Ausgabe 
1.3.1939
 
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Nr. 51 Erstes Matt

189. Jahrgang

Mittwoch, I.Mrz 1939

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Argentinien und USA.

Von unserem as.-Korrespondenien.

Buenos Aires, im Februar 1939.

Wenn der Präsident der argentinischen Republik innerhalb weniger Tage zwei großen nordamerika­nischen Nachrichtenagenturen Interviews gibt, in denen er über die argentinisch-nordamerikanischen Beziehungen spricht, so möchte man zunächst daraus schließen, daß die H a n d.e l s o e r t r a g s v e r- Handlungen zwischen beiden Ländern an einem entscheidenden Punkt angekommen seien. Daß es sich dabei doch um eine Situation handelt, die nicht auf einen baldigen günstigen Abschluß der Verhand­lungen hoffen, sondern eher das Gegenteil erwar­ten läßt, geht schon aus den pessimistischen Betrach­tungen hervor, an denen die argentinische Presse in diesen Tagen reich ist und in denen sogar von einem Handelskrieg zwischen beiden Staaten gespro­chen wird. Zeitlich füllt das etwa mit dem Abschluß der Tätigkeit besonderer amerikanischer Wirtschafts­sachverständiger in Buenos Aires und mit ihrer Rückkehr nach Washington zusammen.

Die Aeußerungen des Präsidenten Ortiz unter­strichen lediglich den bisherigen argentinischen Standpunkt, daß die Vereinigten Staaten Zuge­ständnisse in der Frage des Fleischbezuges aus Argentinien machen müßten, wenn es zu einem Handelsvertrag kommen sollte. Da hierfür jedoch die Aussichten nach allen Berichten gleich null sind, schließt das die Feststellung ein, daß in der Abschnürung der amerikanischen Im­porte durch Argentinien, über die stets stärkere Klagen aus USA. kommen, vorläufig keine Aende- rung zu erwarten fei. Bekanntlich bewilligen die Ar­gentinier nur noch Devisen für 30 v. H. der ameri­kanischen Automobilimporte gemessen an den Zahlen des Jahres 1938 und für viele andere amerikanische Importartikel werden überhaupt keine Devisen oder erst mit großer Verspätung zugeteilt. Lediglich landwirtschaftliche Maschinen, auf deren Import die argentinische Landwirtschaft angewiesen ist, sind von den Restriktionsmaßnahmen ausgenom­men. Die Hoffnungen auf einen Vertragsabschluß müssen also als verschwindend gering bezeichnet werden.

Politisch dürften die Interviews von Ortiz in Nordamerika namentlich deswegen verstimmt haben, weil der argentinische Präsident ausdrücklich die nordamerikanischen Befürchtungen hinsichtlich eines U e b e r g r e i f e n s" europäischerfafchi -- stischer Mächte" auf. Argentinien in das Reich der Fabel verwies, und beim zweiten Interview auf eine diesbezügliche Frage hinnur vielsagend lächelte". Hinzu kommt noch, daß Ortiz in seinem ersten Interview den Nordamerikanern, die nur in Argentinien verkaufen, nicht aber auch die argentinischen Produkte abnehmen wollten, die Deutschen geradezu als Muster hin- stellte, denn die Deutschen wollten nicht nur ihre Waren absetzen, sondern kauften auch argen­tinisches Fleisch (und viele andere Produkte), ohne lange um den Preis zu feilschen. Solche und ähnliche Feststellungen sicherten den Erklärungen Ortiz' in Deutschland eine ebenso freundliche Auf­nahme, wie die Reaktion der Nordamerikaner un- fremÄlich war.

Eine recht heftig klingende Erwiderung haben die Ausführungen von Ortiz nun in diesen Tagen, wenn auch nicht von amtlicher, so doch von recht wichtiger nordamerikanischer Seite gefunden. Herr A b b i n k, der Präsident der Busineß Publishers Intern. Co. gab bei einer Veranstaltung der Nordamerikanischen Handelskammer in Buenos Aires Erklärungen ab, die an Deutlichkeit kaum etwas zu wünschen übrig lassen. Ihr Inhalt vermittelt zum mindesten ein Bild von der in der nordamerikanischen Geschäfts­welt gegenüber Argentinien herrschenden Gereizt­heit. Abbink meinte, es fei jetzt an der Zeit, offen und frei zu sprechen. Die in Argentinien verbreitete Ansicht, daß sich die nordamerikanischen veterinär- polizeilichen Bestimmungen lediglich gegen die Ein­fuhr argentinischen Fleisches richteten, und daß USA. zu wenig in Argentinien kaufe, sei irrig. Was den Export Argentiniens nach USA. angeht, so ließ Abbink Zahlen der Handelsstatistik aufmarschieren. Er kam zu dem Schluß, daß sein Land durchschnitt­lich an zweiter Stelle der Abnehmerstaaten Argentiniens steht. Argentinien entfalte demgegen­über eine Praxis, die nur Schwierigkeiten herauf­beschwören könne. Man könne sie sich nicht unbe­fristet gefallen lassen, zumal solche Praktiken sonst nur gegenüber gelegentlichen und zahlungsunfähigen oder -schwachen Käufern angewendet zu werden pflegten.

Argentiniens These vom angeblichen Devisen­mangel könne nicht überzeugen; denn die argen­tinischen Devisenreserven, vermehrt um die 25-Mil- lionen-Dollar-Anleihe des Jahres 1938, müßten ge­nügen, um der Republik auch über mehrere ungün­stige Jahre hinwegzuhelfen. Außerdem würden durch die argentinische Jmportpolitik auch nicht alle Län­der gleichmäßig betroffen, sondern in erster Linie die Vereinigten Staaten. Die Politik Argentiniens werde maßgeblich durch die Interessen der Vieh­züchter beeinflußt. Rechne man aber zusammen, was die Nordamerikaner an Wolle, Häuten, Neben­produkten der Viehzucht und an Büchsenfleisch tauf» ton, so sei das mehr, als der Wett der Fleischaus- juhr, und wenn die Amerikaner diese Käufe ein­stellten, so könne der argentinische Fleischproduzent nur noch zu Preisen exportieren, die für feinen Ab­satz ruinös hoch sein würden.

Er spreche nicht in amtlicher Eigenschaft, aber als Geschäftsmann könne er wohl feststellen, daß die nordamerikanische Industrie auf die Dauer keine Politik unterstützen werde, die zu einer Unterwer­fung unter diskriminierende Bedingungen führe, mögen diese nun bewußt geschaffen worden ober

unbeabsichtigt entstanden sein. Es komme der Augen­blick, da Geduld aufhöre, eine Tugend zu fein. Würden die Strafsätze des amerikanischen Tarifes auf Argentinien angewandt wie das während des Handelskrieges mit Australien geschehen sei, fo würde der Nachteil für die Nordamerikaner jedenfalls durchaus erträglich fein. Er wisse auch, daß in Washington Einflüsse im Vordringen feien, die sich gegen Fortsetzung der Handels­vertrags-Vorverhandlungen mit Argentinien aus­sprächen, so lange der Handel von USA. in Argen­tinien diskriminiert werde. Andererseits könne er versichern, daß Araentinien, wenn es nur wolle, einen Vertrag mit USA. haben könne, der den ar­gentinischen Handel mit Nordamerika, der sonst leicht verloren gehen könne, schütze. Ein solcher Ver­trag lasse sich fchnell und mit sofortigen Vorteilen erreichen. Voraussetzung sei aufrichtiger Wille und Anerkennung der Realitäten (was wohl bedeuten soll, daß man sich nicht auf die unlösbare Fleisch­frage versteifen dürfe). Amerika könne Zollherab­fetzungen gewähren, die eine sofortige Erhöhung der argentinischen Exporte nach USA? um 40 bis 50 Millionen Dollar voraussehen ließen.

Das bedeutet wohl, daß die bereits früher in Buenos Aires verbreitete Meinung bestätigt wird, als biete Nordamerika den Argentiniern handels­vertragliche Vorteile auf anderen Gebieten als auf

R. G. Rom, 28. Februar.

Die italienische Presse berichtet aus Tunis, daß dort militärische Vorkehrungen, die sich vor allem in Trupen - und Kriegsmaterialtrans­porten an die libysche Grenze und Maßnahmen gegen etwaige Luftan­griffe äußerten, lebhafte Beunruhigung hervor- gerufen hätten. Offenbar solle durch diese Zurschau­stellung militärischer Vorkehrungen und durch den Lügenfeldzug der jüdisch-marxistischen -Presse über angebliche Eingeborenenunruhen in Libyen eine kriegerische Atmosphäre gegen Ita­lien geschaffen werden.

Seit Tagen, so stellt der Vertreter des Mes - saggero in Tunis fest, begegne man nur noch Truppen- und Kriegsmaterialtransporten. Aus Tunis selbst sei das Militär fast völlig verschwunden und nach Süden zur libyschen Grenze abtrans­portiert worden. Jede Nacht träfen mehrere mit Kriegsmaterial, Zugtieren und Vorräten beladene Dampfer im Hafen ein, durchführen Truppen- und Kriegsmaterialzüge aus Algier den Bahnhof, wäh­rend die Stadt in aller Eile in Verteidigungszustand versetzt werde. Neue Luftabwehrgeschützte würden im Hafen aufgestellt. Die Eisenbahnbrücken und Benzintanks ständen unter militärischer Bewachung. Schützengräben würden ausgehoben und Luftschutz­zufluchtstätten eingerichtet. Die Folge dieser über­stürzten Maßnahmen sei eine allgemeine Panik­stimmung der Bevölkerung und eine schwere Stö­rung des Handels und der Industrie. Die Haupt­stadt von Tunis gleiche, wie der Vertreter des Po- polo di Roma berichtet, einem großen militä­rischen Zentrum in Kr i e gs z e i t e n. Damp­fer und Züge brächten immer neue Truppen und ungezähltes Kriegsmaterial. Das italienische Eisen­bahnpersonal sei durch naturalisierte Juden und auch einige Franzosen ersetzt worden. Die Spekulation der Juden sei bereits in voller Blüte.

Gleichzeitig meldet der Pariser Vertreter des Giornale d'Jtalia", auch in Frankreich s e l b ft lebe die italienfeindliche Pressehetze wieder auf. Die Inspektionsreise des gegenwärtig auf

London, 28. Febr. (Europapreß.) England er­höht seine Flottenausgaben um fast zwanzig Pro­zent. Der am Dienstag veröffentlichte Voran­schlag für den Haushalt öer Marine sieht Gesamt-Ausgaben von rund 153,5 Millionen Pfund (rund 1840 Millionen RM.) im Rechnungsjahr 1938/39 vor. Von dieser Summe werden rund 148 Millionen Pfund gegen 125 Millionen im Vorjahre, nach der mit den Haushaltsziffern zusammen ver­öffentlichten Erläuterung des Marineministers Lord Stanhope für die unmittelbaren Zwecke der Flotte verausgabt. Der Rest entfällt auf Pensionszahlungen und dergleichen. 80 Millionen Pfund von den Gesamtausgaben sollen auf dem Anleihewege gedeckt werden. (Im vergangenen Jahr war der Anleihebetrag 30 Millionen.)

Die Erhöhung der Flottenausgaben ist nach der Mitteilung des Marineministers in erster Linie dem großen Neubauprogramm zuzuschreiben, für das nicht weniger als 60,5 Millionen Pfund vorge­sehen sind. Das Programm umfaßt den Bau von zwei Großkampfschiffen, einem Flugzeug­träger, vier Kreuzern, 16 Zerstörern, vier Untersee­booten und einer ganzen Reihe kleinerer Fahrzeuge,

dem des Fleischexportes. Sollte Argentinien jedoch nicht auf diese Basis treten und an den Devisen­restriktionen feschalten, so drohe ein Handelskrieg. Es fragt sich nun allerdings, ob die öffentliche Be­kanntgabe solcher Drohungen das beste Mittel ist, um Argentinien zu einem oerhandlungstaktischen Rückzug zu veranlassen, oder ob nicht vielmehr die Argentinier aus Prestigegründen sich nunmehr ge­zwungen sehen, noch stärker als bisher an der, zudem zweimal durch Präsident Ortiz bekräf­tigten, Position festzuhalten. Es wäre nicht das erstemal, daß die Nordamerikaner gegenüber Ar­gentinien schwere psychologische Fehler begehen. An­dererseits darf man nicht übersehen, daß es auch in Argentinien eine starke Strömung gibt, bie für ein handelspolitisches Einvernehmen mit USA., auch unter Aufgabe bisheriger Derhand- lungspofitionen, und für die Vermeidung eines Han­delskrieges eintritt. So macht neuerdings ein Mit­glied der früheren argentinischen Delegation, die mit den USA. den bisher noch nicht ratifizierten Sanitätsvertrag von 1935 abschloß, dafür Propa­ganda, daß Argentinien den Wunsch auf Export von Gefrier- oder Kühlfleisch nach USA. vollständig aufgebe und sich darauf beschränke, lediglich Büchsenfleisch in größeren Mengen nach Nord­amerika auszuführen. Angesichts der zweifachen Be­stätigung der argentinischen Forderung, daß USA. argentinisches Gefrierfleisch kaufen müsse, in den kürzlich veröffentlichen Interviews des Präsidenten Ortiz, ist jedoch kaum damit zu rechnen, daß Ar­gentinien diese Wünsche tatsächlich nicht aufgeben wird.

der Rückfahrt nach Italien befindlichen General- stabschefs Marschall B a d o g l i o und die Verstär­kung der italienischen Garnison in Libyen die nach italienischer Darstellung nur tine Antwort auf die französischen Truppenzusammenziehungen ist würden von den Pariser Blättern als Einschüchte­rungsversuche oder Drohung gegen Frankreich hin- gestellt.

Demgegenüber verweist der Berichterstatter auf die Inspektionsreisen französischer Militärs, auf die neuerlichen französischen Truppentransporte nach Dschibuti und Tunis, die französischen Flugzeugankäufe in den Vereinigten Staa­ten und auf die Pläne, die in Frankreich lebenden A u Ständer und die geflüchteten s o w j e t s p a - nischen Milizen zum Dienst im französischen Heer zu zwingen. Auch die sich mehrenden Erklä­rungen französischer Politiker erwähnt der Bericht­erstatter, die man dahin zusammenfassen könne, jeder Quadratmeter Land, wo auch immer er sich befinde, sei lebenswichtig für Frank­reich. Die ständig wiederkehrende Versicherung, Frankreich seifriedliebend", veranlaßt den Bericht­erstatter zu der ironischen Feststellung, Frankreich habe allen Grund zur Friedensliebe, da es ja nur seinen Besitz festhalten wolle, während es Deutsch­land und Italien als kriegerisch und raubsüchtig hinzustellen versuche. Wie man1 sehe, befinde sich Frankreich tatsächlichauf dem Wege des Verständ­nisses und der Versöhnung" schließt der Bericht ironisch.

Labonne besichtigt Südtunesien.

Paris, 1. März. (Europapreß.) DerGeneral- resident von Tunis, Labonne, hat angekün­digt, daß er in den nächsten Tagen eine Besichti­gungsreise durch Süd- und Mitteltunis unternehmen würde. In der französischen Oesfentlichkeit werden die großen nächtlichen Luftübungen über dem Gebiet von G a b e s sehr beachtet, die gegen­wärtig von Flugzeugen des Mittelmeergeschwaders durchgeführt werden.

darunter sechs Motortorpedobooten. Außerdem soll ein Ersatzbau für die königliche JachtVictoria and Albert" begonnen werden. Durch die neugefor­derten zwei Großkampfschiffe wird sich die Zahl der in Bau befindlichen Schiffe dieses Typs auf neun erhöhen.

Abgesehen von dem neuen Bauprogramm sind nach der Mitteilung des Marineministers gesteigerte Ausgaben besonders für die Marineluft- wasfe, die W e rf t e n und das erhöhte Perso­nal zu verzeichnen. Der Bericht des Marinemini­sters beschäftigt sich auch mit dem Schutz der Handelsschiffahrt im Kriegsfall. Die Be­waffnung der Handelsschiffe kann nach den An­gaben des Ministers rasch durchgeführt werden. Mit Bezug auf die Rekrutierung spricht sich der Bericht befriedigt aus. Nur bei dem technischen Per­sonal sollen Nachwuchsschwierigkeiten besteyen. Der Mannschaftsbestand der Flotte für das kommende Jahr wird auf 133 000 geschätzt. Im vorigen Jahr erreichte er 146 500. Darin ist aber ein Teil der während der Krisenmonate mobilisierten Bestände einbegriffen. Einen besseren Vergleich gibt die Zahl für 1937/38, die sich auf 107 000 Mann belief.

Tag her deutschen Luftwaffe.

Volk, lerne fliegen.

und du wirst wieder Sieger fein "

Seitdem es diesem Jahrhundert vergönnt war, den Ikarus-Traum der Menschheit erfüllt zu sehen, hat sich die deutsche Jugend zur Fliegerei gedrängt. Mit großen Opfern erkämpfte sie sich ihren Anteil an der Erringung eines der größten Fortschritte der Weltgeschichte. Es ist selbstverständlich, daß sich das Flugwesen auch in den Dienst der Landesverteidi­gung stellte und daß junge Flieger sich hier er­probten und schließlich zu Leistungen emporwuchsen, mit denen sie ihre Namen in die Tafeln der Ge­schichte eintrugen. Der Krieg ist gewiß ein grau­sames Handwerk, aber zur Entwicklung der Flie­gerei hat er beigetragen wie nichts anderes zuvor.

Es war eine der brutalsten Bestimmungen des Versailler Diktats, die unserem Volke das Recht nehmen wollte, ein eigenes militärisches Flugwesen zu unterhalten oder die Jugend dafür zu schulen. Das wagte man den Mitkämpfern und Zeitgenossen Boelckes und Richthofens zuzumuten, aus der blas­sen Furcht heraus, daß dieses Deutschland noch ein­mal den Höhenflug wagen könnte? Der letzte Kom­mandeur des Geschwaders Richthofen, der Haupt­mann Göring, warf damals im November 1918 beim Abschied von den Kameraden in Aschaffenburg seinen Becher an die Wand: wir wollen nicht auf­hören, bis sich ein neuer Kampf erhebe, und dann werden auch die Flieger wieder zu ihrer Sache stehen. Wir vergessen nicht, wie in den folgenden Jahren der Entwaffnung unsere Jugend auf die Wasserkuppe zog, um ihre Kunst und ihre Sehn­sucht am Segelfluge zu erproben, nachdem das Motorflugzeug ihr verschlossen fein sollte. Es war der Ausdruck des höchsten Idealismus, der hier zum Volke sprach. Auch dieser Weg ist von Opfern be­gleitet gewesen, aber der Drang der Besten setzte sich auch hier siegreich durch: der Segelflug eroberte sich die Lust, Deutschland stand an erster Stelle.

Aber weit war der Weg bis zur Wiedererrichtung einer neuen Luftwaffe. Welche Schwierigkeiten und Opfer ihn begleiteten, das wird aus einer Veröffent­lichung des Generals der Flieger Wachenfeld klar, die in dem großen WerkeDie deutsche Wehr­macht 1914 bis 39" erschienen ist. General Wachen­feld erinnert daran, daß nach dem Versailler Diktat 15 000 Jagd- und Bombenflugzeuge und über 27 000 Motoren vernichtet werden mußten, dazu viele Hallen und sonstige Anlagen. Das Volk selbst war durch die Entbehrungen des Krieges zermürbt und allen pazifistischen Phrasen .zugängig. Versailles machte unsere prachtvollen Kriegsflieger brotlos, denn dem deutschen Volke blieb die militärische Luft­fahrt verboten. Nur ein verschwindend kleiner Teil konnte im Uebergangsheer Aufnahme finden. Haupt­mann Wilberg hatte im damaligen Reichswehr­ministerium eineFliegerzentrale" von drei (!) aktiven Offizieren. DieseZentrale" bearbeitete alle Fragen der Fliegerei in- und außerhalb des Heeres. General von Seeckt erkannte bald, daß das nicht genügte, er schuf bei den Wehrkreisen beson­dere Stellen in Form von Flieger-Referenten. Seine weitergehenden Pläne scheiterten an der pazifistischen Einstellung der Regierungen. Immerhin befanden sich im Rumpfheere 180 Fliegeroffiziere. Alle tech­nischen Neuerungen wurden sorgfältig verfolgt, das ehemalige Fliegerkorps wurde durch Hauptmann Wilberg imRing der Flieger" zusammengefaßt. Im Verkehrsministerium wurde eine Luftfahrtabtei­lung unter dem bekannten Kriegsflieger Hauptmann Brandenburg geschaffen. Es konnten größere Summen für den Aufbau der zivilen Luftfahrt be­willigt werden. Im ganzen wurde innerhalb der Wehrmacht ein festgegliederter Unterbau erreicht. General Wachenfeld saßt zusammen:Es ist dies ein großes Verdienst des Generals von Seeckt und feines Gehilfen, des jetzigen Generals Wilberg."

Am 1. Januar 1923 war Deutschland wieder Herr über seinen eigenen Luftraum. 1926 erhielt es zwar die Genehmigung, zu bauen, was es wolle, aber wieder blieb die militärische Betätigung ausgeschlos­sen. Im gleichen Jahre erfolgte die bedeutsame Zu­sammenfassung aller deutschen Luftverkehrsunter­nehmungen in der Deutschen Lufthansa. Sie übernahm unter der zielsicheren Leitung des Direktors M i l ch die Aufgaben für den Luftver­kehr und wurde bald führend in der ganzen Welt. Verkehrsfliegerschulen und Segelflughochschulen wur­den gegründet. Der Geist der Flieger wurde im Volke lebendig gehalten und besonders in der Jugend gepflegt. Es fehlte aber die zentrale Rege­lung und Führung; immer klarer wurde, daß nur die Zerreißung der Versailler Fesseln ein wirkliches Vorwärtskommen ermöglichen werde.

Von Anfang an war es der Wille des Führers, eine der Weltgeltung Deutschlands entsprechende Luftwaffe zu schaffen. Er gab nach der Machtüber nähme den Auftrag zur Gründung der Luftwaffe seinem Freunde und Mitkämpfer Hermann Göring. Zu seinem Stellvertreter und Organi­sator des neu zu schaffenden Ministeriums erwählte sich Göring den Leiter der Lufthansa, Direktor Milch, einen Kriegsflieger, der zunächst die zustän­digen Abteilungen des Verkehrsministeriums dem neuen Luftfahrtministerium zuführte. Das Heer gab eine große Anzahl von Offizieren ab, die schon im Kriege der Luftwaffe angehört hatten. An erster Stelle ist der inzwischen dem Fliegertod erlegene General Wever zu nennen. Es wurde emsig und energisch gearbeitet. Aufstellungen und Anlagen mußten zunächst getarnt bleiben, die neue Uniform der Luftwaffe durfte nicht gezeigt werden.

Am 1. März 1935 fiel die Tarnung für die Luft roaffe. Das Jagdgeschwader in Döberitz erhielt am gleichen Tage den Namen des großen Fliegerhelden Richthofen". Zur Erinnerung an diesen Tag hat Hermann Göring den 1. März zum Tag der Luft­waffe b-eftimmt. Am 16. März folgte die Verkündung

Frankreichs militärische Vorbereitungen in Tunis.

Lebhafter Widerhall in Italien.

England erhöht die Flottenausgaben um zwanzig Prozent.

Zwei weitere Großkampfschiffe im neuen Bauprogramm.