Ausgabe 
1.7.1939
 
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1./2.ZUUMY

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Nr. 151 vierter Blatt

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Ernste Arbeit. Beim Studium der Fachliteratur.

Regelmäßig werden

Auch die Musik wirft gern und eifrig gepflegt.

kannte mit dem Geld

Kamerad- noch die

Kamerad- insbeson-

Dem Gießener Studententag 1939, der in den Tagen vom 6. bis zum 9. Juli die Studenten in unserer Stadt zu feierlichen Stunden, zur sportlichen Leistung, zu einem Tag der Wissenschaft und in großer Kameradschaft vereinigen wirb, ist ein Wart des Stellvertreters des Führers, des Reichsministers Rudolf Heß, vorausgestellt, das sicherlich von den Studenten unserer Gegenwart gut verstanden wird. Es lautet-Richt der Titel, nicht der Rang sichern

Euch auf die Dauer Autorität, sondern Eure Hal­tung und die Frucht Eures Wirkens!"

Im Geiste diess Wortes aus berufenem Munde, gesprochen beim Deutschen Studententag 1938 in Heidelberg, vollzieht sich die Arbeit im National­sozialistischen Deutschen Studentenbund (NSDStB-), vollzieht sich die Arbeit des deutschen Studenten überhaupt, denn der Student weiß, daß von ihm das Letzte un äußerer und innerer Haltung ver­langt werden muß und daß er mit seiner Leistung der' Zukunft und den großen Aufgaben unserer Volksgemeinschaft zu dienen hat. Für die wissen­schaftliche Leistung gibt ihm die Universität das Rüstzeug die innere und, äußere Haltung, die der Student in der Gegenwart schon zur Univer­sität mitbringen muß, kann er im Leben der Kame­radschaft beweisen, in ihr kann er sie vertiefen und verstärken. In der Kameradschaft des NSDStB. muß er seine innere und äußere Haltung auch

täglich neu beweisen. Dem Leben in den schäften des NSDStB. seien diese Zeilen dere gewidmet.

In unserer Stadt gibt es acht solcher

leichten Säbeln wird zur

Vorbereitung für die scharfe Mensur gefochten.

Aus all dem, was bisher gesagt worden ist, geht schon hervor, daß es in der Kameradschaftserziehung um die ganze Person geht. Der Student im Groß- deutschen Reich hat sich aber nicht nur im Kreise seiner eigenen Kameradschaft zu bewähren. In den

Blick vom Haus der KameradschaftAdmiral Schoer" über Gießen zu Gleiberg und Vetzberg.

Stunden der politischen Erziehung gewidmet.

vergangenen Jahren unterzogen sich imitier wieder Studenten der hiesigeu Kameradschaften dem Ernte- Hilfsdienst, der sic schon verschiedentlich nach dem deutschen Osten führte, und zwar nach Oberschlesien, wo sie über mehrere Wochen den Bauern zur Seite standen. Mancher Gießener Student stellte sich (m öer keramischen und der Glasindustrie der Bayeri­schen Ostmark) in den Fabrikdienst und ermöglichte manchem Arbeiter einen über das Normale hinaus­gehenden bezahlten längeren Urlaub. Gießener Stu­denten waren zum Erntedilfsdienst in Einsiedeln, Oppeln, Groß-Strelitz, in Trockengriind und Groß- ftpiyi, und zum Fabrikeiusatz in Weiden (Oberpfalz). In diesem Jahre werden besonders viele Studenten für die Erntehilfe im Osten, an der polnischen Grenze eingesetzt, wo sie dem deutschen Bauern eine wertvolle Stütze sein sollen. Auch die Gießener Stu­denten werden beweisen, daß sie die Parole:Der deutsche Student bewährt sich im Osten!" verstanden haben In einer Kundgebung, die vor einiger Zeit in der Neuen Aula der Universität in Anwesenheit aller Gießener Studenten stattfand, lieft bcr Gau­studentenbundsführer die Größe der Aufgabe des Ernteeinsatzes im Osten erkennen.

Dieser große Ernteeinsatz beginnt am 15. Juli. Zuvor aber werden sich unsere hiesigen Studenten aus Anlaß des Gießener Studententages noch ein­mal in großer Gemeinschaft finden, ihre Gemein­schaft bewußt erleben, ihre Ausrichtung erfahren, um dann mit geschärften Sinnen nach dem deutschen Osten zu fahren und sich einreihen in der Front der Kämpfer und Arbeiter auf vorgeschobenem Posten.

finden sie sich ein zu der erwähnten Kulturarbeit, zum Studium der Fach­literatur, zur schriftlichen Arbeit, schließlich aber auch zum geselligen Bei­sammensein und zu hei­terer Gemeinschaft. Da wird das edle Schachpiel gepflegt und (wenn sich die Richtigen dazu fin­den) auch einmal ein Skat gedroschen nach allen Re­geln der Kunst. Da nun auch in jedem der Häuser Klaviere und andere Mu­sik-Instrumente zu finden sind, wird auch die Musik gepflegt. Der eine oder andere Student verbringt dabei manche Viertel­stunde am Klavier oder am Flügel, zum Ausgleich vielleicht für anstrengende Vorlesungen am Vormit­tag, übt ernsthaft oder phantasiert vor sich hin, solange bis es den anderen zu bunt wird...

*

Eine große Rolle spielt innerhalb der Kamerad­schaften auch die Leibes­übung. Regelmäßig wer­den durch die Kamerad­schaften Sportnachmittage abgehalten. lieber die Grundausbildung hinaus werden Fußball, Hand­ball und Basketball ge­pflegt. Von jedem wird verlangt, daß er sich darum bemüht, den Grundschein der Deut­schen Lebensrettungs-Ge­sellschaft zu erwerben, selbstverständlich wird auch die Leichtathletik in vielen Disziplinen gepflegt und auf eine gute Mann­schaftsleistung gesehen. Im Winter widmet man sich dem Hallenturnen, dem Boxen usw. Mit

Mantel an. Er hatte ein Gefühl der Befreiung, daß er nun den bedrückenden Wänden des Hotels ent­rinnen konnte. Frische Luft fehlt mir!, beruhigte er sich. Nur frische Luft!

Die Hotelhalle war voller Leben. Burd trat an den Enipfangstisch. Alles, was um ihn geschah, bekam etwas'Unwirkliches.Rufen Sie die Garage Alter Westen an! Mein Wagen soll vorfahren: Fragend sah er den Empfangschef an.^Grußen- dors, sagten Sie doch? Milmersdorfer Straße? 'Gewiß, Mister Burd." f t t

Wenn eine junge Dame nach nur fragt stc soll warten! Ich bin beim Notar!"

Ein Boy, der angerufen hatte, meldete:Die Garage läßt sagen, Mister Burd möchte fünf Minu­ten harten. Der Chauffeur sei noch nicht wieder da. Aber er werde sofort geholt."

Burd blieb einige Sekunden am Empfangstisch stehen Die Drehtür kreiste. Sie wehte eiben kühlen Luftzug von draußen herein. Wie em Verschmach­tender sog Burd ihn ein. Die Atemnot, unter per er litt, machte es ihm unmöglich, nur noch fünf Minuten in dieser menschendurchguirlten Halle zu verweilen. Sein Verlangen nach frischer Lust trieb

schrift gefälscht!" . ...

Der junge Mensch in der Lederjacke umgriff Burds Arm.Du kannst mich nicht enterben? Ich rechnen, und ich habe bannt

merodschaft gewählt, weil Admiral Scheer von großer nationaler Be­deutung und gebürtiger Hesse war. Eine zweite Kameradschaft (Fischer) hat das Recht, den Na­menUlrich von Hutten" zu führen. Diese Namen bedeuten eine Verpflich­tung. Die übrigem Kame­radschaften erwarten noch die Verleihung eines (selbstgewählten) Namens.

Die Arbeit derKamerad- schaftcn des NSDStB., die ihre Sammelpunkte und Stätten der ureigen­sten Arbeit in den Häu­sern der ehemaligen stu­dentischen Korporationen haben, ist reich und viel­fältig und erfaßt jeden einzelnen, fordert die Persönlichkeit eines jeden heraus. Da sind viele

Der Student in seiner Kameradschaft

Zum Gießener Studententag 1939.

Kameradschaften (Hillenbrand) hat als erste den NamenAdmiral Scheer" verliehen erhalten. Den Namen hat die Ka-

GROSSGARAGE

Öltet U/esten

Roman von Harald Baumgarten

Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35

schäften, die bisher und zum Teil jetzt

Namen der Kameradschaftsführer tragen.. Eine der

4. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Aber James Burd kannte die Gestalt.Er ist es!", zischelte er halblaut, unb .es war ihm, als griffe eine Hand nach feiner Kehle. Ich hätte ihm nicht schreiben sollen, daß ich nach Deutschland komme?, warf er sich vor. Also hier wartet er auf mich? Ob er sich einbildet, er könne mich um­stimmen? Er wird sich täuschen. Er ist unwürdig, ja unwürdig! Er ist ein Lump!

Ein lastender Druck preßte sich auf fein Herz, daß er ersticken zu müssen meinte. Mit einem Klirren schloß er das Fenster. Ballte die Hände zu Fäusten. Schweißperlen bedeckten seine Oberlippe.

Seine Gedanken verwirrten sich. Aus den Zim­merecken schien ihn das Gesicht des Mannes anzu­lauern, der unten auf der Straße stand. Sinnlose Befürchtungen überfluteten ihn. Dieser Lump, der sich nicht gescheut hatte, seinen Namen zu falschen, obwohl er nur Gutes von ihm empfangen hatte, würde auch vor keiner anderen Schandtat zuruck- schrecken. Er mußte ihn unschädlich machen? Seme letztwilliqe Verfügung mußte geändert werben. Keine Rücksicht mehr gegen biefen Menschen! Klipp und klar mußte därinstehen, daß dieser Mensch em Wechselfälscher und Betrüger war!

Als Burd sich an den Schreibtisch setzte, schwankte das Zimmer schon wieder. Er beachtete es nicht und griff mit zitternder Hand nach dem Brief, den er in feine Brusttasche gesteckt hatte. Ich werde noch einen Zusatz hinzufügenk, nahm er sichi vor. Einen Zusatz, der es ihm verleiden soll, das Desta- ment anzufechten! Aber die Krankheit, bie ihn nun schon feit Wochen mit dunklen Fittichen begleitete, lähmte seine Entschlußkraft und ließ feine Gedanken hin und her springen. Galt die Verfügung noch, wenn er jetzt einen Zusatz machte? Es gab da doch Bestimmungen, an die er sich nicht mehr klar

@rUfii«bfpr'id)t 3ames Burd, P°lasth°t°l. Ich hob- eine unaufschiebbare Sache mit Ihnen zu bespra­chen, Herr Notar. Kann ich Sie sofort aufsuchen ? H Die Antwort klang zögerndIch habe wichtigen Besuch hier. Hätte es nicht Zeit bis morgen

Nein nein! Ich muß es noch ^ute in Ordnung bringen!' Ich werde Sie nicht lange aufhalten.

Bitte Herr Burd! Kommen Sie!

Mit einem tiefen Atemzug legte der Alte den Hörer auf. Nichts kann mehr geschehen, wenn cch bas Schriftstück dem Notar gegeben habe! so ist es ordnungsgemäß... Umständlich zog er den dicken

zu laufen. , . v r

Zu einem Notar müßte ich gehen!, durchschoß es ihn plötzlich. Das wäre das Sicherste! Auch Char­lotte könnte in Gefahr geraten, wenn ich ihr das Schriftstück gäbe. Vielleicht sieht der Kerl sie ms Hotel kommen, verfolgt sie.

Es klopfte. Der Empfangschef erschien.Sie haben mich rufen lassen, Mister Burd?"

Ja", raunte der Alte mühsam und suhlte, wie jedes Wort ihm schwersiel.

Der Empfangschef erschrak. Mr. Burd sah ganz anders aus als vor drei Jahren, da er wer Wochen lang im Palasthotel gewohnt hatte. Ob er einen Arzt wünschte? _.

Burd sah ihn überlegend an.Nennen Sie mn einen zuverlässigen Notar!"

Notar Grußcndors ist ost für unser Haus tätig, Mister Burd. Bei Verträgen, die hier abgeschlagen werden, wirb er häufig zugezogen.

Danke. Wo wohnt er?"

In ber Potsbamer Straße ist sein Büro Seme Privatwohnung liegt nicht weit. In ber Wilmers- borfer Straße."

Ler^Empsangsckief verbeugte sich und ging.

Wieder griff Burd nach dem Telephonhorer. Verbinden Sie mich mit ber Pnvatwohnung des Notars Grußendorf in ber Wilmersdor er Straße!

Es bauerte eine geraume Weile, die sich fur Burb endlos dehnte. Dann kam eine Stimme:Notar

ihn auf bie Straße.

Feuchter Nebel schlug ihm entgegen. Am Borft- stein blieb er stehen. Obwohl bie Lust schwer und naßkalt war, vermeinte er, hier braufeen freier atmen zu können. Er fah sich um. Dort drüben mutzte bie Garage Alter Westen liegen. Warum sollte er hier an der Bordschwelle warten? Er konnte doch ebensogut die paar Schritte hinuber- gchen! Er wußte nicht, daß es eine Vorahnung war, die ihn so ruhelos machte.

Burd trat auf den Fahrdamm. Der Boy an der Drehtür des Hotels fah ihn im Nebel ver- ^Die^Aulos krochen nur; sie tuteten unaufhör­lich- ihre gelben Lichter suchten wie Fangarme. Mühsam ging Burd Schritt vor Schritt.

Aus dem Nebel tauchte eine Gestalt auf und kam wie ein schwebender Schatten auf ihn zu.

James Burd blieb wiederum stehen. Die gleiche, böse Eregung, die ihn am Fenster seines Hotel­zimmers überfallen hatte, packte ihn aufs neue. Da bist du ja -?" stieß er heftig hervor

Der junge Mensch sprach leise und hastig auf ihn ein.Anders kann ich dich ja mtd)t erreichen. Aber ich muß mit dir sprechen! Du darfst nicht wahrmachen, was du mir angedroht hast! Meine ganze Existenz wäre vernichtet ...

erinnern konnte. Zeugen mußten doch unter­schreiben?

Er würde den Empfangschef rufen! Seim Hand tastete nach dem Hörer des Telephons:, Schicken Sie mir sofort den Empfangschef herauf."

Unbeweglich wartete er. Wie die Luft in dem Zimmer ihn bedrückte! Die trockene Hitze war uner­träglich. Er hatte das Verlangen, auf die Straße

Burd lachte verächtlich auf.Deine Existenz?'' Er machte eine wegwerfende Handbewegung.Ich habe dich beobachten lassen, James. Du fühlst dich in der schlechten Gesellschaft wohl. Du willst nicht arbeiten. Aus allen Stellungen, bie ich dir vsrfchafft habe, bist du entlassen worden. Jetzt bist du zum Verbrecher herabgesunken: Du hast meine Unter-

Abende einer politischen Erziehung gewidmet, mancher Abend steht unter einem bestimmten Thema, bas her­ausgegriffen ist aus dem Lebensbereich unsres Volkes, fei es nun die Kolonialfrage, die Aufgabenstellung des deutschen Volkes im Osten, die Sache unserer Ausländsdeutschen, die Notwendigkeit der Nah­rungsfreiheit unseres Volkes, der Wehrhoheit usw. Und immer haben sich die Kameraden dazu zu äußern und sich darum zu bemühen, daß sie em Verhältnis zu all den Problemen gewinnen, die nun einmal unserem deutschen Volke gestellt sind. Es werden Leseabende veranstaltet, in denen die Besten unserer Nation zum Worte kommen. Immer auch werben dieAlten Herren", mit denen eine stete Verbindung zu pflegen ist, zu Vorträgen, oft­mals zu Lichtbildervorträgen, gebeten, die fur die jungen Kameraden immer ein reicher Gewinn sind.

Die Häuser der ehemäligen Korporationen sind Iden jungen Mannschaften eine stete Heimstatt. Dort

gerechnet." _,, . .

Burd tat, als höre er es nicht. Schleppend ging er weiter. ...

Aber der Schatten blieb bei ihm.Du zwingst mich zum Aeutzersten! Ich schrecke vor nichts zu­rück ..." ir,. -

,Das glaube ich. Aber ich habe meinen Entschlufz gefaßt. Er ist uniimstöfelich!" Burd schlug auf, seine Brust.Hier ist das Schriftstück! Ich bin auf dem Wege zu einem Notar; ich werde noch etwas hm-, zufiigen, das dich unschädlich machen wird. Mach, daß du fortkommst!" Er wollte schreien, aber [eine Stimme gehorchte nicht; nur1 ein heiseres Flüstern kam über seine Lippen.

Nun hatten sie die gegenüberliegende Straßenstite erreicht. Die Lichter der Großgarage Alter Westen kämpften sich durch den Dunst. Vorm Eingang |al> man verschwommen die Gestalt des Tankwarts; er stand neben der Benzinpumpe und war eifrig be­schäftigt, ein neues Reklamefchild zu befestigen.

Der junge Mensch, der im Nebel vor Burd aus-, getaucht war, blieb ein wenig zurück.

Das Blut rauschte wieder in Burds Ohren, wah* rend er vorwärtshastete. Die Garage kam ihm wis eine Rettungsinsel>vor, auf der er vor diesem Be­dränger Schutz Hüben konnte. Jetzt ging er an Huckemann vorbei, der sich kaum umblickte. Der Chauffeur Preetz würde sicherlich schon beim Wagen ^Jn feinen Gedanken sprach Burd bereits mit dem Notar... Der Tunnel, der dunkel vor ihm gähnte, war wie ein schwarzer Schlund. Er ging wie auf trügerischem Moor, das jede Sekunde unter ihm wegzusinken drohte... James Burd griff nach seinem Herzen. Es arbeitete schmerzhaft rasend. Ich müßte das Schreiben dem Tankwart geben, an dem ich eben oorbeiging!, dachte er verzweifelt. Aber er war schon zu tief in die Garage hinein* gegangen. (Fortsetzung folgt.).

Beim Schachspiel.Schwarz zieht und gewinnt."Kiebitze" spielen mit.