Oer Mittellandkanal eröffnet.
Oer Stellvertreter des Führers übergibt das Schiffshebewerk Rothensee seiner Bestimmung
Magdeburg, 30. Okt. (DNB.) Der Stellvertreter des Führers, Reichsminister Rudolf Heß, eröffnete am Sonntagvormittag den Mittellandkanal. Zugleich wurde das Schiffshebewerk Mägde- burg-Rothenfee in Betrieb genommen. Zu der Feier waren auch neben anderen führenden Persönlichkeiten aus Staat und Partei die Reichsminister Dr. Dorpmüller und Seldte sowie der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Generaladmiral Dr. h. c. R a e d e r erschienen. Hinter den Absperrungsreihen drängten sich ungezählte Tausende, seitlich des 85 Meter langen, 12 Meter breiten und 2,5 Meter tiefen Troges stehen in langer Reihe Männer der Werkscharen mit den goldbestickten Fahnen der Musterbetriebe. Auch die am Bau des Kanals und des Hebewerks beteiligten Ingenieure, Bauführer und Arbeiter sind zur Stelle. Viele Fabr- zeuge liegen auf dem Abstiegskanal am Oberhafen und harren des Signals zur Eröffnung des Schiffshebewerks. Sie alle, voran der schmucke Regierungsdampfer ,Hermes", Motorboote, Jachten und Lastkähne haben zur Feier des Tages über die Toppen geflaggt. Bunte Wimpelketten von Bord bis zum Heck schmücken Schiff um Schiff und Kahn um Kahn.
Rudolf Heß schritt zunächst unter den Klängen des Präsentiermarsches die Front der Ehrenformationen ab- und begab sich dann mit den übrigen Ehrengästen auf die Kommandobrücke des Hebewerks.
Oberpräsident von Ulrich überbrachte zunächst die Trauerbotschaft, daß bei einem schweren Verkehrsunglück am Sonntagmorgen neun SA. - Männer, die sich auf dem Wege zur Feier befanden, ih^Leben lassen mußten. Er gedachte in warmen Worten dieser Toten und der 13 Verletzten, während die Tribünenbesucher die Häupter entblößten. Dann unterstrich der Oberpräsident als Chef der Elbstromverwaltung die geschichtliche Bedeutung dieses Tages für die gesamte deutsche Binnenschiffahrt, an dem man feststellen könne, daß der Mittellandkanal vom Rhein bis zur Elbe und darüber hinaus der Binnenschiffahrtsweg zpr Reichshauptstadt und zum deutschen Osten befahrbar sei.
Reichsverkehrsmimfier Dr. Dorpmüller
hielt dann die Festansprache. „Mit dem heutigen Tage", so sagte er, „erhält Deutschland einen neuen Binnenschiffahrtsweg, der die westlichen Ströme Rhein und Weser mit der Elbe verbindet und darüber hinaus nach Berlin bis zur Oder die Kanalverbindung herstellt. Es waren nicht technische, sondern politische Schwierigkeiten, die so lange Jahrzehnte hindurch den Mittellandkanal zurückgehallen haben. Langwierige parlamentarische
Paris, 29. Okt. (DNB.) Auf dem radikalsozia- len Parteikongreß erklärte Außenminister Bonnet, bei der Lösung der teschechischen Krise habe die englische Regierung ständig darauf hingewiesen, daß sie zwar gemäß den festumrissenen Verpflichtungen für den Fall einer Bedrohung der französischen Grenzen ihre Streitkräfte Frankreich sofort zur Verfügung stellen müsse, daß sie aber im Fall der Tschecho-Slowakei durch keine festumrissenen Verpflichtungen gebunden sei. Für die französische Regierung sei es unmöglich gewesen, das Selbstbestimmungsrecht der Völker aüzulehnen, da Frankreich dieses Recht so ost im Laufe seiner Geschichte vertreten hätte. Das Münchener Abkommen habe den Frieden gerettet. Aus der damaligen Lage habe sich klar ergeben, daß der Krieg unmittelbar bevorgestanden habe. In einem solchen blitzartigen Kriege wäre die Tsche- cho-Slowakei, von drei Fronten angegriffen, i n - nerhalb weniger Tage vernichtet worden. Immer werde man Frankreich bereit finden, sich allen Bemühungen anzuschließen, die eine Festigung der Zusammenarbeit der Völker untereinander fördern könnten. Frankreich werde dem Grundsatz der Genfer Liga treu bleiben. Vergeblich aber wäre es, wenn man leugnen wollte, daß Genf gegenwärtig eine schwere Krise durchmache. Die Schwächung Genfs habe im Ablauf der Tschechenkrise gezeigt, daß Frankreich allein oder fast allein für eine Hilfeleistung für die Tschecho-Slowakei veranlaßt worden wäre. Das sei eine Warnung, die man in Zukunft berücksichtigen müsse. Die Grundlage der französischen Außenpolitik müsse die französisch-britische Entente sein, lieber diese traditionelle Freundschaft hinaus stelle sich aber das Problem der Beziehungen Frankreichs zu den anderen Ländern.
Es sei unmöglich, daß die Völker Europas weiterhin in dem jetzigen Zustande der Unsicherheit leben. Daher wünsche Frankreich, daß aus dem Wünchener Abkommen in Europa ein besseres Verständnis und eine Atmosphäre der Entspannung hervorgehen möge. Frankreich wolle zunächst, daß normale Veziehungen zwischen Frankreich und seinen Vachbarländern hergeslelll werden. Vor einem Monat sprach Daladier in bewegten Worten von den Beziehungen Frankreichs zu Deutschland von der Kammertribüne aus. Dabei erklärte er, daß er die Achtung Deutschlands vor Frankreich gleich nach seiner Ankunft in München gespürt habe. Diese Achtung gründe sich auf der Tatsache, daß man wisse, Frankreich sei bereit, alles zu bekämpfen, was sich seinen lebenswichtigen Interessen und der Sache der Gerechtigkeit in den Weg stellen würde. Wir wünschen, daß zwischen Deutsch, land und Frankreich eine aufrichtige Zusammenarbeit zustande kommen möge, und daß in beiden Ländern die Furcht vor eiuemkouflikt ausgeschaltekwerden möge, der in kurzer Zeit den um den Preis so vieler Anstrengungen erzielten Fortschritt sowohl in Frankreich wie in Deulschland vernichten würde.
Zwischen Frankreich und Italien sind soeben
Kämpfe haben den Bau lange unmöglich gemacht, und als er ermöglicht wurde, waren es nur kleine Abschnitte des Kanals, die zum Bau kamen. Rach Kriegsende dauerte es wieder zehn Jahre, bis endlich Der Mittellandkanal von Hannover bis Peine verlängert werden konnte und seine Abzweigung nach Hildesheim erhiell. 1928 weihte der damalige Reichspräsident und Generalfelümarschall v. Hindenburg diese Kanalstrecke ein. Zugleich aber hatte man in dieser Zeit den Jhle-Plauener Kanal für 100-Tonnen-Schitte umgebaut. Es blieb das R e st st ü ck zwischen Hannover und der Elbe. Man suchte mit allen Mitteln den Bau so langsam vorwärts zu treiben wie nur eben möglich. Und wäre im Jahre 1933 nicht der Nationalsozialismus erschienen, der mit den Sonderinteressen aufräumte, ich bin sicher, wir ständen heute nicht hier, um die für Deutschland so wichtige Wasserstraße zu eröffnen. \
Er ist Deutschlands bester Kanal; denn zwischen Rothensee und dem Ruhrrevier besitzt er nur drei Stufen, also lange Schiffahrtsstrecken. Die westliche Industrie wird sich seiner ebenso be- dienen, wie der Osten seine Lebensmittel auf ihm verfrachten wird. Durch seine Verbindung mit den von Süden nach Vörden ziehenden deutschen Strömen werden die Vord- und Ostseehäfen in ihrer Ausfuhr nach llebersee und ihrer Einfuhr nach Deutschland gestärkt. Vor uns liegen die Magdeburger Industriewerke und warten auf den heutigen Tag, um sich der billigen Frachten auf diesem neuen Schiffahrtswege zu bedienen. Dort im Westen entsteht Deutschlands größtes Hüttenwerk und das Werk des neuen Volkskrafl- wagens. Durch die Elbe ist das neue S u - de len land mit dem Egerlauf angeschlossen. Durch die Saale wird in wenigen Iahren von Leipzig her der große Wasserverkehr ausgenommen werden: Ausgestattet mit den modernsten Hebewerken und Schleusen, mit Vrük- keu und Dükern, eingebettet in tiefe Einschnitte und getragen von hohen Dämmen, stellt es ein Mei st erweck der deutschen Wasserbau k u n st dar. Deshalb verdient dies Werk unseren Dank an alle diejenigen, die an ihm mitgearbeitet haben.
3um Schluß erstattete Elbstrombaudirektor Dr. P e tz e l Den Baubericht. Besonders interessant war Die Mitteilung, daß die Leistungsfähigkeit des Schiffshebewerkes Rothensee gestattet, in durchgehendem 24-Stunden-Verkehr b i s zu 15 Millionen Tonnen Güter jähr- l i ch zwischen Elbe und Kanal zu befördern, und daß der Kanal nicht nur Der Schiffahrt Dient, son-
normale Beziehungen wiederhergestellt worden. Wir freuen uns darüber, Denn niemand wünscht mehr als wir die Verstärkung Der überlieferten Freundschaft zwischen Italien und Frankreich. Wir sind überzeugt, daß die Regelung des panischen Konfliktes an dem Tage möglich werden wird, an dem alle europäischen Freiwilligen zurückgezogen wären, und an Dem Die Spanier sich allein gegenüberstehen würden. Wir finD davon überzeugt, daß eine Vermittlung mit Aussicht auf Erfolg versucht und ein glücklicher Friede wiederhergestellt werden kann. Es gibt bei einer solchen politischen Auffassung nichts, was nicht völlig' in Einklang zu bringen ei mit Dem Festhalten Frankreichs an allen seinen besonderen Freundschaften, besonders mit Der Sowjetunion, ebenso wie mit Polen, Rumänien, Jugoslawien und Belgien. Um mit allen Völkern ohne Ausnahme und unabhängig von ihrem System Verhandlungen anzubahnen, sei es zunächst nötig, daß Frankreich mächtig sei. Frankreich müsse an dem Tage, an Dem sich das Problem Der Abrüstung notwendigerweise stellen werde, in Der Lage sein, aus Dem Fuße Der Gleichheit mit j eh tö ehern Partner zu verhanDeln. Frankreich wolle beweisen, daß Die Demokratien ebenso fähig wie jedes andere Regime seien, ihre Rolle in Der modernen Wett zu spielen.
Kammerpräsident Herriot
verteidigte Bonnet gegen die kommunistischen Angriffe und erklärte, die Politik der kollektiven Sicherheit habe vollkommen bankrott gemacht. Genfer Aktionen hätten keinerlei Wirksamkeit. Herriot verteidigte Den Pakt mit (Somjet» rußland. Er versicherte, daß er gegen die totalitären Regime keinerlei Vorurteil habe. Immer habe die Partei erklärt, daß ein Konflikt zwischen Frankreich und Deutschland ein Unsinn sei. Frankreich solle keine ideologische Politik über seine Grenzen hinaus machen. Die Außenpolitik vollziehe sich auf Der Landkarte, allerdings unter der Bedingung der Politik Der freien Hand für Frankreich, das auf gewisse Freundschaften und Hoffnungen nicht verzichten wolle.
Oie Entschließung des Parteitages.
Die Aussprache schloß mit Der Annahme einer außenpolitischen Entschließung, Die Daladier und Bonnet zur Aufrechterhaltung des Friedens beglückwünscht und Die französisch-englische Entente als unerschütterliche GrunDlage Der französischen Außenpolitik bezeichnet. Die Partei bedauert es. daß Genf nicht in Der Lage sei, allen Völkern Die Sicherheit oder Achtung Des Rechtes zu gewährleisten. Sie hofft, daß die Münchener Zusammenkunft Den Ausgang zu ausgedehnteren Verhandlungen bilden möge, Die ohne Nachteil für irgend- eine der alten Freundschaften eine dauernde Besserung der De ziehungenzuDeutsch- land u n D Italien gestatten mögen. Die Partei stellt fest, daß Der spanische Krieg eine ständige Gefahr für den europäischen Frieden fei, und daß die ausländischen Jnterventtonen Die französische Verbindung nach Nordafrika und Die französische Stellung im Mittelmeer bedrohen könnten. Die Partei verlangt daher Die Zurückziehung ä 11 e r Freiwilligen ohne Ausnahme. Ferner wird Die Hoffnung ausgesprochen, daß bessere Beziehungen
Dem auch Der landwirtschaftlich en Nutzung weiter Gebiete, und namenllich Dem sogenannten Droemling (einem Niederungsmoor bei Magdeburg) zugute kommt. Hier werden rund 25000 Hektar Land durch Ableiten von Hochwasser in den Kanal vor unzeitigen Ueber-- schwemmunaen geschützt. Was am Mittellandkanal in Gemeinschaftsarbeit von Wasserstraßenverwaltung, Unternehmern und Werktätigen geleistet wurde, stellt sich ebenbürtig den anderen technischen Großtaten des Reiches an Die 6eitev
Rudolf Heß tritt dann, umbrandet von den Heilrufen Der Menge, an das Mikrophon Der Kommandobrücke und vollzieht Den Einweihungsakt mit weithin hallenDen Worten: „Der MittellanDkanal ist eröffnet."
NachDern Die Nationalhymnen verklungen sind, verläßt Der Stellvertreter des Führers die Köm- mandobrücke und begrüßt Die vor Dem Betriebsgebäude angetretenen Arbeitskameraden Des Hebewerks, schreitet Die Front der Werkschar ab und begibt sich zu dem oberhalb des Hebewerks auf Dem Kanal bereitstehenden Regierungsdampfer „Hermes". Die Menschen auf Den Tribünen unD an Den Böschungen Des Kanals warten nun mit Spannung auf Den Augenblick, Da Der Dampfer in das Hebewerk einfährt. Endlich ist es soweit. Der Regierungsdampfer fährt, das goldene Band zerschneidend, in Den Trog ein. Das Hubtor wird geschlossen unD lautlos, fast spielend gleitet Der Trog nach unten. Dann öffnet sich Das andere Tor das Trogs und langsam, begleitet von Den Jubelrufen Der Menge gleitet Der Dampfer aus dem Hebewerk hinaus und fährt Den Kanal hinunter Der Elbe zu.
Der Regierungsdampfer legte bei Den Herrenkruganlagen an und von hier fuhr Der Stellvertreter des Führers zunächst zum Seegeltungsinstitut, wo er in Begleitung von Generaladmiral Dr. h. c. Raeder Die Front Der Ehrenkompanie Der Marine abschritt und von Vizeadmiral o. Trotha mit herzlichen Worten begrüßt wurde. Nach einer Besichtigung Der einzelnen Abteilungen wurde Die Fahrt bis zum attstädtischen Rathaus fortgesetzt. Rudolf Heß richtete hier einige Worte an die jubelnde Menge. Er wies insbesondere Darauf hin, daß politische und nicht wirtschaftliche Gründe Dafür verantwortlich waren, daß Der Dau jahrzehntelang nicht zur Vollendung gekommen sei. Der Führer habe Das Unglück des drohenden bolschewistischen Chaos ab gern enD et und nun sei dank seiner Jnitiattve auch dieses gewaltige Werk des Mittellandkanals vollendet worden. Vor dem Verlaßen des Rathauses bat Rudolf Heß, die vielen Blumenspenden, Die ihm überreicht wurden, an den Bahren Der verunglückten SA.-Kameraden nieDerzulegen oder Den Verletzten zu überreichen.
zwischen Den vier großen Mächten Die Einberufung einer internationalen Konferenz gestatten mögen, auf der Die Möglichkeiten, Die wirtschaftliche Unordnung abzustellen, geprüft werden können. Die Partei erklärt, daß Der Friede, den Frankreich wünsche, nicht Durch Verzichte erEauft "merhe unD in dem heutigen Zustande der Welt nur durch eine mächtige militärische Macht gesichert werden könne. Die sich auf Die wiederhergestellte wirtschaftliche und finanzielle Stärke stütze. Die Partei ruft zum Zusammenschluß aller für Die JDee Der Ordnung, Der Arbeit und der Freiheit auf.
Daladiers Schlußwort.
In Der Nachmittagssitzung mar es mehrfach zu stürmischen Auseinandersetzungen gekommen, als Gegner der Außenpolitik Daladiers versuchten, ihre Ansichten darzulegen. Der Delegierte Bayet, wurde vom Parteitag regelrecht niederge- chrien. Die Versammelten riefen: „Nach Moskau! Nach Moskau!" In einer Ecke des Saales entstand ein Handgemenge. Die Versammelten riefen immer wieder: „Daladier! Daladier!" THnifterpräftbent D alad ier ergriff schließlich Das Wort. Er ersuchte um Mitarbeit an Dem Wiederaufrichtungswerk, er wolle die Arbeitermassen nicht ausschließen, noch gegen sie regieren. Er sei und bleibe Republikaner. Niemand habe das Recht, ihm in dieser Beziehung Lehren zu erteilen. Dom nächsten Monat ab würden Die notwendigen Wirtschafts- und Finanzmaßnahmen veröffentlicht werden. Der Parteitag jubelte dem Ministerpräsidenten begeistert zu. Die Marseillaise wurde von allen Tagungsteilnehmern gesungen. Daraufhin erfolgte die Annahme der Tagesordnung durch Handaufheben. Nur ganz wenige Abgeordnete stimmten Dagegen. Dann wurde Der Parteitag geschlossen.
Oie Finanzreform Daladiers.
Paris, 30. Okt. (Europapreß.) Ministerpräsident Daladier ist wieder in Paris eingetroffen. Er begab sich sofort ins Kriegsministerium, um die von ihm angekündigten finanziellen Maßnahmen auszuarbeiten. Sie betreffen nach Angaben des „Matin" eine Kapitalsonder- ft euer, eine Erbschaftssondersteuer, eine Neure g e l u ng Der Arbeitszeit durch geschmeidigere Gestattung Der Vierzigstundenwoche, Die Neuordnung der Erzeugung nach bestimmten wirtschaftlichen Plänen, Maßnahmen zur Verteidigung der Währung und zum Ausgleich Der Handelsbilanz, Die immer noch jeDen Monat erhebliche Fehlbeträge aufweist, sowie eine Rentenkonoer- t i e r u n g. Falls sich für Die Regierung unüber- WinDliche Schwierigkeiten im Parlament ergeben sollten, wird Ministervräsident Daladier Die Kammer auflosen. Vorher aber wird Das Parlament eine Wahlreform zu beraten haben.
Kühler Abschied Coulondres von Moskau.
Moskau, 29. Okt. (DNB.) Kürzlich war in der „Prawda" ein Artikel erschienen, Der unter Der lieber- schrift „Von Jena bis München" die ü b e lst e n A n- pöbelungen gegen die Politik Daladiers enthielt. Botschafter Coulondre hatte um Aufklä
rung Darüber ersucht, ob dieser Artikel, her für Frankreich und dessen Regierung beleidigend sei, Der Ansicht her Sowjetregierung entspräche. Vom Außenkommissariat wurde jedoch keinerlei Antwort erteilt Coulandre hat darauf ein Abschiedsdiner, das Litwinow zu seinen Ehren veranstalten wollte, abgesagt Desgleichen erschien Litwinow nicht auf dem Diner, bas anläßlich des Abschieds Coulondres auf der französischen Botschaft gegeben wurde. Dieselbe „kühle" Atmosphäre zeigte sich auch bei der Abfahrt Coulondres aus Moskau. Dem scheidenden Botschafter gab das Diplomatische Korps fast vollzählig das Geleit, während als einziger Vertreter her Sowjets her Chef der Protokollabteilung des Außenkommiffariats erschienen war.
Leber 70 Todesopfer in Mrseille
Scharfe Kritik an der mangelhaft ausgerüsteten Feuerwehr
Paris, 31. Okt. (DNB.) Die Slufräumungs- arbeiten in Marseille wurden am Sonntag unter Hinzuziehung von Senegalschützen weiter fortgeführt. Die Trümmer sind jetzt so weit fortgeschafft worden, daß die Arbeiter den zum Kellergeschoß ührenden Treppeneingang erreichen konnten. Die Keller des niehergebrannten Kaufhauses sind jedoch durch die' Loscharbeiteü bis oben mit Wasser ange- ültt. Das jetzt erst ausgepumpt werden muß, ehe nan die Suche nach weiteren Opfern der Kata- trophe aufnehmen kann. Man vermutet, daß sich eine ganze Anzahl von Angestellten während Des Brandes in die Kellerräume geflüchtet hat und hort ums Leben gekommen ist. Immer wieder werden unter den Trümmern verstümmelte und völlig verkohlte Ueberreste Der Opfer gesunden. Die nicht mehr identifiziert werden können. Die Opfer werden in dem Saal her Stadtbibliothek, her (U einer Kapelle umgestaltet wurde, aufgebahrt. Bis Sonntag abend wurden festgestellt: 6 Tote, 6 9 Vermißte, und zwar 63 Angestellte des Kaufhauses, 4 Arbeiter und 2 Kunden, ferner liegen etwa 30 Verletzte in Krankenhäusern. Aus Den Trümmern wurden bisher 18 Opfer geborgen, konnten aber nicht identifiziert werden.
Wie her Temps meldet, hat her Unter- uchungsrichter mit Der Vernehmung der llugenzeugen begonnen, um b i e Ursache des Brandunglücks aufzuklären. Sowett bisher feststehe, oll das Feuer in der Abteilung für St in* »erkleidung des Kaufhauses Nvuvel» les Galleries ausgebrochen sein, das im ersten Stock des Kaufhauses lag, und zwar sollen die Flammen von einem Dekorationsgerüst ausgegangen sein, bei dem vier Arbeiter beschäftigt waren. Diese vier Arbeiter sind wahrscheinlich in den Flammen umgekommen. Auf her Cannebiöre fanden Kundgebungen statt, bei denen her Rücktritt des sozialdemokratischen Bürgermeisters T a s c o verlangt wurde. Die empörten Marseiller Bürger wollen missen, warum die Feuerwehr mit vorsintflutlichen Löschgeräten ausgerüstet war, was bereits Innenminister Sarraut zu dem Beschluß veranlaßt hat, die Feuerwehr von Marseille zu v e r st a a t l i ch e n. Der erste Hafen Frankreichs sei eine äußerst verwundbare Wirtschcrftsmetropole, zumal sich auf ihrem Gebiet bedeutende Delraffinerien und Fabriken für die Verarbeitung Der Kolonialerzeugnisse befänden.
Ein her Volksfront nahestehenhes rahikalsozialisti- sches Blatt gibt erneut her Vermutung Ausdruck, haß Brandstiftung vorliege. Es fei auffallend gewesen, daß die berüchtigte Marseiller Unterwell sofort bei Ausbruch des Brandes an Ort und Stelle gewesen sei und zu plündern begonnen Habe. Mehr als sechzig Einbrüche seien in der Nähe der Brandstätte festgestelll worden. Ein der Polizei bekannter Angehöriger her Marseiller Unterwelt sei in dem Augenblick verhaftet worden, als er das .Hotel „Noallles" mit gestohlenen Briefen verlassen wollte, die Außenminister Bonnet gehörten. Bonnet bewohnte ebenso wie Ministerpräsident Daladier während des radikalsozialisttschen Parteitages dieses Hotel.
Litauen hebt den Kriegszustand auf. Deutsch wird endlich wieder Amtssprache im Memelgebiet.
Memel, 29.Okt. (DNB.) Der memelländische Gouverneur teilte dem Präsidenten des Direktoriums des Memelgebietes mit, daß her Kriegszustand mit allen seinen Folgen in Der Nacht vom 31. Oktober zum 1. November für das Memel- gebiet aufgehoben wird, lieber das Schicksal des umfangreichen Staatssicherheits-Polizeiappara, tes im Memelgebiet, dem Organ der Kriegsbehörden, besteht noch Unklarheit. Ob mit dem Fallen Des Kriegszustandes auch die Wirksamkeit des alten Staatsschutzgesetzes erlischt, ist ebenfalls noch ungewiß. Der Termin für Die Neuwahlen zum 6. Memelländischen Landtag ist auf Den 11. Dezember festgesetzt worden. Als Mitglieder der Wahl- kommrssion sind Landgerichtsrat Krafft, Amtmann Peterat, Landesdirektor Sette, Vizepräsident Bingau und Landtagsabgeordneter Jailus von Der Litauischen Fraktion berufen worden.
Der Gouverneur des Memelgebietes hat ferner die Behörden und Betriebe her litauischen Zentral- oerwaltung im Memelgebiet, wie Bahn, Post, Zoll und,Hafen, angewiesen, ihre Anschriften an Den Gebäuden, die bisher — also 16 Jahre lang — nur litauisch beschriftet waren, Dahm- gehend zu ändern, daß auch die deutsche Be- zeichnung hinzukommt. Die Schilder am Meme- ler* Bahnhofsgebäude sind bereits überstrichen worden. Damit soll nun endlich Der erste Schritt zur Erfüllung des Artikels 27 Des Memelstatuts getan werden, her da lautet: Die litauische und die deutsche Sprache werden zu gleichen Rechten als Amtssprache im Memelgebiet anerkannt.
Oie deutschen Kliniken in Prag wieder zurückgegeben.
Prag, 29. Okt. (DNB.) Die Uebergabe der deutschen Kliniken erfolgte am Samstagvormittag, nachdem bereits am 26. Oktober Die unverzügliche Rückgabe her Deutschen Kliniken an ihre rechtmäßigen Eigentümer in dem Zustand, in dem sie beschlagnahmt wurden, von Der Prager Regierung ange- ordnet worden war. Bei Der Uebergabe mußte durch hie deutschen Aerzte leider feftgefteüt werden, daß die Amtssiegel an Den bisher verschlossenen Räumen zum Teil beschädigt waren. Auch das Inventar scheint in vielen Kliniken nicht ganz m Ordnung zu sein. Der jüdisch versippte Direktor des Krankenhauses, Dr. P u ch w e i n , übte in unerhörter Weise Kritik an Der ftüherey Führung der Kliniker^ Die
Radikalsozialistische Berirauensklmdgeblmg für Daladier.
Außenminister Bonnet tritt für Verständigungspolitik mit Deutschland und Italien ein


