Ausgabe 
1.10.1939
 
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ft. 229 Drittes Blatt

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Aus der Stadt Gießen

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Mugfchar und Sense mit dem Schwert vertauscht um eine Ernte einzubringen, die fast überreif

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tnie Heer der deutschen Arbeit und neben beiden

lenkreuze überreicht werden. Für die Mütter im

Erntedanktag.

Brot bricht die Not.

Sät das Volt mäht das Volk,

Hat es Brot.

Ohne Brot mäht der Tod.

Ein Volk bringt feine Ernte ein Wir wollen Erntehelfer fein Mit Senfe, Schwert und Spaten Arbeiter Bauern Soldaten.

diefem 1. Oktober gehen unsere Gedanken

Und so, wie Adolf Hitler des Reiches erster »eiter ist, so ist er auch sein erster Soldat.

Arbeiter, Bauern und Soldaten! So geschloffen stt t die Nation an diesem Erntedanktag zusammen. D, Millionen, die in Waffen stechen, schafft des de tschen Arbeiters Fleiß die erzene Wehr. Die äi?,ere Front weiß heute hinter sich eine innere Font, die ebenso unerschütterlich steht, wie sie selbst. & Bauern Fleiß hat vörgesorgt, daß diese Fron-

Ki tschen Volkes ist fichergestellt worden.

Das in Jahrzehnten Meralistischer Wirtschasts- ftrung auch auf dem Agrarsektor gesündigt wurde, he der deutsche Bauer in sechseinhalb Jahren zu «rem großen Teil wieder gutgemacht. Seine ver- «elvortungsvolle Arbeit war schwer und hart. Der Wer und die, die ihn pflügten, mußten mehr her­ben von Jahr zu Jahr, von Ernte zu Ernte, um ft den Tag -gewappnet zu sein, der uns in Bereit- flkft finden mußte, allen versuchen, dem Weltkrieg «fen zweiten Aushungerungskrieg folgen zu laffm, zu trotzen. Nicht zuletzt der Bauer hat erfahren Affen, wie furchtbar nach der Aushungerung vor zumzig Jahren er in den großen Abgrund hinein- Biiffen wurde.

heute steht der Führer nicht inmitten feiner Duern. Heute weilt Adolf Hitler bei seinen Solda- k. Und auch unter ihnen steht der Bauer, der

Arbeiter, Bauern und Soldaten! Sie schützen das Ilch Adolf Hitlers gegen Not und Tod! E. D.

Feierliche tteberreichung

der Mütterkreuze in Gießen.

frie Ortsgruppen der Partei in unserer Stadt mnstalten am morgigen Sonntag Feiern, in mit Rahmen den kinderreichen Müttern die

im Saal des Gefell fchaftsvereins, Lunenftraße, abgehalten. Außer den Müttern, die

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den Am !Gleich der Ortsgruppen Süd und Ost findet die ?ber cor' |F;r um 11.45 in der Neuen Aula der Univer- nterhc! M statt. Für die Mütter in den Ortsgruppen

Mrd und Mitte wird die Feier um 11.30 Uhr er Not tos

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ter des deutschen Volkes so unbezwingbar fein tön- öW ne, daß keine Macht der Welt sie zerbrechen kann. «etM 50 sind an diesem 1. Oktober Spaten und Sense unH|tti) Schwert zum Symbol unserer Zeit geworden, iSioen dem grauen Heer an der Front steht das

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zu- den Erntedanktagen vergangener Jahre. Kr sehen Adolf Hitler auf dem Bückeberg inmitten tfr deutschen Landvolkes an dem Tag, an dem die gn;e Nation dem Bauern dankte für feine opfer- bple Arbeit um die Versorgung unseres Volkes mit fcm täglichen Brot. Nie fo deutlich wie jetzt erken- iKfi mir in tiefer Dankbarkeit, wie wichtig diese Ar­tist und wie erfolgreich sie war. Das Brot des

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!tn M tnie Heer der deutschen Arbeit und neben beiden affen (oh fo- Bauer, durch dessen Arbeit mir unser Brot Keine

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ige Mnentlich eingeladen sind, werden auch Partei- Massen und Parteigenossinnen sowie die Mitglieder MNS.-Frauenschaft und ihre Angehörigen an den eausd!' Erstunden teilnehmen.

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W Gießener Gtadttheaier.

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Friedrich Hebbel:Agnes Bernauer."

[h deutsches Trauerspiel nennt Hebbel fein «QuaAgnes Sernaue r", und es ist deutsch rbim tiefen Erfassen und kompromißlosen Gestalten Konflikts zwischen der Willkür des einzelnen dem Gesetz der Gesamtheit, zwischen dem per- Ichen Glück und den Notwendigkeiten der Staats- m, die das ihn entgegenstehende Einzelschicksal Agnes Bernauer unerbittlich vernichtet, ohne i> Schuld und Unschuld zu fragen, oder das seinen !«Zen zuwiderhandelnde Menschenwesen wie den |P8 Albrecht zwingt, sich einzuordnen.An der s Bernauer", so schrieb Hebbel vor der Munch- ' Erstaufführung des Stückes im März 1852, nn nichts interessieren als das Verhältnis, worin menschliches Individuum, das zu schön ist, um > die glühendsten Leidenschaften hervorzurufen, doch zu niedrig gestellt, um auf einen Thron Possen, zum Staat und Vertreter desselben gerat, es höher erhoben wird, als die Ordnung der li es verträgt." Und er sagt weiter über fein fcna:Es ist darin ganz einfach das Verhältnis Individuums zur Gesellschaft dargestellt und

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[ l.as Stadttheater öffnet feine Pforten für die Ws Spielzeit in großer, ernster Zeit, der Aufgabe Mußt, die ihm in der inneren Front unseres Vol­ler gestellt ist, durchdrungen von der Verpflichtung, 'n Bestes geben zu sollen in einer Stunde, in der Irr Volk auf feine letzten Kraftquellen zurück- n muß, um aus innerer Harmonie jene stäh- me Härte zu schöpfen, die es in feinem Kampf um Jrheit und Recht unwiderstehlich machen wird, inft und Volk gehören zusammen", diesen Satz der Nationalsozialismus an die Spitze feiner burpolitik gestellt und nach ihm gehandelt. Das k hat der Kunst wieder jene Achtung und Anteil- e bezeugt, die ihr Tun fruchtbar und schöpfe- gestalteten. Nun ist die Kunst aufgerufen, viel- Ittig zurückzugeben, was sie empfangen hat.

J .,Daß um den Kelch, worin uns Freiheit rinnt, Fss Der Freude Götter lustig scherzen,

I Der holde Traum sich lieblich spinnt, I Dafür seid liebevoll umfangen!"

2 es Schiller-Wort an die Künstler gilt heute Broeg den Mittlern der dramatischen Kunst, die oittssen sind, fernab jeder blassen Aesthetik hinzu- I^I'n zum innersten Wesen des Deutschen, bas in Mrz und Ernst, in froher Besinnlichkeit und hoch- liimmter, fartstürmender Leidenschaft jene wahr­st harmonische Einheit sucht, aus der ihm höchste Rat erwächst.

iftn «K »r* n. Diel'L I allen g I rsachen W I ;b!en.

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) 30. September /L Oktober 1959

! '-1!

Reichsbahndienst in der Verdunkelung.

Durch die völlig verdunkelten Straßen wandern wir zum Bahnhof. Es ist ein gewaltig verändertes Bild, das wir dort gegenüber den früheren Ver­hältnissen erblicken. Einst vor der Verdunkelung vor und im Bahnhof strahlende Helle von vielen Lam­pen mit unzähligen Kerzenstärken heute da­gegen nur winzige, sorgfältig abgeschirmte Licht­quellen, die wir zuerst in der Bahnhofshalle finden, während draußen alles ebenso in völliger Ver­dunkelung versinkt, wie die übrigen Stadtteile auch. Unb trotz dieses gewaltigen Gegensatzes zu dem bekannten WortEs werde Licht" muß der Dienst unserer Eisenbahner mit aller Pünktlichkeit und Sorgfalt weiter getan werden, denn der Reisever­kehr ist auch für die Kriegsverhältnisse noch immer sehr erheblich, und dazu kommen die weitgehenden Anforderungen des Gütertransportes. Daß unter diesen Umständen die Aufgabe unserer Männer vom Flügelrad heute mehr denn je den Einsatz aller Kräfte erfordert und mit außerordentlicher Verantwortung belastet ist, liegt ohne weiteres auf der Hand.

schon spurlos in der Nacht verschwunden. Nicht min­der gespensterhaft wickelt sich der Rangierbetrieb ab. Hier ist die Tätigkeit der Männer vom Flügelrad noch besonders erschwert dadurch, daß Züge, oder Zugteile, oder einzelne Wagen gleichzeitig auf meh­reren Gleisen hin- und herrollen, die Beamten an den Weichenhebeln natürlich auch nur bei beschei­densten Lichtquellen arbeiten können. Rangierer und Hilfsarbeiter zwischen den Gleisanlagen tätig find dennoch alles feinen pünktlichen, gewohnten Gang gehen muß, und in der Tat nach unseren mehrstündigen Wahmeihmungen auch ordnungs­mäßig verläust. Es ist, ebenso wie im Personen­bahnhof, ein gewaltiges, hohes Lied der pflichtbe­wußten Arbeit und des allezeit tatfrohen Einsatzes für die Gemeinschaft, das hier aus der Tätigkeit unserer Eisenbahner zu dem schauenden und zu­gleich seelisch empfindenden Beobachter erflingt. Es

ist ein Musterbeispiel von Berufsfreudigkeit und Verantwortungsbereitschaft, das all diese Männer, jeder einzelne auf seinem Posten für sich und fte alle zusammen als Gemeinschaft, im Interesse un­seres Volksganzen bringen, dem sie mit ihrer Ar­beit in vielfältiger Weise auch unter den erschwer« ten Umständen der Verdunkelung dienen.

* 1

So können wir nach der mehrstündigen Beobi achtung des Bahnhofsbetriebes abschließend nur be­kunden, daß hier in diesem lebenswichtigen Zentral« punkt des Verkehrswesens nicht nur alle Verdunke- lunasmaßnahiyen in bester Weise durchgeführt werben, sondern zugleich auch Nacht für Nacht eine Dienstleistung vollbracht wird, vor der man sich in rückhaltloser Anerkennung für alle Männer des Reichsbahndienstes dankbar verneigen muß.

Nächtliche Fahrt mit der Straßenbahn.

Schon in der Bahnhofshalle kann man sich über­zeugen, daß die Verdunkelungsmaßnahmen vor­bildlich durchgeführt find. Die paar spärlichen Lich­ter, die natürlich erheblich abgeschirmt find, reichen gerade aus, um an den Arbeitsplätzen der Beamten den notwendigen Dienst zu ermöglichen. Betritt man den Bahnsteig, so wird der Wandel der Dinge noch viel eindrucksvoller sichtbar. Abgesehen von wenigen sorgfältig verdunkelten Lampen ist alles unter das Gebot der Finsternis gestellt. Die Ar­beitsräume, deren Fenster nach ber ©eite des Bahn­steigs liegen, haben bei der Umschau in der Nacht Beine Fenster mehr, sondern nur große schwarze Flächen, hinter denen in den vollbeleuchteten Zim­mern der anstrengende Dienst seinen geregelten Gang nimmt, wie er sonst auch in schönster. Frie­denszeit im strahlenden Licht der Lampen sich abwickelte. Auf dem Bahnsteig aber gleicht alles Leben gewissermaßen einem nächtlichen Spuk. Die Personen tauchen schon auf wenige Meter Ent­fernung in der Dunkelheit unter, denn das Licht ist mit Recht so weit eingeschränkt worden, daß man zwar auf kurze Entfernung allefür die Sicherheit der Menschen und des Verkehrs erforderliche Ueber- ficht hat, darüber hinaus aber auf den früheren Fernblick verzichten muß. Und das ist ja auch der richtigverftandene Sinn und Zweck der Verdunke­lungsmaßnahmen. Die Züge laufen ein und wirken wie ein riesiges schwarzes' Ungeheuer, das plötzlich vor den Augen austaucht, sich vorbeischiebt, kurze Zeit hält, und bann ebenso spukhaft in der Nacht verschwindet, wie es vorher daraus aufgetaucht war. So wickelt sich Abend für Abend und Nacht für Nacht der Verkehr im Zeichen der Verdunke­lung ab, der dank der weitgehenden und umsichti­gen Fürsorge oer Reichsbahn und dank der Diszi­plin der Reisenden sich bisher stets glatt und ohne Nachteil für Reisende und Eisenbahner abgewickelt hat.

*

Wir halten nach dem Besuch auf dem Bahn- fteig auch draußen in ben weiten Arbeitsbezirten des verdunkelten Bahnhofgeländes Umschau, lieber« all sehen wir das gleiche Bild der Sorgfältigen 93er» dunkelungsmaßnahmen und zugleich des unermüd­lich roeiterlaufenbcn Bahnbetriebs, für dessen rei­bungslose Abwicklung alle Männer der Reichsbahn, von der obersten Leitung bis zum letzten Arbeiter, in dankenswerter Weife auch während der Nacht­stunden ihre ganze Kraft einsetzen. Aus dem Dun­kel der Nacht ^tauchen unversehensschwarze Schlan­gen" polternd und ratternd aus. Es sind Personen­oder Ö-Zuge, die in ausgezeichneter Verdunkelung aller Wagen als rabenschwarze Ungeheuet auf wenige Meter Entfernung an uns vorbeibrausen. Kaum hat man sie wahrgenommen, sind sie auch

Unsere Straßenbahner haben es jetzt bei ihrem abendlichen Dienst besonders schwer. Stundenlang starren sie von ihrem Führerstand aus in das un­durchdringliche Dunkel der Nacht, denn das spär­liche Licht, das der schmale Schlitz der Verdunke­lungskappe der Richtlampen hervordringen läßt, reicht kaum aus, um auf mehr als fünf Meter Entfernung auch nur irgendetwas erkennen zu kön­nen. Mancher Straßenbahnfchaffner geht nach Stunden des Dienstes in der tiefen Dunkelheit mit Kopfschmerzen nach Hause, denn die angestrengte Schau in die Finsternis kann nicht ohne Rück­wirkung bleiben. Hinzu kommt, daß der Fahrplan in keiner Weise eingeschränkt werden soll und die Fahrzeiten eingchalt'en werden müssen, wenn nicht der ganze Fahrplan in Unordnung kommen soll. Es kann also nicht etwa langsamer gefahren wer­den, als zu Zeiten des hellen Tages.

*

Wer einmal nachts mit der Straßenbahn zu fghren Gelegenheit hat, wird sehr schnell die ganze Problematik erkennen, die damit verbunden fein kann. Da ist zum Beispiel zu beobachten, wie ein Fahrgast die vordere Plattform besteigt und in seinem Geldbeutel zu wühlen beginnt, bis ihm schließlich mit gutem Glück im engbegrenzten Scheine der abgedunkelten Lampe die 25 Pfennige in die Hand fallen, die die Fahrt nach Meseck kostet. Und auf der Straße warten noch drei Fahr­gäste! Dieser eine Mann, der durch fein Suchen nach dem Fahrgeld den Betrieb aufhält, veranlaßt den Fahrer unweigerlich, die nächsten Strecken

Lebensmittelkarten

Was müssen Gass und Gastwirt

Der Reichsminister für Ernährung und Landwirt­schaft hat durch Erlaß vom 27. 9.1939 für die Zeit vom 2.10. bis 22.10.1939 folgende Regelung ge­troffen:

Fleisch, Brot und Nährmittel können in den Gast­stätten, Kantinen usw. sowohl auf die ausgegebenen Hau sh a l t s k a rten , als auch auf Reif e- karten entnommen werden. Die Reisekarten wer­den zu diesem Zweck auf Antrag auch ohne Nach­weis einer Reiseveranlassung ausgestellt. Auch ein Umtausch von Wochenabschnitten der HcWshalts- karten in Reisekarten, die bis zum 22.10.1939 gül­tig geschrieben werden können, ist zulässig. Der Um­tausch in Reisekarten erfolgt durch die Gemeinde­behörden bzw. Kartenausgabestellen.

Für Fleischspeisen, die mit Fett zubereitet sind, brauchen bis zum 22.10.1939 Einzelabschnitte der

rascher zu fahren als sonst, wenn er den Anschluß am Markt erreichen will. Wenn das jeder Fahrgast so machen wollte, dann würde der ganze Fahrplan in Unort)nung kommen, der in der tiefen Dunkel« heil an sich schon schwer einzuhaltcn ist. Die Stra« ßenbahn wird übrigens, seitdem die Stadt nächt« kicher Weile so tief' im Dunkel liegt, stark benützE Niemand tastet sich gerne einen vielleicht langen» Heimweg durch die dunklen Straßen. Die Straßen­bahn nach Wieseck ist meist stark besetzt. Bei drefeL Sachlage sollte jeder Fahrgast nur mit abge« zäh ltem Fahrgeld den Straßenbahnwagen besteigen.

Eine solche nächtliche Fahrt mit der StraßenbohNi hat für den, dem ein Auge für solche Dinge ge* geben ist, aber auch feine romantischen Reize. Das Wageninnere ist tief verdunkelt. Nur ein mattef Schein von oben her liegt auf den Gesichtern. Alls Menschen scheu bedeutender aus, als im schonungs« losen Licht der Sonne und des Tages. Das Licht von oben wirft tiefe Schatten um Augen, Mund und Kinn, jedes Gesicht erscheint plastischer, aus­drucksvoller und auly geheimnisvoller. Geredet wirt» nicht viel! Wenn sich bann die Straßenbahnen den Endstationen nähern, lösen sich die schweigenden Versammlungen auf, deren Teilnehmer mit dem Aussteigen im Nu von der Dunkelheit verschluckt werden. Nur der Sttaßenbahnschoffner ist der ru­hende Punkt in der Erscheinungen Flucht. Ihrer« müdlich tut er feine Pflicht.

auch in Gaststätten,

von der neuen Regelung wissen?

Fettkarte nicht abgegeben zu werden. Falls ein Gast jedoch, etwa der Hotelgast, zum Frühstück reine Fettparttonen bestellen will, muß er von der' Reise- karte, die eine Reihe von Einzelabschnitten für Fette in Unterteilung bis zu 10 Gramm enthält, Gebrauch machen. Fleischgerichte in Gaststätten und Kantinen dürfen nur gegen die mitFleisch oder Fleisch­waren" bezeichneten Abschnitte über je 50 Gramm Fleisch auf der rechten Seite der Reichsfleischkarte ober gegen die auf der Reisekarte enthaltenen Ab­schnitte für Fleisch über je 50 Gramm abgegeben

Wenn Augen versagen Magnus-Brillen tragen!

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demgemäß an zwei Charakteren, von denen der eine aus den höchsten Regionen hervorging, der andere aus den niedrigsten, anschaulich gemacht, daß das Individuum, wie herrlich und groß, wie edel und schön es immer fei, sich der Gesellschaft unter allen Umständen beugen muß, weil in dieser und ihrem notwendigen formalen Ausdruck, dem Staat, die ganze Menschlichkeit lebt, in jenem aber nur eine einzelne Seite derselben zur Entfaltung kommt. Das ist eine ernste, bittere Lehre, für die ich von dem hohlen Demokratismus unserer Zeit keinen Dank er­warte; sie geht aber durch die Weltgeschichte hin­durch ..

So steht Hebbel mit seiner Sympathie notwendig bei dem Herzog Ernst als dem Vollstrecker dieses höheren Gesetzes der Staatsraison, die nicht dulden kann, daß um eines persönlichen Glückes willen Land und Volk, dem Fürsten zu treuen Händen überkommen, den Schrecken der Erbfehde ausgesetzt werden, ja, die nicht einmal zuläßt, daß der zur Führung Berufene sich durch persönlichen Verzicht seiner Pflicht entzieht. Eine durchaus moderne Auf­fassung, für die freilich der Dichter in ben historisch belegten Tatsachen bes Schicksals ber Agnes Bernauer, an die sich Hebbel treulich gehalten hat, hinreichend Unterlagen fand.

Es klingen zwar im Drama Hebbels noch andere Motive an, die ber Vorstellungswelt des 15. Jahr­hunderts entsprechen. So wenn eine Rivalin der überirdisch schönen Baderstochter dieser vorwirft: Allen machst du abspenstig, was ihnen gehört! ... Nonne und doch keine! Heilige, aber noch nicht im Wimmel' ...Ei, sei wie wir, guck auf, sprich, und es wird sich geben!" Das Ungewöhnliche, Außer­ordentliche erscheint der Mitwelt verdächtig, scheint ihr Teufelswerk und Hexerei, aber es ist festzuhalten, daß der Dichter dieses billige Motiv für den Unter« aanq der Agnes Bernauer nicht in Anspruch nimmt. Sein Herzog Ernst weiß sich frei von jenen popu­lären Vorstellungen der Zeit. Er handelt nach dem Gebot der Staatsidee, aber er leidet schwer unter ber Pflicht, ihr bas persönliche Glück feines Sohnes unb bas Leben eines Menschen opfern zu mu sen, ben keine anbere Schuld trifft, als eben da zu sein.

Hebbel schlägt auch das naheliegende und seiner eigenen Zeit sympathische Motiv ber engen Verbin­dung von Volk unb Herrscher an, wenn er feinen Herzog Albrecht sagen läßt:Wer weiß^ was ge­schähe^ wenn ich mein Volk 3um ©prud) aufriefe, wenn ich sagte: Seht, ich soll nicht würdig fern, eud) 7u behm chen, weil mein Vater eine eurer Tochter lu sich erhoben hat, eine, die ihm am besten .ns Ohr sagen konnte, was euch sehlt , weil rn,r s iw Blut liegt, euch beizusprmgen! ... Wer weiß, was sie tun werden, die alten treuen Bavaren, wenn

mein Sohn dereinst ... so zu ihnen spricht!" Aber Hebbels Herzog Albrecht ist fo wenig wie ber histo­rische ber Mann, der einen so revolutionären Ge­danken in die Tat umsetzt,daß das ganze Deutsche Reich zu wackeln anfängt unb ber große Karl zu Aachen in seinem ©arge erschrocken nach ber Krone greift!" Herzog Albrecht ringt seinen Schmerz um bie Verlorene nieber unb beugt sich bem Gesetz ber ©taatsibee. Freilich bie Drohung mit Reichsacht unb Kirchenbann allein kann ihn nicht schrecken, aber bie Weisheit bes Vaters unb bas Beispiel seines kategorischen Imperativs der Pflicht nehmen ihn in die ©chule ber Erziehung zu bem Beruf bes Herr­schers, zu bem er geboren ist.

Wenn bas Gewalt ist, was du erleidest", so ruft der alte Herzog dem noch Trotzenden zu,so ist es eine Gewalt, bie alle deine Väter dir antun, eine Gewalt, die sie selbst sich aufgeladen und ein halbes Jahrtausend lang ohne Murren ertragen haben, unb bas ist bie Gewalt des Rechts! ... Wir müssen das an sich Wertlose stempeln und ihm einen Wert bei­legen, wir müssen den ©taub über ben ©taub er­höhen, bis wir wieber vor bem stehen, ber nicht Könige unb Bettler, nur Gute und Böse kennt, und ber seine Stellvertreter am strengsten zur Rechen­schaft zieht. Weh bem, ber biefe Uebercinfunft ber Völker nicht versteht, Fluch bem, ber sie nicht ehrt!" Sv ist ber alte Herzog ber tragische Helb bes Dra­mas, ber aus bem tiefen Begreifen biefer lieber» einfunft der Notwendigkeitdas reinste Opfer" dar­bringen muß unbnicht fragen darf, was es ihn kostet".

Dr. Hannes Razum wollte mit feiner Regie, wie er im Programmheft andeutet, das Balladeske im Hebbelfchen Drama, bas schlicht Volksliedmäßige herausarbeiten. So blieb ber Akzent vielleicht länger, als es ber Erkenntnis bes Grunbproblems bienlich war, auf der Liebesgeschichte des jungen Bayern- Herzogs und der schönen Baderstochter, die durch weise Zusammenraffung in ihrem ekstatischen Rausch und ihrer schmelzenden Süße wirklich wie eine Ballade gestaltet war, überzeugend unb ergreifend zugleich, während das ihr entgegengestellte eiserne Postulat der Pflicht des alten Herzogs sich erst lang­sam aus einer kühl akademischen Atmosphäre be­freien konnte, um dann freilich in der Kerkerszene zwischen Preising und Agnes scharf herauszutreten und in der großen Schlußszene auf dem Schlachtfeld vor Straubing in der Auseinandersetzung zwischen Vater und Sohn in großartiger Steigerung zur Entscheidung gestellt zu werden. Da hatte auch Hans G e i ß l e r als Herzog Ernst seinen großen Auftritt, bei dem er aus der fast trockenen Gehaltenheit der erften Szenen in wuchtiger Sprache zu jener sitt­

lichen Größe aufsteigt, die Unerhörtes forderst darf« weil sie an sich selbst die gleiche Forderung stellt. Hans Caninenbergs Herzog Albrecht war der sttahlende, liebestrunkene junge Fürst, wie ihn Heb­bel in Augsburg ber Baberstochter gegenübertreten läßt, reich an Schattierungen in ber letzten stillen Abschiebsstunbe ber Straubinger Kennnate und dann, nach dem Rasen der Schlacht, am Vater em» porwachsend zur fast stummen lleberroinbung und zum Sieg über sich selbst. Ganz einheitlich auf ihrer Linie fortschreitend von ber keuschen Schlichtheit des liebreizenden Bürgermädchens der ersten Szenen bis zu erschütternder menschlicher Größe im Kerker die Agnes Jngeborg Riehls. Viktor von Gschrneidler gab den Kanzler Preising als überlegenen Staatsmann, aber mit warmem Gefühl für das Furchtbare des Unausweichlichen. Siegfried Lowitz war als Graf Törring unter ber Maske bes ironischen Spötters ber seinem Herrn bis zum Tode getreue Ritter, Karl Dolck, der schlichte, doch selbst­bewußte und auf feinen Bürgerstol^und seine Daterehre pochende alte Bernauer. Mit ihnen ver­einte sich die große Zahl der übrigen Mitwirkenden zu einem wohl akzentuierten Ensemblespiel, das den Absichten der Regie in großer Geschlossenheit Aus­druck gab. Das Bühnenbild Karl Löfflers, eine wuchtige Stadtmauer mit gotischem Bogen, Altan und Treppe, erlaubte durch geschickte Andeutungen der Jnnenräume einen schnellen Szenenwechsel, der der bewegten, sich nach der Kerkerszene noch zu äußerster Spannung steigernden Aufführung zugute kam.

*

Bevor der Vorhang sich hob leitete das Städtisch« Orchester unter Stabführung von Paul W a 11 e r bie Eröffnungsvorstellung im festlich geschmückten Hause mit ben ernsten, weihevollen Klängen ber Egmont- Ouvertüre Beethovens ein. Dr. Hannes Razum als stellvertretender Intendant richtete eine kurze Ansprache an die Versammelten, in der er mit dem Vorurteil ins Gericht ging, daß das Theater nicht zeitgemäß fei, unb bie große Aufgabe berausftellte, zu ber bie beutsche Kunst und vorweg das deutsche Theater gerabe in biefer Stunbe berufen fei. Zu­spruch, Kraft und Ermunterung wolle bas Theater allen geben, bie danach suchten. Der Redner schloß mit einem warmherzigen Appell, das Wollen des Theaters zu begreifen und zu würdigen. Künstler und Zuschauer gemeinsam erst machten das deutsche Nationaltheater aus, wie es erstrebt werde. Eine erfreulich große Theatergemeinbe folgte bann mit wachsenberÄnteilnahme ber Aufführung bes Hebbel- schen Dramas und bankte zum Schluß ergriffen dem Regisseur und seinen Künstlern für einen Abend ernster Besinnung in großer Zeit.

Dr. Fr. W. Lange,