Ausgabe 
3.7.1939
 
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Galizien, Verdun, Vogesen usw. Nach 25 Jahren seit seiner Gründung ruft der Traditionsveroand zur Wiedersehensfeier auf, die ihr besonderes Ge­präge erhält durch die Uebergabe der Erinnerungs­pflege an den Traditionstruppenteil II. Bataillon / Infanterie-Regiment 115. Die Veranstaltungen wer­den größtenteils in der Ernst-Ludwig-Kaserne, der neuen Kaserne des H./Inf.-Regt. 115, unter Betei­ligung des Traditionstruppenteils durchgeführt. Alle Kameraden geben ihre Anschrift an Kamerad $). Haldy, Offenbach a. M., Bildstockstraße 1, und erhalten von dort weitere Nachricht.

NSG. Sonntagskarten für die Be- suchcr der AusstellungEntartete Kunst". Die AusstellungEntartete Kunst und Musik" in Frankfurt am Main ist täglich durch­gehend von 10 bis 21 Uhr geöffnet. Für den Be­such gibt die Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. jeden Mittwoch von 0 Uhr nachts bis Donnerstag, 3 Uhr nachts, Sonntagskarten im Umkreis von 75 Kilometer aus, so daß die Volksgenossen in der Umgebung der Gauhauptstadt billige Fahrgelegen­heit haben. In der Ausstellung wird der Besuch auf der Fahrkarte bestätigt.

** Städtische Bücherei. Im Juni sind 1509 Bände ausgeliehen worden. Davon kamen auf: Literaturgeschichte 4, Zeitschriften 26, Gedichte und Dramen 6, Erzählende Literatur 961, Iugendschrif- ten 199, Länder- und Völkerkunde 95, Geschichte und Biographien 119, Kunstgeschichte 12, Natur-

Krofdorf-Gleiberg, 2. Juli. Am heu­tigen Sonntag wurde unter sehr starker Beteili­gung der Einwohnerschaft, der Formationen der Bewegung und der Vereine des Ortes die feier­liche Einweihung des Ehrenmales für die 83 gefallenen und vermißten Söhne der Gemeinde Krofdorf-Glei­berg vorgenommen.

Vor dem Ehrenmal hatten die Kriegsbeschädigten und die Angehörigen der Gefallenen Platz ge­nommen. Das Ehrenmal war flankiert von den Ehrenkompanie des I.-R. 116 uni) dem SA.-Sturm Krofdorf-Gleiberg. Rund um das Ehrenmal hatten die HI. und der BDM., im Vordergrund die Fah­nen und am Zugang das NSKK. und die Bereit­schaft (m) des Deutschen Roten Kreuzes Aufstel­lung genommen.

Mit König Heinrichs Aufruf und Gebet aus Lohengrin" eröffnete die Musikkapelle Re eh die Feier, zu der der Ortsgruppenleiter und Bürger­meister Schmidt den Kreisleiter und Kreiskrie­gerführer des Kreises Wetzlar, Haus, den Ver­treter des Regiments, in dem die meisten Krofdorf- Gleiberger gefallen waren, Standortoffizier Major K r e h ä n (Gießen), sowie Inspektor Kiel vom Landratsamt Wetzlar begrüßte. Sein besonderer Gruß galt den Angehörigen der Kameraden, denen zum steten Gedenken dieses Ehrenmal errichtet wurde. Ein SA.-Mann widmete durch ein Gedicht Deutschlands Toten ein sinnvolles Gedenken. Der GesangvereinHermanus" Gleiberg unter Leitung des Dirigenten Drescher sang die getragene Weise vom ,^eldengrab".

Oer Kameradschaftsführer der ASKOB. Schmitt

sprach dann über die Entstehung des Denkmals und hob dabei hervor, daß sich auch die auswärtiglen Krofdorf-Gleiberger m>t ihrer Heimatgemeinde ver­bunden fühlten und ihren Beitrag zur Errichtung des Ehrenmales geleistet hatten. Sein besonderer Dank galt Ortsgruppenleiter und Bürgermeister Schmidt, der einen Ausschuß aus Kriegsteil­nehmern berufen und damit den Anstoß zur Er­richtung dieses Zeichens der Treue und Dankbar­keit für die gefallenen Söhne gegeben hatte. Seine Worte waren zugleich eine Würdigung der Arbeit des heimischen Meisters Bourcarde, der nach den ihm gegebenen Anregungen die Ausführung des Ehrenmals in meisterlicher Weife vor genommen hat. So möge dieses Ehrenmal, so schloß Kamerad Schmitt, eine stete Mahnung im Sinne der Dichterworte sein: Segne der Himmel unsere Le­bensbahn.

Der GesangvereinGermania" Krofdorf unter

Wissenschaft und Technologie 54, Heer- und See- wesen 9, Haus- und Landwirtschaft 12, Staats­wissenschaft 12 Bände. Nach auswärts kamen 7 Bände. ,

Diamantene Hochzeit.

* Ettingshausen, 3. Juli. Heute kann hier das Ehepaar Johannes O p p e r V. und Katharine, geb. Keil, das seltene Fest der diamantenen Hochzeit feiern. Beide Ehegatten sind im 84. Le­bensjahre. Johannes O p p e r V. ist in weiteren Kreisen bekannt als eifriger Vertreter der Männer- gesangoereinssache. Er ist Ehrenvorsitzender des Sängerbundes Chattia, bei dessen Gründung er schon an hervorragender Stelle mitwirkte. Früher war er lange Jahre Beigeordneter in unserer Ge- meinde, die er auch als die Bürgermeisterstelle unbesetzt war längere Zeit leitete. Seine Rü­stigkeit ist bewundernswert. Die hochbetagte Jubi­larin hat an Altersbeschwerden etwas zu leiden, aber sie hat den Festtag doch in leidlicher Gesund- heit erleben dürfen. Den vielen Glückwünschenden schließen auch wir uns herzlich an.

Landkreis Gießen

$ Steinbach, 3. Juli. Am 4. Juli kann Frau Katharina Elisabetha Schäfer, geb. Stadel, Witwe des früheren Orts- und Polizeidieners Schäfer, ihren 7 0. Geburtstag in guter Ge­sundheit feiern. Unseren herzlichen Geburtstag.

Kreisleiter und Kreiskriegersührer Haus,

der die Gedanken seiner Zuhörer in jene Zeit des Weltkrieges zurücklenkte, da das deutsche Heer Hel­dentaten vollbrachte, die die Welt erschütterten. Der Redner betonte dann u. a., daß kein Volk der Erde um seines Bestandes willen so viele Opfer an Men­schen bringen mußte, wie das deutsche, und mit

(LPD.) Frankfurt a. M., 1. Juli. Nachdem kurze Zeit vorher durch die Frankfurter Kriminal­polizei eine größere Autoräuberbande zur Strecke gebracht worden war, ist seit Mitte April d. I. in Frankfurt a. M., Mainz, Wiesbaden,, Bad Homburg eine neue Bande tätig gewesen, die sich mit Beraubung unbeaufsichtigter Kraftwagen be­faßte und alles mitgehen hieß, was ihr in die Hönde fiel. Die Täter brachen die Verschlossenen Türen auf, schlitzten die Verdecke der Wagen auf oder zerschnitten die Fenster der Fahrzeuge. Ihre Beute bestand aus Mänteln und anderen Beklei­dungsstücken, Koffern, Aktentaschen, Photoappa- raten usw., die die Autobesitzer in den Wagen zurückgelassen hatten. Für das Stehlgut sanden die Täter reißenden Absatz bei Händlern und in Gast­wirtschaften der Frankfurter Altstadt. Der Erlös wurde geteilt und davon zum größten Teil der Lebensunterhalt bestritten. Dabei ist bemerkens­wert, daß sich die Räuber untereinander bei der Verteilung der Beute übervorteilten. Durch den Einsatz aller nur möglichen Fahndungsmaßnahmen gelang es < schließlich, einen der Haupttäter, einen gewissen Adolf Meyer, zu ermitteln und festzu- nehrnen. Irn weiteren Verlauf der Ermittlungen konnte dann die ganze Bande verhaftet werden.

Als das Oberhaupt der Bande gilt der wegen des Mordes an dem Reisenden Engelhardt von der Kriminalpolizei in Hanau festgenommene Willi Franke, der mit gestohlenen Ausweisen, die auf die Namen Bechtold und Bombeck lauteten, wochenlang sein Unwesen treiben konnte. Bei der Festnahme eines Mittäte s wurde feftgeftettt, daß dieser die Hose des von Franke ermordeten Engel-

Stolz und Dankbarkeit sprach er erneut aus, daß diese Opfer nicht umsonst gewesen sind. Heute kann manche Mutter, deren Sohn in fremder Erde ruht, mit Zuversicht sagen, daß ihr Opfer nicht umsonst mar, und manche Waise wird erkennen, daß dieses Opfer für sie gebracht wurde.

In eindrucksvollen Worten schilderte er dann, wie aus dem Glauben an sein Volk der Führer die Zei­tenwende herbeiführte und auch dem Opfer der Ge­fallenen einen Sinn gab. Der Redner ermahnte die Jugend, beim Vorüberschreiten an diesem Ehrenmal der Männer zu gedenken, die durch den Einsatz ihres Lebens Heimat und Herd geschützt haben, und auch die Dorfgemeinschaft forderte er auf, sich wür­dig dieser Männer zu erweisen, die ihr Bestes für das Vaterland gegeben haben. Dann übergab er das Denkmal in die Obhut der Dorfgemeinschaft, und während die Hülle fiel, sprach er eindrucksvolle Worte über den Sinn der rechten Gefallenenehrung, die darin zu verstehen ist, daß jeder einzelne Volks­genosse sich stets als Soldat seines Volkes betrachtet und immer, wo er auch sei, eine soldatische Haltung bewahrt.

Gruß und Dank an die Gefallenen.

Lehrer Rinn verlas, während die Kapelle das Lied vom guten Kameraden spielte, die Namen der 83 gefallenen und vermißten Söhne der Gemeinde, deren Namen auf der Rückseite des Ehrenmales auf­geführt wurden. Die Fahn-en senkten sich zum ehr­furchtsvollen Gruß, dann gab die Ehrenkompanie drei Salven ab. Nach einem Gemeinschaftschor mit Orchesterbegleitung der HI. und der Gesangvereine Hermanus" Gleiberg undGermania" Krofdorf wurden eine groß? Anzahl von Kränzen nieder­gelegt. Als erster legte Ortsgruppenleiter und'Bür- germeister Schmidt einen Kranz für die Orts­gruppe nieder, dann folgten die SA., das NSKK., das Deutsche Rote Kreuz, Bereitschaft (m) Wetzlar, der Schützenverein, die Gemeinde, die Gesang-, Turn- und Radfahrervereine u. a. Der Gemein­schaftschor der Gesangvereine beschloß den Weiheakt.

Dann sprach Ortsgruppenleiter und Bürgermeister Schmidt allen an der Errichtung des Denkmals Beteiligten, insbesondere dem Künstler Bour­carde, den Dank der Gemeinde aus. Mit dem Treugruß an den Führer und dem Gesang der Na­tionallieder klang die Einweihungsfeierlichkeit aus:

Hardt trug, die dieser wieder aus dritter Hand er­halten hatte.

Ein weiterer Täter hatte das Feld seiner Tätig­keit bereits nach Koblenz verlegt und ist dort in­zwischen ebenfalls verhaftet worden. Das Diebesgut ist zum Teil wieder herbeigeschafft worden.

Der Bord an dem Aeisevertteter Engelhardt.

Ein Komplice Frankes hat Engelhardt im Isenburger Wald erschlagen.

Lpd. Hanau, 2. Juli. Die weiteren Ermittlun­gen der Kriminalpolizei in der Mordsache Franke haben ergeben, daß der Reisevertreter Engel­hardt, dessen Leiche in einem Kleeacker bei Dör­nigheim gefunden wurde, nach einem festgelegten Plan in den Wald bei Neu-Isenburg gelockt und dort von einem Komplicen des Franke erschlagen wurde.

Obgleich Franke bei seinen bisherigen Verneh­mungen eingehend geschildert hatte, daß er Engel­hardt in dessen Auto in der Nacht zum 13. Juni auf der Fahrt von Frankfurt nach Hanau ermordet habe, setzten die ihn vernehmenden Stellen immer­hin noch Zweifel in die volle Richtigkeit der gegebe­nen Darstellung. Man forschte vor allen Dingen nach den Motiven der Tat. Franke wurde zunächst in das gerichtsärztliche Institut nach Frankfurt a. M. aebracht und der dort befindlichen Leiche des Engel­hardt gegenübergefteUt, wobei er völlige Gefühl­losigkeit zeigte. Inzwischen roar in Frankfurt von der'Kriminalpolizei die Autoberaubüngsbande fest­

EinweihungdesEhrenmalsinkkOors-Gleiberg

Leitung des Dirigenten Groß (Gießen-Wieseck) sang dieTotenehrung", und nach einem von einem BDM.-Mädel vorgetragenes Gedicht spielte die Musikkapelle HändelsLargo". Die Weiherede hielt

Autoräuberbande unschädlich gemacht.

Oer Mörder Willi Franke war das Oberhaupt der Bande.

genommen worden, deren Leiter Franke war unfo die in Frankfurt und verschiedenen anderen Städten etwa 80 Wagen ausgeplündert hatte. Die Verneh­mung des sich teilnahmslos verhaltenden Franke war außerordentlich schwierig und zog sich bis in die späten Nachtstunden hinein. Endlich gestand er dann, daß bei der Ermordung des Engelhardt ein Mittäter vorhanden war, dessen Name er jedoch verschweigen wolle, da es sich um einen Familien­vater handele. Erst als man zur Vernehmung der von Frankfurt nach Hanau gebrachten Braut des Franke schritt und der Name eines gewissen Hörst aus Frankfurt am Main fiel, kam man auf die rich­tige Spur. Noch in der Nacht wurde dieser 26jährige Horst, der sich als Mitglied der Autoräuberbande bereits in Haft befand, von Frankfurt nach Hanau gebracht. Nach weiteren stundenlangen Vernehmun­gen gelang es, ein volles Geständnis zu erlangen.

Nach den Aussagen der beiden Verbrecher waren sie am 12. Juni übereingekommen, einen Homo­sexuellen in den Wald zu locken und zu berauben. Auch die Stelle, an der die Beraubung stattfinden sollte, wurde genau festgelegt. Hörst sollte an dieser Stelle warten, bis es Franke gelungen war, ein Opfer herbeizubringen. Nun will Franke in dieser Nacht in der Frankfurter Altstadt von Engelhardt angesprochen worden'sein. Beide (Franke und Engel­hardt) seien dann im Auto des Engelhardt in den zwischen Frankfurt und Neu-Isenburg liegenden Wald gefahren, bis zu der Stelle, an der Hörst wartete. Als Engelhardt ahnungslos ausgestiegen sei, habe er von Hörst mit einem Knüppel wuchtige Hiebe auf den Kopf erhalten, bis er tot war. Beide Mordgesellen haben dann die Leiche in das Auto Engelhardts gebracht und find in die Dörnigheimer Gemarkung gefahren, wo sie die Leiche in einem Kleeacker niederlegten. Nach Verteilung der Beute ist Hörst nach Frankfurt zurückgekehrt, während Franke mit dem Auto des ermordeten Engelhardt nach Hanau fuhr, wo er den Wagen, als er nicht mehr weiterging, einfach stehen ließ. Auch Franke ist dann später wieder nach Frankfurt zurückgekehrt.

Wirtschaft.

Stahlwerk Röchling-Buderus AG., Wetzlar.

Fwd. Das Unternehmen, an dem die Buderus- sche Eisenwerke AG. Wetzlar und die Röchlingsche Eisen- und Stahlwerke GmbH. Völklingen je hälftig beteiligt sind, berichtet über das Geschäftsjahr 1938 von einer weiteren Steigerung der Beschäftigung. Der Export konnte trotz nachlassender Weltkonjunk­tur und verschiedenster Schwierigkeiten auf den Auslandsmärkten gehalten werden. Für Verbesse­rung und Erweiterung der Betriebsanlagen wurden wiederum erhebliche Beträge aufgewandt, diese Ent­wicklung sei noch nicht abgeschlossen. Die freiwilligen Sozialaufwendungen stiegen auf 0,233 (0,181) Mill. RM., außerdem werden aus dem diesjährigen Ge­winn nochmals 150 000 RM. (wie i. 23.) dem Unter­stützungsfonds für die Gefolgschaft zugewiesen. Zur Förderung des Siedlungsbaues wurden namhafte Beträge zur Verfügung gestellt. Zur Bilanz wird u. a. bemerkt, daß die 0,197 Mill. RM. Ende 1937 umlaufenden Schuldverschreibungen gekündigt und zurückgezahlt wurden, nur ein Rest von 13 182 RM. steht aus. Erstmals erscheinen Anlagen im Bau mit 2,23 Mill. RM. Eine Werkerneuerungsrücklage von 0,85 Mill. RM. wurde aus freigewordenen Rück­stellungen der Vorjahre gebildet. Erhöhter Umsatz und die Durchführung des Bauprogramms zogen eine nicht unerhebliche Erhölung der Bank- und Akzeptverbindlichkeiten nach sich.

Der Jahresertrag stieg auf 13,31 (11,05), Beteili- gungserträge mehrten sich auf 0,129 (0,055), das Geschäftsjahr nicht betreffende Erträge auf 1,223 Mill. RM., während ao. Erträge auf 0,062 (0,080 Mill. RM. zurückgingen. Nach Abzug von 8,219 (6,963) Mill. Personalaufwendungen, 1,171 (1) Mill. Anlage- und 0,008 (0,004) Mill. RM. sonstigen Ab­schreibungen, 0,306 (0,041) Mill. RM. Zinsen, 3,873 (2,764) Mill. RM. Steuern vom Ertrag und vom. Vermögen, sowie 0,584 (0,571) Mill, anderen Steuern wird einschl. 309 144 (332 594) RM. Vortrag ins­gesamt 876 719 (639144) RM. Reingewinn aus- gewiesen. Hiervon gehen 650 000 RM. zur Stärkung, der eigenen Mittel unter Verzicht auf die Dividen­denleistung an die Werkserneuerungsrücklage (die

Begegnung

mit Richard Wagner.

Eine sehr lebendige Schilderung ihrer Begeanung mit Richard Waaner, die sie in ihrer Jugend mit dem Meister in feinen letzten Lebensjahren hatten, gaben die beiden greifen italienischen Komponisten Umberto Giordana und Francesco Cilea, Mitglieder d^r italienischen Musikakademie, in einer Gesellschaft, als das Gespräch auf Waan'er kam. Lucio d'Ambra gibt ihre Erzählungen im Cor- ricre della Sera sehr eindrucksvoll wieder.Ja, meine Herren, wir haben Wagner gekannt", ant­wortete Giordano auf die erstaunten Fragen der Gäste,in Neapel, im Musikkonfervatorium i m Jahre 1 880. Ich war damals 13 Jahre alt und Cilea 14; beide waren wir Kornpofitionsschüler in dem ruhmreichen Konservatorium, in dem auch Vincenzo Bellini gewesen war. Und Wagner war in Neapel, in einer schönen Villa in Posillipo, ehe er nach Palermo ging, den ,Parsioal' zu beenden. Eines Tages läßt er unseren Lehrern sagen, er wolle unsere Musikschule besuchen. Wer aber zuerst eiligst Vorbereitungen traf, roar Francesco Flo- ri m o, der große Musikforscher, der damals 80 Jahre alt war, sich aber immer noch aufrecht hielt und frisch einherging. Er, der Freund und unzer­trennliche Wahlbruder Bellinis, hatte nicht ver­gessen, daß Wagner immer seinen großen Vin­cenzo geliebt hatte, und wenn er mit seinem Kapell­meisterstab in den deutschen Hauptstädten Bel­linis ,Norma' dirigierte, immer wollte, daß man in großen Buchstaben auf die Programme druckte: .Richard Wagner gibt sich die Ehre, die Mu­sik eines Italieners zu dirigieren, der zu den größten musikalischen Genies aller Zeiten gehört.' Florimo bereitete also würdig sein berühmtes Archiv vor, das er leitete, um vor allem kostbare Erinnerungen an Bellini zusammenzubringen ..."

Ich erinnere mich, als ob es heute wäre", fiel hier Cilea ein,als Wagner mit seiner Gattin Co­sima und anderen Personen in den Saal eintrat, in dem mir Schüler aufgestellt waren, um den großen deutschen Meister zu begrüßen und eine Kantate zu seinen Ehren'zu fingen, die unser Lehrer Paolo Serrao uns in einer Nacht hatte auswendig ler­nen lassen. Erster Eindruck: Wagner ist sehr klein, während wir alle bei diesem Feuer und diesem Vulkan von Musik ihn uns riesengroß dachten .. Aber schön ist er", sagte Giordano wieder. Schrecklich schön, Haare und Bart Pfeffer und

Salz, Augen, die eine ganze Welt befehligten, ka- tanienbrauner Anzug mit vieler Sorgfalt und Ele­ganz. Er grüßte uns alle mit feiner ringbedeckten Hand. Dann fragte er schnell: ,Wo ist Florimo? Ich möchte Florimo sehen ...' Und kaum kommt der große Greis an, als er ihn umarmt und zweimal wiederholt: .Bellini ... Bellini ...'"

Auch ich sehe Wagner wieder", fängt Cilea von neuem an, indem er eine Atempause Giordanos be­nutzt,wie er da saß zwischen Cosima, Liszt und Florimo, die Füße auf dem Steinfußboden, bei des­sen Anblick man an diesem Wintertage schon fror. Und Wagner gibt uns Schülern, als wir zu fingen an fangen wollen, ein Zeichen, noch zu warten und bittet Florimo um eine Decke, weil er an den Füßen friere, die auch sogleich gebracht und ihm und Cosima unter die Füße gelegt wird. Dann gibt der große Meister selbst, ehe unser Lehrer es kann, das Zeichen zum Beginn. Wir singen schön und richtig, wenn auch mit einer schrecklichen Angst. Wagner mustert uns, mit den Augen, die brennen und leuchten, einen nach dem anderen. Zum Schluß klatscht er und fragt uns der Reihe nach, wie wir heißen, und dann: ,Alle Komponisten?' Und da wir Schüler nicht wagen, vor dem Genie von Kom­position zu sprechen, bejahen es für uns die Lehrer, und er ruft aus: ,Jn Italien find alle Musiker ...' Er wendet sich darauf zu Florimo und sagt zu ihm: ,Vielleicht werden unter diesen Knaben die Erben eures gewaltigen Bellini sein ...' Er reicht allen Schülern die Hand, die meine ist ganz kalt und zittert in der Wagners ..."

Als Wagner nunmehr vorgeschlagen wird, in dem kleinen Theater die Aufführung einer Kom­position eines Schülers vorzuführen, erklärt er je­doch, daß er Hunger habe, und es wird, obwohl man gar nicht darauf vorbereitet war, in kürzester Zeit ein Frühstück herbeigeschafft, bei dem Wagner mit größtem Appetit, um sich dann zu entschul­digen, daß er gehen wolle, um zu schlafen. Aber am nächsten Tage kam Wagner wieder, setzte sich mitten unter die Schüler und hörte sich das kleine Werk ihres Gefährten an. Und ich sehe noch Wagner", erzählt Cilea,wie er dastand, klatschte und wild schrie: ,Es lebe Neapel! Es lebe der kleine Maeftto! Es lebe die italienische Musik!' Dann wandte er sich an den vor Bewegung zitternden Florimo neben ihm und rief ihm zu: ,Es lebe der große Bellini!'"

Die beiden berühmten alten Meister sind gerührt und erscheinen verjüngt, während sie so ihre Er­innerungen ergänzen und der gemeinsamen Jugend gedenken. Aber Giordano hat noch eine andere, be« sonders reizvolle Erinnerung an Wagner aus spä­

terer Zeit, ein Erlebnis, in dem Wagner nicht selbst auftritt, sondern ein alter Musiker aus Neapel, den Wagner von dort nach Bayreuth mitgenommen hatte. In Posillipo traf er in einer Trattoria einen Mann mittleren Alters, eine schöne Erscheinung, mit etwas abgetragener Eleganz gekleidet, aber mit sehr guten Manieren. Er fiedelte und fang zugleich. Arn Schluß eines Liedes klatschte ich ihm Beifall. Sofort -tarn er eilig an meinen Tisch.Ich kenne Sie, Maestro. Ich habe Ihre Photographie gesehen, als Sie den ,Chönier' in San Carlo gaben. Ihr Beifall ist mir sehr schmeichelhaft. Es ist der ehren­vollste, den ich erhalten habe seit dem Richard Wagners ..."Wie? Sie haben Wagner ge­kannt?"Ob ich Wagner gekannt habe? Teurer Maestro, ich bin zwei Monate in Deutschland bei ihm gewesen, wo er sein Theater immer dunkel hielt. Ich hatte eines Abends in Neapel unter den Fenstern feiner Villa in Posillipo gespielt und ge­sungen. Da holten sie mich.zu dem Deutschen. Oben roar bei der Mahlzeit auf der Terrasse Herr Wag­ner, mit der so freundlichen Frau Wagner und ein Priester, der hieß ... warten Sie ... ich erinnere mich. Er war ein Abbö Lizzete."Sie wollen sagen: Liszt ..."Ja, Herr ... er war ein wenig kühler als Herr Wagner. Wenn ich fang, klatschte er kaum, der Herr Richard dagegen war begeistert. Und als er von Neapel nach Deutschland ab reifte, wollte er mich mitnehmen ... Ich wohnte da oben, nahe dem großen Meister. Er ließ mich bei sich spielen und singen und sagte da allen deutschen Damen und Herren: ,Er ist aus dem Lande Bellinis. Neapel, das singt ...' Dann sah ich ihn Wochen und Mo­nate nicht, und als ich nach ihm fragte, taten die Leute sehr geheimnisvoll und legten einen Finger auf den Mund: ,Still, Herr Giovannino. Der Mei­ster arbeitet ..." Aber wenn er Opern in feinem berühmten Theater in Bairutte ..Sie meinen Bayreuth". ,^a. Maeftto, genau so ... Bairutte. Wenn er ein Werk von sich aufgeführt hatte und nach Hause kam man spielt dort am Tage, ließ er mich rufen und sagte sogleich: ,Giovannino, canzonette, canzonette ... Und nach zwei Jahren schickte er mich nach Italien mit einem schönen Haufen Geld und einer sehr schönen Photographie zurück, die ich, wenn Sie erlauben, mir die Ehre geben werde, Ihnen zu zeigen ... Der alte Musiker lief nach diesen Worten schnell zu seinem Platz und holte aus einem mit Samt ausgeschlagenen Kästchen ein zwischen Watte verpacktes Bild des Meisters mit folgender Widmung herbei: A Giovannino, a! mio caro Canzonetta, Ricardo Wagner ... Ja, Herr. So nannte ti mich immer >». Eanzorretta-,/

Zeitschriften.

Dem Manne, der was von Kunst versteht und dem man in Galerien, im Konzert und Theater begegnet, wie er begleitenden Damen mit eleganter Nonchalance feine Erkenntnisse zum Besten gibt, wird im Iuli'heft derneuen Knie" (Verlag Otto Beyer, Leipzig) ein witziges Denkmal gesetzt. Es ist ein Schwanengesang auf den aussterbenden Snob, den Olaf Gulbrannson mit feinen Karri- faturen begleitet. Dieser heitere Beitrag folgt auf prachtvolle Aufnahmen aus den Ateliers von vier bekannten deutschen Bildhauern. Richard Hamann. MacLean schreib dazu über das Wesen der Monu- mentalplastik. Daneben steht ein Beitrag über die reiche und bewegte Kleinplastik. Einen präg­nanten Querschnitt gibt dieneue linie" durch Kunst schätze der Wiener und Prager Sammlungen. Die Modebeilage bringt festliche Sommerkleider, Straßenkleider und -Mäntel sowie eine Fülle modi­schen Beiwerks.

Die Illustrirte Zeitung gibt am 28. Juni eine Nummer heraus, die der Stadt Wien gewidmet ist, und der der Reichskommissar Gau­leiter Josef Bürckel ein Geleitwort auf den Weg gibt. Die großen Ausgaben, die Wien in Gegen­wart und Zukunft zu erfüllen hat, stellt der erste Beitrag des Bürgermeisters Dr. Neubacher heraus. Wiens historische Aufgabe umreißt Pro­fessor Dr. Brunner. Die künstlerische Gestalt Wiens schildert Dr. Grimschitz, der Leiter der Oesterreichi- schen Galerie. Daß hinter der Kunstpftege auch die Pflege der Wissenschaft nicht zurücksteht, lehrt ein Beitrag Professor Dr. Faltas. Die heitere Lebens- fünft aber, die den Wiener vor allem auszeichnet, deutet Dr. Josef Kallbrunner aus Wiens glanz­voller 93ergangenbeit. Die Musikftadt Wien erfährt durch Professor Dr. Robert Haas ihre Würdigung. So fügt sich Strich für Strich zu dem Bill» dieser einzigartigen Stadt.

Unter der Ueberschrift: Der Arzt spricht, bringt die MonatsschriftKleine Kinder" regelmäßig Betträge, in denen Kinderkrankheiten und Fragen der Gesundheitspflege des Kindes behandelt werden. Die Artikelreihe beginnt mit der Besprechung einer der gesürchtetsten Kinderkrankheiten, des Keuch­husten. Die Iuninummer bringt darüber hinaus noch folgende interessante Aufsatze: Der Rhythmus im Leben des Kindes Moderne Körperpflege und Bettung des Säuglings Kleines Kind lernt iehen Warum lügt das Kind? Wie nützen mir die Beer^nernte. (Verlag Quelle & Meyer, Leipzig-