Vorstandsmitglied Heinrich Bicrau und für 25jährige Vorstandstätigkeit Ehrenmitglied und Rechner Heinrich Ko ob genannt. Hinzu kommt noch Sangcsbruder Ludwig Heibertshausen, der bereits im vergangenen Jahre die Bundesehrennadel für 40jährige Sängertätigleit erhielt. Zu Ehrenmitgliedern ernannte der Vereinsführer die Sänger Heinrich Kraft, Heinrich Müller und Ludwig Erbe. Die öffentliche Ehrung der Jubilars soll am 8. und 9. Juli im Rahmen des Stiftungsfestes stattfinden. Dem weiteren Bericht des Vereinsführers war zu entnehmen, daß der Uebungsbetrieb sehr rege war. Erfreulicherweise konnte festgestellt werden, daß viele Sänger keine oder nur sehr wenige Singstunden versäumten. Die eifrigsten Sänger wurden auch diesmal wieder mit einem kleinen Geschenk des Vereins geehrt. Worte der besonderen Anerkennung widmete der Vereinsführer dem Chorleiter Meyer (Wieseck) für seine hingebungsvolle Arbeit im Dienste der Sängersache. Die finanzielle Lage des Vereins ist, wie sich nach der sorgfältigen Kassenführung und dem Bericht des Rechners K o ob erwies, recht erfreulich. In Anbetracht des Zusammenschluß des Turn- und Gesangvereins wurde in der Versammlung die Vorstandswahl vorgenommen. Vereinsführer Espich wurde einmütig für die nächsten drei Jahre zum Vereinsführer bestimmt. Zu seinem Stellvertreter ernannte er den bisherigen Vereinssührer des Turn- und Gesangvereins, Rudolf Krehbiel, ferner nahm er einige geringfügige Aenderungen in der Zusammensetzung des Vorstandes vor. Anschließend wurde noch über die Ausgestaltung des 20. Stiftungsfestes gesprochen. Rege Arbeit des Derkehrsvereins Lich
H Li ch, 28. Febr. Der Vorstand des Verkehrs- und Verschönerungsoereins Lich hielt seine erste Sitzung im neuen Jahre ab. Der Vorsitzende Hild gedachte zunächst in ehrenden Worten des verstorbenen Vorstandsmitgliedes Rektor Erb und gab dann einen Ueberblick über die Arbeit im letzten Vierteljahr. Die neuen Marktplakate wurden im Druck vorgelegt. Es wurde mit Genugtuung begrüßt, daß — wie vor dem Kriege — Lich wieder einen Eilzugoerkehr mit gutem Anschluß erhalten soll. Daß auch die Bahnoerwaltung bemüht ist, durch bauliche Verbesserung des B a h n- hofsgebäudes, durch Neuregelung der Autoauffahrt vor dem Bahnhof Lich ein empfehlendes Aussehen zu geben, muß dankend anerkannt werden. Bürgermeister Geil, der die Arbeit des Vereins gerne unterstützt, gab einen Bericht über die bevorstehenden Arbeiten der Stadt. Die Butzbacher Straße und die Amtsgerichts- st r a ß e sollen ausgebaut werden, das Schwimmbad eine Rutschbahn sowie einen Erfrischungsraum erhalten. Der vordere Hopfengarten wird zur Anlage umgewandelt. Um dem zunehmenden Autoverkehr Rechnung zu tragen, wurde die Parkplatzfrage besprochen. Zur kommenden Stra- ßenumbenennunq wurde angeregt, die geschichtlich begründete Bezeichnung „Am Untertor" bzw. „Am Rödertor" zu wählen, um damit den mittelalterlichen Charakter unserer Stadt chervorzu- heben.Weiter wurde gebeten, das Turmgäßchen au einem guten Spazierweg umzugestalten. Der Rasenplatz an der Ecke Bahnhofstraße soll in eine Anlage umgewandelt werden. Durch die kommenden Neubauten der Siedlung im Kreuzweg ist zu hoffen, daß das schon vor sechs Jahren vom Verkehrsverein gegründete Museum im Herbst in einen würdigeren Raum verlegt werden kann. Zum Schluß der anregend verlaufenen Sitzung sprach der Vorsitzende noch über Werbung und Gestaltung der Verkehrsvereinsarbeit.
Landkreis Gießen.
<£ Leihgestern, 2. März. Seinen 81. G e - b u r t s t a g kann am morgigen Freitag, 3. März, der Reichsbahnbeamte i. R. Johannes O t t in leidlich guter Gesundheit begehen.
A Treis a.d. Ld a., 28. Febr. Die hiesige Bezugs- und Absatzgenossenschaft hielt ihre Generalversammlung in der Wirtschaft von H. Will ab. Direktor H. Kehr VIII. gab den Geschäftsbericht, dem zu entnehmen war, daß die Genossenschaft ihre Aufgaben im Rahmen des Vierjahresplanes erfüllte. Der reine Warenbezugs-Umsatz belief sich auf 26 000 Mark, der Reingewinn betrug 863 Mark. Von diesem Reingewinn wurden 3 v. H. auf die bezogenen Waren zurückoergütet und dem
Reservefonds ein ansehnlicher Betrag überwiesen. Dem Vorstand und dem Aufsichtsrat wurde Entlastung zuteil. Das satzungsaemäß ausscheidende Vorstandsmitglied Phil. W. Kehr und die Aufsichtsratsmitglieder Bürgermeister Becker und H. Grau wurden einstimmig wiedergewählt. Der Vorstand wurde beauftragt, zu gegebener Zeit eine Lagerhalle bauen zu lassen oder einen für Lagerzwecke geeigneten Raum zu mieten. — Die hiesige N S. - Frauenschaft hielt für die Kindergruppe in Mills Saal eine schlichte Feier ab. Frauenschaftsführerin Frau Bing entbot den kleinen Gästen, dem BDM. und den Mitgliedern herzlichen Gruß. Im Anschluß daran sprach Frl. R o s e n s ch o n über die Weltanschauung "der Frau und über die Aufgaben der Frau im Dritten Reich. Dann wechselten in bunter Folge Darbietungen der Kindergruppe,
humoristische Freiübungen des BDM. und der Iung- mädel und Theaterstückchen miteinander ab. Bei Kaffee und Kuchen saß man dann noch geraume Zeit beisammen. — Am heutigen Dienstag, 28. Februar, kann unser Mitbürger Johann Heinrich Rock seinen 86. Geburtstag feiern. Leider ist er gesundheitlich nicht mehr ganz auf der Höhe. (Wir beglückwünschen zum Geburtstag.)
Vollstreckung eines Todesurteils.
Lpd. Mainz, 1. März. Am 1. März 1939 ist der am 3. August 1913 geborene Heinrich Brabänder aus Mainz-Ginsheim hingerichtet worden, der durch Urteil des Schwurgerichtes Mainz zum Tode verurteilt wurde. Brabänder hat in Mainz-Gins- heim einen Lustmord an einem 7jährigen Mädchen verübt.
Wirtschaft.
Dolksbank Gießen.
Der Geschäftsbericht für 1938 weist wieder eine wesentliche Steigerung auf. Der Umsatz ist von 64 Millionen in 1937 auf 96 Millionen gestiegen und hat sich seit dem Jahr 1932 bald versechsfacht. Die Bilanzsumme hat sich um 356 000 RM. erhöht und ist jetzt auf 1748 142 RM. angewachsen. Die gesamten Einlagen sind um 350 000 RM. gestiegen und betragen am Jahresschluß 1529 851 RM.
Rhein-Mainlsche Börse.
Frankfurter Getreidebörse.
Frankfurt a. M., 1. März. Es notierten (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kilogramm) in Mark: Weizen W9 210 (gegen 208 am 28.2.), W 11 212 (210), W 12 213 (211), W 13 214 (212), W 16 217 (215), W 18 219 (217), W 19 221 (219), W2O 223 (221), Roggen RH 196 (194), R12 197 (195), R 14 199 (197), R15 200 (198), R16 202 (200), R17 203 (201), R18 204 (202), R19 206 (204) Großhandelspreise der Mühlen der ge
nannten Preisgebiete. Futtergerste , Futterhafer —. Weizenmehl Type 812 W 13 29,75 (29,65), W 16 29,75 (29,65), W 18 29,75 (29,65), W19 29,75 (29,65), W 20 (Kreis Alzey) 29,75 (29,65), W 20 (Kreis Worms) 30,10 (30,00) zuzüglich 50 Pf. Frachtausgleich. Für Weizenmehl Type 812 mit Beimischung von Maisbackmehl liegen diese Preise 30 Psg. niedriger. Roggenmehl Type 997 R12 22,45, R15 22,80, R 16 22,95, R18 23,30, R19 23,50 zuzüglich 50 Pf. Frachtausgleich. Weizenfuttermehl 13,60. Weizenkleie W 13 10,75, W 16 10,90, W 18 11,00, W 19 11,10, W 20 11,20 Mühlenfestpreis ab MühlenstaNon. Roggenfuttermehl R 19 12,50, Roggenoollkleie R 19 11,00. Roggenkleie R 12 9,95, R15 10,15, R16 10,25, R18 10,40, R19 10,50, Mühlenfestpreis ab Mühlenstation. Treber getr. —. Wiesenheu handelsüblich, gesund, trocken 5,40, Wiesenheu, gut, gesund, trocken 6,40, Kleeheu, gut, gesund, trocken 7,40 bis 7,80, Luzerneheu, gut, gesund, trocken 7,80 bis 8,20, Weizenstroh, bindfadengepreßt oder gebündelt, 2,80.
Frankfurter Schlachtviehmarkt.
Frankfurt a. M., 2. März. (Vorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb: 1248 Rinder (339 Ochsen, 165 Bullen, 548 Kühe, 196 Färsen), 370 Kälber, 46 Hämmel, 75 Schafe, 374 Schweine. Es kosteten: Ochsen 37 bis 46,50 Mark, Bullen 35 bis 44,50, Kühe 20 bis 44,50, Färsen 35,50 bis 45,50, Kälber 35 bis 65, Hämmel 44 bis 50, Schafe 28 bis 42, Schweine 49,50 bis 58,50 Mark. — Marktverlauf: Rinder, Kälber, Schweine zugeteilt; Hämmel und Schafe mittel.
AUttagsbörse Aktien schwächer.
Frankfurt a. M., 1. März. Die Börse war am Aktienmarkt weiter etwas schwächer, und zwar traten bei äußerst kleinem Geschäft durchschnittliche Rückgänge von 0,25 bis 1 v. H. ein. Während Kaufaufträge nach wie vor fast völlig fehlten und auch günstige Nachrichten aus der Wirtschaft ohne Einfluß bleiben, setzten sich kleine Verkäufe fort, die sich heute vorwiegend aus jüdischen Abgaben auf Grund der neu erteilten Genehmigungen zusammensetzten. Von den führenden Werten gingen IG. Farben von 150,50 (150,25) auf 149,75, Verein. Stahl auf 109,65 (110,25), Mannesmann auf 109,75 (110,40) und AEG. auf 115,40 (115,75) zurück. Stärker ermäßigt waren Gesfürel mit 136,75 (138) und Conti Gummi mit 211 (212,50). Im übrigen ließen AG. für Verkehr auf 121,25 (122), Zellstoff Waldhof auf 120,25 (120,75), Westdeutsche Kaufhof auf 104 (104,25), RWE. auf 116,75 (117) und Scherdeanstalt auf 204,50 (205,50) nach. Gut behauptet blieben Reichsbank mit 180 (179,75) und Hoesch mit unverändert 109.
Am Rentenmarkt war das Geschäft gering bei wenig veränderten Kursen. Reichsaltbesitz 0,13 v. H. niedriger mit 129,50, Reichsbahn-VA. unverändert 123,13, ebenso Kommunal-Umschuldung halbamtlich mit 93,20. Pfandbriefe lagen ruhig, von Liquidationswerten Franks. Hyp. 100,90 (101,15), Rheinische 101 (101,10). Industrie - Obligationen schwankten zwischen 0,13 bis 0,25 v. H., Stadtanleihen notierten zumeist unverändert. Dekosama I zogen 0,40 v. H. an auf 134,75. Reichsbahn-VA: bröckelten später 0,13 v. H. ab auf 123
Im Freiverkehr bröckelten Dingler Maschinen auf 104,75 bis 106,75 (105,25 bis 107,25) und Ufa auf etwa 85,25 (86) ab. Tagesgeld 2,50 (3) v. H.
Abendbörse unerhott.
Nach den Rückgängen im Mittagsverkehr war die Abendbörse ohne Erholungen. Anderseits setzten sich Abschwächungen nur noch vereinzelt fort. Stärker rückläufig waren dabei RWE. mit 115,25 (116,75), Conti Gummi mit 209,25 (211), während im übrigen die Veränderungen in engem Rahmen blieben. IG. Farben bröckelten auf 149,25 (149,50), Verein. Stahl auf 109,13 (109,65), Gesfürel auf 136,25 (136,75), Berger Tiefbau auf 143 (143,75), Rheinstahl und Mannesmann um je 0,13 v. H. auf 135,13 bzw. 109,25 und Buderus nach Pause auf 104 (104,75) ab. Etwas höher lagen BMW. mit 151 (150,50). Unverändert notierten u. a. Adlerwerke mit 105,50, Bemberg mit 135, Deutsche Erdöl mit 122,75, Scheideanstalt mit 204,50, Elektr. Lieferungen mit 127,25, Eßlinger Maschinen mit 111,25, Holzmann mit 148,25, Moenus mit 125, Rheinmetall mit 133 und BDM. mit 183,50. Renten waren ohne Umsatz, 6 v. H. JG.-Farben 120,75.
S.Jl.-'fpOTt
Stand der Spiele der Handball-Kreisklassen.
Nachdem nunmehr auch in den unteren Klassen der Endkampf allmählich einsetzt, dürste es an der Zeit sein, wieder einmal eine Tabelle zu veröffentlichen und an Hand der Zahlen festzustellen, wie die einzelnen Mannschaften stehen und welchen Einfluß die zukünftigen Spiele auf die Tabellengestaltung ausüben werden. Die beiden wichtigsten Staffeln sind:
Staffel 1. I. Kreisklasse.
Tv. Holzheim Tv. Atzbach Tv. Dillenburg Tv. Dutenhofen Tv. Grüningen
Spiele Gew. Unentsch.
6 5 0
5 3 0
7 3 0
5 2 0
7 2 0
Verl. Pkte.
1 10:2
2 6:4
4 6:8
3 4:6
5 4:10
Staffel 1. II. Kreisklasse.
To. Londorf
Spiele Gew. Unentsch. Verl. Pkte.
8
7
0
1
14:2
VfB.-R. Gießen
8
5
0
3
10:6
Mtv. II
8
4
0
4
8:8
Lich
8
4
0
4
8:8
Luftwaffe II
7
3
0
4
6:8
Krofdorf
7
0
0
7
0:14
Holzheim kann als sicherer Meister angesprochen werden. Wer aber wird zweiter Sieger? Diese Frage ist von entscheidender Bedeutung, weil ja die beiden ersten Sieger der I. Kreisklasse in die Bezirksklasse aufsteigen. Aussichten haben Atzbach, Dillenburg und Dutenhofen, die alle drei auch stark genug sein werden, um sich in der höheren Klasse zu behaupten.
Die wichtigste Staffel der II. Kreisklasse ist wesentlich unübersichtlicher. Hier kann sowohl Londorf als auch der VfB.-R. Gießen Sieger werden.
Spiele um die Vauumeisterschast im Handball.
Der letzte Sonntag der Spiele um die Bann- rneisterschaft brachte im wesentlichen die erwarteten Ergebnisse.
Mtv. A-Jugend — 1900 A-Jugend kampflos für Mtv. Zu diesem Spiel trat die erste Jugendelf der Spvgg. 1900 nicht an, so daß die Männerturner mit zwei weiteren Punkten endgültig Staffelsieger wurden. Die Mannschaft verdient besondere Anerkennung, zumal sie ohne Spielverlust nunmehr zu den Endspielen um den Bannsieger antreten kann.
Mtv. 8-Jugend — 19 0 0 8-Jugend 6:7 (6:3). Zwei gleichwertige Mannschaften standen sich gegenüber; einen schönen, abwechslungsreichen Verlauf nahm dieser kleine Lokalkampf. Die Rotweißen lagen jeweils mit einem Tore in Führung, das bis zum Gleichstand von 3 :3 stets von 1900 wieder wettgemacht wurde. Die-Mtv.er zogen mit 6:3 in die Halbzeit. Auch nach dem Wechsel erkämpften sich die Jungens vom Trieb wiederum den Gleichstand und konnten mit einem weiteren Erfolge als glücklicher Sieger und gleichzeitiger Staffelsieger den Kampf beenden.
Heuchelheim — VfB. -Reichsbahn 15 :14 (7 :8). Ein torreiches Ergebnis brachte das Jugendspiel in Heuchelheim, ein Beweis beiderseits guter Stürmerleistungen. Die Gießener führten den Kampf' bis zur Halbzeit leicht überlegen, ließen
sich aber dann das Heft aus der Hand nehmen. Gegen Ende drehten die Heuchelheimer mächtig auf.
Großen-Buseck — Klein-Linden 5:0 (1:0). Endlich einmal ein schöner Erfolg der Busecker! Die Mannschaft scheint erst jetzt die richtige Aufstellung gefunden zu haben.
Grüningen — Hausen 7:14 (3:6). Grüningen trat auf eigenem Platze unvollständig an uni) mußte auch ein entsprechendes Ergebnis hinnehmen. Die Gäste waren durchweg tonangebend und schafften sich schon bis zur Halbzeit einen kleinen Vorsprung.
Lang-Göns — Holzheim kampflos für Holzheim. Lang-Gons trat wieder einmal nicht an! Man sollte doch wenigstens auf eigenem Platz in der Lage fein, eine Mannschaft zusammenzubringen.
Abrador
wäfcht Hände
rillenfauber
Das Möchm MaO.
Vornan von Aalthec kloepffer.
Copyright by Carl Juncker Verlag,ÄerIlnWZ5
9. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Entsinnst du dich noch an Padua, wo ich mir den Magen mit Eselswurst verdorben habe? In San Vigilio hast du mir eine kleine Agave aus dem Schloßgarten gemaust; denk mal, die gedeiht prächtig. Wie hieß doch dieser allerliebste Puppensee zwischen den Bergen?"
„Toblinosee. Du redest immer von der Hinreise; mir war die Heimfahrt das Wichtigste. Da war doch alles schon richtig zwischen uns. Machen wir wieder! Als Hochzeitsreise! Magst du?"
„Du Georg, heute nacht habe ich mir alles noch mal überlegt. Es wird das beste sein, ich gehe her und beichte Papa en.fach den ganzen Salat. So ist das ja nicht mehr zum Aushalten, dieses^ Heimlichtun und Sichh er umdrücken und Siesagen."
Holl fuhr erschrocken hoch.
„Und wenn er »nein6 sagt, was dann?"
„Tja, ich weiß auch nicht. Ach, es wird schon nicht so schlimm werden, er ist doch mein seelenguter Papa. Und wenn es wirklich aufs erstemal nicht klappt — ich gebe nicht nach. Die sollen mal sehen zu Hause, wie ich heule und traurig bin und ganz mager werde vor Kummer." Sie sagte das alles sehr ernsthaft, die noch sehr junge Maxie Hegemann.
Holl wiegte zweifelsüchtig den Kopf. Er stellte sich Hegemann vor, den großen Mann, der mit einem kurzen Wort Aufruhr und Wirbel unter tausend Menschen verursachte, dessen gescheiter Kopf ein ganzes Werk leitete — und dann sich selbst daneben, einen armseligen, kleinen Anfänger, der durch Maxies Gunst zu seiner Stellung gekommen war. Auch war er nicht flott und nicht unterhaltend wie Herr von Tinser. Holl hatte eine Masse Bedenken und Minderwertigkeitsgefühle, denen er jetzt beredten Ausdruck gab.
„Wenn dein Vater nein sagt, dann ist alles aus; das sage ich dir, Maxis. Dann kann ich einpacken. Dann kann ich unmöglich länger in seinem Krankenhaus bleiben. Nein, ich würde es unter keinen Umständen ertragen, wenn er mich ab kanzelte: Was, Sie erheben die Augen zu meiner Tochter? Leisten Sie etwas, junger Mann, imponieren Sie mir! Abfahren und vielleicht später auf Wiedersehen, Herr Holl! Kannst du mich verstehen, Maxie?"
„Schon. Aber, was bann? Soll es ewig so mit uns zwei fortgehen?" murmelte sie verzagt.
„Nicht ewig, nur eine Zeitlang noch; ein paar Monate vielleicht. Ich arbeite gerade an so einer Blutgeschichte. Wenn oie fertig ist, wird dein Vater schauen."
„Was für eine Blutgeschichte?"
Holl drückte sich ein bißchen herum. Eigentlich hatte er das Ganze geheimhalten wollen, abergläubig, wie er in derlei Dingen war. Aber er mußte dem todbetrübten Mädchen Maxie doch einen Hoffnungsanker hinwerfen; die fing ihm sonst glatt das Heulen an.
„Sieh mal, ich habe mir die Aufgabe gestellt, menschliches Blut für Uebertragungen, für Transfusionen, haltbar zu machen. Begreifst du nicht? Paß auf. Wenn jemand viel Blut verloren hat, bei Verletzungen, Entbindungen, Anämien, spritzt man ihm das frische Blut von einem anderen Menschen ein. Nun ist Ober ein solcher Blutspender nicht immer sofort zur Hand. Es gibt Fälle, wo kostbare Zeit verlorengeht, bis es gelingt, einen Blutspender heranzuholen. Namentlich auf dem Lande. Das Leben hängt einfach davon ab. Wie gut wäre es da, wenn der Arzt die benötigte Blutmenge aus der nächsten Apotheke beziehen könnte oder einfach in seinem Arzneischränkchen hätte, so wie er die verschiedenen Sera zur Hand hat. Kannst du mir folgen?"
„Gewiß, Georg."
„Wenn es gelänge, Blut für längere Zeit haltbar zu machen, ohne daß es gerinnt oder sich zersetzt, so wäre das Problem gelöst."
„Wunderbar —"
„Man ist heute so weit, daß man'die Gerinnung und den Zutritt von Fäulniskeimen bis zu einem gewissen Grade verhindern kann, aber man kann noch nicht verhindern, daß sich das Blut automatisch von innen heraus selbst zersetzt. Daran arbeite ich."
„Und du hoffst, daß es dir glückt, Georg?"
„Ich gehe mit dieser Hoffnung ins Bett und stehe mit ihr auf. Seit ich bei euch im Werk bin, schufte ich in meiner freien Zeit an dieser Aufgabe. Es ist sehr schön, immer mit etwas so Großem herumzugehen. Du bist eine Frau und kannst dich da nicht hineindenken. Aber du wirst verstehen, daß ich meinen Posten im Werk jetzt noch nicht aufs Spiel setzen darf. Ich brauche das Laboratorium, das Tiermaterial, die Instrumente, die Chemikalien, einfach alles so nötig für meine Arbeit wie das tägliche Brot. Meine Arbeit darf nicht unterbrochen werden, denn sie ist wichtig. Wenn ich sie glücklich beende, ist vielen Menschen geholfen!"
Holl fah abwesend und in gehobener Stimmung
über die sanft bewegte Fläche des Sees hin, als stünde irgendwo da draußen ein herrlich aufgerecktes Ziel. Er verschränkte die Hände im Genick und sagte leise: „Arzt sein, ist überhaupt etwas schönes. Viele machen sich eine ganz falsche Vorstellung von unserem Beruf. Nicht das Abhorchen und Schneiden und Pulsfuylen macht den Arzt aus, obschon es notwendig ist, sondern das Helfenwollen. Arzt ist nicht ein x-beliebiger Beruf, wie Händler oder Ofensetzer, sondern eine Sendung." Holl machte die Lippen schmal und schwieg.
Maxie halt noch nie so große Worte aus Holls Mund vernommen. Er war im allgemeinen ein Mensch ohne Ueberschwang, ohne Pose und ohne lodernde Redensarten. Der Begeisterung, die er an seinen Beruf und an ein immerhin zweifelhaftes Problem verschwendete, stand sie unsicher gegenüber. Es mangelte ihr der Einblick in ärztliche Standes- fragen und medizinische Notwendigkeiten. Sie zerriß die Stille mit den Worten:
„Gut, bann will ich mich gedulden. Warten wir noch. Vielleicht arbeitet die Zeit für uns. Uff, da kommen Papa und Tinser. Nun ist es mit der schönen Zweisamkeit vorbei. Also, Schorschi, was auch los sein mag, ich bin immer dein. Du wirst es schon recht machen; ich verlasse mich ganz auf dich." Dabei rückte sie, der beiden Ankömmlinge wegen, eine Handbreit von ihm weg.
Hegemann und Tinser kamen aus dem Hotel; ersterer trug sein unvermeidliches Angelzeug und lächelte den frühen Schwimmern wohlwollend entgegen, letzterer hatte eine elfenbeinfarbene Tennis- hofe und ein rohseidenes Hemd an, was der neuesten Mode entsprach.
Holl und Maxie erhoben sich.
„Feiner Morgen!" begrüßte sie der Geheimrat.
Holl vollführte eine achtungsvolle Verbeugung, was sich bei einem Herrn in Badehose ein wenig sonderbar ausnahm.
„Kinder, ich komme mit einer brillianten Idee", begann lebhaft der junge Tinser. „Mit Ihrem Papa habe ich bereits gesprochen, Fräulein Maxie. Lernen wir segeln! Ein netter Sport, und gleichzeitig konnten wir diesem armen Wurm Paula helfen. Wie wäre es, wenn wir unserem Herzen einen Stoß gäben? Der ganze Kursus kostet nur 30 Mark pro Nase."
„Bißchen verschossen in die blonde Paula? fragte Marie neckisch.
„Nicht im mindesten. Wie kommen Sie darauf? Ist gar nicht mein Typ", verwahrte sich gekränkt der Baron. „Das hat man von seiner Gutmütigkeit."
„Nicht böse sein, lieber Herr von Tinser. Gut, ich mache mit", erklärte Maxie.
„Auf Sie dürfen wir natürlich auch zählen, Doktor Holl?" Er hatte den jungen Arzt ganz gern, obgleich er in ihm einen Nebenbuhler witterte, allerdings einen ungefährlichen.
„Ich weiß nicht", zögerte der.
„Sie tun mit, natürlich, wäre ja noch schöner, entschied Hegemann, der den Grund von Holls Zaudern zu erraten schien. „Die Herrschaften werden gestatten, daß die Ausbildungskosten für ,Große Fahrt' ich übernehme." Er zog Tinser beiseite und drückte ihm einen Geldschein in die Hand. „So. das tragen Sie dem Fräulein Segellehrerin hinüber." • Es machte Maxie sicher Spaß, gleich zwei Trabanten um sich zu haben. Mochten die jungen Leute ruhig ein bißchen flirten, das hatte man zu feiner Zeit auch getan."
„Sehr nobel, Herr Hegemann. Unseren besten! Dank", sagte Tinser.
„Keine Ursache. Paßt nur auf und fallt nicht ins Wasser. Ich muß jetzt zum Dampfersteg hinüber; ich möchte mit Lorinser die neue Ueberkopfwurfruts ausprobieren. Wiedersehen, Kinder!"
Auch Tinser verabschiedete sich von den beiden? „Abgemacht. Morgen fangen wir an. Ich erkundige mich jetzt bei dieser Paula. Servus, Herrschaften!" Er ging auf das Häuschen der Segellehrerin zu.
Paula Giefeke faß auf einer Bank vor der Haustür und flickte die Leinenhose des „Käptn". Das mar* ein weißhaariger Seebär, ehemaliger Vollmatrose, den sie für das zweite Segelboot „Liefe! II" angeheuert hatte. Weil er achtungsgebietend aussah und an seiner blauen Seemannsjacke drei verblichene Goldbörtchen trug, nannte ihn alles den „Käptn", Paula selbst fuhr die große Jacht, den „Flederwisch".
„Morgen, Fräulein Giefeke", rief ihr Tinser schon von weitem zu und lachte über das ganze Gesicht. „Drei verdammte Landratten bitten, in die hohe Kunst der Navigation eingeführt zu werden. Fräulein Hegemann, Doktor Holl und meine Wenigkeit. Vielleicht darf ich unser Schulgeld gleich erlegen?"
Sie nickte, und in ihrem ernsten Gesicht zuckte es ein bißchen. Dies Geld, dieser Hundertmarkschein, den der junge Baron ihr hinhielt, war wie ein Geschenk des Himmels. Noch vorhin hatte sie sich den Kopf zerbrochen, wie sie diesmal die Rate für die beiden Schiffe zusammenbringen sollte.
„Gleich drei auf einmal, oh, das ist recht", murmelte sie.
„Ich habe ein wenig Propaganda gemacht", zwinkerte Tinser.
„Danke!"
(Fortsetzung folgtI)


