt: Edison hatte 1693 seinKinetoskvp" kon­struiert, und im Jahre 1895 meldeten die Brüder Lu miere am 13. Februar einen Apparat zum Patent an, der bewegliche Bilder aufnehmen, kopie­ren und vorführen konnte und mit dem sie im März darauf dieUraufführung" ihres ersten Films ver­anstalteten, während bei uns Mar Hklada- n o w s k i) bereite 1892 ein Filmaufnahmegerät ent­wickelt hatte, mit dem er im November 1895 die ersteWochenschau" im Berliner Wintergarten öffentlich vorfuhren konnte. Aber zunächst waren dies alles Vorführungen, die im Rahmen anderer Veranstaltungen gegeben wurden, das eigentliche Lichtspieltheater kam erst vier Jahre später in die Welt, um aus den bescheidensten Anfängen schnell zu seiner heutigen Bedeutung aufzusteigen.

Anfang der neunziger Jahre kam ein junger Mann namens Blackton, der aus Sheffield aus« gewandert war, und der einige Zeit als Zimmer­mann gearbeitet hatte, auf den Gedanken, sich jour­nalistisch zu betätigen und erlangte eine Unterredung mit Edison, der ihm von seiner neuesten Erfin­dung erzählte. Er zeigte dem jungen Berichterstatter einen 50 Fuß langen Film, der den Titel ,,D e r schwarze Diamanten-Expreßzug" führte Es mar nicht viel mehr als das Bild eines Eisen­bahnzuges, der sich bewegte. Aber diese neue Form der Vorführung machte auf den jungen Blackton einen unvergeßlichen Eindruck, und er hatte sofort die dunkle Ahnung, daß mit dieser neuen Erfindung ein Geschäft zu machen sein müsse. Blackton teilte seine Ahnungen einem Freunde namens A E. Smith mit, der sich als Taschenspieler sein Brot verdiente und mit den Wesen der herumziehenden Schaubudenleute vertraut war. Smith, der beson­ders gern elektrische Experimente vorführte, steuerte einiges Geld zu dem Unternehmen bei und brachte ein gewisses Verständnis dafür mit.

Mit einem Kapital von 600 Dollar tauften nun

die beiden eine Kinoausrüstung und zogen im Lands herum, um kurze Szenen im Film auf Jahrmärkten und Rummelplätzen vorzuführen. Zum ersten Male traten sie mit ihrem Kino, das als die Urform der Lichtspieltheater gelten kann, am 10. März 1899 vor das Publikum Obwohl die Unvollkommenheit der Instrumente und Materialien viele Unfälle und Schwierigkeiten bereitete, fanden sie doch vielen Bei­fall und natürlich auch Nachahmung. Ein Mann namens Rock machte ihnen mit einemBiofkop- Apparat" scharfe Konkurrenz, so daß sie schließlich, um den lästigen Nebenbuhler zu beseitigen, sich mit ihm vereinigten

Rock, der 1914 mit einem Vermögen von zehn Millionen Dollar gestorben ist, gründete nun mit Blackton und Smith die V i t a g r a p h - Film­gesellschaft", die erste Filmgesellschaft, die die Welt gesehen. Man ging bald dazu über, nicht nur einfache ebenen vorzuführen, sondern kleine auf­regende Dramen herauszubringen, und das erste Filmdrama, das sie zeigten, schilderte einen Mann, der in seinem Zimmer von einem Geist besucht wird untF dadurch in das größte Entsetzen gerät. Dieser erste Film,Das Sputhaus, wie er genannt wurde, war ein ungeheurer Erfolg und der Vor­läufer einer großen Reihe solcher kurzen schauer­lichen und spannenden Geschichten

Bald begnügten sich Smith und Blackton nicht mehr mit einaktigen Dramen, sondern es wurden lange Geschichten in mehreren Akten bargeftellt Die Schauspieler, zunächst von der Straße herbeigeholte Komödianten, deren Namen nicht einmal erhalte:: sind, traten mehr und mehr in den Vordergrund, und das Starsystem begann sich auszubilden. Eine Sensation der neuen Filmindustrie war im Jahre 1904 der FilmDas Leben von George Washington" dem ein nicht minder beliebter Fünfakter .Das Leben von Moses" folgte, dessen Ausführung eine volle halbe Stunde dauerte. Die Kinobesitzer, deren es damals schon eine ganze Menge gab, hielten den Film zwar für viel zu lang, aber man fand Gefallen daran.

Die Vitagraph-Gesellschaft brachte auch 1907 die ersten Starfilms, und zwar entstand diese Gattung durch den Einfall Blacktons, die Namen der Schau­spieler auf der Leinwand groß anzuzeigen Nicht lange danach war die Filmgesellschaft von Smith und Blackton zu einem großen Unternehmen heran« gewachsen, das ein jährliches Budget von fünf Mil­lionen Dollar hatte.