Nr. 126 Zweites Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
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Aus der Stadt Gießen.
Wetterwünsche an den Juni.
Es ist nicht ost vorgekommen, daß, wie in diesem Sommerhalbjahr, erst in der zweiten Hälfte des Monats Mai der Wald richtig belaubt wurde, und es gehört zu den seltensten Erscheinungen unseres Klimagebietes, daß es im letzten Drittel des Mai Mittelgebirgszonen gab, in denen die Vegetation sich noch im Stadium des Frühlings befand. Zu diesen Gegenden gehörten alle Landstrecken unserer großdeutschen Heimat, die mehr als 500 Meter über dem Meeresspiegel liegen. Die Temperaturen sind im übrigen auch in der letzten Maiwoche noch verhältnismüßig kühl geblieben und sanken teilweise in den Nachtstunden bis zu 2 Grad Wärme ab. Diese Kühle des Mai — sie entsprach allerdings dem bäuerlichen Sprichwort — war für die Saisonwirtschaft ein erheblicher Ausfall. Wettermäßig gesehen wurde sie durch ein absolutes Vorherrschen von nördlichen Winden bedingt, die unmittelbar aus der Polarzone Luftmassen südwärts nach Mitteleuropa importierten.
Der Mai 1939 ist also nicht in guter Erinnerung. Um so weitgehender und verständlicher sind daher die Wünsche, die man an den Juni als ersten Sommermonat stellt. Wenn auch der astronomische Sommerbeginn erst am 21. Juni registriert wird, so gilt doch in der wettermäßigen Struktur bereits der ganze Juni als Sommermonat, da seine Mitteltemperatur in Deutschland die sommerlichen Werte von 15 bis 17 Grad erreicht. Wenn man bedenkt, daß der vergangene Mai durchweg 3 bis 4 Grad Untertemperatur hatte, kann man sich vorstellen, was der Juni an Wärme nachzuholen hat. Wir wollen hoffen, daß er sich um diese „moralische" Verpflichtung kümmert und uns ein Ueber- Maß an Sommertagen, d. h. von Mittagstemperaturen mit 25 Grad im Schatten und mehr, schenkt.
Betrachten wir die langjährigen Erfahrungstatsachen, so sieht der Juni keineswegs harmlos aus. In der Mitte des Monats wird beispielsweise die sog. Schafskälte fällig, die durchweg eine Woche dauern soll und durch verhältnismäßig kühle Temperaturen und stärkere Niederschläge gekennzeichnet ist. Wir können uns erinnern, daß man im vorigen Jahre die mit der Schafskälte verbundenen Niederschläge sehnlichst erwartet hat, weil damals ein abnorm trockener Mai weite Feld- und Wiesen- strecken insbesondere in Mitteldeutschland verdorren ließ. In diesem Jahre haben wir kein so großes Bedürfnis nach Feuchtigkeit.
Der Juni gehört im übrigen schon zu den Sommermonaten, die ausgesprochene Hitzerekorde bringen können. Sowohl im vorigen, als auch im vorletzten Jahre wartete der Juni mit 30 bis 35 Grad im Schatten auf, 1937 war der Juni der wärmste Monat des ganzen Sommers. Auf die klimatischen Zonen Großdeutschlands verteilt, sind im Südosten des Reiches, in Schlesien und in der Ostmark, im Ium Tagesmitteltemperaturen bis zu 19 Grad möglich, in Sik> und Mitteldeutschland ist mit 16 bis 18 Grad „normal" zu rechnen, Westdeutschland erwartet allgemein 17 Grad bzw. in den Niederungen am Rhein 18 Grad, doch müssen die norddeutsche Ebene und insbesondere die Küstenstriche im Juni hinsichtlich ihrer Wärmeansprüche noch bescheiden sein, mehr als 16 Grad Tagesdurchschnitt ist normal nicht gestattet. An der See erhält das Wasser im Juni — sofern er sich gleich zu Beginn mit Normalwärme einführt — badefähige Temperaturen, ebenso treten die Hochlagen der deutschen Mittelgebirge, die im vergangenen Mai teilweise noch nachwinterlich kalt waren, nunmehr in das sommerliche Stadium.
Hoffen wir nun an der Schwelle des Monats, daß das Wetter, auf das man in den letzten Wochen weidlich und diesmal wirklich mit Grund geschimpft hat nun endlich jene Gestalt annimmt, die wir mit Fug und Recht als Bewohner des gemäßigten Klimas vom ersten Sommermonat erwarten können.
Beschaffung von Lustschuhgerät ist Pflicht.
Zwei neue Verordnungen. — Für Hausbesitzer und Mieter sehr wichtig.
Dank dem Gemeinschaftssinn der Volksgenossen und der Aufklärungsarbeit des Reichsluftschutzbundes sind im ganzen Reichsgebiet heute schon Tausende von Häusern und andere Luftschutzgemeinschaften mit Geräten ausgestattet, wie sie zur Durchführung des Selbstschutzes erforderlich sind. Darüber hinaus bestanden in vielen Luftschutzorten bereits polizeiliche Anordnungen, durch die die Beschaffung derartigen Gerätes den Hauseigentümern zur Pflicht gemacht wurde.
Ieht ist im Reichsgefehblall die Siebente Durchführungsverordnung zum Luftfchuhgefeh veröffentlicht worden, die die Pflicht zur Beschaffung von Selbstfchuhgeräl auf das gesamte Reichsgebiet ausdehnt, und zwar für alle Häuser, die nach den gesetzlichen Vorschriften unter die Enl- rümpelungspflicht fallen.
Das Wesentlichste dieser Durchführungsverordnung ist nicht in der Einführung des gesetzlichen Zwanges, sondern vielmehr darin zu sehen, daß durch sie eine für das ganze Reichsgebiet einheitliche Regelung geschaffen worden ist. In einem besonderen Anhang ist nämlich das zur Ausstattung einer Luftschutzgemeinschaft erforderliche Selbstschutzgerät im einzelnen festgelegt worden.
Bei der Zusammenstellung dieses Gerätes ist, wie die Durchführungsverordnung deutlich besagt, weitestgehend auf bereits vorhandenes Gerät zu- rückzugreifen, wie z. B. Wasserbehälter, Schaufeln usw., die auch nach der bisherigen Gepflogenheit bei Luftschutzübungen aus den Haushaltungen der Mieter bereitgestellt worden sind. Der Hauseigentümer ist für die vollzählige Bereitstellung und dauernde Gebrauchsfähigkeit des Selbstschutzgerätes verantwortlich. Er hat auch gegebenenfalls die Kosten der Gerätebeschaffung zu 'tragen.
Wichtig ist ferner, daß durch diese Siebente Durchführungsverordnung alle für den Selbstschutz heran- gezogenen Personen (Luftschutzwarte und sonstige Selbstschutzkräfte) verpflichtet sind, ihre persönliche Ausrüstung selbst zu besorgen. Dies bezieht sich in erster Linie auf die Beschaffung der Volksaasmaske (VM). Bezüglich der übrigen Ausrüstung soll ebenfalls in weitestgehendem Maße auf bereits vorhandene und geeignete Gegenstände zurückgegriffen werden. Durch diese Bestimmung will der Gesetzgeber vermeiden, daß dem, einzelnen in der Erfüllung seiner Luftschutzdienstpflicht besondere Ausgaben entstehen.
Außer der Siebenten Durchführungsverordnung, die die Beschaffenheit von Selbstschutzgerät anordnet, ist in der gleichen Nummer des Reichsgesetzblattes noch die Achte Durchführungsverordnung zum Luft- schutzMetz (Verdunkelung) veröffentlicht worden. Sie betrifft die Verdunkelungsmaßnahmen. Auch hier ist wieder wesentlich, daß durch die Durchführungsverordnung keine neuen Vorschriften geschaffen, sondern lediglich die innerhalb des Reichsgebietes für jede einzelne Luftschutzübung erlassenen polizeilichen Verordnungen durch eine reichseinheitliche Regelung abgelöst werden.
Die Frage der Verantwortlichkeit und der Kostenregelung ist so gelöst worden, daß derjenige, der in dem für die Verdunkelung in Betracht kommenden Bereich die tatsächliche Gewalt ausübt, auch die Verantwortung für die Durchführung der Verdunkelungsmaßnahmen innerhalb dieses Bereiches und damit auch die
kosten zu übernehmen hat, d. h. für die Verdunkelung der Mietwohnung ist der Mieter, für die Verdunkelung des Hauses der Hauseigentümer oder der Hausverwalter, für die Verdunkelung eines Fahrzeuges der Fahrzeughalter usw. verantwortlich.
Ferner werden durch die Achte Durchführung^ Verordnung dauerhafte und jederzeit verwendungs- fähige Verdunkelungsmittel vorgeschrieben. Teil II dieser Durchführungsverordnung enthält wichtige Vorschriften und technische Einzelheiten über Art und Durchführung der Verdunkelungsmaßnahmen für die Außen- und Jnnenbeleuchtung, insbesondere auch solche, die sich mit der Verdunkelung der 23er- kehrsbeleuchtung, Verkehrszeichenbeleuchtung und der Fahrzeuge befassen.
SA.-Epott: „Dienst am Volk."
Feierliche Vereidigung der Wettkämpfer des Standarten-Sportfestes.
Dem Sportfest der SA.-Standarte, bas am kommenden Sonntag 550 Wettkämpfer im Ringen um die Siege sehen wird, geht am Samstag (21 Uhr) eine Feierstunde voraus, die eine würdige Einleitung für den Großkampftag der Kameraden unserer SA.-Standarte 116 darstellen wird. Die teilnehmenden Wettkämpfer treten zunächst an der Bergkaserne an, um gemeinsam zum Brandplatz zu marschieren. Ein Ehrensturm mit den Fahnen wirb dort Aufstellung nehmen und kurz vor Beginn der Feier werden 50 Kameraden im Sportdreß einlaufen und als Fackelträger der Feier den besonderen äußeren Rahmen geben. Der Musik- und Spielmannszug wirken mit. Sturmführer Muth wirb sodann eine Ansprache halten, in der er den tieferen Sinn des SA.-Stanbarten-Sport- tages umreihen wirb. Anschließend werden bie Wettkämpfer unter feierlicher Formel vereidigt werben. Ein Kamerad aus dem Kreist der Wettkämpfer wirb für alle den Schwur ablegen. Mit der Führer-Ehrung, den Nationalhymnen und dem Großen Zapfenstreich wirb die Feier ihren Abschluß finden.
So wie der Standarten-Sporttag feierlich eröffnet wirb, so wirb er auch in würdiger Weise beschlossen werben. Die Siegerehrung findet am Sonntag um 17 Uhr auf dem Universitätssportplatz statt. Zu dieser Siegerehrung und Abschlußkund- gebung werden sämtliche Stürme des Standortes Gießen antreten. Selbstverständlich marschieren auch sämtliche Wettkämpfer auf. Der Spielmanns- unb Musikzug werden die Feier umrahmen. Die siegreichen Wettkämpfer und Mannschaften werben mjt wertvollen und schönen Ehrenpreisen bedacht. Die SA.-Standarte 116 lädt die Bevölkerung unserer Stadt zum Standarten-Spoxtstst herzlich ein. Mit diesem Sporttag soll ein breiter Kreis Gelegenheit erhalten, sich von der tatkräftigen Arbeit innerhalb der SA. zu überzeugen. Der Eintrittspreis — die gelöste Programmkarte gilt für sämtliche Veranstaltungen — ist so gehalten, daß jedermann dem Sportfest beiwohnen und erkennen kann, daß die Arbeit der SA. auf dem Gebiete des Sportes ein „Dienst am Volk" auf breiter Front ist. Aufruf derKreisleilungMetterau
Am 3. und 4. Juni findet in Gießen der Sporf- f a g der SA. -Standarte 116 statt. 2Hcn- fchenformung im Sinne des Nationalsozialismus ist die ewige Aufgabe der SA. Das feststehende Ziel des SA.-Sportes und des SA.-Wehrfporkes ist es, Menschen zu erziehen, die körperlich wehrhaft und geistig wehrwillig sind.
Wenn in diesen Tagen die Stadt Gießen im Zeichen der Sturmabteilungen Adolf Hillers steht, dann wollen die SA.-Männer Zeugnis davon ab
legen, wie sie zielbewuht sportlich arbeiten. Gestählt durch den SA.-Sport und den SA.-Wehrsport, wird der Deutsche seinen Körper wieder so formen, wie es unserer seelischen und völkischen Einstellung entspricht.
Die Gießener Bevölkerung wird ausgefordert, ihre Verbundenheit mit den Männern der SA. durch reiche Beflaggung der Häuser und rege Teilnahme an der sportlichen Leistungsschau kund- zutun.
ASDAP.» Kreisleitung Wetterau. Der Kreispropagandaleiter.
VOM.-Untergau 116 Gießen.
Behr. Reichssportwettkämpfe der Mädel.
Am Sonntag, 4. Juni, treten alle M.- und BDM.« Werkgruppen des Standortes Gießen wie folgt an? M. 1/116 und 2/116 und 2a/116 pünktlich um 8 Uhr an der Volkshalle. M. 3/116 und 4/116 pünktlich um 9 Uhr an der Volkshalle. BDM.-Werk la/116 und 3a/116 und 4a/116 pünktlich um 10 Uhr an der Volkshalle.
BDM.-Werkgruppe 4a, Werkfchar.
Am Sonntag, 4. Juni, treten alle Mädel der Werkschar um 7.45 Uhr mit Turnzeug auf dem Lubwigsplatz zu den Sportwettkämpfen an. Entschuldigen sind schriftlich an die Führerin zu richtem
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tarnen Musik und Schrifttum zur Gettung, und auch ~Muck BenaKkns
rituelle Anlässe (Weihnachten, der Heldengedenktag,! Schwindel der Welt von Stolz. (Auch Benatzkys
Das Gießener Gtadtlheater in der Spielzeit 1938/39.
Rückblick und Ausblick.
Mit dem Ende des Monats Mai hat das Gießener Stadtcheater seine Spielzeit 1938/39 beendet, die am 28. September v. I. mit einer Neueinstudierung von Shakespeares „Sommernachtstraum" eröffnet wurde. Es erscheint an der Zeit, nachdem nun der Vorhang bis auf weiteres zum letzten Male gefallen ift, in einem zufamrnenfasstnden Rückblick die in den vergangenen Monaten geleistete Arbeit noch einmal zu überschauen. Eine im letzten Programmheft dieser Spielzeit veröffentlichte, vom dramaturgischen Büro aufgestellte Uebersicht ergibt in Zahlen folgendes Bild. Es fanden in der Spielzeit 1938/39 im ganzen 276 Veranstaltungen statt, und zwar: 96 Vorstellungen in den Tagesmieten, 64 Vorstellungen außer Miete, 16 Morgenve^anstaltungen, 6 Orchester- konzer'te, 30 Vorstellungen in Bad-Nauheim, 22 Veranstaltungen an anderen Orten, 8 Vorstellungen für den Theaterring der Hitler-Jugend, 6 Vorstellungen für die Wehrmacht, 13 Vorstellungen für die N^.- Gemeinschaft „Kraft durch Freude", 7 Vorstellungen für ,Kraft durch Freude" Wetzlar, 3 Vorstellungen für die NS.-Kriegsopferversorgung und 5 Sonderveranstaltungen.
sonders hervorgehoben.
Die Oper, die sich nach wie vor außerordentlichen Zuspruchs erfreut, brachte „Fidelio" von Beethoven, „Spanische Nacht" von Bodart, den „Rosenkaoalier" von Strauß" „Aida" und „Rigo- letto" von 23erbi und den „Fliegenden Holländer" von Wagner. Man wird an dieser Zusammenstellung erkennen, daß die Theaterleitung auch auf dem Gebiete der Oper Energie und Ehrgeiz beweist; ein Werk wie „Aida" reicht ja schon an die Grenzen dessen, was ein Stadttheater wie das unsere her- zugeben vermag. Der Referent, auf dem Gebiete der Oper nicht zuständig, sah und hörte eine Aufführung vom „Rosenkaoalier" und fand sie ausgezeichnet: musikalisch und szenisch auf einem Niveau, dessen sich auch eine wesentlich größere Bühne nicht hätte zu schämen brauchen.
In der Operette gab es folgende Aufführungen: „Der Detter aus Dingsda" von Künneke, „Die luftige Witwe" von Lehar, „Die Tänzerin Fanny Elßler" und „Wiener Blut" von Strauß, : und Bauer" von Suppe und „Der süßeste
Im einzelnen wurden gegeben; 26 Schauspiele, Komödien, Lustspiele und Schwänke,' 6 Opern, 6 Operetten und ein Ballettabend der Tanzgruppe. Ein mit Liebe und Sorgfalt gepflegtes, vielseitig ausgebautes Sondergebiet bilden die Morgenfeiern. Mit diesen Sonntagmorgenveranstaltungen wurde im Laufe der letzten Jahre ein Lieblingsgedanke des Intendanten Schultze-Griesh e i m verwirklicht; es hat sich erwiesen, daß die Idee fruchtbar und vielfältig anregend war. Die Einrichtung hat nicht wenig dazu beigetragen, dem Gießener Theater weit über unsere heimischen Grenzen hinaus einen geachteten Namen zu machen, zumal in diesem Rahmen verschiedene Uraufführungen (Möller, „Der Prinz Eugen"; Razum, „Salz und Brot"; Reinacher, „Der Narr mit ber Hacke ) her- auskamen, bie auch im Reich gebührende Aufmerksamkeit fanben. Die Veranstaltungen haben sich vorzüglich eingeführt unb einen ftänbigen, ansehnlichen Besucherstamm herausgebildet; mit Recht konnte bie Aufführung ber 50. Morgenfeier gegen Ende der Spielzeit als schönes unb seltenes Jubiläum begangen werben. Der Programmgestaltung sind naturgemäß weite Grenzen gezogen; neben bem Theater
bie Heimkehr bes Subetenlanbes, bie Goethe-Festwoche) würben hier berücksichtigt.
Eine große Anzahl von Sonderveranstaltungen war in der abgelaufenen Spielzeit zu verzeichnen. Hauptereignisfe waren die Gaukulturwoche im Mai (bie unter anberem zwei Uraufführungen im Schauspiel brachte) und bie sehr wohlgelungene Goethe-Festwoche im März, an ber sich bas Theater mit ber repräsentativen „Tasso"- Aufführung, zwei Morgenfeiern unb einem Fest-Konzert bes Konzertvereins beteiligte. Es finb in diesem Zusammenhang bes weiteren zu erwähnen eine Jubiläumsvorstellung zur Feier ber 39jährigen Zugehörigkeit Karl V o l ck s zum Stadttheater, bie Gastspiele von Hermine Körner („Frau Warrens Gewerbe"), Lil Dagooer („Spiel im Ernst"), Carola Höhn unb Charlott Säubert (Intimitäten"), ber Tegernseer Bauernbühne, ber „Acht Entfesselten" unb bes „Meister-Sextetts". Hans Christoph K a e r g e l las aus eigenen Werken, Harald Kreutzberg gab einen Tanzabend. ber Gießener Sängerkranz feierte fein 75jähriges Bestehen mit einem Jubiläums-Konzert, unb bas Künstler- unb Pressefest, bas schon zur Irabitron gehört, war auch in biesem Jahre roieber stark besucht unb äußerst wohlgelungen.
Das Stäbtische Orchester gab unter ber Leitung von Professor Temesoary unb Paul Walter sechs Konzerte, bei benen u. a. Maria Neuß, Claudio Ar rau, Lore Fischer und Erich Meyer-Stephan als Solisten zu Gast waren. Die Aufführung des „Requiems" von Verdi fei aus dem Konzertprogramm dieses Winters be-
„Meine Schwester unb ich" könnte bazugerechnet werden, zumal das Merkchen einen der wenigen erfolgreichen unb anregenben Versuche barstellt, auf bem abgeernteten Felde ber Operette Neuland zu gewinnen.) Der größte Erfolg war hier wohl „Die lustige Witwe", bie ja in jüngster Zeit auch an repräsentativen Bühnen bes Reiches (Berlin unb München) eine stürmische Wiederauferstehung erlebte.
Im Gesamtspielplan nahm naturgemäß wiederum das Schauspiel im weitesten und allgemeinsten Sinn (vom Klassiker also bis zum modernen Schwank) den breitesten Raum ein, und es ist auch, alles in allem, auf diesem wichtigsten Arbeitsgebiete ein erfreulicher Fortschritt gegenüber ber vorletzten Spielzeit zu verzeichnen, wo insbesonbere bas klassische Drama entschieden zu schlecht weggekommen war. Wir hatten diesmal an klassischen Werken den „Tasso" von Goethe, „Minna von Barnhelm" von Lessing, „Das Weib bes Anbern" von Lope be Vega (Uraufführung), „Berenize" von Racine (Uraufführung) unb „Sommernachtstraum" von Shakespeare; wenn wir noch bie beiden Goethe-Morgenfeiern und, großzügig, auch „Dantons Tod" von Büchner hin- zunehmen, darf das Ergebnis als durchaus befriedigend angesehen werden, zumal Aufführungen wie „Danton", „Tasso", „Minna von Barnhelm" und „Berenize" regiemäßig und darstellerisch als Spitzenleistungen dieses Winters gelten dürfen. Ebenso war das zeitgenössische Schauspiel mit einigen wertvollen und charakteristischen Werken vertreten; hier sei zunächst an Rehbergs „Königin Isabella" erinnert, bie Gießen unmittelbar nach ber Berliner Uraufführung als erste Bühne in ber Provinz herausbrachte; ferner gehören hierher Langenbecks „Hochverräter", „Die anbere Seite" von Sherriff wir haben bie Wieberaufnahme bes ausgezeichneten englischen Kriegsstuckes sehr begrüßt — unb bie Uraufführung „Der Alte geht um" von Ruckelshausen, mit ber bas bobenftänbige Schrifttum zu Worte kam. Komö- bie, Lustspiel unb Schwank waren reich beschickt; eines ber erfreulichsten Werke war hier „Ein ganzer Kerl" von Buch, ferner feien genannt „Hollywoob" von Niewiarowicz und „Lauter Lügen" von Schweikart. — Das 'Weihnachtsmärchen „Frau Holle" war wohl auch in biesem Winter bas zahlenmäßig ergiebigste Repertoirestück.
Lenken wir ben Blick von der abgelaufenen in die kommende Spielzeit, so dürfen wir ber Erwartung Ausbruck geben, baß ber im Schauspiel qualitativ und zahlenmäßig erreichte Stand gewahrt wird. Wir hoffen ferner, daß die vor allem auch in der Uraufführungsziffer sich bekundende Initiative und Entdeckerfreudigkeit ber Theaterleitung uns erhalten bleibe, zumal gerade von den Uraufführungen eine nicht zu unterschätzende Werbewirkung aus
geht. Auch glauben wir, daß eine Zusammensetzung bes Repertoires, wie sie sich etwa in ben Spiel» plänen der letzten Monate abzeichnete, sowohl ben künstlerischen und technischen Möglichkeiten einer Bühne wie der unseren als auch dem Aufnahme« bedürfnis und den vielfältigen Wünschen ber Be« sucherschaft auf eine überzeugende unb befriebigenbe Weise entspricht.
Voraussetzung für eine solche Spielplangestaltung ist ein sorgsam unb überlegt zusammengestelltes Ensemble. Wir haben wieder mit einschneidenden Veränderungen auf personellem Gebiete zu rechnen.
Mit Ablauf der Winterfpielzeit scheiden folgende Mitglieder aus: Jeanette Andreas, Gert Buch« heim, Günter Winkel, Joachim P o p e l k a ; Eduard Cossovel, Margot Eickhoff, Kurt Haars, Hans Schlick, Anneliese Schloeder, Peter Schorn, Giesela Vollert, Erich Weiland; Erwin B u g g e, Herbert Hirche , Ewald Lassen; Florence Boyer, Amanda Fischer, Elisabeth Franke, Luise H e y m ü h l e . Wilhelm Knaufs, Fred Wagner; Lilo Ewald, Erika Tomaschoffki.
Es sind, wie zum Teil schon mitgeteilt wurde, für die kommende Spielzeit neu verpflichtet worden: Richard B o e ck (Ingolstadt), als 3. Kapellmeister, Gustav Brunn (Heidelberg), , 2. Baß, Hans Caninenberg (Krefeld), als jugendlicher Held, Harry G r ü n c f e (Münster), als Oberspielleiter der Operette und Buffo, Hilde Heinrich (Staatstheater Dresden), als 1. Salondame, Marie Hirche (Halberstadt), Chorsopran, Raul L a p o r t e (Neuß), als Chargenfpieler, Elisabeth Leiprecht (Beuchen), als jugendliche Salondame, Siegfried Lowitz (Breslau), als jugendlicher Charakter- und Chargenspieler, Hilmar Manders (Wiesbaden), als 1. Charakterheld und Komiker, Martha Neuhausen (Görlitz), als 2. Choralttstin, Jngeborg Riehl (Neuß), als Sentimentale und jugendliche Heldin, Georg Ritter (Hildesheim), als 1. Chor- tenor, Hans Schewe (Wuppertal-Barmen), als 1. Chargenspieler, Bernhard Schmitz (Frankfurt), als 1. Baß und Opernspielleiter, Dorothea S t ö l l e (Klagenfurt), als 1. Chorsopran, Jngeborg Strom- b e ck (Heidelberg), als Kostümbildnerin, Martin Tietz e, als 2. Chorbaß, Wilhelmine Winter (Frankfurt a. M.), Ballett.
Es wird zu den vorrehmsten Aufgaben ber Theaterleitung gehören, die neuen Kräfte mit dem bleibenden alten Stamm zu einem organischen, elastischen und vielseitig verwendbaren Ensemble zusammenzufügen, lieber bie neuen Mitglieber, wie über bie Pläne zur Gestaltung des fommenben Spielplans wirb nach ber Sommerpause noch etliches zu sagen sein. Hans Thyriot.


