rung der SA. übernahm, bis dann Adam Lotz als Ortsgruppenleiter und SA.-Führer den Ausbau durchführte, so daß Adam Lotz zum ersten Kreisleiter der stetig wachsenden Bewegung berufen werden konnte. Er flocht die Erinnerung an manche persönliche Episode ein und machte verständlich, wie schwierig damals das Bekennen zum Führer wurde. Er erinnerte an die vielen Schwierigkeiten und die Auseinandersetzungen, die die SA. zu überstehen hatte, und sagte abschließend, wenn wir das Glück hätten und in diesem Jahre, gestützt auf die großen
Erfolge der ersten Hitler-Urlauber-Kameradschaft, für hundert Männer mit dem goldenen Parteiabzeichen, davon fünfzig mit dem Blut-Orden, einen vierzehntägigen Urlaubsaufenthalt in Gießen zu- standezubringen, so wäre das der schönste Dank an die Männer, die ihre Gesundheit für das neue Deutschland geopfert haben.
Beim Gesang vertrauter Weisen blieben Die Volksgenossen noch einige Zeit kameradschaftlich beisammen.
Aus der Giadi Gießen.
in einem einigen Deutschen Reich. Durch den Neuaufbau sei Deutschland wieder Weltmacht geworden. Kein Volk der Erde wage es heute, irgend etwas gegen Deutschland zu unternehmen. Das seien die Verdienste unseres Führers, hinter dem ganz Deutschland stehe. Wenn der Führer auch daraus Hinweise, daß sein Werk in erster Linie durch die Mitarbeit seiner Kämpfer und des ganzen Volkes zum bisherigen Erfolg gebracht werden konnte, so wüßten wir doch, daß all unsere Einsatzbereitschaft, all unser Wollen und Streben umsonst gewesen wären, wenn der Führer uns nicht mit unerschütterlicher Zuversicht, mit seinem starken Glauben an Deutschlands Zukunft geführt hätte. Deshalb sei es heute unsere Pflicht, dem Führer dankbar zu sein. Diese Dankbarkeit müsse man darin finden, daß wir, wie in den vergangenen Jahren, auch in der Zukunft eisern zusammenstehen und in Treue stets und überall dem Führer folgen. Der Führer befiehlt und wir folgen! t. . .
Ortsgruppenleiter Thomas brachte hierauf das Sieg-Heil auf den Führer aus und schloß den offiziellen Teil mit dem Horst-Wessel-Lied.
Bei flotter Musik und dem Gesang alter Kampflieder verblieben die Besucher noch einige Stunden in echter Kameradschaft beisammen.
Ortsgruppe Ost.
Die Ortsgruppe Ost hielt ihren Kameradschaftsabend in den Räumen des Schützenhauses ab, die bis auf den letzten Platz besetzt waren. Ortsgruppenleiter Kreuder begrüßte die Erschienenen, besonders willkommen hieß er die Altgardisten der Bewegung. Im Verlaufe seiner Ansprache gab er einen Rückblick auf die vergangenen 15 Jahre. Ausgehend von dem Jahre 1923 wies er auf den steten Aufstieg der Bewegung hin und schilderte in eindrucksvoller Weise die harten Kämpfe, die geführt werden mußten, bis der 30. Januar 1933 endlich den Sieg brachte. Er gedachte in Ehrfurcht der 16 Toten des 9. November an der Feldherrnhalle und widmete dem ersten Blutzeugen des Sieges, Hans Eberhard M a i k o w s k i, eine Minllte stillen Gedenkens. Die Parteigenossen ermahnte er angesichts der ungeheuren Opfer, die gebracht wurden, um Deutschland neu erstehen zu lassen, ihre ganze Kraft auch weiterhin zur Verfügung zu stellen zum Wohle unseres Volkes und Vaterlandes.
Der Ortsgruppenleiter konnte dann an die Blockleiter Braun, Großblotekamp, Grundke, Hofmann, Klinkel, Plank, Spohn, Schwarz, Wagner, Warn und Weber für ihre verdienstvolle Mitarbeit in der Partei die Ausweise aushändigen, die damit die Verpflichtung übernommen haben, auch weiterhin ihre ganze Kraft der Partei zur Verfügung zu stellen.
Im weiteren Verlaufe des Kameradschaftsabends trug Pg. Geiger durch Vortrag einiger Dichtungen „Kameraden" (von Wendnagel), „Wir Soldaten" (von Schumann) und „Wahlkampf im Fischerkietz (von Gerh. Pantel) wesentlich zur Verschönerung des Abends bei. Der musikalische Teil wurde von Männern des SA.^Musikzuges der Standarte 116 in bester Weise bestritten.
Die Bordkapelle der Marine-HI. hatte sich in den vorderen Räumen niedergelassen und erfreute durch ihre munteren lustigen Weisen. In guter Kameradschaft blieben die Mitglieder der Ortsgruppe Ost noch einige Stunden zusammen.
Gießen-Güd.
Die Kameraden der Ortsgruppe Gießen-Süd fanden sich im Studentenhaus zu ihrem Kameradschaftsabend ein. Ortsgruppen - Propagandaleiter Blinzig eröffnete den Abend. Anschließend hielt Ortsgruppenleiter Holländer eine kurze Ansprache, der wir folgendes entnehmen: Immer wieder, wenn wir die Wiederkehr des Tages der nationalsozialistischen Revolution festlich begehen, wird außer dem Gefühl stolzer Freude auch der schmerzliche Gedanke uns bewegen, daß mancher Kamerad nicht mehr mitfeiern kann. Wir erinnern uns an die Zeit, da das ■ Bekenntnis zum Führer von Ge
fahren, Tücke und Kampf begleitet war, aber wir wissen auch, daß gerade in jener Zeit der Not und der Sorge die Treue und die Kameradschaft unter unserer Fahne wohnten. Das gibt auch unserer Feiergestaltung immer wieder jene geheimnisvolle Kraft, die uns alle umfängt, daß wir immer m diesen Stunden jener 400 gefallenen Kameraden gedenken, die ihr Leben für Deutschland gaben. Der Sturmführer Maikowski wird ewig beim letzten Appell Zeugnis für die Disziplin der NSDAP, ablegen. Und so, wie wir gestritten und gekämpft haben um Sieg und Erfolg in der Zeit des Kampfes um die politische Macht, so wollen wir fester und leidenschaftlicher noch hinter unseren Standarten marschieren in die Höhen einer Wirklichkeit gewordenen Verheißung. Wir wissen, das deutsche Volk hat sich gefunden nach einer schweren dunklen Zeit. Aber unser Führer hat uns nicht nur zu einer Einheit zusammengeschweißt, sondern uns wieder hingeführt zu den alten Kraftquellen völkischen Daseins und Denkens. Wir wollen weiter treu fein in der Erfüllung unserer Pflichten und uns auch ein gutes Auge und ein offenes Ohr bewahren. Nie wieder wird sich das deutsche Volk fremden Autoritäten beugen. Das deutsche Volk wird sicher seinen Weg gehen, in festem Glauben an seine Berufung und wird weiter treu marschieren hinter seinen Fahnen. Nach einem eindrucksvollen Derswort aus der Feder des Reichsjugendführers schloß Ortsgruppenleiter Holländer seine Ansprache mit Worten des Dankes an Gott, der uns den Führer zu rechter Zeit sandte. Orts- gruppen-Propagandaleiter Blinzig brachte das Sieg-Heil auf den Führer aus. Gemeinsam wurden die Lieder der Nation gesungen.
Im weiteren Verlauf des Kameradschaftsabends wurde dem Ortsgruppenleiter im Auftrag der Politischen Leiter der Ortsgruppe durch Pg. Fey ein Gedenkblatt als Anerkennung und Dank für feine Arbeit innerhalb der Ortsgruppe überreicht. Auf dem Gedenkblatt war ein Gedicht verzeichnet, das von Pg. Männche verfaßt war. Ortsgruppenleiter Holländer dankte für diese Ehrung, betonte aber, daß der Dank vor allem seinen stan- tilgen treuen Mitarbeitern gelten müsse. Pg. M a - g e I schilderte anschließend einige Erlebnisse aus der Kampfzeit. Bei Musik und kameradschaftlicher Unterhaltung klang der Abend aus.
Gießen-Mitte
Die Ortsgruppe war im „Württemberger Hof". Ortsgruppenleiter Weber hob in einer kurzen An- spräche hervor, wie dieser 30. Januar neben den vielen stolzen Feiertagen des jungen Reiches zu den schönsten Erlebnissen zählt, und würdigte die Einsatzbereitschaft der braunen Kämpfer, denen in erster Linie dieser Tag des Sieges zu verdanken ist. Dabei verwies er auf die eindrucksvolle Ehrung für SA.-Sturmführer Maikowski, mit dessen Blut dieser Sieg besiegelt wurde, und ließ dann die Gedanken über Die Jahre des Kampfes zurück- fäpüeifen. An den großen Taten, durch die Die Festigung und Der Ausbau Des Dritten Reiches zielsicher durchgeführt wurde, wies er Die planmäßige und sichere Einlösung Der in Dem Parteiprogramm feftgelegten Versprechen des Führers nach. Abschließend gedachte er der Opferbereitschaft Der SA.- und ---Männer und machte sich zum Dolmetsch der Gefühle des Volkes für Den über alles geliebten Führer.
Nach einer musikalischen Ueberleitung gab Der Träger des goldenen Parteiabzeichens Lorenz Eifert feine Erinnerungen aus der ersten Zeit der Gießener Bewegung wieder. Er führte die erste Gründung an, streifte Dann die Uebergangszeit unter Dem Sturmführer August Weller bis zu Der Zeit, als Ingenieur C o m p t e r die Ortsgruppe führte, und bis Der Ausgang der „Dinter- Dersammlung" auf Der Liebigshöhe eine vorübergehende Einstellung Der Arbeit notwendig machte. Nach den ersten Vorbereitungen unter Lucius und Hermann Leyerzapf berichtete er aus Der Zeit, in Der er selbst vorübergehend Die Füh-
Wann wird es Frühling?
Diese so überaus wichtige Frage wird manchen von uns in diesen Tagen bewegen. Der eine denkt Dabei an seinen Kohlenvorrat, Der andere an eine Reise, und eine Frau — ich meine eine richtige Frau — denkt gewiß an ihren neuen Frühjahrshut!
Aus dem Kinderzimmer tönt es von kleinen, klavierübenden Händen, und ich singe es innerlich leise mit: „Früh--ling, Früh--üng wird
.. es nun ... bald!"
Die lauen Lüfte dieses Januars, das ftöhliche Pfeifen Der Meisen lassen wirklich ein erstes Frühlingsahnen in uns aufblühen, doch der „Vernünftige" denkt an den Kalender! Ist es wirklich schon an der Zeit? Aber halt! Morgen ist ja Maria Lichtmeß! Eine alle Bauernregel befiehlt:
„Maria Lichtmeß: Das Spinnen vergeß, und bei Tag zu Nacht gegeß!"
Wirklich ist es schon merklich länger hell, und Die sparsame Hausfrau denkt erfreut an Die kleinere Rechnung, Die Der „elektrische Mann" bringen wird, wenn auch für uns Städter das Abendessen noch bei künstlichem Licht ftattfinben muß.
Mit Maria Lichtmeß hat es aber noch ein^ andere Bewandtnis. Der Dachs nämlich, dieses sonst so nette Tier, besitzt die meiner Ansicht nach üble Angewohnheit, an diesem Tage aus seinem Bau zu kommen und nach dem Wetter Umschau zu halten. Scheint dann Die Sonne und erblickt er seinen Schatten, zieht er sich wieder in seine Gemächer zurück, um weiterzuschlafen, denn: es wird noch sechs Wochen kalt!!
O weh, denkt da mancher, da kann man am Ende seine vorwitzig hervorgeschossenen Frühlingshoffnungen wieder begraben? Für die Vorerwähnten — ich meine die mit Dem Kohlenvorrat, Der Reise oDer Dem Frühlingshut — bleibi nur Die einzige Hoffnung, daß es morgen regnet. Oder, vielleicht könnte das liebe Tier auch mal den Tag verschlafen??
E. L. St.
Dornotizen.
Tageskalender für Montag.
Gloria-Palast (Seltersweg): „Habanera". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Der Schimmelkrieg von Hollerdau". — Naturheilv'erein: 20.15 Uhr im Katholischen Dereinshaus „50 Jahre ... und doch jung." — Oberhessischer Kunstverein Turmhaus am Brand: Frankfurter Künstler der Gegenwart, Besuchszeit: 17 bis 18 Uhr.
Der Forscher Dr. Vernahik spricht in Gießen.
Der Goethe-Bund und Kaufmännische Verein haben in Verbindung mit der Volksbildungsstätte der NSG. ,Kraft durch Freude" für Freitag, den 4. Februar, den bekannten Forscher Dr. Hugo Adolf Bernatzik zu einem Lichtbildervortrag „Auf den Spuren unbekannter Völker in Hinterindien" gewinnen können. Drs Be r n a tz i k, der auch Verfasser zahlreicher hervorragender Werke ist, hat, wie man uns schreibt, 1936/37 zusammen mit seiner Frau eine wagemutige Expedition nach Hinterindien unternommen, um eine Reihe wichtiger völkerkundlicher Probleme Hinterindiens zu lösen. Ohne militärischen Schutz drangen Die Forscher in die Urwaldgebiete ein und brachten reiche Beute zurück. Der Vor
tragende spricht an Hand interessanter Lichtbilder von seinen spannenden Abenteuern mit Menschen und Tieren.
NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude".
Sonntag, den 6. Februar 1938, 14.45 Uhr, „Eine Nacht in Venedig", Operette in 3 Akten von Johann Strauß. Wiederholung aus vielfachen Wunsch. Preise: 1,20 RM., 1,— RM. und 60 Rpf. Diese Vorstellung bietet die letzte Möglichkeit, die erfolgreiche Operette zu sehen. 619l)
Theatermiete Gruppe I.
Die Theaterkarten der obigen Gruppe können abgeholt werden. Die nächste Vorstellung dieser Gruppe ist am 5. Februar 1938, und zwar kommt die Operette „Die Geisha" zur Aufführung.
Omnibusfahrt zur Jubiläumssihung des Mainzer Karneval-Vereins.
Am 12. Februar 1938 führen wir eine Omnibus« fahrt nach Mainz zur Jubiläumsfitzung des Mainzer Karneval-Vereins in der Stadthalle durch. Der Teilnehmerpreis beträgt einschl. Eintritt in Die Stadthalle 6.— RM.
Omnibussahrt am Rosenmontag nach Mainz und Köln.
I Am 28. Februar führen wir Die beiden vorstehenden Fahrten durch. Der Teilnehmerpreis beträgt für Die Fahrt nach Mainz 4,40 RM., für die Fahrt nach Köln 7,50 RM.
Die Theaterkarten und die Omnibusfahrfcheine find in der Kartenverkaufsstelle, Gießen, Seltersweg 60, erhältlich. * 612D
** Ernennungen b e: m ® e r r amt Gießen. Der Herr Reichs- und Preußische Arbeitsminister hat Den Verwaltungssekretär Peter Iöckel Dom Versorgungsamt Gießen mit Wir- Eung vom 1. November 1937 zum Verwaltungs- infpeftor, und Den Assistenten Heinrich Lipp« h a r D t vom Versorgungsamt Gießen mit Wirkung vom 1. Januar 1938 zum Sekretär ernannt.
** Polizeiliches Einschreiten gegen Verkehrssünder. Die Polizei schritt in der Zeit vorn 21. bis 27. Januar ein: gegen Kraftfahrzeugführer mit 16 Anzeigen und 22 Verwarnungen; gegen Radfahrer mit 1 Anzeige und 11 Verwarnungen und Belehrungen; gegen Fußgänger mit 1 Anzeige und 1 Verwarnung und Belehrung.
** Heftige Stürme und Schnee - und R e ge n f ä 11 e gingen am Samstagnachmittag und in Der Nacht zum Sonntag bis in Den gestrigen Sonntagvormittag hinein in unserer engeren Heimat nieder. Die heftigen Stürme haben teilweise allerlei Schaden angerichtet. U. a. wurden am Samstagabend an Der 4. Schneise Des Stadtwaldes mehrere große Bäume von dem Sturm umgeriffen und quer über die Landstraße Gießen—Steinbach geworfen. Soldaten aus der Waldkaserne mußten zur Beseitigung Der Hindernisse herbei gerufen werden. In Der Umgegend wurden weiter an verschiedenen
Oie Mädchen ans der Burgflraße.
Vornan von Hilde K Lest.
4. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Macher zuckte Die Schultern. „Meinetwegen. Glauben Sie, mir steht Der Sinn Danach, solche Feststellungen zu treffen? Was ich von Den Lenzmädels weiß, weiß ich von Lisbeth. Die spricht von Ursula immer als von einem Kinde."
„Wir nähern uns dem entscheidenden Punkt", sagte Stelling, „ich glaube, daß ich mich von nun an verständlich ausdrücken kann. Ich habe dieses Kind vor einigen Monaten kennengelernt. Wir sehen uns alle Tage oder doch beinahe alle Tage. Leider immer nur für wenige Minuten. Denn oa man Fräulein Ursula trotz ihrer achtzehn Jahre zu Hause tatsächlich wie ein Kind behandelt, gäbe es einen Höllenlärm, wenn — etwas herauskäme. Ich habe Ursel sehr gern, ich habe es nicht auf eine romantische Liebschaft abgesehen, mir ist diese Heimlichtuerei ein Greuel. Ich möchte lieber mit offenen Karten spielen. Ich könnte mich doch einfach unter irgendeinem Vorwand bei Der Familie einführen. Ich wollte zum Beispiel den Mittagstisch der Mutter Lenz besuchen. Aber Ursel hat schreckliche Angst, weniger vor ihrer Mutter als vor ihrer Schwester Lisbeth, Die ja, wie Sie selber sagen, Männern nicht sehr hold ist."
„So", sagte Macher lachend, „und Da soll ich, ausgerechnet ich, bei Lisbeth um Schönwetter bitten. Da ist ein junger Mann, soll ich sagen, ich kenne ihn zwar auch nicht näher, aber nehmen Sie ihn Doch in Gottes Namen und mir zu Liebe als Schwager auf!"
„Worauf sie genau das Gegenteil machen würde! Nein, Herr Macher, so einfach habe ich mir Das Doch nicht vorgestellt. Aber Ursel hat mir oft von Ihnen erzählt — Das Kind weiß durch die Schwester mehr von Ihren Dingen als Sie ahnen mögen — und Das mar’s, was mich zwang, mich mit Ihrem Dampfkessel zu befassen. Wir kommen also wieder zur Technik. Sie sagte einfach: du bist In
genieur, eigentlich müßtest Du etwas für Macher tun können! Das ist JungmäDchenlogik, aber es ist eine. Und da ich mich mit Ihrer Arbeit beschäftigt habe, wurde aus dem Saulus ein Paulus."
„Aus guten Gründen ..."
„Herr Macher", sagte Stelling ernst, „das mögen Sie halten, wie Sie wollen. Ich verfolge hier zwei getrennte Absichten, und es ist mir gleichgültig, welche Sie an erste und welche an zweite Stelle setzen wollen.. Für mich ist Absicht eins: mich für Ihren Kessel einzusetzen, Absicht zwei: durch meine
Leistung Das Vertrauen Lisbeths zu gewinnen, Damit ich nicht länger wie ein Schuljunge Den heimlichen Liebhaber spielen muß. Sie sehen, daß ich offen mit Ihnen spreche. Ich hätte Ihnen Die Absicht zwei auch verschweigen können. Aber ich mag nicht mit irgendwelchen Hintergedanken mit jemand arbeiten. Ich bin nun mal so. Und nun frage ich Sie: Wollen Sie mich, so wie ich bin, haben oder nicht?"
Macher beschäftigte sich, ehe er antwortete, eindringlich mit einem Bleistiftspitzer. Dann sagte er langsam: „Wenn Ihnen Hintergedanken unbequem sind, was ich anerkenne. Dürfen Sie von mir auch nicht erwarten, daß ich mit Ihnen ein Komplott hinter Dem Rücken Lisbeths schmiede. Sie haben mir ganz privat Ihr Herz ausgeschüttet. Ich Danke Ihnen für diese unterhaltsame Stunde. Und nun will ich alles, was Sie mir gesagt haben, wieder vergessen."
„Ist Das alles?" sagte Stelling enttäuscht.
„Alles, was ich Ihnen zu sagen habe. Wenn Sie aber in irgendeiner Form mit uns arbeiten wollen, steht es Ihnen ja frei, Die Verhandlung, Die Sie heute mit Fräulein Lenz begonnen haben, mit ihr nach Belieben fortzusetzen."
Stelling streckte ihm dankbar beide Hände entgegen. Macher nahm nur Die eine, aber in seinen Augenwinkeln zuckte ein verstehendes Lächeln.
Als Stelling in Der hell erleuchteten Königstraße stanD, mar es halb zehn Uhr abends. Zum Hause Lenz war. kein weiter Weg. Er ging zur Burg- straße hinab, bog um Die Ecke und ging am Spree» gelänDer entlang bis zum Hause 118. Unten am Fluß hatte ein Schleppkahn festgemacht, Der Wachhund begrüßte Stelling mit lautem Kläffen. Es war so still hier, Daß Die Schritte eines einzelnen Menschen laut durch die Nacht hallten. Die Burgstraße schlief. Das Schloß stand als schwarze, von keinem Lichtschein unterbrochene Masse vor Dem rötlichen Schimmer Des Großstadthimmels. Im Norden aber leuchtete die Kuppel des Domes wie grünes Glas unter Den Lichtern Der Scheinwerfer. Das Hündchen des Schiffers hatte sich wieder beruhigt, die Positionslichter des Kahnes spielten mit kleinen Wellen, Die Der AbenDwinD vor sich hertrieb, unsichtbar über Der nachtschwarzen Fläche der Spree klagte eine Wildente.
Der junge Mann lehnte am Geländer und nahm dieses Bild Berlins in sich auf. Das war Berlin, wie er es lieben gelernt hatte, seit es ihm mehr zu bieten hatte als Arbeit, Arbeit und wieder Arbeit. Diese Riesenstadt, Die ihr Herz nicht jedem offenbart, Der gedankenlos den großen Strömen der Verkehrswege folgt und sich treiben läßt von der Hast des Alltags. Er hatte gelernt, hinter Die Fassaden zu sehen, die jeder vor sich aufbaut.
Aus der dunklen Häuserzeile der schlafenden Burgstraße leuchtete gerade vor iym das helle Rechteck eines Fensters. Es war das Fenster, hin
ter Dem zu dieser Zeit Ursel sich aufhielt und mitunter auf ein Zeichen von üjm wartete, auf einen Gutenachtgruß, eine Verabredung für den morgigen Tag. Er bückte sich und suchte nach einem Steinchen. Das warf er geschickt gegen Die Fensterscheibe. Der Schatten einer weiblichen Gestalt ward sichtbar, das Fenster wurde geöffnet, das Mädchen lehnte sich hinaus.
„Pst!" machte Stelling und trat näher auf das Haus zu auf Den Fahrdamm. In diesem Augenblick bog ein Wagen, von Der Königstraße kommend, in Die Burgstra'ße ein unD warf seinen Lichtkegel über Stelling. Zur gleichen Zeit erkannte Stelling das Mädchen im Fenster, es mar nicht Ursel, die er erwartet hatte, es war Lisbeth. Das Auto fuhr an ihm vorbei, die Dunkelheit nahm ihn wieder auf, aber er sah noch, wie Lisbeth unwillig Den Fensterflügel zuwarf.
„Esel!" sagte er und schlich mit eingezogenem Kopf davon. Er kam sich wie ein ertappter Schuljunge vor. Als er am schwach erleuchteten Portal des kleinen Hotels „König von Spanien" vorbei- Eam, hielt gerade eine Droschke mit kreischenden Bremsen neben ihm. Das Licht fiel auf Den Fahrgast, Der sich mit etwas linkischen Bewegungen bemühte, einen umfangreichen altväterlichen Koffer auf den Bürgersteig zu zerren. Stelling blieb belustigt stehen, denn der Mann und der Koffer paßten wundervoll zu diesem alten Hotel und in dieses Stück Alt-Berlin, über Dem Der Geist Minna von Barnhelms schwebte. Nun drehte sich Der Ankömmling um unD tat Den Mund auf, etwas zu sagen, denn er hielt Stelling offenbar für Den Portier. Stelling fühlte sich ein zweites Mal seit wenigen Sekunden ertappt, Denn er kannte das Gesicht dieses Mannes, er hatte ihn erst heute gesehen. Rich- tig! er hatte ihn sich heute nachmittag in der Konditorei „Zur Sonne" sogar» sehr genau angesehen, recht wütend angesehen. Nun lief er ihm abermals in die Quere. War das ein Zufall, daß dieser Fremdling nachmittags mit Ursel bei Kaffee und Kuchen saß und abends ein Hotel bezog, Das nur zwei Häuser vom Hause Lenz trennten? Stelling fand, daß ihm jetzt nur noch Die berühmte schwarze Katze fehlte. Sie kam Denn auch aus Der Tiefe Der Spreeböschung, funkelte ihn argwöhnisch an und wollte gerade in ein Haustor laufen, als Stelling ihr ärgerlich einen Stein entgegenwarf, Der noch für Ursels Fenster bestimmt war. Der Stein landete haargenau vor den Pfoten des Katzentieres, und dieses nahm eiligst wieder den Weg, den es gekommen war. Dann verließ auch Stelling seinen Beobachtungsposten und ging nach Haufe.
Indessen hatte der Ankömmling seine Verhandlungen mit dem „König von Spanien" beendet und seinen Namen auf den Meldeschein gesetzt: Dr. Walter Mansfeld; Beruf: Studienassessor; letzte Wohnung: Berlin-Grunewald, Hubertusallee Nr. 123; voraussichtliche Dauer des Aufenthaltes: bis auf weiteres.
Der Phantasie des Portiers war ziemlicher Spielraum gelassen. Zunächst vermerkte er, daß der Doktor um sieben Uhr geweckt werden und bis dahin einen Anzug gebügelt haben wollte. Diesen Anzug brachte Der Hausdiener eine halbe Stunde später zur Besichtigung in die Portierloge. Es war mehr als ein Anzug. Es war ein Cutaway.
„Pikfeine Qualität, ganz auf Seide, mit Tressen abgesetzte Kanten", stellte Der Hausdiener fest.
„Leider völlig unmodern", ergänzte Der Portier unD fuhr fort: „Entweder er macht morgen eine Prüfung oder er seht uff Brautschau ..."
Der Morgen brachte die Entscheidung. Als Der Hausdiener um zehn Uhr an Der Portiersloge vor« beiging, sagte er: „Brautschau!" Und als der Portier eine Frage tun wollte, bekam er einen duftenden Rosenstrauß unter Die Nase gehalten. „Ha'ck soeben holen müsien. Mit sowat seht man nich uff Prüfung!"
„Einen Wagen, Herr Doktor?" Dienerte Der Hausdiener, als Mansfeld in feinem feierlichen Anzug die Treppe herabkam. Seine Antwort: „Danke, ich gehe nur eine paar Schritte!" ließ Die Erregung auf Den Siedepunkt steigen. Das Hotelpersonal stand wie ein Mann, um Den „paar Schritten" mit neugierigen Blicken zu folgen. Und als Der Assessor gleich Darauf im Tor Nummer 118 verschwand, fanb allein die Küchenfee einen Ausdruck für die starre Verwunderung, Die alle befallen hatte: „'ne Lenzsche isset, aba nu sag' mir eena — welche!"
Die Mutter Lenz war zwar auch an ihrer Flur- tür zurückgeprallt, als sie Den Assessor in seinem eindeutigen Auszug, mit Rosenstrauß und Seidenhut dastehen sah, aber Die Frage „Welche —?" bewegte sie nicht. Und sie hätte doch etwas Dafür gegeben, wenn sie diese Frage noch hätte stellen können. So brachte sie nur ein verlegenes: „Herr Assessor! so früh und so feierlich!" heraus.
,Zch weiß", sagte der Assessor, keinesfalls unsicher und mit der Bestimmtheit eines Mannes, Der jedes seiner Worte genau bedacht hat, „ich weiß, daß Der Zeitpunkt ungehörig früh ist. Aber wichttge Gründe zwingen mich, keine Minute zu verlieren, und ich bitte Sie sehr, liebe Frau Lenz, mein frühes Eindringen zu entschuldigen."
Mutter Lenz hatte sich gefaßt, sie band Die Kü- chenschürze ab, strich vor Dem Spiegel Das graue Haar ein wenig zurecht und nötigte Mansfeld in den Salon. Dort zog sie Die Jalousien hoch und öffnete ein Fenster, denn es roch ein wenig nach Mottenkugeln.
„Sie müssen entschuldigen, daß es bei mir so aussieht", sagte sie und wies auf die von weißen Ueberzügen bedeckten Plüschmöbel, „die Sonne bleicht sie nämlich so sehr aus. Sie verstehen das. Ich habe selten Gäste außer meinen Tischgästen. Dafür sind Sie mir aber auch zu jeder Zeit herzlich willkommen!"
lFortjetzung folgt.)


