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Nr. 2 Zweites Vlatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Dienstag. 3. Zanuar 1959

Kameraden der HL! Die Lustwaffe braucht Euch!

nur

Erde

die Sachen in dem richtigen Farbton

Seit deine Die Sonne

damit ich tuitbringe.

In den kaufstasche

Ferien schickt mich Mutti mit der Ein- auch auf den Markt. Dort herrscht

Doch

Was Dein Hört

buntes Leben und Treiben. In den verschiedenen Markkständen sieht man Gemüse, Obst, Blumen, Fleisch- und Wurstwaren, Eier und Käse. Soll ich g. B. Endivien oder Blumenkohl holen, dann sehe ich erst nach, wo sie am schönsten und preis­wertesten sind; dort kaufe ich sie dann ein. Wenn ich noch süße Trauben oder ein paar Aepfel mit­bringen darf, ist die Freude besonders groß.

fach als Grundlage der neuen Quadern benutzt. Als sich bei größeren Bauarbeiten zu Anfang dieses Jahrhunderts Riffe an den Innenwänden zeigten und eine Neigung des Turmes, sich zu senken, bemerkbar machte, wurde bei der Unter­suchung der Fundamente festgestellt, daß das Mün­ster in höchster Gefahr war. Johann Knauth, der letzte deutsche Dombaumeister, hat darauf das ganze Münster mit neuen Fundamenten versehen.

So steht es nun für ewige Zeiten, ein Denkmal deutscher Werkgröße. F. O. H. Schulz.

Trutz Tod und Grab, den feindlichen Gewalten Dein guter Geist muh doch den Sieg behalten!

Prof. Dr. Morell ein Oberhesse.

Dr. med. Theodor Morell, dem der Führer und Reichskanzler, wie gemeldet, am 24. Dezem­ber den Titel Professor verlieh, hat in den letz­ten Jahren eine Reihe hochstehender Persönlich­keiten des In- und Auslandes ärztlich betreut.

Professor Dr. Morell wurde am 22. Juli 1886 in Trais-Münzenberg in Oberhessen ge­boren. Rach Absolvierung des medizinischen Stu-

teure Hand ihr Meisterwerk begonnen, kam, du freutest dich an ihrem Schein; zu bald hieß Gottes Heimatruf dich sschlafen ein.

an dir war, ward wieder Erde.

Die alte Dochtlampe hat sich neben dem Kien­span und der Kerze bis weit in die neuzeitliche Geschichte ziemlich unverändert erhalten. Zwar wechselte die künstlerische Ausgestaltung, aber die alte Brenntechnik erhielt sich. Spät und vereinzelt erst kamen Neuerungen technischer Art auf, ohne sich immer durchzusetzen. Anno 1420 erfand G. F o w tana, ein Italiener, die Blendlaterne, und um 1500 verbesserte Leonardo d a Vinci diese Erfin­dung durch Beifügung einer Glaslinse, diedas Licht schön und groß" machen sollte. Im Jahre 1626 konstruierte I. F u r t t e n b a ch, ein Süddeutscher, eine Laterne für den Gebrauch an gefährlichen Or­ten, wie z. B. in oder bei Pulvermagazinen; ein Drahtgeflecht isolierte die Flamme, so daß sie n-cht durchschlagen konnte. Wie treffend der Gedanke ist, bezeugt die Tatsache, daß 200 Jahre später aus ihm dieDavysche Grubenlampe" für Bergleute entstand.

Für die Ausgestaltung der Stubenlampe hin­gegen waren folgende Erfindungen von Bedeutung. 1756 wendete zuerst der Pariser Apotheker Q u i n - g u e t den bereits bekannten Glaszylinder praktisch für die Lampe an. 1782 erfand sein Landsmann Leger den Flachdocht, der den Runddocht ersetzte, und im Folgejahr schuf der Genfer Arg and den zylindrischen Hohldocht. Diese Erfindungen begüg- stigten die Einführung und Verwendung der um 1855 in den Vereinigten Staaten erfundenen Petro­leumlampe, die allerdings erst durch umfangreichen Versand des amerikanischen Steinöles und durch deutsche Verbesserungen der Lampe selbst, sich prak­tisch in aller Welt einführte, bis Gas und Elektrizi­tät ihre Herrschaft begannen. Versuche, brennbares Gas zu Leuchtzwecken zu verwenden, gehen weit zurück in unserer Kulturgeschichte, fanden aber erst im 19. Jahrhundert Erfolg. Auch die Benutzung der Elektrizität empfahl die wissenschaftliche Theorie zei­tig. Der Hofmechaniker G rum merk zu Dresden riet um 1750 bereits, das feit 40 Jahren bekannte elektrische Leuchten des luftverdünnten Raumes zur Beleuchtung von Bergwerken und anderen feuer­gefährdeten Orten zu verwenden.

Versuche, elektrische Bogenlampen zu konstruie­ren, gehen bis ins Jahr 1802 zurück. Mitte des vcr- gangenen Jahrhunderts wurden sie erstmalig in Pa­ris zur Straßenbeleuchtung benutzt; praktisch brauch­bar aber machte sie erst die Siemenssche Er­findung derDochtkohle" vor ungefähr 70 Jahren. In den Ruhm, die luftleere galvanische Glühfaden­lampe erfunden zu haben, teilen sich Belgier, Deut­sche und Engländer. Edisons Verbesserungen aber führten sie erst allgemein in die Verkehr-wirtschaft ein, als er die vielbestaunten elektrischen Glühlam­pen 1881 auf der Pariser Weltausstellung vorführtc.

diums in Gießen, Heidelberg, Grenoble, Paris und München praktizierte Dr. Morell zunächst in Bad Kreuznach und war dann als Schiffsarzt bei ver­schiedenen Linien im Afrika-, Asien- und Nord- und Südamerikadienst tätig. Den Weltkrieg hat Dr. Morell als Arzt an verschiedenen Abschnitten der Westfront mitgemacht. Seit dem Kriegsende hat sich Dr. Morell als praktischer Arzt in Berlin nie­dergelassen.

Panzerwagen und Straßenverkehr.

Lpd. Im Laufe des Jahres werden Panzerfahr­zeuge auf den Straßen wieder in verstärktem Maße Fahrten aufnehmen. Denn die Rekruten müssen mit ihren Kampffahrzeugen vertraut gemacht werden. Alle am Verkehr teilnehmenden Volksgenossen seien daher auf die Gefahren aufmerksam gemacht, die beim Begegnen und Ueberholen dieser Fahrzeuge entstehen.

Der Panzerkampfwagen ist zum Unterschied von anderen Kraftfahrzeugen ein Vollketten-Fahrzeug. Die Lenkung ist eine wesentlich andere und schwie­rigere. Sie wird dadurch vorgenommen, daß eine Kettenseite nämlich die Kurveninnere an­gebremst, während gleichzeitig die Kurvenäußere zu­sätzlich angetrieben wird. Bei den in den Winter­monaten vorliegenden Witterungsverhältnissen und der damit bedingten Straßenbeschaffenheit läßt es

Der unter dem KünstlernamenDippelouis" weit­hin bekannte Meistertöpfer Ludwig Keßler wurde am 4. Januar 1859 in Wieseck geboren, verlebte dann mit seinen Eltern einen Teil seiner Jugend am Rhein (Biebrich und Eltville), am längsten in Appenrod und Homberg a. d. O., wo sein Vater eine Ziegelei betrieb. In Homberg erlernte er gegen den Willen seines Vaters das Töpferhandwerk bei dem tüchtigen Meister Wasmuth, um dann, nachdem er in der Leibkompanie unseres 116er Regiments sei­ner Militärpflicht genügt hatte, in Lauterbach bei den Meistern Ferdinand Bauer und Heinrich Schie- belhuth, seinem späteren Schwiegervater, zu arbei­ten. In Lauterbach wurde er, wie Franz Como in dem ihm beim Tode gewidmeten Nachruf schrieb, mit den Jahren der Techniker und Kunsthandwer­ker, den man später kennen und achten lernte und der Keßlers Namen berühmt gemacht hat. Hier wurde er schon der gute Dreher, hier brannte er schon seine Irdenware jo, wie es die Alten kaum übten, und hier in der Stille suchte und fand er schon seine Formen, die einen neuen Geist atmeten. In Lauterbach fing er schon an, die Farben anzu­wenden und zusammenzustellen und die Erfindungs­gabe zu offenbaren, die später seinen besonderen Ruf ausmachte.

Bei Gründung eines eigenen Hausstandes zog es den strebsamen jungen Meister nach seiner Hei­mat Wieseck, wo er unter schweren wirtschaft­lichen Kämpfen einen eigenen Betrieb eröffnete und mehr als 20 Jahre wirkte, in stiller, zäher Arbeit unablässig bestrebt, die Erzeugnisse seiner Hand nach Form, Farbe und Güte zu vervollkommnen. Am 2. September 1912, im Alter von 53 Jahren, raffte der Tod den strebsamen Meister allzufrüh dahin. Der Gießener Kunsthistoriker Prof. Dr. Chri­stian Rauch, der dem Heimgegangenen am Grabe ehrende Worte nachrief, führte in seinem imGie-

Stadttheater: 20 bis gegen 23 UhrDie lustige Witwe". Gloria-Palast, Seltersweg:Pour le nierite. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Nanu, Sie kennen Korff noch nicht?"

Sladllheaker Gießen.

Heute abend findet die erste Wiederholung des großen OperettcnerfolgesDie lustige Witwe" von Franz Lehär statt. 'Musikalische Leitung Heinz Markwardt, Spielleitung Gert Buchheim, Tänze: Thea Maaß. Karl Löffler schuf die Bünhnenbilder. Die Vorstellung findet gleichzeitig als 14. Vorstel­lung der Dienstag-Miete statt. Anfang 20 Uhr, Ende gegen 23 Uhr.

arbeiten oder trete beim IM. an.

Dornotizen.

Tageskalender für Dienstag.

Geist, der einst den Ton beseelt, den kalten, eines größern Meisters Allmachtswort:

jEs werde!"

ten. Geschmack, Erfindungsgabe, Selbständigkeit in der Form und Malerei bildeten seinen besonderen Ruhm urrb würden seinen Namen in der Geschichte der Keramik erhalten. Seinen Freunden sei das Andenken dieses Mannes besonders gesegnet Ludwig Keßler sei ein edler Mensch gewesen.

Die dankbare Heimatgemeinde Wieseck ehrte vor einigen Jahren das Andenken ihres heimischen Künstlers, indem sie der Straße zwischen Möser- straße und Steinstraße den Namen Keßlerstraße beilegte,weil Keßler durch seinen Beruf und seine Fähigkeit den Namen seiner Heimatgemeinde in alle Welt getragen habe."

Wir schließen dieses Erinnerungsblatt mit den warmempfundenen, schönen Versen, die Dekan Sattler zu Wieseck in seinemGemeindeboten für Wieseck" in der Nummer 9 vom September 1922 zum zehnjährigen Todestage Keßlers schrieb:

An Ludwig Keßler t 2. September 1912

Wie Albrecht Dürer frorst du lange nach der Sonnen,

-----Zs

Luftwaffe Wehrdienst zu tun und die in der MHI. gesammelten Kenntnisse für die Erhöhung der Schlagkraft dieser jüngsten Waffe des Führers ein­setzen zu können. Gerade bei den motorisierten Truppenteilen ist der Bedarf außerordentlich hoch, entsprechend ist auch die Aussicht für das Fort­kommen der Freiwilligen.

Das Nachrichtenwesen der Luftwaffe braucht einen Nachwuchs, der die guten Eigenschaften des deutschen Soldaten mit hohen geistigen Fähigkeiten in sich vereint. Besonderes Jneresse an dem Nach­richtendienst hat euch, Kameraden der Nach­richten-HI., in diese Sondereinheit geführt. Ihr habt gemorst und Leitungen gelegt. Jetzt könnt ihr das Gelernte in den Dienst der Luftwaffe stellen und euere Kenntnisse noch bedeutend erweitern.

Kameraden der Sondereinheiten der HI.! Eure besondere Veranlagung und euer Interesse hat euch in unsere Reihen geführt. Soweit ihr das 17. Lebensjahr erreicht habt, könnt ihr nunmehr euere Fähigkeiten in der Luftwaffe weiter einsetzen. Ihr habt sogar die Pflicht dazu' euerem Volke gegenüber! Meldet euch darum noch diese Woche bei der Abteilung für Leibeserziehung (Inspektion der Sondereinheiten) in der Gebietsführung, Wies­baden, Adolf-Hitler-Haus. Neben der Angabe der genauen Anschrift und des gewählten Truppenteils ist eine Einverständniserklärung der Eltern oder des gesetzlichen Vormundes beizufügen. Am 5. Ja­nuar ist Meldeschluß!

Kameraden der HI.! Kommt zur Luftwaffe, sie braucht euch!

Lampen, Leuchter und Laternen

Von Werner Lenz.

Die ältesten uns bekannten Leuchtstoffhalter wenn wir das WortLampe" noch nicht für das schlichte Gerät gebrauchen wollen sind 20 000 Jahre alte Sandsteinschalen mit einem Griff und einer Dochtkerbe aus der Altsteinzeit. Den gleichen Typus von mit Fett gespeisten Lampen nur aus Speckstein statt aus Sandstein geformt fanden die Polarforscher bei den Eskimos; diese benutzten Tran als Brennoff und gedörrtes Moos als Docht. Die eigentliche Hochkultur der Lampe aber ist 'n den Ländern ums Mittelmeerbecken, wo der Oel- baum gedeiht, zu Hause. Kunstvolle Oelbrenner kannte Vorderasien bereits vor 5000 Jahren, und die alten Aegypter schon brannten zu Kultzwecken dieewige Lampe" im Grabgewölbe als Zeichen der Unsterblichkeit der Seelen.

Ist das ägyptische, vorderasiatische und hellenische Gebiet die Urheimat der Lampe, die natürlich schon früh nach Rom gelangte, wie prächtige Funde tönerner und metallischer Hängelampen und Steh­lampen verraten, so ist Altitalien Mutterboten der Kerzen- und Leuchterkultur. Altetrurische Wandge­mälde zeigenKandelaber" Kerzenträger (von candela = Kerze") aus derzeit vor Gründung Roms. Werkstoffe der altitalischen Kerzen waren Wachs, Talg und Pech; als Docht dienten Binsen und Hanfschnüre. Römische Kerzenhalter verschiede- ner Konstruktion fand man auf der Saalburg; höl­zerne Kerzenhalter besaßen die ' Alemannen des 4. Jahrhunderts schon. Aelter find germanische Ton­topflampen, von denen Exemplare gefunden wur­den, die sogar dreiflammig waren, nämlich drei Tüllen für den Brenndocht aufwiesen. Erwähnt wer­den muß, daß Homer nur einmal in seinem großen Werke eine Lampe nennt, und daß auch diese Tert­stelle wahrscheinlich unecht nämlich später -in- aeschoben ist. Hingegen schildert er mit prächtiger Bildhaftigkeit die flackernden Leuchtpfannen, aus denen Holz, Oel und sonstige Fette lodernd ver­brannt wurden.

Ein Bahnbrecher der Kunstiöpferei.

Zum 80. Geburtstag des verstorbenen Kunsitöpfers Ludwig Keßler, Wieseck am 4. Januar 1939.

wähnten Stelle die enste Straßburger Kirche er- richtet hat. Bei der Erneuerung des Fundaments des Domes zu Anfang dieses Jahrhunderts wurden Ziegel mit dem Namen Arbogasts gefunden. 842 war das Münster Zeuge des Treueschwurs der beiden königlichen Bruder, Ludwigs des Deutschen und Karls des Kahlen, die sicy in den ältesten er­haltenen Eidesformeln in deutscher und französi­scher Sprache zur Einigkeit verpflichteten. Im Jahre 921 wird das El,aß unter Heinrich dem Ersten dauernd mit dem Deutschen Reich verbun­den Das Münster erlebt das Auf und Ab der deutschen Geschichte. Um die Jahrtausendwende rückt Hermann von Schwaben, der nach dem Tode Ottos des Dritten gern Kaiser geworden wäre, gegen Straßburg, und seine Krieger verüben so schwere Zerstörungen am Münster daß es van Grund auf erneuert werden muß. Im Jahre 1015 begann Bischof Wern ir, aus dem Geschlecht der sächsischen Könige, mir uem Neubau, der m einem Erdkern noch heute steht und sich auch in seinem Grundriß in der späteren Bauführung erhalten hat Unter der Schirmherrschaft Kaiser Heinrichs des Zweiten entwickelt sich der großartige doppel- türmige Fassadenbau des Münsters, der für den Elsaß und den ganzen deutschen Ludosten maß­gebend werden sollte. Unter den Hohenstaufen, na­mentlich unter Friedlich Barbarossa, beginnt die erste große Zeit des Elsaß. Das Bürgertum er­starkt und ein Jahrhundert später sehen wir den berühmten, fast sagenhaften Baumeister Erwin von Steinbach an der Vollendung der weltlichen Fas­sade des Münsters arbeiten. Einem Enkel Erwins ist es beschieden, das dritte Stockwerk des Turms in die Höhe zu führen. Plötzlich wird der Origmal- plan verlassen. Ein Zwischenstockwerk wird ein- geschoben. Dann ruht die Arbeit für Jahrzehnte, wie wenn die Riesenhaftigkeit des Werkes die Bau­leute erschüttert hätte. Aber im letzten Jahr des 14 Jahrhunderts beginnt der Turmbau zu wach­sen, und 1439, also 40 Jahre später, kann der Bau­meister Johann Hülttz dem Rat bei Stadt Straß­burg die Vollendung des Werkes meldem Der Turm erhebt sich über dem mächtigen kirchlichen Fassadenbau, der je errichtet wurde und ist der höchste Turm, den das deutsche Mittelalter voll­endet hat.

Aber der zweite Turm, der diesem folgen sollte, ist nie geschaffen worden. Die Fundamente, für einen ursprünglichen viel niedrigeren Fassaden- und Turmbau bestimmt, erwiesen sich als zu schwach.

Es ist überhaupt ein Wunder daß die Funda- mente den gewaltigen Oberbau durch die Jahr­hundert? hindurch getragen haben Denn die erften Werkmeister des gotischen Baus bauen den schütt der abgetragenen romanischen Blfchofskirche cm-

Das Straßburger Münster.

Zur Erinnerung an die Vollendung des Domes vor 500 Jahren.

Kaum war Johann Wolfgang Goethe in den ersten Apriltagcn des Jahres 1770 in Straßburg angekommen und im Wirtshaus zum Geist abge- sliegen, als er auch, wie es inDichtung und Wahrheit" heißt,sogleich eilte, das sehnlichste Ver­langen zu befriedigen und mich dem Münster zu nähern, welcher durch Mitreisende mir schon lange gezeigt und eine ganze Strecke her im Auge ge- blieben war. Als ich nun erst durch die schmale Gasse diesen Koloß gewahrte, sodann aber auf dem freilich sehr engen Platz allzu nahe vor ihm stand, wachte derselbe auf mich einen Eindruck ganz eigner Art, den ich ober auf der Stelle zu ent­wickeln unfähig, für diesmal nur dunkel mit mir nahm indem ich das Gebäude eilig bestieg, um nicht 'den schönen Augenblick einer hohen und heiteren Sonne zu versäumen welche nur das weite, reiche Land auf einmal offenbaren foUte.

Oft ist Goethe bis zum höchsten Gipfel des Mun­sters gestiegen, ost hat er auf der obersten Pla te unmittelbar unter dem ?yrniffn0P^nffpenC über das deutsche Elsaß schweifen^ lassenUnb je inniger er sich der Natur vermahlte desto mehr wurde er der Gewißheit voll, daß auch das Mun­ster Geist vom Geiste Deutschlands ich Ja er meinte bei seinem fortwährenden Anblick zu er­nennen daß gotischer Stil und deutscher Stil ein feien Mit Eifer spürte er den Anfängen des groß­artigsten Baues, den das Mittelalter vollendet h , nach und nicht gering war sein Schmerz daß es ihm nicht gelang, bas Dasein Erwin von bachs, des Hauptbaumeisters des Domes, mit dem Lichte der Forschung starker zu durchdringen. Z wenig ausgebildet war die Quellenkunde der Goetheschen Seit, um dem Wunder bis auf den aeickicktlichen Grund folgen zu können

Die historischen Wurzeln des Munsters reichen bis in die Zeit der römischen Herrschaft hmem. Der Bau steht auf der höchsten Stelle Straßburgs mitten in der römischen Burg. Noch heute erzählt man sich 'n Straßburg, daß man unter dem Münster auf Kähnen hindurchfahren könne Ta sächlich ist man hier bei Ausgrabungen sowohl auf Master unter der Krypta wie auch auf einen Nunb- bnu wohl ein römisches Bad, gestoßen. Daneben fp-nb man in der Erde römische Terrakotten, sowie ^ieael die den Stempel der Achten Legion trugen such die Nomen der ersten merStraßburger Bischöfe sind römisch. Ans dem sechsten Jahrhun der!; wdfien wir, daß Mschos Arbogast an der er-

Aus der Stadl Gießen.

Inge lernt Hauswirtschaft.

$U Inges Schularbeiten gehört auch immer ein Mick in die Tageszeitung, in unsere gewaltig be­wegte Zeitgeschichte als Teil ihres Geschichtsünter- nchtes. In besonderer Weise fühlt sie sich dabei natürlich angesprochen von Berichten wie: 18 000 Madel lernen Hauswirtschaft. Anschlußregungen werden dg bewußter und lassen Verpflichtungen ahnen, die zur Selbstbesinnung drängen. Die Spannungen lösen sich in einem Gespräch. Aber am besten lassen wir Inge selbst einmal das Wort.

Schon als kleines Kind beschäftigte ich mich gern mit meinem schönen Kaufladen. Meine Geschwister kauften ein, und ich spielte die Verkäuferin. Manch­mal war es auch umgekehrt. Aber noch froher war ich, als ich mit richtigem Geld beim Bäcker Brot und Brötchen holen durfte. Damals konnte ich gar nicht genug ein kaufen, weil ich ab und zu Plätz­chen oder Bonbons geschenkt bekam.

Natürlich besorge ich auch jetzt noch gern die Einkäufe für Mutti. Oesters gehe ich zum Leben- mittel- und Kolonialwarenhändler. Gewöhnlich kann ich die einzelnen Posten im Kopf behalten. Gibt es aber einmal allzu viele, besonders wenn ich noch die verschiedenen Backzutaten für den Sonntagskuchen einkaufe, dann schreibe ich mir alles auf meinen Notizblock. Mutti gibt mir das Geld in meinen roten Geldbeutel mit dem Reiß­verschluß und sagt:Gib acht, daß du auch richtig herausbekommst, und halte dich nicht so lang auf!" Aber da ist manchmal ein Gedränge am Laden­tisch, daß die Kinder nicht gut herbeikönnen. Ich suche mir dann eine dünne Stelle. Zum Schluß nehme ich die Rechnung des Verkäufers an mich und zähle mein Geld nach, damit zu Hause alles stimmt.

Ist die Schneiderin bei uns, so darf ich auch mitunter die Nähzutaten heimholen, z.'B. Knöpfe und Näh- .seide. Ich bekomme dann ein Musterläppchen mit,

NSG. Unter diesem Leitsatz führt die Hitler-Jugend in ihren Reihen eine Werbung für Freiwillige der Luftwaffe durch, die am 5. Januar ihren Abschluß findet. In dem nachfolgenden Aufruf wenden sich die Ge­bietsinspekteure der HJ.-Sondereinheiten an die ihnen in Hessen - Nassau unterstellten Hitlerjungen:

Im Rahmen einer sich über das ganze Reich er­streckenden Werbeaktion der Luftwaffe in Gemein­schaft mit der Hitler-Jugend werben wir auch im Gebiet Hessen-Nassau um den Eintritt Freiwilliger. Nichts liegt näher, als daß gerade die Angehörigen der HJ.-Sondereinheiten sich zur Luftwaffe melden!

Die Flieger-HI. sei hier an erster Stelle genannt, denn ihre Angehörigen sind bereits lange durch ihren Dienst mit der Fliegerei vertraut und damit für die Luftwaffe vorbestimmt. Kameraden der Flieger-HI.! Ihr müßt Vorbild in der Bereit­schaft zum Waffendienst in der Fliegerei fein.

Auch die See- und Küstenfliegerei braucht Frei­willige. Der erste deutsche Flugzeugträger ist in Dienst gestellt worden. Soldaten werden zu seiner Bemannung gebraucht, die neben der Liebe zur Fliegerei auch Lust zum Seebien ft mitbringen. Kameraden der Marine-HI.! Der Dienst in der Seefliegerei bedeutet für euch eine Möglichkeit, die im HI.-Dienst erworbenen Fähigkeiten in beson­ders günstiger Weise verwerten zu können.

Die Motor-HI. hat sich die kraftfahrtechnische und motortechnische Ausbildung zum Ziel gesetzt. Für den Motor-Hitlerjungen ist es darum eine Aus- zichnung, in den motorisierten Truppenteilen der

Mittags nach dem Essen helfe ich Mutti beim Spülen. Da darf ich das Geschirr abtrocknen, weil ich noch nichts zerbrochen habe und auch weiß, wo alles binfommt, die Messer und Gabeln, die Teller und Töpfe, die Kochlöffel und Schüsseln, die Deckel und Tassen. Dabei erzählen wir uns schöne Ge­schichten, und manchmal fingen wir auch. Zum Schluß trage ich die Küchenabfälle in den EHW.- Eimer, und dann setze ich^^ich an meine Schül- R. B.

ßener Anzeiger, Nr. 213 vom 10. September 1912 erschienenen Gedenkartikel aus, daß erst der allge­meine Aufschwung des Kunstgewerbes, den Groß­herzog Ernst Ludwig durch seine Darmstädter Künstlerkolonie mit an erster Stelle habe herauf­führen helfen, auch unseren Künstlertöpfern und ihrem schönen farbigen Gerät die verdiente Aner­kennung zu bringen angefangen habe leider erst angefangen, und dqrin liege das Tragische von Ludwig Keßlers frühem Tode. Die Früchte seiner stillen Arbeit hätten erst noch kommen sollen. Ohne jede Unterstützung von außen her habe der schlichte Mann mit geradezu wissenschaftlichem Ernst an der Verbesserung seiner Technik gearbeitet. So habe auch er, um Dürers Wort zu gebrauchen, langenach der Sannen gefroren", erst zuletzt habe er sich freuen dürfen, daß die Schönheit der Formen seiner Ge­fäße, der Glanz und die Kraft seiner Farben, die Freiheit und die Feinheit der Ornamente, die sei­ner starken Phantasie entsprangen, besonders auch die technische Güte seiner Stücke die Anerkennung berufener Beurteiler gefunden hätten. Und der Kri­tiker schließt mit den Worten:Eine Vase von ihm, fein, geschwungen und fein bunt gestimmt, mit Feld­blumen gefüllt, Kaffeegeschirre von ihm in kräftigen Tönen bemalt und auf weißem Tische kann das verwöhnteste Auge befriedigen und einen Schimmer von Schönheit auch in das Haus tragen, dem Meißener und Nymphenburger Porzellan uner­schwinglich ist."

In feinerKunst unserer Heimat" schrieb damals Daniel Greiner, daß Keßler zu den ersten und besten deutschen Keramikern zu rechnen fei. In langen Jahren schwerer Arbeit habe er sich in den alten Häfnerwerkftätten eine glänzende Technik er­worben, er habe ausgezeichnet gedreht und ge­brannt, und feine Farben feien von einer Tiefe und Leuchtkraft, die kaum übertroffen werden könn-