Ausgabe 
31.5.1938
 
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Nr. 125 Erstes Matt

Dienstag, 31. Mai (958

188. Jahrgang

Das kommende deutsche Strafverfahren

Schwere Kämpfe an der Lunghaibahn.

Japanischer Lorffoß auf dem Jangtse. Neue Bombenangriffe auf Kanton.

Schanghai, 30. Mai. (Europapreß.) Die ge­fährliche Lage, in der sich die japanische Dochara Division im Lunghai-Abschnitt seit Tagen befindet, wird von japanischer Seite bestätigt. Die japanischen Truppen, die über das Wochenende Kweiteh ein- nehmen konnten, befinden sich in Eilmärschen ent­lang der Lunghai-Eisenbahnlinie, um der vor Kai­feng stehenden Doihara-Divisidn zu Hilfe zu eilen; sie marschieren in westlicher Richtung auf Lan­sang zu, das sich noch In chinesischer Hand be­findet. Rach chinesischen.Meldungen soll die Gefahr der Blockierung der Lunghai-Bahn westlich von Tschengtschau gebannt sein. Es soll den Chinesen gelungen sein, wichtige strategische Punkte, so die Orte Mengshien, Tsinyang und Wehnshien, zurück­zuerobern. Gleichzeitig besagen japanische Meldun­gen, es sei den japanischen Truppen gelungen, bis auf 50 Kilometer an die Peking Hankau- Eisenbahnlinie in dem Abschnitt zwischen Pentscheng und Hsütschang vorzudringen.

. Zur Unterstützung der Operationen der japani­schen Armee setzten japanische Minensucher und Flußkanonenboote zu einem Vorstoß auf dem Jangtse an, der seit einigen Tagen Hochwasser führt und damit die Verwendung größerer Schiffe ermöglicht. Die japanischen Kriegsschiffe haben b e - reite Wuhu erreicht. Augenscheinlich planen die Japaner, vor Wuhu eine größere Anzahl von Kriegsschiffen zusammenzuziehen, um dann b i s Han kau vorzustoßen. Die von den Chinesen etwa 350 Kilometer unterhalb Hankaus angelegte Flußsperre soll durch das Hochwasser teilweise

sich aber schon jetzt die absteigende Weltkonjunktur auch auf Südafrika aus, und vielleicht ist die Zeit nicht mehr fern, da der wirtschaftliche Druck so groß wird, daß er die Vereinigte Partei zer­sprengt.

Schon heute wird diese Partei eigentlich nur noch durch Hertzog und Smuts zusammengehalten. Beide aber sind siebzig Jahre alt, und es ist wahrscheinlich, daß, wenn beide einmal von der politischen Bühne abtreten, ihre Partei sich wieder in ihre Bestand­teile auflösen wird. Trotz aller äußeren Harmonie ist es den b-eiben nie gelungen, ihre Partei zu einer Einheit zusammenzuschmelzen. Ihre englischen und burischen Bestandteile und Interessengegensätze sind alle die Jahre hindurch deutlich sichtbar ge- dlieben, weil weder die Buren noch die Engländer eine wirkliche Verschmelzung wollen. Die große Masse der Buren bleibt stolz auf ihre Rasse, und wenn sie aus diesen ober jenen (Brünben mit den Engländern ein Stück Weges Zusammengehen, so wissen sie doch, daß das kein Dauerzustand bleiben darf, wenn sie sich nicht selbst aufgeben wollen. Männer wie der heutige südafrikanische Verteidi­gungsminister. Pierow, Nachfahre einer alten Burenfamilie aus Transvaal, werden, wenn die Zeit' kommt, ihr Südafrika genau so voranstellen, wie es heute schon Dr. Malan und seine Partei tun. Zwischen Pierow und Malan gibt es praktisch nur Gegensätze über Fragen der Taktik. Gerade Pierow hat in seinen Reden und Aeußerungen wiederholt gezeigt, daß ihn eine Welt non Smuts und seinen Vorkämpfern des englischen Weltreiches trennt. Schon heute deutet vieles darauf hin, daß dieser Mann, der für Deutschkand Verständnis hat, in Zukunft in der Südafrikanischen Union eine Rolle spielen wird.

Die Erneuerung des Strafrechtes ge­hört zu den großen Aufgaben, die der national­sozialistische Staat entschlossen in die Hand genom­men hat. Im Herbst 1936 wurde der Gesetzentwurf in seinen Vorarbeiten abgeschlossen, wichtige Ab­schnitte sind vom Reichskabinett bereits durchberaten worden. Zu einem neuen Strafrecht muß aber auch ein neues Rechtsverfahren treten. Wäh­rend jenes die Strafbarkeit einzelner Handlungen und die Höhe der Bestrafung festlegt, muß dieses den Rechtsgang von der Anzeige bis zum Urteil in letzter Instanz regeln.

Daher ist eine amtliche Kommission für den Straf­prozeß eingesetzt worden, die unter dem Vorsitz des Reichsjustizministers Dr. G ü r t n e r Sachverstän­dige aus den Kreisen der Wissenschaft und der Praxis zusammenfaßte. Als Vertreter der NSDAP, hat Rechtsanwalt Graf, von der Goltz mitgewirkt. Dieser Ausschuß hat in den Jahren 1936'37 in sechs Tagungsabschnitten die erste Lesung durchgeführt, zu Beginn dieses Jahres konnte die zweite und letzte Lesung erfolgen. Reichsminister Dr. Gärtner hebt in seinem Bericht darüber hervor, daß an diesem Teile der Beratungen auch Rechtswahrer des Lan­des Oesterreich teilgenommen haben, nachdem die Wiedervereinigung mit dem Reiche vollzogen war. Ferner waren an den Vorarbeiten die Vertreter der Ministerien, der Wehrmacht und der Polizei be­teiligt.

Als Grundzug des umfangreichen Werkes, über das die einzelnen Sachbearbeiter in einem Buche berichten (Verlag R. v. Decker, Berlin), wird be­zeichnet: die rasche und energische Durchführung der Verfahren, die Sicherung des gerechten Rechts­spruches und die Gestaltung einer volksverständlichen Rechtsprechung. Bisher standen sich im Strafprozeß Richter und Staatsanwalt als getrennte Organe gegenüber. Es bestand ferner das System der

tralität Südafrikas im Falle kriegerischer Äer- wicklungen in Europa eine Frage, der die Ver­einigte Partei und ihre Führer bisher stets aus dem Wege gegangen sind. Auch in der Kolonial­frage vertreten Dr. Malan und feine Anhänger einen sehr viel eindeutigeren Standpunkt als Hert­zog ober Smuts, von denen der letztere sich gegen die Rückgabe der Mandatsgebiete an Deutschland ausgesprochen hat, während General Hertzog hier eine abwartende Haltung einnimmt. Vornehmlich sind es die englischen und englandfreundlichen Ele­mente in Südafrika, die sich mit allen Mitteln gegen die Rückgabe des von der Südafrikanischen Union verwalteten Mandatsgebietes von Südwest- Afrika sträuben. Die Partei Dr. Malans vertritt auch auf diesem Gebiet eine reinliche Lösung.

Das ist heute die Lage in Südafrika. Ihr hervor­stechendstes Merkmal ist die Kompromißfreudigkeit der Mehrheit, die aber doch nicht weit genug geht, um den Dualismus zu überbrücken. Südafrika hat noch immer zwei Hauptstädte, Kapstadt und Pretoria, englisch die eine und burisch die andere; es hat noch immer zwei amtliche Sprachen, Englisch und Holländisch-Burifch. Es hat sogar nach immer zwei Nationalhym­nen, eine englische und eine burische. Sogar zwei Landesflag.gen gibt es noch Das wird auf fange Sicht als ein unmöglicher Zustand angesehen, dessen Dauer im wesentlichen von perso­nellen und wirtschaftlichen Voraussetzungen abhängt, wobei die wirtschaftlichen die wichtigeren sind.

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Prag hat das Wort.

23on unserem Schm.-Sonderberichkerstcftier.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Prag, 29. Mai 1938.-

SÖenn es dessen überhaupt noch bedurfte, so hat dieser zweite Wahltag in der Tschechoslowakei eine neue Bestätigung dafür erbracht, daß es der Wille aller klarsichtigen Sudetendeutschen ist, ihre Wünsche und Interessen durch dieSudeten-- deutsche Partei vertreten zu lassen. Die von allen übrigen Parteien allein noch vorhandenen deutschen Sozialdemokraten, die sich nur noch als Hemmschuh einer so ober so über sie hinweggehen- beri Entwicklung betätigen könnten, finb zur völli­gen Bedeutungslosigkeit herabgesunken, lieber sie braucht man nicht länger zu reden, und daß man es selbst in Kreisen der Prager Regierung nicht mehr tut, ist ein sicherer Gradmesser für ihre künf­tige Einflußlosigkeit. Damit hat sich vor den Augen einer an den gegenwärtigen Vorgängen in der tschechoslowakischen Republik höchst interessierten Weltöffentlichkeit die Tatsache bewahrheitet, daß nur d i e Partei Konrad Henleins er­mächtigt ist, im Auftrags der sudetendeutschen Volksgruppe zu sprechen. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß auch am letzten Wahltage, am 12. Juni, ein eindeutiges Votum der Sudeten­deutschen für die SDP. abgegeben werden wird.

Daraus resultiert, daß man sich im tschechischen Lager noch stärker als bisher des - Umstandes be­wußt werden muß, daß alles, was jetzt geschehen kann und soll, von der Bereitschaft b er Regierung z u e i n e m A u s g l e i ch abhängt. ASf der sudetendeutschen Unterhandlungsseite sind wenigstens im Grundsätzlichen die Fronten abgeftecktx Sie gruppieren sich um die von Konrad Henlein in seiner programmatischen Karlsbader Rede erhobenen Forderungen. Nun liegt es in der Hand und nicht zuletzt auch im Interesse der Prager Re­gierung, ihrerseits Farbe zu bekennen. Mit leeren und hinhaltenden Erklärungen einer immer wieder als wünschenswert bezeichneten Verständi­gung kann es jetzt nicht länger mehr sein Behen­den haben. Wenn man mit Spekulationen auf außenpolitische Rückwirkungen weiterhin von einer gefährdeten Integrität des Staates spricht, so mutz man sich endlich vergegenwärtigen, daß solche Be­fürchtungen nicht abgeschwächt werben, indem man fortgesetzt über sie redet, sondern daß man bereit sein muß, die Dinge wieder, dahin zurück- z u f ü h r e n, von wo sie ihren A u s g a n g nahmen. Was hier zur Erörterung steht, ist ja ein vornehmlich innerpolitisches Problem. Wenn man, möglicherweise über den Kopf der Regierung hinweg, im höchst ungeeigneten Augenblick mili­tärische Rückgriffe für nützlich hielt, so muß man sich im tschechischen Lager darüber klar wer­den, daß durch diese Maßnahmen eine Bereini­gung erschwert wird und bei ihrer keineswegs zu rechtfertigenden Aufrechterhaltung auch künf­tig verbaut zu werden droht. Damit ist nicht etwa nur der sudetendeutsche Standpunkt präzisiert. Auch in Kreisen der gemäßigten Tschechen hat sich inzwischen die Erkenntnis Bahn gebrochen, daß auf der Programmankündigung eines Befriedungskon­zertes Maschinengewehrgeknatter und Geschütz­donner eine" unmögliche Beigabe waren.

Die Vorgänge der letzten Woche haben erkennen lassen, daß die in der Vorwoche durch die hitzige Aushebung starker militärischer Einheiten zuge- sstitzten Probleme wieder auf den einzig oernünf« tigen Weg gebracht sind, nämlich in die innere Linie zurückzukehren. Es kann freilich nicht oft genug betont werden, daß das Verdienst an der inzwischen erreichten Entspannung allein der sudetendeutschen Disziplin zukommt- Diplomatische Einsprüche, denen die " tschechische Presse aus durchsichtigen Gründen so viel Bedeu­tung beimißt, mögen vielleicht insofern einiges bei» , getragen haben, als sie der Regierung Hodza im eigenen Lager den Rücken stärken konnten, aber entscheidend für die Entwicklung konnten sie un­möglich sein. Das geht ja auch schon daraus her­vor, daß sie zwecklos hätten bleiben müssen, sofern die Sudetendeutschen gegenüber den Zumutungen, die man schon wirklich nicht mehr anders als mit Provokationen bezeichnen kann, die Nerven ver­loren hätten. Es hätte niemand zu verwundern brauchen, wenn es geschehen wäre, denn das Pulverfaß stand bereit, und der Funke drohte zum vorletzten Wochenende stündlich überzuspringen.

Daran muß erinnert werden, wenn man mit reservierter Genugtuung feststellt, daß jetzt Möglich­keiten eröffnet sind, die Spannung über das inner- politische Gleis weiter abzuwickeln. Erst wenn es sich herau^stellt, daß die schwelende Unsicherheit keinen unverzüglichen' Brand mehr auszulösen im­stande ist, wird man den Dingen freier entgegen­sehen können. Aus diesem Wunsche heraus erklärt sich schließlich auch die Forderung der SDP., d i e militärischen Maßnahmen wieder ein- g e st e l l t zu sehen. Solange sie fortbestehen, muß das Vertrauen erschüttert bleiben. Dafür sollte man auf tschechischer Seite endlich^twas mehr Verständ­nis haben. Immerhin ist die Entspannung nun so weit gediehen, daß die am 23. Mai durch eine Aus­sprache zwischen Konrad Henlein und Minister­präsident Hodza eingeleiteten Verhandlungen weitergeführt werden konnten und immer vor­ausgesetzt, daß es nicht zu neuerlichen Störungen kommt fortgesetzt werden können. Wie man in Prag hört, hat die SDP. der Regierung inzwischen einen Entwurf vorgelegt, in dem die von der sudetendeutschen Volksgruppe im Zuge der Ver­handlungen über das neue Nationalitätenstatut er­warteten Zusagen feftgekgt sind. Ob es sich dabei bereits um den von der tschechoslowakischen Regie­

fortgeschwemmt worden sein» Das Vordringen der Kriegsschiffe soll anscheinend mit der Offensive des Heeres gegen Hankau zusammenfallen.

Die südchinesische Handelsmetropole Kanton wurde am Montagvormittag zum vierten Male einem schweren Luftangriff ausgesetzt. Der neue Angriff auf Kanton, i^n Ausgangspunkt der für China lebenswichtigen Eisenbahnlinie Kanton Hankau, wurde von etwa zwanzig Flug­zeugen durchgeführt. Insbesondere die Gebäude der Regierung waren erneut das Angriffsziel der japanischen Flieger. Obwohl die Japaner es bisher möglichst vermieden haben, die ausländische Niederlassung (Schamien) zu überfliegen, macht sich unter den in der Niederlassung wohnen­den Ausländern eine gewiss? Besorgnis bemerkbar, zumal Schrapnellsplitter wiederholt in die Nieder­lassung getragen worden sein sollen. Die Straßen der Niederlassung waren infolgedessen^ bis in die frühen Nachmittagsstunden des Montags verlassen. Zum Schutze der britischen Staatsangehörigen in Kanton sind am Montagoormittag zwei wei­tere englische Kanonenboote,Cicala" undSeamew", nach Kanton abgegangen. Die BooteMoth" undTarantula" liegen bereits vor Kanton.

Die Zahl der in Hongkong lebenden Flücht­linge wird auf über 750000 geschätzt. Die Be­hörden tragen sich bereits mit dem Gedanken, jeden weiteren Zuzug zu sperren, da die Seuchengefahr immer größer und die Ernährungsfrage immer schwieriger wird.

Gegenüber diesen streng rassisch bedingten Grund- sätzen vertreten die Engländer den Nutzlich- keitsstandpunkt. Theoretisch sind sie zwar auch für die Trennung der Rassen, aber sie sind zugleich auch, wie in Indien, Opportunisten und mochten die Eingeborenenheben" und zur Mitarbeit heran­ziehen. Durch die Bildung der E i n h e i ts partei sind diese Gegensätze bis zu einem gewissen Grade überkleistert worden. Wie auf anderen Gebieten, mußte die Regierung auch in der Eingeborenen­frage Kompromisse machen. Im großen und ganzen überwog zwar weiter der Burenstandpunkt, zumal 1 auch General Smuts auf diesem Gebiet mehr Bure ist als Engländer, aber man machte doch Zuge­ständnisse, die von Dr. Malan und ferner Partei abgelehnt und im Wahlfeldzug rücksichtslos be­kämpft wurden.

Aber die Nationalistische Partei fordert auch ein Verbot jeder weiteren jüdischen Ein­wanderung sowie die Brechung der Dorherr- schast ausländischer Banken und ausländischer Reeve, reien wobei unterausländisch"englisch zu verstehen ist. Nicht zuletzt steht auf dem Programm der Nationalistischen Partei die vorbehaltlose N e u -

Waffengleichheit" zwischen Ankläger und Ange­klagten. Dafür tritt nun eine klare Abgren­zung der Verantwortlichkeiten ein: der Staatsanwalt ist für den gesamten ersten Teil des Verfahrens verantwortlich, nämlich für die Untersuchung, das Gericht aber für das Hauptverfahren. Der Staatsanwalt übernimmt da­mit auch die- Verpflichtung, alle Vorgänge, die für den betreffenden Fall wichtig sind, selbst zu be­arbeiten. Er erhält neue Zwangsmittel und neue Rechte, um die Materie zu klären. Daher wird er künftig die Befugnis erhalten, Haftbefehle auszu- fpechen, Beschlagnahmungen und Durchsuchungen vorzunehmen, zu denen bisher ein richterlicher Be­schluß vorliegen mußte. Wenn dann die Anklage erhoben ist, geht die weitere Verantwortung an das Gericht über.

Die Strafgerichte werden künftig folgende Zusammensetzung aufweisen: für die Fälle der kleinen Kriminalität" bleibt es bei dem System des Einzelrichters, das sich bewährt hat. Die mittleren Fälle kommen vor ein Schöffen­gericht aus einem Richter und zwei Schöffen, für größere Verfahren gibt es noch eine S ch äf­fen k a m m e r aus zwei Richtern und drei Schöf­fen. Das Schwurgericht ist auch fernerhin das große Schöffengericht, das schwere Fälle ab­zuurteilen hat. Es besteht aus drei Richtern und sechs Geschworenen, die aber nicht getrennt beschlie­ßen, solidem gemeinsam. In allen Fällen ist also eine Mehrheit von Richtern vorhanden, die aus dem Volk kommen. (Laien^Richter.) Der vorsitzende Richter erhält erhöhte Befugnisse: er kann über Beweisanträge ohne besondere Beratung befinden, Haftbefehle von sich aus erlassen usw. Der Gedanke des Führertums ist damit auch im Strafprozeß zur Geltung gekommen. Die Urteile sollen auch weiter­hin durch kollegialen Beschluß gesprochen werden.

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Südafrika mit seiner steigenden Golderzen- gung ist heute ein reiches Land, das alle Welt unmittelbar oder mittelbar pflichttg ist und dessen Staatshaushalt daher seit Jahren teilweise sehr be= ,t deutende Uebe-schüsse aufweist. Sogar die Last neuer -! Rüstungen wird mühelos getragen. Trotzdem wirkt

Oie Südafrikanische Union Hai gewählt.

Von unserem S. T.-Korrespondenien.

London, Mai 1938.

Während im allgemeinen Parlamentswahlen in den englischen Gliedstaaten in London ohne Korn-, mentare verzeichnet werden, sind die Ergebnisse der Wahlen in der Südafrikanischen Union hier sehr eingehend geprüft worden. Anlaß dazu war die Tatsache, daß die im Jahre 1932 gegründete Ver­ewigte Südafrikanische Partei in die­sen Wahlen vor ihrer ersten großen Probe stand und diese auch bestanden hat. Von den 150 Sitzen im südafrikanischen Parlament eroberte die Ver­einigte Partei 111 Sitze. Gegenüber der Zusammen­setzung des alten, vor einigen Monaten aufgelösten Parlaments bedeutet dieses Ergebnis zwar einen Verlust von sechs Sitzen; aber bei der Wahl des alten Parlamentes hatte die Vereinigte Partei noch .nicht bestanden, und-ihre Fraktion war erst später durch den Zusammenschluß der Mehrheiten der Nationalen Buren-Partei und der alten englischen Südafrikanischen Par­tei entstanden. Dieser Zusammenschluß ist nunmehr von einer Mehrheit der Wähler bestätigt wor­den, und da die Vereinigte Partei für die Zusam­menarbeit zwischen Buren und Engländern und Südafrika und London eintritt, sieht man hier in dem Wahlausgang eine Festigung des Gefüges des Weltreiches.

Anderseits gibt es aber auch Stimmen, die den Wahlausgang lediglich als Fortsetzung des im Jahre 1932 in der südafrikanischen Innenpolitik eingetre­tenen Schwebezustandes bezeichnen. Bis zu diesem Zeitpunkt standen sich die von General Hertzog geführte Nationalistische Buren-Partei und die Süd­afrikanische Partei unter Führung von General Smut.s in scharfer Opposition "gegenüber. Die beiden Generale hatten einst gemeinsam gegen England gekämpft, dann aber hatte sich General Smuts immer mehr zum Vorkämpfer der inner- und außenpolitischen Zusammenarbeit mit den Englän­dern und mit England entwickelt, während General Hertzog der Führer der Buren geblieben war. An­fang 1932 verfügte General Hartzog mit Unter» 4 stützung der Arbeiterpartei noch über eine kleine Mehrheit im südafrikanischen Parlament. Aber die Not der Zeit zwang den Burenführer ju einem Kompromiß mit dem einstigen Mitkämpfer und spä­teren Gegner, General Smuts. Seitdem haben .beide gemeinsam, der eine als Ministerprä­sident, der andere als stellvertretender Minister­präsident, die Geschicke der Südafrikanischen Union geleitet.

Aber nicht alle Buren folgten General Hertzog in das Gemeinschaftslager mit General Smuts. Eine Minderheit unter Hertzogs einstigem engsten Mitarbeiter, Dr. D. F. Malan, blieb draußen. Im alten Parlament verfügte diese Nationalistische Partei über zwanzig Sitze; im neuen hat sie 27 Sitze. Auf der anderen Seite gab es aber auch Engländer, Die jede Zusammenarbeit mit den Buren ablehnten. Auch hiefe haben bei den Neu­wahlen ein paar Sitze gewonnen. In dem auf­gelösten Parlament gab es von ihnen nur fünf, in dem neuen gibt es acht Sitze. Hierzu kommen noch drei Mitglieder der Arbeiterpartei, die in den letzten Jahren immer mehr an Einfluß ein- gebüßt hat, sowie ein Unabhängiger. Die Mehrheit Der Kompromißler um Hertzog und Smuts ist so­mit sehr bedeutend.

Wahlberechtigt, waren rund 1,2 Millionen, die sich zu 60 v. H. aus Buren zusammensetzen. Die rest­lichen 40 v. H. sind Engländer und Angehörige bzw. Abkömmlinge europäischer Nationen. Hierzu kom­men 6,5 Millionen Neger und runb 800000 Mischlinge, die kein Wahlrecht haben. Diese starke Negerbevölkerung ist einer der Gründe für die Gegensätze zwischen Buren und Engländern. Die über eine sehr viel längere Erfahrung als die Engländer verfügenden Buren sind traditionell f ü r eine reinliche Scheidung zwischen Weißen und Eingeborenen, die nach ihrer Auffassung voll­ständig voneinander getrennt leben müssen. Wo diese reinliche Scheidung unmöglich ist, wie, im Falle von eingeborenen Dienstboten ober Hilfs­arbeitern, sollen diese nach Auffassung der Buren einer strengen Disziplin unterworfen und ihrem Eigenleben überlassen bleiben. Jedezivilisatorische" Erziehungsarbeit an den Eingeborenen, jede Mis­stonstätigkeit und ähnliche Dinge werden von den Buren schroff abgelehnt.

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

DntÄ und Verlag: vruhlsche Univerfilätrdrnckerei R. Lange in Gießen. Schristleitvng und Seschästrftelle: Schulstraße 7