Galizien, Verdun, Vogesen usw. Nach 25 Jahren seit seiner Gründung ruft der Traditionsveroand zur Wiedersehensfeier auf, die ihr besonderes Gepräge erhält durch die Uebergabe der Erinnerungspflege an den Traditionstruppenteil II. Bataillon / Infanterie-Regiment 115. Die Veranstaltungen werden größtenteils in der Ernst-Ludwig-Kaserne, der neuen Kaserne des H./Inf.-Regt. 115, unter Beteiligung des Traditionstruppenteils durchgeführt. — Alle Kameraden geben ihre Anschrift an Kamerad $). Haldy, Offenbach a. M., Bildstockstraße 1, und erhalten von dort weitere Nachricht.
NSG. Sonntagskarten für die Be- suchcr der Ausstellung „Entartete Kunst". Die Ausstellung „Entartete Kunst und Musik" in Frankfurt am Main ist täglich durchgehend von 10 bis 21 Uhr geöffnet. Für den Besuch gibt die Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. jeden Mittwoch von 0 Uhr nachts bis Donnerstag, 3 Uhr nachts, Sonntagskarten im Umkreis von 75 Kilometer aus, so daß die Volksgenossen in der Umgebung der Gauhauptstadt billige Fahrgelegenheit haben. In der Ausstellung wird der Besuch auf der Fahrkarte bestätigt.
** Städtische Bücherei. Im Juni sind 1509 Bände ausgeliehen worden. Davon kamen auf: Literaturgeschichte 4, Zeitschriften 26, Gedichte und Dramen 6, Erzählende Literatur 961, Iugendschrif- ten 199, Länder- und Völkerkunde 95, Geschichte und Biographien 119, Kunstgeschichte 12, Natur-
♦ Krofdorf-Gleiberg, 2. Juli. Am heutigen Sonntag wurde unter sehr starker Beteiligung der Einwohnerschaft, der Formationen der Bewegung und der Vereine des Ortes die feierliche Einweihung des Ehrenmales für die 83 gefallenen und vermißten Söhne der Gemeinde Krofdorf-Gleiberg vorgenommen.
Vor dem Ehrenmal hatten die Kriegsbeschädigten und die Angehörigen der Gefallenen Platz genommen. Das Ehrenmal war flankiert von den Ehrenkompanie des I.-R. 116 uni) dem SA.-Sturm Krofdorf-Gleiberg. Rund um das Ehrenmal hatten die HI. und der BDM., im Vordergrund die Fahnen und am Zugang das NSKK. und die Bereitschaft (m) des Deutschen Roten Kreuzes Aufstellung genommen.
Mit König Heinrichs Aufruf und Gebet aus „Lohengrin" eröffnete die Musikkapelle Re eh die Feier, zu der der Ortsgruppenleiter und Bürgermeister Schmidt den Kreisleiter und Kreiskriegerführer des Kreises Wetzlar, Haus, den Vertreter des Regiments, in dem die meisten Krofdorf- Gleiberger gefallen waren, Standortoffizier Major K r e h ä n (Gießen), sowie Inspektor Kiel vom Landratsamt Wetzlar begrüßte. Sein besonderer Gruß galt den Angehörigen der Kameraden, denen zum steten Gedenken dieses Ehrenmal errichtet wurde. Ein SA.-Mann widmete durch ein Gedicht Deutschlands Toten ein sinnvolles Gedenken. Der Gesangverein „Hermanus" Gleiberg unter Leitung des Dirigenten Drescher sang die getragene Weise vom ,^eldengrab".
Oer Kameradschaftsführer der ASKOB. Schmitt
sprach dann über die Entstehung des Denkmals und hob dabei hervor, daß sich auch die auswärtiglen Krofdorf-Gleiberger m>t ihrer Heimatgemeinde verbunden fühlten und ihren Beitrag zur Errichtung des Ehrenmales geleistet hatten. Sein besonderer Dank galt Ortsgruppenleiter und Bürgermeister Schmidt, der einen Ausschuß aus Kriegsteilnehmern berufen und damit den Anstoß zur Errichtung dieses Zeichens der Treue und Dankbarkeit für die gefallenen Söhne gegeben hatte. Seine Worte waren zugleich eine Würdigung der Arbeit des heimischen Meisters Bourcarde, der nach den ihm gegebenen Anregungen die Ausführung des Ehrenmals in meisterlicher Weife vor genommen hat. So möge dieses Ehrenmal, so schloß Kamerad Schmitt, eine stete Mahnung im Sinne der Dichterworte sein: Segne der Himmel unsere Lebensbahn.
Der Gesangverein „Germania" Krofdorf unter
Wissenschaft und Technologie 54, Heer- und See- wesen 9, Haus- und Landwirtschaft 12, Staatswissenschaft 12 Bände. Nach auswärts kamen 7 Bände. ,
Diamantene Hochzeit.
* Ettingshausen, 3. Juli. Heute kann hier das Ehepaar Johannes O p p e r V. und Katharine, geb. Keil, das seltene Fest der diamantenen Hochzeit feiern. Beide Ehegatten sind im 84. Lebensjahre. Johannes O p p e r V. ist in weiteren Kreisen bekannt als eifriger Vertreter der Männer- gesangoereinssache. Er ist Ehrenvorsitzender des Sängerbundes Chattia, bei dessen Gründung er schon an hervorragender Stelle mitwirkte. Früher war er lange Jahre Beigeordneter in unserer Ge- meinde, die er auch — als die Bürgermeisterstelle unbesetzt war — längere Zeit leitete. Seine Rüstigkeit ist bewundernswert. Die hochbetagte Jubilarin hat an Altersbeschwerden etwas zu leiden, aber sie hat den Festtag doch in leidlicher Gesund- heit erleben dürfen. Den vielen Glückwünschenden schließen auch wir uns herzlich an.
Landkreis Gießen
$ Steinbach, 3. Juli. Am 4. Juli kann Frau Katharina Elisabetha Schäfer, geb. Stadel, Witwe des früheren Orts- und Polizeidieners Schäfer, ihren 7 0. Geburtstag in guter Gesundheit feiern. Unseren herzlichen Geburtstag.
Kreisleiter und Kreiskriegersührer Haus,
der die Gedanken seiner Zuhörer in jene Zeit des Weltkrieges zurücklenkte, da das deutsche Heer Heldentaten vollbrachte, die die Welt erschütterten. Der Redner betonte dann u. a., daß kein Volk der Erde um seines Bestandes willen so viele Opfer an Menschen bringen mußte, wie das deutsche, und mit
(LPD.) Frankfurt a. M., 1. Juli. Nachdem kurze Zeit vorher durch die Frankfurter Kriminalpolizei eine größere Autoräuberbande zur Strecke gebracht worden war, ist seit Mitte April d. I. in Frankfurt a. M., Mainz, Wiesbaden,, Bad Homburg eine neue Bande tätig gewesen, die sich mit Beraubung unbeaufsichtigter Kraftwagen befaßte und alles mitgehen hieß, was ihr in die Hönde fiel. Die Täter brachen die Verschlossenen Türen auf, schlitzten die Verdecke der Wagen auf oder zerschnitten die Fenster der Fahrzeuge. Ihre Beute bestand aus Mänteln und anderen Bekleidungsstücken, Koffern, Aktentaschen, Photoappa- raten usw., die die Autobesitzer in den Wagen zurückgelassen hatten. Für das Stehlgut sanden die Täter reißenden Absatz bei Händlern und in Gastwirtschaften der Frankfurter Altstadt. Der Erlös wurde geteilt und davon zum größten Teil der Lebensunterhalt bestritten. Dabei ist bemerkenswert, daß sich die Räuber untereinander bei der Verteilung der Beute übervorteilten. Durch den Einsatz aller nur möglichen Fahndungsmaßnahmen gelang es < schließlich, einen der Haupttäter, einen gewissen Adolf Meyer, zu ermitteln und festzu- nehrnen. Irn weiteren Verlauf der Ermittlungen konnte dann die ganze Bande verhaftet werden.
Als das Oberhaupt der Bande gilt der wegen des Mordes an dem Reisenden Engelhardt von der Kriminalpolizei in Hanau festgenommene Willi Franke, der mit gestohlenen Ausweisen, die auf die Namen Bechtold und Bombeck lauteten, wochenlang sein Unwesen treiben konnte. Bei der Festnahme eines Mittäte s wurde feftgeftettt, daß dieser die Hose des von Franke ermordeten Engel-
Stolz und Dankbarkeit sprach er erneut aus, daß diese Opfer nicht umsonst gewesen sind. Heute kann manche Mutter, deren Sohn in fremder Erde ruht, mit Zuversicht sagen, daß ihr Opfer nicht umsonst mar, und manche Waise wird erkennen, daß dieses Opfer für sie gebracht wurde.
In eindrucksvollen Worten schilderte er dann, wie aus dem Glauben an sein Volk der Führer die Zeitenwende herbeiführte und auch dem Opfer der Gefallenen einen Sinn gab. Der Redner ermahnte die Jugend, beim Vorüberschreiten an diesem Ehrenmal der Männer zu gedenken, die durch den Einsatz ihres Lebens Heimat und Herd geschützt haben, und auch die Dorfgemeinschaft forderte er auf, sich würdig dieser Männer zu erweisen, die ihr Bestes für das Vaterland gegeben haben. Dann übergab er das Denkmal in die Obhut der Dorfgemeinschaft, und während die Hülle fiel, sprach er eindrucksvolle Worte über den Sinn der rechten Gefallenenehrung, die darin zu verstehen ist, daß jeder einzelne Volksgenosse sich stets als Soldat seines Volkes betrachtet und immer, wo er auch sei, eine soldatische Haltung bewahrt.
Gruß und Dank an die Gefallenen.
Lehrer Rinn verlas, während die Kapelle das Lied vom guten Kameraden spielte, die Namen der 83 gefallenen und vermißten Söhne der Gemeinde, deren Namen auf der Rückseite des Ehrenmales aufgeführt wurden. Die Fahn-en senkten sich zum ehrfurchtsvollen Gruß, dann gab die Ehrenkompanie drei Salven ab. Nach einem Gemeinschaftschor mit Orchesterbegleitung der HI. und der Gesangvereine „Hermanus" Gleiberg und „Germania" Krofdorf wurden eine groß? Anzahl von Kränzen niedergelegt. Als erster legte Ortsgruppenleiter und'Bür- germeister Schmidt einen Kranz für die Ortsgruppe nieder, dann folgten die SA., das NSKK., das Deutsche Rote Kreuz, Bereitschaft (m) Wetzlar, der Schützenverein, die Gemeinde, die Gesang-, Turn- und Radfahrervereine u. a. Der Gemeinschaftschor der Gesangvereine beschloß den Weiheakt.
Dann sprach Ortsgruppenleiter und Bürgermeister Schmidt allen an der Errichtung des Denkmals Beteiligten, insbesondere dem Künstler Bourcarde, den Dank der Gemeinde aus. Mit dem Treugruß an den Führer und dem Gesang der Nationallieder klang die Einweihungsfeierlichkeit aus:
Hardt trug, die dieser wieder aus dritter Hand erhalten hatte.
Ein weiterer Täter hatte das Feld seiner Tätigkeit bereits nach Koblenz verlegt und ist dort inzwischen ebenfalls verhaftet worden. Das Diebesgut ist zum Teil wieder herbeigeschafft worden.
Der Bord an dem Aeisevertteter Engelhardt.
Ein Komplice Frankes hat Engelhardt im Isenburger Wald erschlagen.
Lpd. Hanau, 2. Juli. Die weiteren Ermittlungen der Kriminalpolizei in der Mordsache Franke haben ergeben, daß der Reisevertreter Engelhardt, dessen Leiche in einem Kleeacker bei Dörnigheim gefunden wurde, nach einem festgelegten Plan in den Wald bei Neu-Isenburg gelockt und dort von einem Komplicen des Franke erschlagen wurde.
Obgleich Franke bei seinen bisherigen Vernehmungen eingehend geschildert hatte, daß er Engelhardt in dessen Auto in der Nacht zum 13. Juni auf der Fahrt von Frankfurt nach Hanau ermordet habe, setzten die ihn vernehmenden Stellen immerhin noch Zweifel in die volle Richtigkeit der gegebenen Darstellung. Man forschte vor allen Dingen nach den Motiven der Tat. Franke wurde zunächst in das gerichtsärztliche Institut nach Frankfurt a. M. aebracht und der dort befindlichen Leiche des Engelhardt gegenübergefteUt, wobei er völlige Gefühllosigkeit zeigte. Inzwischen roar in Frankfurt von der'Kriminalpolizei die Autoberaubüngsbande fest
EinweihungdesEhrenmalsinkkOors-Gleiberg
Leitung des Dirigenten Groß (Gießen-Wieseck) sang die „Totenehrung", und nach einem von einem BDM.-Mädel vorgetragenes Gedicht spielte die Musikkapelle Händels „Largo". Die Weiherede hielt
Autoräuberbande unschädlich gemacht.
Oer Mörder Willi Franke war das Oberhaupt der Bande.
genommen worden, deren Leiter Franke war unfo die in Frankfurt und verschiedenen anderen Städten etwa 80 Wagen ausgeplündert hatte. Die Vernehmung des sich teilnahmslos verhaltenden Franke war außerordentlich schwierig und zog sich bis in die späten Nachtstunden hinein. Endlich gestand er dann, daß bei der Ermordung des Engelhardt ein Mittäter vorhanden war, dessen Name er jedoch verschweigen wolle, da es sich um einen Familienvater handele. Erst als man zur Vernehmung der von Frankfurt nach Hanau gebrachten Braut des Franke schritt und der Name eines gewissen Hörst aus Frankfurt am Main fiel, kam man auf die richtige Spur. Noch in der Nacht wurde dieser 26jährige Horst, der sich als Mitglied der Autoräuberbande bereits in Haft befand, von Frankfurt nach Hanau gebracht. Nach weiteren stundenlangen Vernehmungen gelang es, ein volles Geständnis zu erlangen.
Nach den Aussagen der beiden Verbrecher waren sie am 12. Juni übereingekommen, einen Homosexuellen in den Wald zu locken und zu berauben. Auch die Stelle, an der die Beraubung stattfinden sollte, wurde genau festgelegt. Hörst sollte an dieser Stelle warten, bis es Franke gelungen war, ein Opfer herbeizubringen. Nun will Franke in dieser Nacht in der Frankfurter Altstadt von Engelhardt angesprochen worden'sein. Beide (Franke und Engelhardt) seien dann im Auto des Engelhardt in den zwischen Frankfurt und Neu-Isenburg liegenden Wald gefahren, bis zu der Stelle, an der Hörst wartete. Als Engelhardt ahnungslos ausgestiegen sei, habe er von Hörst mit einem Knüppel wuchtige Hiebe auf den Kopf erhalten, bis er tot war. Beide Mordgesellen haben dann die Leiche in das Auto Engelhardts gebracht und find in die Dörnigheimer Gemarkung gefahren, wo sie die Leiche in einem Kleeacker niederlegten. Nach Verteilung der Beute ist Hörst nach Frankfurt zurückgekehrt, während Franke mit dem Auto des ermordeten Engelhardt nach Hanau fuhr, wo er den Wagen, als er nicht mehr weiterging, einfach stehen ließ. Auch Franke ist dann später wieder nach Frankfurt zurückgekehrt.
Wirtschaft.
Stahlwerk Röchling-Buderus AG., Wetzlar.
Fwd. Das Unternehmen, an dem die Buderus- sche Eisenwerke AG. Wetzlar und die Röchlingsche Eisen- und Stahlwerke GmbH. Völklingen je hälftig beteiligt sind, berichtet über das Geschäftsjahr 1938 von einer weiteren Steigerung der Beschäftigung. Der Export konnte trotz nachlassender Weltkonjunktur und verschiedenster Schwierigkeiten auf den Auslandsmärkten gehalten werden. Für Verbesserung und Erweiterung der Betriebsanlagen wurden wiederum erhebliche Beträge aufgewandt, diese Entwicklung sei noch nicht abgeschlossen. Die freiwilligen Sozialaufwendungen stiegen auf 0,233 (0,181) Mill. RM., außerdem werden aus dem diesjährigen Gewinn nochmals 150 000 RM. (wie i. 23.) dem Unterstützungsfonds für die Gefolgschaft zugewiesen. Zur Förderung des Siedlungsbaues wurden namhafte Beträge zur Verfügung gestellt. Zur Bilanz wird u. a. bemerkt, daß die 0,197 Mill. RM. Ende 1937 umlaufenden Schuldverschreibungen gekündigt und zurückgezahlt wurden, nur ein Rest von 13 182 RM. steht aus. Erstmals erscheinen Anlagen im Bau mit 2,23 Mill. RM. Eine Werkerneuerungsrücklage von 0,85 Mill. RM. wurde aus freigewordenen Rückstellungen der Vorjahre gebildet. Erhöhter Umsatz und die Durchführung des Bauprogramms zogen eine nicht unerhebliche Erhölung der Bank- und Akzeptverbindlichkeiten nach sich.
Der Jahresertrag stieg auf 13,31 (11,05), Beteili- gungserträge mehrten sich auf 0,129 (0,055), das Geschäftsjahr nicht betreffende Erträge auf 1,223 Mill. RM., während ao. Erträge auf 0,062 (0,080 Mill. RM. zurückgingen. Nach Abzug von 8,219 (6,963) Mill. Personalaufwendungen, 1,171 (1) Mill. Anlage- und 0,008 (0,004) Mill. RM. sonstigen Abschreibungen, 0,306 (0,041) Mill. RM. Zinsen, 3,873 (2,764) Mill. RM. Steuern vom Ertrag und vom. Vermögen, sowie 0,584 (0,571) Mill, anderen Steuern wird einschl. 309 144 (332 594) RM. Vortrag insgesamt 876 719 (639144) RM. Reingewinn aus- gewiesen. Hiervon gehen 650 000 RM. zur Stärkung, der eigenen Mittel unter Verzicht auf die Dividendenleistung an die Werkserneuerungsrücklage (die
Begegnung
mit Richard Wagner.
Eine sehr lebendige Schilderung ihrer Begeanung mit Richard Waaner, die sie in ihrer Jugend mit dem Meister in feinen letzten Lebensjahren hatten, gaben die beiden greifen italienischen Komponisten Umberto Giordana und Francesco Cilea, Mitglieder d^r italienischen Musikakademie, in einer Gesellschaft, als das Gespräch auf Waan'er kam. Lucio d'Ambra gibt ihre Erzählungen im Cor- ricre della Sera sehr eindrucksvoll wieder. „Ja, meine Herren, wir haben Wagner gekannt", antwortete Giordano auf die erstaunten Fragen der Gäste, „in Neapel, im Musikkonfervatorium i m Jahre 1 880. Ich war damals 13 Jahre alt und Cilea 14; beide waren wir Kornpofitionsschüler in dem ruhmreichen Konservatorium, in dem auch Vincenzo Bellini gewesen war. Und Wagner war in Neapel, in einer schönen Villa in Posillipo, ehe er nach Palermo ging, den ,Parsioal' zu beenden. Eines Tages läßt er unseren Lehrern sagen, er wolle unsere Musikschule besuchen. Wer aber zuerst eiligst Vorbereitungen traf, roar Francesco Flo- ri m o, der große Musikforscher, der damals 80 Jahre alt war, sich aber immer noch aufrecht hielt und frisch einherging. Er, der Freund und unzertrennliche Wahlbruder Bellinis, hatte nicht vergessen, daß Wagner immer seinen großen Vincenzo geliebt hatte, und wenn er mit seinem Kapellmeisterstab in den deutschen Hauptstädten Bellinis ,Norma' dirigierte, immer wollte, daß man in großen Buchstaben auf die Programme druckte: .Richard Wagner gibt sich die Ehre, die Musik eines Italieners zu dirigieren, der zu den größten musikalischen Genies aller Zeiten gehört.' Florimo bereitete also würdig sein berühmtes Archiv vor, das er leitete, um vor allem kostbare Erinnerungen an Bellini zusammenzubringen ..."
„Ich erinnere mich, als ob es heute wäre", fiel hier Cilea ein, „als Wagner mit seiner Gattin Cosima und anderen Personen in den Saal eintrat, in dem mir Schüler aufgestellt waren, um den großen deutschen Meister zu begrüßen und eine Kantate zu seinen Ehren'zu fingen, die unser Lehrer Paolo Serrao uns in einer Nacht hatte auswendig lernen lassen. Erster Eindruck: Wagner ist sehr klein, während wir alle bei diesem Feuer und diesem Vulkan von Musik ihn uns riesengroß dachten .. „Aber schön ist er", sagte Giordano wieder. „Schrecklich schön, Haare und Bart Pfeffer und
Salz, Augen, die eine ganze Welt befehligten, ka- ’tanienbrauner Anzug mit vieler Sorgfalt und Eleganz. Er grüßte uns alle mit feiner ringbedeckten Hand. Dann fragte er schnell: ,Wo ist Florimo? Ich möchte Florimo sehen ...' Und kaum kommt der große Greis an, als er ihn umarmt und zweimal wiederholt: .Bellini ... Bellini ...'"
„Auch ich sehe Wagner wieder", fängt Cilea von neuem an, indem er eine Atempause Giordanos benutzt, „wie er da saß zwischen Cosima, Liszt und Florimo, die Füße auf dem Steinfußboden, bei dessen Anblick man an diesem Wintertage schon fror. Und Wagner gibt uns Schülern, als wir zu fingen an fangen wollen, ein Zeichen, noch zu warten und bittet Florimo um eine Decke, weil er an den Füßen friere, die auch sogleich gebracht und ihm und Cosima unter die Füße gelegt wird. Dann gibt der große Meister selbst, ehe unser Lehrer es kann, das Zeichen zum Beginn. Wir singen schön und richtig, wenn auch mit einer schrecklichen Angst. Wagner mustert uns, mit den Augen, die brennen und leuchten, einen nach dem anderen. Zum Schluß klatscht er und fragt uns der Reihe nach, wie wir heißen, und dann: ,Alle Komponisten?' Und da wir Schüler nicht wagen, vor dem Genie von Komposition zu sprechen, bejahen es für uns die Lehrer, und er ruft aus: ,Jn Italien find alle Musiker ...' Er wendet sich darauf zu Florimo und sagt zu ihm: ,Vielleicht werden unter diesen Knaben die Erben eures gewaltigen Bellini sein ...' Er reicht allen Schülern die Hand, die meine ist ganz kalt und zittert in der Wagners ..."
„Als Wagner nunmehr vorgeschlagen wird, in dem kleinen Theater die Aufführung einer Komposition eines Schülers vorzuführen, erklärt er jedoch, daß er Hunger habe, und es wird, obwohl man gar nicht darauf vorbereitet war, in kürzester Zeit ein Frühstück herbeigeschafft, bei dem Wagner mit größtem Appetit aß, um sich dann zu entschuldigen, daß er gehen wolle, um zu schlafen. Aber am nächsten Tage kam Wagner wieder, setzte sich mitten unter die Schüler und hörte sich das kleine Werk ihres Gefährten an. Und ich sehe noch Wagner", erzählt Cilea, „wie er dastand, klatschte und wild schrie: ,Es lebe Neapel! Es lebe der kleine Maeftto! Es lebe die italienische Musik!' Dann wandte er sich an den vor Bewegung zitternden Florimo neben ihm und rief ihm zu: ,Es lebe der große Bellini!'"
Die beiden berühmten alten Meister sind gerührt und erscheinen verjüngt, während sie so ihre Erinnerungen ergänzen und der gemeinsamen Jugend gedenken. Aber Giordano hat noch eine andere, be« sonders reizvolle Erinnerung an Wagner aus spä
terer Zeit, ein Erlebnis, in dem Wagner nicht selbst auftritt, sondern ein alter Musiker aus Neapel, den Wagner von dort nach Bayreuth mitgenommen hatte. In Posillipo traf er in einer Trattoria einen Mann mittleren Alters, eine schöne Erscheinung, mit etwas abgetragener Eleganz gekleidet, aber mit sehr guten Manieren. Er fiedelte und fang zugleich. Arn Schluß eines Liedes klatschte ich ihm Beifall. Sofort -tarn er eilig an meinen Tisch. „Ich kenne Sie, Maestro. Ich habe Ihre Photographie gesehen, als Sie den ,Chönier' in San Carlo gaben. Ihr Beifall ist mir sehr schmeichelhaft. Es ist der ehrenvollste, den ich erhalten habe seit dem Richard Wagners ..." „Wie? Sie haben Wagner gekannt?" „Ob ich Wagner gekannt habe? Teurer Maestro, ich bin zwei Monate in Deutschland bei ihm gewesen, wo er sein Theater immer dunkel hielt. Ich hatte eines Abends in Neapel unter den Fenstern feiner Villa in Posillipo gespielt und gesungen. Da holten sie mich.zu dem Deutschen. Oben roar bei der Mahlzeit auf der Terrasse Herr Wagner, mit der so freundlichen Frau Wagner und ein Priester, der hieß ... warten Sie ... ich erinnere mich. Er war ein Abbö Lizzete." „Sie wollen sagen: Liszt ..." „Ja, Herr ... er war ein wenig kühler als Herr Wagner. Wenn ich fang, klatschte er kaum, der Herr Richard dagegen war begeistert. Und als er von Neapel nach Deutschland ab reifte, wollte er mich mitnehmen ... Ich wohnte da oben, nahe dem großen Meister. Er ließ mich bei sich spielen und singen und sagte da allen deutschen Damen und Herren: ,Er ist aus dem Lande Bellinis. Neapel, das singt ...' Dann sah ich ihn Wochen und Monate nicht, und als ich nach ihm fragte, taten die Leute sehr geheimnisvoll und legten einen Finger auf den Mund: ,Still, Herr Giovannino. Der Meister arbeitet ..." Aber wenn er Opern in feinem berühmten Theater in Bairutte ..„Sie meinen Bayreuth". ,^a. Maeftto, genau so ... Bairutte. Wenn er ein Werk von sich aufgeführt hatte und nach Hause kam — man spielt dort am Tage —, ließ er mich rufen und sagte sogleich: ,Giovannino, canzonette, canzonette ... Und nach zwei Jahren schickte er mich nach Italien mit einem schönen Haufen Geld und einer sehr schönen Photographie zurück, die ich, wenn Sie erlauben, mir die Ehre geben werde, Ihnen zu zeigen ... Der alte Musiker lief nach diesen Worten schnell zu seinem Platz und holte aus einem mit Samt ausgeschlagenen Kästchen ein zwischen Watte verpacktes Bild des Meisters mit folgender Widmung herbei: A Giovannino, a! mio caro Canzonetta, Ricardo Wagner ... Ja, Herr. So nannte ti mich immer >». Eanzorretta-,/
Zeitschriften.
— Dem Manne, der was von Kunst versteht und dem man in Galerien, im Konzert und Theater begegnet, wie er begleitenden Damen mit eleganter Nonchalance feine Erkenntnisse zum Besten gibt, wird im Iuli'heft der „neuen Knie" (Verlag Otto Beyer, Leipzig) ein witziges Denkmal gesetzt. Es ist ein Schwanengesang auf den aussterbenden Snob, den Olaf Gulbrannson mit feinen Karri- faturen begleitet. Dieser heitere Beitrag folgt auf prachtvolle Aufnahmen aus den Ateliers von vier bekannten deutschen Bildhauern. Richard Hamann. MacLean schreib dazu über das Wesen der Monu- mentalplastik. Daneben steht ein Beitrag über die reiche und bewegte Kleinplastik. — Einen prägnanten Querschnitt gibt die „neue linie" durch Kunst schätze der Wiener und Prager Sammlungen. — Die Modebeilage bringt festliche Sommerkleider, Straßenkleider und -Mäntel sowie eine Fülle modischen Beiwerks.
— Die Illustrirte Zeitung gibt am 28. Juni eine Nummer heraus, die der Stadt Wien gewidmet ist, und der der Reichskommissar Gauleiter Josef Bürckel ein Geleitwort auf den Weg gibt. Die großen Ausgaben, die Wien in Gegenwart und Zukunft zu erfüllen hat, stellt der erste Beitrag des Bürgermeisters Dr. Neubacher heraus. Wiens historische Aufgabe umreißt Professor Dr. Brunner. Die künstlerische Gestalt Wiens schildert Dr. Grimschitz, der Leiter der Oesterreichi- schen Galerie. Daß hinter der Kunstpftege auch die Pflege der Wissenschaft nicht zurücksteht, lehrt ein Beitrag Professor Dr. Faltas. Die heitere Lebens- fünft aber, die den Wiener vor allem auszeichnet, deutet Dr. Josef Kallbrunner aus Wiens glanzvoller 93ergangenbeit. Die Musikftadt Wien erfährt durch Professor Dr. Robert Haas ihre Würdigung. So fügt sich Strich für Strich zu dem Bill» dieser einzigartigen Stadt.
— Unter der Ueberschrift: Der Arzt spricht, bringt die Monatsschrift „Kleine Kinder" regelmäßig Betträge, in denen Kinderkrankheiten und Fragen der Gesundheitspflege des Kindes behandelt werden. Die Artikelreihe beginnt mit der Besprechung einer der gesürchtetsten Kinderkrankheiten, des Keuchhusten. Die Iuninummer bringt darüber hinaus noch folgende interessante Aufsatze: Der Rhythmus im Leben des Kindes — Moderne Körperpflege und Bettung des Säuglings — Kleines Kind lernt iehen — Warum lügt das Kind? — Wie nützen mir die Beer^nernte. (Verlag Quelle & Meyer, Leipzig-


