Ausgabe 
31.5.1938
 
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Handwerkliche Fachkongresse.

Feierliche Eröffnung in der Berliner Krolloper.

rung geforderten Gegenentwurf der 6 D P. zum Nationalitäten st atut handelt, läßt sich mit Sicherheit nicht sagen.

Es ist schwierig, bei der Fülle der in den politi­schen Salons der Moldaustadt kursierenden Gerüchte zwischen Dichtung und Wahrheit, zwischen Intrige und Aufrichtigkeit hindurchzüfittden. Aber soviel scheint richtig zu sein, daß in dem am vergangenen Samstag auf der Prager Burg von führenden Unterhändlern der Sudetendeutschen Partei über­reichten Schriftstück die von Konrad Hen­lein in Karlsbad aufge ft eilten F o r d e - r u n a e n genauer umrissen worden sind. Damit ist den weiteren Besprechungen neuer Unterhaltungs-- stoss zugewiesen, denn was. bisher diskutiert wer­den konnte, erschöpfte sich ja mehr oder weniger im vorsichtigen Abtasten der Möglichkeiten, die die Kontrahenten sich für die in Aussicht genommenen Besprechungen offenhalten wollten. Wenn es ge­lingt, Unbedachtsamkeiten zu vermeiden, bleiben 14 Tage Seit; um' Forderungen und Gegenforde­rungen auszugleichen und auszuwiegen. Sofern was sich mit Sicherheit eben noch nicht sagen läßt beiderseitige Entwürfe über ein Nationalitäten- ftatut bereits vorhanden sind, so sollen nun Mög­lichkeiten gesucht werden, um diese beiden Entwürfe miteinander in Einklang zu bringen. Offenbar ist ja beabsichtigt, das tschechoslowakische Parlament am 15. Juni, also drei Tage nach dem völligen Abschluß der Gemeindewahlen, zu dem Ergebnis dieser Beratungen Stellung nehmen zu lassen.

Wenn es, im Rahmen der europäischen .Politik gesehen, auch zu begrüßen ist, daß die Probleme sich inzwischen mehr und mehr vom außenpolitischen Wirbel abgesondert haben, so ist doch zu hoffen, daß sie nun nicht in den Strudel der tschechischen Haus- skreitigkeiten geraten. Was hier auf dem Spiele steht, ist zu ernst und in feinen vielseitigen Folgen zu schwerwiegend, als daß es zwischen die Räder der parteipolitischen Mühle geraten darf. Es ist, mit guter Begründung, der^Verdacht ausgetaucht, daß das tschechoslowakische Militär als eine Folge zwar nicht ausgesprochener, aber kaum zu übersehender Differenzen zwischen den zur Mäßigung raten­den tschechischen Parteien und den radikalen Linken, denen sich hier sogar Teile der Regie­rungsmehrheit zugesellt haben, aufgeboten worden sei. Höchst aufschlußreich ist ja, daß alle Kräfte, die für einen leidenschaftslosen Ausgleich der Inter­essen eintreten, von den tschechischen Linksradikalen offen alsVaterlandsverräter" verleumdet werden. Um das politischeGewissen" solcher Moralprediger zu kennzeichnen, genügt es zu bemerken, daß man sie samt und sonders der KategorieVolks­front" zuweisen könnte, die sie aber wiederum nicht zustandebringen, weil sie sich nur in ihrer anti­deutschen Stellungnahme einig sind.

Abgesehen von dem höchst traurigen Zwischenfall in Eibenberg, der keiye politischen Folgen zu haben braucht, weil es sich ja um einen UeberfaU verhetz­ter deutscher Marxisten auf Sudetendeutsche han­delte, ist auch der zweite Wahlsonntag in der Tsche­choslowakei im allgemeinen ruhig verlaufen. Damit müßte allen chauvinistischen Hitzköpfen die Erkennt­nis aufgedämmert sein, daß die von ihnen gelieferte Begründung der militanten Maßnahmen als Sicher­heitsmaßregeln keineswegs zutrisft, son­dern daß eben diese Maßnahmen einen hochexplo­siven Unsicherheitsfaktor darstellen. Es ist erforder­lich, daß wieder normale Verhältnisse chergestellt werden. Wenn die Ruhe trotz der noch anhaltenden Verhältnisse aus dem Augenblick der Hochspannung bis jetzt gewahrt worden ist, so muß man endlich ein Einsehen dafür haben, daß die Weigerung ihres Abbaues als eine neuerliche . Provokation ausgelegt zu werden verleitet. Wie man die Dinge auch betrachtet und von welcher Seite man an sie herangeht immer ergibt es sich, daß die Notwendigkeit, den er st en Schritt zur Herstellung normaler Verhältnisse zu tun, a u f der tschechischen Seite lastet. Prag hat noch immer das Wort! ,

Oer sudeiendeutsche Wahrsieg

Prag, 30. Mai. (Europapreß.) Die zweite Etappe der Gemeindewahlen brachten im sudeten­deutschen Gebiet der Sudetendeutschen Partei tinen noch höheren Sieg als die Wahlen vom vorigen Sonntag. In den Gemeinden mit deutscher Mehr­heit wurden insgesamt 307 000 Stimmen abgegeben. Davon entfielen auf die Sudetendeutsche Partei 283 000 oder 9 2,2 v. H. Besonders erwähnenswert ist da-s Ergebnis im Bezirk Böhmisch Leipa, wo in elf Gemeinden, in. denen die Wahl ftattfanb, die Sudetendeutsche Partei von 2036 deutschen Stim­men 2021, also 9 9,6 v. H. erhielt. Dieser unge­heure Sieg der Sudetendeutschen Partei geht deut­lich auf Kosten der deutschen Sozialdemokraten und der Kommunisten. Dagegen verzeichnen die Kom­munisten im tschechischen Gebiet fast überall Stim­mengewinne.

Bei den Wahlen in die Vertretungen der einzel­nen Prager Stadtbezirke stieg di^ Stim­menzahl der Tschechischen Volkssozialisten von 142 000 am Vorsonntag auf 158 000. Die Kommu­nisten erzielten gegenüber dem vorigen Sonntag eine Zunahme um über 12 000 Stimmen. Dem Sieg dieser beiden tschechischen Linksparteien steht ein neuerlicher starker Rückschlag der rechtsstehenden nationalen Liga (Stribrny) und der tschechischen Faschisten (Gajda) gegenüber. Die Sudetendeut­sche Partei, die nur in einzelnen Bezirken kandi­dierte, konnte ihre Stimmenzahl durchweg behaup­ten.

Prag sagt Bestrafung der schuldigen Militärflieger,u.

Berlin, 31. 2ttai. (DNB.) Der Leiter der poli­tischen Abteilung des Prager Außenministeriums Dr. firno hat, wie das Tschechoslowakische Preß- düro meldet, den deutschen Gesandten Dr. Eisen- l o h r über die Untersuchung des Uebersliegens deutschen Gebietes durch tschechoslowakische Militär- slugzeuge unterrichtet und zugesagt, daß alle Schuldigen bestraft würden. Weiter hat Gesandter Dr. krno mitgeteilt, daß die Grenz­zone, deren Ueberfliegen den tschechoslowakischen Flugzeugen verboten worden sei, auf 10 Kilometer ausgedehnt wurde.

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Es bleibt nur noch der Wunsch offen, daß die Zusage des tschechischen Außenministeriums zur Tatsache wird und daß dadurch weitere Zwischen­fälle wirksam unterbunden werden und endlich wieder Beruhigung im Grenzgebiet eintritt.

Berlin, 30. Mai. (DNB.) Das deutsche Hand­werk hatte alle Vertreter der an der Internationalen Handwerksausstellung 1938 beteiligten Nationen sowie die Spitzen des deutschen Handwerks zu einer Festsitzung im Plenarsaal der Krolloper anläßlich der Eröffnung der internationalen Fachkongreise geladen. Der Leiter des deutschen Handwerks in der DAF., Paul Walter, brachte zum Ausdruck, daß diese Festsitzung gleichzeitig den Auftakt für die 20 internationalen Handwerkskongresse bilde. Wir haben, so sagte er, unsere Aufaabe im Handwerk darin zu erblicken, das Material inyeine Form zu zwingen, die die Form unserer Zeit ist. Nur so werden wir unserer eigentlichen Mission, Kultur­schöpfer und Kulturträger zu fein, gerecht werden. Durch die im Handwerk vorherrschende Betriebs­form, die im wesentlichen nur Klein- und Mittel­betriebe kennt, und durch die besondere handwerk­liche Mentalität ist der Handwerksbetrieb viel weniger konjunkturempfindlich als der industrielle Großbetrieb. Für die stetige Entwick­lung einer Volkswirtschaft wird es immer von Vor­teil'sein, wenn ein, zahlenmäßig starkes und gesun­des Handwerk vorhanden ist. Der technische Fort­schritt, die Entwicklung der menschlichen Kultur, wird in starkem Maße davon abhängig fein, inwie­weit das Meisterhaus seiner Pflicht zu erziehen nachkommt. Die Frage der Versor­au n g des alten und arbeitsunfähigen Handwerkers fei bisher von den wenigsten Staaten aufg^griffen worden. Aus dem Handwerk heraus entsteht jene Schicht, die, richtig eingesetzt, das Volk vor wirt­schaftlichen und kulturellen Rückschlägen bewahren kann.

Der Präsident der Internationalen Handwerks­zentrale, Professor B u r o n z o , erklärte, die Inter­nationale Handw'erkszentrale sei gegründet worden, weil die schöpferische Arbeit, die das Handwerk frei leiste, Kulturwerte darstelle, die bei allen zivilisier­ten Völkern anerkannt werden müßten. Die Kultur» krise, die die menschliche Gesellschaft quäle, könne wertvolle Hilfe finden und sich lösen, wenn das Handwerk in der großen Welt der Arbeit auf sei­nen Ehrenplatz gestellt werde. Der Genius eines Volkes und einer Epoche finde nur im Handwerk die Möglichkeit, Wirklichkeit zu werden und sich zu sozialen Formen, die für das Allgemeinwohl frucht­bar seien, auszuwirken. Vollkommen unpolitisch kenne die Internationale Handwerkszentrale keine andere Basis für die internationale Handwerker­schaft als das Handwerk. Auf dem Boden der prak­tischen Aktion fei der Austausch der zwischenstaatlich organisierten Handwerker ins Leben gerufen wor­den. Heute feien es 305 Handwerker, die bereits von dieser Einrichtung Gebrauch gemacht haben. In die­ser Lebensschule erwerbe das Handwerk Vollkom­menheit und Leistungskraft. Mit der Ausstellung in Berlin fei ein weiterer Schritt auf praktischem Gebiet getan worden, indem die Frage der-W e r - düng für die Handwerkserzeugniffe und ihren Ex­porthandel aufgerollt wurde. Nach einem Hinweis darauf, daß es bei dem Kongreß d i e Masse der Handwerker selbst sei, die ein Lebenszeichen internationalen Zusammenschlusses auf streng tech­nischer und beruflicher Grundlage gebe, schloß Bu- ronzo mit der Feststellung, daß es die Hauptsorge

Das Institut für Konjunkturforschung veröffent­licht feinen Hal'bjahresbericht über die Wirtschafts­lage im Frühjahr 1938. Die deutsche Wirtschaft /hat, wie es dort heißt, n'ach kurzer und wenig aus- jeprägter Winterpause ihren Aufschwung erneut ort gesetzt. Schon Ende April war der Beschäfti­gung shöchstftand des vergangenen Jahres über«- chritten. Die gewerbliche Gütererzeugung lag im Februar um 11,4 v. H. über Vorjahresstand. Auch in der Rohstoffversorgung sind in der letzten Zeit erhebliche Erleichterungen ein getreten. Einmal beginnt die inländische Produktion schärfer anzulaufen: Bei den Nichteisenmetallen hat sie auf den meisten Gebieten den Höhepunkt des Aufschwungs 1927 bis 1929 überschritte^. Der Anteil der aus inländischen Rohstoffen erzeugten Mineralöle am Verbrauch hat im letzten Jahr etwa 36 v. H. erreicht. Von den füt Vergasermotoren verbrauchten Kraftstoffen wird rund die Hälfte aus inländischer Rohstoffversorgung geheckt. An Zell­wolle ist für das laufende Jahr mit einer Pro­duktion von 150 000 Tonnen (1937: 102 000 Tonnen) zu.rechnen. Der Anteil der inländischen Erzeugung an der Gesamtversorgung mit T^xtilrohstoffen hat 1937 bereits 22 v. H. erreicht. Die der Bekleidung dienenden Rohstoffe stammten in diesem Jahre 38 v. H. aus inländischer Erzeugung. Außerdem haben Veränderungen im' Außenhandel die Span­nungen in der Rohstoffversorgung vermindert.

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Der eben dargestellte allgemeine Aufschwung der deutschen Wirtschaft wird besonders deutlich illu­striert durch den starken Aufschwung der Kunst- s e i d e. Die führenden Unternehmungen dieser Industrie, Bemberg und Vereinigte Glanzstoff­fabriken, haben das Geschäftsjahr 1937 erfolgreich ab schließen können. Bei Bemberg hat sich d ie Aufwärtsentwicklung sowohl im Ausbau wie auch im Absatz in den ersten Monaten dieses Jahres weiter fortgesetzt. Für neue Anlagen sind insgesamt 3,75 Millionen Mark aufgewendet worden, während die Abschreibungen um das Fünffache gestiegen sind. Aus dem stark erhöhten Reingewinn hak Bemberg die Dividendenzahlung mit 6 v. H. auf das Aktien­kapital von 20 Millionen Mark wieder ausgenom­men. Bemerkenswert ist die wesentlich gebesserte Liquidität. Auch bei Glanzstoff ist der Roh­überschuß fast 14 v. H. höher als im Vorjahre ; die Anleiheabschreibungen sind gleichfalls gestiegen, die Reserven sind erhöht, und rein mengenmäßig konnte Glanzstoff eine Erzeugungssteigerung von 25 v. H. verzeichnen, während Bemberg sogar feststem, daß die Produktionsanlage nicht ausreichte, um den Lieferungswünschen nachzukommen.

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Auch der größte deutsche Kalikonzern, die W i n t e r s h a l'l AG., kann nach dem Geschäftsbe­richt 1937 eine Erzeugungssteigerung in allen Be­triebssparten aufweisen. Der Absatz des deutschen Kalisyndikats ist 1937 unter dem Einfluß der land­wirtschaftlichen Erzeugungssteigerung durch verstärk- ten Düngemitteleinsatz um 13 v. H gegenüber dem Vorjahre auf 15,4 Millionen Doppelzentner Rein- kali angewachsen. Etwa im gleichen Umfange find auch btc Lieferungen der Wintershall Werke auf .5,5 Milk Doppelzentner qeitiegcn. Der G'M) lsberi-ht 1 weist gleichzeitig daraus hin, daß der Syiiditatsob-.

fein müsse, bas Handwerk vor betrügerischen und nicht handwerksechten Einflüssen zu schützen, die es nur schwächen und trennen würden.

AeichMttschaflsmimster Funk führte dann u. a. aus, das neue Wirtschaftsdenken ist in Deutschland aus dem Kraftquell der politischen Idee des Nationalsozialismus erwachsen. Es ist die ideelle Ausrichtung des gesamten Volkslebens auf die alles beherrschende Idee der Volksgemein­schaft. Innerhalb dieser Volksgemeinschaft ist der einzelne Volksgenosse alles, außerhalb der Volks­gemeinschaft ist er nichts. In der Volksgemeinschaft findet er Arbeit, Wohlstand und Glück, außerhalb der Volksgemeinschaft verkümmert er geistig, seelisch und wirtschaftlich. Im und vom Handwerk lebt heute mehr als ein Siebentel der gesamten Be­völkerung des Deutschen Reiches. Die Umsätze des deutschen Handwerks sind heute um 100 v. H. höher als zur Zeit der Machtübernahme durch den Na­tionalsozialismus. Das Handwerk ist die Pflanz­stätte des gelernten Arbeiters, ist der beste Garant für die Durchsetzung des Wert- und Qualitätsgedankens in der Wirtschaft. Die Produk­tionsleistungen, die im engsten räumlichen Zusam­menhang zwischen Erzeuger und Verbraucher und in engem Kontakt zwischen diesen vollbracht werden müssen, kann nur das Handwerk durchführen. Es ist wiederholt betont worden, daß der Nationalsozialis­mus keine Exportware ist. Wir sind keineswegs so anmaßend zu glauben, daß die Welt nur nach un­seren (allerdings sehr erfolgreichen) Methoden glück­lich werden kann. Es wird nicht bestritten werden können, daß jedes Volk, das bestrebt ist, feine Wirt­schaft aus eigener Kraft in Ordnung zu bringen, damit auch einen Beitrag zur Ueberroinbung der weltwirtschaftlichen Schwierigkeiten liefert. Kein Land hat, auf die Dauer gesehen, einen Vorteil davon, wenn es anderen Ländern schlecht geht. Nur ein wirtschaftlich gesundes Land kann ein wertvoller Faktor bet Weltwirtschaft sein.

Empfang im Charlottenburger Schloß.

Berlin, 30. Mai. (DNB.) Reichsmißister Dr. Goebbels unb Frau empfingen bie Vertreter bes auslänbifchen unb deutschen Handwerks in den Räumen des CharlottenburgerSchlosses. In geschmackvoller Weise war die Flucht dei^ Zimmer, die nach dem weiträumigen Park hinaus liegen, für diesen festlichen Empfang hergerichtet worden. Dr. Goebbels konnte unter den Gästen neben dem Präsi­denten der Internationalen,Handwerkszentrale Pro­fessor Buronzo (Rom) begrüßen den polnischen Botschafter, den Gesandten Ungarns sowie den pol­nischen Handelsminister Ronan, bie Reichsminifter Funk unb Gärtner, ben Reichsorganisationsleiter Dr/Ley, Stabschef Lutze, Oberbürgermeister Dr. Lip­pert, ferner alle führenden Persönlichkeiten bes Handwerks. Der Charlottenburger Schloßpark war durch Scheinwerfer beleuchtet. Von dem mit Wolken dicht bezogenen Abendhimmel hoben sich kulissenhaft die Baumgruppen des'schönen, alten Parks ab. Aus der Schloßterrasse war die lange Reihe der Kan­delaber durch herrliche Blumenkörbe geziert.

satz im ersten Vierteljahre 1938 die gleiche Zeit des Vorjahres wieder um 12 v. H. übertroffen hat. Hand in Hand mit der Absatzsteigerung ging ein Ausbau aller Förderanlagen. Der gleiche Auf­schwung zeigte sich auch in den übrigen Geschäfts­zweigen des Konzernes.'

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Die I G. - F a r b e n i n b u ft r i e - A G., Frank­furt a. M., erhöht für ihr Geschäftsjahr 1937 die Dividende auf 8 (7) v. H. mit dem Bemerken, daß 1 v. H. hiervon dem Vortrag aus 1936 entnommen sei. Der Geschäftsbericht läßt erkennen, daß das Jahr 1937 von Arbeiten für ben Vierjahresplan auf fast allen Gebieten beherrscht war, daß dafür ein großer Finanzbedarf vorhanden, baß gleichzeitig gewisse Opfer, z. B. durch die Preissenkungen auf dem Stickstoffmarkt, verbunden waren, daß aber gleichzeitig durch ben Hochstanb bes Jnlandmarktes und der Behauptung der Ausfuhr die Finanzkraft des Unternehmens sich steigern konnte. Der Gesamt­umsatz erhöhte sich bei Steigerung bes Jnlanh- geschäftes. Die IG. hofft, ihre Gesamtausfuhr auch im laufenben Jahre halten zu können, doch wird der wichtige Exportmarkt des Fernen Ostens durch den dortigen Konflikt mit Besorgnis verfolgt. Farb­stoffe hatten höhere Umsätze im In- und Ausland. Auch Chemikalien erhöhten ihren Umsatz, besonders im Jnlandgeschäft. In Pharmazeutika mürben, eine Reihe neuer Heilmittel auch im Auslande einge­führt. Photographika hatten eine recht befriedigende Weiterentwicklung.

Kunstseide- und Zellwollprodukje hatten vollen Absatz der erweiterten Produktion. Eine neue Spe­zialkunstseide für Autodecken ist zu erwähnen. Riech­stoffe verfügten über zufriedenstellende Umsätze. Der Stickstoffabsatz wurde durch die bekannte Preis­ermäßigung angeregt. Die Steigerung reicht aber nicht aus, um den durch die Preisermäßigung be­wirkten Ausfall trotz geringerer Abschreibungen auszugleichen. In den Exportländern zogen die Preise an. Die Erzeugung an Treibstoffen wurde weiter gesteigert. Der Absatz in Leuna-Treibgas nimmt eine günstige Entwicklung. Die Versuchs­arbeiten für synthetische Schmieröle, für Aufarbei­tung deutscher Erdöle sowie für weitere neue Ver­fahren auf dem Mineralölgebiet wurden erfolgreich weitergeführt. Für 1938 ist mit der Inbetriebnahme mehrerer neuer Treibstoffanlagen zu rechnen. Die Braunkohlenproduktion erhöhte sich auf 28,57 (24,61) Mill. Tonnen, die Steinkohlenförderung auf 1,59 (1,39) und die Kokserzeugnisse auf 0,51 (0,50) Mill. Tonnen. Die Betriebe waren voll ausgenutzt, bei den Braunkohlenwerken wurde die Teererzeugung bereits in Großem aufgenommem Nach Zuweisung zur freien Pücklage von 5,29 aus Gewinnvortrag 1936 und 10 Mill. RM. ans Jahresertrag 1937 so­wie nach Abschreibungen auf bas Anlagevermögen non 105,25, verbleiben einschl. 6,8 (4,94) Restgewinn- Dortrag 54,85 (60,37) Mill. RM. ausweispflichtiger Reinertrag. Hieraus werben auf 680 Mill. RM. Stammaktien 8 (7) v. H., davon 1 v. H. stockpflichtige Dividende und 0,45 Mill. RM. AR.-Vergütung ge­zahlt.

Das günstige Bild der deutschen Gesamtwirtschaft wird abgerundet bimd) h«c weiter steigende Bau­tätigkeit. Die Bouerloubnisse übertrafen das Vorjahr mit 21,9 o. die ^Baubeginns mit 27,9

v. H., die Bauanträge um 11,13 v. H. Besonders zu begrüßen ist es, daß der Vorrang bes Ardeiter- wohnstättenbaus in der Neubautätigkeit nunmehr auch praktisch stark in Erscheinung tritt. Der Anteil der Kleinwohnungen an den Neubauten ist von 45,7 v. H. im ersten Vierteljahr 1937 auf 57 v. H. im ersten Vierteljahr 1938 gestiegen. Noch kenn- zeichnender für den anteilmäßigen Umfang des Ar- beiterwohnstättenbaus ist bie Feststellung, daß 69,4 v. H. aller fertiggestellten Neubauwohnungen solche mit drei bis vier Wohnräurnen waren. Parallel mit dem Anstieg des Arbeiterwohnstättenbaus geht die Anteilssteigerung der gemernnützigen Wohnungs­unternehmen an der Wohnungsbautätigkeit, der 40,9 v. H. gegen 29,6 v. H. in der Dergleichszeit des Vorjahres beträgt. Die Beteiligungsquote der privaten Bauherren ist vergleichsweise stark gesun­ken, steht aber mit 54,3 immer noch an der Spitze.

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Die Börsen in London, Paris, Amsterdam unb Prag waren infolge ber durch die Tschecho­slowakei verursachten politischen Spannung reichlich nervös geworden. Die Aktienkurse fielen, bie euro- . päischen Anleihen waren sehr gedrückt, unb auf dem Devisenmarkt lagen alle europäischen Devisen schwächer, aber dann konnten sich in London am Markt der Ausländsanleihen, die ebenfalls sehr schwach lagen, deutsche Bonds wieder befestigen. Bemerkenswert bleibt, daß in Frankreich das Fluchtkapital, das zunächst wieder zurückgekehrt war, in immer steigendem Maße sich in den Dollar flüchtete. Gleichzeitig wanderte das in Holland untergebrachte Fremdkapital, namentlich für fran­zösische und belgische Rechnung wurden Börsen- engagements liquidiert, um nach London unb von da weiter nach Neuyork zu wandern. Die Nachfrage nach Dollars mar so stürmisch, daß zur Rettung des Guldenwertes ^um ersten Male seit langer Zeit der holländische Währungsausgleichsfonds Dollars in beträchtlichem Umfange ab geb en mußte. In Lon­don mußte der französische Währungsausaleichs- fonbs ständig intervenieren, und damit dürfte sich sein kürzlicher Abwertungsgewinn wohl zum größ­ten Teile verflüchtigt haben. Die Stabilisierungs- grenze des Daladierftanken liegt bei 179, aber zum ersten Male wurde sie infolge bes gestiegenen De Ports ah es für ben Dreimonatssranken über­schritten, denn es wurden in London 180 Franken' für ein Pfund geboten.

Auch auf den Rohstoffmärkten wurde die leichte Belebung der Vorzeit durch erneutem Preisverfall abgelöst, für den der Rück­gang des amerikanischen Verbrauchs und damit des dortigen Lebensstandards verant­wortlich gemacht wird. Aus den Weltgetreidemärkten lag besonders Weizen in Neuyork mit 91,87 Cents gegen vorher 96,12 sehr schwach, vor allem wohl infolge der sehr geringen europäischen Nach­frage und der günstigeren Ernteschätzungen. Auf dem Kolonialwarenmarkt fiel das unerklärlich starke Absinken des Kakaopreises auf, Gummi lag schwächer. Der Preisindex in Gold betrug für Gummi am H4. Mai 1937 412,3, aber am 23. Mai dieses Jahres nur 246,7, der Index für Tex­tilien sank im gleichen Zeitraum von 141,4 auf 99,7. Besonders amerikanische Baumwolle ging zurück. Den stärksten Rückgang hatten die Metall­märkte und vor allem die Kupfer preise zu verzeichnen. Schon in der vorigen Woche war Küpser in London auf 38,31 Pfund gesunken unb notierte am Dienstag nur 34,19 Pfund.

Der 5. Deutsche Apothekertag in Frankfurt.

Der 5. Deutsche Apothekertag trägt gleichzeitig den Namen des 1. Großdeutschen Apotheker­tages, denn erstmalig sind auch die österreichischen Apotheker als Mitglieder vertreten. Die Tage, wur­den durch eine Festsi tzung ber Reichs- apothekerkammer im Bürgersaal bes Römers Eröffnet. Der Bezirksapothekerführer und Leiter ber Apothekeikkammer Hessen-Saarpfalz, Pharmazierat Zenner,' konnte Abordnungen aus Frankreich, aus der Türkei, aus Rumänien und den Nord­staaten begrüßen. Gauleiter Sprenger betonte, es sei besonders erfreulich, daß die Apothelerschaft sich so rasch in den neuen jungen Staat ein geordnet habe. Alle Juden seien aus dem Stande entfernt worden. Dieser Erste Großdeutsche. Apothekertag stehe im Geist ^der nationalsozialistischen Welt­anschauung. Der Reichsapothekerführer und Leiter der Reichsapothekerkammer, SA.-Brigade führ er Schmierer, gab bann einen Ueberblick über bie ständische Entwicklung bes Apothekerwesens.

Im Saalbau begann die Hauptversamm­lung ber Deutschen Apothekerschaft. Der Reichs- jugenbroalter der Deutschen Apothekerschaft, Pg. Mutschler, meldete bie vier Sieger aus dem Reichsberufswettka mp f, die Jung- apothekerin Waldmann, die Jungapotheker Hein, Petri und Völsch. Dann nahm ber Reichsapotheker, führer, SA.-Brigadeführer bch mierer, das Wort zu einem Rechenschaftsbericht. Der Apotheker habe nicht nur bie Arzneimittel herzustellen unb zu verkaufen, er habe auch die ideelle Aufgabe, ben Volksgenossen, ber vertrauensvoll zu ihm komme, in, der Erhaltung seiner Gesundheit weitgehend zu beraten. Auch ber Apothekerstand habe unter um geheurer Erwerbslosigkeit gelitten. Heute leide ejr an einem Mitarbeitermangel. Um diesen Mangel wirksam zu bekämpfen, schlug ber Reichsapotheker­führer ben deutschen Apothekern vor, ihre Betriebe weitgehend zu rationalisieren, neue Betriebsmethoden einzuführen und Maschinen in verstärktem Maße heranzuziehen. Um die Leistungsfähigkeit des Apo­thekers aufs höchste zu steigern, werden die bisher bestehenden Kreditinstitute der deutschen Apotheker zusammengefaßt in eine Apotheker bank, die die ganzen finanziellen Verhältnisse des Standes zu regeln in der Lage ist.

Der Reichsapothekerführer verlieh dem Apotheker Feldhofen in Lampertheim (Hessen) die Her- mann-Thoms-Medqille in Anerkennung für wissen­schaftliche Leistungen in der Apothekerpraxis. Der Reichsapothekerführer machte Mitteilung über die Bildung einer internationalen Akademie für pharmazeutische Fortbil'dung nach dem Muster ber Deutschen Akabemie, beren Zentrale in Berlin fein wird. Auch ber Ausbau bes Deut­schen Apothekermuseums in Münck-en mache erfreuliche Fortschritte. Der 6. Deutsche Apotheker­tag 1939 wird in Dresben ab geh alten werben.

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Der letzte Tag brachte zahlreiche Cinzelsitzungen. Im DolksbildungSheim versammelten sich die Lehr- apotheker unb Mitglieder der pharmazeutischen Dvr- prüfungskommission. Die Apotheker der SA., ff, des NSKK. und der HI. besprachen die Fragen der Arzneimittelversorgung ber Cinheiten, weiterhin hielten Tagungen ab die Pharmazieräte, die Aka­demie für pharmazeutische Fortbildung und die Luftschutzberater. Die Hochschullehrer spra­chen über die Erforschung dec ein^L-rruriÄ-ea

Wie sieht es in -er Wirtschaft aus?