Nr. 55 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
5reitag,3.MärzM9
Landeskultmiagung
-er Landesbauernschast Hessen-Nassau.
NSG. Jrn Volksbildungsheim in Frankfurt a. M. wurde die Landeskulturtaguna der Landesbauernschaft Hessen-Nassau durchgeführt. Reichssachgebietsleiter des Reichsnährstandes für Landeskultur, Oberlandwirtschaftsrat Dr. Geith (Berlin) wies darauf hin, daß der Reichsnährstand besonders stark an kleineren Vorhaben, die sich sehr rasch auswirken, interessiert ist und ging weiter auf die A b - wässerverwertung ein, die gerade für Hes- sen-Nklssau wegen des Rodgauprojektes von besonderem Interesse ist. Wichtig ist es, bei allen Meliorationsmaßnahmen dem Bauer bei den Folgeeinrichtungen nach der Melioration zu helfen Auf der Grundlage seiner veränderten Bodenfläche müsse für ihn ein völlig neuer Landwirtschaftlicher Betriebsplan ausgearbeitet werden. Ferner sei für den einzelnen Bauer die Festsetzung der tragbaren Höchst- b e l a st u n g von besonderer Bedeutung, da die finanzielle Belastung die Fortentwicklung seines Betriebes nicht stören darf. Diese sorgfältige Prüfung der Belastungen, bei denen ohne Zweifel festgestellt wird, was der Bauer wirklich tragen kann, ist eine zwingende Notwendigkeit. Es dürfen keine Belastungen anerkannt werden, die aus dem Bauern nichts anderes machen als einen Zinsknecht.
Auf die Frage, ob berieselt oder beregnet werden soll, gibt Dr. Geith die Antwort, daß beide Verfahren möglichst nebeneinander verwendet werden sollten. Das Berieseln ist eine gewisse Verschwendung, wie sie im Winter und Herbst möglich ist, während das Beregnungsverfahren mit den Abwässern sehr sparsam umgeht, also für den Sommer notwendig ist. Dr. Geith schloß mit dem Hinweis auf die Arbeit der Landbauaußenstel- l e n des Reichsnährstandes, von denen im Gau Hessen-Nassau drei in Darmstadt, Herborn und Schotten errichtet sind, zu denen noch eine vierte kommen wird, die diese Arbeit durchführen.
Der Sachbearbeiter für Umlegungsarbeiten des
Reichsnährstandes, Landwirtschaftsrat Dr. Kuhle- w i n d (Berlin) erklärte, alle Meliorationen müssen im Rahmen eines Umlegungsverfahrens durchgeführt werden. Die Umlegung solle eine möglichst geringe Anzahl von Landparzellen hinterlassen. Das Ideal hierbei wäre es, wenn jeder Betrieb nach der Umlegung nur aus einer einzigen Parzelle bestünde. Die Umlegung wird sehr oft auch eine A e n d e r u n g der Betriebsgröße bedingen. Dabei dürften die Kleinbetriebe auf einer gesunden, lebensfähigen Grundlage im Vordergrund stehen. Dort, wo es erforderlich ist, ist durch die Umlegung eine Dorfauflockerung herbeizuführen. Die Dorfauflockerung stützt sich auf die Tatsache, daß Hof und Feld eine Einheit bilden. Sie muß zu neuen lebensfähigen Betrieben führen, die neuen Hofreiten müssen dem heutigen Stand der Betriebswirtschaft, der Technik und der sozialen Forderungen entsprechen, und schließlich darf die Dorfauflockerung nicht zu einer neuen Verschuldung führen.
Sachgebietsleiter Dr. Heitz von der Landesbauernschaft Hessen-Nassau wies auf einige vordringliche Fragen hin. Die Melioration und Umlegung ist 1938 durchweg von dem plötzlich auftretenden Arbeitermangel beeinflußt worden. Selbst die kleineren Meliorationsmaßnahmen litten unter d.iesem Zustand. In manchen Kreisen konnten nur 20 bis 30 v. H. der vorgesehenen Arbeiten durchgeführt werden. In einigen wenigen dagegen war dies bis zu 80 v. H. möglich, wo die Bauern und Landwirte mit zur Arbeit herangezogen werden konnten. Dieses Beispiel müsse nachgeahmt werden. Die Folgearbeit sei ein Bestandteil der Melioration und von dieser nicht zu trennen. Dr. Heitz schloß mit der Feststellung, daß die Umlegung zu einer möglichst engen Zusammenlegung der bewirtschafteten Fläche führen muß.
Wie sieht es in der Wirtschaft aus?
Drei Wochen hindurch hat die Internationale Automobil- und Motorrad-Aus» st e l l u n g einen ungeheuren Strom von Interessenten in die Reichshauptstadt gezogen. Und den Eindruck, den ein jeder von der Ausstellung mitnahm, war der, daß überall noch ungeheure Motorisierungsreserven liegen. 1937 erreichte die Automobilerzeugung der Welt mit 6,4 Millionen Stück eine Rekordhöhe. Nur 1929 war mit 6,3 Millionen Wagen eine ähnlich hohe Erzeugungsziffer erreicht worden, die aber im Verfolg der Krise bis auf zwei Millionen Wagen im Jahre 1932 zusammengeschrumpft war. 1938 ging die Produttionsziffer nach vorläufigen amerikanischen Berechnungen um etwas über ein Drittel, auf 4,2 Millionen Wagen zurück, eine' Entwicklung, die in der Hauptsache auf die scharfe Drosselung der amerikanischen Erzeugung heraus verständlich wird. In Frankreich verminderte sich in der gleichen Zeit die Produktionsziffer von 246 000 auf 222 000 Wagett, in Kanada von 263 000 auf 166000 Wagen. Kanada fiel vom zweiten allmählich auf dem fünften Platz in der Reihe der großen Äuto- mobilerzeuger der Welt zurück. Deutschland, Großbritannien und I t a l i e haben dagegen ihre Erzeugung im Verhältnis zu 1929 im vergangenen Jahr erheblich gesteigert. Die deutsche Produktion, die 1929 128 000 Wagen, 1932 nur noch 52 000 umfaßt hatte, stieg 1938 auf 341000 Wagen an. Die englische wuchs von 233 000 Wagen 1932 auf 445 000 im Jahre 1938, die Italiens von 29 000 auf 59 000 in der gleichen Zeit an. —
Beachtung verdient der starke Aufschwung, den die Bank der Deutschen Arbeitsfront in den letzten Jahren genommen hat. Im Gegensatz zur Reichskreditgesellschaft, deren Bilanzsumme die DAF.-Bank fast erreicht, hat die letztere Filialen im ganzen Reich. Im letzten Jahr sind hauptsächlich Filialen in Wien, Prag und Reichenberg hinzugekommen. Mit Rücksicht auf eine beträchtliche Reservebildung wird in diesem Jahr von der Ausschüttung einer Dividende abgesehen. Sehr aufschlußreich ist auch der Sozialbericht dieses Unternehmens. Danach beträgt das Mindestgehalt für verheiratete männliche Gefolgschaftsmitglieder 200 RM monatlich, es wird eine einheitliche Kinderzulage von 30 RM. gewährt, Heirats- und Geburtsbeihilfen werden den Gefolgschaftsmitgliedern ausgezahlt, und die Altersversorgung der Belegschaft, die sich heute aus 885 Gefolgschaftsmitgliedern zusammensetzt, ist auch im laufenden Jahre weiter ausgebaut worden.
Der anhaltende Rückgang des Ausfuhrgeschäftes der Vereinigten Staaten hat die USA. zu einem neuen Äusfuhrvorstoß bestimmt, der, wie man dort zu sagen pflegt, notwendig wurde, um der „verstärkten europäischen Konkurrenz zu begegnen". Mit dieser europäischen Konkurrenz sind Deutschland und Großbritannien gemeint, denen es in der Tat gelungen ist, in den letzten Jahren mehr und mehr an handelspolitischem Terrain in Südamerika zu gewinnen. An dieser Entwicklung haben die Vereinigten Staaten selbst Schuld. Die Ausfuhr der Vereinigten Staaten zeigt nämlich eine ausgespro-
£kr Liebesbrief.
Don Walter Erben.
Die Wohnung des jungen Paares war feit einigen Tagen eingerichtet. Endlich brachte der Spediteur auch Christians Junggefelleninventar, worauf er schon alle Tage vorher gewartet hatte Und an diesem Nachmittag konnte er n.cht zu Hause sein, weil es sein erster Arbeitstag in der neuen Stellung war. Renate, die junge Frau, fürchtete aber die Arbeit nicht; sie ließ gleich alle Kisten und Koffer aus das kleine Zimmer bringen, das Christian sich als Arbeitsraum gewünscht und mit selbstgezimmerten Regalen und einem großen Tisch ausgestattet hatte. In der vorangegangenen Woche hatte sie von ihrem Mann gelernt, wie man Kisten öffnet und nach welchem „Prinzip" man die Sachen richtig unterbringt Mutig ging sie ans Werk. Sie stellte sich schon Christians Erstaunen vor, wenn er am Abend nach Hause kam und fein Zimmer so vorfand, wie er es sich schon lange Zeit vor der Hochzeit ausgemalt hatte.
Nein, was so ein junger Mann nicht alles nötig hatte! Es waren nicht genug Schubfächer und Schränke da, in denen sie alles hätte unterbringen können. Bücher über Bücher kamen zum Vorschein, Alben mit den Photos der Freunde, eine Flasche, in der ein Segelschiff in voller Takelage hinein- gezaubert war — schließlich noch ein Kasten mit Pfeifen aller Art und Größen.
Und dennoch nahm Renate ein jedes dieser Dinge beinahe liebkosend in die Hand, waren sie bei seinem sonst so verschlossenen Wesen doch ein sichtbarer Ausdruck seiner unbefangenen, jungenhaften Natur, die sie so sehr an ihm liebte
„Lieber alter Seebär", flüsterte sie voller Glück, „hast du doch deine einsame Insel verlassen und bist mit mir auf ein neues, sonnigeres Eiland gefahren!"
Jetzt saß sie aber schon eine ganze Weile auf dem großen Koffer, die Augen starr auf einen Brief geheftet, der sie in Bann hielt, wie eine Eidechse, die man zwischen Gräser eines Wegsaums entdeckt hat. Er trug Christians Handschrift; sie hatte ihn zwischen Bildern und Papieren gesunden.
„Liebes Mädchen", las sie zögernd, „ich muß Dir gestehen, daß jeder Augenblick meines Lebens Dir gewidmet ist — auch wenn ich nicht bei Dir bin. Könnte diese Gewißheit Dir doch einen kleinen Trost geben, wenn Dich einmal Furcht überkommt vor der ungewissen Zukunft. Wenn ich es bis jetzt noch nicht aussprechen konnte, so sollst Du.es nun
wisse.i, daß ich Dich lieb habe, über alles auf dieser Erde ..."
Der folgende Satz war durchgestrichen, dann brach der Bries ab. • Kein Datum, keine Anrede gaben Kunde, wann er geschrieben und wem er gegolten. Immer wieder las sie die wenigen Zeilen. Sie entsann sich nicht, je einen solchen Brief von ihm erhalten zu haben, umfaßten seine Worte doch sonst nur das wirkliche Leben in seinen gleichförmigen Aeußerungen, wie es ihr beider arbeitserfülltes Leben vor der Ehe mit sich brachte.
Welche Bedeutung mußte aber der Mensch in seinem Leben innegehabt haben, der einen solchen Brief erhalten durfte!
Sie war machtlos gegen einen plötzlichen Anflug von Eifersucht, der ihr Inneres durchdrang.. Sie vermochte nicht mehr zu denken und irgendwelche Entschlüsse zu fassen. Sie fühlte sich wie ein Brunnentrog, aus dem das Wasser auslief, daß alle Bilder, die seine Oberfläche zuvor gespiegelt, sich verflüchtigten. Eine dunkle Leere tat sich vor ihr auf. Erschöpft und bis ins tiefste ihres Herzens verwundet, legte sie ihren Kopf gegen die kühle Tischkante.
So fand sie Christian, als er eine Weile später feine Frau in seinem Zimmer suchte. Er stutzte vor dem Anblick der Unordnung und Verzweiflung, der sich ihm darbot. „Solche Arbeit hast du dir gemacht!" rief er besorgt und ging auf feine Frau zu, um sie aufzurichten und sie zu umarmen Erst als er ihr übers Haar strich, wandte sie ihm ihr verweintes Gesicht zu, ein Lächeln versuchend, das aber kläglich mißlang. Sie mußte die Lippen aufeinanderpressen, um ein aufkommendes Schluchzen zu unterdrücken.
„Liebe Renate", sprach er bestürzt auf sie ein, .,was ist dir geschehen?"
Da sah er den zerknüllten Brief aus ihrer Hand fallen.
Er hob ihn auf und faltete ihn auseinander, feinen eigenen Brief erkennend. „Den hast du doch nicht etwa gelesen", äußerte er voller Verlegenheit. Als Antwort löste sich eine Träne ausschimmernd von ihrem Lid; sie schaute ihn an mit den Augen eines verwundeten Rehes, als suchte sie in feinem Gesicht die Lösung ihrer entsetzlichen Ungewißheit ...
,Lann ein leichtes Stück Papier dich so bedrücken!" sprach er leise, den Brief abwägend in der Hand haltend.
Da ging es plötzlich wie eine Ahnung in ihm auf. Er griff nach seiner Tasche und zog über seinem Herzen eine Brieftasche hervor, der er einen abgegriffenen zweiten Brief entnahm. „Ich trage
chene Konjunkturempfindlichkeit. Im ganzen gewinnt man, wie es im jüngsten Wochenbericht des Instituts für Konjunkturforschung heißt, den Eindruck, daß der handelspolitische Vorstoß der USA. in Südamerika, wie er durch die Handelsvertragsverhand- lungen in Peru und Venezuela, durch die Vorbereitung von Handelsverträgen mit Argentinien und Uruguay und schließlich durch den Besuch des brasilianischen Außenministers in Washington gekennzeichnet ist, hauptsächlich dem Bedürfnis entspringt, durch handelspolitische Regsamkeit das zu ersetzen, was an wirklichen handelspolitischem Einfluß an der Partnerstellung der Vereinigten Staaten gegenüber Südamerika im letzten Jahr verloren gegangen
Im Jahre 1938 führten wir 1,21 Millionen Ballen Baumwolle oder 2,20 Millionen Doppelzentner ein, gegenüber 1937 ein Mehr von 11,2 v. H. Infolge Senkung der Baumwollpreise aber haben wir für diese größere Menge einen u m 18,2 o. H. geringeren Betrag als 1937, nämlich nur 186,83 Millionen RM gegen 228,71, aufgewendet. In den Bezugsländern ist eine gewisse Umschichtung erfolgt. Wir beziehen z. B. aus den USA. jetzt nur einen Bruchteil unserer früheren Importe, weil die politische Stimmung drüben uns natürlich zu Gegenmaßnahmen herausfordert. Während wir 1934 z. B. 1898 000 Doppelzentner Baumwolle aus den USA. bezogen, find es im Vorjahre nur 451 000 gewesen; die Pankees haben also rund Dreiviertel des deutschen Marktes verloren. Dagegen hat sich der Bezug der Baumwolle aus Brasilien fast verzehnfacht. Er betrug im Vorjahre 810 570 Dovpelzentner, bedeutend mehr als der aus den USA. Ferner nahm der Baumwollbezug aus Argentinien und Mexiko stark zu, so daß wir den Ausfall mehr als wett machen konnten. Heute beziehen wir Baumwolle in erster Linie von Brasilien, dann folgt in weitem Abstande Aegypten, und darauf erst kommen die USA. Rückläufig entwickelten sich die Zufuhren aus der Türkei und aus Britif ch- Indien. Selbstverständlich reicht die Qualität der „neuen Baumwolländer" nicht immer an die der alten heran, aber die Bezüge aus ihnen entsprechen einer handelspolitischen Notwendigkeit, da wir nach diesen Ländern exportieren und z. B. Aegypten uns im Interesse seines Baumwollabsatzes insofern entgegengekommen ist, als es entsprechend einer Zunahme seiner Baumwollausfuhr nach Deutschland mehr aus Deutschland einführen will.
England ist längst kein Land mehr, das von der Arbeit anderer Länder lebt und einen großen Teil seines Reichtums den ausgeliehenen und zu verzinsenden Kapitalien dankt. Das Handelsamt hat eine Schätzung der Zahlungsbilanz für 1938 veröffentlicht, aus der sich der Verlust der Stellung eines Weltbankiers klar ergibt. Erstmalig zeigte sich ein Fehlbetrag mit je 18 Millionen Pfund in den Jahren 1934 sind 1936. Im Jahr 1935 belief er sich schon auf 45 Millionen, und jetzt wird er auf 56 Millionen geschätzt. Aber in Wirklichkeit sind die Silber- verschiffungen, die ungewöhnlich groß waren, eingerechnet worden. Ohne diese, die in den früheren Bilanzen fehlten, würde sich der Fehlbetrag der englischen Zahlungsbilanz im Vorjahre auf 66.5 Mill. Pfund belaufen haben. Die Ursachen der Verschlechterung liegen in dem allgemeinen wirtschaftlichen Rückgang, bann in der Aufrüstung, die einen zusätzlichen Einfubrbedarf hervorrief, und ferner im Rückgang der Einnahmen aus Kapitalanlagen im Ausland Sie betrugen 200 Millionen Pfund gegen 210 Millionen 1947, ab<»r diese Gewinne beruhen zum Teil noch auf den Gewinnen der vorhergehenden Jahre, so daß sich der wirtschaftliche Rückschlag noch nicht voll auswirken konnte.
*
Der sog. Penblock, der unter Japans Führung das Jnselreich, ferner Mandschukuo und das besetzte China umfaßt, hat sich wirtschaftlich gut eingespielt. Japan konnte im Vorjahr 3 8 v H. seines Gesamthandels in diesem
Raum spielen lassen gegen nur 13 v. H. im Jahre 1937. Naturgemäß warf dieser Außenhandel keine international verwertbaren Devisen ab, aber er trug unzweifelhaft dazu bei, daß Japan die wirtschaftlichen Folgen des Krieges mit China doch besser zu überstehen vermag, als man es in den Demokratien angenommen hatte. Zum ersten Mal während des Krieges hat Japan auch einen Ausfuhrüberschuß von rund 60 Millionen Pen zu verzeichnen, aber die Gründe dafür sind doch einmalig. Die Ausfuhrziffern für 1938 zeigen eine Schrumpfung von 13 v. H. ober 420 Mill. Pen gegenüber 1937, aber die Einfuhr ist sogar um 28 v. H. ober 1120 Mill. Pen zurückgegangen. Das liegt z. T. an ben Restriktionen. Infolge der Kriegswirtschaft sah sich die japanische Regierung gezwungen, bie Einfuhr nicht unbedingt lebenswichtiger Waren zu broffeln und alles auf Kriegswirtschaft umzustellen. Immerhin war die Lage derart, daß aus den Ländern außerhalb des Penblocks für 2276 Mill. Pen ein-, aber dahin nur für 1732 Mill, ausgeführt wurde, so daß hier ein Einfuhrüberschuß von 544 Mill. Pen zu verzeichnen war. Die durchschnittlichen Importe für Friedensindustrien zeigten einen Rückgang um durchschnittlich bie Hälfte, verglichen mit 1937. Die Ausfuhr von T e xt i l i e n , namentlich Kunstseibe, Baumwollgeweben, Naturseibe, sank stark, bagegen hob sich die Verschiffung von Maschinen um rb. 42 v. H., namentlich 'n ad) China und Manbscbu- kuo. Trotz bes Ausfuhrüberschusses von rb. 60 Millionen Pen konnte Japan seine Zahlungsbilanz nur burch Goldexporte ausgleichen. Nun hat Japan nach ben Erfahrungen des letzten Jahres gewisse Verbesserungen in seinem kriegswirtschaftlichen System vorgenommen. Man will vor allem wieder ben Friebensindustrien helfen, z. B. durch eine nachhaltige Exportförderung, und vor allem: man wird angesichts der ungewissen Länge des Chinakrieges seine Rohstoffbasis durch kräftige Inanspruchnahme der großen Rohstoffquellen Mandschukuos und Chinas aufzufüllen versuchen.
Kunst und Wissenschaft.
Professor 7Nax Doerner f.
Im Alter von 69 Jahren ft a r b in einem Münchener Krankenhaus der Leiter der Werkprüfungs- unb Forschungsanstalt für Maltechnik in ber Reichskammer ber bildenden Künste, Professor Max Doerner. Mit Professor Doerner hat bie beutsche bil- bende Kunst den bebeutenbsten Maltechniker verloren. Sein Lebenswerk ist in dem Buche „Malmaterial und seine Verwendung im Bilbe" niedergelegt und in allen Kulturstaaten der Welt bekannt. Doerner wurde 1870 in Burghausen geboren. Er studierte in München bei Herterich und v. Diez. Besonders wertvoll war für ihn die herzliche Freundschaft mit Böcklin, der ebenso wie Thoma mit Doerner einen lebhaften Gedankenaustausch pflegte. 1911 wurde Doerner an die Akademie der bildenden Künste als Lehrer- berufen. Seit -1921 hatte er als ordentlicher Professor den Lehrstuhl für Maltechnik inne. Sein Standpunkt lauteten: Erhaltung statt Erneuern, d. h. Konservierung, nicht Restaurierung. Daß er in diesen Fragen den richtigen Weg ging, zeigen die Konservierung des Augsburger Domes, einer Reihe weiterer Kirchen sowie die vorzüglichen Erhaltungsmethoden der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen.
Aerzttiche Führung in der Reichsschau „Ewiges Volk".
NSG. Das Gauamt für Volksgesundheit hat für den ärztlichen Führungsdienst auf der Frankfurter Reichs schau „Ewiges Volk" 40 Aerzte und Aerztinnen beauftragt. Es finden werktäglich ärztliche Führungen zu folgenden Zeiten statt: Montags bis Samstag: 1. Führung 16 Uhr, 2. Führung 17 Uhr, 3. Führung 18 Uhr. Sonntags findet eine ärztliche Führung um 11 Uhr statt. Beim Besuch größerer Gruppen, wie Formationen, Verbände und Berufsgruppen, stehen jederzeit Aerzte zu Sonderführungen zur Verfügung. Es wird jedem Volksgenossen bei der Führung, die eine Stunde dauert, die nationalsozialistische Gesundheitsführung in ge=. eigneter Form verständlich gemacht.
ihn schon jahrelang mit mir herum, vielleicht magst du diesen auch lesen!"
Als Renate mit umflorten Augen den Brief zu entziffern versuchte, fand sie in ihm einen selbstgeschriebenen wieder, den sie an einem einsamen Herbstabend an Christian gerichtet hatte. Plötzlich erinnerte sie sich genau der Stunde, wo sie, bedrückt von Sehnsucht und unbestimmter mädchenhafter Furcht, jene Worte gefunden — und auf einmal ging es wie ein Glühen über ihr Herz Sollte fein, Brief nicht die trostspendende Antwort darauf gewesen sein?
Als sie jetzt ihren Mann anschaute, fand sie in seinen gutmütigen Augen schnell die Bestätigung ihrer Vermutung. Wie anders klangen jetzt bie Worte seines Briefentwurfs, bie sie beinah auswendig kannte, ba sie wußte, baß sie selbst bas geliebte Wesen war, an bas fte gerichtet...
Wie ein mübes Kinb legte sie ihren Kopf an seine Schulter, als erflehte sie sich Vergebung für ihre bummen Zweifel. Wie fühlte sie sich plötzlich geborgen — jetzt brauchte sie nicht mehr zu warten, baß er bie Worte aussprach, die aber ben Sinn eines ganzen Lebens für ben ßicbenben ausmachen, unb sei ihm bie Zuneigung bes anberen noch so gewiß.
Mit einem Dollar um die Welt.
Jean Lackey, eine amerikanische Stubentin, befindet sich feit zwei Jahren auf einer Weltreise. Daß man bazu nicht unbedingt reich sein muß, beweist sie, indem sie mit nicht mehr auf die Reise ging als mit einem Handkoffer unb einem Dollar in ber Tasche. Damit hat sie zuerst ben ganzen amerikanischen Kontinent burchquert, 30 000 Kilometer vom Atlanfischen zum Pazifischen Ozean. Dann war sie in Japan, in China, in Australien, Inbien, unb Aegypten, unb von da hat ihre Reise sie nach Europa geführt, wo sie bisher England unb Frankreich besucht hat.
Aber reicht ein Dollar so weit? Ja, bas tut er, wenn er immer roieber erneuert wirb. Das geschieht, bafür gibt es ja die Arbeit. Unb Jean Lackey hat überall gearbeitet, als Mannequin, als Verkäuferin, als Journalistin. Als erst einmal der Anfang gemacht war, ging die Sache ganz gut, denn nun läßt sich schon alles verwerten, was sie in der Welt erlebt hat. Außerdem finden Jugend, Anmut und Liebenswürdigkeit überall in der Welt Zutritt. Jean Lackey ist 22 Jahre alt und stammt aus einer kleinen Stadt im Staate Wisconsin. Mit 15 Jahren hat sie den Plan für ihr Leben gemacht: von 15 bis 20 Jahren würde sie im „College" sein, mit 20 Jahren auf
Reisen gehen, Länder und Völker kennenlernen. 80 Jahre hat sie als angemessenes Alter vorgesehen.
Aus ihren Koffer hat sie ein Schild prägen laffeh: „Jean Lackey, the Vagabond Co—ed“ (die vagabundierende Studentin). Dasselbe steht auch auf ihren „Medaillen", von denen sie etwa 40 von Hause mitgenommen hat, mit der Absicht, sie an die Staatsoberhäupter und Regierungschefs, die sie besuchen würde, zu verschenken als Freundschaftsgrüße .der Völker untereinander.
Hochschulnachrichten.
Der Geh. Hofrat Professor Dr. jur. Dr. tiieol. h. c. Oberlandesgerichtsrat a. D. Alfred Schultze vollendete sein 75. Lebensjahr. Geh. Rat Schultze hat an der Universität feiner Vaterstadt Breslau, in Halle, Jena, Freiburg i. B. und Leipzig wirkend, namentlid) die deutsche Rechtsgeschichte und das Kirchenrecht durch eine Reihe gründlicher Forschungen bereichert. Als Mitherausgeber von JheringsJahrbüchern für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts und von Zeumers „Quellen und Studien zur Verfassungsgeschichte des Deutschen Reiches in Mittelalter und Neuzeit" hat er sich sehr verdient gemacht. Professor Schultze ist durch bie Mitgliebschaft ber Akabemien Leipzig, Berlin, München, Wien unb Bologna ausgezeichnet.
Der em. o. Professor für Bergbau, Bergrat Dr. Ludwig Tübben, vollendete das 7 0. Lebensjahr. Tübben war mehrere Jahre im Staatsdienst als Berginspektor und Bergmeister tätig, ehe er 1910 einen Ruf als Ordinarius an bie Bergakabemie Berlin unb sechs Jahre später in gleicher Eigenschaft an bie Technische Hochschule Berlin folgte. Seine zahlreichen Arbeiten auf ben Gebieten ber Bergbau- funbe, ber Braunkohlentechnik, ber Wetterwirtschaft unb bes Rettungswesens hat Tübben in Fachzeitschriften veröffentlicht.
Infolge Erreichung ber Altersgrenze wirb am 1. April b. I. ber Inhaber des Lehrstuhls Bau- ingenteurfad) (Statistik ber Baukonstruktionen, In- bustriebau in Stahl unb bewegliche Brücken), Professor Dr.-Jng. Kammer von ben amtlichen Pflichten an ber Technischen Hochschule Darm- stabt entbunben. Mit ihm verliert die Hochschule einen ihrer besten Lehrer, aus dessen großer Schü- lerzahl viele Männer im In- unb Auslande auf führenden Industrie- unb Lehrvosten tätig sinb.
Der ao. Professor Dr. Erich P r eifer an ber Universität Rostock wurde zum ordentlichen Professor für Wirtschaftswissenschaften in Rostock ernannt. Preiser, in Gera 1900 geboren, habilitierte sich 1930 in Tübingen unb würbe fünf Jahre später nach Rostock berufen.


