Ausgabe 
1.2.1939
 
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Nr. 2? Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Mittwoch. i.Zebruar 1939

Aus dem Reiche der Krau.

Die Kartoffel in der Ernährung.

Schön rötlich die Kartoffeln find, Und weiß wie Alabaster!

Sie däu'n sich lieblich und geschwind, Und sind für Mann und Weib und Kind Ein'rechtes Magenpslaster.

Matthias Claudius.

Die Kartoffel ist ein Nahrungsmittel^von ganz be­sonderem Wert. Einmal ist sie infolge ihres hohen Gehalts an Kartoffelmehl ein sehr nahrhaftes und dabei sehr billiges Nahrungsmittel. Außerdem ist die Verwendungsmöglichkeit im Haus sehr vielsei­tig, so daß dadurch der billige Preis und der hohe Nährwert in noch größerem Rahmen nutzbar gemacht werden können, ohne daß anderseits die Kost dadurch geschmacklich zu einseitig wird. Ferner sind Nährsalze und Vitamine in der Kar­toffel ebenfalls reichlich vertreten. Auch Eiweiß ist, wenn auch in geringer Menge, enthalten. Diese Vor­teile der Kartoffel vor manchen anderen Nahrungs­mitteln läßt sie geeignet erscheinen, einen noch viel weiteren Raum in unserer Ernährung einzunehmen, als das bisher der Fall war. Namentlich sollten die Hausfrauen dazu übergehen, mehr als bisher auch abends warme Kartoffelgerichte zu reichen.

Die Höhe der Kartoffelernte gestattet eine belie­bige Steigerung des Verbrauchs; der Durchschnitts­ertrag der Ernten in den letzten beiden Jahren liegt um rund 7 Millionen Tonnen höher als in den sechs Jahren vorher. Wie groß diese Erzeugungssteige­rung um 7 Millionen Tonnen überhaupt ist, ersieht man am besten daraus, daß der Verbrauch von Speisekartoffeln bis vor zwei Jahren jährlich etwa 12,5 Millionen Tonnen betrug. Der Verbrauchs­steigerung sind also keine Grenzen gesetzt. Der 15-v. H.-Erzeugungssteigerung muß eine ebensolche Verbrauchs st eigerung folgen.

Der Reichsnährstand empfiehlt u. a. die folgenden erprobten Rezepte.

K a r t o f f e l f u p p e mit Milch: 3/4 Liter Wasser, V2 kg Kartoffeln geschält und in kleine Stücke geschnitten, Suppengemüse, Liter Milch, gehackte'Petersilie, Salz, 20 Gramm Speck, 1 große Zwiebel, 1 Eßlöffel Mehl. Die Kartoffeln werden mit dem Suppengemüse in dem Wasser gar gekocht, durch ein Sieb gestrichen und mit der Milch noch­mals zum Kochen aufgesetzt, mit Mehl angedickt (damit sich die Kartoffeln nicht absetzen), mit Salz und Petersilie abgeschmeckt. Obendrauf gibt man die in Speck geröstete Zwiebel.

K a r t 0 f f e l b ä l l ch e n : 250 Gramm gekochte und geriebene Kartoffeln, 50 Gramm Fett, 1 Löffel Mehl, 1 großes Ei, Salz, evtl, geriebener Käse oder Muskat. Aus den Zutaten stellt man einen geschmeidigen Teig her, formt kleine Bällchen dar­aus, läßt sie in siedendem Salzwasser gar werden (Probekloß machen) und gibt sie in die Gemüse­oder Brühsuppe.

Kartoffeln in der Schale über­backen: Möglichst, kleine, gesunde rohe Kartof­feln werden gründlich gereinigt (evtl, mit einer Bürste) und halbiert. Die Schnittflächen bestreut man leicht mit Salz und Kümmel, legt die Kar­toffeln mit der Schale nach oben auf ein gut ge­fettetes Blech und läßt sie im Ofen in etwa einer halben Stunde gar werden. Bei dünnschaligen Kar­toffeln ißt man die Schale mit.

Kartoffelrand: 3/<1 kg gekochte Salz­kartoffeln, 100 g Fett, 2 Eier (das Weiße zu Schnee), Salz, Muskat oder geriebener Käse. Die Salzkartoffeln werden gar gekocht, abgegossen und durch ein Sieb oder eine Quetsche gedrückt. Das Fett rührt man zu Sahne, gibt Eigelb dazu und nach und nach die warmen Kartoffeln, zieht zum Schluß den Eischnee unter und schmeckt mit Salz, Muskat oder geriebenem Käse ab. Eine Reisrand­form wird gut ausgefettet, mit Semmelmehl aus­gestreut und der fertige Teig hineingetan (fest ein­drücken). Der Rand wird etwa 3/< bis 1 Stunde im Ofen gebacken. Gestürzt gibt man ihn mit Ge­müse gefüllt zu Tisch. Den Kartoffelrand kann man noch verfeinern, indem man abwechselnd Fleisch­reste oder Schinkenstückchen mit Kartoffelteig in die Form füllt.

Kartoffelpudding (salzig): 1 kg gekochte, geriebene Kartoffeln, 80 g Fett, 3 große Eier, Salz, 100 g geriebenen Käse. Das Fett wird mit dem Eigelb schaumig gerührt, die geriebenen, kalten Kar­toffeln und der geriebene Käse locker untergerührt. Zum Schluß zieht man den Schnee unter und schmeckt mit Salz ab. Dann gibt man die Masse in eine gut ausgefettete und ausgestreute Puddingform und laßt das Ganze ungefähr eine Stunde im Was­serbad gar werden. Gestürzt wird er mit Gemüse oder einer Tomaten-, auch Sardellensoße zu Tisch gegeben.

Gefüllte Kartoffeln: Gleichmäßige runde Kartoffeln werden geschält, ein Deckel abgeschnitten und ausgehöhlt. Man füllt sie mit Hackfleisch, das mit Ei, eingeweichter Semmel, Salz, geriebener Zwiebel, einer Prise Pfeffer angemengt ist und bindet den Deckel darauf fest. In etwas Fett brat man die gefüllten Kartoffeln an, gibt eine geschnit­tene Tomate ober etwas Tomatenmark dazu, füllt mit Wasser auf und läßt das Ganze langsam gar schmoren. Die Soße schmeckt besser, wenn man kurz vor dem herausnehmen der Kartoffeln etwas saure Milch anquirlt.

Leberkartoffeln: IV22 kg Kartoffeln, 250 g Leber, etwas Fett, 1 Zwiebel, Majoran, Thy­mian, etwas Mehl, 1 kleine Tasse saure Milch, Salz. Die feingehackte Zwiebel röstet man in etwas Fett an, gibt die in kleine Stücke geschnittene in Mehl gewälzte fieber und die Gewürze dazu und füllt mit Brühe aus Suppengemüse auf. Die ge­schälten, in Scheiben geschnittenen Kartoffeln wer­den dazu gegeben. Zum Schluß gießt man die saure Milch an und streut etwas Salz darüber. Das Ge­richt muß bei mäßigem Feuer in geschlossenem Topf langsam gar dämpfen (rd. % bis 1 Stunde).

Kartoffelauflauf, süß: 1 kg gekochte geriebene Kartoffeln, 75 bis 100 g Fett, 65 g ge­hackte Nüsse, Zucker nach Ges^mack, 3-4 Eier (ge­trennt), Salz, abgeriebene Schale einer Zitrone, geriebene Semmel. Fett, Zucker und Eigelb schaumig rühren, die geriebenen Kartoffeln, gehackte Nüsse und Zitronenschale dazu geben und zum Schluß den Schnee unterziehen. Die Masse füllt man in eine ausgefettete Auflaufform, streut ge­riebene Semmel darauf und belegt sie mit Butter­flöckchen. Bei Mittelhitze backt man den Auflauf un­

gefähr 3/t Stunde. Mit einer Saftsoße oder Kom­pott wird er zu Tisch gegeben.

Heringskartoffelsalat: 750 g gekochte, gepellte Kartoffeln, 2 saure, 2 Senfgurken, 4 Aepfel (säuerlich), Fleischreste, 3 Heringe, 3/8 Liter Butter­milch, Zwiebeln, Essig, Senf, Zucker. Alle Zuta­ten in kleine Würfel schneiden. Zuerst den Hering mit Aepfeln und Gurken vermischen, zum Schluß die Kartoffeln dazugeben. Eine Marinade aus But­termilch, Essia, Senf, Zwiebeln, Zucker und Salz Herstellen und über die anderen Zutaten geben. Den Salat gut durchziehen lassen.

Kartoffelgemüsesalat: V2 kg gekochte und geschnittene Kartoffeln, */2 kg gekochte Gemüse (Möhren, Bohnen, Blumenkohl, Kohlrabi usw.).

Praktische Hemdblusen in neuer Form schlagen wir schon heute für das kommende Frühjahr zum Uebergangskostüm vor.

Die Bluse oben ist aus weißem Piquä und hat kurze Aermel mit schmalen Aufschlägen. Die Faltenteile am Vorderteil ergeben oben die beiden Taschen mit den schmalen, geknöpften Klappen. Ver­schluß: kleine Perlmutterknöpfe.

Aus blaßgelbem, dunkelbraun ge­tupftem L a v a h l e ist die Bluse in der Mitte. Zu langen, weiten Aermeln mit kleinen Aufschlägen

Das erweiterte weibliche Pflichtjahr.

Gewisse Ausnahmen sind zugelassen.

Das neue Jahr hat in der Berufsausbildung der Mädchen eine bedeutsame Aenderung gebracht. In !Zukunft muß jedes ledige Mädchen unter 25 Jahren, gleich welchen Beruf es einmal er­wählen will, das P f l i ch t j a h r ableisten. Abge­leistet werden kann es im freien Arbeitsverhältnis im Stadt- oder Landhaushalt, im Hauswirtschaft­lichen Jahr, in der Hauswirtschafts- oder Ländlichen Hausarbeitslehre, im Landdienst, Arbeitsdienst und Frauenhilfsdienst des Deutschen Frauenwerkes. Ge­wiß mag es für viele Mädchen im Augenblick nicht ganz einfach sein, ihren Berufsweg derart verändert zu sehen. Aber war es bei den Männern anders, als die Einführung der zweijährigen Dienstzeit sie aus ihrem Beruf herausnahm? Sv wie die Militär­zeit Ehrendienst am Volk ist, ist es auch das Pflicht­jahr. Der Soldat erwirbt sich das Rüstzeug, um mit dem Schwerte die Heimat zu schützen und den äuße­ren Feind abzuwehren, das junge Mädchen aber ist berufen, eine Familie - vor Krankheit und Zerfall mit zu schützen; denn wenn die Kräfte der Mutter vorzeitig verbraucht werden, ist diese nicht in der Lage, weiterhin Mittelpunkt der Familie und stän­diger Berater und Kamerad van Mann und Kindern zu sein. Die überlastete Hausfrau kann einfach nicht mehr alle Arbeiten schaffen, die im Interesse der Familie getan werden müßten. Da ist das junge Mädchen, das ihr während des Pflichtjahres eine wesentliche Entlastung bringen wird, oft eine wesent­liche Hilfe im entscheidenden Augenblick.

Aber auch im Interesse der künftigen Familie des jungen Mädchens ist die Ableistung des Pflichtjahres wichtig. Hier lernt das Mädchen, einem Haushalt vorzustehen, ihn richtig zu führen und auch Kinder aufzuziehen. Daß zwischen Schule und Beruf ein Jahr der ruhigen geistigen und körperlichen Weiter­entwicklung liegt, ist für den weiblichen Körper nur zuträglich. Die ärztlichen Gutachten, dis über die gesundheitlichen Vorteile des im vorigen

Marinade aus: Essig, Oel, eine Prise Zucker, ge­hackte Kräuter, Salz. Alle Zutaten gut mitein­ander vermengen und mit der Marinade ab­schmecken, gut durchziehen lassen.

Kartoffelguargtorte: 250 g gekochte, geriebene Kartoffeln, 250 g trocknen Quarg, 12 Eier (getrennt), 150 g Zucker, 1 Päckchen Vanille­zucker oder Saft und Schale einer Zitrone, etwas Backpulver, 1 Prise Salz. Eigelb und Zucker schaumig rühren, nach und nach die Kartoffeln, den durch ein Sieb gestrichenen Quarg und die Ge­schmackszutaten dazu geben, zum Schluß den Schnee unterziehen. In einer Springrandform backt man die Torte ungefähr 11V< Stunde.

hat das Modell an runder Passe mit schmalem Roll­kragen ein eingelesenes Vorderteil.

Die langärmelige Bluse unten aus blau- grauem Waschflanell zeigt eine aparte, durch dunkelblaue Steppnähte betonte Schnittform. Die kleinen Knöpfe sind aus Stoff.

Aus weißem M a t t k r e p p ist die schlichte Bluse rechts mit den langen, weiten Aermeln, den Schulterteilen und der großen, dem Bündchen an­geschnittenen Schleife. H.

Jahr eingeführten Pflichtjahres vorliegen, bestättgen dies immer wieder.

Wer leistet nun das Pflichtjahr nicht ab? Zuerst einmal nicht die Mädchen, die schon im Ehrendienst der NS.-Frauenschaft den überarbeiteten Frauen Entlastung bringen. Dann ist für diejenigen, die bereits im Arbeitsdienst oder Landjahr waren, das Pflichtjahr verkürzt. Ebenso kann der Besuch einer staatlich anerkannten land- oder hauswirtschaftlichen Schule teilweise auf das Pflichtjahr angerechnet werden. Ausnahmen vom Pflichtjahr find auch für diejenigen zugelassen, die für den Unterhalt der Familie zu sorgen oder irgendwelche Gebrechen Ha­den. Auch die Mädchen unter 25 Jahren, die sich schon in einer Lehre oder ordnungsgemäßen Berufs­ausbildung, z. B. in einer Schule, an einer Univer­sität usw., befinden, werden im seltensten Fall noch zum Pflichtjahr herangezvgen. lieber alle Ausnah­men entscheiden die Arbeitsämter; denn sie allein vermögen im Einzelfall zu übersehen, wie­weit Ausnahmen wirklich berechtigt sind. Der Stich­tag des 1. März 1938 wurde gewählt, um einen einheitlichen Termin mit der vorjährigen »beschränk- ten Einführung des Pflichtjahres zu haben. Deshalb werden die Mädchen, die nach dem 1. März 1938 eine Anstellung in einem damals nicht erfaßten Be­rufszweig erhielten, jetzt nicht mehr zum Pflichtjahr herangezogen. Auch die Mädchen, die in einem freien Beruf, vollkommen selbständig, ihren Lebens, unterhalt verdienen wollen, sind vom Pflichtjahr be­freit. Sollten im Rahmen staats- und wirtschafts­politischer Aufgaben unbedingt Arbeitskräfte gestellt werden müssen, so können auch Pflichtjahrpflichtige von der Ableistung des einjährigen hauswirtschaft- lichen Dienstes befreit werden.

Im übrigen prüft, wie gesagt, jedes Arbeitsamt den Einzelfall und entscheidet danach; denn in jeder Stadt, in jedem Dorf werden die Verhältnisse an­ders liegen. Darum ist es ratsam, vor Beginn irgend­einer Berufsausbildung mit dem Arbeitsamt in Verbindung zu treten und sich dort beraten zu las­sen; denn es wird immer vorteilhafter fein, das Pflichtjahr vor Beginn einer Lehre usw. abzu­leisten. Sch.

Frühling im Minier.

Dieses Zusammenfallen der Jahreszeiten erlebt man in den großen Modehäusern: während die Schaufenster noch Abendkleider, Pelze, Sportmoden aller Art zeigen, bietet die Modeschau innerhalb des Hauses häufig bereits das Bild des kommenden Frühlings. Einfach-elegant und jugendlich das ist der erste Eindruck vom neuen Modebild. Die Rock­länge bzw. Kürze bleibt für das Tageskleid, ebenso die hüftlangen Jacken, an die man sich schon so gut gewöhnt hat. Neu ist, daß der M je­de r r 0 ck wieder stark in Erscheinung tritt, aller­dings wirkt er heute längst nicht so schwerfällig w'tt früher, da das Oberteil meist nur leicht angebeutet ober durch Einschnitte und reizvolle Linienführung sehr locker und graziös gehalten ist.

Knöpfe sind als Ausputz nach wie vor sehr beliebt, wobei mehr Wert gelegt wird auf schönes Material und originelle Formen als auf die Menge. Da gibt es Knöpfe in Form kleiner, weißer Masken von der tragischen bis zur heiteren Muse kann ihre Trägerin dis Wahl treffen. Neu find Knöpfe in Form von bunten Aepfelchen. Knöpfe in Form von geschlungenen Schleifen gibt es in verschiedenstem Material: Metall, Email, Galalith oder Bernstein. Für den Vormittagsgang gibt es lederüberzogene Knöpfe für das Jackenkleid, die. zu Handschuhen und Ledertasche passen.

Taschen und Säumchennäherei werden ebenfalls vielfach als Ausputz getragen. Taschen sieht man an einfachen wie an eleganten Tages­kleidern. Sie sitzen vorwiegend, einzeln oder paar­weise, aufgesetzt ober eingeschnitten, vorne in ber Hüftgegenb. Die aufgesetzten Taschen erschein-n in ben verschiedensten Formen: als Dreiecke, Halb­monde, als Tüten abstehend, offen oder zugeknöpft, vielfach find sie mit Futter in abstechender Farbe ausgestattet. Mit den Taschen wetteifert die Säum­chennäherei um die Gunst der Frauen. Nicht nur am Rack, an Jacken und Mänteln tauchen sie auf, auch die Taille wird mit ihnen versehen. Manchmal gehen sie von der Brustmitte strahlenförmig bis zur Hüfthöhe, und geben so dem gürtellosen Prinzeß­kleid Linie' und Schwung. Schlanke Figuren tragen gern quergenähte Säumchengruppen als Verzierung des einfarbigen Kleides. Das elegante Nachmittags­und daskleine Abendkleid" wird gern mit Draperien ausgestattet, sei es aus dem Material des Kleides, sei es aus andersfarbiger Seite ober Spitze. Diese Fältelungen, Raffungen, Volants unb weich- fallenben Stoffstücke, geben der Trägerin bie so sehr geschätzte, weibliche Note, unb passen gut zu bem von Locken umgebenen Haupt bcc Trägerin. D. S.

Kalte Füße - warmer Ofen.

Praktische Winke für die Winterzeit.

Das Deutsche Frauenwerk, Abt. Volkswirtschaft = Hauswirtschaft, Gaustelle Hessen-Nassau, Frankfurt a. M., schreibt:

Haben wir in den Wintermonaten oft kalte Füße beim Sitzen im Zimmer, so ist vielfach die Ursache, baß ber Mieter unter uns seinen Raum nicht geheizt hat unb ber Fußboden die Kälte bringt. Dann legen wir dicke Lagen Zeitungspapier unter ben Teppich. Die Fuhkälte wird halb verschwinbeu. Aber auch anbereWärmeräuber" wie unbichte Türschwellen ober Fenster müssen beseitigt werden. In bie Fensterrahmen werben Filzstreifen, die in Haushaltungswarengeschäften ober Tapetenhand- lungen zu haben sinb, festgeklemmt. Einfache Tuch­streifen tuen aber auch biefelben Dienste. Ebenfalls befestigt man einen Tuchstreifen an ber Türe, wel­cher bie Türschwelle abbeckt.

Aber auch unsere Zimmerblumen oertragen keine Kälte. Man stelle sie so, daß sie bie Zimmer­wärme mitbekommen, Blätter unb Zweige dürfen bie Fensterscheiben nicht berühren. Eine neue Pflanze ober auch Schnittblumen sind, wenn sie von braußen kommen, nicht sofort ins warme Zimmer zu bringen. Man läßt sie erst in einem nur über» schlagenen Raum einige Zeit stehen.

Stellen sich sonst im Haushalt noch Winter- erschein Ingen ein, z. B. F r 0 st, werben mir uns ebenfalls zu helfen wissen. Beim Putzen von Stein­fußböden setzen wir dem Wasser etwas Salmiak zu, damit er nicht gefriert. Unb wie schützen mir unsere Nahrungsmittel vor Frost? Die Kartoffeln sind richtig eingekellert. Die Keller merben frostfrei gehalten. Alle Kellerluken sind gut verstopft! Brin­gen mir frisches Gemüse vom Markt, melches ge­froren ist, muß dieses erst allmählich auftauen und darf unter keinen Umständen unmittelbar mit Wärme in Verbindung kommen. Man legt es am besten in kaltes Wasser. Salatöl gefriert auch sehr leicht. Wir stellen die Flasche dann in lauwarmes Wasser und lassen es langsam auftauen. Hat der Frost einmal unsere Wäsche, die im Garten zum Trocknen hängt, erwischt, nimmt man sie nicht ab. Gefrorene Wäsche darf nicht zusammengelegt wer­den. Das Gewebe wird an den Faltstellen brechen.

Zweckmäßig Heizen will verstanden fein! Die Kahlenvarräte sollen doch nicht vorzeitig verbraucht sein! Wir wollen doch nicht unausgenutzte Wärme zum Schornstein hinausjagen. Dadurch wird nicht nur unser Geldbeutel in Mitleidenschaft gezogen, wir versündigen uns auch an unserem Volksgut. Richtig und zweckmäßig heizen" ist die Parole für jede Hausfrau! Dazu muß sie vor allen Dingen ihre Defen sehr genau kennen. Vor dem Einlegen ist ber Ofen van aller Asche zu befreien, bas sind einige Minuten täglich, die sich die Hausfrau unbedingt nehmen muß. Der Größe des Rostes entsprechend wird Heizmaterial eingelegt. Ein großer Rost braucht immer mehr Glut zum Heizen, als ein kleiner. Das wäre eine falsche Sparsamkeit, wollte man auf einen großen Rost nur ein kleines Feuer entzünden. Die Jnwandungen des Ofens müssen voll erhitzt sein, ehe er Wärme nach außen abgehen kann. Selbst wenn die Hausfrau nach einigen Stun­den nochmals nachlegt, wird sie niemals die richtige Wärme erzielen können, als wenn sie beide Quan­ten auf einmal einlegt, und damit den Ofen gleich ordentlich durchheizt. Welche Menge an Heizmaterial nachher benötigt wird, liegt an ber Lage und Große des Zimmers. Viele Leute sind noch ber Ansicht, die Fenster sollen möglichst überhaupt nicht geöffnet werden. Im Gegenteil! Ab und zu am Tag mutz frische Luft ins Zimmer. Bekanntlich erwärmt frische, sauerstoffhaltige Luft den Raum. Abgesehen davon, daß sie zum gesunden Leben gehört, sollte man auch aus Gründen des sparsamen Heizens öfters alle Zimmer durchlüften.

' Was sollen wir tragen?

PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS