Ausgabe 
31.1.1938
 
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Nr.25 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Montag. Zl.Zanuar 1958

Der fönsteZahresiag derMachiübernahme in Gießen.

Zum fünften Jahrestag der Machtübernahme des Führers zeigten die Straßen unserer Stadt am gestrigen 30. Januar außerordentlich reichen Flag- aenschmuck. Nach den heftigen Stürmen und Nieder­schlägen oom Samstagabend waren am Sonntag­früh bei weiterem Negen, der zeitweise auch mit Schnee vermischt war, die Wetterausfichten zunächst wenig verheißungsvoll, jedoch klärte sich das Wetter vom Mittag ab immer mehr auf, so daß das Haupt­ereignis des Tages, der große Fackelzug am Abend mit der anschließenden Kundgebung auf Oswalds- garten, sich unter besten Voraussetzungen abwickeln konnte.

Am Sonntag in der achten Morgenstunde fand zunächst Großes Wecken statt, das im Bereich der Ortsgruppen Gießen-Süd und Gießen-Mitte von der Kreiskapelle der Partei, im Bereich der Ortsgruppen Gießen-Nord und Gießen-Oft von dem Mufikzug der Standarte 116, gefolgt von einem Ehrensturm (11/116 unter Führung des Obersturm­bannführers Förster) ausgeführt wurde. Die schneidige Marschmusik brächte auch die Langschläfer auf die Beine und war ein schöner Auftakt des Tages. Weitere Stürme führten am frühen Morgen Propagandamärsche durch.

Der Vormittag brachte dann für die Hitler- Jugend und den B D M. die Uebertragung der Rede des Reichsminifters Dr. Goebbels, die von den Einheiten der Jugend in den verschiedenen Heimen gehört wurde. In den Kasernen unse- ferer Garnison fanden feierlicheAppelleder Truppenteile statt, bei denen die Bataillons­kommandeure bzw. der Abteilungskommandeur in Ansprachen auf die Bedeutung des Tages hinwiefen.

Am Abend, etwa von 18.30 Uhr ab, herrschte in den Straßen starker Betrieb. Die Männer der Poli­tischen Leitung, der SA. und des NSKK. und die Jungens der HI. machten sich auf den Weg zu den Sammelplätzen ihrer Einheiten, von wo aus gegen 19 Uhr der Anmarsch der geschlossenen For­mationen nach h^m gemeinsamen Sammelplatz in der Ludwigstraße und auf dem Ludwigsplatz er­folgte. Zu dieser Zeit befanden sich auch viele wei­tere Volksgenossen unterwegs nach dem Mittelpunkt der Stadt, um hier als großes Ereignis des Tages den

Eine Vorstellung von der Länge der Marschsäule gibt die Tatsache, daß die Spitze des Zuges vom Horst-Wessel-Wall her bereits wieder beim Hotel Schütz angelangt war, als das Ende des Zuges gerade beim Hotel Schütz die Kreuzung Bahnhof­straße / Horst-Wessel-Wall passiert hatte; der Marsch­block füllte also den Raum oom Hotel Schütz die Bahnhofstraße entlang bis zum Schipkapaß, die Kaplansgasse hindurch, den Seltersweg hinauf und oom Selterstor bis zum Hotel Schütz aus. lieber den Horst-Wessel-Wall erfolgte der Anmarsch zur Kundgebung auf Oswaldsgarten

Nachdem die Formationen in einem großen Vier­eck aufmarschiert und von Standartenführer L u t - t e r dem Kreisleiter Backhaus gemeldet waren, eröffnete Kreispropagandaleiter Heymann die Kundgebung. Er forderte alle Volksgenossen auf,

nach der Machtübernahme, zu tiefinnerlicher Dank­barkeit.

Und diese Eintracht, die heute nur noch von notorischen Stänkerern, von Judenfreunden und dem Pfaffengezänk einzelner Konfessionen gestört wird, hat letzten Endes zu den großen Erfolgen der letzten fünf Jahre geführt. Sie hat nach Ueber- windung großer außenpolitischer Schwierigkeiten uns in letzter Zeit auch viele Freunde in Europa und in der weiten Welt zugeführt. Und weil wir nun wissen, daß auch in der Zukunft die Einheit des Dorfes, der Stadt und letztlich die Einheit des ganzen Volkes die Voraussetzung bildet für unsere Erfolge außen- und innenpolitischer' Art, deshalb wollen wir unsere Hauptaufgabe in der nächsten Zeit darin sehen, den Judenfreunden das schmutzige Handwerk des Geschäftemachens mit Juden zu legen und den politisierenden Schwarzröcken, die in den Dörfern in der Jugend beiderlei Geschlechts

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Kreisleiter Backhaus während feiner Ansprache zur Kundgebung auf Oswaldsgarten. (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)

Fackelzug der Gliederungen der Partei zu sehen. Um 19.30 Uhr fetzte sich die außerordent­lich lange Marschkolonne in Bewegung. Unter Vor­antritt des Musikzuges und des Spielmannszuges der SA.-Standarte 116 marschierten die Einheiten, an der Spitze der großen Marschsäule Kreisleiter Backhaus, von der Ludwigstraße durch die Bleichstraße, Hindenburgwall, Frankfurter Straße, Liebigstraße, Bahnhofstraße, Kaplansgasse, Selters­weg/Horst-Wessel-Wall zum Oswaldsgarten. Es war ein prächtiger Anblick, den der Fackelzug als eine unübersehbare lange doppelreihige Feuer­schlange bei dem Marsch durch die Straßen bot. Ueberall auf seinem Wege wurde der Zug von den großen Zuschauermassen herzlich begrüßt.

In der ersten Gruppe des Zuges marschierte die SA. unter Führung des Standartenführers Lut­ter. An der Spitze der zweiten Gruppe mar­schierten unter Führung des stellvertretenden Kreis­leiters Holländer die Politischen Leiter der Kreisleitung und aller vier Ortsgruppen, Vertreter der Werkscharen, das NSKK. mit seinem Stan­dartenführer Nagel an der Spitze, NS.-Studen- tenbund, die Hitler-Jugend unter Führung des Unterbannführers Schneider, Jungvolk mit dem Jungbannführer Taesler an der Spitze, am Schluffe die ff unter Führung des Führers des ff-Sturmbanns 1/83, ff-Hauptfturmführer Hain­bach.

den Geist der Bewegung in der Kampfzeit wach­zuhalten und in diesem Geiste weiter zu marschieren und weiter zu kämpfen für ein einiges deutsches Volk, in dessen Reihen niemals wieder Zwietracht einkehren kann. Hierauf sprach

Kreisleiter Backhaus

zu der großen Versammlung der Formationen und zu den Hunderten von Volksgenossen, die ringsum Aufstellung genommen hatten. Er sagte in seiner Rede u. a.:

Als wir soeben diesen schönen Fackelzug, an dem die Partei mit der SA. und all ihren sonstigen Gliederungen und Organisationen teilgenommen hat, durch die Hauptstraßen unserer oberhessischen Stadt Gießen geführt haben, da werden Ihnen genau wie mir allerlei Gedanken durch den Kopf gegangen fein. Unsere Gedanken sind zurückgekehrt in die Kampfzeit und in die vergangenen fünf Jahre nach der Machtübernahme. An nianchen Straßenecken haben wir unwillkürlich nach links oder rechts in die Nebenstraße geschaut in Erwartung eines Ueber- falls von jüdisch verhetzten Volksgenossen. Das ist heute Gott sei Dank vorbei. Allein die Tatsache, daß heute alle in einem geschlossenen Zuge mar­schieren, daß keine Morde und Ueberfälle in Deutsch­land mehr stattfinden, daß in den Betrieben, Kon­toren und Werkstätten der Arbeitsfriede Einkehr gehalten hat, verpflichtet uns heute, fünf Jahre

und hauptsächlich bei den Frauen ihren zerstören­den Einfluß geltend machen, gehörig auf die Finger zu klopfen; natürlich nur bildlich gesprochen. Die anständigen Pfarrer mit nationalsozialistischer Ge­sinnung wollen wir natürlich keineswegs irgendwie behelligen. Die anderen aber, die beispielsweise an­statt für das WHW. einzutreten, glauben, Pakete für politische Verbrecher entgegennehmen zu müssen, ober uns Vorschriften machen zu können, wie wir die weltanschauliche Schulung durchzuführen haben/ sollen wissen, daß mir uns das nicht gefallen lasten.

Und so wollen wir denn nach der Totenehrung unseres unvergeßlichen Sturmführers Maikow- f f i, der heute vor fünf Jahren gefallen ist, unsere Kameradschaftsabende durchführen mit dem unbeug­samen Willen im Herzen, auch in den kommenden Jahren treu zum Führer zu stehen und von dem uns gesteckten Ziel keinen Fußbreit abzuweichen!"

Nunmehr folgte eine eindrucksvolle Toten­ehrung zum Gedenken an den am Abend des 30. Januar 1933 von Kommunisten in Charlotten- burg durch feigen UeberfaU ermordeten Sturm- führer Hans Eberhard M a i k o w f k i.

Standartenführer Lutter

erinnerte in feiner Gedenkansprache an die Kampf­zeit und an den 3 0. Januar 1 933 als den Tag des Sieges. An jenem Tage, so sagte er u. a., war der Höhepunkt des Siegesmarsches

der SA. der Vorbeimarsch vor dem Führer. Wuß­ten doch alle, daß nun eine neue Zeit für Deutsch­land hereinbrach. Durch die Machtübernahme des Führers hatten die schärfsten Gegner des National­sozialismus, Kommune und Sozialdemokraten, eine harte Niederlage erlitten, aber sie waren noch nicht tot. Das zeigte sich auch bald, als der- Fackelzug an diesem Tage beendet war und die Stürme in ihre Standorte zurückkehrten. Der Charlottenburger Sturm 33 mit seinem Sturmführer Hans Eberhard Maikowski bog gerade in die Waldstraße ein, als plötzlich alle Lichter erloschen und hinter dem marschierenden Sturm sich eine Horde von Men­schen ansammelte, johlte, pfiff und Drohrufe gegen die SA. ausstieß. Zu feige für einen offenen Kampf, lauerten diese dunklen Gestalten einem kleinen Häuflein SA.-Männer auf. Der Gesang ver­stummte, und Sturmführer Maikowski ging zurück, um nach der Ursache zu sehen. Er befahl weiterzufingen. In diesem Augenblick fielen aus der Menge Schüsse, ein Polizeibeamter, der sich frei­willig dem Shurm anreihte, sank tödlich getroffen nieder, auch Sturmführer Maikowski traf die todbringende Kugel. Trotz seiner schweren Verwun­dung führte er seinen Sturm aus der ^gefährlichen Gegend, und an einer Straßenecke brach er zu­sammen. Im Krankenhaus erlag auch er seiner Verwundung. Als erster Blutzeuge des großen Sieges ging er ein zur großen Standarte Horst Wessel. Sein Name wird weiterleben in der SA. und wird ewig verbunden sein mit dem Ehrentage der SA. Die SA. aber marschiert weiter, und sie wird so lange marschieren, so lange Deutschland lebt, und Deutschland wird nicht zugrunde gehen so lange SA. marschiert!

Zum Gedächtnis wurde zum Appell für Sturm­führer Hans Eberhard Maikowski aufgerufen, und aus taufend Kehlen erschallte, gleich einer Mahnung für alle Zeiten, dasHier!" in die Nacht hinaus.

Nach dem Treuegelöbnis zum Führer und dem Gesang der Nationallieder als Abschluß der Kund­gebung wurden Standarte und Fahnen zum Fah­nensaal zurückgebracht. Die SA. nahm dann an den Kameradschaftsabenden der Ortsgruppen teil.

Die Kameradschastsabende.

Ortsgruppe Nord.

Die Parteigenosten und alten Kämpfer aus den Reihen der Politischen Leiter, der SA., ff, NSKK., der Ortsgruppe Gießen-Nord und eine große Zahl junger Kämpfer fanden sich zu einigen frohen Stun­den im Cafe Leib zusammen.

Ortsgruppenleiter Thomas begrüßte die Partei­genossen mit herzlichen Worten und gestaltete den Abend zu einem schönen Kameradschaftsabend. Nach dem gemeinsamen LiedVolk ans Gewehr" wies in einer Ansprache ff-Untersturmführer Pg. Heinz Horn auf die Bedeutung des 30. Januar hin und stellte noch einmal in der Schilderung der Kampf­zeiten, der politischen Lage vor der Machtübernahme und der großen Stunden des politischen Erlebnisses damals und heute die gewaltige Größe unserer Zeit aller vor Augen. Pg. Horn erwähnte, daß in Gie­ßen während der Kampfzeit die alten Kämpfer einen schweren Stand hatten, für die Idee des Füh­rers zu kämpfen, um die Volksgenossen auf den Weg zu bringen, den sie heute gehen. Die alten Parteigenossen wußten, daß sie sich nicht umsonst einsetzten bis ins letzte, sie wußten, daß ihr Weg und ihr Ziel richtig war und daß einmal der,Tag kommen mußte, an dem der Führer die Macht er­griff. Und dieser Tag, der 30. Januar 1933, wurde Wirklichkeit. In Organisationen und Verbänden sei nun das deutsche Volk zusammengeschlossen worden

Gießener Stadttheater.

Giuseppe Verdi:Der Troubadour."

Wenn Verdi bis zu seinem 38. Lebensjahr mit den sechzehn Opern noch keinen andauernden Er­folg erreicht hatte, so ist es um so verwunderlicher, daß die drei folgenden Werke ihn plötzlich in den Mittelpunkt des Interesses der italienischen Oper stellen:Rigoletto",Troubadour" undLa Tra- viata". Wenn auch in den vorausgegangenen Opern typisch Verdische Züge nicht fehlen (die Verdi- Renaissance der vergangenen Jahre konnte davon genugsam zeugen), so hielten sie sich doch noch zu stark in den traditionellen Bahnen der italienischen Oper. Verdi hat einmal selber bekannt,daß er zehn Jahre früher den Rigoletto nicht gewagt haben würde",aber heute nicht mehr über Gegen­stände wie ,Nabucco', ,Foscarft schreiben würde". Sie weisen Szenen vom höchsten Interesse auf, ober sie sind ohne Mannigfaltigkeit. Es ist nur eine Saite erhebend, wenn man will, aber immer das­selbe." *-

In den drei genannten Spitzenwerten steht immer eine Person im tragischen Mittelpunkt, die sich durch ihre Ungewöhnlichkeit außerhalb der menschlichen Gesellschaft einordnet: imRigoletto" der Narr, im Troubadour" die Zigeunerin (Hexe), inXramata die Dirne. In einem Brief an seinen Textdichter Salvatore Camarano bezeichnet Verdi die Zigeune­rin als einWeib von besonderem Charakter . Nach ihr will ich die Oper nennen." Damit erklärt Verdi, daß ihn gerade das Besondere, nicht das Alltägliche und Traditionelle anreizt, und das ift der Schlüssel für die Durchschlagskraft der drei Werke. . _ ,

Die Handlung unserer Oper schließt sich an das DramaEl Trovador" von Antonio Garcia Gutierrez, dem Begründer der spanischen roman­tischen Schule, an. Auf die Durchgestaltung des Textes wie auch ganz besonders auf die Durch­formung der einzelnen Charaktere hat Verdi ent­scheidenden Einfluß gehabt, zumal die Schlußszene in ihrer realistischen Auswirkung ist ihm zu danken. Es ist notwendig, bis zuletzt die beiden großen Leidenschaften dieser Frau fortdauern zu lassen, die Liebe zu Manrico und den wilden Durst, die Mutter zu rächen. Wenn Manrico tot ist, wird,ihr Rachegefühl gigantisch, und sie sagt in äußerster Erregung:Ja, er war dein Bruder... du Tor... Mutter, du bist gerächt".

Die Handlung mit dem Kampf der Brüder um Leonore ist reich an musikalischen Situationen und dramatischen Momenten, und mit Rücksicht daraus kann man über einige allzu opernhafte Züge hin­weg sehen. Für die musikalische Durcharbeitung ge­

brauchte Verdi im Vergleich zu andern Werken verhältnismäßig lange Zeit; sein Ringen um den treffendsten Ausdruck ging soweit, daß er bisweilen die Melodien mehrfach änderte, ehe er sie gelten ließ, die Schaffensarbeit an dieser Oper ist beson­ders getrübt durch den Tod seiner Mutter; aber selbst der Textdichter sollte die Vollendung der Oper nicht erleben, er starb inmitten der Arbeit, und Leone Emanuele Bardare mußte das Werk zu Ende führen. Aus solcher inneren Haltung ist es dann zu verstehen, daß Verdi an Clarina Maffei schreibt:Man sagt, die Oper wäre zu traurig und es gäbe zu viele Tote darin. Aber schließlich ist doch im Leben alles Tod; was bleibt sonst noch übrig?"

Nicht nur in den Arien und Duetten gibt Verdi musikalische Höhepunkte, die explosiv aus der sich zuspitzenden Situation herausstrahlen, auch im Ensemble weiß er mit seiner Charakteristik die Ge­gensätze in der musikalischen Form ausgleichend zu­sammenzuschweißen. Von gant besonderer Wirkung ist dasMiserere in letzten Akt mit der A-cappella- Führung des Chores, der verzweifelten Leonore und dem Abschiedsgesang Manricos vom Turme her. Entsprechend den Ereignissen und den einzelnen Charakteren strebt seine Musik dem Heldischen zu; der Azucena verleiht er ins Dämonische vorstoßende Züge? immer aber ist Verdi situationssicher und hält sich frei von sentimentalen Zügen. Die Duett­szene zwischen Mutter und Sohn im letzten Akt ist von Einfachheit und bezwingender Innigkeit; er­schütternd, wie das Heimatsthema in die Ausein­andersetzung zwischen Manrico und Leonore hinein- ^Äe Anforderungen, die Verdi an die Vertreter der einzelnen Partien stellt, überschreiten bei wei­tem das übliche Maß. Es verlangt nicht nur volle Ausprägung der melodischen Linie, sondern geht oft an die Grenzen des Stimmumfanges heran, um seinem dramatischen Akzent letzte Auswirkung zu geben.

' Um so erfreulicher ist es. daß mit den Bedingt­heiten des Gießener Ensembles eine so hochstehende Aufführung ermöglicht werden konnte, die in ihrer inneren Geschlossenheit und in ihrer künstlerischen Durcharbeitung keinen Vergleich mit größeren Bühnen zu scheuen hat. Im geistigen Mittelpunkt der Aufführung stand Hildegard I a ch n o w als Azucena. Von ihrem ersten Erscheinen an im dritten Bilde ging etwas Dämonisches, ungemein Zwingen­des ja, fast Ueberfinnliches von ihr aus, jeder Blick, jede Gebärde, jede kleine Bewegung ließen die Sphäre des Unheimlichen wachwerden, von Szene zu Szene wachsend und bannend, und im voll ge­ladenen Affekt sich ZU wuchtender Größe empor­reckend Das ermöglichten ihr bis zum Letzten die zu jeder Charakterisierung fähigen stimmlichen Mittel, die im hohen dramatischen Akzent den Um­

fang von zwei Oktaven überschritten, gefüllt von der Glut des Timbres und der reichen Skala charakterisierender Ausdruckswerte. Aus diesen Grundlagen her durchdrang sie das Musikalische in stilsicherer, jeder Möglichkeit nachgehender Durch­leuchtung. Eine Azucena von außerordentlichem Format.

Margarethe Merian ließ in der Leonore be­tont das Weibliche, Lyrische hervortreten, dem Cha­rakter ihres Organs folgend, das im Decrefzendo der Höhe mit den klanglich beschwingten Pianissimo- tönen besondere Wirkungen einzufangen weiß. Ihr zur Seite stand Elfriede Grell als Ines, eine Freundin voll teilnehmender Besorgtheit und er­freulicher Anpassung an die gesangliche Aufgabe.

Als kämpferisch bereiter Gegner faßte Gustav Bley den Grafen Luna mit zwingender drama­tischer Kraft, ein unerbittlicher Gegenspieler der Zigeunersphäre. Weit ausgreifend in bewußter Führung seines akzentsicheren Organes, gab er die­ser Gestalt starkes inneres Gewicht, dabei in fein- gegliederter Linie den Bogen der Kantilene voll Wärme und stimmlichem Wohlklang spannend und sieghaft durchschlagend in der Höhe des Affektes.

Den Manrico hatte Ernst Riemenschneider als Gast übernommen. Seine Stimme ist in der Mittellage am ergiebigsten; da erklingt sie breit, fast ins Baritonale gefärbt. Seine mezza voce vermag er auch leicht in die höheren Lagen überzuführen, während sonst die Expansion seiner Höhe nicht in gleicher Richtung mit der Klangentwicklung in der Mittellage verläuft, da in seinem Organ die glvcken- hafte Weitung der Kvpfresvnanz noch nicht restlos durchgebildet ist. So konnte sein hohes C in der Stretta als der gesteigertste Ausdruck kämpferischen Mutes nicht durchschlagend zünden. Dagegen ver­mochte er in der Turmszene und im letzten Lied ein­drucksvoll zu wirken.

Der Erfolg des ersten Bildes ist der charakteri­sierenden Darstellung der Ferrando durch Alfons F o r ft n e r zu danken, sowohl mit feiner poin­tierenden Durcharbeitung des Gesanglichen wie durch die begleitende Geste. Der Chor der Nonnen hatte hier ebenso Anteil daran, wie mit den kriege­rischen Klängen an der Vertiefung des fünften Bil­des. Besondere Frische war der Chorszene des Zi­geunerlagers eigen; die gedämpfte Verhaltenheit des Chores gab der Turmszene die Untermalung.

Das Ganze hielt vom Dirigentenpult aus Joachim Popelka fest in der Hand, mit feinem Nachgehen beim Unterstützen der einzelnen Sängerindividuali­täten. Bei einigen Tutti-Stellen wäre mit Rücksicht auf die Stimmen eine leichte Zurückhaltung des Klangkörvers angemessen gewesen. Das Orchester folgte seiner schwungvollen, aus den musikalischen Bedingungen herauswachsenden Führung mit vollem

Einsatz trefflichen Könnens. Die Vorgänge der Bühne erfuhren durch Wolfgang Kühne Ausge­glichenheit und innere Gelöstheit. Der häufige Szenenwechsel der eindrucksstarken Bilder (Karl Löffler) vollzog sich überraschend schnell.

Das leider nicht voll besetzte Haus brach oft und mit Recht in überaus begeisterten Beifall aus.

Dr. Hermann Hering.

Filme und Dichter.

Immer wieder wird geklagt, daß so wenig Dich­ter sich finden, die etwas für den Film schreiben. Das liegt, wie Dr. Hans L e b e d e in einem gründ­lichen Aussatz des Februarheftes von V e l h a g e n & Klasimgs Monatsheften auseinander­setzt, zum Teil daran, daß sie des filmischen Brau­ches nicht mächtig sind und ihre Stoffe also nicht filmgerecht gestalten können. Folglich müssen film­dramaturgisch bewanderte Helfer kommen, die man oft geringschätzig als Routiniers bezeichnet, weil sie ein handwerksmäßiges Können beherrschen, ohne daß es nun einmal nicht geht. Und die machen dann des Dichters Schöpfung mit mehr oder we­niger Behutsamkeit für den Film zurecht. Findet sich aber der Dramatiker, der bereit ist, den schwe­ren Lernweg zu gehen, sich erst einmal mit den filmischen Forderungen bis ins letzte vertraut zu machen und dann ein Drehbuch zu schreiben, so wird er herzlich willkommen fein und dann bald auch keines Mitarbeiters mehr bedürfen, um das Filmkunstwerk aus einem Gusse zu schaffen. An­dererseits: hat sich so ein Dichter bereits gefunden wie etwa Gerhard Menzel, d'er nach seinen aus dem Roman entstandenenFlüchtlingen", im Mädchen Johanna" und an anderen Stoffen er­wiesen hat, was er für den Film schaffen kann, so darf er billig verlangen, auch als geistiger Ur­heber der filmischen Leistung gebührend bewertet zu werden. Und beachtet und herausgestellt. Kein Büh­nenautor wird dulden, daß seist Stück auf dem Theaterzettel alsSchauspiel von Werner Krauß" angezeigt wird, weil der die Titelrolle spielt und damit einen großen Erfolg hat. Der Filmdichter aber soll dulden, daß ihm gewöhnlich alle voran­gestellt werden, die noch an dem Werden dieses Gemeinschaftswerkes beteiligt sind: diepromrnen- ten" Darsteller, der Regisseur und mancher andere; er soll es dulden, daß, er allenfalls alsZubringer" betrachtet wird, aus/dessen Einfällen die andern erst das wahreKunstwerk" schaffen! Er wird sich dafür mit Recht bedanken und damit bleibt das Feld denen überlassen,' die gewiß nicht m ihrer Leistung herabgesetzt werden fallen, wenn man sie alsDrehbuch-Autoren" bezeichnet, aber nicht al« Dichter...

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