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mer der diesjährigen Hauptversammlung derGe­sellschaft für Geschichte der Pharmazie" in München gesehen haben, was für ein Werk hier im Wer­den ist.

Anders als alle bestehenden Einrichtungen geht dieses Museum an sein Thema heran. Wenn das Germanische Museum zu Nürnberg seine Sammlun­gen als Teilausschnitt aus der allgemeinen Kultur­geschichte, das Deutsche Museum zu München seine als Sektor der Abteilung Technik und Chemie zeigt, so wird hier zum erstenmal die Absicht verwirklicht, das gesamte Apothekenwesen rundum in seiner geschichtlichen Entwicklung, vor allem mit dem Kern einer ausgiebigen Arzneimittelschau aller Zeiten, darzustellen. Auf diese Weise ist ein wahren Apotheken-Spiegel entstanden, in den zu schauen es nicht nur den Apotheker und den Arzt reizt, sondern auch den Kulturhistoriker und den Kunstfreund, den Wissenschaftler wie den Laien.

Das kostbarste Besitztum des Museums, die zwei­hundert Jahre alte Einrichtung der Elefanten- Apotheke aus Regensburg, ist nur durch einen glücklichen Zufall auf unsere Tage gekommen. Als vor hundert Jahren der damalige Besitzer sich entschloß, seine Apothekemodern", d. h. ini Bie­dermeierstil einzurichtenDas alte Zeug kann man nicht mehr anschauen!" mag er von dem präch­tigen Barock gesagt haben verwandte er den ab« geschobenen Plunder als Materialkammer. Hätte er geahnt, daß diese Dinge noch einmal das Schmuck­stück des Deutschen Apotheken-Museums bilden wür­den, so wäre er zeitlebens aus dem Kopfschütteln nicht herausgekommen. Die. Zahlen an den Schub­laden find Elfenbein-Intarsien', köstliche Nürnberger Fayencen leuchten aus den Regalen; rund um den Rezepturtisch der aus der Di n k e l s b ü h l e r Löwenapotheke stammt breitet sich das scheinbar abenteuerlich-pompöse, in Wirklichkeit recht ernschafte und nüchterne Medi^inmannswesen aus. Lassen wir uns nicht vom Krokodil, das unter der Decke baumelt, und vom Totenschädel, der im Halb­dunkel dämmert, irre machen: es war eine recht gute Kunden- und Verkaufspsychologie, die die alten Apotheker trieben! Und lächeln wir nicht über kuriose Animalia oder Mineralia; manch eines dieser Dieb geschmückten Mittel erweist sich vor der neueren Forschung als ein zwar unbeholfener, aber damals bestmöglicher Versuch, das Richtige zu treffen. Da sieht man eine Darstellung der berühmten Steinol- brennerei von Seefeld in Tirol aus der Zeit ums Jahr 1800; dieDirscheler" trugen das. Steinöl in Holzfäßchen von Stadt 311 Stadt, von Land zu Land. Wogegen soll Steinöl wohl gut sein? Nun, der Fachmann belehrt uns, daß heute noch sowohl Seife wie Salbe aus Seefe'lder Oel das beste äußer­liche Mittel gegen Karfunkel sind. Oder da heißt ein Vers aus DechersParnassus medicinalis pon 1680:

Zerlassen Menschen-Fett ist gut vor lahme Glieder, So man sie dckrmitt schmiert, sie werden richtig wieder." Auch hier hat die. neuere Erkenntnis . Sinn in den sogenannten Unsinn gebracht: heute wissen wir, daß es gegen Gelenkentzündungen und Knochen- hauterkrankun^en kaum ein besseres Mittel gäbe als Axungia hominis, Menschenfett; leider ist es nur an denjenigen Stellen im Ueberfluß vorhanden, wo es gar nicht heilsam ist. So ergeben sich zahllose Beziehungen zwischen dem Heute uni) dem Ehs- gestern, -und ein junger Pharmazeut kann hier in

wenigen Stunden um viele Jahrhunderte Ater und' weiser werden.

Zwischen Schmelztiegeln und Kochflaschen, Retor­ten und Rundkolben wandelnd, durchmessen wir die ewigen Bemühungen des Menschen, seiner Leiden Herr zu werden, vom ersten Balsam der Germa­nenfrauen bis zum Ehinin und Germanin. Was für Geschichten könnte jene kleine Reiseapo­theke aus dem 18. Jahrhundert erzäh, len, mit 60 winzigen Fläschchen gefüüt, jedes kaum daumennagelhoch, das ganze nicht größer als ein Kartenspiel! Daneben eine frühe zierliche Tropen- a p 0 t h e k e, mit drehbaren Seitenflügeln, ein kleiner Hausaltar der Hygiene. Noch überraschender jenes englische Arztbesteck aus Rhode- sien, das in Form eines eleganten Damenziga­rettenetuis alles vereint, was ein britischer Stabs­arzt im Weltkrieg brauchte. Und nicht weit davon wird die Erinnerung heraufbeschworen an jenen alten Ostafrikaner Dr. Schulze, der ein ganz großer Apotheker war und der unter den primitivsten Der- hältnissen, als der Medikanuintennachschub aus der Heimat aufhörte, selbständig Chinin herstellte: er rettete damit die Schutztruppe vor dem Untergang.

Alles aber, was sie erzählen, spricht gleichzeitig mit für diese Gründung, die das lebendige Denkmal vom Werden einer großen deutschen Wissenschaft ist. Wer das Museum besucht, wird eine Welt finden, die weiter und tiefer ist, als er je gedacht hat die Welt um den Rezepturtisch.

Dr. Hans Arthur Thies.

Wetterbericht

lieber dem europäischen Festland hat sich ein Hochdruckgebiet entwickelt. Wir verbleiben im wesentlichen an seinem Nordrand und damit im äußersten Einflußbereich der im Norden Darüber« ziehenden Tiefdruckwirbel. Eine durchgreifende und nachhaltige Wetterbesserung ist daher noch nicht zu erwarten, wenn auch anderseits erhebliche Nieder­schlagstätigkeit unwahrscheinlich ist.

Vorhersage für Dienstag: Besonders morgens vielfach dunstig oder neblig, sonst überwie­gend wolkig und meist trocken, Temperaturen wenig geändert, Winde um West.

Vorhersage für Mittwoch: Vielfach dunstiges oder nebliges, doch im allgemeinen trocke­nes Wetter.

Lufttemperaturen am 30. Oktober: mittags 7,4 Grad Celsius, abends 7,5 Grad; am 31. Oktober: morgens 5,6 Grad. Maximum 7,5 Grad, Minimum heute nacht 4,3 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 30. Oktober: abends 6,9 Grad; am 31. Ok­tober: morgens 6,3 Grad.

Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum- schein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der An­zeigen: Theodor Kümmel. D. A. IX. 38: 9143, Druck und Verlag: Brühlsche Unioersitätsdruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM.> 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illu­strierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig.

von dem Recht der Ausweisung als lästige' Ausländer Gebrauch zu machen.

Kronprinz Umberto von Italien, der sich aus einem privaten Anlaß in Deutschland auf hält, stattete am Sonntag dernFührerauf dem Berghof einen Besuch ab.

Die aus acht Transportdampfern bestehende Li­byen-Siedler-Flotte ist unter Führung des FlaggschiffesVulcania", an dessen Bord sich Mar­schall Balbo befindet, von Genua ausgelaufen. In Neapel wird sie sich mit weiteren acht Siedlerschiffen vereinen. Der Duce wird auf der Höhe von Gaeta die Parade der Siedlerflotte abnehmen. An Bord be­finden sich 1800 Siedlerfamilien, die als erste von insgesamt 3000 nach Libyen unterwegs sind.

Am Sonntag stand ganz Portugal im Zeichen der Wahlen zur Nationalversammlung. Nach den ersten Wahlergebnissen aus Lissabon ist mit 85 bis 90 0. H. Stimmen für die Regierung des Ministerpräsidenten S a l a z a r zu rechnen.

*

Die British Legion beschloß, die Bemühun­gen fortzusetzen, eine Fühlungnahme 3 u den Frontsoldaten aller Nationen herzu- stellen. Der Ausschuß beschloß 3U prüfen, ob es möglich sei, im nächsten Frühjahr eine Abord­nung britischer Frontsoldaten nach Paris, Berlin, Rom und Brüssel 3U schicken.

Aus alter Welt.

Der Bruber General Francos abgestürzl.

Der Bruder des spanischen Generallissimus, Oberstleutnant Ramon Franco, ist bei einem Dienstflug ums Leben gekommen. Franco, Haupt- mann Sangro, Oberleutnant* Dominguez, ein Me­chaniker und ein Funker waren zu einem Beob­achtungsflug aufgestiegen. Man vermutet, daß sie die Richtung verloren haben und auf dem Meer niedergehen mußten. Francos Leiche wurde im Meere treibend aufgefunden. Ramon Franco wurde weltbekannt, als er 1926 mit dem FlugzeugPlus

Ultra" einen Transatlantikflug nach Buenos Aires' unternahm, begleitet von Ruiz de Alda, der 1936 von den Roten im Madrider Gefängnis ermordet wurde.

Zwei Kinder von einem Flugzeug gelötet.

Ein eigenartiger Unfall trug sich auf dem Flug­platz Rymanono bei Lemberg 3m Ein startendes Flugzeug kam nicht schnell genug in die Höhe und flog noch außerhalb des Flugplatzes so niedrig, daß 3wei Kinder von einem Flügel getroffen und auf der Stelle getötet wurden.

Schwerer Autozusammenstoß in Nizza.

Ein schweres Autobusunglück . ereignete sich auf der berühmten Promenade des Anglais in Nizza. Zwei Autobusse stießen in voller Fahrt auf­einander. Vier Personen wurden getötet, 30 Insassen der beiden Wagen wurden verletzt, dar­unter zwölf lebensgefährlich.

Hundertjahrfeier der Technischen Hochschule in Athen.

Die Technische Hochschule in Athen, die von dem bayerischen Oberstleutnant Ingenieur Ritter von Zentner 1838 gegründet wurde, beging in Gegenwart des Königs, der Minister und der Ver­treter des Diplomatifchen Korps ihre Hundert­jahrfeier. König Georg, der Verkehrsminister und der Rektor der Hochschule hielten die Festan­sprachen. Der deutsche Gesandte in Athen, Prinz 3 u Erbach-Schönberg, beglückwünschte die Hochschule 3U ihrem Jubiläum und überreichte dem Rektor Professor Georgikopulos die Urkunde des Ehrendoktors der Technischen Hochschule Mün­chen und dem Prorektor Professor Kitzikis die Urkunde des Ehrendoktors der Technischen Hoch­schule Berlin-Charlottenburg.

Reservisten fahren zum kyffhäuser.

Der NS.-Reichskriegerbund hat aus jedem Lan­deskriegerverband fünf ehemalige Soldaten, die jetzt aus der Wehrmacht ausgeschieden und in den NS.- Reichskriegerbund eingetreten sind, auf den Kyff- Häuser eingeladen. Die jungen Kameraden sollen an drei Tagen, vom 5. bis 8. November, bei freier Reise, Verpflegung usw. den Kyffhäuser und die Ausgrabungen dort kennenlernen.

Hund um den Rezepturtisch.

Ein Besuch im neugegründeten Apotheken-Museum zu München.

thekenführer Schmierer gab den Auftrag 3ur Gründung des Museums einem der besten Kenner der Pharmaziegeschichte, dem Mittenwalder Apothe­ker Dr. F. F e r ch l, der als Herausgeber der Zeit­schriftZur Geschichte der deutschen Apotheke" über die umfassendste Druckstocksammlung zu diesem Thema verfügte. Dr. Ferchl übermachte diesen Be­sitz zusammen mit andern wertvollen Gaben dem Museum und brachte durch unablässiges Werben ein Werk zustande, das schon heute als das schönste und wissenschaftlich gründlichste Apotheken-Museum der Welt gelten darf. Apotheker Sieberger, der die Sammlung mitgründen half, betreut sie im einzel­nen, was keine ganz leichte Aufgabe ist, kommen doch täglich aus allen Teilen des Reiches neue Ga­ben, die eingeordnet werden wollen. Noch lebhafter wird dieser Strom fließen, sobald erst die Teilneh­

Mitten imMedizinerviertel" Münchens liegt es, das neugegründete Deutsche Apotheken- Museum. Schon jetzt blicken die Studenten der Medizin und der Pharmazie, die durch die stillen, Herbstlaubdurchraschelten Alleen eilen, gespannt hin­auf zu dem Gebäude, das ihnen bald neue Erkennt­nisse und Eindrücke erschließen soll. Denn dies wird für sie keinMuseum" sein, sondern eine Fund­grube lebendiger Anschauung. Wir leben in einer Zeit, die gerade auf dem Gebiete der Heilkunde den verborgenen, lange verachteten Werten alter lieber« lieferung mit frischer Unternehmungslust nachgräbt; hier ist der Ort zu solchen Entdeckungen; dies Mu­seum ist berufen, eine ganz unmufeale Wirkung zu entfalten.

Der glückliche Gedanke ging aus den Reihen der deutschen Apochekerschaft selber hervor. Reichsapo-

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