Ausgabe 
31.12.1938
 
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Insgesamt hat sich das Jugendamt im abgelaufenen

Jahr mit über 1000 Jugendlichen beschäftigt. Die Kraftfahrzeugstelle war zu An

Städte im Kreise Gießen halten Rückschau

und

was Und

Ich sehe doch, daß Ihr überreichlich Klee Kartoffeln als Aesung habt stehen lassen!"

Das hat der Frühere so gewollt!"

Ich nicht mehr, Uhlenkast. Ich schieße nur, mir zusteht. Wir wollen hirschgerecht bleiben.

Die Kraftfahrzeu g stelle war zu Anfang des Jahres 1938 besonders mit der Umschreibung »er Kennzeichen VO in VH beschäftigt. Im Kalender­ahr 1938 wurden vom Kreisamt Meßen insgesamt 2420 Führerscheine ausgestellt und 2370 Kraftfahr-

irgend so ein alter Beihirsch mit gutem Geweih wird uns immer noch vor die Büchse kommen."

Uhlenkast schob eine Buche in den Kamin, daß die Flamme hell aufloderte. Aus den brennenden Scheitern tropfte der Buchensaft. Ein herber Holz- duft erfüllte den Raum. Gott fei Dank, dachte er. Und dieser Spanier, dachte er, mußte ein anständi­ger Kerl sein.

Gibt es da bei Ihnen auch Hirsche?"

Rein, aber im Solinger Land, im Bergischen. Dafür aber brauch ich die Jagd auf Krickenten und Bekassinen nicht erst am Schweriner See zu lernen. Die habe ich oft auch in Spanien geschossen."

So! Der Alte nickte zufrieden. Und wie er denn eigentlich an den Schweriner See gekommen fei?

Der Alte schaute mit scharfen Augen durch seinen Pfeifenrauch. Er hatte das Trebbiner Boot längst bemerkt. Jago erzählte, daß er das Fräulein Hell­fahr von München her kenne. Und die habe ihm oft von dem schönen Mecklenburg und seinen Seen und Wäldern erzählt. Und er selbst habe schon längst vor­gehabt, sich in Deutschland anzukaufen, das ja schließlich das Land feiner Vorfahren fei. Und da sei ihm dann Plöhne angeboten worden und nun, er sei froh, daß er so unbedenklich zugegriffen habe.

Geld ist hier nicht zu verdienen!" sagte der Alte. Rein, aber auch nicht zu verlieren", sagte Jago.

Mus den sieben Gemeinden der sog. Laubacher Ecke wurden rund 40 Vormundschaftsfälle übernommen.

Uhlenkast saugte heftig an seiner Pfeife.

So!" sagte er befriedigt.

Dann sprechen sie über Jagd. Davon verstand der Spanier was, das hatte Uhlenkast sofort her­aus.

Und ein paar Hirsche sind auch jedes Jahr ge­schossen worben?"

Uhlenkast nickte.Meistens em Stück!"

Ich denke mehrere! In dem Bericht ..."

Ja, auf'm Papier. Aber das waren keine Hirsche."

Und wie stehfs Heuer?"

Wie bitte?"

Öb es in diesem Jahr auch einen Hirsch zu schießen gäbe?

Uhlenkast saugte heftig an seiner Pfeife.

»,Es sind alles Treckhirfche", sagte er zögernd.

Woher?"

Ostsee!" Er zeigte mit dem Kops hinter sich.

Das heißt: Ihr lockt den großen Nachbarjagden die Hirsche weg?" v

Uhlenkast saugte ruhig an seiner Pfeife.

Sie bleiben hier, und damit ist alles in schönster Ordnung!"

Er hatte Wert darauf gelegt, bei Uhlenkast einen guten Eindruck zu machen. Beziehungen zu den Hellfahrs hatte der Jäger offensichtlich.

Kommen Sie ö.fter nach Trebbin?" fragte Jago möglichst harmlos.

Bis dato nicht!" sagte Uhlenkast und lachte vor sich hin.

*

Am folgenden Vormittag das Wasser war wieder glatt wie Seide ruderte Uhlenkast seinen neuen Herrn über den See nach Trebbin. Von der weinumrankten Terrasse winkte ihnen Elisabeth ent­gegen.

Du bleibst zu Tisch", sagte Elisabeth zu Jago. Diesmal sollst du alles gründlich kennenlernen!"

Und sie war ihm eine Hausfrau von einer an­mutig beflissenen Liebenswürdigkeit, sie führte ihn in Küche und Keller, durch Hof und Garten, durch Scheunen und Ställe. Sie stieg mit ihm durch die Lindenallee zur alten Buche empor, damit er den Blick aus der Höhe habe über Gut und See bis nach Plöhne hinüber.

Da drüben wohnst du, hier wohne ich. Du hast dir ja drüben etwas Neues geschaffen, ich habe hier etwas Altes und mir unendlich Liebes zu verteidi­gen!"

Er sah sie fragend an.

Ja", rief Elisabeth, und sie war von einer über­mütigen Fröhlichkeit.Alles, was ich vor wenigen Monaten sagte, gilt nicht mehr. Du hast uns Frauen oft wankelmütig gescholten, nun, so will ich es schei­nen. Ich werde wieder Schauspielerin, und ich werde es mit neuer Freude und Kraft, mit ganz neuen Impulsen und Zielen! Nicht aus Eitelkeit und Selbstsucht, auch nicht aus Geltungsdrang und Schasfenstrieb, nein, Jago, aus Liebe zur Heimat, aus Liebe zu Trebbin!"

Nun war es freilich an Jago, ein wenig erstaunt und erschrocken zu fein, Elisabeth erzählte ihm alles, was er über Karl Hellfahrs schwierige Lage bereits wußte, sie berichtete auch, daß sie mit ihren tausend Peseten dem Bruder schon geholfen habe.

Ich muß arbeiten, Jago, und verdienen. Meine Arbeit hat ein ganz neues Ziel. Meine Berufung zur Kunst bekommt einen neuen Inhalt. Mein gan­zes Leben,hat Sinn und Zweck. Oh, ich bin froh, daß ich etwas kann und daß ich dies Können in den Dienst einer so schönen und gewaltigen Aufgabe stel­len darf. Willst du mir helfen?"

Wie soll ich bas, Elisabeth?" Er war traurig. Ihm schien für eine Frau die Liebe Ziel genug.

Du hast so viele Verbindungen in München, in

Äeue Tatkraft in Grünberg.

Der Leiter der Stadt G r ü nb e r g, Bürgermeister Kraemer, konnte in der Unterredung mit uns über vielseitige kommunale Arbeit im Jahre 1938 Berichten. Zunächst möchten wir als bedeutsamen Ausgangspunkt die Einführung von Bürgermeister Kraemer in das Grünberger Bürger­meisteramt im März 1938 verzeichnen. Von diesem Zeitpunkt ab ist ein neuer, vorwärtsstreben- der Zug in der (Brünberger Verwaltung verspürbar.

Was schon lange notwendig war, wurde von dem Neuen Bürgermeister mit Tatkraft angepackt: näm­lich ein zeitgemäßer Umbau des Rat­hauses mit entsprechender Gestaltung der Dienst­räume. Sehr beachtenswerte Ergebnisse hat diese Arbeit beretts gebracht. Weitere fruchtbare Tätigkeit auf diesem Gebiet wird das kommende Jahr bringen.

Neben Verbesserungen im Straßen­wesen der Stadt hat sich der neue Bürgermeister besonders auch um die Förderung sport­licher Interessen auf breiter Grundlage in anerkennenswerter Weise und mit gutem Erfolg bemüht. Hier ist vor allem der neue städtifche Schieß st and mit Schießhalle in der landschaft­lich schönen Gegend des Schwimmbades hervorzu­heben. Dieser Schießstand steht allen Formationen der Bewegung und den alten Soldaten im NS- Reichskriegerbund zur Verfügung. Der Schützen­verein Grün berg soll aber auch zu neuem Leben erweckt und ihm durch die Zuführung junger Kräfte die weitgehende Nutzbarmachung des Schieß­standes anoerfraut werden. Das Schwimmbad vor den Toren der Stadt, eines der schönsten Bäder in Oberhessen, ist teilweise erneuert worden, so daß es zusammen mit dem geplanten Sportplatz und dem künftigen H I. - H e i m , wie auch mit dem Schieß st and und dem Platz für das H I. » Zeltlager ein bedeutsames Stück der städtischen Arbeit zur sportlichen Ertüchtigung junger Men­schen fein wird.

Die Finanzwirtschaft der Stadt hat sich In zufriedenstellender Weise gestaltet. Schulden­tilgung und gesetzliche Rücklagen wurden planmäßig vorgenommen, zugleich ist bei den Rücklagen auch an die künftigen großen Aufgaben und Verpflich­tungen der Stadt gedacht worden.

Die Wohnungsbautätigkeit ging in an»

ß anbrat" zu führen habe. Der Kreis Gießen heißt in ZukunftLandkreis Gieße n", im Gegensatz zu dem Stadtkreis Gießen. Damit ver­schwindet in Hessen im Zuge der Vereinheitlichung der Titel des Kreisdirektors, den die Leiter der hessischen Kreise seit 13. März 1917 auf Bestim­mung des Großherzoas Ernst Ludwig hin an Stelle des früheren TitelsKreisrat", der durch Edikt vorn 6. Ium 1832 eingeführt worden war, geführt hatten.

Der neue Landratstitel ist in der Geschichte der hessischen Verwaltungsorganisation nichts Neues. Auch in Hessen gab es schon Landräte. Nach Ein­führung der konstitutionellen Verfassung vorn 17. De­zember 1820 waren durch Entschließung oom 14. Juli 1821 bei den unteren Verwaltungsbehörde^ in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen Landrats­bezirke mit Landräten geschaffen worden. Diese Landratsbezirke waren jedoch lediglich staatliche Ver­waltungsbezirke. Eine Selbstverwaltung gab es da­mals noch nicht. Im Gegensatz zu diesen alten hessi­schen Landräten ist der bisherige preußische Landrat sowohl Leiter des Kreises als staatlicher Verwal­tungsbezirk als auch Leiter des Kreises als Selbst­verwaltungskörper. Die Stellung des preußischen Landrats stimmt also insoweit mit der des bisherigen hessischen Kreisdirektors überein. Der bisherige hes­sische Kreisdirektor und ab 1. Januar 1939 Landrat hat aber entsprechend der hessischen Verwaltungs­organisation, die bis auf weiters noch bestehen bleibt, eine in vieler Beziehung erweiterte Zuständigkeit. Das witt) schon daraus leicht verständlich, daß es in Hessen im Gegensatz zu Preußen (Regierungspräsi­dent, Oberpräsident) zwischen Landesregierung und Kreisamt keine Mittelinstanz gab und gibt. Die in 1937 aufgelöste Provinzialdirektion war keine Mittel-

mit gleichzeitiger zweckmäßiger Unterbringung des alten Marktbrunnens, und auf eine Verschöne­rung des Kirchenplatzes mit dem Denkmal und des Kriegerdenkmalplatzes von 1870/71 abzielt. Wichtige Vorschläge und Planungen sind in einem unter Aufsicht des Londesdenkmal- pflegers ausgearbeiteten Projekt enthalten. In fer­nerem Zusammenhang damit sind noch einige U m - bauarbeiten im Rathaus mit dem Ziele einer weiteren Verschönerung dieses Baues ins Auge gefaßt. Die Finanzierung dieser neuen Bau­vorhaben ist schon jetzt weitgehend vorbereitet, wo­durch die Durchführung des Planes wesentlich ge­fördert wird.. Auch für den Friedhof sind Ver­schönerungen beabsichtigt; ein bekannter Garten­architekt soll nach dieser Richtung hin ein Projekt ausarbeiten. Im kommenden Frühjahr hofft die Stadt ferner mit dem Bau einer Siedlung, Und zwar zunächst drei Einfamilienhäuser, mit Gar­ten und Stallungen, beginnen zu können.

Bürgermeister Kraemer will keine Arbeit und keine Mühe scheuen, um die im Interesse der Stadt bis jetzt gesteckten Ziele baldmöglichst zu erreichen.

Gute Fortschritte in HulMU.

Der Leiter der Stadt Hungen, Bürgermeister Hofmann, konnte in einer Unterredung mit uns voll Zufriedenheit duf den Weg feiner Stadt im Jahre 1938 zurückblicken.

Die st ädtische Finanzwirtschafck ent­wickelte sich im Jahre 1938 planmäßig. Die gesetz­lichen Rücklagen wurden in dem vorgeschriebenen Ausmaß gemacht, ferner wurden noch Rücklagen für die Errichtung eines HJ.-Heimes mit Uebungs- ftätte und für andere wichtige Aufgaben vorgenom­men.. Der Schuldentilgungsdienst wurde zum Teil verstärkt durchgeführt, neue Schulden wurden nicht gemacht, so daß eine normale und gesunde Entwick­lung zu verzeichnen ist.

In einer Reihe von Straßen wurde das Kanal- n e tz erweitert, ferner wurden zur Förderung von Wohnhausbauten Straßen ausgebaut bzw. neu hergestellt.

Die Beschäftigung des Handwerks und des Ge­werbes war im Jahre 1938 andauernd zufrieden­stellend. Auch die beiden Sägewerke hatten einen erfreulichen Aufschwung zu verzeichnen. Die Ziegelei weist einen befriedigenden Beschäfti-

gemefjenem Rahmen vor sich. Es ist vorgesehen, auch in Zukunft den Erfordernissen des Wohnungs­baues alle Aufmerksamkeit zu widmen. Erfreulicher­weise , besteht auch Aussicht, im nächsten Jahre weitere gewerbliche Betriebe in Grün- berg erstehen zu sehen und damit für die heimische Wirtschaft neue Auftriebsfaktoren zu gewinnen. In­dustrie, Gewerbe und Handwerk waren auch in diesem Jahre gut beschäftigt. Arbeitslose sind schon lange nicht mehr vorhanden. Dagegen besteht auch in Grünberg das große Problem des Arbeiterman­gels, insbesondere auch für die landwirtschaftlichen Betriebe.

Die V e r k e h r s w e r b u n g hat sich die Stadt­verwaltung auch in diesem Jahre besonders ange­legen sein lassen. Die Werbegemeinschaft (GWG.) hat bei den Bemühungen zur Förderung des Wirt­schaftslebens in Grünberg mehrfach wertvolle Mit­arbeit geleistet, insbesondere durch die umfangreiche Lichtwerbung vor Weihnachten. In gleicher Ziel­setzung hat sich der Verkehrsverein allezeit tatkräftig um die Verschönerung der Stadt und der nächsten Umgebung bemüht, und er kann auf diesem Arbeitsgebiet eine Reihe guter Erfolge verzeichnen. Die Stadt hat in Würdigung dieser guten Mitarbeit den Zuschuß an den Ver­kehrsverein von 100 auf 300 Mark erhöht, um die Arbeit des Vereins damit weiterhin zu fördern. Der Fremdenverkehr hat sich dank aller die­ser Maßnahmen in diesem Jahre vedeutend erhöht und ist damit zu einem wichtigen Faktor für die Geschäftswelt geworden.

Auch auf dem Gebiete des Schulwesens hat die Stadt in der Landwirtschaftsschule eine neue Mädchen klasse mit zur Zeit 27 Schüle­rinnen, geschaffen. Die Oberschule für Jun- g e n hat eine weitere gute Entwicklung zu verzeich­nen. Angesichts der Ueberfüllung der Volksschule sieht sich die Stadt gezwungen, ein weiteres Schulhaus durch einen Neubau gegenüber 6er jetzigen Schule zu schaffen; die ent­sprechenden Schritte sind bereits eingeleitet, so daß im kommenden Frühjahr wohl mit dem Bau be­gonnen werben kann. Gegenwärtig sind in dem Volksschulgebäude auch 19 Berufsschulklassen unter­gebracht.

Eine weitere Verschönerung der Stadt wird gegenwärtig mit einem Projekt vorbereitet, das auf eine Neugestaltung des Marktplatzes,

instanz. Das war lediglich der Provinzialausschuß auf dem Gebiete der Verwaltungsrechtspftege. Dieses Verwaltungsgericht 2. Instanz besteht auch heute noch nach der Auflösung der Provinzen in dem Bezirks­verwaltungsgericht, von dem je eines den Kreis­ämtern Gießen, Mainz und Darmstadt angegliedert ist, und dessen Vorsitzender der Kreisdirektor dieses Kreises ist. Der ehemalige hessische Provinzialdirektor war, abgesehen von einigen nicht allzu bedeutenden Befugnissen, vor allem Leiter der Provinz als Kom­munalverband. In der Bestätigung als Kommunal­verband lag die nunmehr historische Bedeutung der hessischen Provinzen. Der Verfasser dieser Zeilen hat die besondere historische Ehre, der letzte Leiter der Provinz Oberhessen und der letzte Kreisdirektor des Kreises Gießen gewesen zu sein. Wenn auch die Aen» berung eines Titels keine besondere Bebeutung be­anspruchen kann, so rechtfertigt sie doch für den In­haber ein kurzes Besinnen und einen Blick zurück. Geblieben ist das Arbeitsgebiet. Das ist das Wesent­liche, und das läßt den Blick wieder nach vorwärts auf das vor uns liegende Jahr lenken.

Der Kreis Gießen hat zwar durch dieAuskrei - sungderStadtGießenein Drittel feiner Ein­wohnerzahl verloren, und er wird durch die bevor­stehende EingemeindungvonWieseckund Klein-Linden in den Stadtkreis Gie­ßen weiterer 6000 Einwohner verlustig gehen. Trotz dieses Verlustes an Steuerkraft aber wird er noch einer der größten Kreise Hessens bleiben und, wenn auch Einschränkungen mancher Art notwendig wer­den sollten, doch im Rahmen der hessischen Kreise seine Pflichten voll erfüllen für Deutschland und seinen Führer.

MlootWWIl?

Roman von Hubert Rausse.

Copyright by Albert Langen/Georg Müller, München.

19. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)

10. Kap'M.

Man kann nicht sagen, daß der Jäger Uhlenkast auf Plöhne besonders begeistert gewesen wäre, als er erfuhr, daß die ihm am>edräute Jagd nun von einem Spanier gekauft worden sei. Da wäre ihm säst der Berliner Lehmann noch lieber gewesen. Er schimpfte brummend vor sich hin und schüttelte seinen Kopf: Ein Spanier, der Schmid heißt.

Plöhne war ein alter Bauernsitz von hundert Morgen, davon die Hälfte Wald. Die schöne Lage am See und die gute Jagdgelegenheit hatten bas Gut in fremde Hände gebracht. Wenn es dennoch in bestem Stande war, so lag das an Jäger Uhlenkast, der nun mal zum Haus gehörte und von den wechselnden Besitzern wie ein wertvolles Erbstück übernommen wurde. Er lebte mit seiner alten Haushälterin in dem Bauernhaus' und hielt gleichzeitig das angebaute Jagdhaus in Ordnung. Das war ein niedriger Bau, der außer dem Not­wendigsten und einigen kleinen Schlafzimmern nur einen einzigen riesigen Raum enthielt: die Wohn­stube. Sie war im Halbkreis um einen gewaltigen Herd herumgebaut, der wie ein Opferaltar alles be­herrschte. Rechts war der Futterplatz wie Uhlen­kast sagte, links so eine Art Schreib- und Lese­ecke.

Das offene Feuer brannte und lohte. In den wenig benutzten Räumen konnte man das im Sep­tember schon gebrauchen. Jago hatte den Jäger zu feinen Rühreiern mit Speck eingeladen, und nun saßen sie gesättigt am flackernden Kamin. Uhlenkast legte sachgemäß die Buchenscheiter in die Flammen.

Und da haben Sie also Angst gehabt?" lachte Jago.

Bischchen schon", sagte Uhlenkast.Viel schlim­mer konnte es ja schon nicht mehr kommen; aber ein Ausländer, das war noch nicht da!"

Und jetzt wissen Sie, daß dieser Spanier doch ein Deutscher ist!"

Sagen Sie", fagte Uhlenkast,aus Solingen. Das kenne ich, ich meine Solingen. Aber was heißt eigentlich Jago?"

Jago? Das ist mein Vorname! Sie kennen doch die spanische Staat Santiago, gleich Sankt Jago, das ist soviel wie heiliger Jakobi"

zeugzulassungen vorgenommen. Bisher gehörte zum Arbeitsgebiet der Kraftfahrzeugzulassungsstelle auch das jetzige Gebiet des Stadtkreises Gießen. Mit dem 1.4.1939 wird die PolizeUnrektion in Gießen die Arbeit hinsichtlich dieses Gebietes übernehmen.

Die Kreiskasse Gießen hatte durch die in­folge der Auflösung der Provinz bedingte lieber» nähme der Kassegeschäfte als Auftragskasse der Lan­deshauptkasse eine bedeutende Erweiterung erfah­ren. Zu den eigentlichen Kassegeschäften des Kreises Gießen trat das umfangreiche Rechnungswesen für das Hess. Straßenbauamt, das Landes-Alter- und Pflegeheim, das Hess. Ehern. Untersuchungsamt und für Das neu geschaffene Bezirksverwaltungsgericht hinzu. Durch diese Entwicklung war der Kreis ge­zwungen, das Haus Hitlerwall 41 anzukaufen und die Kreiskasse dorthin zu verlegen.

Wenn ich meinen kurzen Streifzug über die vom Kreisamt Gießeü im Jahre 1938 geleistete Arbeit überschrieben habe mit dem Titel .Vorn Kreis» Direktor zum Landrat", so hat das seine be­sondere Bewandtnis. Denn durch 3. Verordnung siber den Neuaufbau des Reiches vom 28.11.1938 hat der Reichsminister des Innern bestimmt, daß tünftig das Hess. Kreisamt die BezeichnungDer Land rat" und der Kreisdirektor die Bezeichnung

gungsstand auf. Schon lange hat die Stadt Hun­gen keine Arbeitslosen mehr zu verzeichnen.

Die für Hungen vesonders bedeutsamen Märkte konnten in diesem Jahre wegen der Maul- und Klauenseuche leider nicht durchgeführt werden; ins­besondere war der Ausfall des Prämiierungsmark­tes und des Schafmarktes, des einzigen in ganz Oberhessen, für das Wirtschaftsleben der Stadt un­angenehm.

Bei der städtischen Waldwirtschaft ist ein erheblich höherer Einschlag von Nutzholz im Rahmen des Dierjahresplanes zu verzeichnen. Der Absatz dieser größeren Holzmenge vollzog sich in zufriedenstellender Weise, da fast ausschließlich die örtlichen Betriebe als Käufer des Holzes in Betracht kamen.

Beim Schulwesen trat die Oberschule für Jun­gen mit einer guten Aufwärtsentwicklung ihrer Schülerzahl besonders in Erscheinung. Dadurch

Ein glückliches neues Jahr

wünscht allen Freunden

A. Ruhl jr.

Gießen, Seltersweg 67

8308D

machte sich eine Erhöhung der Lehrkräfte auf vier erforderlich; eine fünfte Lehrkraft wird wohl vom nächsten Jahre ab noch beschäftigt werden müssen. Die seitherigen Räume für diese Schule sind nicht mehr ausreichend, so daß für das nächste Jahr Die Beschaffung neuer Räume vorgesehen ist und jetzt bereits als gesichert gelten kann.

Von den städtischen Aufgaben für 1939 erwähnte der Bürgermeister vor allem ein Siedlungs- Vorhaben in größerem Maßstab, mit dessen In­angriffnahme im Frühjahr 1939 zu rechnen ist und Dem eine Planung auf Jahre hinaus zugrunde liegt. Die Fertigstellung Der im Frühjahr 1939 beginnen­den Siedlungsbauten ist für den Herbst 1939 als gesichert anzusehen. Dadurch wird auch das Woh­nungswesen in Hungen eine erhebliche Verbesserung erfahren. Im Rahmen des Siedlungsvorhabens sollen ferner neue Straßen geschaffen werden, außerdem sind der Ausbau weiterer Stra­ßen und die Erweiterung des Kanal­netzes vorgesehen. Arbeiten der Reichsbahn in der Gemarkung der Stadt Hungen werden gleich­falls von erheblicher wirtschaftlicher Auswirkung fein und in Gemeinschaft mit Den städtischen Plänen eine weitere Belebung Der heimischen Wirtschaft herbeiführen. Alle Anzeichen Deuten Darauf hin, daß sich die Stadt Hungen auch im Jahre 1939 in gesunder Weise weiter entwickeln wird.

Laubach sehr zufrieden.

In unserer Unterredung mit Dem Leiter Der Stadt ß au bad), Bürgermeister Högy , stand Die Zu­teilung Laubachs und Der Laubacher Ecke zum Kreis Gießen als wichtigstes (Ereignis Des Jahres 1938 für diese Orte natürlich im Äord ergründe.

Neben der guten Lage der städtischen Fi- nanzwirtschaft, der weiteren planmäßigen Schuldentilgung, Der ausreichenden Stärkung der gesetzlichen Rücklagen und Der befriedigenden Ent­wicklung Der Steuereingänge ist vor allem die Tat­sache zu betonen, daß man in Laubach nach Dem nunmehrigen Stande Der StaDt mit einer weite­ren z u s r ie den stellenden Entfaltung aller städtischen Möglichkeiten rechnet.

Auf dem Gebiete des Straßenbaues hat Laubach die erfreuliche Tatsache zu verzeichnen, daß jetzt alle Haupt- und Durchgangssttaßen mit guten Fahrbahnen und mit neuzeitlichen Bürger­steigen versehen sind. Die Verschönerung Des Stadtbildes hat man sich auch im Jahre 1938 angelegen sein lassen. Hier ist vor allem zu beto­nen, Daß die StaDt Die Freilegung alter Fachwerkhäuser, Deren Laubach (einschließlich

Berlin, beim Brasky. Ihr habt eine Reihe von Nie­derlassungen in . Südamerika. Du bist ein Spanier. Streng Dein Denken mal an: wie und wo kann ich am besten mit meiner Kunst Das Geld verdienen. Das Karl gebraucht, um aus allen Schwierigkeiten herauszukommen?"

Jago sah schon seinen Plan. Er fannte Elisabeth, Fragen und Bedenken hatten gar keinen Zweck. Er fragte also auch gar nicht lange, sondern er schob nur seine große Hand zu ihr hinüber:

Schlag ein, Elisabeth!"

Sie legte ihre Hand in Die seine.

Du weißt, was Du tust. Du bist ja fein Kind mehr. Du weißt, daß Das Leben immer zweierlei ist: Freud und Leid, Erfüllung und Enttäuschung, Sieg und Niederlage. Wir wollen uns nicht unter­kriegen lassen, und ich will Dir helfen um Der Hei­mat willen."

Am Mittag saßen sie um den runden Tisch auf Der Veranda. Jago hatte den Ehrenplatz, Der Den vollen Blick freigab über Den See, ihm zur Rechten Die Mutter, zur Linken Elisabeth, Dann der Vater, Karl und irgendwo saß, wie damals in allen deutschen Häusern, auch Die Frau Sorge mit am runden Tisch als grauer Gast.

Wie gern hätte Jago sie vertrieben!

Elftes Kapitel.

Jte Fall! Jte Fall!

Auf einmal kannten alle Berliner den Namen.

Erst flüsterte man ihn in den literarischen Zir­keln, bann stand er an allen PlakatsäulenDie Tochter des Kunstreiters", in Der Titelrolle Jte Fall, Dann kam Der glänzende Erfolg dieser Er­öffnungsvorstellung, und mit einem Schlage war Das Theater am Kurfürstendamm, waren Jte Fall und Doktor Brasky im Mittelpunkt Der öffentlichen Anteilnahme.

Wien, das feine Inflation schon hinter sich hatte, war modern und führend in Berlin. Das Wiener Theater zog.

Jte Fall machte volle Häuser.

Und Jte Fall fand sich in Der neuen Rolle des Stars mit jener unbefangenen Sicherheit zurecht, Die das kleine Mädel schon im Ottakring ausgezeich­net hatte. Jte ließ sich nicht verblüffen. Das ewig hetzende Berlin mußte sich ihre Anerkennung müh­selig erringen.

Was arbeiten S' Denn? Sie rennen alleweil um« ananD. Wie die Ameisen!"

Eine Pressemann notierte schon. Alles, was Jte sagte, war wissenswert; alle illustrierten Blätter zeigten ihre Bilder.

(Fortsetzung folgt!)